Heimfahrt mit Hindernissen

Um kurz nach sechs weckt mich eine Fliege, die meint, auf meinem Gesicht herumkrabbeln zu müssen. Einmal wach, beschließe ich, mit der Heimfahrt nicht mehr bis nach dem Frühstück zu warten sondern gleich aufzubrechen. Um viertel vor sieben rollt der Ducato.


Ich bin nicht der Erste, der sich früh auf den Weg macht. Peter, Harald und Uli sowie Klaus und Michael, die jeweils mit Auto und Anhänger angereist sind, wollten schon um fünf Uhr früh aufbrechen – die Sorge, an der Grenze von Österreich zu Deutschland in langwierige Personenkontrollen zu geraten oder im weiteren Verlauf in elende Baustellenstaus – hat so manchen zu nachtschlafender Zeit los fahren lassen.

Die Grenze zu Österreich passiere ich vorsichtshalber auf kleinen Nebenwegen nahe Obernberg am Inn. Dabei wird die ganze Absurdität der „Sicherung unserer Grenzen“ deutlich. Auf der Autobahn steht die Polizei bei Pöcking und produziert kilometerlange Staus, nicht weit davon entfernt passiere ich die Grenze auf einer Nebenstrecke, ohne kontrolliert zu werden. Sinnloser Aktionismus, wie es scheint.


Im weiteren Verlauf der Heimreise lobe und verfluche ich „mein Navi“. Das Garmin 390 macht, anderes als mein altes heißgeliebtes 278, nicht immer, was ich will. Insbesondere die Neuberechnung von geplanten Routen treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn. Auch heute!

Zunächst aber bin ich begeistert. Der Verkehrsfunktdekoder warnt mich zuverlässig vor Staus und schlägt nette Alternativen vor. So umgehe ich frühzeitig eine unfallbedingte Vollsperrung der A3. Glück gehabt.


Es läuft recht flüssig. Ein kurzer Tankstopp, ein kleiner Imbiss und schon geht’s weiter. Um die vielen Baustellen zwischen Nürnberg und Würzburg zu umgehen, fahre ich über die A70 Richtung Schweinfurth. Dann soll es eigentlich in einem weiten Bogen über die A7 Richtung Fulda und dann über die A61 zurück nach Fulda gehen – eigentlich …

Eine neuerlich Stauwarnung vor dem Autobahndreieck nahe Würzburg  lässt das Garmin 390 eine Alternativroute berechnen. Über Landstraßen in einem kleinen Bogen zur A7 – ist ja nicht mehr weit; dachte ich.

Doch der 390er berechnet den vermeintlich kürzesten Weg und der führt – zumindest kilometermäßig – über die A3. Da will ich aber nicht hin. Keine Ahnung, warum das Navi nicht auf die geplante Route zurückführt.

Plan B ist gefragt: über Landstraßen gen Heimat. Das klappt mit dem 390er wieder ganz gut – so dass ich kurz vor 16 Uhr endlich wieder zu Hause bin. Ende einer Heimfahrt mit einigen Hindernissen.

Auf Höhenwegen durchs Mostviertel

Tausche Schotter gegen Asphalt – heute möchte Stefan mal mit den Enduro-Wanderern fahren, also übernehme ich eine Straßengruppen. Das Mostviertel ist das Ziel der heutigen Tages, eine besondere Empfehlung die dortige Panoramastraße.

Auf kleinen Güterwegen fahren wir bis zur Donau und wechseln alsbald die Uferseite. In Neuhofen an der Yps legen wir die erste Kaffeepause ein. Sogleich Gesellen sich zwei Österreicher zu uns, die sich als Motorradfahrer outen. Interessiert begutachten sie die Honda von Axel, der dank „Automatikgetriebe“ Kupplungs- und Schalthebel fehlen. Doch statt – angesichts dieser technischen Innovation – in Ehrfurcht zu erstarren meinen sie nur launig: „Aha, behindertengerecht“. Wie gemein 😉


Auf kleine Wege erkunden wir anschließend das Mostviertel, in dem erstaunlicherweise gar nicht so viele Apfelbäume stehen. Dann geht es auf die „Höhenstraße“. Die zieht sich über viele Kilometer quasi einen Kamm entlang und bietet immer wieder prachtvolle Ausblicke. Die Fahrt hier entlang, ist echt ein Traum.


Unterwegs legen wir in einem kleinen Berggasthof eine idyllische Mittagsrast ein und genießen die atemberaubende Fernsicht. Dann gebt es so langsam zurück Richtung Yspertal.


Früher als sonst treffen wir im Hotel ein, wollen viele doch ihr Motorrad noch auf den Anhänger oder im Kleintransporter verladen.


Auch die Endurotruppe ist schon da – und hatte wieder einmal jede Menge Spaß mit Andi, dem ortskundigen Führer und Wirt des „Drei Hacken“. „Ein schöner Ausklang heute mit hohem Schotteranteil“ lautete das allgemeine Fazit.

Nach dem wieder einmal ausgezeichneten Abendessen sitzen wir am letzten Abend dieser abwechslungsreichen Reise noch lange zusammen und stoßen auf die vielen gemeinsamen Erlebnisse an.


Morgen gehts nach Hause. Die ersten wollen schon früh um 5 Uhr aufbrechen. Grenzkontrollen zwischen Österreich und Deutschland haben auf der Hinfahrt für kilometerlange Staus gesorgt; ähnliches wird auch jetzt am Wochenende zu befürchten sein.

Fahren wir mal zum Gipfelkreuz

Zwei Tage bleiben uns noch im Waldviertel – der heutige sollte für die Enduristi besonders erlebnisreich werden.

Zunächst aber gilt es Profanes zu tun: an Charlys GS hat das Rücklichtbirnchen wohl einen Wackelkontakt und brennt mal, mal brennt es nicht. Das tut es zwar schon seit Wochen (oder eben auch nicht), aber heute, um viertel vor neun, muss es unbedingt gewechselt werden. 

Dem armen Dieter sollte die Aufgabe zufallen, die Fehlerursache zu diagnostizieren und am besten gleich zu beheben. Der Wackler war schnell gefunden, der Birnchentausch war da schon schwieriger. Natürlich brach das Glas vom Sockel, der mühsam mit einer Zange aus dem Rücklicht „notoperiert“ werden musste. Dann aber leuchtete alles, wie es sollte.

Für die Endurofahrer begannen die Abenteuer wenig später. Kurz hinter dem Hotel führte ein steiler und sehr ruppiger Weg bergan. Der war mir noch von unserer ersten Waldvierteltour (vor vier Jahren) als nicht so ganz einfach fahrbar in Erinnerung. Als Jörg etwas den Schwung verlor und Klaus sich mit eben diesem vorbeimogeln wollte, strauchelte er ein wenig und kippte kopfüber vom Motorrad. Da saß er nun – und lachte.


Zu zweit konnten wir seine kleine Yamaha wieder auf die stollenbereiften Räder stellen – und schon gings weiter.

Am nächsten Anstieg grub sich die GS dann mit dem Hinterrad ein. Einmal die falsche Spur erwischt und schon ging es keinen Zentimeter mehr weiter. Viel Gas half garnichts: das Hinterrad drehte nur durch und die Kupplung fing an zu stinken.


Mit vier Mann wuchteten wir den schweren Zweizylinder aus der tiefen Kuhle und versuchten, die GS vorsichtig rückwärts so den Hang herab zu rangieren, dass die Räder wieder auf festem Untergrund standen. Ein hartes Stück Arbeit.

Im zweiten Anlauf klappte es dann problemlos, so dass wir schon bald das erste Ziel des Tages erreichen konnten: das Gipfelkreuz. Um dorthin zu gelangen mussten wir tatsächlich ein paar Schrittw laufen: Endurowandern eben 😉


Die Mittagspause legten wir im „Mohndorf“ Armschlag ein, suchten das Restaurant „Zum Mohnwirt“ auf uns aßen „Mohnkäse“ mit Speck.

Natürlich führte uns die Route anschließend durch weite Mohnfelder – und anschließend mal wieder in einen Wald. Die geplante Route war mit einer Schranke und dem Verbotsschild „Forststraße“ blockiert. Also galt es spontan eine Alternative zu suchen.


Die erste scheitere kläglich, als Andi seine KTM auf  einer Wiese in einem kleinen Wassergraben „versenkte“. Beim zweiten Versuch „verirrten“ wir uns im Wald. Uns war nicht ganz klar, ob der Hinweis auf eine Forststraße für den Weg galt, auf den wir abgebogen waren oder für den Schotterweg daneben. Das machte uns schon bald ein junger Landwirt klar, der uns unvermutet mit einem riesigen Traktor folgte.

Zunächst sah es so aus, dass wir ein wenig schneller wären, doch in einer Lichtung gab es kein Weiterkommen. Wir mussten wenden. Da aber war der Landwirt vor. Der fragte erbost, was wir hier machten? Andi erklärte ihm, dass wir uns wohl verfahren hätten und den Weg nach Winterberg suchen würden. Im tiefsten niederösterreichisch wurde daraufhin lautstark diskutiert – dann aber beugte sich der Waldbesitzer über die Karte im Tankrucksack der KTM und zeigte uns den Weg. So konnten wir  – in aller Freundschaft – den geordneten Rückzug antreten.

Weit sollten wir nicht kommen. Schon bald stoppte Andi an einem alten Bahnübergang, um zu erfragten, ob wir Lust hätten, rund fünf Kilometer über das alte Schotterbett zum nächsten Übergang zu fahren. Die Entscheidung nahm uns Peter ab: seine KTM hatte einen Plattfuß vorne – nix mit Schotter fahren.


Da der mitgeführte Kleinkonpressor nicht genügen Luft in den Schlauch pumpen konnte, wollten wir uns – ganz langsam fahrend – auf den Weg zur nächsten Tankstelle machen. Nach gut 1000 Metern kamen wir an einem Haus mit großer Garage vorbei, in der zwei Motorräder standen. Der Besitzer war gerade dabei die Fassade zu verputzen und sah irgendwie nach „Schrauber“ aus. Kurzerhand stoppte Harald und fragte, ob er zufälligerweise einen Kompressor hätte – hatte er! Nutze aber nix: der Schlauch war wohl durchs Walken mittlerweile so kaputt, dass die Luft schneller raus als reinströmte.

Nun war guter Rat teuer. Wir könnten in Hotel fahren und das Motorrad mit dem Auto und Anhänger holen, war eine der Gedanken. Und dann am Hotel reparieren. Schlauch und Montiereisen wären vorhanden. Dann hatte Jörg eine geniale Idee: Vielleicht gibt es in der Nähe ja einen Reifenhändler, meinte er.


Flugs war das Vorderrad ausgebaut, auf der KTM von Harald festgezurrt und schon gings los. Eine Stunde später war der Schaden behoben und alle Enduros waren wieder fahrbereit.

Mehr sollte heute nicht passieren. Viel gefahren sind wir nicht – „nur“ gut 120 Kilometer -, dafür haben wir viel erlebt. Davon konnten wir den Anderen beim Abendessen ausführlich erzählen.

Auf der Suche nach „gestrichelten Linien“

Burgen und Schlösser stehen für den heutige Tag auf dem Programm der „Straßenfahrer“. Und weil die zu fahrende Strecke nicht nur an den imposanten Bauwerken vorbei führen soll – zumindest eines will besichtigt werden – werden die Gruppen neu gemischt. 16 Teilnehmer „verlangen“ nach einem Besuch mit Führungen, alle anderen wollen sich die Burg Rappottenstein im vorbei fahren anschauen. Also werden die Gruppen entsprechend neu eingeteilt.

Auch bei den Enduristi gibt es Veränderungen – wir sind heute auf uns allein gestellt. Andi, der ortskundige Wirt, kann erst morgen wieder mit uns fahren, also müssen wir zusehen, dass wir alleine ein paar unbefestigte Wege finden. Leichter gesagt, als getan 😉

Im Garmin finden sich entlang der schmalen Güterwege, auf denen wir heute unterwegs sein wollen, zwar immer wieder gestrichelte Linien (die für unbefestigte Wege stehen), doch häufig enden diese im Nichts oder entpuppen sich als schmaler Trampelpfad. Mit ein wenig Glück und gutem Gespür kriegen wir aber doch eine ganz interessante Strecke zusammen.


Um neun brechen die Straßenfahrer auf, wir eine halbe Stunde später. Ein erstes Kaffeepäuschen legen wir in Mönchdorf ein. Leider hat das Gasthaus keine Terrasse – aber die Wirtsleute stellen uns Tische und Stühle einfach vor den Eingang und schon sind alle zufrieden.

Gut 210 Kilometer stehen am Ende des Tages auf dem Tacho, viele davon auf Asphalt gefahren. Der aber war für kleine, wendige Enduros wie gemacht. Schmal, meist kaum traktorbreit, schlängelte sich das schmale Asphaltband durch Wälder und über Anhöhen. Land- geschweige denn Bundesstraßen waren kaum dabei. Auch das hat Spaß gemacht.


Nach dem leckeren Abendessen und einem supertollen Naschtisch wurde dann mit Andi gefachsimpelt, wo hin es morgen wohl geht. „Wir schauen mal, ob wir einen neuen Weg hinauf zum Gipfel finden“, meinte dieser geheimnisvoll. Wir sind gespannt ..

Knapp 100 erlebnisreiche Kilometer

Tag zwei unserer erlebnisreichen Woche im Waldviertel. Die „Straßengruppen“ wollen heute Richtung Voralpen fahren, die Endurowanderer lassen sich von dem überraschen, was sich Andi – unser Wirt – wieder so alles ausgedacht hat. Und das sind jede Menge Überraschungen 😉

Gegen neun Uhr bricht (wieder) Hektik aus vor dem Gasthof „Drei Hacken“. Die Straßentruppen machen sich auf den Weg. Gut eine Stunde später starten die Endurowanderer.


Nachdem wir uns gestern „eingefahren“ haben, sind wir mittlerweile recht zügig auf losem Untergrund unterwegs. Immer wieder biegt Andi unvermutet von der Straße in einen kleinen Waldweg ab, der in den offiziellen Karten garnicht verzeichnet ist.

Einer davon scheint mitten im Wald zu enden. Doch weit gefehlt. Ortskundig wie Andi ist, hält er mitten auf ein morastiges Loch am Wegesrand zu und versenkt die 990er KTM erstmal im feuchten Untergrund. Schuld sind die falschen Reifen. Zu wenig Klötzchen 😉


Mit vereinten Kräften kriegen wir die Enduro wieder frei und schlängeln uns anschließend über einen kleinen schmalen und nicht minder morastigen Pfad gen Straße. Ein tolles erstes Abenteuer!

Das nächste Ziel ist Primus, ein fast 90-jähriger Schmied, der uns mit der ihm eigenen Leidenschaft zeigt, wie aus einem Stück Stahl in gut einer Stunde eine Axt wird – oder eine Hacken, wie es in Österreich heißt.


Die Mittagsrast legen wir am Bärnkopf ein und schnaufen erst mal ordentlich durch. Das Speckbrot schmeckt herrlich, die Sonne scheint, so hatten wir uns das gewünscht.


Höhepunkt nach der kleinen Pause war dann die kleine Bachdurchfahrt, bei der zumindest einer nasse Füße bekam. Mitten im Wasser stehend den Motor abwürgen sorgt für ausgiebige Heiterkeit bei den Umherstehenden. Der „Verursacher“ trug es mit Fassung.


Die obligatorischen Kaffeepause legten wir in der ersten österreichischen Whiskey-Destillerie ein. Bis zum Hotel waren es dann auf direktem Weg knapp zehn Kilometer, wir machten mit ein paar Schleifen gut 50 daraus.


Das Abendessen wir wieder einmal spitzenmäßig, so dass wir satt und zufrieden den „Absacker“ draußen in der Laube trinken und dabei den Vollmond genießen konnten. Der tauchte unsere Motorräder in ganz milchiges Licht. Auch das ein besonderes Erlebnis der diesjährigen Waldviertel-Tour.

Waldviertel intensiv

Der erste Tourtag – und es dauert doch bis viertel nach neun, bis die drei Straßenfahrer startklar sind. Vor allem das „Entleeren“ der vollgestopften Garage hat reichlich Zeit gekostet. Dann aber stehen alle Bikes startklar auf der Straße, die Gruppen sind eingeteilt und schon geht es los.

Heute wollen wir das Waldviertel intensiv erleben und werden rund um unseren Gasthof „Drei Hacken“ auf möglichst kleinen und kurvenreichen Wegen unterwegs sein. Nacheinander starten Stefan, Dieter und Michael zu ihrer letztlich rund 300 Kilometer langen Tagesetappe. Und am Ende des Tages werden wieder alle begeistert sein.

Auch die Endurowanderer, die erst um 10 Uhr starten. Andi, unser Wirt, will uns mit seiner 990er KTM herrliche Wald- und Wiesenwege zeigen. Wir schwingen uns ein wenig auf Asphalt ein und biegen schon bald auf den ersten unbefestigten Weg ab. Der führt uns zu einem kleinen See, an dem wir kurz Pause machen.


So geht es den ganzen Tag: Asphalt, Schotter, Asphalt, Waldwege, Asphalt, Wiesenpfade … eine herrlich abwechslungsreiche Mischung, die manchmal schon ein wenig herausfordernd ist. Aber genau so haben wir uns das ja gewünscht.

In einem kleinen Mühlenmuseum legen wir eine kurze Kaffeepause ein. Topfenstrudel und Himbeerschnitte sind der Renner – Klaus gönnt sich gleich zwei davon.


Das nächste Ziel: der Aussichtsberg Jauerling. Da geht’s auf ganz verwegenen Pfaden hinauf, die wir alleine niemals gefunden hätten. Aber Andi lotst uns sicher auch über die schmalsten Wege, so dass wir das Endurowandern so richtig genießen können. Lohn der Mühe: eine (verspätete) Mittagsrast, bei der wir die übrig gebliebene Hähnchen vom gestrigen Grillabend verspeisen.


Zurück zum Hotel geht’s dann auf vielen Um- und kleinen Güterwegen. Aus den restlichen 8 Kilometern bis zum Hotel machen wir am Ende fast 20 – jeder davon ein Erlebnis. Schnell noch einmal vollgetankt, dann lassen wir den ersten Tag Revue passieren.

Schön war’s, für jeden unserer Teilnehmer – sowohl auf der Straße, wie auch imm“Gelände“. Nach dem leckeren Abendessen lasen wir den Tag entspannt in der Laube des Hotels ausklingen. Da hockte der „harte Kern“ noch spät am Abend …

Unterwegs auf kleinen Güterwegen

Es ist Sonntag und eigentlich wollte ich schon längst auf dem Motorrad sitzen. Doch statt um neun Uhr – wie üblich – komme ich erst nach halb elf in die Gänge. Ein Schwatz mit dem Wirt, dann musste noch ein Spiegel getauscht werden, die Stromkabel fürs Navi mussten mit Kabelbindern fixiert werden und als es endlich losgehen sollte, stellte ich fest, dass die geplante Route nicht zu den geladenen Karten im Navi passte. Also alles noch mal neu …

Dann aber brummte der alte Boxer munter vor sich hin und der erste Abzweig auf einen der vielen Güterwege, von denen das Waldviertel nur so durchdrungen ist, ließ nicht lange auf sich warten. Die waren heute mein Ziel. Ich hatte eine Route gebastelt, die mich fast überwiegend auf kleinen, meist asphaltierten, oft nur Traktor breiten Straßen durchs Ländle führte. Und dabei immer wieder prächtige Aussichten boten.


Jeder dieser Wege hatte einen Namen – meist den der Besitzer jenes Hofes, an dem er vorbei führte. Und nirgendwo ein Verbotsschild – alles frei erfahrbar. Sagenhaft!


Bis gehen 15 Uhr war ich so unterwegs. Mal durch den Wald fahrend, dann vorbei an Wiesen und Feldern, über einen Höhenzug oder entlang kleiner Bäche. Einfach toll. In Königswiesen holte mich kurzzeitig die Zivilisation wieder ein. Nachdem ich stundenlang allenfalls durch eine kleine Ansammlung weniger Häuser gefahren bin, gab es hier einen kleinen Marktplatz mit gleich vier Gasthäusern.


In einem legte ich eine kurze Mittagsrast ein und gönnte mir einen Gemüselaibling. Sehr lecker. Eine gute Stunde noch und ich wäre wieder im Hotel. Doch fast wäre ich da nicht angekommen …

Wieder auf einem dieser herrlich einsamen Güterwege unterwegs, trete ich beim Schalten plötzlich ins Leere. Die kleine Rolle vorne am Schalthebel hatte sich verabschiedet. Also rechts ran und suchen. Die lange Schraube und das Distanzstück finde ich am Straßenrand, die Schaltrolle selbst bleibt verschwunden. Nicht weiter schlimm, nur eine passende Mutter bräuchte ich jetzt, um den Hebel wieder anzuschrauben.

Glücklicherweise bin ich in der Nähe eines kleinen Gehöfts liegen geblieben. Und weil der Hund dort anschlug, kam der Junior vorbei und fragte, was los sei. Die Mutter, die ich brauchte, fand er im heimischen Werkzeugkasten, so dass der Schalthebel schnell wieder montiert war – hoffentlich dauerhaft.


Zurück im Hotel herrschte schon reges Treiben. Nach und nach trafen die Teilnehmer ein, groß war die Wiedersehensfreude. Weil das Wetter schön war, ludt Andi am Abend zu seinem legendären Grillfest auf den kleinen Marktplatz ein, wo wir bis tief in die Nacht zusammensaßen.


Morgen werden wir mit drei Gruppen auf der Straße unterwegs sein und mit einer Enduro wandern. Waldviertel – wir kommen.

Eine Woche voller Sonnenschein?

Die Wettervorhersage sieht gut aus, wenngleich ich darauf nicht (mehr) viel gebe. Eine Woche lang wollen wir im Waldviertel Motorrad fahren. Und da schaust es derzeit nicht nach Regen aus.

Wir treffen uns im Yspertal. Da waren wir vor einigen Jahren schon einmal und haben dort – unterhalb von Wien – viele herrlich kleine Straßen entdeckt. Das hat jede Menge Spaß gemacht.

Morgen gehts offiziell los. Ich mache mich schon heute auf den Weg. „Meine“ Gruppe wird Endurowandern – da ist der Radius, in dem wir uns bewegen – etwas begrenzt. Deshalb will ich morgen das Waldviertel für mich auf kleinen Güterwegen entdecken. Mal schauen, ob das klappt.

Ein halber Tag Glückseeligkeit

Schon früh am Morgen brennt die Sonne vom strahlend blauen Himmel. Das wird ein guter Tag werden. Um kurz nach 9 Uhr sind wir unterwegs Richtung Grand Ballon – und haben die kurvenreichen Straßen ganz für uns alleine.


Bis auf 1200 Meter schraubt sich das kurvenreiche Asphaltband hinauf. Hier ist es noch ein wenig frisch. Gerade einmal 14 Grad zeigt das Bordthermometer. Von der „Route des Cretes“ stürzen wir uns – kurz bevor wir das Große Bellchen erreichen – wieder ins Tal und erklimmen die Höhenstraße kurz darauf erneut auf verschwiegenen kleinen Nebenwegen.

Dann erreichen wir den Col de la Schlucht. Die Straße ist frei, ein vor uns fahrendes Auto biegt freundlicherweise zu einem der vielen Restaurants auf der Passhöhe ab. Doch irgendwie zieht sich die Gruppe auseinander – hinter dem vierten Fahrer reißt es ab. Also rechts ran und kurz gewartet.

Als die „Nachzügler“ Anschluss halten, mogelt sich promt ein Auto vor uns und „versaut“ uns die Abfahrt. Zu allem Übel laufen wir bald auch noch auf ein Wohnwagengespann auf – überholen mit 10 Motorrädern im Rückspiegel zwecklos. Denn unten im Tal geht es in einer Rechtskehre unvermutet links ab zum Col de Ligne. Wenn die Gruppe da nicht geschlossen hintereinander weg fährt, ist das nächste Chaos vorprogrammiert. Irgendeiner wird den Abzweig ganz bestimmt verpassen. Also ergeben wir uns auf den nächsten vier Kilometern unserem Schicksal.


Auf der Sonnenterasse des Hotel Roed sitzend, ist diese Episode längst vergessen. Wir genießen die fantastische Aussicht und den leckeren Kaffee. Vielversprechend sind zudem die nächsten 80 Kilometer bis zur Mittagspause. Auf kleinen und großen Straßen, mit vielen Kurven und Kehren, über verschwiegene Waldpfade und zahlreichen Nebenwegen erreichen wir kurz nach 13 Uhr Valff, unterhalb von Straßburg.


Wir stärken uns mit einer „Galette“, eigentlich ein Pfannkuchen, hier aber ein Reibekuchen mit Schinken, Pilzen und ganz viel Munster-Käse; ein Genuss. Und dann neigt sich unser Elsass-Wochenende so langsam dem Ende zu. Nahe Iffezheim legen wir noch ein idyllisches Kaffeepäuschen ein, dann geht’s nach Hause.

Zwei Tolle Tage liegen hinter uns. Insbesondere der heutige Vormittag war fahrerisch ein Traum. Es hat alles gepasst. Vier Stunden reine Glückseeligkeit. Das muss unbedingt wiederholt werden. Wohin fahren wir im nächsten Jahr? Samstag hin, Sonntag zurück!

Nach der Pflicht die Kür

Punkt 9 Uhr sind alle da. Vom Rasthof Heidenfahrt starten wir ins Elsass. Unterhalb des Grand Ballon, in Muhlbach bei Munster, liegt unser Hotel. 345 Kilometer Wegstrecke liegen vor uns – ein „ordentliches Stück Arbeit“.


Die ersten 130 Kilometer legen wir deshalb auf der Autobahn zurück: A60, A61, A65. In Kandel geht es nach einer guten Stunde Fahrt endlich runter von der Bahn, einmal durch den Kreisel, den ersten Feldweg links und schon sind wir im Hofmarkt Zapf. Eigentlich wollten wir hier nur einen Kaffee trinken. Doch es gibt auch lecker Frühstück. Und so sitzen wir unter großen Sonnenschirmen am Feldesrand und lassen es uns gut gehen – toll.


Bald darauf ist Frankreich erreicht. Bei Scheibenhardt passieren wir die Grenze und fahren auf Nebenwegen mehr oder weniger parallel zur A35. Nach gut eineinhalb Stunden stoppen wir in Vendenheim. Im „La Tocante“ haben wir uns angekündigt; in der alten Scheune soll einst Napoleon seine Pferde gewechselt haben. Heute gibt es hier lecker Flammkuchen und andere Köstlichkeiten.

Auch wenn so mancher nach dem (zweiten) Frühstück eigentlich nichts zu Mittag essen wollte, so ein kleiner Flammkuchen mit Munster-Käse, Speck und Zwiebeln geht immer … Und so sitzen wir an einer langen Tafel im Hof und lassen es uns schmecken.


So langsam wird es Zeit für „die Berge“. Mit dem „Col du Kreutzberg“ bietet sich ein erster Vorgeschmack auf die herrlich kurvenreichen Straßen des Elsass, die uns heute und morgen erwarten. Doch jetzt ist erst mal Tankenstellensuche angesagt. Frank wird schon unruhig. Noch drei Kilometer, sagt mein Navi, dann gäbe es Sprit – doch diese Auskünfte sind nicht immer verlässlich.

Also legen wir in der nächsten Bar einen kurzen Stopp ein und fragen lieber noch mal. „Ja, die Tankstelle ist immer noch da“, sagt uns die Besitzerin freundlich lächelnd. Weil es sowieso Zeit für einen kurzen Stopp wäre, nutzen wir die Gelegenheit für eine kleine Kaffeepause unter einer mächtigen Kastanie.
Bestellt werden Kaffee mit Milch, Kaffee Creme und Kaffee Noir – vor und stehen anschließend ganz viele Tassen schwarzer Kaffee mit jeweils zwei Döschen Milch. So feine Unterschiede wie bei uns, gibt es in Frankreich nicht. Die „Grundbasis“ des schwarzen Kaffees wird mit etwas Dosenmilch zum Milchkaffee. Reisen bildet.

Der anschließende Tankstopp entwickelt sich zum üblichen Drama. Die Tanke ist zwar da, hat aber zu. An einer Säule gibt es zwar einen Automaten, aber der will unsere Kredit- und EC-Karten nicht. Hatte ich auf der Zufahrt nicht ein kleines Hinweisschild zu einem Super U gesehen? Richtig! Der Supermarkt hat eine Tankstelle und an der kann sogar in bar bezahlt werden.


Über den schmalen Col de Fouchy schlängeln wir uns weiter Richtung Weinstraße. Der Touristenrummel hat uns wieder, Auto reiht sich an Auto, überholen in einer Gruppe völlig sinnlos. Also ergeben wir uns unserem Schicksal und bummeln ein wenig durch die Städte. Bald darauf ist Munster erreicht und dann auch Muhlbach.

Auf der kleinen Terrasse des Hotel genießen wir das Feierabendbier während die Sonne so langsam hinter dem Gipfel des Gaschney versinkt. Zum Abendessen gibt es reichlich Sauerkraut mit Wurst und Schinken und einen köstlichen Nachtisch. Genau so hatten wir uns den heutigen Tag vorgestellt.