Heute sollte es gelingen

Das Wetter bleibt wechselhaft in den Alpen, die Routenauswahl erfolgt deshalb meist spontan und vornehmlich nach dem Kriterium, des wahrscheinlich geringsten Niederschlags. Heute sieht es für die Timmelsjoch-Tour ganz gut aus, verspricht das Regenradar doch südlich des Brenners wenig bis gar keinen Niederschlag, rund um Innsbruck hingegen nur für den Nachmittag.

Das heißt: heute fahren wir den „Passo Rombo“, müssen die Streckenführung aber komplett umplanen: das 2509 Meter hohe „Tor zum Süden (das uns wieder in den Norden führen wird), steht nun erst am Nachmittag und nicht schon gleich am Vormittag auf dem Programm. (Wenn die Funktion „Route umkehren“ auf dem Navi doch nur problemlos funktionieren würde …)

Bei strahlend blauem Himmel fahren wir ein kleines Stück ins Pfitztal, zweigen dann aber auf eine schmale Nebenstrecke ab, die uns hoch über dem Inn in Richtung Ötztal führt. Wenig später geht es links ab uum Kühtaisattel; das atemberaubende Sträßchen, das uns auf über 2000 Meter hinauf führt, haben wir wieder mal ganz für uns allein. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, schwingen sich sieben Motorräder durch Kurven und Kehren -und anschließend gleich wieder bergab; den Fotostopp am Passschild haben wir angesichts knapp zweistelliger Temperaturen und eines starken Winds ausfallen lassen.

In Grinzens fordert uns eine örtliche Umleitung, dann wird es so langsam Zeit für eine Kaffeepause, haben sich doch zwei Teilnehmer schon außerplanmäßig „in die Büsche“ geschlagen. Dabei sind wir noch keine der ansonsten üblichen eineinhalb Stunden unterwegs.

In Axams legen wir eine kurze Rast ein, bevor wir uns durch die Außenbezirke von Innsbruck Richtung alter Brennerstraße schlängeln. Rechts der Sill, die tief unten im Talboden fließt und parallel zur viel befahrenen Autobahn genießen wir die Abgeschiedenheit. Nahe Mühlbach ist dann die Brenner-Bundesstraße erreicht, die uns – häufig geschwindigkeitsbeschränkt – Richtung Staatsgrenze führt. Am Übergang nach Italien auch diesmal keinerlei Kontrollen; die nächsten beiden Pässe rücken näher.

Eine dicke Wolkenwand baut sich linker Hand über den Gipfeln des „Monte Gruppo“ zusammen, wir aber biegen in Sterzing rechts ab und „erklimmen“ den Jaufenpass. Gut 18 kurzweilige Kilometer sind es von der Stadtmitte bis zum „Gipfelplateau“; auch diesen Pass haben wir fast für uns allein und rollen knapp 20 Minuten später, mit einem breiten Grinsen im Gesicht – vor der kleinen Jausenhütte aus.

Genau zur richtigen Zeit, um eine kleine Mittagsrast einzulegen. Zwei Alternativen bieten sich an: eine deftige Gulaschsuppe im Freien oder ein kleines Stück Kuchen im Warmen …

Kurven- und kehrenreich stürzen wir uns wieder ins Tal, um in Sankt Leonard im Passeier zum 2509 Meter hoch gelegenen Timmelsjoch abzubiegen. Auch wenn der Belag stellenweise zu wünschen übrig lässt, die Tunnels häufig feucht und ein wenig rutschig sind – wir genießen jeden Kilometer, den wir zügig vorankommen.

Erst im letzten Dritten gewinnt das kurvenreich trassierte Asphaltband deutlich an Höhe; die „letzten 1000 Höhenmeter“ kommen erst ganz zum Schluss dazu. Am höchsten Punkt der Straße stellen wir die Motorräder ab und genießen die Aussicht – und die Ruhe, die an einem Mittwoch Anfang Juni hier oben herrscht. Das haben wir auch schon ganz anders erlebt …

Acht Kilometer sind es vom Pass bis zur Mautstation auf österreichischer Seite, wo man uns pro Motorrad 14 Euro Maut abknöpft. Dafür genießen wir aber auch ein „Stück Kultur“ – der „Steeg“ ist eines von fünf „Kunstwerken“, die den Besuchern die Geschichte und die Besonderheiten der Region näher bringen sollen.

Die nachmittägliche Kaffeepause legen wir in Sölden ein. Hier finden wir eine Bar, die – zum krönenden Abschluss des Tages – auch Eis verkauft. Was will man mehr …

Rund 50 Kilometer sind es noch bis ins Hotel. Gut 30 davon rollen wir durchs langweilige Ötztal. Ab Umhausen nimmt der Verkehr deutlich zu. Zwei Harleyfahrer, die nicht vorwärts kommen, ein Linienbus, ein Lieferwagen und drei Autos bremsen uns ein wenig ein. Früher hätten wir „das Messer zwischen die Zähne genommen“, hätten alles vor uns fahrende „niedergekämpft“ und hätten uns als Helden gefühlt. Heute schaust Du aufs Navi, stellst fest, dass Du in zehn Kilometern abbiegen wirst und kommst zu der Erkenntnis, dass Überholen nicht lohnt, zumal der eine oder andere sowieso gleich abbiegen wird – was er auch meist tut. So ändern sich die Zeiten. Man wird irgendwie ruhiger …

Kurz vor Tarrenz tanken wir noch mal voll und freuen uns schon auf das Feierabendbier auf der Terrasse. Zwei Tage bleiben uns noch, drei Routen haben wir dafür vorbereitet: die Schweizer Pässe, die Silvretta und die Zillertaler Höhenstraße. Mal sehen, welche Region morgen wettertechnisch die Beste ist …

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