Monatsarchiv: Juni 2018

Mehr statt weniger

Eigentlich soll die alte R 100 ja „gestrippt“ werden – kurzes Rahmenheck, andere Sitzbank, Miniblinker …

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Im Augenblick aber wird mehr an als abgebaut: der kleine Chromgepäckträger lässt das Rahmenheck gefälliger erscheinen, der Tankrucksack schafft ein wenig Stauraum und nächste Woche wird der schmale M-Lenker einem breiten Exemplar weichen.

Sieht so eigentlich auch nicht schlecht aus. Ich werde mit dem Umbau wohl noch ein wenig warten 😉

Die letzte Etappe

Unsere Flussreise entlang der Fulda neigt sich dem Ende zu – es geht wieder nach Hause. Am Frühstückstisch sitzend, blicken wir auf die Fulda und damit auch nach Niedersachsen, stellt die Flussmitte nahe Kassel doch die Ländergrenzen dar.

Es ist gegen 9 Uhr, als wir zur letzten Etappe aufbrechen. In einem weiten Bogen umfahren wir die Stadt der documenta, um in Bad Zwesten den ersten Kaffeestopp einlegen zu können.

Gut 75 Kilometer sind wir im Norden Hessens unterwegs, dann klappen die Seitenständer aus: Kaffeepause. Der „Schwälmer Brotladen“ in Bad Zwesten weiß mit einer reichhaltigen Kuchentheke zu begeistern; wir hingegen begnügen uns mit dem „Kleinen Franzosen“ zum zweiten Frühstück – einem Milchcafe mit Croissant.

Weiter geht’s auf kurvenreichen Nebenstrecken Richtung Fernwald. Das „Reiskirchener Deieck“ umfahrend, freuen wir uns, nicht auf sondern neben der Autobahn unterwegs zu sein, deren Staus im Radio schon traurige Berühmtheit erlangt haben. Das Ziel ist die „Goldene Aue“, wo wir uns zum Mittagessen angekündigt haben.

Erst wird die Speisekarte im Schaukasten inspiziert, dann die Landkarte – plant der eine oder andere doch nach dem Mittagessen die individuelle Heimreise.

An kleinen Tischen, direkt neben den Motorrädern sitzend, geben wir unsere Bestellung auf und freuen uns aufs Essen. „Himmel & Erde“ beispielsweise war sehr lecker.

Weitere 75 Kilometer später sind wir in Eppstein. Hoch oben am Kaisertempel legen wir die letzte Pause ein.

Noch einmal trinken wir Kaffee zusammen, dann trennen sich unsere Wege.

Schön war es, das lange Wochenende und sicher nicht die letzte Flussreise, die wir mit dem Motorrad unternommen haben.

Mehr Infos zur Tour und den weitern Überlegungen bitte per Mail erfragen unter kurvenfieber@mac.com

Geschichten entlang der Fulda

Der erhoffte Sonnenaufgang war uns heute nicht vergönnt, dazu war der Himmel leider zu bedeckt. Zum Motorradfahren aber war das Wetter ideal.

Kurz nach 9 Uhr starteten wir heutigen Etappe – die uns gut 200 Kilometer lang links und rechts entlang der Fulda führen sollte. In Ried erhaschen wir im Vorbeifahren einen Blick auf eine des besterhaltenen Wehrkirchen im Landkreis Fulda; in Lütter ist es der Wehrfriedhof, der einst Schutz bei Überfällen bot. Dass man dabei die eine oder andere Nacht hinter dicken Mauern bei den Verstorbenen verbringen musste, ist auch heute noch ein gruseliger Gedanke …

In Bronzell standen sich am 8. November 1850 bayerisch-österreichische und preußische Truppen gegenüber. Die Preußen hatten den Aufstand geprobt, am Ende aber den militärischen Konflikt gescheut. Nur ein Schimmel kam zu Tode und ein Schuh ging verloren. Kaum zu glauben, wenn man heute durch den Ort fährt.

Auf einer malerischen Steinbrücke überqueren wir wenig später bei Kohlhaus die Fulda. Im Mittelalter kreuzten sich hier die berühmte Handelsstraße „via regia“ und der alte „Ortesweg“.

Fulda umfahren wir weiträumig. Dass in der Domstadt um das Jahr 1600 mehr als 300 Hexen und Hexenmeister gefoltert und hingerichtet wurde, ist fast schon in Vergessenheit geraten.

Hinter Frauenrombach ist die Brücke über die Fulda wegen Bauarbeiten gesperrt. Das zwingt uns zu einem Umweg über Schlitz. Zum Glück für Hans, dessen alter Boxer so langsam eine Tankstelle braucht.

Auch in der Geschichte von Mengshausen gibt es ein dunkles Kapitel: Kurz nach dem Siebenjährigen Krieg waren zwei Marketender im Wirtshaus von Kerspenhausen eingekehrt. Beide waren durch die Versorgung von Verletzten und die Verpflegung der Truppen reich geworden. Das weckte die Missgunst von drei Ortsansässigen, die sich fadenscheinig anboten, den Fremden den Weg gen Süden zu zeigen. Tatsächlich brachten sie die beiden auf der Anhöhe der Mengshäuser Kuppe um und raubten sie aus. Doch das gestohlene Geld brachte ihnen kein Glück. An die Missetat erinnert im Wald der „Franzosenstein“. Und noch heute rufen die Seelen der Verstorbenen „Mon Dieu, Mon Dieu – pourquoi m’as-tu-abandonné – Mein Gott, Mein Gott – warum hast Du mich verlassen“, wenn starke Herbststürme über die Gipfel fegen.

Unser Weg entlang der Fulda führt uns auch durch Baiershausen. Versteckt im Wald findet sich das Lager Pfaffenwald und – nicht weit davon entfernt – ein Friedhof. Zum Bau der „Asbachtalbrücke“ an der einstigen Reichsautobahn 4 waren 1838 Zwangsarbeiter eingesetzt worden, die im Lager lebten und auf dem Friedhof bestattet wurden, wenn sie der Strapazen erlagen.

In Asbach machen wir im Gasthof Herzog Halt und damit einen Kaffeestopp.

Bad Hersfeld umfahren wir im Anschuss weiträumig. Von nun an ist die Fulda schiffbar gewesen.

Bald drauf is Breitenbach erreicht, ein schon im Mittelalter bedeutender Ort, gab es hier doch eine Furt durch die Fulda. 1760, 1775 und 1860 wurde der Fluß bei Breitenbach mehrfach begradigt. Davon konnte das Flößergewerbe profitieren, das um 1809 einen deutlich Aufschwung erlegte. Aus Thüringen stammendes Holz wurde zu Brettern verarbeitet, in Breitenbach zu Flößen zusammengebunden und in 35 Stunden über 80 Kilometer weit bis nach Fulda transportiert.

Die Chronik von Lüdersdorf, dem nächsten Ort, ist zu entnehmen, das 1627 hier noch 17 Einwohner lebten. 1639 aber nur noch drei Männer und eine Kuh. Tillys Truppen hatten den Ort im 30jährigen Krieg verwüstet, weil die Bewohner, wie auch die von Breitenbach, immer wieder Überfälle auf dessen Soldaten verübt hatten.

In Melsungen legen wir einen Stopp an der mächtigen „Bartenwetzerbrücke“ ein. Früher hatten hier die Holzfäller ihre Klingen (Barten) am Sandstein geschärft – die Spuren sind noch heute sichtbar.

So langsam wird es Zeit für die Mittagsrast, die wir in Büchenwerra einlegen wollen. Hier wechselt die Fulda in zwei Schleifen gleich zweimal ihre Fließrichtung.

Früher führt nur ein klappriger hölzerner Steeg über den Fluss, ans andere Ufer, wo die Bauern ihre Felder hatten. Heute weist ein Schild zur Autobahn – hier am A…. der Welt – den kürzesten Weg zur A7. Verrückt.

Wir genießen den malerischen Ausblick auf den Fluss, schauen uns alte Bilder von der historischen Dorfansicht an und essen herzhaft zu Mittag. Im Angebot des Gasthaus Hartung ist „Ahle Wurscht“.

Vorbei am Kloster Breitenau fahrend, das in seiner wechselvollen Geschichte 1871 – während des deutsch-französischen Krieges – 750 französische Kriegsgefangene beherberge, dann Besserungsanstalt war und während des Zweiten Weltkriegs dann KZ, verlassen wir die Fulda fürs erste, weil wir einen weiten Bogen um Kassel schlagen wollen.

Erst in Hann. Münden treffen wir wieder auf den Fluss und sind damit auch am eigentlichen Ziel unserer Reise angelangt. Am Gasthof „Zum Wesertein“ stellen wir die Motorräder ab und gönnen uns erst mal ein kaltes Eis mit heißen Himbeeren zur Erfrischung.

Dann geht es zu Fuß weiter zum „Weserstein“. An der Altstadt von Hann. Münden vorbei fließend, vereinigt sich die Fulda wenig später mit der Werra und wird so zur Weser, die gut 300 Kilometer später bei Bremerhaven in die Nordsee fließt.

Auf den letzten Kilometern des Tages fahren wir „gegen den Strom“ – von der Mündung ein kleines Stück zurück in Richtung Quelle.

War die Fulda bei Büchenwerra noch ein kleiner, malerischer Fluss, ist sie jetzt schon fast ein breiter Strom geworden. Zahlreiche Zuflüsse und Staustufen haben sie ordentlich anschwellen lassen – Tribut an die Schiffbarkeit.

Direkt am Flussufer schlagen wir unser „Nachtlager“ auf und verbringen im Hotel „Rote Kater und Schwarze Katze“ einen angenehm lauen Sommerabend.

Bis tief in die Nacht sitzen wir an der Fulda und schauen zu, wie es so langsam Nacht wird. Wenn man sich überlegt, was sich am Ufer des Flusses im Laufe der Jahrhunderte so alles zugetragen hat – eigentlich unglaublich.

Morgen treten wir den Heimweg an. In drei Etappen geht es zurück in Richtung Frankfurt. Besichtigungen sind da nicht mehr eingeplant.

Ein Tag in der Rhön

Wie wäre es mal mit Flussgeschichten? Dem Lauf eines Gewässers folgen, von der Quelle bis zur Mündung. Motorrad fahren, mit einem klaren Ziel vor Augen: erfahren – im wahrsten Sinne des Wortes – was sich an Geschichte links und rechts des Ufers so zugetragen hat. Eine spannende Idee, nicht wahr?

Die Fulda ist das Ziel der ersten dieser Reisen. Gut 220 Kilometer lang, bietet sie sich für ein langes Wochenende geradezu an. Und so treffen wir uns am Freitagvormittag in Schlüchtern, um gemeinsam eine „Reise durch die Zeit“ anzutreten.

In Eichenzell treffen wir wenig später zum ersten Mal auf die Fulda, die sich häufig hinter hohen Böschungen versteckt. „Weckfresser“ wurden die Einwohner früher genannt. In einer Zeit, in der man sich oft von tage-altem trockenen Brot ernähren musste, waren Feiertage immer etwas ganz besonderes. Da wurden frische Weck gebacken, die am Ende einer Prozession ausgegeben wurden. Meist waren die Eichenzeller die ersten oben an der Kirche auf dem Florenberg, so dass die Bewohner der umliegenden Gemeinden oft leer ausgingen. „Weckfresser“ wurden sie deshalb geschimpft.

Wir fahren ein paar Kilometer auf der B 279. Im Wald hinter dem Parkplatz rechterhand verbirgt sich die Ruine eines alten Wachtturm. Acht bis neun gab es davon früher einmal rund um Fulda. Beobachtet wurden von hier die Tiere auf dem Feld, aber auch die Früchte auf den Feldern – es sollte ja nichts wegkommen.

Der Verlauf der B 279 entspricht auf diesem Teilstücke – nahe Rothemann – übrigens recht exakt dem ursprünglichen Verlauf der alten Handelsstraße von Hammelburg über Brückenau nach Fulda.

Bald darauf ist Schachern erreicht. Mitte des 16. Jahrhunderts gehörte die kleine Ortschaft zum „Buchschen Quartier“ – einem reichsfreien Ritterkanton mit eigener Gerichtsbarkeit. Kleinere Vergehen wie Diebstähle oder Beleidigungen wurden eigenständig verhandelt.

1806 annektierte Napoleon Bonaparte Schachern. Der eigentliche Regent, Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau, war mit einer 1.000 Mann starken preußischen Division in die Schlacht von Jena gezogen – und hatte kapituliert. Daraufhin nahm Napoleon die Ländereien des Fürsten in Besitz.

Die Mittagspause legen wir an einem idyllischen Plätzchen unterhalb der Wasserkuppe ein. Die Berghütte Guckai am gleichnamigen See ist das Ziel. Ein kurzer Fußmarsch vom ausgewiesenen Motorradparkplatz ist erforderlich; das letzte Stück des Weges unterliegt einen Fahrverbot.

„Haltet Euch besser dran, die Polizei kontrolliert hier oft und dann gibt es Ärger“, warnt uns ein netter Spaziergänger mit Hund. Also „gönnen“ wir uns einen kleinen Spaziergang, der uns direkt am malerischen Guckai-See vorbei führt – dem einzigen Naturbadesee in der hessischen Rhön.

Auf der Terrasse sitzend, genießen wir die herrliche Ruhe – die an sonnigen Wochenenden hier ganz bestimmt nicht zu finden sein wird – und unser leckeres Mittagessen: beispielsweise feine Spinatknödel an herzhafter Gorgonzola-Sauce.

In einem weiten Bogen Richtung Norden fahrend, wird Tann in der Rhön Ziel der nachmittäglichen Kaffeepause sein. Mehrfach wechseln wir auf dem Weg dorthin zwischen Hessen und Thüringen – und damit zwischen der ehemaligen Grenze zwischen Deutschland Ost und Deutschland West.

Einen kurzen Stopp legen wir bei „Point Alpha“ ein. Heute besuchenswerte Gedenkstätte, standen sich hier einst NATO und Warschauer Pakt in Sichtweite gegenüber.

Auf kleinen kurvenreichen Straßen geht es weiter Richtung Tann, zum „Eiscafé Royal“, direkt am Marktplatz. Eine ältere Dame interessiert sich für unsere Motorräder. Wir kommen ins Gespräch. „Früher seien sie ja auch Motorrad gefahren“, erzählt fast ein wenig verlegen. Ihr Mann, der habe eine 250er BMW besessen – dass sei damals ein richtig großes Motorrad gewesen. Aber wenn sie sich unsere Maschinen heute anschauen würde …

Wir stärken uns mit Espresso oder Eisbechern und genießen die kleine Pause, bevor wir zur letzten Etappe des Tages aufbrechen – dem eigentlichen Beginn unserer kurzweiligen Reise: wir fahren zur Fuldaquelle, die unterhalb der Wasserkuppe entspringt.

Was uns hier in Stein gefasst entgegen sprudelt, ist streng genommen nicht die Quelle der Fulda. Die entspringt etwas weiter oberhalb, in der Nähe des Parkplatzes.

Kurz darauf erreichen wir den Gasthof Ebersburg – und werden schon erwartet 😉

Nach dem gemeinsamen Abendessen geht es dann bald ins Bett, morgen wartet ein weiterer spannender Tag auf uns.

Galerie

Rückblick auf die Alpentour 2018

Diese Galerie enthält 89 Fotos.

Eine Woche waren wir in den Alpen unterwegs, haben von Tarrenz (bei Imst) fünf herrlich kurvenreiche Motorradtouren unternommen, die uns unter anderem auf die höchsten Pässe, aber auch zu den malerischsten Seen geführt haben. Jeder Tag war abwechslungsreich und wird … Weiterlesen

Aufbruch ohne Frühstück

Es ist viertel vor sechs, als ich auch ohne Wecker wach werde. Die Sonne krabbelt so langsam über die Berge. Ein malerisches Bild.

Die Koffer sind gepackt, alle Taschen bereits im Ducato verstaut – kurz frisch machen, dann kann es eigentlich los gehen – allerdings ohne Frühstück, denn das gibt es frühestens um 7 Uhr.

Es herrscht so gut wie kein Verkehr, als ich um 6:15 Uhr starte und so langsam Richtung Fernpass rolle. In Richtung Süden ist auch um diese Uhrzeit schon erstaunlich viel los. Meine Fahrbahn aber ist frei – bis ich auf halber Höhe auf einen 40 Tonner mit Auflieger treffe, der hinter einem Traktor her zuckelt. Mit maximal 25 km/h geht es jetzt bergauf. Das kann ja spaßig werden.

Doch der Traktorfahrer macht Platz und auch der Lastwagenfahrer weicht kurz vor der Passhöhe in eine Parkbucht aus, so dass ich bergab freie Fahrt und damit auch eine tolle Sicht auf die Ruine der Festung Ehrenberg habe.

Einst war die mächtige Verteidigungsanlage auch Verwaltungssitz und Zollstation. Heute begeistert die imposanten Anlage vor allem wegen der 400 Meter langen Hängebrücke, die das Tal überspannt.

Die Grenze nach Deutschland überquere ich wieder auf Nebenwegen nahe Pfronten und werfe mich anschließend auf die erfreulich leere A7. Gut zweieinhalb Stunden bin ich unterwegs, dann ist die erste Kaffeepause überfällig. Ein großes Total-Schild lädt zur Rast neben der A7 – zwei große Kaffee und ein Salamibrötchen; dann geht es weiter.

Es läuft erstaunlich gut auf der Autobahn. Wenig Verkehr, kaum Lastwagen – und so beschließe ich kurzerhand bei Ellwangen nicht auf die Bundesstraße und damit quer über Land zu fahren, sondern trotz zahlreicher Baustellen auf der A7 zu bleiben. Wenn alles gut geht, wäre ich so schon gegen Mittag zu Hause.

Der Plan funktioniert und so habe ich noch Zeit, bei Polo einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Ganz offensichtlich hat die Batterie an meiner BMW den Geist aufgegeben – glücklicherweise erst am letzten Tag – und so wird schnell Ersatz besorgt.

Schön war sie, die Woche in den Alpen. Wir haben gemeinsam viel erlebt und hatten wieder einmal riesig Glück mit dem Wetter. Trotz der angekündigten Unwetter mussten wir nur zweimal kurz die Regenkombis anziehen. Ansonsten: Sonne satt! So kann es bleiben, bei all den anderen Touren, die wir in diesem Jahr noch unternehmen werden. Und bei Euren natürlich auch 😉

Noch einmal rauf auf 2000 Meter

Die letzte Tour in dieser Woche. Diesmal ist der Silvretta-Stausee das Ziel. In einem weiten Bogen über Arlberg, Flexen und Hochtannberg wollen wir Anlauf nehmen, um schließlich über das Faschinajoch ins Montafon zu fahren.

Auf dem Hotelparkplatz treffen wir am Morgen eine Gruppe anderer Motorradfahrer, die das gleiche Ziel haben und tauschen uns kurz aus. Dann geht es auch schon los. Noch einmal fahren wir über die „Piller Höhe“, wählen diesmal aber die Variante über Jerzens. Landeck umfahren wir auf Schleichwegen und legen kurz vor St. Anton bei strahlendem Sonnenschein die erste Kaffeepause ein.

Über den Arlberg, Flexen und den Hochtannberg geht es Richtung Schnepfegg. Bevor wir diesen relativ unbekannten Pass erreichen, zweigen wir jedoch zum Faschinajoch ab. Zu einer Schleife über das Furkajoch reicht die Zeit leider nicht.

Hat uns der Bregenzer Wald schon begeistert, tut es das Große Walsertal nun umso mehr. An der nördlichen Flanke des Lüderscherberg fahrend, erreichen wir – wie passend – Lüdersch und fahren direkt auf die „Pizzeria Veronika“ zu. Und da es gerade Mittagszeit ist, legen wir hier eine kleine Rast ein – und stärken uns mit einer Kleinigkeit.

Die Weiterfahrt durchs Montafon ist etwas anstrengend, ist die Geschwindigkeit doch häufig auf 60 km/h reduziert.

Dann erreichen wir endlich die Zahlstelle zur Silvretta Hochalpenstraße, die uns kurven- und kehrenreich hoch auf 2000 Metern führen wird. 12 Euro Maut werden fällig, dafür gibt es auch einen neu gestalteten Aufkleber.

Wir genießen die Fahrt hinauf zur Bieler Höhe und legen dort einen ausgiebigen Fotostopp ein.

Ganz andere Impressionen erleben wir auf der Fahrt ins Tal, die uns durch ein gewaltiges Kerbtal führt, das fast schon skandinavische Züge hat. Jeder Kilometer, den wir fahren, weiß uns zu beeindrucken. Immer noch scheint die Sonne, obwohl doch für den Nachmittag schwere Gewitter angesagt waren.

Bei der Kaffeepause in See (nahe Ischgl) verbinden wir das Angenehme mit dem Praktischen: mit einem Dampfstrahler lassen sich insbesondere die schmutzigen Motorradstiefel wieder „auf Hochglanz polieren“.

Gut 35 Kilometer sind es noch ins Hotel. Kaum angekommen, werden die Motorräder verladen, so dass wir anschließend zum letzten Mal auf dieser Tour unser Feierabendbier genießen können.

Noch einmal essen wir zusammen, genießen den leckeren Nachtisch und gönnen uns einen Verdauungsschnaps.

Morgen fahren wir wieder nach Hause; jeder für sich. Die nächste große Tour findet erst Ende September statt – da wird das Tessin das Ziel unserer Reise sein.

Mit vielen schönen Erinnerungen werden wir morgen Tarrenz verlassen, eine tolle Woche geht zu Ende – danke an alle, die dabei waren.

Zum Kaffee nach Samnaun

Der Tag begann mit einem Missgeschick und dann gab’s auch noch Regen. Trotzdem sind wir rund 300 Kilometer gefahren und alle waren zufrieden.

Die Wolken hängen tief, als wir zur vierten Etappe aufbrechen. Am Tag mit der unsichersten Wettervorhersage wollen wir die längste Runde fahren: vom Reschen zum Ofenpass und in einem weiten Bogen über den Albula und den Flüela zurück nach Österreich. Rund 350 Kilometer; wenn wir uns ranhalten, sollten wir mit Pausen spätestens um 19 Uhr zurück im Hotel sein.

Es ist noch nicht ganz 9 Uhr, als wir die Motoren starten und zunächst die „Piller Höhe“ ansteuern. Der kleine Umweg sollte trotz der vielen Kilometer drin sein. Weil wir aber knapp mit der Zeit sind, will ich den schmalen Weg, der in Wenns rechts abzweigt weglassen und lieber auf der Hauptstraße bleiben. Also fahre ich in der Ortsmitte weiter gerade aus, um schneller voran zu kommen.

Nach wenigen Kilometern meint mein Navi, mir den Abzweig nach Jerzens vorzuschlagen, also biegen alle Mann brav links ab. Die Straße gewinnt zunehmend an Höhe – und wir fahren wieder auf Imst zu. Hier stimmt etwas nicht! Schnell stelle ich fest, dass ich in Wenns erst den zweiten Abzweig rechts hätte ignorieren müssen. So aber sind wir nicht auf die Piller Straße abgebogen sondern waren weiterhin im Pitztal unterwegs.

So ein Mist! Das Missgeschick kostet uns gut 20 Minuten und das an einem Tag, an dem eigentlich nichts schief gehen sollte. „Lässt sich nicht ändern, wer weiß, wofür es gut ist“, denke ich mir, als wir kurz darauf die „Piller Höhe“ erreichen.

Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Es gibt Motorradparkplätze, eine tolles Café und für ganz Mutige einen atemberaubenden Aussichtssteig, der prachtvolle Blicke in Kaunertal bietet.

Wieder im Tal angekommen, fahren wir auf der „Via Claudia Augusta“, einem der ersten Handelswege, der parallel zur viel befahrenen Landstraße verläuft, und wechseln bald darauf die Flussseite, um den Finstermünzpass zu bezwingen. Gleich hinter der mächtigen Festungsanlage beginnt es zu regnen. Wir retten uns in Nauders in die erste BP-Tankstelle und kramen die Regenkombis raus.

Die legen wir ganz bedächtig an, hat doch die Erfahrung gezeigt, dass sich so ein kräftiger Schauer oft schnell wieder verzieht. Als wir weiterfahren, nieselt es denn auch nur noch – über den Reschenpass geht es weiter zum versunkenen Kirchturm von Graun , der auch im leichten Regen ein beliebtes Fotomotiv ist. Wir lassen uns doch die gute Stimmung nicht vermiesen …

Obwohl schon nach elf, hat keiner so recht Lust auf einen Kaffeepause. Jetzt, wir wir gerade gut eingepackt sind, wollen wir lieber noch ein Stück fahren, heißt es unisono. Also los.

Vorbei am malerischen Haldensee, auf dem Angler in Ruderboten unter großen Regenschirmen sitzen, schwingen wir uns kurvenreich hinab nach Mals, um dort rechts ab Richtung Schweiz abzubiegen. Hinter Taufers im Münstertal erreichen wir die Grenze, verlassen das „Alto Adige“ und fahren ins Land der Eidgenossen.

Schon längst regnet es nicht mehr, so dass wir mit einer gehörigen Portion Optimismus, dass das auch so bleibt, den Ofenpass hinauf fahren. Im Gasthaus auf dem Pass wollen wir eine kleine Pause einlegen und nach dem Mittagessen entscheiden, wie wir weiterfahren wollen.

Angesichts eines horrenden Wechselkurs des Schweizer Franken entscheiden sich die meisten diesmal wirklich nur für eine Kleinigkeit, etwa für „hausgemachten Steinbocksalzig mit Brot“. Wer keine Landeswährung dabei hat, darf auch in Euro zahlen und bekommt sogar das Wechselgeld in Euro zurück. Das war nicht immer so.

Es ist schon fast halb zwei, als wir uns wieder startklar machen. Die Fahrt über den Albula und Flüela zurück zum Hotel wäre vom Ofenpass aus noch gut 230 Kilometer lang. Das entspricht rund fünf Stunden reiner Fahrtzeit plus zwei Pausen. Ein zeitlich ambitioniertes Unterfangen.

Wir könnten durch den Munt-la-Schera-Tunnel von Graubünden ins zollfreie Livigno fahren, von dort über die Forcola di Livigno zum Bernina und ab Samedan dann immer Richtung Norden. Das wäre wahrscheinlich nicht wesentlich kürzer als die ursprünglich geplante Route über Albula und Flüela, kostet aber 13 Schweizer Franken Maut für die 3385 Meter lange Betonröhre, die durch den gleichnamigen Berg hindurch fährt.

Wir entscheiden uns für die dritte Möglichkeit, den direkten Weg ab Zernez rechts weg mit einer Kaffeepause in Samnaun.

Auf unserem Weg Richtung zollfreie Zone folgen wir über viele Kilometer dem Lauf der Inn, die reißend breit neben der kurvenreichen Straße verläuft. Linker Hand thront hoch über uns der malerische Ort Guarda; die Durchfahrt ist nur „Berechtigten“ gestattet. Auch die herrliche Strecke von Ardez nach Ftan bleibt uns diesmal verwehrt; werktags wird an einem neuen Belag gearbeitet.

Wenige Kilometer hinter dem Abzweig zur „Norberthöhe“ beginnt dann das Abenteuer. Auf der südlichen Trasse fahren wir nach Samnaun. Als Herausforderung erweisen sich dabei nicht nur die zahlreichen Baustellenampeln, die uns an so manchem Steilstück zum Halten zwingen – es sind vor allem die schmalen unbeleuchteten Tunnels, die kaum autobreit in den Fels geschlagen wurden, in denen es stockfinster ist und die immer irgendwo nach rechts abzweigen. Man weiß nur nicht wo, weil man häufig absolut nicht sieht. Ein echtes Abenteuer!

Wenig später sitzen wir im Café Rechsteiner und genießen die verdiente Pause. Es gibt lecker Eis und noch leckereren Erdbeerkuchen …

Für den Rückweg wählen wir die nördliche Trasse, die wesentlich besser ausgebaut ist. In weiter Ferne hängen dunkle Wolken über Landeck, die Straße ist nass und es tröpfelt ein wenig. Wieder einmal fahren wir dem Regen hinterher. Damit wir diesen nicht einholen, wechseln wir wieder auf die parallel zur Landstraße verlaufende „Via Claudia Augustä“ und trödeln dem Gewitter hinterher.

Der Plan geht auf. Wir bleiben trocken und kurz vor Landeck kommt sogar die Sonne wieder raus. Wir zweigen auf die L17 ab und fahren auf einer alternativen Trasse hoch zur „Piller Höhe“. Kultur ist angesagt, denn in den Mooren auf dem Hochplateau gibt es einen historischen Brandopferplatz, der genau in Einmündungsbereich der drei Zufahrtsstraßen liegt – und den wollen wir uns kurz anschauen.

Eine halbe Stunde später sind wir zurück im Hotel und lassen den kurzweiligen Tag auf der Sonnenterrasse noch einmal Revue passieren. Auch wenn wir anders als geplant gefahren sind, sind doch gut 300 abwechslungsreiche Kilometer zusammen gekommen. Die 350 hätten wir ohne Verfahren und Regen auch geschafft. Aber auch so sind alle zufrieden.

Heute sollte es gelingen

Das Wetter bleibt wechselhaft in den Alpen, die Routenauswahl erfolgt deshalb meist spontan und vornehmlich nach dem Kriterium, des wahrscheinlich geringsten Niederschlags. Heute sieht es für die Timmelsjoch-Tour ganz gut aus, verspricht das Regenradar doch südlich des Brenners wenig bis gar keinen Niederschlag, rund um Innsbruck hingegen nur für den Nachmittag.

Das heißt: heute fahren wir den „Passo Rombo“, müssen die Streckenführung aber komplett umplanen: das 2509 Meter hohe „Tor zum Süden (das uns wieder in den Norden führen wird), steht nun erst am Nachmittag und nicht schon gleich am Vormittag auf dem Programm. (Wenn die Funktion „Route umkehren“ auf dem Navi doch nur problemlos funktionieren würde …)

Bei strahlend blauem Himmel fahren wir ein kleines Stück ins Pfitztal, zweigen dann aber auf eine schmale Nebenstrecke ab, die uns hoch über dem Inn in Richtung Ötztal führt. Wenig später geht es links ab uum Kühtaisattel; das atemberaubende Sträßchen, das uns auf über 2000 Meter hinauf führt, haben wir wieder mal ganz für uns allein. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, schwingen sich sieben Motorräder durch Kurven und Kehren -und anschließend gleich wieder bergab; den Fotostopp am Passschild haben wir angesichts knapp zweistelliger Temperaturen und eines starken Winds ausfallen lassen.

In Grinzens fordert uns eine örtliche Umleitung, dann wird es so langsam Zeit für eine Kaffeepause, haben sich doch zwei Teilnehmer schon außerplanmäßig „in die Büsche“ geschlagen. Dabei sind wir noch keine der ansonsten üblichen eineinhalb Stunden unterwegs.

In Axams legen wir eine kurze Rast ein, bevor wir uns durch die Außenbezirke von Innsbruck Richtung alter Brennerstraße schlängeln. Rechts der Sill, die tief unten im Talboden fließt und parallel zur viel befahrenen Autobahn genießen wir die Abgeschiedenheit. Nahe Mühlbach ist dann die Brenner-Bundesstraße erreicht, die uns – häufig geschwindigkeitsbeschränkt – Richtung Staatsgrenze führt. Am Übergang nach Italien auch diesmal keinerlei Kontrollen; die nächsten beiden Pässe rücken näher.

Eine dicke Wolkenwand baut sich linker Hand über den Gipfeln des „Monte Gruppo“ zusammen, wir aber biegen in Sterzing rechts ab und „erklimmen“ den Jaufenpass. Gut 18 kurzweilige Kilometer sind es von der Stadtmitte bis zum „Gipfelplateau“; auch diesen Pass haben wir fast für uns allein und rollen knapp 20 Minuten später, mit einem breiten Grinsen im Gesicht – vor der kleinen Jausenhütte aus.

Genau zur richtigen Zeit, um eine kleine Mittagsrast einzulegen. Zwei Alternativen bieten sich an: eine deftige Gulaschsuppe im Freien oder ein kleines Stück Kuchen im Warmen …

Kurven- und kehrenreich stürzen wir uns wieder ins Tal, um in Sankt Leonard im Passeier zum 2509 Meter hoch gelegenen Timmelsjoch abzubiegen. Auch wenn der Belag stellenweise zu wünschen übrig lässt, die Tunnels häufig feucht und ein wenig rutschig sind – wir genießen jeden Kilometer, den wir zügig vorankommen.

Erst im letzten Dritten gewinnt das kurvenreich trassierte Asphaltband deutlich an Höhe; die „letzten 1000 Höhenmeter“ kommen erst ganz zum Schluss dazu. Am höchsten Punkt der Straße stellen wir die Motorräder ab und genießen die Aussicht – und die Ruhe, die an einem Mittwoch Anfang Juni hier oben herrscht. Das haben wir auch schon ganz anders erlebt …

Acht Kilometer sind es vom Pass bis zur Mautstation auf österreichischer Seite, wo man uns pro Motorrad 14 Euro Maut abknöpft. Dafür genießen wir aber auch ein „Stück Kultur“ – der „Steeg“ ist eines von fünf „Kunstwerken“, die den Besuchern die Geschichte und die Besonderheiten der Region näher bringen sollen.

Die nachmittägliche Kaffeepause legen wir in Sölden ein. Hier finden wir eine Bar, die – zum krönenden Abschluss des Tages – auch Eis verkauft. Was will man mehr …

Rund 50 Kilometer sind es noch bis ins Hotel. Gut 30 davon rollen wir durchs langweilige Ötztal. Ab Umhausen nimmt der Verkehr deutlich zu. Zwei Harleyfahrer, die nicht vorwärts kommen, ein Linienbus, ein Lieferwagen und drei Autos bremsen uns ein wenig ein. Früher hätten wir „das Messer zwischen die Zähne genommen“, hätten alles vor uns fahrende „niedergekämpft“ und hätten uns als Helden gefühlt. Heute schaust Du aufs Navi, stellst fest, dass Du in zehn Kilometern abbiegen wirst und kommst zu der Erkenntnis, dass Überholen nicht lohnt, zumal der eine oder andere sowieso gleich abbiegen wird – was er auch meist tut. So ändern sich die Zeiten. Man wird irgendwie ruhiger …

Kurz vor Tarrenz tanken wir noch mal voll und freuen uns schon auf das Feierabendbier auf der Terrasse. Zwei Tage bleiben uns noch, drei Routen haben wir dafür vorbereitet: die Schweizer Pässe, die Silvretta und die Zillertaler Höhenstraße. Mal sehen, welche Region morgen wettertechnisch die Beste ist …

Dem Wetter ein Schnippchen geschlagen

Sollen wir oder sollen wir nicht – heute hinauf aufs Timmelsjoch fahren? Das Regenradar meldet für die Mittagszeit schwere Gewitter bei Sterzing, Vom Timmelsjoch kommend, wollen wir noch den Jaufenpass mitnehmen und würden wahrscheinlich genau dann in der nördlichsten Stadt Italiens eintreffen. Regen und kräftige Schauer werden für den Nachmittag auch für Innsbruck vorhergesagt – zu einer Zeit, wo wir auf dem Weg zum Hotel wohl am Bergisel vorbeirollen werden.

Was also tun? Der Vorhersage glauben und eine alternative Route wählen oder mutig sein und darauf vertrauen, dass es meist doch nicht so schlimm kommt, wie angekündigt? Auch wenn die App „Morecast“ fast schon den Weltuntergang für Südtirol meldet.

Jenseits des Brenners soll es den ganzen Tag über hingegen schön und sonnig sein. Rund 300 Kilometer ist die geplante (alternative) Seenrunde lang – also entscheiden wir uns spontan, die Tour hoch zum Timmelsjoch erst einmal zu verschieben. Noch einmal den Ölstand kontrollieren und schon geht es los.

Wir rollen Richtung Fernpass, verzichten aber angesichts des Verkehrs darauf den Holzleitensattel zu überqueren, sondern fahren lieber auf schmalen Nebenwegen unterhalb des Oberen Geierkopf vor prachtvoller Kulisse durch eine herrliche Wald- und Wiesenlandschaft – bis am Gasthaus Arzkasten plötzlich der Asphalt endet und in einen festgefahrenen Waldweg übergeht.

„Wenn’s so bleibt, können wir den ruhig fahren, so die einhellige Meinung: also los 😉

Wenig später schlängeln wir uns durch Telfs und dann die Buchener Höhe hinauf, auf schmalen Straßen, der Leutascher Ache folgend, bis zur Leutaschklamm. Kurz darauf passieren wir die Grenze zu Deutschland und erreichen Mittenwald.

So langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause, die wir alsbald in Krün einlegen.

Der Lauf der Isar gibt nun zunächst die Richtung vor. Über die mautpflichtigen Vorderriß-Straße (4 Euro pro Motorrad) fahren wir durchs Karwendel und erreichen schon bald den gewaltigen Sylvensteiner Stausee, den wir auf einer Brücke überqueren.

Auf der „Deutschen Alpenstraße“ gehts dann Richtung Norden, bis kurz vor Wegscheid, wo wir die Richtung wechseln und quasi hinterm Berg wieder nach Westen, zum Walchensee fahren. Die malerische Straße dorthin, haben wir ganz für und allein.

Wieder halten wir an einer Mautstation, wird doch auch für das Befahren der Straße, die südwestlich um den Walchensee führt, eine Gebühr verlangt.

Die Sonne lacht vom Himmel, das Wasser hat ein ganz eigenes blau – ein Fotostopp ist da obligatorisch.

Wenig später sitzen wir auf der Sonnenterrasse des Hotels „Zur Post“, genießen die Aussicht auf den See und stillen unseren Hunger mit bayerischen Weisswürsten. Die werden uns, obwohl 12 Uhr schon lange vorbei ist, mit leisem Protest aus der Küche, doch noch serviert.

Satt und zufrieden setzen wir uns wieder auf die Motorräder, fahren weiter rund um den See und erreichen über die alte Bergrennstrecke am Kesselberg, den Kochelsee. In Murnau angekommen setzen wir den Blinker links und können den Froschhauser See, den Riegsee und den Staffelsee rechter Hand nur erahnen, verstecken sich diese doch hinter dichtem Grün.

Oberammergau umfahren wir auf Schleichwegen und erleben bei Eschenlohe eine Überraschung: Wir dürfen nicht auf die B2 abbiegen, ist diese doch für Motorradfahrer gesperrt. Was tun? Wenn wir durch Eschenlohe selbst fahren, kommen wir nach gut einem Kilometer wieder auf die B2 – schauen wir doch mal, ob diese Zufahrt auch gesperrt ist. Ist sie nicht!

Im Internet lese ich am Abend, dass die Bundesstraße bei Eschenlohe wohl durch zwei Tunnel führt. Und dass von der Decke irgendetwas tropfe, was den Asphalt rutschig macht. Weil Motorradfahrer deshalb schon stürzten, wurde der Tunnel nicht saniert sondern einfach gesperrt. Zur Not, könnte man auch über die Autobahn ausweichen …

Wenig später geht es den Ettaler Sattel hinauf, vorbei am Kloster Ettal und dann durch den Ammerwald, über den Ammersattel, zum Plansee. Ein geniales Stück Straße. Eine Baustellenampel reißt die Gruppe kurz auseinander, nach einem kurzen Stopp können wir jedoch zusammen weiterfahren.

Kilometer lang reiht sich eine Kurve an die nächste, wir finden unser Tempo und könnten noch stundenlang so weiterfahren. Irgendwann erreichen wir dann den Nordzipfel des Plansees und legen vor malerischer Kulisse eine Kaffeepause ein.

Jetzt müssen wir nur noch einmal durch Reutte und dann übers Hahntennjoch. Auch das haben wir am späten Dienstagnachmittag ganz für uns alleine. Kurz vor dem Hotel wird noch mal getankt, gut 300 Kilometer sind wieder mal zusammen gekommen.

Im Hotel gibt es heute Abend Buffet. Das wird bereits um 18:30 Uhr eröffnet – da gehen wir gerade duschen. Die Seniorengruppe aber, die ebenfalls im „Lamm“ übernachtet, macht sich bereits startklar …

Für uns ist noch genug übrig geblieben. Alle sind satt geworden. Auch Charly, der – nachdem wir der Kellnerin sein Leid geklagt hatten, heute vielleicht ohne Nachtisch zu Bett gehen zu müssen – gleich drei frittierte Apfelringe bekam. Wir anderen hatten jeweils nur einen. So ist (ißt) das Leben …