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Rückblick auf die Alpentour 2018

Diese Galerie enthält 89 Fotos.

Eine Woche waren wir in den Alpen unterwegs, haben von Tarrenz (bei Imst) fünf herrlich kurvenreiche Motorradtouren unternommen, die uns unter anderem auf die höchsten Pässe, aber auch zu den malerischsten Seen geführt haben. Jeder Tag war abwechslungsreich und wird … Weiterlesen

Aufbruch ohne Frühstück

Es ist viertel vor sechs, als ich auch ohne Wecker wach werde. Die Sonne krabbelt so langsam über die Berge. Ein malerisches Bild.

Die Koffer sind gepackt, alle Taschen bereits im Ducato verstaut – kurz frisch machen, dann kann es eigentlich los gehen – allerdings ohne Frühstück, denn das gibt es frühestens um 7 Uhr.

Es herrscht so gut wie kein Verkehr, als ich um 6:15 Uhr starte und so langsam Richtung Fernpass rolle. In Richtung Süden ist auch um diese Uhrzeit schon erstaunlich viel los. Meine Fahrbahn aber ist frei – bis ich auf halber Höhe auf einen 40 Tonner mit Auflieger treffe, der hinter einem Traktor her zuckelt. Mit maximal 25 km/h geht es jetzt bergauf. Das kann ja spaßig werden.

Doch der Traktorfahrer macht Platz und auch der Lastwagenfahrer weicht kurz vor der Passhöhe in eine Parkbucht aus, so dass ich bergab freie Fahrt und damit auch eine tolle Sicht auf die Ruine der Festung Ehrenberg habe.

Einst war die mächtige Verteidigungsanlage auch Verwaltungssitz und Zollstation. Heute begeistert die imposanten Anlage vor allem wegen der 400 Meter langen Hängebrücke, die das Tal überspannt.

Die Grenze nach Deutschland überquere ich wieder auf Nebenwegen nahe Pfronten und werfe mich anschließend auf die erfreulich leere A7. Gut zweieinhalb Stunden bin ich unterwegs, dann ist die erste Kaffeepause überfällig. Ein großes Total-Schild lädt zur Rast neben der A7 – zwei große Kaffee und ein Salamibrötchen; dann geht es weiter.

Es läuft erstaunlich gut auf der Autobahn. Wenig Verkehr, kaum Lastwagen – und so beschließe ich kurzerhand bei Ellwangen nicht auf die Bundesstraße und damit quer über Land zu fahren, sondern trotz zahlreicher Baustellen auf der A7 zu bleiben. Wenn alles gut geht, wäre ich so schon gegen Mittag zu Hause.

Der Plan funktioniert und so habe ich noch Zeit, bei Polo einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Ganz offensichtlich hat die Batterie an meiner BMW den Geist aufgegeben – glücklicherweise erst am letzten Tag – und so wird schnell Ersatz besorgt.

Schön war sie, die Woche in den Alpen. Wir haben gemeinsam viel erlebt und hatten wieder einmal riesig Glück mit dem Wetter. Trotz der angekündigten Unwetter mussten wir nur zweimal kurz die Regenkombis anziehen. Ansonsten: Sonne satt! So kann es bleiben, bei all den anderen Touren, die wir in diesem Jahr noch unternehmen werden. Und bei Euren natürlich auch 😉

Noch einmal rauf auf 2000 Meter

Die letzte Tour in dieser Woche. Diesmal ist der Silvretta-Stausee das Ziel. In einem weiten Bogen über Arlberg, Flexen und Hochtannberg wollen wir Anlauf nehmen, um schließlich über das Faschinajoch ins Montafon zu fahren.

Auf dem Hotelparkplatz treffen wir am Morgen eine Gruppe anderer Motorradfahrer, die das gleiche Ziel haben und tauschen uns kurz aus. Dann geht es auch schon los. Noch einmal fahren wir über die „Piller Höhe“, wählen diesmal aber die Variante über Jerzens. Landeck umfahren wir auf Schleichwegen und legen kurz vor St. Anton bei strahlendem Sonnenschein die erste Kaffeepause ein.

Über den Arlberg, Flexen und den Hochtannberg geht es Richtung Schnepfegg. Bevor wir diesen relativ unbekannten Pass erreichen, zweigen wir jedoch zum Faschinajoch ab. Zu einer Schleife über das Furkajoch reicht die Zeit leider nicht.

Hat uns der Bregenzer Wald schon begeistert, tut es das Große Walsertal nun umso mehr. An der nördlichen Flanke des Lüderscherberg fahrend, erreichen wir – wie passend – Lüdersch und fahren direkt auf die „Pizzeria Veronika“ zu. Und da es gerade Mittagszeit ist, legen wir hier eine kleine Rast ein – und stärken uns mit einer Kleinigkeit.

Die Weiterfahrt durchs Montafon ist etwas anstrengend, ist die Geschwindigkeit doch häufig auf 60 km/h reduziert.

Dann erreichen wir endlich die Zahlstelle zur Silvretta Hochalpenstraße, die uns kurven- und kehrenreich hoch auf 2000 Metern führen wird. 12 Euro Maut werden fällig, dafür gibt es auch einen neu gestalteten Aufkleber.

Wir genießen die Fahrt hinauf zur Bieler Höhe und legen dort einen ausgiebigen Fotostopp ein.

Ganz andere Impressionen erleben wir auf der Fahrt ins Tal, die uns durch ein gewaltiges Kerbtal führt, das fast schon skandinavische Züge hat. Jeder Kilometer, den wir fahren, weiß uns zu beeindrucken. Immer noch scheint die Sonne, obwohl doch für den Nachmittag schwere Gewitter angesagt waren.

Bei der Kaffeepause in See (nahe Ischgl) verbinden wir das Angenehme mit dem Praktischen: mit einem Dampfstrahler lassen sich insbesondere die schmutzigen Motorradstiefel wieder „auf Hochglanz polieren“.

Gut 35 Kilometer sind es noch ins Hotel. Kaum angekommen, werden die Motorräder verladen, so dass wir anschließend zum letzten Mal auf dieser Tour unser Feierabendbier genießen können.

Noch einmal essen wir zusammen, genießen den leckeren Nachtisch und gönnen uns einen Verdauungsschnaps.

Morgen fahren wir wieder nach Hause; jeder für sich. Die nächste große Tour findet erst Ende September statt – da wird das Tessin das Ziel unserer Reise sein.

Mit vielen schönen Erinnerungen werden wir morgen Tarrenz verlassen, eine tolle Woche geht zu Ende – danke an alle, die dabei waren.

Zum Kaffee nach Samnaun

Der Tag begann mit einem Missgeschick und dann gab’s auch noch Regen. Trotzdem sind wir rund 300 Kilometer gefahren und alle waren zufrieden.

Die Wolken hängen tief, als wir zur vierten Etappe aufbrechen. Am Tag mit der unsichersten Wettervorhersage wollen wir die längste Runde fahren: vom Reschen zum Ofenpass und in einem weiten Bogen über den Albula und den Flüela zurück nach Österreich. Rund 350 Kilometer; wenn wir uns ranhalten, sollten wir mit Pausen spätestens um 19 Uhr zurück im Hotel sein.

Es ist noch nicht ganz 9 Uhr, als wir die Motoren starten und zunächst die „Piller Höhe“ ansteuern. Der kleine Umweg sollte trotz der vielen Kilometer drin sein. Weil wir aber knapp mit der Zeit sind, will ich den schmalen Weg, der in Wenns rechts abzweigt weglassen und lieber auf der Hauptstraße bleiben. Also fahre ich in der Ortsmitte weiter gerade aus, um schneller voran zu kommen.

Nach wenigen Kilometern meint mein Navi, mir den Abzweig nach Jerzens vorzuschlagen, also biegen alle Mann brav links ab. Die Straße gewinnt zunehmend an Höhe – und wir fahren wieder auf Imst zu. Hier stimmt etwas nicht! Schnell stelle ich fest, dass ich in Wenns erst den zweiten Abzweig rechts hätte ignorieren müssen. So aber sind wir nicht auf die Piller Straße abgebogen sondern waren weiterhin im Pitztal unterwegs.

So ein Mist! Das Missgeschick kostet uns gut 20 Minuten und das an einem Tag, an dem eigentlich nichts schief gehen sollte. „Lässt sich nicht ändern, wer weiß, wofür es gut ist“, denke ich mir, als wir kurz darauf die „Piller Höhe“ erreichen.

Auch hier hat sich in den vergangenen Jahren vieles verändert. Es gibt Motorradparkplätze, eine tolles Café und für ganz Mutige einen atemberaubenden Aussichtssteig, der prachtvolle Blicke in Kaunertal bietet.

Wieder im Tal angekommen, fahren wir auf der „Via Claudia Augusta“, einem der ersten Handelswege, der parallel zur viel befahrenen Landstraße verläuft, und wechseln bald darauf die Flussseite, um den Finstermünzpass zu bezwingen. Gleich hinter der mächtigen Festungsanlage beginnt es zu regnen. Wir retten uns in Nauders in die erste BP-Tankstelle und kramen die Regenkombis raus.

Die legen wir ganz bedächtig an, hat doch die Erfahrung gezeigt, dass sich so ein kräftiger Schauer oft schnell wieder verzieht. Als wir weiterfahren, nieselt es denn auch nur noch – über den Reschenpass geht es weiter zum versunkenen Kirchturm von Graun , der auch im leichten Regen ein beliebtes Fotomotiv ist. Wir lassen uns doch die gute Stimmung nicht vermiesen …

Obwohl schon nach elf, hat keiner so recht Lust auf einen Kaffeepause. Jetzt, wir wir gerade gut eingepackt sind, wollen wir lieber noch ein Stück fahren, heißt es unisono. Also los.

Vorbei am malerischen Haldensee, auf dem Angler in Ruderboten unter großen Regenschirmen sitzen, schwingen wir uns kurvenreich hinab nach Mals, um dort rechts ab Richtung Schweiz abzubiegen. Hinter Taufers im Münstertal erreichen wir die Grenze, verlassen das „Alto Adige“ und fahren ins Land der Eidgenossen.

Schon längst regnet es nicht mehr, so dass wir mit einer gehörigen Portion Optimismus, dass das auch so bleibt, den Ofenpass hinauf fahren. Im Gasthaus auf dem Pass wollen wir eine kleine Pause einlegen und nach dem Mittagessen entscheiden, wie wir weiterfahren wollen.

Angesichts eines horrenden Wechselkurs des Schweizer Franken entscheiden sich die meisten diesmal wirklich nur für eine Kleinigkeit, etwa für „hausgemachten Steinbocksalzig mit Brot“. Wer keine Landeswährung dabei hat, darf auch in Euro zahlen und bekommt sogar das Wechselgeld in Euro zurück. Das war nicht immer so.

Es ist schon fast halb zwei, als wir uns wieder startklar machen. Die Fahrt über den Albula und Flüela zurück zum Hotel wäre vom Ofenpass aus noch gut 230 Kilometer lang. Das entspricht rund fünf Stunden reiner Fahrtzeit plus zwei Pausen. Ein zeitlich ambitioniertes Unterfangen.

Wir könnten durch den Munt-la-Schera-Tunnel von Graubünden ins zollfreie Livigno fahren, von dort über die Forcola di Livigno zum Bernina und ab Samedan dann immer Richtung Norden. Das wäre wahrscheinlich nicht wesentlich kürzer als die ursprünglich geplante Route über Albula und Flüela, kostet aber 13 Schweizer Franken Maut für die 3385 Meter lange Betonröhre, die durch den gleichnamigen Berg hindurch fährt.

Wir entscheiden uns für die dritte Möglichkeit, den direkten Weg ab Zernez rechts weg mit einer Kaffeepause in Samnaun.

Auf unserem Weg Richtung zollfreie Zone folgen wir über viele Kilometer dem Lauf der Inn, die reißend breit neben der kurvenreichen Straße verläuft. Linker Hand thront hoch über uns der malerische Ort Guarda; die Durchfahrt ist nur „Berechtigten“ gestattet. Auch die herrliche Strecke von Ardez nach Ftan bleibt uns diesmal verwehrt; werktags wird an einem neuen Belag gearbeitet.

Wenige Kilometer hinter dem Abzweig zur „Norberthöhe“ beginnt dann das Abenteuer. Auf der südlichen Trasse fahren wir nach Samnaun. Als Herausforderung erweisen sich dabei nicht nur die zahlreichen Baustellenampeln, die uns an so manchem Steilstück zum Halten zwingen – es sind vor allem die schmalen unbeleuchteten Tunnels, die kaum autobreit in den Fels geschlagen wurden, in denen es stockfinster ist und die immer irgendwo nach rechts abzweigen. Man weiß nur nicht wo, weil man häufig absolut nicht sieht. Ein echtes Abenteuer!

Wenig später sitzen wir im Café Rechsteiner und genießen die verdiente Pause. Es gibt lecker Eis und noch leckereren Erdbeerkuchen …

Für den Rückweg wählen wir die nördliche Trasse, die wesentlich besser ausgebaut ist. In weiter Ferne hängen dunkle Wolken über Landeck, die Straße ist nass und es tröpfelt ein wenig. Wieder einmal fahren wir dem Regen hinterher. Damit wir diesen nicht einholen, wechseln wir wieder auf die parallel zur Landstraße verlaufende „Via Claudia Augustä“ und trödeln dem Gewitter hinterher.

Der Plan geht auf. Wir bleiben trocken und kurz vor Landeck kommt sogar die Sonne wieder raus. Wir zweigen auf die L17 ab und fahren auf einer alternativen Trasse hoch zur „Piller Höhe“. Kultur ist angesagt, denn in den Mooren auf dem Hochplateau gibt es einen historischen Brandopferplatz, der genau in Einmündungsbereich der drei Zufahrtsstraßen liegt – und den wollen wir uns kurz anschauen.

Eine halbe Stunde später sind wir zurück im Hotel und lassen den kurzweiligen Tag auf der Sonnenterrasse noch einmal Revue passieren. Auch wenn wir anders als geplant gefahren sind, sind doch gut 300 abwechslungsreiche Kilometer zusammen gekommen. Die 350 hätten wir ohne Verfahren und Regen auch geschafft. Aber auch so sind alle zufrieden.

Heute sollte es gelingen

Das Wetter bleibt wechselhaft in den Alpen, die Routenauswahl erfolgt deshalb meist spontan und vornehmlich nach dem Kriterium, des wahrscheinlich geringsten Niederschlags. Heute sieht es für die Timmelsjoch-Tour ganz gut aus, verspricht das Regenradar doch südlich des Brenners wenig bis gar keinen Niederschlag, rund um Innsbruck hingegen nur für den Nachmittag.

Das heißt: heute fahren wir den „Passo Rombo“, müssen die Streckenführung aber komplett umplanen: das 2509 Meter hohe „Tor zum Süden (das uns wieder in den Norden führen wird), steht nun erst am Nachmittag und nicht schon gleich am Vormittag auf dem Programm. (Wenn die Funktion „Route umkehren“ auf dem Navi doch nur problemlos funktionieren würde …)

Bei strahlend blauem Himmel fahren wir ein kleines Stück ins Pfitztal, zweigen dann aber auf eine schmale Nebenstrecke ab, die uns hoch über dem Inn in Richtung Ötztal führt. Wenig später geht es links ab uum Kühtaisattel; das atemberaubende Sträßchen, das uns auf über 2000 Meter hinauf führt, haben wir wieder mal ganz für uns allein. Wie an einer Perlenkette aufgereiht, schwingen sich sieben Motorräder durch Kurven und Kehren -und anschließend gleich wieder bergab; den Fotostopp am Passschild haben wir angesichts knapp zweistelliger Temperaturen und eines starken Winds ausfallen lassen.

In Grinzens fordert uns eine örtliche Umleitung, dann wird es so langsam Zeit für eine Kaffeepause, haben sich doch zwei Teilnehmer schon außerplanmäßig „in die Büsche“ geschlagen. Dabei sind wir noch keine der ansonsten üblichen eineinhalb Stunden unterwegs.

In Axams legen wir eine kurze Rast ein, bevor wir uns durch die Außenbezirke von Innsbruck Richtung alter Brennerstraße schlängeln. Rechts der Sill, die tief unten im Talboden fließt und parallel zur viel befahrenen Autobahn genießen wir die Abgeschiedenheit. Nahe Mühlbach ist dann die Brenner-Bundesstraße erreicht, die uns – häufig geschwindigkeitsbeschränkt – Richtung Staatsgrenze führt. Am Übergang nach Italien auch diesmal keinerlei Kontrollen; die nächsten beiden Pässe rücken näher.

Eine dicke Wolkenwand baut sich linker Hand über den Gipfeln des „Monte Gruppo“ zusammen, wir aber biegen in Sterzing rechts ab und „erklimmen“ den Jaufenpass. Gut 18 kurzweilige Kilometer sind es von der Stadtmitte bis zum „Gipfelplateau“; auch diesen Pass haben wir fast für uns allein und rollen knapp 20 Minuten später, mit einem breiten Grinsen im Gesicht – vor der kleinen Jausenhütte aus.

Genau zur richtigen Zeit, um eine kleine Mittagsrast einzulegen. Zwei Alternativen bieten sich an: eine deftige Gulaschsuppe im Freien oder ein kleines Stück Kuchen im Warmen …

Kurven- und kehrenreich stürzen wir uns wieder ins Tal, um in Sankt Leonard im Passeier zum 2509 Meter hoch gelegenen Timmelsjoch abzubiegen. Auch wenn der Belag stellenweise zu wünschen übrig lässt, die Tunnels häufig feucht und ein wenig rutschig sind – wir genießen jeden Kilometer, den wir zügig vorankommen.

Erst im letzten Dritten gewinnt das kurvenreich trassierte Asphaltband deutlich an Höhe; die „letzten 1000 Höhenmeter“ kommen erst ganz zum Schluss dazu. Am höchsten Punkt der Straße stellen wir die Motorräder ab und genießen die Aussicht – und die Ruhe, die an einem Mittwoch Anfang Juni hier oben herrscht. Das haben wir auch schon ganz anders erlebt …

Acht Kilometer sind es vom Pass bis zur Mautstation auf österreichischer Seite, wo man uns pro Motorrad 14 Euro Maut abknöpft. Dafür genießen wir aber auch ein „Stück Kultur“ – der „Steeg“ ist eines von fünf „Kunstwerken“, die den Besuchern die Geschichte und die Besonderheiten der Region näher bringen sollen.

Die nachmittägliche Kaffeepause legen wir in Sölden ein. Hier finden wir eine Bar, die – zum krönenden Abschluss des Tages – auch Eis verkauft. Was will man mehr …

Rund 50 Kilometer sind es noch bis ins Hotel. Gut 30 davon rollen wir durchs langweilige Ötztal. Ab Umhausen nimmt der Verkehr deutlich zu. Zwei Harleyfahrer, die nicht vorwärts kommen, ein Linienbus, ein Lieferwagen und drei Autos bremsen uns ein wenig ein. Früher hätten wir „das Messer zwischen die Zähne genommen“, hätten alles vor uns fahrende „niedergekämpft“ und hätten uns als Helden gefühlt. Heute schaust Du aufs Navi, stellst fest, dass Du in zehn Kilometern abbiegen wirst und kommst zu der Erkenntnis, dass Überholen nicht lohnt, zumal der eine oder andere sowieso gleich abbiegen wird – was er auch meist tut. So ändern sich die Zeiten. Man wird irgendwie ruhiger …

Kurz vor Tarrenz tanken wir noch mal voll und freuen uns schon auf das Feierabendbier auf der Terrasse. Zwei Tage bleiben uns noch, drei Routen haben wir dafür vorbereitet: die Schweizer Pässe, die Silvretta und die Zillertaler Höhenstraße. Mal sehen, welche Region morgen wettertechnisch die Beste ist …

Dem Wetter ein Schnippchen geschlagen

Sollen wir oder sollen wir nicht – heute hinauf aufs Timmelsjoch fahren? Das Regenradar meldet für die Mittagszeit schwere Gewitter bei Sterzing, Vom Timmelsjoch kommend, wollen wir noch den Jaufenpass mitnehmen und würden wahrscheinlich genau dann in der nördlichsten Stadt Italiens eintreffen. Regen und kräftige Schauer werden für den Nachmittag auch für Innsbruck vorhergesagt – zu einer Zeit, wo wir auf dem Weg zum Hotel wohl am Bergisel vorbeirollen werden.

Was also tun? Der Vorhersage glauben und eine alternative Route wählen oder mutig sein und darauf vertrauen, dass es meist doch nicht so schlimm kommt, wie angekündigt? Auch wenn die App „Morecast“ fast schon den Weltuntergang für Südtirol meldet.

Jenseits des Brenners soll es den ganzen Tag über hingegen schön und sonnig sein. Rund 300 Kilometer ist die geplante (alternative) Seenrunde lang – also entscheiden wir uns spontan, die Tour hoch zum Timmelsjoch erst einmal zu verschieben. Noch einmal den Ölstand kontrollieren und schon geht es los.

Wir rollen Richtung Fernpass, verzichten aber angesichts des Verkehrs darauf den Holzleitensattel zu überqueren, sondern fahren lieber auf schmalen Nebenwegen unterhalb des Oberen Geierkopf vor prachtvoller Kulisse durch eine herrliche Wald- und Wiesenlandschaft – bis am Gasthaus Arzkasten plötzlich der Asphalt endet und in einen festgefahrenen Waldweg übergeht.

„Wenn’s so bleibt, können wir den ruhig fahren, so die einhellige Meinung: also los 😉

Wenig später schlängeln wir uns durch Telfs und dann die Buchener Höhe hinauf, auf schmalen Straßen, der Leutascher Ache folgend, bis zur Leutaschklamm. Kurz darauf passieren wir die Grenze zu Deutschland und erreichen Mittenwald.

So langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause, die wir alsbald in Krün einlegen.

Der Lauf der Isar gibt nun zunächst die Richtung vor. Über die mautpflichtigen Vorderriß-Straße (4 Euro pro Motorrad) fahren wir durchs Karwendel und erreichen schon bald den gewaltigen Sylvensteiner Stausee, den wir auf einer Brücke überqueren.

Auf der „Deutschen Alpenstraße“ gehts dann Richtung Norden, bis kurz vor Wegscheid, wo wir die Richtung wechseln und quasi hinterm Berg wieder nach Westen, zum Walchensee fahren. Die malerische Straße dorthin, haben wir ganz für und allein.

Wieder halten wir an einer Mautstation, wird doch auch für das Befahren der Straße, die südwestlich um den Walchensee führt, eine Gebühr verlangt.

Die Sonne lacht vom Himmel, das Wasser hat ein ganz eigenes blau – ein Fotostopp ist da obligatorisch.

Wenig später sitzen wir auf der Sonnenterrasse des Hotels „Zur Post“, genießen die Aussicht auf den See und stillen unseren Hunger mit bayerischen Weisswürsten. Die werden uns, obwohl 12 Uhr schon lange vorbei ist, mit leisem Protest aus der Küche, doch noch serviert.

Satt und zufrieden setzen wir uns wieder auf die Motorräder, fahren weiter rund um den See und erreichen über die alte Bergrennstrecke am Kesselberg, den Kochelsee. In Murnau angekommen setzen wir den Blinker links und können den Froschhauser See, den Riegsee und den Staffelsee rechter Hand nur erahnen, verstecken sich diese doch hinter dichtem Grün.

Oberammergau umfahren wir auf Schleichwegen und erleben bei Eschenlohe eine Überraschung: Wir dürfen nicht auf die B2 abbiegen, ist diese doch für Motorradfahrer gesperrt. Was tun? Wenn wir durch Eschenlohe selbst fahren, kommen wir nach gut einem Kilometer wieder auf die B2 – schauen wir doch mal, ob diese Zufahrt auch gesperrt ist. Ist sie nicht!

Im Internet lese ich am Abend, dass die Bundesstraße bei Eschenlohe wohl durch zwei Tunnel führt. Und dass von der Decke irgendetwas tropfe, was den Asphalt rutschig macht. Weil Motorradfahrer deshalb schon stürzten, wurde der Tunnel nicht saniert sondern einfach gesperrt. Zur Not, könnte man auch über die Autobahn ausweichen …

Wenig später geht es den Ettaler Sattel hinauf, vorbei am Kloster Ettal und dann durch den Ammerwald, über den Ammersattel, zum Plansee. Ein geniales Stück Straße. Eine Baustellenampel reißt die Gruppe kurz auseinander, nach einem kurzen Stopp können wir jedoch zusammen weiterfahren.

Kilometer lang reiht sich eine Kurve an die nächste, wir finden unser Tempo und könnten noch stundenlang so weiterfahren. Irgendwann erreichen wir dann den Nordzipfel des Plansees und legen vor malerischer Kulisse eine Kaffeepause ein.

Jetzt müssen wir nur noch einmal durch Reutte und dann übers Hahntennjoch. Auch das haben wir am späten Dienstagnachmittag ganz für uns alleine. Kurz vor dem Hotel wird noch mal getankt, gut 300 Kilometer sind wieder mal zusammen gekommen.

Im Hotel gibt es heute Abend Buffet. Das wird bereits um 18:30 Uhr eröffnet – da gehen wir gerade duschen. Die Seniorengruppe aber, die ebenfalls im „Lamm“ übernachtet, macht sich bereits startklar …

Für uns ist noch genug übrig geblieben. Alle sind satt geworden. Auch Charly, der – nachdem wir der Kellnerin sein Leid geklagt hatten, heute vielleicht ohne Nachtisch zu Bett gehen zu müssen – gleich drei frittierte Apfelringe bekam. Wir anderen hatten jeweils nur einen. So ist (ißt) das Leben …

Zum Glück ist heute Montag

Tag eins unserer kurzweiligen Motorradwoche in den Alpen. Spätestens nach dem gemeinsamen Frühstück stellt sich die spannende Frage: wohin fahren wir heute? Eine kleine Runde zum Einschwingen soll es sein. So mancher hat erst kurz vor der Tour neue Reifen aufgezogen und die müssen „eingefahren“ werden. Nach dem vorsorglichen Hinweis vor ein paar Tagen, vor dem Abreise mal nach der Profiltiefe zu schauen, war der eine oder andere doch etwas erschrocken: knapp 1 Millimeter Rest auf dem Vorderradreifen ist keine gute Basis für rund 1500 Kilometer, für wir in den nächsten Tagen fahren wollen. Jetzt sind alle Motorräder frisch besohlt – also kann es losgehen.

Hahntennjoch – Namloser Tal – Ehrenbergklause – Gaichtpass – Oberjochpass – Riedbergpass – Schnepfegg – Hochtannberg – Flexenpass – Arlberg und dann noch ein kleines Nebensträßchen Richtung Landeck, das war der Plan für heute.

Pünktlich um 9 Uhr wollten wir starten. Doch an einem Motorrad sollte vorsichtshalber noch mal der Luftdruck kontrolliert und der Tankinhalt geprüft werden. Als ob man das nicht gestern Abend in aller Ruhe hätte machen können.

Eigentlich könnte nicht mehr viel Sprit drin sein, hieß es. Nach der letzten Tagestour am Gardasee sei der Boxer gleich in den VW-Bus geschoben worden. Kurioserweise signalisierte die Tankanzeige: fast voll! Sind wir also pragmatisch und fahren erst mal los 😉

Das Hahntennjoch ist das erste Ziel. Maximal 30 km/h sind aus Imst heraus bergan erlaubt. Vor uns fährt ein älterer Herr in einem roten Polo, der das gesetzte Limit deutlich unterschreitet. Stellenweise kriechen wir mit gerademal 20 km/h den Berg hinauf und haben Sorge, in den Kurven umzufallen. Doch der Autofahrer macht bereitwillig Platz, als die 30er-Beschilderung einer 60er-Beschränkung weicht und so schrauben wir uns recht gemütlich der Passhöhe entgegen.

Zum Glück ist heute Montag. Wir haben die kurvenreiche Straße, die immer wieder prachtvolle Ausblicke bietet, bei strahlend blauem Himmel ganz für uns allein. Keine „Tiefflieger“, keine „Spaßbremser“, keine Pulks an Moppedfahrern, die einem auf der eigenen Fahrspur entgegen kommen – in diesem Augenblick scheinen nur wir unterwegs zu sein.

Auch beim obligatorischen Fotostopp auf der Passhöhe treffen wir kaum andere Motorradfahrer. Herrlich!

Wir schwingen uns kurven- und kehrenreich ins Lechtal hinab und biegen bald darauf rechts ab in „Namloser Tal“, das uns nach Reute führt. Hoch oben auf dem Berg thront die „Ehrenberger Klause“, zu der eine spektakuläre Hängebrücke führt.

Zunächst dem Lauf des/der Lech folgend, gehts in Tannheimer Tal und dann zum Haldensee, zuvor musste allerdings noch den Gaichtpass erklommen werden. Im Seecafé lagen wir eine kleine Pause ein und genießen von der Sonnenterrasse die fantastische Aussicht.

Unterdessen merkt Charly an, dass es nun doch bald mal tanken müsse. Er könne es sich garnicht erklären, aber ganz plötzlich sei im Display die Reserveleuchte angegangn … Also legen wir kurz vor der Grenze noch einen außerplanmäßigen Stopp ein.

Kaum in Deutschland angekommen, stürzen wir uns den kurvenreichen Oberjochpass nach Bad Hindelang hinunter und schrammen wenig später an Sonthofen vorbei. Auf schmalen Nebenwegen cruisen wir durchs Oberallgäu und genießen die herrlichen Aussichten. Schön ist es hier, in der Tat.

Hinter dem Riedbergpass rückt die Grenze zu Österreich immer näher. Ist ist fast 13 Uhr – Zeit für eine Mittagspause. In Hittisau kehren wir im Landhotel Hirschen ein; hier verspricht der Koch nicht zu Unrecht eine ungewöhnliche Küche. Eine vegane Kartoffelroulade mit Wirsing hatte ich bislang noch nicht gegessen.

Während wir noch einen Espresso schlürfen, donnert es mehrfach. So mancher der umliegenden Berggipfel hüllt sich in dunkle Wolken, während andernorts der Himmel noch strahlend blau ist. Also beschließen wir optimistisch zu sein und darauf zu bauen, dass uns unsere Route trocken durch die Gewitterfront führen wird.

Wir haben Glück – noch. Manchmal tröpfelt es nur leicht, manchmal war der Regen schon durch und nur die Straßen sind noch nass, aber es regnet nicht. Und wenn es anfängt, biegen wir meist in die andere Richtung ab. Kurz vor der kleinen schmalen Straße den Schnepfegg hinauf, baut sich aber bedrohlich eine dunkle Wolkenwand vor uns auf. Weil es bis hoch zum Pass keine Möglichkeit für so viele Motorräder gibt, anzuhalten, stoppen wir am Ortsausgang von Bizau und werfen vorsorglich die Regenkombis über. Ob das wirklich Not tut?

Kaum fahren wir bergan, wird es schon wieder heller. Die parallel zur „Bregenzer Ach“ verlaufende L 200 erreichen wir noch völlig trocken. Kaum dass wir jedoch in Richtung Hochtannberg abzweigen, bricht heftiger Platzregen über uns herein. Eine Gruppe GS-Fahrer sucht in einem kleinen unbeleuchteten Tunnel Schutz und zieht sich dort die Regenkombis an. Mutig – ob der hier oft langdonnernde Linienbus noch Platz zum Ausweichen hätte?

Minuten später ist der Spuk vorbei. Der Himmel ist wieder blau, als wir über den Hochtannberg fahren und in Warth die nachmittägliche Kaffeepause einlegen.

Zwei Pässe liegen noch vor uns. Am Flexen halten wir noch einmal kurz, um ein Bild von der „Installation“ zur Europäischen Wasserscheide zu machen. Dann geht es weiter zum Arlberg.

Als wir hinter den hölzernen Lawinengalerien links abbiegen und uns die ersten Cabriolets mit geöffnetem Verdeck entgegenkommen, ist klar: jetzt müssten wir eigentlich trocken im Hotel ankommen. Obwohl: ein paar Kilometer sind noch zu fahren und in den Bergen ändert sich das Wetter schnell.

Bei Pians legen wir den offiziellen Tankstopp ein und fahren dann auf kleinen Nebenwegen Richtung Landeck.

Kurt vor 18 Uhr erreichen wir trocken das Hotel und genießen das Feierabendbier auf der Terrasse.

Schön war der Tag, trotz des kleinen Schauers. Morgen könnte das Timmelsjoch das Ziel sein oder die Zillertaler Höhenstraße. Schauen wir mal, wie das Wetter sein wird.

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Kaffeepause:

Seecafe Barbist

A 6672 Halden/Haldensee

Mittagessen:

Landhotel Hirschen

Platz 187

A 6952 Hittisau

Kaffeepause:

Wälder Metzge

Nr. 73

A 6767 Warth