Monatsarchiv: Oktober 2015

Vom Bliesgau bis zum Donnersberg

Es ist wie immer – am letzten Tag haben alle „Hummeln im Hintern“. Es ist gerade einmal viertel vor neun, da stehen die meisten schon abfahrbereit auf dem Parkplatz.

Auf kleinem, kurvenreichen Straßen suchen wir uns unseren Weg nach Landstuhl. In den Tälern hängt noch der Morgennebel, der Himmel zeigt erste blaue Flecken und auch die Sonne lugt ein wenig vom Himmel. Alte knorrige Apfelbäume säumen den Weg, die kleine roten Früchte hängen noch an den Zweigen. Es geht bergauf und bergab, immer wieder folgen wir mäandernden Bach- und Flußläufen und genießen jeden Kilometer. Für viele neigt sich mit der heutigen Tour die Saison dem Ende zu.

In Landstuhl treffen wir uns zur Kaffeepause. Im Wintergarten sitzen wir in großer Runde zusammen und schwelgen in Erinnerungen. Dieter ist vorbeigekommen und wird uns auf dem letzten Stück des Weges begleiten.

Es geht Richtung Donnersberg. In der „Burgstubb“ der Burgruine Falkenstein haben wir uns zum Mittagessen angesagt. Die letzten 68 Kilometer- und zum Schluss noch eine besondere Herausforderung: in Falkenstein windet sich die schmale Straße mit 25 Prozent Steigung und noch dazu in einer scharfen Linkskehre den Berg hinauf.

Gegen halb eins sind wir am Ziel. Noch einmal zusammen Mittag essen, dann fährt jeder individuell nach Hause. Ein Blick in die Speisekarte bietet für jeden etwas: die mächtige „Kanonenkugel“ und der ausladende „Hüttenteller“ sind so gewaltig, dass sie unbedingt im Bild festgehalten werden müssen.

Dann geht’s nach Hause. Wir sind uns einig: war wieder ein tolles (langes) Wochenende. Vom angekündigten Dauerregen keine Spur – statt dessen durchweg trockene Straßen und viele schöne Touren. Kalt war’s, aber schön. Gut, dass wir uns nicht haben Bange machen lassen.

Jetzt planen wir die Saison 2016 – in Kürze mehr …

Der Hüttenteller in der Burgstubb – ein beliebtes Fotomotiv.

Jeder Wald hat einen Namen

Es ist Samstag, noch einmal werden wir einen ganzen Tag lang zusammen Motorrad fahren. Heute hängen die Wolken tief, ausgerechnet – wo wir doch im Elsass ein paar Cols unter die Räder nehmen wollen.

Schnell ist die Grenze zu Frankreich erreicht und der rauhe Asphalt bietet ordentlich Gripp. Kurven und Kehren reihen sich aneinander, mal „stürzen“ wir uns von über 400 Höhenmetern wieder talwärts, einmal schrauben wir uns sogar auf über 600 Meter hinauf.

Die Temperaturen sind frisch, in manchen Dörfern riecht es nach brennendem Holz im Kamin. Immer wieder tauchen wir ein in bunte Wälder, von denen jeder einen Namen hat. Der steht jeweils stolz auf einem Holzbrett am Wegesrand geschrieben. Wir haben Glück: noch hängt das Laub an den Bäumen. Nur manchmal mahnen platt gefahrene Kastanien auf der Straße zu ein wenig Vorsicht.

Die erste Kaffeepause legen wir in der Burgruine „Haut-Barr“, oberhalb von Saverne ein. Rechtzeitig, bevor sich zwei große Touri-Busse „entlehren“, starten wir wieder die Motoren. Wieder jagd eine Kurve die nächste – um viertel nach zwölf erreichen wir den Abzeig nach Abreschviller. Da wollen wir zu Mittag essen.

Zu früh! Also Blinker links und noch mal hoch zum Col du Donon. 16 Kilometer geht es durch den Wald, bis hoch auf 820 Meter. Nur ein Auto müssen wir auf der gesamten Strecke überholen – kaum Verkehr, den ganzen Tag. Klasse!

Als wir das „Hotel de Cigognes“ erreichen, ist Stefan mit seiner Gruppe schon da. Gemeinsam essen wir zu Mittag, dann geht’s zurück ins Hotel. Wir schlagen einen weiten Bogen um Sarrebourg und fahren an zahlreiche Tümpeln und Seen vorbei, in denen Karpen gezüchtet werden.

In Sarrealbe können wir noch mal ein Kaffeepäuschen einlegen. Doch die Lust auf ein frühes Feierabendbier ist bei den meisten ausgeprägt. Also fahren wir direkt ins Hotel. Dort werden wir heute Abend wieder mit einem leckeren Essen verwöhnt werden. Bei den Temperaturen draußen müssen schon ordentlich Kalorien zugeführt werden 😉

Herrlich kurvenreiche Straßen im Elsass – immer wieder ein Genuss

Mehr als 9 Grad waren nicht drin

Die meisten können es kaum abwarten, dass wir endlich starten. Schon zehn vor neun stehen alle abfahrbereit auf dem Parkplatz und warten auf das „Morgengebet“ – die kurzen Erläuterungen zum Tag: Kaffeepause nahe Völklingen, Mittagessen an der Saarschleife bei Mettlach, Kaffeepause individuell für beide Gruppen. Und schon geht’s los.

Bei Temperaturen knapp über null Grad ist Motorradfahren schon eine Herausforderung. Aber Hauptsache es bleibt trocken – und das sollte es; den ganzen Tag.

Schnell ist die Grenze zu Frankreich erreicht. Wir touren über schmale landwirtschaftliche Wege und durch kleine Dörfer. Hin und wieder steht ein Bäcker mit seinen fahrbaren Verkaufsstand am Straßenrand; dann ist meist auch ein Franzose nicht weit, der eine Baguette, eingewickelt in ein weißes Stück Papier, nach Hause trägt.

Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt der erste Stop: Kaffeepause. Endlich was Warmes. 9 Grad war die höchste Temperatur am Morgen – mehr sollte es den Tag über sich nicht werden.

Gegen halb eins erreichen wir das „Fährhaus“ an der Saarschleife bei Mettlach. Der Kanonenofen bollert vor sich hin, vor der großen Fensterfront fließt die Saar beschaulich vor sich hin und wir sitzen zusammen an einer großen Tafel und genießen, was die Speisekarte so bietet. Und das ist reichlich.

Gut gestärkt steigen wir wieder auf die Motorräder und treten den Rückweg an. Diesmal folgen wir dem Grenzverlauf auf der deutschen Seite. Ein Tankstopp wird zum Pit-Stopp, wie in der Formel 1: ich bin der erste, der tankt, also bin ich auch der erste der zahlt und könnte als erster schnell noch mal verschwinden. Da fast alle in der Gruppe dorthin wollen, könnte ich diese Zeit für einen außerplanmäßigen Kaffee nutzen. Das müsste klappen. Exakt! Noch bevor der Letzte den Schlüssel abgab, war die Tasse getrunken und ich am Motorrad.

Dafür gestaltete sich der „offizielle“ Kaffeestopp schwierig. Das Eis-Dolomiti in Großrosseln hatte schon geschlossen, die Pizza noch nicht auf, alle andren Gaststätten sagen nicht sonderlich einladend aus. Also: Blinkef links und kurz über die Grenze nach Petit-Roselle gefahren. Und siehe da: kaum in Frankreich fand sich sogleich eine Patissetie mit allem, was unser Herz begehrte.

Gut eine Stunde noch und wir waren wieder im Hotel, nicht ohne einen abenteuerliche Abstecher quer durch Sarreguemines.

Morgen wollen wir Richtung Saverne und dann ein paar Cols unter die Räder neben. Der angekündigte Frühnebel wird sich bis dahin hoffentlich verzogen haben. Sonst wird’s frisch auf den Höhenzügen …

Kurvenreich auf kleinen Straßen. Da wird einem bei Fahren warm ums Herz – auch wenn es sonst sehr kalt ist.

Die Unerschrockenen

So „schlimm“ wie befürchtet, ist es dann doch nicht gekommen. Nachdem die Wettervorhersage Tag für Tag ein wenig schlechter wurde, hatten wir schon Dauerregen und Temperaturen nahe null Grad befürchtet. Doch siehe da – wieder einmal alles anders.

Schon hinter Mainz waren die Straßen trocken. Die Temperaturen aber immer noch reichlich frisch. Dem „Zwiebelprinzip“ sei Dank, war das aber auszuhalten: die dicke Thermo-Unterwäsche, die schon bei der Lofotentour im September oder im Riesengebirge im Oktober, gute Dienste geleistet hat, als Grundlage, darüber T-Shirt, Fleecepullover, Neoprenweste, gefütterte Jacke und Regenkombi – solchermaßen ausgestattet ließ sich sogar die Fahrt über die Autobahn Richtung Saarbrücken aushalten. Natürlich Autobahn, weil ich wieder mal viel zu spät losgefahren bin.

Dafür war ich schon um halb vier da. Da standen bereits acht Motorräder vor dem Hotel. Schnell einchecken – und schauen, ob und wer um 16 Uhr zur angekündigten Tour da sein würde.

Alle! Die Straßen sind doch trocken, da können wir noch eine kleine Runde fahren, war die einhellige Meinung. Also los; mit letztlich elf Maschinen ging’s rüber ins benachbarte Frankreich. Auf möglichst kleinen Straßen, die es im Nachbarland reichlich gibt. Zweimal waren die nur Anliegern vorbehalten – stand zumindest auf den Schildern …

Kurz vor 18 Uhr waren wir wieder im Hotel, wo schon eine heiße Dusche sowie Silvi und Lothar auf und warteten. Damit war die Gruppe komplett.

Morgen wollen wir durch Frankreich an das Fährhaus an der Saarschleife fahren. 280 Kilometer sind geplant. Schauen wir mal 😉

Ein so schönes Sträßen, mitten durch den Wald. Und dann nur für Anlieger. Irgenwie schade, oder?

Ist denn schon Winter?

Die letzte Motorradtour für dieses Jahr. Am Donnerstagnachmittag wollen wir uns in Saarland treffen, um zum Saisonabschluss noch einmal im Drei-Länder-Eck zu touren. Das Hotel ist gebucht, die Routen ausgearbeitet, nur das Wetter scheint nicht zu passen. Schauer sind angekündigt und Temperaturen im einstelligen Bereich.

In einigen Regionen ist schon Schnee gefallen, das wird uns am Wochenende hoffentlich erspart bleiben. Und gegen die prognostizierte Kälte gibt’s lange Unterhosen.

Wir bleiben insofern optimistisch – wie immer. Wird schon nicht so schlimm werden. Für den Sonntag ist schließlich schon wieder strahlender Sonnenschein angesagt 😉

Schnee hatten wir im September erst auf 3000 Metern. Vier Wochen späte liegt die weiße Pracht schon auf 500 Metern.

Ein Tourentag im Nahetal

Die letzte vhs-Tagestour in diesem Jahr. Ganz kurzfristig ins Programm genommen, haben sich letztlich doch elf Motorradfahrer zusammengefunden, um mit uns durchs Nahetal zu fahren.

Von Heidenfahrt aus geht es zunächst nach Bingen. Da, wo die Nahe in den Rhein fließt, queren wir den Fluß das erste Mal. Gut 125 Kilometer weiter im Nordenosten, im saarländischen Selbach, liegt die Quelle. So weit wollen wir heute nicht fahren.

Bad Kreuznach und Münster-Sarmsheim, gelegen am „Tor zur Naheweinstraße“, sind die ersten Orte, die an unserer Roure liegen. Die Nahe, die mal links, mal rechts der Straße liegt, sehen wir nur, wenn wir ihren mäandernden Lauf auf einer Brücke queren.

Die erste Kaffeepause legen wir im malerischen Meisenhein ein. Zuvor galt es „Schwerstarbeit“ zu leisten: nach einem kurzen Unterwegsstopp wollte eine K nicht mehr anspringen. Batterie platt – das Ende der Saison lässt grüßen. Also anschieben, zweiter Gang und los – hat funktioniert.

Auf Nebenwegen geht es hinauf auf den Donnersberg. Zuvor müssen wir in Falkenstein noch eine 25 Prozent steile Straße „bezwingen“; wenig später stehen wir am Abzweig zum „Mont Tonnere“, wie die höchste Erhebung im Pfälzer Bergland im Französischen heißt.

Gut drei Kilometer lang windet sich das kurvenreiche Sträßchen hinauf auf 687 Meter. Sehen tun wir so gut wie nichts – die Wolken hängen tief, wir fahren durch eine dicke Nebelsuppe.

Im Waldhaus, wo wir unsere Mittagsrast einlegen, bollert der Kaminofen, zudem bietet die Speisekarte so manche lukullische Köstlichkeit.

Solchermaßen gestärkt machen wir uns auf den Rückweg. Nach einer Runde um den Donnersberg erreichen wir Ruppertsecken, das mit  498,5 Meter höchstgelegene Dorf der Pfalz. 1401 erstmals in einer Urkunde von König Ruprecht erwähnt, war der Ort von 1816 bis 1945 bayerisch.

Kurz nach 16 Uhr rollen wir vor dem „Zollamt“ in Bingen aus. Draußen auf der Terrasse – mit Blick auf Rhein und Niederwalddenkmal – genießen wir noch einmal Kaffee und Kuchen. Länger als sonst dauert diese Pause. Denn jetzt ist Schluss. Mit den vhs-Touren gehen wir in die Winterpause. Aber: die Planungen für die nächste Saison sind fast abgeschlossen. Spätestens im Frühjahr 2016 sehen wir uns wieder.

Dicke Suppe am Donnersberg. Auf fast 700 Metern wars reichlich neblig.

45 – 90 – 45

Nein, das sind keine Idealmaße. 45 – 90 – 45 sähe auch irgendwie merkwürdig aus, oder? 45 – 90 – 45, dass ist der „Express-Zuschlag“, den einige unserer Teilnehmer zahlen dürfen. Auf dem Weg vom Galibier nach Bardonecchia war der Eine oder Andere wohl etwas schneller als die erlaubten 90 km/h unterwegs. Und so flatterte dieser Tage eine Zahlungsaufforderung ins Haus.

45 Euro bei einer Überschreitung um 10 Prozent, wer noch etwas schneller war, der sollte 90 Euro zahlen. Entsprechend einer europäischen Übereinkunft werden Bußgelder für Verkehrsverstöße im Ausland nun auch bei uns eingetrieben.

Zahlbar sofort, wer zögert, für den wird’s teurer. Am Ende können mehr als 200 Euro zusammenkommen. Also gleich überweisen. Oder lieber doch erst mal einen juristischen Rat einholen?

Der ADAC-Vertragsanwalt meinte, die Zahlungsaufforderung sei wohl berechtigt. Allerdings kenne er keinen Fall, in dem die Summe tatsächlich eingetrieben worden sei, wenn nicht überwiesen worden wäre. Das müsse aber nichts heißen. Und bei der nächsten Verkehrskontrolle in Frankreich würde es dann richtig teuer. Alle Angaben, wie immer, ohne Gewähr.

Die meisten haben zwischenzeitlich überwiesen. Scheint auch vernünftig. Auch wenn sich von den Betroffenen niemand so genau erinnern kann, die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten zu haben 😉

Da war Klaus vor Jahren ehrlicher. Auf dem Weg von der Franche-Comté nach Hause war er mit 90 geblitzt worden, wo nur 70 erlaubt waren – allerdings nur von vorne. Darauf angesprochen hatte er eine überzeugende Begründung parat: „Ich musste doch pünktlich zum Geburtstagskaffee bei meiner Schwester sein, da hatte ich für 70 keine Zeit“. So kann man das auch sehen …

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Kurz vor Gipfel des Galibier. Und als wir wieder im Tal waren, setzte ein „Blitz-Gewitter“ ein. Regeln – auch die im Straßenverkehr – sollten schließlich eingehalten werden 😉