Katschberg statt Nockalm

Der Regen, der und gestern auf den letzten Kilometern nach Obertauern begleitet hatte, hat sich verzogen – heute morgen scheint die Sonne und die Welt ist wieder in Ordnung.


Nach dem langen Ritt von fast 370 Kilometern am gestrigen Tag, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Die beiden „Straßengruppen“ starten kurz nach neun Uhr, die Endurofahrer gut eine Stunde später. 


Vorbei an Mauterndorf fahren wir durchs Lungau und streifen ein wenig die Steiermark.


Bei Stadl an der Murr legen wir einen Tankstopp ein und folgen anschließend der kurvenreichen L 511 Richtung Süden, hinauf auf die Flatznitz. Nahe Altmark legen wir dann im Schatten einer alten Wehrkirche – die zu den ältesten in der Region zählt – eine kleine Kaffeepause ein.


Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen wäre ein Eiskaffee jetzt nicht schlecht. „Wollts Ihr einen normalen – also mit Kaffee und zwei Bällchen Vanilleeis oder die Wiener Variante, die eher eine trinkbare Creme ist“, werden wir gefragt? Neugierig wie wir sind, entscheiden wir uns für die zweite Variante und werden angenehm überrascht.


Kurz darauf wird es wieder staubig. Auf unbefestigten Wald- und Schotterwegen fahren wir zur „Wegscheide“. An der Kreuzung zweier kleiner Wege hoch oben am Berg steht ein kleines Gasthaus, davor mächtige alte Bäume, darunter Biergarnituren. Ein herrliches Plätzchen! 


Wir dürfen auf der Terrasse Platz nehmen und studieren erst einmal die handgeschrieben Karte. Speckknödel oder „faschierte Laibchen“ – wir würden Frikadelle sagen – sind unsere Favoriten. 


Weil es so schön ist, verbummeln wir ein wenig die Zeit und machen uns dann auf den Weg nach Tramoitschig. Da gibt es eine Werkstatt, in der vornehmlich BMWs „veredelt“ werden. Da Christian im August zum R nineT-Treffen lädt, soll die geplante Ausfahrt hierher führen – da wollen wir uns doch schon mal vorab informieren.


Auf kleinen und zum Teil geschotterten Wegen geht es weiter zum Ossiacher See – dem südlichsten Punkt unserer heutigen Tour. Dann halten wir uns Richtung Spittal.

Über dem Millstätter See brauen sich zwischenzeitlich dunkle Wolken zusammen. Jetzt zahlt es sich aus, dass wir beim Mittag so getrödelt haben. Denn der Regen ist schon durch, als wir im Drautal ankommen. Doch das Wetter bleibt unbeständig. Irgendwo blitzt und donnert es noch immer.

Wir lassen den geplanten Schlenker über die Nockalm deshalb sprichwörtlich rechts liegen und schlängeln uns auf Nebenstraßen nach Gmünd. Jetzt müssen wir nur noch über den Katschberg. Kurz vor dem Gipfelsanstieg brauen sich auch hier dunkle Wolken zusammen, so dass wir lieber den nächsten Parkplatz ansteuern und die Regenkombis anziehen.


Zwischenzeitlich zieht das Gewitter über den Berg, so dass wir eigentlich nur noch mit nassen und leicht rutschigen Straßen an den Steilstücken und Gefällestrecken zu kämpfen haben. Hinter Mauterndorf, beim Anstieg zum Radstäder Tauern sind die Straßen schon wieder trocken – und oben am Pass scheint sogar die Sonne.


Das Feierabendbier haben wir uns redlich verdient. Morgen noch eine letzte Tour und dann geht es auch schon wieder nach Hause.

Fast wie in den ersten Jahren

Heute heißt es Abschied nehmen. Von Ravascletto geht zurück nach Obertauern, ins Hotel Solaria. Drei Fahrtage bleiben uns noch – und die wollen wir reichlich auskosten.

Nachdem die beiden Straßengruppen gestern Richtung Slowenien unterwegs waren, soll es heute über den Plöcken Richtung Pustertaler Höhenstraße gehen und dann so langsam nach Obertauern. Die Endurogruppe wird hingegen die „Drei-Länder-Tour“ unter die Stollenreifen nehmen und an Kilometern „aufholen“, was in den vergangenen Tagen nicht unbedingt zu kurz gekommen ist. Gut 360 Kilometer werden es am Ende sein, mit nur einer kleinen Schotterpassage, dafür aber fahrerisch mehr als reizvoll.


Gegen neun Uhr starten die Straßengruppen, die Endurofahrer wenig später. Zunächst schlängeln wir uns rechts des Flusses But nach Tolmezzo, wo wir einen ersten Tankstopp einlegen.


Dann folgen wir dem Tagliamento, um kurz vor Carnia auf ein kleines Schottersträßchen abzuzweigen. Nach wenigen Kilometern bietet sich die Gelegenheit zum Fotostopp, die wir natürlich nutzen.


Bei Carlocio setzen wir den Blinker rechts und folgen der Straße nach Sella Nevea. Bis auf 1195 Meter schraubt sich die schmale kurvenreiche Straßen, die durch zahlreiche unbeleuchtete Kehrentunnels führt. 


Am Rande des kleinen Wintersportortes legen wir eine Kaffeepause ein.


Dabei genießen wir die Aussicht auf die Julischen Alpen.


Nahe des „Lago de Predil“ überqueren wir die Grenze nach Slowenien und gönnen und kurz darauf einen Abstecher hinauf auf den Mangart. Die so genannte Lahnscharte ist mit gut 2100 Metern der höchste abfahrbare Punkt in Slowenien. Fünf Euro Maut kostet das Befahren – die sollte man sich gönnen. Gut elf Kilometer geht es auf schmaler Trasse stetig bergan, durch einige unbeleuchtete Tunnels, bis zum Hochplateau.


Für Menschen mit Höhenangst ist die völlig ungesicherte Abrisskante – die einen fantastischen Blick nach Italien bietet – nichts. Wer genau hinschaut, entdeckt einige Grenzsteine, stoßen hier oben doch auf schmalem Grat Slowenien und Italien aneinander. 

Gemeinsam fahren wir wieder ins Tal, immer an der Felsflanke entlang und zumeist ohne Randsicherung.


In Log Pod Mangartom legen wir die Mittagspause ein und gönnen uns – obwohl schon in Slowenien – noch mal eine leckere Pizza.


Es ist schon nach 15 Uhr als wir wieder aufbrechen. Und bis Obertauern sind es noch mindestens 160 Kilometer. Gleichwohl muss ein Fotostopp an der Soca sein.


Diesmal halten wir an einer ziemlich wackeligen Hängebrücke …


Vor uns liegt der Virsc mit seinen 50 Kehren – 25 asphaltiere bergauf und 25 kopfsteingepflasterte bergab, wenn man den Pass – wie wir – von Süd nach Nord fährt. Eine der Besonderheiten dieses imposanten Gebirges ist ein „Felsenfenster“, das wir natürlich im Bild festhalten.


Über den Wurzenpass fahrend erreichen wir anschließend Österreich und nehmen Kurs auf Villach. Noch einmal müssen wir tanken. 


Fahren wir direkt oder nehmen wir einen Umweg in Kauf, um vielleicht nicht nass zu werden – das ist die Frage, die wir jetzt zu klären haben. Wir entscheiden uns für einen Abstecher über die Turracher Höhe, ist da der Himmel doch sinnig und blau. Dann sind es aber 136 Kilometer bis Obertauern … 

Den kurzen Fotostopp auf der Turracher Höhe nutzen wir gut eineinhalb Stunden später, um vorsichtshalber die Regenkombis abzuziehen. „Die letzten zehn Kilometer könnten feucht werden“, meint Christian mit Kennerblick – und sollte Recht behalten: 12,3 Kilometer vor der Passhöhe bricht ein Gewitter über uns herein.


Um kurz vor halb acht stehen wir vorm Solaria – fast wie in früheren Zeiten. Da sind wir auch immer bis halb acht gefahren und hatten mindesten 350 Kilometer auf der Uhr.

Jetzt schnell unter die Dusche und dann das Bauernbuffet gestürmt, das Peter – der Koch im Solaria – für und gezaubert hat.


Morgen sind wir wieder früher im Hotel, fahren weniger Kilometer dafür aber mehr Schotter. Trotzdem war der heutige Tag fahrerisch ein Erlebnis. Die „Drei-Länder-Tour“ ist immer wieder ein Genuss …

Prosciutto et funghi

Diese Pizza haben wir uns wirklich verdient. Gleich früh am Morgen haben wir uns auf den Weg zum „Passo gentile“ gemacht. Steil und in engen Kehren schlängelt sich das kleine Sträßchen durch den Wald. Manchmal hat man das Gefühl kopfüber zu fahren, so wild ist die Streckenführung. Früher fast durchweg geschottert, ist die Trasse heute bis zum Pass auf fast 1800 Meter asphaltiert – aber immer noch anspruchsvoll zu fahren.


Wie bis nach hier oben Lastwagen kommen sollen, ist mir ein Rätsel. Zumindest ist die Weiterfahrt für alles, was schwerer als 7,5 Tonnen ist, ab hier gesperrt. 


Wir genießen die traumhaften Ausblicke, verfolgen interessiert die weitere Streckenführung – ist der Verlauf der Trasse im gegenüberliegenden Hang doch gut zu erkennen – und fangen die eine oder andere atemberaubende Impression im Foto ein.

An einem Abzweig bleibt Christian stehen. „Wenn wir jetzt hier rechts abbiegen, dann sollten wir nach Sauris kommen“, meinte er verschmitzt lächelnd. „Wir sollten mal probieren, ob dieses Teilstück fahrbar ist“ – sprichts, legt den ersten Gang ein und gibt der KTM die Sporen.

Anfangs ist noch alles easy. Dann wird der Schotter gröber, die Strecke ausgewaschener. Nun wirds ein bisschen schweißtreibend. Nicht immer fahren die Moppeds da lang, wie wir es uns dachten. So manche Maschine scheint hier auf dem Geröll ein Eigenleben zu entwickeln. Da hilft eigentlich nur Gas – wenn man sich denn trauen würde.

Nach etlichen anstrengenden Kilometern ist eine erste Anhöhe erreicht. Die fantastische Aussicht lohnt alle Mühe. Der Ausblick ist phänomenal. Schnell wird ein „Heldenfoto“ gemacht.


Wenig später erreichen wir eine kleine Alm und legen verschwitzt und abgekämpft eine kleine Kaffeepause ein.


Dann wird es spannend. Schon von weitem war der weitere Verlauf zu sehen – stellenweise ging es sehr, sehr steil den Berg hinauf. Doch die „Schlüsselstellung“ ist asphaltiert, so dass wir das prachtvolle Panorama von der nächsten Anhöhe „ohne Puls“ genießen können.


Über den Razzo-Sattel geht es dann zur „Forcella Lavardet“, der nächsten Schotterpassage. Auch über die wühlen wir uns durch und erreichen schließlich Sappada. Wir können für Enduros direkt vor der Pizza parken – mehr an Glück ist kaum noch möglich.


Die Pizza ist ein Traum – vor allem die mit Schinken und Pilzen -;wir sind mit unserem Tagwerk recht zufrieden. Bis hierher war es schon mal toll.

Kaum sind die Teller leer gegessen, hallt Donnergrollen durchs Tal. Ein Gewitter kündigt sich an. Während es minutenlang kräftig regnet, vertreiben wir uns die Zeit mit einer lecker Nachspeise. Ist das das berühmte „dolce vita“?


Es dauert nicht lang, dann sind die Straßen wieder trocken. Um den angebrochenen Nachmittag noch sinnvoll zu gestalten, beschließen wir noch einen Abstecher zum Zoufplan zu unternehmen. Das fast 2.000 Meter hoch gelegene Plateau bietet prächtige Ausblicke – und genau in dieser Richtung ist der Himmel schon wieder strahlend blau.


Etliche Kilometer rumpeln wir durch groben Schotter, bis wir auf dem Wendeplatz unterhalb des Ostgrats der „Cimone di Crasulina“ stehen. Die Weiterfahrt verbietet ein Schild mit Landesgesetz. Das sollte besser beachtet werden.


„Der Weg führt auf die Panoramica delle Vette“, meint Christian. Sei aber mittlerweile nur noch mit einem Trialer, ganz viel Mut und mindestens eben so viel Erfahrung machbar. Aber das Befahren ist ja verboten …


Auf dem Weg ins Tal legen wir noch den einen oder anderen Fotostopp ein und sind um kurz nach fünf wieder im Hotel. Was für ein toller Tag – nur um in Sappada Pizza zu essen 😉

Aussichtsreiche Höhenstraßen

Hier könnte ich bleiben. Wir sitzen beim Frühstück auf der großen Terrasse des Hotels „Bellavista“ und genießen den neuen Tag bei Mortadella, Salami, Schinken, Käse und so manchen süßen Leckereien. Bella Italia!

Doch es hilft alles nichts – wir sind ja zum Motorrad fahren und Endurowandern ins Friaul gekommen. Also starten wir um kurz nach neun Uhr die Motoren. 


Während die Straßengruppen Richtung „Lago di Sauris“ Untergangs sind, schwingen wir und zunächst die „Panoramica delle Vette“ hinauf. Die beginnt gleich hinter dem Hotel und führt auf über 1800 Meter hinauf.

Den Hinweis auf eine Baustelle und das kreisrunde Durchfahrt-verboten-Schild ignorieren wir – das hat in Italien ja nur empfehlenden Charakter 😉 


Wenig später ist kein Durchkommen mehr. Ein schwerer Laster steht mitten auf der Straße, nebendran schaufelt ein Bagger Erdreich auf die Ladefläche. Also heißt es erst einmal kurz warten. Irgendwann krabbelt der Baggerfahrer aus seinem Führerstand, setzt sich hinter das Lenkrad des LKW und macht Platz für uns. So ist Italien 😉

Es geht stetig bergan, hinter jeder Kurve bieten sich neue herrliche Ausblicke. Die „Panoramica“ ist zwischenzeitlich nur noch im oberen Drittel geschottert, macht aber immer noch einen Riesenspaß. 



Wir halten immer wieder mal zum Fotografieren und schrauben uns dann über viele enge Serpentinen wieder runter ins Tal. Kaffeepause ist angesagt – die haben wir uns verdient.


Anschließend nehmen wir Kurs auf den nahegelegenen „Monte Zoncolan“. In vielen kleinen Kurven und Kehren gewinnen wir kontinuierlich an Höhe, bis wir auf fast 1700 Metern vor dem ersten der drei Tunnelportale stehen. Seit der Giro mal über den Zoncolan geführt wurde, ist die Durchfahrt asphaltiert und beleuchtet – früher war die Strecke abenteuerlicher.


Auf dem Gipfel der obligatorische Stopp, dann geht es in einem weiten Bogen nach Paularo, vorbei an einem beeindruckenden Wasserfall.


Schließlich fahren wir in Richtung Ligusullo. An der „Osteria Al Camoscio“ zweigt die Zufahrt zum „Monte Paularo“ ab – wir wollen bei prächtiger Aussicht aber erst einmal Mittag machen.


Nach einer ordentlichen Portion Pasta mit Wildbret wagen wir den Gipfelsturm. Über etliche Kilometer geht es schottrig bergan, vor allem Christian lässt seine KTM immer wieder ordentlich fliegen.


Und doch bleibt auch immer wieder Zeit, die herrliche Landschaft zu genießen, wie beispielsweise beim Blick auf den winzigen Lago Dimon


Auf dem „Gipfelplateau“ gönnen wir uns eine kurze Verschnaufpause und sind stolz auf unsere „Heldentaten“ – stellenweise war der Weg ganz schön rumpelig.


Das alte Militästräßen verfügt fast durchgängig über keine Randsicherung – nur an einer besonders ausgesetzten Stelle gibt es ein „Geländer“. 

So langsam wird es Zeit für einen Tankstopp. Die Beta und auch die kleinen KTMs brauchen dringend Sprit.


Kaum sind die Tanks wieder voll – so dass wir zu neuen Abenteuern aufbrechen könnten – machen sich erste Ermüdungserscheinungen bemerkbar. Die zurückliegenden beiden Fahrtage waren doch anstrengend, so dass die meisten ein kühles Bier auf der Terrasse einer weiteren schweißtreibenden Schotterpassage vorziehen würden.

Keine schlechte Idee, fahren wir doch noch die Reste unserer gestrigen Brettljause im Topcase spazieren. Kaum im Bellavista angekommen werden Speck und Käse in kleine Streifen geschnitten – schon ist das nachmittägliche Picknick fertig. Herrlich!


Nach und nach treffen auch die beiden Straßengruppen ein, so dass wir pünktlich zu Abend essen könnten – wenn nicht an einer bestimmten BMW noch Öl hätte nachgefüllt werden müssen …


Das Abenessen ließ wieder keine Wünsche offen. Nach ein paar leckeren Speckknödeln 


gab es eine schöne Portion Bresaola mit Steinpilzen


und zum Nachtisch Heidelbeer-Kuchen,


Das Leben kann so schön sein – man muss eigentlich nur Motorrad fahren …

Ein Abstecher zur Waidegger Hütte

Klack, klack, klack – und dann ein lautes Fluchen. Anschließend ist es mucksmäuschen still in der großen Garage des Hotels Solaria. Noch einmal: klack, klack, klack, gefolgt von einem resignierenden Seufzen. Charlys BMW will nicht anspringen, die Batterie ist leer.


Glücklicherweise ist Wolfgang da, dem ähnliches bei unserer jüngsten vhs-Tour widerfuhr. Seitdem hat er an seiner F 800 eine Steckdose abgebaut, die auch Ladestrom verkraftet – und mit der er nun Starthilfe leisten konnte. Fünf  Minuten später lief der alte Boxer wieder und sprang den ganzen Tag über problemlos an.

Die Nockalm und der Lanzenpass waren die beiden Höhepunkte der beiden Gruppen, die auf der Straße unterwegs waren. Und natürlich viele kleine kurvenreiche Straßen. Die Endurotruppe war in gleicher Richtung unterwegs, orientierte sich aber mehr an den Möglichkeiten, auch mal Wege ohne Asphalt fahren zu können.


Nach einem ersten Tankstopp in Tweng, ging es vorbei an Burg Mauerndorf und Schloss Moosham ins Thomatal. Ein herrlich schmales Sträßchen führte über eine atemberaubende Hochebene – vorbei am Abzweig zur Nockalm.


In Kremsbrücke legten wir einen frühen Kaffeestopp ein, weil anschließend entsprechende Gelegenheiten rar wurden.


Nähe Gmünd dann der erste Abzweig auf ein kleines Schottersträßchen, das uns durch einen dichten Wald Richtung Millstätter See führte. Anschließend nahmen wir Kurs auf die „Windische Höhe“ und erreichten bald darauf die B 111, der wir zunächst bis Hermagor folgten. In Straning dann ein kurzer Stopp, um die Videokameras in Position zu bringen, dann ging es flugs bergauf.


In einer dichten Staubwolke fahrend, stieben acht Enduros zügig bergab. Schotter fliegt unter den Stollenreifen zur Seite, wir rumpeln durch tiefe Auswaschungen und haben den Vordermann immer im Blick – nur nicht abreißen lassen 😉

Die Straniger-Alm lassen wir diesmal rechts liegen. „Bevor es links nach Italien geht, halten wir uns am nächsten Abzweig rechts, da kommt nach fünf, sechs Kilometer eine noch urigere Alm“, meint Christian. Also los.


Immer höher windet sich der schmale Pfad hinauf, fast sind wir schon auf 1800 Meter – und drohen doch fast zu scheitern. Ein Viegatter lässt sich nicht öffnen, so dass wir fast schon rumdrehen wollen. Zum Glück nähert sich, von der anderen Seite, ein Einheimischer, der uns zeigt, wie nicht nur die vierbeinigen Rindviecher, sondern auch solche wie wir, am Weiterkommen gehindert werden sollen.


Kurz darauf sitzen wir im Gastgarten der Waidegger Hütte und genießen eine zünftige Brettljause. Karl, der hier oben Milch zu Käse verarbeitet, freut sich über unseren Besuch und erzählt die eine oder andere Anekdote. Fast zwei Stunden sitzen wir in der Sonne und genießen bei Speck und Käse das süße Nichtstun.


Der knifflige Weg über die grüne Grenze nach Italien bietet prachtvolle Ausblicke, so dass die Fotoapparate wieder ordentlich klicken.


Über den Lanzenpass fahren wir anschließend nach Paularo und legen nahe der Piazza ein kleines Kaffeepäuschen ein. Es dauert nicht lang, dann fahren erst Dieter und anschließend Stefan mit ihren „Straßengruppen“ an uns vorbei.


Noch gut 20 Kilometer und wir sind im Hotel Bellavista. Den eigentlich geplanten Abstecher zum Monte Zoncolan verschieben wir auf einen der nächsten Tage, so dass wir um zwanzig nach sechs die Motorräder auf der Terasse abstellen können.


Jetzt noch ein kühles Bier, das Pietro schon zapft, und wir können den Tag zufrieden Revue passieren lassen.


Das Abendessen auf der großen Terrasse ist das Tüpfelchen auf dem i – wir genießen die gute Küche und freuen uns, hier auch die nächsten zwei Tage verbringen zu können. Motorradfahrer im Friaul – das hat schon was …

Stille Nacht in Hallein

Irgendwie interessiert es mich ja doch, ob ich das kleine Sträßchen rüber nach Hallein nicht doch mit dem Ducato hätte fahren können. Letztlich hatte ich eine Route über Marktschellenberg gewählt, weil mir die „Abkürzung“ direkt über den Berg zu schmal und zu steil erschien – was sie im Grunde auch ist. Aber der Reihe nach.

Noch gestern Abend hatte ich eine Route zum besagten Grenzübergang „gebastelt“, die am Morgen noch durch einen Track verfeinert wurde, den Christian kurzerhand aufs Navi spielte. „Ich war da jüngst auf Wirtschsftswegen unterwegs, schau mal, ob Du da was gebrauchen kannst“, meinte er. Also los.


Den Radstädter Tauern runter und dann auf die B99. Hinter Hüttau den Abzweig links auf den ersten Güterweg Richtung Fritzerberg und Alpfahrt.  Ein schmales Asphaltband schlängelt sich verheißungsvoll durch einen dichten Wald und bietet immer wieder prachtvolle Ausblicke. Zwei Kühe und ein Esel weiden vor einem eindrucksvollen Alpenpanorama – irgendwie könnte ich fortwährend anhalten zum Fotografieren.


Über den Pass Lueg gehts nach Salzach und dann gleich links, auf den nächsten Güterweg. Mächtig bauen sich rechts die Berge vor grünen Wiesen auf; wieder klickt der Fotoapparat.


Wenig später rückt die „Burg Hohenwerfen“ in den Blick; ganz deutlich ist die langgezogene Befestigungsmauer zu sehen, die sich den Hang entlang zieht.


Auf schmalen Wegen erreiche ich schließlich Hallein. Im Ort selbst erschweren Fußgängerzonen, Bauarbeiten und Umleitungen, die in Sackgasen führen, die Orientierung. Bei einem der vielen Versuche Richtung Dürnberg zu gelangen, fahre ich am Wohn- und Sterbehaus von Franz Xaver Gruber vorbei. Der hatte in der Heiligen Nacht im Jahre 1818 in Arnsdorf die Melodie des Weihnachtsliedes „Stille Nacht“ komponiert. 1835 zog er nach Hallein, wo er als Organist arbeitete und hier auch starb.

Bekannter als für die Musik dürfte Hallein für den Bergbau sein. Wenig später stehe ich vor einem aufgelassenen Stollen.


Und auch der Wandweg, den mein Navi mir vorschlägt, führt mich nicht wirklich weiter.


Also zurück ins Tal – im dritten Anlauf finde ich dann die Straße, die mich Richtung Dürnberg und schließlich Richtung Grenze führt.


Mit dem Motorrrad lässt sich hier herrlich fahren. Aber mit dem 6 Meter langen Ducato auf gerade einmal zwei Meter breiten Wegen, durch enge Kurven und einen Steilstück mit 24 Prozent Anstieg – wäre vielleicht gegangen, brauche ich aber nicht.

Über die alte Wiestalstraße gehts durch den Wald zum Wiestalstausee. Das sind Wege, die ich liebe.


Wenig später stehe ich auf der Staumauer und mache mal wieder Fotos.


Dann gehts im weiten Bogen und auf schmalen Straßen Richtung Trattberg. Immer wieder laden prächtige Aussichten zu einem kurzen Stopp.

Bei Wegscheid muss ich mich entscheiden: bummele ich noch ein wenig auf schmalen Wirtschaftswegen um das Tennegebirge oder fahre ich über der Bundesstraße, auf der ich gekommen bin, zurück ins Hotel. Ein Blick auf die Uhr und die noch verbleibenden 75 Kilometer lassen mich für die zügigere Variante entscheiden, wollte ich doch spätestens um 18 Uhr zurück im Hotel Solaria sein.


In Radstadt tanke ich noch einmal voll und treffe Stefan, Ingo und Carolin. Nach einem kurzen Hallo gehts weiter – noch 20 Kilometer und wir sind da. Ab unter die Dusche und dann zum Essen.


So langsam wird es Nacht in Obertauern. Zeit um schlafen zu gehen. Morgen fahren wir weiter ins Friaul – zwei Gruppen auf der Straße und eine, die Endurowandert …

Auf dem Weg nach Obertauern

Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, Mitte Juli nach Obertauern zu fahren? An dem Wochenende, an dem das bevölkerungsreichste Bundesland in Deutschland in die Sommerferien startet? Eigentlich achten wir doch immer sehr genau darauf, solche Termine zu meiden. Irgendetwas muss sich in der Jahresplanung verschoben haben … egal, wir müssen jetzt los. Die Kühlbox ist gepackt …


Die A3, mit ihren vielen Baustellen, ist keine Option. Also eine Route geplant, die im weiten Bogen über Fulda und dann von der A7 zur A70 und A73 führt. Ist rund 50 Kilometer länger, dafür aber wahrscheinlich staufrei. Und in der Tag: während auf der A3 schon hinter Würzburg Dauerstau gemeldet wird, rolle ich unbeschwert über die Alternativstrecke und kann mir sogar den Luxus leisten, noch ein Stück Landstraße mitzunehmen.


Kurz vor Nürnberg das nächste Problem. Da ist ein mit Stahlröhren beladener Laster in den Graben gekippt und muss nun aufwändig geborgen werden, was zu langen Staus führt. Mit einem Abstecher quer durch die Stadt lässt sich das Chaos umfahren, so dass ich problemlos die A8 erreiche.

Quer durch München will ich nicht, obwohl der Verkehr am Abzweig zur A9 nur recht zäh fließt. Da ich aber nach gut 20 Kilometern auf die Bundesstraße wechseln will, nehme ich ein wenig stopp-and-go in Kauf.

Den Irschenberg umfahre ich in einem weiten Bogen auf der Landstraße, auch wenn der erste Blick aufs Alpenpanorama von der Höhe schon beeindruckend ist. Ich folge statt dessen der gut ausgebauten Bundesstraße Richtung Wasserburg und weiter Richtung Traunstein. Kurz bevor es wieder auf die Autobahn gehen sollte, meldet der Verkehrsfunk gut 20 Kilometer zähfließenden Verkehr in Richtung österreichischer Grenze – kurzfristig beschließe ich bis Berchtesgarden auf der Landstraße zu bleiben.


Eine gute Entscheidung: ich habe freie Fahrt, nur zweimal bremsen mich Traktoren aus. Die Straße windet sich durch weite Felder, vorbei an den Bergen und immer wieder durch den Wald. Kleine, malerische Dörfer liegen am Wegesrand – kurzum, es ist so schön hier, dass ich denke, es wäre an der Zeit, auch hier mal wieder ein paar Tage Motorrad zu fahren …

Kurz hinter Berchtesgaden dann eine „Bewährungsprobe“. Mein Navi schlägt mit ein Mini-Sträßchen vor, dass klein und kurvig bergan führt. Fahrzeuge mit mehr als 3,5 Tonnen dürfen diesen Weg nicht fahren! Der Ducato bringt vollgeladen 3,49 Tonnen auf die Waage – ist aber 6 Meter lang und 2 Meter breit. 4 Kilometer sind es bis zur Grenze, dann noch mal zwei bis Hallein – dann wäre ich wohl um 20 Uhr in Obertauern.

Doch die schmale Straße erscheint mit für ein so großes Auto, wie ich er gerade fahre, nicht sonderlich vertrauenserweckend. Nach einem Blick in die Karte, beschließe ich doch lieber den „Umweg“ über Marktschellenberg, um relativ direkt nach Österreich zu kommen. Passt 😉

Gegen 20 Uhr erreiche ich Radstadt, tanke noch einmal voll, um dann nach Obertauern abzubiegen. Jetzt geht es nur noch bergauf. Erst noch moderat, nach der beeindruckenden Klamm aber immer wieder doch mit ordentlich Steigung.


Zwanzig nach acht stehe ich vor dem Hotel Solaria, lade das Nötigste aus und werde auch schon herzlich von Christian empfangen. Fast ist es wie ein wenig nach Hause kommen …

Morgen trifft der Rest der Truppe ein – hoffentlich relativ staufrei. Und am Montag fahren wir denn gemeinsam ins Friaul. Wird wieder eine schöne Woche werden 😉