Nur noch einmal durch Österreich?

So langsam beginnen wir die nächste Saison etwas konkreter zu planen. Schweden könnte ein Ziel sein, vielleicht mal wieder das Erzgebirge. Mit Sicherheit aber nicht Österreich oder ein Land, dass nur durch die Fahrt durch die Alpenrepublik erreichbar ist. Nach Italien kommt man glücklicherweise auch auf anderen Wegen …

Die Vignette ist gekauft, der Ärger bleibt

Mich ärgert der unverhohlene Zwang, in den Sommermonaten die Autobahn an bestimmten Stellen nicht verlassen zu dürfen oder diese benutzen zu müssen. Auf der Rückreise von Gardasee war plötzlich die alte Brennerstraße gesperrt, jetzt ist es am Wochenende auch verboten, die A10 zwischen Puch-Urstein und St. Michael im Lungau zu verlassen. Geht’s noch?

Natürlich habe ich Verständnis für die staugeplagten Anrainer. Aber dass, was sich österreichische Politiker derzeit erlauben – Auto- und Motorradfahrer über viele Kilometer auf der Autobahn zu kasernieren – ist keine Lösung. Mich wundert, dass der deutsche Verkehrsminister so ruhig bleibt und nur Verbalattacken reitet.

Es ist schon unverschämt, alle, die nicht die Autobahn benutzen (wollen) als Mautpreller zu verunglimpfen. Steht irgendwo geschrieben, dass der Urlaubsreisende in Österreich zwanghaft die Autobahn benutzen muss – noch dazu, wenn er mit dem Motorrad anreist?

Ich habe bei einer Fahrt durch Österreich immer eine Plakette am Ducato, weil ich alle Verkehrswege nutzen möchte. Meist fahre ich bis Innsbruck-Süd die Autobahn und wechsle dann auf die alte Brennerstraße, weil ich die Europabrücke einfach nicht mag. Da fahre ich lieber kurvenreich und zeitraubend dem Grenzübergang auf der Landstraße entgegen, trinke unterwegs einen Kaffee, tanke noch mal voll und kaufe gelegentlich im Supermarkt ein. So beginnt für mich der Urlaub.

Doch all das darf ich nicht mehr. Ich darf auch nicht, vom Tauern kommend, auf die Landstraße wechseln, wenn ich der Autobahn überdrüssig bin. Verboten, ab dem Wochenende. Ich finde das unglaublich.

Und so werde ich Österreich erst einmal meiden und aus der Tourenplanung ausklammern. Schade für meine befreundeten österreichischen Hoteliers – aber so geht das einfach nicht. Zumal ich es für mehr als befremdlich halte, dass die vorgeschriebenen „Ausweichstrecken“ immer gebührenpflichtig sind. Würde Österreich zu den „Sperrzeiten“ auf die Maut verzichten, könnte man ja geneigt sein, dem Ganzen noch einen Sinn abzugewinnen. So aber empfinde ich das Verhalten als Provokation – obwohl ich eine Vignette für die Autobahn habe.

Schade eigentlich, denn irgendwie passt das doch alles nicht zusammen. Da wirbt man um Touristen und ärgert sich dann, wenn diese in Scharen kommen. Muss ja nicht sein. Wir werden Österreich zumindest im nächsten Jahr nicht im Programm haben. Das wird jetzt wahrscheinlich Niemanden beeindrucken, musste aber mal gesagt sein. Ich hoffe, Ihr versteht mich.

Immer diese Ungeduld

In der nächsten Woche werden wir in den Karawanen unterwegs sein. Eine Woche lang wollen wir – vom „Natur Romantik Ressort Brunner“ in Bad Eisenkappel aus – links und rechts dieses markanten Gebirgszugs in Österreich und Slowenien auf Entdeckungsreise gehen. Und das auf möglichst kleinen Straßen.

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Auf möglichst kleinen Straßen unterwegs

Weil es oft recht mühsam und mitunter auch zeitraubend ist, zur richtigen Zeit das richtige Lokal für eine kleine Kaffee- oder Mittagspause zu finden, planen wir – soweit das möglich ist – ein wenig vor. In der Regel lassen sich gut 75 Kilometer in rund eineinhalb Stunden zurücklegen. Nach der entsprechenden Distanz sollte sich eine entsprechende Lokalität finden lassen.

Eine unserer Touren wird uns weit ins romantische Nordslowenien führen. Auch da haben wir versucht, schon mal zu schauen, wo wir denn eine Kaffee- oder Mittagsrast einlegen könnten. Gefunden haben wir ein paar schöne „Gostisce“ – wobei die Anfrage, wie denn die Öffnungszeiten seien, häufig über den Facebook-Messenger geführt wurde. Oft mussten wir gut 12 Stunden (! ) – das Ausrufezeichen ist ironisch gemeint –  auf eine Info warten und waren versucht, schon mal nach Alternativen zu suchen. Dann kam aber meist die freundliche Antwort, dass wir herzlich willkommen sein. Scheinbar waren wir wieder mal zu ungeduldig ;-(

Keine Antwort gab es hingegen von einem Hotel am Bleder See, in dem angeblich die berühmten Cremeschnittchen erfunden wurden. Dreimal hatten wir per Mail angefragt, ob wir mit unserer doch recht großen Gruppe auf eine Kaffee (und ein Schnittchen) vorbei schauen könnten – dreimal gab es keine Antwort.

Cremeschnitte

Angeblich wurde in Bled die Cremeschnitte erfunden

Alternativ haben wir dann bei einer kleinen Penzion am anderen Ufer des Sees angefragt; schon am nächsten Morgen ließ man uns erfreut wissen, dass wir jederzeit willkommen seien. Na, da fahren wir doch gerne hin.

1:30 in 3:30

Sena hat jüngst eine aktualisierte Version seiner Helmkamera auf den Markt gebracht: die Sena 10C Pro. Mit der sehr schmale und und handlichen Kamera, die mit einer Klebehalterung unauffällig seitlich an den Helm geklipst wird, kann man nicht nur filmen sondern unter anderem auch telefonieren.

Die Kamera selbst bietet unterschiedliche Funktionen – unter anderem die des Zeitraffers. Wir haben das mal bei unserer Tagestour in die Wetterau ausprobiert. Eine Fahrstrecke von einer Stunde 30 wurde so auf drei Minuten 30 komprimiert.

Hier ist das Ergebnis:

Hat was, oder?

Einmal in die Wetterau

VHS-TOUR: WETTERAU / Samstag, 6.7.2019 – Eigentlich wollten wir heute die zwei Räder unserer Motorräder gegen vier Räder eines GoKarts tauschen. Doch angesichts von vorhergesagten Temperaturen um die 30 Grad am Nachmittag, behielten wir uns vor, erst nach dem Essen spontan zu entscheiden, ob wir uns ein schweißtreibendes Rennen tatsächlich antun wollen. (Die meisten wollten nicht).

Schon kurz nach halb neun war der Parkplatz an der vhs in Hofheim gut gefüllt. Sieben Teilnehmer hatten sich angemeldet, spontan kam noch Jörg dazu, der fragte, ob er auch mitfahren könne. Konnte er 😉

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Los geht´s, zur ersten Etappe, die nach Lich führt.

Über den großen Feldberg und das Weiltal fuhren wir über Usingen Richtung Münzenberg und weiter nach Lich. Inmitten der malerischen Altstadt, direkt am Stadtbrunnen, fand sich das Café Goebel; hier legten wir die erste Pause ein. Milchkaffee in großen Tassen und ein leckerer Rhabarberkuchen sorgten für die nötige Nervennahrung. Hier im Schatten ließ es sich aushalten 😉

Auf den nächsten Kilometern tasteten wir uns immer wieder an der Nordgrenze der Wetteraus entlang und wechselten ein ums andere mal in den angrenzenden Vogelsberg. Kleine, kurvige Straßen überwogen, die häufig durch kühlen Wald führten. Als wir durch Eichelsachsen fahren, fängt Robert hinter mir an zu hupen. Wir halten an und ich sehe warum: das Topcase neigt sich bedenklich Richtung Rücklicht. An der Gepäckbrücke haben sich zwei Schrauben gelockert und sind abgefallen.

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Das Topcase hat Schräglage

Sinnvollerweise liegt die kleine Dose, in der ich immer ein paar Ersatzschrauben mitführe, noch im Topcase der DR 650er, so dass jetzt erst einmal gute Rat teuer ist. Im Hauseingang nebenan sind zwei Jungs offensichtlich dabei das Familienauto mit dem Gepäck für die nächste Urlaubsreise zu beladen. Ich frage, ob sie möglicherweise zwei 10er Schrauben nebst Mutter hätten. Daraufhin holt einer den Papa, der mit mit in den Schuppen geht. Wie es der Zufall finden, finden sich auf der Werkbank Schrauben satt.

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Ein Schrauben-Paradies in Eichensachsen

„Was fährst Du denn für ein Motorrad“, fragt mich der Senior. Als ich im sage, eine alte G/S, bekomme ich zur Antwort: „Dann nehmen wir Schrauben au Edelstahl“. Flugs ist die Gepäckbrücke wieder angeschraubt und mit zwei zusätzlichen Muttern gesichert, so dass wir die Fahrt fortsetzen können. Noch mal einen ganz herzlichen Dank an meinen unbekannten Retter!

Die Mittagspause legen wir wenig später im Gasthof „Zur Schönen Aussicht“ in Birstein-Obersotzbach ein. Der Wirt begrüßt uns herzlich, fährt er doch auch Motorrad und hat zwei alte BMWs aus den 80er Jahren im Stall. Die Speisekarte gefällt uns: jede Menge Schnitzel in unterschiedlichsten Variationen; hier findet jeder etwas für seinen Geschmack.

Nach dem Essen ist klar. GoKart fahren werden wir ein anderes mal. Heute ist es dazu einfach zu warm. Statt dessen nutzen wir den Nachmittag für eine ausgiebige Tour, die uns nach Bad Vilbel führen wird. Im Ahrenshof wollen wir die nachmittägliche Kaffeepause einlegen. Der Weg dorthin führt vorwiegend durch die Wetterau, die wir jetzt auf ihrer eher flacheren Variante erleben.

Im Ahrenshof angekommen, lassen wir es uns noch einmal gut gehen, bevor wir so langsam den Heimweg antreten.

Die nächsten vs-Tagestour wird uns am Samstag, den 31.8.2019 zum „Keltenfürst“ führen. Weitere Informationen dazu unter folgendem Link.

Neu hinzugekommen sind zwei Tagestouren im September und Oktober. Am Samstag, den 21.9.2019 fahren wir über den Hunsrück an die Mosel, um in Cochem den geheimen Bunker der Bundesbank zu besichtigen. Weitere Informationen dazu unter folgendem Link.

Und zum Abschluss der Motorradsaison fahren wir am Samstag, den 26.10.2019 an die Grenze von Hessen und Baden Württemberg – die verläuft in Egelsbach mitten durchs Dorf. Weitere Informationen dazu unter folgendem Link.

Zu allen drei Tagestouren kannst Du Dich auf der Homepage der Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises jetzt schon anmelden. Gesamtübersicht vhs.

Die Strecke, die wir am Samstag in der Wetterau zurückgelegt haben, haben wir wieder in einem kleinen Reliefe-Video zusammengefasst.

Hier wäre der Original-Link

Auf der Karte kannst Du unsere Route auf einen Blick nachverfolgen.

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Unsere Pausen:

Kaffeepause (Vormittag)
Café Goebel
Oberstadt 2
35423 Lich

Tel.: (06404) 92 84 003
Web: https://relaunch2014.cafegoebel.de/cafe-goebel-lich/

Mittagspause
Gasthaus „Zur schönen Aussicht“
Forsthausstraße 12
63633 Birstein-Obersotzbach

Tel.:(06054) 1801
Web: https://www.pension-becker.net

Kaffeepause (Nachmittag)
Ahrenshof
An der Kirche 1
61118 Bad Vilbel

Tel.: (06402) 51 33 55
Web: http://www.ahrenshof-massenheim.de

Mehr Infos zu unserer Touren gerne per Mail unter kurvenfieber@mac.com

Die ersten Tourberichte

… sind jetzt ergänzt um die noch fehlenden, so dass Du über diesen Blog-Eintrag das komplette Internet-Tagebuch unserer Motorradtour an den Lago di Ledro lesen kannst. Wir haben auch die Links zur den „Routenvideos“, die wir über die App „Relieve“ erstellen, dazu gepackt, so dass die Übersicht jetzt komplett ist und Du zum Lesen nicht mehr durch den ganzen Blog scrollen musst.

Wir wünschen Dir viel Spaß – und freuen uns schon jetzt auf die nächste gemeinsame Tour.

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Unter den nachfolgenden Links findest Du alle Berichte und „Routenvideos“ unserer kurzweiligen, geführten Motorradtour an den Lago di Ledro:

Fr. 14.6.2019 – Eine Alternative zum Irschenberg?

Sa. 15.6.2019 – Vortour mit Hindernissen

So. 16.6.2019 – Entscheidung am Maniva

Mo. 17.6.2019 – Kurven und Kehren ohne Unterlass

Der Routenverlauf im Video

Di. 18.6.2019 – Endlich ist der Mortirolo das Ziel

Der Routenverlauf im Video

Mi. 19.6.2019 – Es gibt auch breitere Straßen

Der Routenverlauf im Video

Do. 20.6.2019 – Heute wird es „ruppig“

Der Tourverlauf im Video

Fr. 21.6.2019 – In den Garten Italiens

Der Tourverlauf im Video

Sa. 22.6.2019 – Ich fahr noch vor dem Frühstück …

Rückfragen gerne an kurvenfieber@mac.com

 

 

Ich fahr noch vor dem Frühstück …

LAGO DI LEDRO: Heimreise – Samstag, 22.6.2019 – „Ein guter Plan ist es wert, verworfen zu werden“. Das sage ich mir am Tag unserer Abreise vom Lago di Ledro. Die alte G/S steht seit gestern Abend gut verzurrt im Transporter, die Koffer sind gepackt und ebenfalls schon im Laderaum verstaut. Nur das „Handgepäck“ und der Rucksack mit dem Rechner sind noch auf dem Zimmer.

Den Wecker habe ich mir für 6:00 Uhr gestellt, um möglichst noch vor der großen Reisewelle über den Brenner zu kommen. Es ist das erste Wochenende, an dem die Österreicher Ihr irrwitziges Fahrverbot für die alte Brennerstraße ausgesprochen haben, die ich trotz vorhandener Autobahnvignette immer wieder gerne fahre. Diesmal wollte ich aus Gründen der Zeitersparnis über die Europabrücke, aber wenn da jetzt alle drüber müssen wird es an der Mautstelle wohl lange Schlangen geben.

Die Frage, wann der beste Zeitpunkt zum Aufbrechen ist, beantwortet sich am Ende von ganz alleine. Nachdem ich täglich Unmengen an Wasser trinke, müssen die auch irgendwann wurde raus – und das war in der Nacht zum Samstag um Punkt 3:00 Uhr in der Früh der Fall.

Noch mal hinlegen? Oder reichen vier Stunden Schlaf für den langen Weg nach Hause? „Pack Deine Sachen und fahr los. Noch ist es angenehm kühl und die Straßen leer. Wenn Du unterwegs müde wirst, kannst Du eine Stunde Schlaf auch auf dem Parkplatz nachholen“, denke ich mir – und so nagelt der Ducato Punkt 3:30 Uhr vom Hof.

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Noch ganz schön finster, um halb vier

Draußen zieht ein Gewitter auf. Es ist arg windig und am Himmel zucken immer wieder kräftige Blitze. Am Kreisel vor Nago schiebt sich ein 40 Tonner vor mich, der die vor uns liegende Steigungsstrecke nur mühsam bewältigt. Glücklicherweise findet sich schon bald eine Gelegenheit, um vorbei zu ziehen. Jetzt habe ich freie Bahn bis zur Autobahnzufahrt in Rovereto Süd. Da lässt auch der kräftige Regen nach, der ab Nago niederprasselt.

Gut 200 Kilometer sind es bis zum Brenner. Die Autobahn ist frei und ich komme gut voran. Auch die Mautstelle bei Sterzing ist zügig passiert. Es ist noch keine sieben Uhr, so dass ich jetzt noch legal auf die alte Brennerstraße abzweigen dürfte. Doch diesmal nehme ich die Europabrücke – und weiß schon bald, warum ich diese ansonsten meide: mit ordentlich Gefälle und eingequetscht zwischen Lastwagen geht es Richtung Innsbruck. Spaß macht das Fahren hier nicht.

Die weiteren Kilometer verlaufen wieder reibungslos, ebenso die Fahrt über den Irschenberg und die Umfahrung von München. Erst als alle neuralgischen Punkte hinter mir liegen mache ich um 8:44 Uhr nahe Schweitenkirchen, nach fünf Stunden Fahrt, eine erste Pause. Der Ducato braucht frischen Diesel und ich erst einmal einen großen Becher Kaffee. Sicher sitzen meine Teilnehmer um diese Uhrzeit auch am Frühstückstisch – gut 445 Kilometer entfernt von mir.

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Endlich Pause …

Die Fahrt über die A9 und die A3 in Richtung Frankfurt vergeht wie im Flug. Um 11:41 Uhr lege ich bei Sailauf eine weitere Pause ein – noch 62 Kilometer und ich bin zu Hause. Gut 9 Stunden Fahrt für mehr als 800 Kilometer sind ein guter Schnitt von denen ich mich anschließend auf der heimischen Couch ausruhen, während ich noch einmal an die herrlichen Tage rund um den Lago di Ledro erinnere.

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Noch 62 Kilometer und ich bin zu Hause

Schön war sie die Woche am Ledrosee. Wir haben viel gelacht, sind ausgiebig Motorrad gefahren, haben gut gegessen und so einiges erlebt. Wieder eine dieser Touren, an die wir uns noch lange und gerne erinnern werden.

 

Ein paar Highlights haben wir in einer kleinen Diaschau zusammengefasst:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Mehr Infos zu den von uns organisierten Motorradtouren gerne per Mail unter kurvenfieber@mac.com

In den Garten Italiens

LAGO DI LEDRO: 5. Tourtag – Freitag, 21.6.2019 – Das Ziel ist einzigartig und damit genau das Richtige für unseren letzten Tourtag. Heute wollen wir zum Monte Baldo, um das mächtige Gebirgsmassiv einmal von Nord nach Süd zu durchqueren. 65 Meter über dem Meeresspiegel liegt der Gardasee, der höchste Gipfel hat eine Höhe von 2218 Metern – wie eine gewaltige Wand wird sich der imposante Berg vor uns auftürmen.

Der Himmel ist blau, mit kleinen Wattewölkchen. Wir lassen es entspannt angehen, bevor wir zu unserer letzten Tagestour in dieser Woche aufbrechen.

Noch einmal führt uns der Weg am Lago di Ledro Richtung Pregasina. Wir fahren am Ufer entlang, genießen die Aussicht und bummeln gemächlich durch die engen Ortsdurchfahrten, die vor uns liegen.

Zum Warmfahren „gönnen“ wir uns einen kleinen Schlenker über den Passo Creina ein. Die Zufahrt zur schmalen, kurvenreiche Passstraße findet sich bei Bolognano, nahe Arco. Die meiste Zeit windet sich das gerade einmal autobreite Asphaltband durch dichten Wald und bietet wenig Aussicht – was nicht weiter schlimm ist, da die Wegeführung unsere volle Konzentration erfordert.

Am Weiler „San Giacomo“ findet sich ein kleiner Parkplatz; von hier führt ein Fußweg in gut 20 Minuten zur Einsiedelei San Giacomo, die den Heiligen Giacomo und Silvestro al Monte geweiht ist. Die kleine Kirche öffnet in den Sommermonaten jeweils sonntags ihre Pforten.

Der Pass an sich ist relativ unscheinbar; wir huschen mehr oder weniger darüber und stürzen uns gleich im Anschluss wieder ins Tal. Bei Loppio erreichen wir wieder die nach Rovereto führende Staatsstraße und fädeln uns am Kreisel in den dichten Verkehr ein. Weil wir lieber auf Nebenstraßen unterwegs sind, setzen wir am nächsten Abzweig den Blinker rechts, um auf schmaler Trasse nach Sano zu gelangen.

Leider entpuppt sich der gewählte Streckenabschnitt als „Pista Ciclabile“ – als ein Stück des Radwegs der von Mori nach Torbole führt. Also muss die ganze Gruppe wenden und zurück auf die SS240.

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Einmal wenden bitte – üben wir heute gleich öfter

Im zweiten Anlauf passt es dann und wir erklimmen „den Garten Italiens“. So wird der Monte Baldo schon seit dem 16. Jahrhundert auch genannt, denn die besonderen klimatischen Bedingungen, die hier herrschen, sorgen für eine einzigartige Flora und Fauna. Für Botaniker stellt der Monte Baldo eine wahre Fundgrube von Arten dar; auf relativ kurzer Distanz finden sich gleich mehrere Vegetationsstufen, die von submediterranen Flora mit Olivenhainen und Steineichenwäldern bis hin zu alpinen Arten in den Gipfelregionen reichen.

1566 veröffentlichte der aus Verona stammende Apotheker und Botaniker Francesco Calzolari eine erste Liste von Pflanzen, die er auf dem Baldo gefunden hatte. Seine Sammlung wird heute im Naturkundemuseum in Verona aufbewahrt. 1617 erschien ein erstes mit Holzstichen illustriertes Buch von Giovanni Pona – seitdem genießt der Monte Baldo das besondere Interesse der Botaniker.

Uns interessieren mehr die tollen Straßen am Monte Baldo-Massiv. Eine führt uns durch abenteuerliche Felsdurchbrüche vom Passo di San Valentino zum Rifugio Graziani, an der „Bocca del Creer“. Kurz vor dem Rifugio hält Stefan für einen Fotostopp, war der Blick in die Tiefe an der Engstelle doch gewaltig.

Ich denke mir noch, wie gut es ist, dass wir auf diesen abenteuerlichen Straßen mit dem Motorrad unterwegs sind und dass ich diese mit meinem Auto freiwillig wohl kaum befahren würde – geschweige denn mit meinem sechs Meter langen und zwei Meter breiten Ducato. Wenig später rumpelt ein ebensolcher als Kleinbus mit Anhänger an uns vorbei, um Biker und deren Fahrräder den Berg hinauf zu transportieren. Unglaublich.

Wir legen am Rifugio Graziani eine Kaffeepause ein und genießen die Aussicht – und die nette Bedienung.


Bei der Weiterfahrt passiert dann ein kleines Malheur. Kurz hinter der „Bocca di Navene“ gibt es einen kleinen Abzweig, der im weiteren Verlauf zu einem fantastischen Aussichtspunkt auf den Gardasee führen soll. Der Weg dorthin ist allerdings offiziell gesperrt. Gleichwohl hatte ich am Parkplatz einen Wegpunkt gesetzt, um vielleicht bei einer meiner Vortouren zu schauen, ob sich der Abstecher lohnt.

Dieser Wegpunkt war nun dummerweise noch in der Route gesetzt, worauf Stefan den Blinker rechts setzte und beherzt abbog. Vier enge Kehren später standen neun Motorräder am Steilhang und mussten irgendwie wenden. Adrenalin pur war angesagt.

Wenig später erreichen wir die Grenze zum Veneto und lassen das Trento-Alto Adige hinter uns. Immer noch auf der Höhenstraße fahrend – auf der der Motorradverkehr nun deutlich zunimmt – geht es vom 1433 Meter hoch gelegenen Pass „Cavallo di Novezza“ Richtung Caprino Veronese und San Zeno di Montagna; hier haben wir schon des Öfteren im empfehlenswerten Hotel Diana übernachtet.

Kurven- und kehrenreich windet sich die Straße hinunter nach Torri del Benaco. Fast könnte man sagen, der Name ist Programm: denn „Benaco“ ist der ursprüngliche Name für den Lago di Garda. Der wurde von 200 vor bis 800 nach Christus „Lacus benacus“ genannt wurde – nach einer keltischen Lokalgottheit Oberitaliens, dessen Weihinschrift einst am Ufer des Sees gefunden worden war. Benacus gilt in der Mythologie übrigens als Vater des Minicus, jenem Fluss, der durch den Gardasee fließt.

Unser Ziel ist jetzt die Panoramabar, von der sich beim Mittagessen ein prachtvoller Blick auf den Lago di Garda ergibt. Wir nehmen die nahe gelegene südliche Zufahrt und kämpfen uns durch enge Gassen wieder bergan – rechtzeitig vor dem Eismann und dem Getränkelaster. Kaum haben wir die Motorräder abgestellt, kommen die beiden Kleinlaster angefahren und parken die Zufahrt zum Parkplatz gnadenlos zu. Heißt für uns: wie können in Ruhe zu Mittag essen, denn bevor nicht entladen wurden, kommen wir hier sowieso nicht weg.

Und so genießen wir erst einmal den fantastische Blick auf den weit unter uns liegenden Lago, um anschließend einen Blick in die Speisekarte zu werfen. Während Lutz sich mit vier mageren Sardellen bescheiden, gönne ich mir nach all der Pasta der vergangenen Tage heute ein ordentliches Stück Filet.

Kaum haben wir bezahlt, setzen sich auch der Eismann und der Getränkelaster wieder in Bewegung, wobei es schon interessant ist, zu sehen, wie das reichlich verbeulte Gefährt auf engstem Raum gewendet wird.

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Interessantes Schauspiel, wie sich der Kleinlaster zurück auf die Straße manövriert

Eigentlich hatten wir für den Nachmittag noch einen kleinen Leckerbissen eingeplant: die „Punta Veleno“, die besser bekannt ist unter dem Namen „Passo Telégrafo“. Das reizvolle an dieser Strecke: kommt man von Norden, warnen nicht zu übersehende Hinweisschilder Camper, Fahrer von Autos mit Automatik-Getriebe oder sonstige Unbedarfte eindringlich vor der Weiterfahrt.

Denn die folgenden 20 Kehren haben es in sich, sind ekelig eng und bis zu 20 Prozent steil. Trotzdem haben wir hier schon holländische Wohnmobilfahrer getroffen, die das Fahrverbot trotz bereits rauchender Kupplung ignorieren wollten. Wir wären entspannt von Süden angereist und hätten uns bergab ins Kehrengetümmel gestürzt. Doch das Interesse unsere ansonsten unerschrockenen Biker galt zum Ausklang dieser kurzweiligen Woche eher dem gemütlichen Cruisen auf der Uferstraße. Also gut, warum nicht?

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Immer am Seeufer entlang

Bis Malcesine läuft alles erfreulich flüssig. Mit maximal 80 km/h fahren wir das Ostufer entlang, schauen Menschen in Badehosen beim Sonnenbaden zu und bewundern die Surfer, die die nachmittäglichen Fallwinde zu einem spektakulären Ritt auf ihren Boards nutzen. Alles ganz entspannt.

In Torbole gerät der Verkehr kurz ins Stocken, mit einer Schleife über Arco umgehen wir die oft zeitraubende Fahrt durch Garda. Noch einmal donnern wir durch den fast sieben Kilometer langen Tunnel vor Pregasina. Noch einmal genießen wir die drei Serpentinengruppen, die uns dem Lago di Ledro näher bringen und mogeln uns durch die engen Ortsdurchfahrten, bevor wir einen letzten Blick auf den malerisch in der Sonne liegenden Ledrosee werfen. Ein letztes Mal biegen wir dann auf den Parkplatz des „Hotel Garden“ ab und genießen ein kleines Feierabendbier 😉

Noch einmal sitzen wir wenig später auf der kleinen Terrasse zusammen und genießen das gemeinsame Abendessen. Heute kredenzt der Küchenchef: Süß-saures Forellensteak mit gegrillter Polenta, Spaghetti mit Rucola-Pesto, Forelle und rosa Pfeffer sowie Forelle nach Müllerinen-Art mit lila Kartoffeln und Kabeljau-Mayonnaise.

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Und natürlich einen Nachtisch.

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Die Koffer sind gepackt, die Motorräder verstaut, so können wir den Abend noch gemütlich zusammensitzen und die erlebnisreiche Woche Revue passieren lassen. Morgen früh gehts zurück nach Hause. Für den einen oder anderen wird es eine kurze Nacht werden.


So manchen unserer Teilnehmerinnen und Teilnehmer werden wir in vier Wochen schon wiedersehen. Dann fahren wir gemeinsam in die Karawanken. Wir freuen uns schon …