Neun Monate später …

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… nein, es wird kein Kind geboren. Neun Monate nach unserer herrlichen Motorradtour in die Cevennen steht endlich auch der ausführliche Reisebericht im Netz. Lang hat es gedauert, aber nun kannst Du noch mal nachlesen, was wir so alles erlebt haben.

Hier ist der Link zur Cevennen-Tour 2019.

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Während der Reise hatten wir schon die kurzen Tourvideos veröffentlicht und erwähnt, was wir an den jeweiligen Tagen unternommen haben. Diese Posts haben wir stehen gelassen und den ausführlichen Bericht jeweils vorangestellt.

Viel Spaß beim lesen – und danke fürs warten …

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Erinnerungen: Endurotour zum Chaberton

So muss es älteren Menschen gehen, die in ihrer Mobilität stark eingeschränkt sind: zum Stillsitzen verdammt, sitzt Du zu Hause, schaust aus dem Fenster und erinnerst Dich wehmütig der vielen tollen Reisen, die Du früher unternehmen konntest.

Gestern habe ich auf YouTube ein Video von zwei Wagemutigen entdeckt, die mit dem Motorrad hoch auf den Chaberton gefahren sind. Das ist mittlerweile verboten. Mitte 1980 war ich mit drei Freunden im italienisch-französischen Grenzgebiet zum Endurowandern unterwegs; der Chaberton war eines unserer Ziele. Daran hat mich dieser Clip erinnert:

Ausgangspunkt war einer der Zeltplätze in Briancon, der höchstgelegenen Stadt Europas. Sinnigerweise hatten wir unser „Lager“ unter einer Gruppe von Bäumen aufgeschlagen und uns gewundert, warum all die Anderen nicht auf diese geniale Idee gekommen waren. Am nächsten Morgen wussten wir es: wir waren die Einzigen, die beim Frühstück frierend im Schatten saßen …

Wenig später saßen wir auf unseren Mopeds: Peter auf einer G/S, Reiner auf einer XT, Speedy auf seiner Dominator und ich auf einer DR 650, die mir Suzuki Deutschland als Testmotorrad zur Verfügung gestellt hatte.

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Die acht Geschütztürme oben am Berg sind gut zu sehen. Bild: Internet

Der Einstieg bei Fenils war schnell gefunden. Die acht Geschütztüme – oder was von ihnen übrig geblieben ist – waren schon vom Tal aus zu sehen. Ein Rifugio am Wegesrand ludt zu einem schnellen Espresso ein. Heute soll man hier angeblich vom Wirt ein „Sondergenehmigung“ zum Befahren des abenteuerlichen Schotterweges zum Gipfel bekommen, wenn man freundlich nachfragt. Ich würde es Niemandem empfehlen.

Kaum losgefahren, stellen sich bei uns schnell „Auflösungserscheinungen“ ein. Nur wenige Kilometer nachdem sich der schmale Asphaltweg mehr oder weniger in Wohlgefallen auflöst hatte, trat Peter als Erster den Rückzug an. Das Ganze sei ihm zu anstrengend, er wolle lieber im Gasthaus warten, ließ er uns wissen.

Mit Herzklopfen näherten wir uns der „Schlüsselstellung“ am „gespaltenen Fels. Da war die Trasse schon damals abgerutscht und nur notdürftig mit eine paar Brettern wieder in Stand gesetzt. Zu „meiner Zeit“ hatte der Weg noch deutlich mehr als eine Lenkerbreite und war auch nicht mit einem „Sicherungsseil“ versehen. So schmal wie im Video war er damals glücklicherweise nicht …

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Mitte der 1980er Jahre war diese Stelle deutlich breiter / Bild: Internet

Am Zwischensattel angekommen, machte Reiner kehrt. Der Luftfilter seiner XT sei verstopft, meinte er, der Motor verliere an Leistung, eine Weiterfahrt bergan unmöglich. Blieben noch Speedy und ich für den „Gipfelsturm“.

Auf den weiteren Kilometern mutierte der Weg zum schmalen Eselspfad, den wir uns immer wieder mit Wanderern teilen mussten. Die zeigten sich (verständlicherweise) wenig kooperativ, waren damals doch zahlreiche Motorradfahrer am Berg unterwegs – und jeder fühlte sich vom Anderen gestört.

Kehre um Kehre, die immer enger wurden, kämpften wir uns dem Gipfelfort entgegen. Irgendwann entschwand Speedy aus meinen Augen. „Ich muss auf Zug fahren“, rief er mir noch zu – und schon war er weg.

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Und jetzt noch Wanderer … / Bild: Internet

Kurz vor dem Gipfel nahm ich das Endurowandern dann wörtlich. Die Suzuki hatte mich immer wieder „abgeworfen“. Da ich wohl mit zu wenig Schwung in die Kehren gefahren war, starb mir regelmäßig der Motor mitten im Scheitelpunkt ab – und das Motorrad kippte um. Zwar wog der großvolumige Einzylinder „nur“ knapp 170 Kilo. Die aber in knapp 3.000 Meter Höhe mehrfach allein in die Senkrechte zu wuchten, war schon eine Herausforderung. Also blieb die Suzi irgendwann frustriert am Wegesrand stehen und ich ging zu Fuß weiter.

Die schweißtreibende „Wanderung“ sollte sich lohnen. Das, was am Gipfelplateau zu sehen war, war schon beeindruckend. Ich frage mich auch heute noch, unter welchen unmenschlichen Strapazen diese Festung wohl errichtet worden war – nur, weil man sich mit seinen Nachbarn nicht vertragen konnte oder wollte.

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Tolle Aussicht vom Gipfelplateau. Der Weg dahin: mühsam / Bild: chandeve

Ende der 1870er Jahre hatten sich die Beziehungen zwischen Frankreich und Italien deutlich verschlechtert. In der Folge begann eine dramatische Aufrüstung am Alpenhauptkamm. In den Jahren 1880 bis 1890 wurden beispielsweise die Festungen am Col de Ende errichtet.

Pläne für den Bau einer gewaltigen militärischen Anlage auf dem 3130 Meter hohen Gipfelplateau des Mont Chaberton gab es, nachdem sich Italien 1882 mit Deutschland und Österreich verbündete hatte. Italien wollte sich gegen Frankreich schützen, fanden sich in unmittelbarer Nähe doch das Fort du Gondran sowie das Fort de l‘Olive.

Also wurde ab 1891 von Fenils aus mühsam ein insgesamt 14 Kilometer langer Weg in den Fels trassiert: die „Strada militare di Val Morino“ (oder auch „Strada militare dello Chaberton“). Nachdem auch die ersten Unterkünfte hoch oben am Berg fertig gestellt waren, konnte 1898 mit dem eigentlichen Bau der Festung begonnen werden. Bis zu 400 Arbeiter mussten sich in Spitzenzeiten – in dünner Luft und den Wetterkapriolen ausgesetzt – plagen, um insgesamt 8 Geschütztürme zu errichten – jeder 8 Meter hoch, mit einem Durchmesser von jeweils 7 Metern. Auf jedem Turm saß eine um 360 Grad drehbare Stahlkuppel, in der sich die Geschütze befanden. Die Pulverdepots wurden unterirdisch angelegt. 

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Blick auf die Baustelle im Jahr 1906. Quelle: westalpen.wordpress.com

Vollendet wurden die Bauarbeiten 1913. Doch schon zwei Jahre später wechselte Italien die Seiten und wurde so zum Verbündeten des einstigen Feindes Frankreich. Die Geschütze, die hier jetzt nicht mehr gebraucht wurden, wurden abgebaut und an die österreichisch-italienische Front gebracht.

1927 erfolgte unter Mussolini die Wiederbewaffnung. Der Westfeldzug der Wehrmacht war schon fast beendet, da erklärte der Duce Frankreich am 10. Juni 1940 den Krieg. Sechs Tage später, am 16. Juni 1940, wurden die ersten Geschütze vom Gipfelfort des Chaberton abgefeuert – 42 Jahre nach Baubeginn.  Keine fünf Tage später war die Festung Geschichte. Die Franzosen nahmen den Chaberton ab dem 21. Juni von einer südwestlich von Briançon gelegenen Stellung unter Beschuss und zerstörten innerhalb kürzester Zeit sechs der acht Geschütztürme. Da diese oberirdisch – wie auf einem Präsentier-Teller lagen – benötigte die französische Artillerie lediglich zwei Tage, vier Mörser und etwa 100 Granaten, um die Anlage außer Gefecht zu setzen.

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Versteckt hinter einem Felsvorsprung, vom Tal aus aber immer noch sichtbar –
das Fort auf dem Chaberton war wohl eine Fehlkonstruktion / Bild: Bartel Do

Angesichts der Geschichte des Berges war unser „Gipfelsturm“ auf zwei Rädern eher ein Spaziergang, auch wenn die Fahrt rauf auf 3130 Meter anstrengend und stellenweise nicht ungefährlich war. Umso schöner war die herrliche Rundum-Sicht, die wir genießen konnten.

Irgendwann mussten wir wieder runter ins Tal. Spätestens jetzt war ich froh, die letzten Kehren zu Fuß erklommen zu haben. Denn die waren richtig ekelig. Es ging steil bergab und die ersten Rechtskehren ließen sich nur hart am Lenkanschlag fahren. Die Frage war nur wie?

Den linken Fuß ab Boden, den rechten auf der Fußbremse. Vor uns der Abgrund. Die Handbremse war tabu, drohte bei einem blockierenden Vorderrad doch ein unkontrollierte Sturz in die Tiefe. Wie aber ums Eck kommen, wenn die Fußbremse nur wenig gelupft werden konnte, der rechte Fuß aber eigentlich zum Abstützen gebraucht wurde, weil es an Tempo zum Stabilisieren fehlte?

Zu zweit haben wir die Dominator irgendwie die ersten Hunderte an Metern bergab bugsiert. Kein einfaches Unterfangen. Leichter hatten es da schon die zahlreichen italienischen Trialfahrer. Die sind mit blockierten Hinterrad einfach in die Kehre gerutscht und haben im richtigen Moment wieder Gas gegeben – gewusst wie …

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In unzähligen engen Kehren führt der schmale Weg hoch zum Chaberton,
dessen Gipfelplateau seit dem Friedensvertrag von 1947 zum Frankreich gehört.

Ob ich heute noch mal hoch auf den Chaberton fahren würde? Wahrscheinlich nicht. Selbst wenn es (wieder) erlaubt sein sollte, ist die Trasse mittlerweile doch arg abenteuerlich und stellenweise kaum noch passierbar. Außerdem war ich ja schon mal da und kann in Erinnerungen schwelgen.

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Kein Durchkommen mehr. Am Loc Pra Claud, auf knapp 1.600 Metern,
ist Schluss für den motorisierten Verkehr hoch zum Chaberton. Bild: 
Passzwang.net

Andere „Chancen“ habe ich verpasst. Mitte der 80er sind wir während einer Alpentour wetterbedingt am Gardasee gestrandet. Den damals noch frei befahrbaren Tremalzo und andere „Militärstraßen“ haben wir mit zwei BMW-Gespannen, einer K 100 und mit meiner R75/5 bezwungen – auf Straßenreifen, versteht sich. Denn Pasubio hatten wir uns bis zum Schluss aufgehoben, dann aber keine Lust mehr. Die Luft war raus. „Den fahren wir ein andermal“, hatten wir uns versprochen. Dazu kam es nie. Mittlerweile ist auch der Passubio gesperrt. Noch nicht einmal mit dem Fahrrad darf man die abenteuerliche Trasse durch die 50 in den Fels gehauenen Galerien mehr fahren.

Vielleicht sollte ich mehr wandern. Da ist vieles noch erlaubt …

Ein neuer Auspuff für die R 100

Offene Conti-Rohre sind ganz schön laut. Der Vorbesitzer hat solche an die alte R 100 R geschraubt, die ich vor Jahren von ihm gekauft habe. 94 dB (A) habe ich im Leerlauf gemessen – erlaubt wäre noch mehr.

83 N – nicht dB (A) – sind bei mir, nach alter Messung , im Fahrzeugbrief eingetragen. Dieser Wert lässt sich umrechnen: Für Motorräder, dessen Standgeräusch noch nicht per Nahfeldverfahren, aber bereits in dB(A) ermittelt worden waren, wurden behördliche Vergleichsmessungen durchgeführt. Nach diesen Messungen werden 21 dB(A) hinzugerechnet. Beanstandet wird das Motorrad aber erst, wenn eine zusätzliche Toleranz von fünf dB überschritten wird.

Bedeutet konkret: 83 + 21 + 5 = 109 dB(A) – Wahnsinn!

Bei links und rechtsseitigem Schalldämpfer müsste an beiden Seiten gemessen werden. Die Messungen erfolgen bei 3/4 der Nenndrehzahl.

In Chrom und deutlich kürzer als das Original.

Trotzdem habe ich mir jetzt zwei leisere Endtöpfe von Hattech gegönnt – dank kompetenter Beratung durch den Chef selbst. Die werden in Kürze montiert, auch der (leider) verbeulte Chromtank wird gegen einen (günstig bei eBay erworbenen) Behördentank getauscht und ein Gepäckträger angebaut. Dann steht der ersten großen Tour mit der alten R 100 R nichts mehr im Wege.

Bislang war ich mit diesem Schätzchen immer nur „um die vier Ecken“ unterwegs …

 

kurvenfieber

Rückblick auf die Karawankentour

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Endlich! Jetzt ist auch der Tourbericht unserer abwechslungsreichen Motorradtour in die Karawanken geschrieben und veröffentlicht. Eine ganz Woche lang haben wir vom Berghof Brunner aus die Gegend rund um Bad Eisenkappel für uns entdeckt: mehrfach waren wir in Slowenien, sind in Österreich rund um zwölf Seen gefahren, haben in einer alten Nudelfabrik Kaffee getrunken und unvermutet den Reiz einer Tour auf Bundesstraßen entdeckt.

Nachzulesen ist das alles hier: in unserem Tagebuch zur Karawankentour.

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In diesem Jahr wollen wir im Mai in die Normandie, im Juni zur Mecklenburgischen Seenplatte, im Juli ins Erzgebirge und Ende August/Anfang September ins Aostatal. Dazu kommen drei Wochenendtouren: Anfang April gehts zu Saisonstart ins Lahntal und im August zur Brotzeit zur Zillertaler Höhenstraße. Zum Abschluss der Saison fahren wir im Oktober dann noch mal von Freitag bis Sonntag in die Fränkische Schweiz.

Du hast Lust, bei einer dieser Touren dabei zu sein? Dann schreib uns eine Mail an kurvenfieber@mac.com. Wir melden uns umgehend bei Dir.

Die vhs-Touren sind online

Mit dem Motorrad die Schönheit der Welt entdecken, das wollen wir am Samstag, den 18.4.2020. Da bieten wir für die vhs-Main-Taunus, die erste geführte Tagestour in der neuen Saison an. Es geht in den Odenwald, zum Beerfelder Galgen der auf einer Anhöhe mit prachtvoller Aussicht liegt. So sollte allen, die aus dem Leben scheiden mussten, noch einmal gezeigt werden, auf was sie künftig – aufgrund ihrer Missetaten – verzichten müssen.

Mehr Infos und die Möglichkeit Dich anzumelden findest Du hier.

Der tiefste Punk in Hessen ist das Ziel einer kurzweiligen Tagestour, die wir am Samstag, den 30.5.2020 anbieten. Der liegt bei Lorchhausen.  Verbinden wollen wir diese kurzweilige Entdeckungsreise mit einer schönen Tour durchs Rheingaues Gebirge, so dass der Fahrspaß nicht zu kurz kommen wird.

Mehr Infos und die Möglichkeit Dich anzumelden findest Du hier

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Handarbeit: Hier wird die Eiweiss-Masse sorgfältig aufgetragen

Noch einmal ins Programm genommen haben wir die Motorradtour zum Schokokuss. Im vergangenen Jahr hatte uns das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, so dass wir letztlich nur zu viert der kleinen Schokokuss-Manufaktur im Vogelsberg einen Besuch abgestattet haben. Weil das Interesse aber deutlich größer war, bieten wir diese Tour jetzt noch mal an. In der Hoffnung auf gutes Wetter und viele Anmeldungen.

Mehr Infos und die Möglichkeit Dich anzumelden findest Du hier.

Hoch hinaus geht es schließlich am Samstag, den 1.8.2020. Da fahren wir in die Rhön und werfen auf der Wasserkuppe einen Blick ins Radom. Das ist eine kugelrunde Hülle, in der einst Abhöreinrichtungen verborgen wurden, die auf den deutschen Nachbarn jenseits der Grenze gerichtet waren. Heute fasziniert die Akustik im Inneren und der tolle Ausblick von der Galerie.

Mehr Infos und die Möglichkeit Dich anzumelden findest Du hier

Die Tagestouren im September und Oktober werden ab der zweiten Jahreshälfte veröffentlicht. Zu allen vorgenannten Touren kannst Du Dich jetzt schon anmelden. Wir hoffen, eine interessante Mischung gefunden zu haben und freuen uns, wenn Du (wieder) dabei bist. Für Rückfragen stehen wir gern zur Verfügung. Schreib am einfachsten eine Mail an kurvenfieber@mac.com. Wir melden uns so schnell wie möglich.

Die Gesamtübersicht aller Touren, die wir derzeit für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises anbieten, findest Du hier.

Video

Fröhliche Weihnachten

Dieses tolle Video habe ich bei YouTube entdeckt. Eigentlich sollte ich jetzt auch in die Garage gehen und das passende Werkzeug rauskramen …

Ich wünsche Euch schöne Weihnachten, erholsame Feiertage und einen guten Rutsch ins Neue Jahr.

Wir freuen uns schon jetzt auf die vielen abwechslungsreichen Motorradtouren, die wir wieder gemeinsam unternehmen werden.

Das Original-Video findet Ihr übrigens hier: https://youtu.be/1SE0t2cS65A

Das Tourenprogramm für 2020 steht

Wir haben im Kalender viele Termine hin und her schieben müssen, um Eure Wünsche berücksichtigen zu können, jetzt aber passt alles. Vier große, Touren wollen wir im nächsten Jahr wieder anbieten, dazu zwei Wochenenden (die noch nicht terminiert sind) und vier Tagestouren für die vhs (wobei im September und Oktober noch je eine dazu kommen könnte).

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Eindrücke von der jüngsten Tour durch die Alpen

Starten wollen wir im Mai mit einer Motorradtour in die Normandie. Die geschichtsträchtige Region nahe der Atlantikküste verspricht mit ihren vielen kleinen Straßen einen besonderen Fahrspaß. Und die Nähe zum Meer ist ja immer besonders reizvoll.

Der Termin wäre So. 17.5. bis Sa. 23.5.2020. Vor Ort ist kein Hotelwechsel vorgesehen. Wer mag, kann An- und Abreise auf zwei Tage planen. Stellplatz für Auto und Anhänger (für alle, die nicht auf zwei Rädern anreisen wollen) wird vorhanden sein.

 

Im Juni geht es dann nach Südschweden. Eine Region, die wir bislang nur vom Durchfahren kennen. Treffpunkt wird wahrscheinlich am Samstagabend in Rostock sein, um am Sonntag die Fähre nach Trelleborg zu nehmen. Vorn dort aus geht es gegen Mittag weiter bis zu unserem eigentlichen Ziel, der Seenplatte rund um Hässleholm. Von hier aus wollen wir zu vier Tagestouren starten, bevor es am Freitag zurück Richtung Rostock und am Samstag dann von Rostock wieder nach Hause geht. Die Zeit kurz vor der Sommersonnenwende erscheint uns für diese Tour besonders passend.

Der Termin wäre Sa. 13.6. bis Sa. 20.6.2020. Vor Ort (in Schweden) ist kein Hotelwechsel vorgesehen. Stellplatz für Auto und Anhänger (für alle, die nicht auf zwei Rädern anreisen wollen) wird am Treffpunkthotel in Rostock vorhanden sein.

Im Juli wollen wir das Erzgebirge erkunden. Dieses Ziel hat bei unserer Umfrage erfreulich viel Zuspruch gefunden. Wir werden ein schönes Hotel suchen und zu herrlich abwechslungsreihen Tagestouren nach Sachsen und Böhmen aufbrechen.

Termin wäre So. 19.7. bis Sa. 25.7.2020. Vor Ort ist kein Hotelwechsel vorgesehen. Stellplatz für Auto und Anhänger (für alle, die nicht auf zwei Rädern anreisen wollen) wird vorhanden sein.

Anfang September geht es dann ins Aostatal; dabei streifen wir auch das nahegelegene Piemont. Fünf unterschiedlicher Seitentäler warten darauf entdeckt zu werden, zwei Rundtouren wären möglich – und jede Menge Abenteuer. Genau das Richtige für den nahenden Abschluss der Saison.

Termin wäre So. 30.8. bis Sa. 5.9.2020. Vor Ort ist kein Hotelwechsel vorgesehen. Wer mag, kann An- und Abreise auf zwei Tage planen. Stellplatz für Auto und Anhänger (für alle, die nicht auf zwei Rädern anreisen wollen) wird vorhanden sein.

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Eindrücke von der jüngsten Tour durch die Alpen

Blieben noch die (langen) Wochenenden. Die Fränkische Schweiz (auch ein Wunsch von Euch) steht ganz oben auf dem Zettel. Das Elsass ebenso – vielleicht übernachten wir diesmal in einer Ferme auberge?

Denkbar wäre auch ein deftige Brotzeit auf der Zillertaler Höhenstraße. (Treffunkt Donnerstagabend nahe Rothenburg ob der Tauber, Freitag kurvenreiche Tour an den Starnberger See, Samstag hoch zur Zillertaler und zurück an den Starnberger See. Sonntag Rückreise).

Oder eine Sonnenaufgangs/-untergangstour zum Stilfser Joch. (Ausgangspunkt könnte am Donnerstagabend Bregenz sein. Am Freitag über den Flüela- und Ofenpass hoch aufs Joch. Übernachtung in der Tibethütte, Am Samstag noch ein Schlenker über den Gavia und Mortirollo und dann zurück nach Bregenz. Sonntag Rückreise). Hört sich nach viel Fahren, frühem Aufstehen und nur kurzen Pausen an – wird wahrscheinlich auch so sein 😉

Was meint Ihr, könntet Ihr Euch für eine dieser Touren (ebenfalls) begeistern? (Die würden wir wahrscheinlich ohne Begleitbus fahren, aber drei Unterhosen und zwei T-Shirt werden sich für die drei Übernachtungen noch am Motorrad unterbringen lassen).

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Eindrücke von der jüngsten Tour durch die Alpen

Für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises haben wir bislang folgende Tagestouren (immer samstags) geplant: 18.4.2020 zum Beerfelder Galgen (Odenwald), am 30.5.2020 zum tiefsten Punkt in Hessen (Rheingau), am 4.7.2020 zur Schokokuss-Fabrik (Vogelsberg) und am 1.8.2020 zum Radom (Wasserkuppe), jener bizarren Kugel mit fantastischer Aussicht, die einst militärisch genutzt wurde.

Wir freuen uns schon jetzt auf viele schöne gemeinsame Touren. Sobald die Preise feststehen, melden wir uns noch mal. Mit den Terminen kannst Du aber schon mal planen. Wo würdest Du gern dabei sein? Schick uns doch einfach unverbindlich eine Mail an kurvenfieber@mac.com

 

Habt Ihr Euch verfahren?

Erst sechs, dann acht, schließlich zwölf – am Ende waren es 14 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer, die mit uns am letzten Samstag im Oktober ganz in den Süden von Hessen fahren wollten. Igelsbach war das Ziel dieser Tour, die wir für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises organisiert hatten. Das Besondere: mitten durch den Ort verläuft die Grenze zwischen Hessen und Baden-Württemberg – das wollten wir uns mal anschauen.

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Zwei unterschiedliche Straßennamen: hier verläuft die Landesgrenze

Die Wettervorhersage war prächtig: morgens leichter Frühnebel, dann aber Sonne satt. Schöner hätte es nicht sein können. Kaum am Treffpunkt angekommen, verzogen sich denn auch die Nebelschleier, wir konnten in einen prächtigen Tag starten. Schnell noch die Birne im Hauptscheinwerfer eine K wechseln, dann konnte es losgehen.

 

 

Nach einem kurzen Stück auf der Autobahn ging es zunächst Richtung „Burg Frankenstein“ und dann, auf möglichst kleinen kurvenreichen Straßen, nach Beerfelden. Ich bin froh, mir jüngst einen Endurohelm mit weit vorgezogenen Schirm gekauft zu haben, blendet die tief stehende Sonne in der ersten Stunde doch gewaltig. Dafür taucht sie die Landschaft in ein fantastisches Licht. Immer wieder hängen dichte Wolken in den Tälern, wie Wattebäusche – faszinierend.

 

 

Kilometer um Kilometer geht es durch den Odenwald, an dem die Straßenbau wohl Gefallen gefunden haben. Zahlreiche Baustellen säumen unseren Weg, oftmals verbunden mit einer ausgeschilderten Streckensperrung. Doch gemäß dem Motto „lass uns doch mal schauen, warum wir hier nicht weiterkommen sollen“, versuchen wir unser Glück und finden meistens ein Schlupfloch.

 

 

Auf unserem Weg nach Beerfelden fahren wir durch Landschaften, die angesichts des spätsommerlichen Wetters einfach nur zu faszinieren vermögen.

 

 

Den ersten Halt legen wir in der Pension „Am Walde“ ein, die ihrem Namen mehr als gerecht wird. An drei großen Tischen ist für uns bereits eingedeckt, die Thermoskannen stehen schon auf dem Tisch. „Ich nehme pro Person sechs Euro, sonst rechnet sich Euer Besuch nicht für mich, dafür könnt Ihr aber auch Kaffee trinken so viel Ihr wollt“, macht die Chefin, eine ältere Damen, deutlich, die sorgsam darauf achtet, dass immer schnell nachgeschenkte wird. Es hat den Anschein, als säßen wir in ihrem Wohnzimmer, tatsächlich werden in der heimeligen Stube die Pensionsgäste verpflegt.

 

 

Nachdem wir die „Kaffee-Flatrate“ ausgiebig genutzt haben, starten wir zur nächsten Etappe, die uns auf schmalen Wegen ganz in den Süden von Hessen bringen wird. Wir folgen dem Lauf des Neckars und biegen dann in die Sackgasse nach Igelsbach ab. Rund 331 Einwohner zählt der Ort (Stand 2013), 224 wohnen in Hessen, 107 in Baden-Württemberg. Denn mitten durch die Wohnbebauung verläuft die Landesgrenze. Ein Kuriosum, das es nicht oft gibt.

„Habt Ihr Euch verfahren“, fragen uns zwei Anwohner, als wir die Motorräder am Straßenrand abstellen und die Fotoapparate herauskamen. Dass wir extra gekommen sind, um den „geteilten“ Ort zu besuchen, verwundert sie ein wenig. Uns wundern eher die Konsequenzen, die aus der Zugehörigkeit zu zwei Ländern resultieren: die Müllabfuhr kommt an verschiedenen Tagen, Ferien und Feiertage sind bei den Nachbarn unterschiedlich, es gelten andere Landesgesetze …

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Genau auf der Grenze: links ist Hessen, rechts Baden-Württemberg

1370 wurde der Weiler Igelsbach das erste Mal erwähnt. Schon im 14. Jahrhundert war der Ort zwischen den hessischen Herren von Hirschhorn und der Kurpfalz aufgeteilt. Versuche, die Grenzen zu verändern, gab es viele; sie scheiterten allesamt. Im Mai 1935 beispielsweise, weil die übergeordneten Landesbehörden im Zuge der „Flurbereinigung“ gern die Landesgrenze im nahegelegenen „Hirschhorner Zipfel“ neu gezogen hätte, was aber auf Widerstand stieß.

So wechselten zwar „die Herren“, die Grenze aber blieb. Im Laufe der Jahrhunderte gehörte der hessische Teil von Igelsbach zum Heiligen Römischen Reich, zum Großherzogtum Hessen, zum Deutschen Bund, zum Deutschen Reich, zur amerikanischen Besatzungszone und seither zur Bundesrepublik Deutschland; seit dem 27. September 1978 ist Igelsbach ein Stadtteil von Hirschhorn.

Gut 20 Kilometer noch und wir sind am Katzenbuckel. In der Turmschänke wollen wir unsere Mittagsrast einlegen.

 

 

Der Katzenbuckel ist mit 626 Metern der höchste Berg des Odenwaldes. Auch wenn man es kaum wahrnimmt, handelt es sich um einen erloschenen Vulkan, der vor rund 60 Millionen Jahren aktiv war. Rund 1.000 Meter im Durchmesser soll sein Schlot groß gewesen sein; ein hoher Gehalt an Magnetit lenkt an einigen Stellen, vor allem am Gipfelfelsen, Kompassnadeln noch immer von der magnetischen Nordrichtung ab. Wir genießen ungeachtet dessen unser Mittagessen und die herrliche Aussicht. Hausgemachte „Herrgottsbescheißerle“ mit Salat (Maultaschen) sind der Renner …

 

 

Es ist schon fast halb drei, als wir wieder auf die Motorräder steigen. Strahlend blauer Himmel und herrlichster Sonnenschein begleiten uns „Zum Steigkopf“ nahe Heppenheim. Zwei mächtige Steintische sind hoch oben am Berg für uns reserviert; noch einmal wollen wir gemütlich zusammensitzen und den herrlichen Ausklang einer abwechslungsreichen Motorradsaison genießen.

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An einem der Tische hat sich ein Ehepaar breit gemacht. Verschämt deutet sie auf das Reservierungsschild und blickt mich fragend an. Ich meine, so lange wir den Platz nicht bräuchten, könne sie gerne sitzen bleiben. Er hingehen schlürft provozierend an seinem halben Liter Wein, blickt in die Runde und fragt ein wenig von oben herab, warum wir denn zwei Tische bräuchten, wir seien doch nur acht.

„Weil gleich noch acht Motorradfahrer kommen und spätestens dann wäre es schön, wenn Sie sich einen anderen Platz suchen würde, denn dieser hier ist für uns reserviert, wie Sie unschwer am Reservierungsschild erkennen können“, meine ich freundlich aber bestimmt. Das wirkt – laut grummelnd packt er seine sieben Sachen und zieht um. Geht doch 😉

Am Selbstbedienungsfenster ordnen wir Kaffee und Kuchen, manch einer auch – wohl angesichts der milden Temperaturen – noch ein Eis mit heißen Himbeeren.

 

 

Irgendwie will niemand so recht nach Hause fahren. Das Ende der Saison ist nah und wir sitzen hier, nach einer tollen Tagestour, am Steigkopf gemütlich zusammen und schmieden Pläne für das nächste Jahr. Schweden, Normandie, Erzgebirge und das Aostatal sind derzeit die Favoriten. Mehr dazu in Kürze.

Nach und nach treten wir dann doch den Heimweg an. War wieder einmal schön mit Euch. Danke – und bis zur nächsten/ersten Tour in 2020.

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Die gefahrene Strecke haben wir wieder in einem kleinen Relive-Video zusammengefasst. Wir wünschen viel Spaß beim Anschauen.

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Wieder einen Teilnehmer glücklich gemacht

Noch einmal gut frühstücken, dann geht es wieder Richtung Heimat. Auch wenn der gestrige Tag sehr regnerisch war, war er doch auch irgendwie schön. Die mystische Stimmung, wenn wir bei aufziehendem Nebel in den bunten Blätterwald eintauchten, das Laub an den Bäumen, dass – wann immer die Sonne kurz durch die dunklen Wolken blitze – in herrlichen Farben leuchtete, die Vorfreude auf die Pausen an einem trockenen und warmen Ort, die tolle Stimmung untereinander …

Klar, bei besserem Wetter wäre alles noch schöner gewesen. Doch so konnten wir wenigstens wieder einen Teilnehmerwunsch erfüllen: „Bei der letzten Tour muss es kalt sein und es muss regnen, damit ich weiß, dass die Saison zu Ende ist“, meinte Norbert. Das haben wir hingekriegt …

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Es nieselt nur noch leicht, als wir um 9 Uhr die Motoren starten. Dieter fährt vorneweg, ich am Schluss. Bis zur Kaffeepause wollen wir gemeinsam unterwegs sein. Es geht quer über den Hunsrück, Richtung Birkenfeld. In den Tälern liegen die Wolken wie große Wattebällchen, immer wieder bieten sich herrliche Ausblicke. Und die Stimmung ist prächtig, wie sich bei einem kurzen Zwischenstopp zeigt.

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Gegen 10:30 Uhr erreichen wir Nohen nahe Birkenfeld und legen die letzte Pause im Café Allerhand ein. Ein leckerer Kaffee und ein schönes Stück Apfelkuchen kommen jetzt gerade recht.

Aufmerken lässt die Beschilderung des Sanitärbereichs im Café Allerhand. Nicht nur die Farben, sondern auch die Anzahl der Worte macht deutlich, für wen welche Tür ist 😉

Bevor ein jeder für sich nach Hause fährt, stellt sich unweigerlich die Frage: wann wird das Programm für 2020 fertig sein? Schließlich wollen wir doch auch in der nächsten Saison zusammen Motorrad fahren. Schweden könnte ein Ziel sein, ebenso wie die Normandie. Das Erzgebirge ist bei unserer Umfrage auf großes Interesse gestoßen, ebenso wie das Aostatal und das Piemont. In Kürze mehr …

Nach der Kaffeepause haben sich unsere Wege getrennt. Diese erste gemeinsame Etappe haben wir aber ebenfalls in einem kleinen Reliefe-Video festgehalten, das Dir den Routenverlauf zeigt

Gute Laune trotz ergiebiger Schauer

Dunkle Wolken hängen am Himmel, als wir am Samstagmorgen gemeinsam frühstücken. Angekündigt sind dauerhafte und ergiebige Niederschlöge, doch das Regenradar zeigt ein schmales, wolkenloses Band im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Luxemburg. Sollten wir wieder einmal Glück mit dem Wetter haben? Noch sind wir zuversichtlich, als wir das „Frühstücks-Schlachtfeld“ verlassen.

Kaum dass wir auf die Motorräder steigen, fängt es an zu regnen. Noch sind wir optimistisch und steuern erst einmal eine der vielen Tankstellen an. 1,18 Euro kostet der Liter Super; schade, dass die meisten Motorradtanks ein so geringes Fassungsvermögen haben.

Auf regennasser Fahrbahn fahren wir in die kleine luxemburger Schweiz und erreichen bald darauf Echternach. Die Stadt liegt an der Sauer, direkt an der Grenze zu Deutschland. Bekannt ist die Stadt für ihr „Echternacher Springprozession“, bei der jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten Teilnehmer zu Polkamelodien in Reihen durch die Straßen der Stadt bis zum Grab des Heiligen Willbrod in der Echternacher Basilika ziehen.

Erste Ursprünge lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen; die älteste Quelle ist die Sequenz „Laudes Christo“ des Abtes Berno von Reichenau Abtes, in der die Gläubigen um das Jahr 1000 aufgefordert werden, das Lob Christi zu Ehren des heiligen Willibrord „magno tripudio“ (mit einem großen Dreisprung) zu feiern.

Die heutige Form der Springprozession geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Dabei ist bislang nicht geklärt, wie es zu dem Tanzen oder Springen kam. Es gibt verschiedene Erklärungen: so war Willibrod ein Heiliger, der bei Nevenkrankheiten, Krämpfen und Epilepsie angerufen. Vermutlich haben Erkrankte an der Prozession teilgenommen oder es haben sich Gläubige in der Prozession wie Kranke bewegt, um eine dieser Krankheiten nicht zu bekommen. Eine weitere Erklärung sieht in der Prozession eine Danksagung an St. Willibrord, der die Menschen der Gegend vom Veitstanz befreit haben soll.

Wir würden vor Freude tanzen, wenn es so langsam zu regnen aufhören würde. Es tröpfelt mal mehr, dann wieder weniger – aber eigentlich ohne Unterlass; so langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause. Auf kleinen, kurvenreichen Straßen fahren wir nach Colmar-Berg; in der kleinen Stadt liegt nicht nur Schloß Berg, die Residenz von Großherzog Henri, dem Staatsoberhaupt von Luxemburg sondern auch der „Circuit Goodyear“, eine Motorsport-Rennstrecke des amerikanischen Reifenherstellers, die zu Testzwecken aber auch für Sicherheitstrainings oder Rennen genutzt wird.

Unser Ziel ist die „Beierstuff“, ein kleines Bistro, in dem wir unsere vormittägliche Kaffeepause einlegen wollen. Doch zunächst trennt uns eine kleine Brücke vom ersehnten Ziel. Denn das Navi, das auf möglichst kleine Straßen optimiert ist, nimmt nicht den Weg über die Hauptstraße sondern wählt eine Nebenstrecke, die eigentlich in einer Sackgasse endet. Wir finden aber dennoch einen Weg zum Ziel …

In der „Beierstuff“ sind wir fast die einzigen Gäste. An einem Nebentisch nahe der schweren hölzernen Tür sitzen zwei alte Männer beim Frühschoppen und trinken schweigend ihr Bier. Auf einem großen Flachbildschirm flimmert tonlos eine Tierdoku, auf einem weiteren Fernseher werden Werbespots für verschiedene Lotterien gesendet. Die Wirtin gibt sich resolut und tut so, als ob sie nur französisch sprechen würde.

In großen Gesten bedeutet sie uns, an den  Tischen Platz zu nehmen, nur dann könne sie unsere Bestellung aufnehmen – und zwar der Reihe nach, eine nach dem anderen und nicht anders. Wer vermutet hätte, dass die Bestellungen nun eine nach der anderen „abgearbeitet“ würde (das hätte ja einen Sinn ergeben), sah sich getäuscht. Erst kamen zwei Milchcafe, dann zwei Kakao, dann … – das Chaos war perfekt 😉 Schließlich nahm sich Jeder, was es bestellt hatte – und wir das Ganze mit Humor. Hauptsache wir saßen warm und trocken.

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Nach der Pause gab‘s noch mehr Wasser. Diesmal nicht von oben sondern malerisch  neben das Straße fließend. Das Flüsschen Sauer ist das nächste Ziel, deren mäanderndem Lauf wir bis Esch-sur-Sure folgen.

Auf herrlich kurvenreichen Straßen geht es weiter zur Wiltz, einem Nebenfluss der Sauer. Es regnet noch immer. Glücklicherweise hängt das Herbstlaub noch weitestgehend an den Bäumen, so dass der Straßenbelag immer noch recht griffig ist. In Kautenbach gewinnen wir auf der „Altschter Strooss“ in engen Serpentinen wieder an Höhe – bei strömendem Regen und zunehmend schlechterer Sicht.

Es wird Zeit für die Mittagspause. Die wollen wir in einer kleinen Brasserie in Marnach einlegen. Ein Tisch ist schon für uns reserviert – wenn wir ihn den finden würden. Da, wo google-maps und MapSource die „Brasserie Aux Pyramides“ verortet, steht links eine Kirche und rechts eine Bushaltestelle – das war’s. Und das im strömenden Regen, na toll.

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Nach minutenlangem vergeblichen Suchen greifen wir schließlich zum Telefon. „Fahrt weiter bis zur Tankstelle, dahinter gibt es ein kleines Einkaufszentrum, da sind wir – ich laufe rasch zur Straße und zeige Euch den Weg“, erklärt uns der Besitzer. Minuten später stehen die Motorräder unter einem großen Vordach und wir im Trockenen. Wir schälen uns aus den Regenkombis und nehmen unter einem Heizstrahler Platz. Hier lässt es sich aushalten.

Entsprechend ausgedehnt ist die Mittagspause. Pasta in allen Variationen ist der Renner, ebenso wie „Strammer Max“ mit gleich drei Spiegeleiern. Immer wieder geht ein verstohlener Blick zum Fenster. Der Regen wird zwar weniger, aber er hört nicht auf. Und so nutzt Wilfried noch die Gelegenheit, das Futter seines Helms am Heizstrahler zu trocknen – bis es qualmt.

Die meisten möchten jetzt auf möglichst direktem Weg zum Hotel. Da Hans-Friedrich und ich nur wenig Lust auf breite Nationalstraßen gaben – so viel kann es gar nicht regnen – teilen wir uns auf: Dieter fährt direkt, ich noch ein paar Umwege. Einer davon führt uns zwischen Waldbillig und Reuland durch ein kleines Seitental, in dem die kurvenreiche Straße dem Bächlein „Schwaarz lernz“ folgt. Da es endlich aufgehört hat zu regnen, nutzen wir die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Fotostopp.

In Ehnen treffen wir wieder auf die Mosel und legen vor dem „Grenzübertritt“ noch den obligatorischen Tankstopp ein. Es ist kurz vor 18:00 Uhr, als wir wieder im Hotel eintreffen, eine gute dreiviertel Stunde später als die erste Gruppe.

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Weil sich die Sonne gerade über die Weinberge schiebt, erklimme ich noch in Motorradkombi und Stiefeln eine kleine Anhöhe – zu Fuß, glücklicherweise. Der Weg den Berg hinauf ist mit Steinplatten gepflastert. Eigentlich hätte man den auch mit dem Motorrad rauffahren können. Doch der Sperrpfosten und das kreisrunde „Durchfahrt verboten“-Schild scheinen hier nicht ohne Grund zu stehen: die Platten sind aufgrund der Nässe unheimlich rutschig, so dass ich mich am Geländer festhalten muss, um nicht zu Boden zu gehen. Mit dem Mopped wäre das böse ausgegangen …

Zurück im Hotel geht’s endlich unter die Dusche und dann zum Abendessen.

Und wieder einmal zeigt sich, dass Reisen bildet. Als ich ein Foto der panierten Schnitzel auf Facebook poste und dazu schreibe, dass diese sich – dank einer leckeren Soße – in ein wunderbares Rahmschnitzel verwandelt hätte, zürnt mein Freund Christian, seines Zeichen Inhaber und Koch im Hotel Solaria in Obertauern. „Neeeeiiiinnnn!!!!!“, schreibt er mir. „Darauf steht bei uns der Verlust der Staatsbürgerschaft“.

Warum? Weil ein „Wiener Schnitzel“ – also ein gebackenes – niemals mit Soße in Verbindung gebracht werde. Jeder Koch, der sich dabei in Österreich erwischen lasse, werde von der Innung öffentlich angeprangert und müsse seine Lehrabschlussurkunde aufessen – und zwar ohne Soße. Soße gäbe es im Alpenland nur bei einem Naturschnitzels, also einem Stück Fleisch ohne Panade. Wieder was gelernt – so unterschiedlich sind die Sitten. Geschmeckt hat es trotzdem.

Morgen werden wir die Heimreise antreten. Bei hoffentlich besserem Wetter. Zumindest am Abend hat es aufgehört zu regnen. als wir vorm schlafen gehen, noch einmal vor die Tür treten.

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Auch vom zweiten Tag unserer Luxemburg-Tour gibt es ein kleines Relieve-Video, das Dir zeigt, welche Strecke wir gefahren sind. Viel Spaß beim Anschauen.