Monatsarchiv: Juli 2016

Restreichweite: ein Kilometer

Blauer Himmel, Sonnenschein, ein paar weiße Wölkchen, angenehme Temperaturen – so mögen wir das. Und genauso war es heute Morgen. Also nichts wie los!


Auf Nebenwegen ging es Richtung Idar-Oberstein. Im Berghotel Kristall hatten wir uns zur Kaffeepause angesagt. Mit vier Gruppen waren wir unterwegs, die sich unterwegs immer wieder mal trafen und – um nicht hintereinander her fahren zu müssen – spontan den einen oder anderen Umweg einlegten. Am Ende saßen wir alle auf der Sonnenterrasse vereint – fast alle …


Morbach war das nächste Ziel. Im herrlichen „Hunolsteiner Bauerncafe“ wollten wir zum Mittagessen einkehren. Um nicht zu lange warten zu müssen, hatten wir uns zuvor eine „kleine Karte“ schicken lassen und schon eine Vorauswahl getroffen. Eine gute Idee!

Satt und zufrieden unternahmen wir anschließend einen Abstecher Richtung Mosel – wie immer, auf möglichst kleinen Straßen. 35 Kilometer vor dem Stillstand signalisierte Lutz, dass es nun an der Zeit wäre, möglichst bald eine Tankstelle zu finden. Garnicht so leicht auf Nebenstrecken. Also war Improvisieren abgesagt: weg von der geplanten Route, hin zur nächsten Tanke, die das Navi vorschlug.

Die war leider zwischenzeitlich zum Gebrauchtwagenhandel mutiert – also nix mit Sprit. Erst in Zell sollte sich die nächste Möglichkeit bieten. Das könnte knapp werden, reichte der Sprit laut Anzeige im Display der BMW von Lutz allenfalls noch für acht weitere Kilometer. Also los …

Bei der Zufahrt auf die Bundesstraße setzte sich ein Wohnmobil vor uns. Sofort saugte sich Lutz in den Windschatten und ließ den großvolumigen Boxer mit möglichst niedriger Drehzahl vor sich hin säuseln. Je länger wir unterwegs waren, umso mehr faltete sich der arme Lutz hinter der Scheibe seiner RS zusammen – um möglichst windschlüpfrig fahren zu können.


Als wir endlich die Aral in Zell erreichten, zeigte der digitale Tacho der BMW noch einen Kilometer Restreichweite. Punktlandung!

Noch ein kleiner Unterwegsstopp, um ein leckeres Eis zu schlecken, dann ging es zurück ins Hotel. Kurz vor 18 Uhr waren wir da, so dass noch Zeit für ein erstes Feierabendbier blieb. Nach dem Essen saßen wir noch bis tief in die Nacht zusammen – schön war’s . Morgen gehts schon wieder nach Hause …

Ein kleines Abenteuer

Der Hunsrück ist das Ziel unseres diesjährigen Sommerfestes. In Kirchberg treffen wir uns, um am Freitag und Samstag zu zwei kurzweilige Motorradtouren aufbrechen zu können. Die erste war schon mal recht abenteuerlich.


Bei strahlendem Sonnenschein starten wir am Freitagnachmittag. Fast alle Teilnehmer sind rechtzeitig eingetroffen, so dass wir uns in zwei Gruppen aufteilen können. Eigentlich würde Georg zuerst los fahren, da seine Truppe aber nicht so recht aus dem Quark kommt, soll ich mich schon mal auf den Weg machen. „Du kannst ja auf halber Strecke schon mal ein Kaffee suchen, wir stoßen dann dazu“, ruft mit Georg zu, als wir starten. Es sollte alles anders kommen …

65 Kilometer misst die „normale“ Runde, die Alternative, die geplant ist, kommt – dank zweier zusätzlicher Schlenker – auf 20 Kilometer mehr. Ob die tatsächlich fahrbar sind, ist ungewiss. So manche Nebenstrecke, die – wie hier – über ganz abgelegene Wege führt, ist manchmal mit gewissen Unwägbarkeiten verbunden. Wir werden sehen …

Zunächst läuft alles, wie geplant. Wir sind auf kleinen, kurvenreichen Straßen unterwegs, genießen herrliche Ausblicke und freuen uns an jedem Kilometer, den wir im Hunsrück unter die Räder nehmen können.

Als wir auf den ersten Abzweig abbiegen, gleicht das schmale Asphaltband einem landwirtschaftlichen Weg. Es soll, so wurde mir berichtet, auch ein entsprechendes Schild am Straßenrand gestanden haben. Ich habe es allerdings nicht gesehen. Und so fahren wir erst einmal ein Stück Richtung Wald. Den Abzweig links, den das Navi vorschlägt, ignorieren wir, ist der Weg doch unbefestigt und reichlich zugewachsen. Noch bleiben wir lieber auf Asphalt.

Nach ein paar hundert Metern klärt uns ein Straßenschild auf, dass wir jetzt auf einem Forstweg seien. Und der endet, laut Navi, schon bald im Nirgendwo. Doch noch geht es weiter, denn wenden auf dem schmalen Weg wäre schwierig. Dann taucht linker Hand ein Haus auf, in dem womöglich der Förster wohnt – so mein erster Gedanke. Um Ärger zu vermeiden, sollten wir schnell weiterfahren. Doch schon bald versperrt eine Schranke den Weg.


Die lässt sich glücklicherweise umfahren, so dass wir nicht noch einmal am Forsthaus vorbei müssen. Wie wollen den Wächter des Waldes ja nicht unnötig verärgern. Das macht dann die zweite Truppe – eher unfreiwillig  Die dreht artig an der Schranke rum und wird anschließend vom Bewohner des Forsthauses gestoppt. Der macht barsch und (sicher auch zu Recht) deutlich, dass unser Tun nicht ganz legal sein. „Sofortiger Rückzug oder 35 Euro für eine Anzeige“ lautet die klare Ansage, die keine Diskussionen duldet. Den freundlichen Hinweis, dass da gleich bestimmt noch eine Gruppe komme, kommentierte der Förster  mit der Feststellung: „Die sind schon durch“. Stimmt.

Während Georg mit seinen Mannen der geordneten Rückzug antritt, stehen wir auf einer kleinen asphaltierten Straße – jenseits der Schranke – mitten im Wald und suchen einen Weg, zurück zur eigentlichen Route. Der ist schnell gefunden. Knapp vier Kilometer später – die Hälfte davon unbefestigt – sind wir wieder auf offiziellen Straßen unterwegs und geloben Besserung. Wobei: so ein kleines Abenteuer ist schon das Salz in der Suppe einer jeden Motorradtour.


Den Kaffeestopp hat dann Georg statt meiner gesucht und gefunden und auch an der Tankstelle war er vor mir da. Der Stopp dort war perfekt getimt. Den ganzen Nachmittag konnten wir die bedrohlich dunklen Wolken umfahren. Doch als wir in Kirchberg an der Tanke standen, fing es an zu regnen. Als wir wieder los fuhren, hörte es wieder auf. So gefällt uns das.


Auch beim abendlichen Grillfest blieb es trocken. Bis spät in den Abend saßen wir auf der Terrasse zusammen, aßen lecker, tranken gut und schwelgten in Erinnerungen. Herrlich!


Morgen wollen wir zu einer weiteren Tour durch den Hunsrück aufbrechen. Mal sehen, was wir da so aller erleben werden.

Der Übeltäter

Ein durchgeschmortes Plus-Kabel am „Inverter“ war die Fehlerursache. In der Folge lag keine „Erregerspannung“ an und die Batterie konnte von der Lichtmaschine nicht mehr geladen werden. Habe ich das als Laie, dem sich die Geheimnisse der Elektrik nur mühsam erschließen, so richtig wiedergegeben?


Ganz egal, die alte G/S brummt wieder und hat während des Werkstatt-Aufenthalts auch gleich noch ein paar neue, gleißend helle Tagfahrleuchten verpasst bekommen. Die bisher montierten waren zwar schön klein, haben aber leider auch nur wenig Licht produziert.

Die erste Bewährungsprobe wird gleich am Wochenende sein. Wir treffen uns zum Sommerfest, diesmal im Hunsrück. Freitagnachmittag steht eine kleine Runde rund um Kirchberg auf dem Programm, am Samstag nehmen wir uns den ganzen Tag Zeit, um den Südwesten dieses faszinierenden Mittelgebirges auf möglichst kleinen Straßen zu entdecken. Wie schön, dass die G/S wieder läuft …

Mobile Schrankwand

Die G/S steht seit Anfang der Woche in Mömlingen in der Werkstatt. Nach der improvisierten Reparatur in Norwegen soll jetzt der eigentliche Fehler gefunden und behoben werden. Damit ich während der Reparatur mobil bleiben kann, habe ich freundlicherweise leihweise eine RT 1200 bekommen – eine mobile Schrankwand 😉


Was für ein Trum an Motorrad! Der Wetterschutz natürlich deutlich besser als an meiner G/S. Auf der Autobahn die Scheibe elektrisch hochgefahren und schon sind 160 km/h ganz entspannt möglich. Glücklicherweise fahre ich nur selten Autobahn …

Kurvenfahren ist hingegen schon gewöhnungsbedürftig. Die 1200er will energisch ums Eck geworfen werden. Freiwillig fährt sie nur geradeaus. Ganz anders als meine G/S. Enttäuschend auch das Stauvolumen. Die Koffer wirken riesig, tatsächlich passt aber kaum was rein – zu verklüftet. Kein Ruhmesblatt für einen Tourer.

Wie schön, dass ich den alten Boxer morgen wieder nach Hause holen kann. Der Fehler ist gefunden – und behoben. Offensichtlich hat der „Inverter“, der verbaut werden musste, damit die Batterie – trotz des jetzt vorhandenen elektronischen Tachos – geladen wird, seinen Geist aufgegeben. Fragt mich nicht nach den Zusammenhängen …

Jetzt sollen Dioden diese Aufgabe übernehmen. „Das geht doch auch ganz klassisch“, meinte der Werkstattmeister augenzwinkernd. Ich werde es ausprobieren: ab Freitag beim Sommerfest im Hunsrück, am nächsten Wochenende bei einer Tour durchs Elsass und im September bei unserer Reise in die Pyrenäen.

Norwegen – ein erstes Fazit

Wir sind zurück von unserer mittlerweile vierten Reise nach Norwegen. Vom Südkap bis hoch zu den Lofoten, von der Bergbaustadt Roros, ganz im Osten, bis hinüber zum Westkap sind wir schon unterwegs gewesen. Immer wieder hat uns dieses ganz besondere Land fasziniert.

In diesem Jahr hat uns eine Eigenschaft der Norweger auf eine harte Probe bestellt, die wir so gar nicht kennen: ihre Gelassenheit und ihre unbedingte Liebe zum frühen Feierabend. Um 16 Uhr fällt werktags der Hammer.

Als mein Motorrad mit Elektrikproblemen liegenblieb, war ich sehr froh, dass es in Sogndal – der Ort, in dem wir auch die Hotelübernachtung gebucht hatten, eine Werkstatt gab. Doch als ich gleich am Dienstagmorgen vorsprach erklärte mir der Meister, freundlich aber bestimmt, dass er erst die Bremsscheiben am VW-Bus seines Freundes wechseln müsse, dann an einem Motorrad das Gabelöl auszutauschen sei und bei einer weiteren Maschine eine Inspektion anstünde. Mal eben kurz schauen, was die Fehlerursache an meiner BMW sei, das ginge nicht. Zudem: um 16 Uhr wäre Feierabend.

Er würde aber jetzt ein bisschen schneller arbeiten, dann könne er am Nachmittag vielleicht schon mal gucken. Um 16:05 Uhr bekam ich eine Mail, dass er morgen mal bei BMW anrufen würde, als ich um 16:15 Uhr vor der Werkstatt stand, war das Tor bereits verschlossen. Jo, jo (ja, ja) würde der Norweger jetzt mit stoischer Gelassenheit sagen.

Aber, der Ehrgeiz schien geweckt, am nächsten Tag um elf lief der alte Boxer wieder. Auch ohne Hektik und ganz ohne Streß war der Fehler behoben worden – wenn nicht heute (Dienstag), dann eben morgen (Mittwoch). Da können wir uns irgendwie schon eine Scheibe von abschneiden.

Freundlich, ruhig und zuvorkommend haben wir die Norweger wieder einmal erlebt. In den Städten wird am Zebrastreifen schon gehalten, wenn sich nur ein Fußgänger nähert, auf Landstraßen konsequent das Tempolimit von 80 km/h eingehalten. Was auf kurvenreichen Nebenstrecken durchaus angenehm ist, auf breit ausgebauten Europastraßen aber fast schon an Körperverletzung grenzt 😉

Apropos Straßen: wir überlegen, bei der nächsten Norwegentour vielleicht möglichst viel auf kleinen Naturstraßen unterwegs zu sein. Davon gibt es in Norwegen noch reichlich. Für die meisten muss zwar eine kleine Maut gezahlt werden, dafür führen diese Wege häufig durch eine faszinierende Landschaft, fern ab jeglicher Zivisilation. Und wenn unterwegs dann noch eine kleine Hytter zu einer Rast mit frisch gebackenen Waffeln mit leckerer Erbeermarmelade und einem Klecks Sahne einlädt, wäre unser Glück perfekt.

Was haltet Ihr von der Idee, den Südwesten Norwegens intensiv auf Nebenstrecken zu erleben? Die Landkarten dazu sind schon bestellt. In zwei, drei Jahren könnten wir eine solche Tour ins Programm nehmen – wenn Ihr wollt. Wir würden wollen …

Der letzte Abend an der Bar

Laut tutet das Horn der Color Fantasy als wir pünktlich um 14 Uhr den Hafen von Oslo verlassen. Nun müssen wir endgültig Abschied von Norwegen nehmen. Möwen begleiten uns laut kreischend, zahlreiche Boote fahren ein Stück mit uns, auf der Terrasse ihrer roten Holzhäuser sitzen „Sommerfrischler“ am Ufer des Oslo-Fjords und schauen zu, wie das mächtige, zwölfstöckige Schiff gen Süden dampft.


Wir sitzen ganz oben auf dem Panoramadeck, genießen das herrliche Wetter – und kriegen so langsam Hunger. Außer dem Stopp beim Bäcker hat es noch nichts gegeben. Zum Glück haben wir schon für 17 Uhr Plätze fürs „Grand Buffet“ reserviert. Das lässt keine Wünsche offen.


Über die gesamte Schiffsbreite findet sich in mehreren Reihen Vorspeisen und Hauptspeisen jeglicher Art. Dazu Nachtisch im Überfluss, Käsevariation, Eis – kurzum, wir können gar nicht so viel essen, wie es Möglichkeiten gibt. Manche versuchen es trotzdem – zu verlockend ist das Angebot.

Den Abend verbringen wir – wie schon bei der letzten Norwegenreise – in der Schiffsbar. Zwei Musiker spielen zu Gitarrenklängen alte Hits, die zum Mitsingen einladen. Dazu fühlen sich insbesondere ein paar Norweger angesprochen, die uns zudem mit ihren Fähigkeiten im Luftgitarre-spielen beeindrucken. Sehr unterhaltsam.

Als wir so langsam in die Koje gehen, hat unser Schiff der Kattegat erreicht. Die Passage, die zuvor durchs Skagerak führte, war angesichts eines recht böigen Windes auf offener See schon ein wenig unruhig. Nun aber fährt die Color Fantasy ganz ruhig gen Kiel, wo wir am Sonntag pünktlich um 10 Uhr ankommen.

Noch einmal liegen wir uns herzlich in den Armen und verabschieden uns. Schon jetzt ist klar: Norwegen, da müssen wir bald mal wieder hin. Vielleicht nehmen wir beim nächsten Mal vorwiegend die vielen „Bomveien“ unter die Räder – mautpflichtige Naturstraßen – die uns dieses herrliche Land und seine beeindruckende Natur noch ein wenig näher bringen.

Die letzten 120 Kilometer

Der Himmel weint am frühen Morgen, weil wir Norwegen verlassen müssen. Doch pünktlich zum Frühstück reißt der Himmel auf und lässt sein strahlendstes Blau erstrahlen.


Wir klemmen uns auf die E4 und rollen gemütlich gen Oslo. Einziger „Aufreger“: Lutz muss unvermutet mal rechts raus und stellt die Gruppenregeln auf eine harte Probe: natürlich bleiben nicht alle der Vorausfahrenden stehen, als sie sehen, dass der Schluss fehlt – aber das kennen wir ja …


Gut 40 Kilometer vor Oslo legen wir noch einen ausgiebigen Kaffeestopp in einer kleinen Bäckerei ein. Die letzten Kronen müssen ja weg und werden in kleine Erdbeertörtchen investiert.


Mit deren Krumen lassen sich prima die Enten füttern, die in einem kleinen Bach schwimmen und sofort neugierig zu uns kommen.


Bei herrlichem Sonnenschein setzten wir anschließend unsere Fahrt fort. Da wir Oslo diesmal aus östlicher Richtung anfahren, müssen wir quer durch die Stadt. Ein heikles Unterfangen mit zehn Motorräder: häufige Rotphasen, Fußgänger, die grundsätzlich Vorrang haben, Spurwechseln und jede Menge Kreisel, nebst zahlreichen Linienbussen, die aber meist warten, bis die ganze Gruppe passiert hat, fordern uns schon ein wenig heraus. Und plötzlich funktionieren sogar die Gruppenregeln …


Stefan, der die Gruppe führt, bleibt ganz cool, so dass wir sogar zehn Minten früher als geplant am Check-in stehen. Kaum haben wir die Boarding-Karten geht es auch schon rauf aufs Schiff. Dank funktionierender Spanngurte sind die Maschinen schnell verzurrt – jetzt wird uns endgültig klar. Unsere dritte ADAC-Reise durch Norwegen neigt sich unweigerlich dem Ende entgegen. Trotz einiger (unvermeidlicher) Regenschauer war es eine tolle Woche, mit vielen Eindrücken, die uns noch lange in Erinnerung bleiben werden. Wir kommen wieder, ganz bestimmt!