Tagesarchiv: 10/07/2016

Ein Tourtag mit Hindernissen

Die Nacht war erfreulich ruhig, der Sturm, der vor der Küste Dänemarks tobte, legte sich schnell, so dass wir ruhig schlafen konnten. Bis gegen halb sechs, dann weckte uns die Stimme aus dem Lautsprecher, die alle, die in Stavanger von der Fähre geben wollten, daran erinnerte, dass man  gleich anlegen würde.

Was tun, wenn man wach ist? Richtig: frühstücken. Um diese Uhrzeit war noch viel Platz im Restaurant, so dass es noch einen freien Tisch mit Blick aufs Wasser gab. Nach und nach kamen die anderen dazu; gegen 9:00 Uhr war es dann an der Zeit für einen ersten „Spaziergang“ an Deck.


Der Blick auf die vorbeiziehende Fjordlandschaft – einfach malerisch. Auch wenn dichte Wolken in den Bergen gingen, die Aussicht war phänomenal. Gegen 12:30 Uhr erreichten wir den Zielhafen in Bergen. Die „regenreichste Stadt Europas“ empfing uns ohne ihrem Namen gerecht zu werden. Der Regen kam dann später …

Zunächst klemmten wir uns ein Stück auf die E16, um dann auf die 7 Richtung Hardangerfjord abzubiegen. Kaum gewann die Straße an Höhe, öffnete der Himmel kurzzeitig seine Schleusen. Also raus auf den nächsten Parkplatz und die Regenkombi an. Ein Stopp, der sich wenig später als „Glücksfall“ erweisen sollte. Dann Franz-Josef überholte uns mit dem Bus – und blieb bald darauf liegen. Irgendetwas klackert laut im Motorraum.


Als wir zunächst an ihm vorbeifuhren, stand er schon mit geöffneter Motorhaube am Straßenrand. Das haben wir natürlich erst im Rückspiegel gesehen. Also schnell wenden und gemeinsam beratschlagen, was zu tun ist. Am besten, den ADAC anrufen. Die sollen einen Pannenhelfer schicken. Bis zu eineinhalb Stunden würde das dauern, hieß es am Telefon.

Gemeinsam warten ist Quatsch. Also versprachen wir Franz-Josef im Telefonkontakt zu bleiben und fuhren schon mal weiter.

Bald darauf ludt der Steinsdalsfossen zu einem Fotostopp nebst Kaffeepause. Der mächtige Wasserfall stürzt sich tosend in die Tiefe und nimmt dabei so viel Schwung, dass man hinter der „Wasserwand“ her laufen kann. Ein beeindruckendes Bild.


Auf manchmal recht schmalen und immer wieder kurvenreichen Straßen folgten wir anschließend dem Verlauf des Hardangerfjord. Der hat sich tief ins Landesinnere gegraben – bis nach Ulvik, wo direkt am Ufer – sehr malerisch gelegen – unsere Hotel stand.


Derweil saß Franz-Josef im Taxi zum Flughafen, um ein Leihauto zu organisieren. Der Ducato hat vermutlich einen Schaden am Turbolader und war abgeschleppt worden. Jetzt musste ein Auto organisiert werden, um die Koffer ins Hotel bringen zu können.

Zur Verfügung stand zunächst ein C1, weil mehr der ADAC nicht bezahlen würde. Gegen Aufpreis wurde es dann ein Volvo C60, in den das Gepäck geradeso passt. Zwanzig nach zehn kamen Franz-Josef und Moni im Hotel an – fix und alle.


Morgen früh werden wir in der Werkstatt anrufen und erfragen, wie es weitergehen wird. Hoffentlich ist eine Reparatur in den nächsten Tagen möglich

Um halb acht gibt es Abendessen …

Die Regenschauer des gestrigen Tages – vergessen. Heute ist der Himmel blau und die Sonne scheint. So kann es bleiben.


Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns um 9 Uhr auf den Weg gen Norden. Gut 400 Kilometer liegen vor uns, wenn wir gegen 18 Uhr spätestens am Fährhafen von Hirtshals sein wollen, werden wir nicht umhin kommen, mindestens bis Mittag Autobahn zu fahren.

Der Grenzübertritt nach Dänemark macht Vielreisenden deutlich, was uns Europa auch gebracht hat: offene Grenzen, an denen jetzt – pro forma – wieder kontrolliert wird. Die Folge: lange Staus und Wartezeit, schrecklich. 20 Minuten lang geht es nur im Schritttempo vorwärts, dann haben wir die „Border-line“ passiert. Fortan geht’s nur noch mit 110 km/h, allenfalls 130 km/h vorwärts.

Gegen 10:30 Uhr geht’s runter von der Piste. In Harderslev finden wir eine Bäckerei, die auch Kaffee verkauft und legen einen ersten Stopp ein. Dann geht es wieder für eineinhalb Stunden auf die E45. In Hadstein machen wir Rast an einer Tanke, der ein kleiner Imbiss angeschlossen ist – gut 170 Kilometer liegen jetzt noch vor uns.


Autobahn oder Landstraße? Beides irgendwie langweilig, denn jenseits der E45 sind maximal 80 km/h erlaubt, oft noch weniger. Da wir nicht schon um kurz nach 16 Uhr in Hirtshals sein wollen, geht’s nach einem kurzen Abstecher auf die Autobahn letztlich doch auf Landstraßen immer weiter gen Norden.

Die obligatorische Nachmittagskaffeepause verschiebt sich dabei deutlich nach hinten – es findet sich nichts, was eine Einkehr lohnen würde. Allenfalls ein Mc Do, aber das wollen wir auch nur, wenn es gar nicht anders geht.

Geht aber – in Sulstedt, am Ende einer leicht zu übersehenden Nebenstrecke, finden wir einen Kro. Man würde im Wintergarten zwar gerade eine Geburtstagsfeier ausrichten, aber im eigentlichen Gastraum könne man uns gern einen Kaffee servieren, macht die Besitzerin deutlich.


Das ist die typische skandinavische Gastfreundschaft: bei uns hätte man uns die Tür mit einem Hinweis auf die geschlossene Gesellschaft vor der Nase zugeknallt, hier sind wir herzlich willkommen. Ebenso des morgens beim Bäcker: eigentlich hätten wir ein Märkchen ziehen müssen, was wir aber nicht wussten. Bedient wurden wir trotzdem äußerst freundlich.

Nach dem nachmittäglichen Kaffeestopp warten noch gut 70 Kilometer auf uns. Gegen 17:30 Uhr rollen wir im Fährhafen ein. Franz-Josef ist mit dem Begleitauto schon da. Länger als erwartet müssen wir waren, bis das Boarding beginnt. Aufgrund schwerer See läuft die Fähre deutlich später als geplant in den Hafen ein.


Für das  skandinavische Buffet hat es trotzdem zeitlich noch gereicht, obwohl insbesondere ein Teilnehmer ab 19:30 Uhr sichtlich nervös wurde. Da sollte wir eigentlich schon im Bordrestaurent sitzen, standen aber immer noch im Hafen.

Nach dem Essen genießen wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang, dann geht’s in die Koje zum Schlafen.


Sonntagmittag werden wir Bergen erreichen, von dort aus geht es dann entlang des Hardangerfjord bis nach Ukvik. Hoffentlich hält das Wetter.