Archiv des Autors: kurvenfieber

Ein schluchtenreicher Tag

Endlich einmal morgens nicht wieder alles zusammenpacken müssen. Nur einmal – nämlich heute – bleiben wir bei unserer Reise Richtung Pyrenäen für zwei Nächte an einem Ort. Und so können wir ganz entspannt zum Frühstück gehen, das keine Wünsche offen lässt.


Anschließend ist Sammeln vorm Hotel angesagt. Aus der großen Garage rollen wir auf die Straße und warten darauf, dass die Gruppen neu eingeteilt werden. Zwei Routen stehen zur Wahl: eine „kurze“ mit gut 300 Kilometern, die auf der spanischen Seite bleibt und eine längere, die auf der Rückfahrt hinüber nach Frankreich wechselt.

Alle Gruppen aber müssen erstmal durch den Tunnel von Vielha. Der wurde erst 1948 fertiggestellt. Bis dahin war „die Mutter aller Täler“, wie Vielha auch heißt, von Rest des Landes fast abgeschnitten. Eine Zufahrt aus Spanien war nur über den mehr als 2000 Meter hohen Pass „Port de la Bonaigua“ möglich, über den wir gestern nach Vielha gefahren sind.

Es ist noch ein wenig frisch, als wir gegen 9 Uhr starten. Lange Zeit fahren wir zudem erst einmal im Schatten. Die Sonne hat es nach dem Tunnel noch nicht über die Berge geschafft. Entsprechend frisch sind die Temperaturen. Kurz vor „Pont de Suert“ biegen wir rechts ab auf die N 260 und folgen dann dem Lauf des Flüsschens „Isâbena“, das die ersten kleinen Schluchten, durch die wir heute fahren werden, gegraben hat.
Anschließend geht’s wieder auf die N 260, die in der Michelin-Karte zwar eine grüne Linie trägt, aber meist gut ausgebaut ist und zum Tempobolzen verleitet. Die Landschaft aber ist in der Morgensonne faszinierend.


Wo immer möglich suchen wir die „alten“ Straßen, die langsam im Verfall begriffen sind, auf denen wir mit Steinschlag rechnen müssen, die aber herrliche Aussichten bieten.


Nach dem einen oder anderen Fotostopp und einer kleinen FaKaffeepause nähern wir uns hinter Puyarruego dem Highligt des heutigen Tages: es geht kilometerlang durch eine enge Schlucht, in der die Straße so schmal ist, dass sie nur in eine Richtung befahren werden darf. Freundlicherweise machen die wenigen Autos vor uns bereitwillig Platz, so dass wir immer wieder überholen können – und in folgedessen erst einmal auf Fotostopps verzichten.


Noch mal eine Runde drehen will dann aber auch niemand, so dass wir es bei einem Foto am Schluchtausgang belassen und dann weiterfahren. Nur wenige Kilometer später sehen wir oben am Berg Sonnenschirme im Wind flattern. Kaum erreichen wir Fanlo, findet sich auch schon ein Hinweisschild zu einer kleinen Bar, die über einen kurzen Schotterstich zu erreichen ist.


Im Schatten sitzend genießen wir Bocadillos (Baguettes) und erholen uns ein wenig von den Strapazen des Fahrens bei hohen Temperaturen.


Der Rückweg über die N 260 ist bis Campo mehr Pflicht als Kür. Dann aber wird die Straße wieder schmal und kurvenreich; die nächste Schlucht wartet auf uns. Bis Castejon de Sos lassen wir uns treiben, dann ist Zeit für eine Kaffeepause. Ein wenig Müde von der Hitze und entsprechend verschwitzt ziehen wir den Aufenthalt im Schatten ein wenig in die Länge und genießen das laue Lüftchen, das gelegentlich weht.


Alle freuen sich schon auf den gut sechs Kilometer langen Tunnel von Vielha. Darin ist es angehen kühl. Der Plan, bis zum Tunneleingang alle Lastwagen vor uns niedergekämpft zu haben, um dann freie Fahrt zu haben, scheitert grandios: statt auf weniger stoßen wir auf immer mehr Schwerverkehr, so dass wir bis zum Tankstopp in Vielha nichts mehr riskieren und die letzten Kilometer einfach mitschwimmen.

Morgen geht’s zurück nach Frankreich. Carcasonne, Châteauneuf und Macon sind die letzten drei Etappen unserer Pyrenäenreise. Gut 1300 Kilometer haben wir seit Sonntag schon zurückgelegt.

40 Grad und kein Schatten

Zwei Wege führen uns heute nach Vielha, dem Ort in den spanischen Pyrenäen, der am südlichsten Punkt unserer Reise liegt. Georg wird mit seiner Gruppe über Andorra fahren, während Stefan und ich mit unseren Gruppen weiter westlich, nahe Mont-Louis, die Grenze zum Nachbarland Spanien überqueren.


Wieder wird der Bus mit Koffern und Taschen beladen, dann geht es Punkt 9 Uhr los. Eine halbe Stunde später fahren wir quer durch die Altstadt von Limoux – das ist ein ganz besonderes Erlebnis. Die schmale Straße zwängt sich mitten durch die Häuserschluchten, die Tische und Stühle der zahlreichen Cafés reichen bis dicht an die Stoßstangen der parkplatzsuchenden Autofahrer, die sich den wenig vorhandenen Platz mit Zulieferen streitig machen. Was für ein Chaos – aber nicht einer hat gehupt!


Wir folgen dem Lauf der Aude und legen in Axat das erste Kaffeepäuschen ein. Direkt über dem Fluss sitzen wir auf einer schattigen Terrasse und freuen uns auf die nun folgenden Kilometer. Der „Gorges de St Gorges“ liegt vor uns, der so eng ist, dass er nur einspurig befahren werden darf. Weitere Schluchten und enge Täler folgen, bis wir um 12:30 Uhr die spanische Grenze erreichen.


Mit ein bisschen Suchen finden wir in „Bellver de Cerdanya“ ein nettes Lokal mit einer noch netteren Bedienung. Die Verständigung klappt – auf spanisch-deutsch-französisch-englisch; alles durcheinander. Aber jeder hat bekommen, was er wollte.

Hinter „la Seu d’Urgell“ wird die bislang langweilig breite N 260 herrlich kurvenreich und schmal. Gut 40 Kilometer lang folgt eine Kurve der nächsten – bei so gut wie keinen Verkehr. Ein Traum – wenn es nur nicht so heiß wäre.


Das Thermometer zeigt über 30 Grad und jeder Luftzug gleicht dem eines Föns. Aber: wir wollen nicht meckern – vor einigen Jahren sind wir – auch im Septemer – bei Schneeregen und bitterkalten Temperaturen in den Pyreänen unterwegs gewesen. Dann doch lieber schwitzen.

In Rialp machen wir noch einmal ausgiebig Pause und trinken, im Schatten einer kleinen Bar, reichlich Wasser sowie den einen oder anderen Kaffee. Das Thermometer zeigt mittlerweile Spitzenwerte von 42 Grad! Zeit, dass wir wieder an Höhe gewinnen …

Wir folgen der C-13, zweigen aber beim Stausee „Pantà de la Torrossa“ noch einmal auf eine herrlich Nebenstrecke ab, die sich schmal und kurvenreich den Berg hinauf windet und herrliche Aussichten bietet.


Bald darauf ist mit dem Paß namens „Port de la Bonaigua“ mit 2072 Metern der höchste Punkt der heutigen Tagesetappe erreicht.


Jetzt geht es nur noch bergab. Es ist schon halb sieben, als wir das Hotel, nach gut 335 Kilometern Wegstrecke, erreichen. Trotz der Temperaturen: ein toller Tag.


Krönender Abschluss: ein super leckeres Abendessen nebst kleinen Spaziergang 😉 Mal sehen, was der Tag morgen so bringt …

Ein Tag voller Sonnenschein

Was für ein Morgen! Auf dem Weg zum Frühstück schnell noch mal ein paar Schritte vors Hotel gegangen, um zu sehen (oder besser zu fühlen), wie frisch es draußen auf gut 1200 Metern ist – reichlich 😉 Und genau in dem Moment geht die Sonne hinter der Anhöhe neben unserer Herberge auf. Was für ein toller Einstieg in einen tollen Tag.


Nach einem wunderbaren Frühstück – mit Wurst und Schinken sowie verschiedenen Sorten Käse (alles ganz bestimmt nicht aus dem Supermarkt), machen wir uns auf den Weg, wieder einmal die Cevennen zu entdecken. Auf möglichst kleinen Straßen fahren wir den ganzen Vormittag stets über der 1000-Meter-Marke, kämpfen manchmal mit frisch geteerten Straßen, auf denen der Split mich zentimeterhoch liegt, und genießen ansonsten die prächtige Landschaft, die an jeder Ecke zu einem neuerlichen Fotostopp einlädt.


Hier, irgendwo im Nirgendwo, gibt es zwar immer wieder kleine Ortschaften, aber natürlich keine Möglichkeit zu Einkehr. Und so ist es kaum verwunderlich, dass wir beim ersten Kaffeestopp auf Stefan treffen, der wir wir das Hinweisschild zum „Cafe de Pays“ nahe Rousses gesehen hatte.


Mittag machen wir dann in den alten Markthallen von St-Jean-du-Bruel. Unter dem hohen Dach ist es schön schattig, es weht ein laues Lüftchen – hier lässt es sich aushalten. Nach dem opulenten Mahl vom gestrigen Tage gönnen wir uns diesmal wirklich nur eine Kleinigkeit.


Über viele Höhenzüge und durch zahlreiche Gorges fahrend kommen wir ins Rousillion. Weinberge säumen unseren Weg, das Land wird flacher. In Olonzac liegt rechts der Straße das Café de la Poste. Neben dem Bürgersteig ist gerade noch soviel Platz, dass wir unsere Motorräder abstellen können – so können wir, wie gewünscht (und erhofft) unter alten Platanen noch ein kleines Päuschen einlegen. Klaus und Wolfgang nutzen die Gelegenheit, sich mit einem leckeren Eis zu erfrischen.


Kurz vor Carcasonne wollen wir noch einen Tankstopp einlegen, doch die Automatentankstelle akzeptiert weder deutsche EC- noch Kreditkarten. Ich frage mich immer wieder, wann im vereinten Europa diese unsinnigen „Eigenbrödeleien“ endlich ein Ende haben werden. Also steuern wir den nächsten Supermarkt an und tanken da.

Das Abendessen ist wieder ein Genuß. Es gibt Ente „an“ Salat und anschließend ein deftiges Cassoulet. Da landet so mancher Nachschlag auf dem Teller, sind die Schüsseln doch wohl gefüllt.


Morgen werden wir die spanische Seite der Pyrenäen erreichen und zwei Nächte in Vielha bleiben. Endlich einmal morgens nicht wieder alles zusammenpacken müssen …

Das war schon mal klasse

Durch die Weinberge des Beaujolais hin zur Loire und über die Ausläufer der Auvergne bis ins Lozère – das war die heutige Tagesetappe. Rund 300 Kilometer lagen vor uns, kurvenreich und bis auf über 1200 Höhenmeter ansteigend.

Natürlich gab es wieder ein „Tankdrama“, das wir diesmal aber vor den eigentlichen Tourstart legten. Dann hatten wir es hinter uns 😉

Unser Hotel in Macon lag am Rande eines Gewerbegebiets. In Sichtweite ein großer Supermarkt – natürlich mit Tankstelle. Gleichwohl hatten einige Teilnehmer auf dem Weg zum Hotel vergeblich nach einer solchen gesucht. Und standen jetzt fast ohne Sprit auf dem Hotelparkplatz. Also lautete die „Parole“ am frühen Morgen: Tanken und dann zurück zum Hotel, damit wir gemeinsam losfahren können.


Zu sechst wollten sie sich auf den Weg machen. Natürlich fuhren die ersten drei schon mal ohne zu warten los, warauf sich bei den anderen dreien Panik verbreitete. Keiner da, der ihnen den Weg zeigte und das Navi noch nicht aktiviert. Nicht, dass es Schilder gegeben hätte, die den Weg zur Tanke wiesen …

Kurz nach neun waren wir dann startklar. Die ersten kurvenreichen Kilometer führten mitten durch die Weinberge des Beaujolais – ja, wir sind auch so manchen herrlich kleinen Verbindungsweg durch die „Wingerte“ gefahren.

In den Ortschaften – trotz Sonntag – lebhaftes Treiben. So mancher kam vom Bäcker, das frische Baguette unterm Arm, andere saßen in den Cafés unter alten Plantanen oder trafen sich zu einer kleinen Partie Boule – typisch französisches Landleben; einfach herrlich.

Wir mäanderten mit unseren Motorrädern so durch die Landschaft, genossen die herrlichen Aussichten sowie das schöne Wetter und „arbeiteten“ und so langsam Richtung Loire vor. In Chambles legten wir unsere Mittagspause ein. Eine kleine Bar an einem kleinen Platz mitten im Ort hatte auf der Terrasse gerade noch einen Tisch für uns frei.


Nur eine Kleinigkeit wollten wir uns gönnen. Ein Omlette mit etwas Wurst und Salat schien da genau das Richtige, auch wenn die 15 Euro, die dafür aufgerufen wurden, nicht gerade nach einem Sonderangebot aussahen. Doch das Essen war jeden Cent wert. Frisch zubereitet wurde ein Omlette mit reichhaltig Wurst, Schinken und Salami serviert, das keine Wünsche offen ließ.


Solchermaßen gestärkt ging es gegen 15 Uhr (!) weiter, da lagen noch gut 150 Kilometer vor uns – einer schöner als der andere.


Nach einem kurzen Fotostopp in „Le Puy-en-Velay“ kletterte das kleine Sträßchen bis auf über 1200 Meter an, die letzten 30 Kilometer führten durch eine kurvenreiche Schlucht, die uns begeisterte. Links, rechts, links, rechts swingten wir unserem Ziel, dem „Hotel de la Poste“ in Châteauneuf-de-Randon.


Nachdem die Motorräder im Schuppen verstaut waren, gab es das erste Bier auf der Terrasse und am Abend ein sensationell gutes Essen. Wie gut, dass wir hier auf der Rückreise noch einmal übernachten werden.


Morgen geht es nach Carcasonne. Auf dem Weg dorthin werden wir ausgiebig durch die Cevennen fahren …

Die letzte große Tour

Noch einmal brechen wir in diesem Jahr zu einer großen Motorradtour auf. Die Pyrenäen sind das Ziel. Sieben Fahrtage haben wir Zeit für das mächtige Bergmassiv.

Treffpunkt ist diesmal Macon, unterhalb des Genfer Sees gelegen. Gut sieben Stunden Autobahn und ich bin da. Als ich bei Kandel die Grenze zu Frankreich überquere, frage ich mich, wann wir wohl wieder in einem grenzenlosen Europa leben werden?  Die kilometerlangen Staus, die wir in diesem Jahr an den Landesgrenzen erlebt haben, werden unweigerlich Einfluss auf die Routenplanung des nächsten Jahres haben.


Heute aber rollt es. Der Ducato zieht störungsfrei seine Bahn – durchs Jura und dann immer weiter Richtung Süden. Unser Hotel liegt nahe eines großen Supermarkts, so dass schnell eine Tankstelle gefunden ist. Gegen halb sechs ist die BMW ausgeladen; jetzt können wir zum gemütlichen Teil des Abends übergehen.


Nach dem Abendessen sitzen wir an diesem lauen Spätsommerabend noch lange auf der Terrasse zusammen – morgen starten wir zu ersten gemeinsamen Tour.

Die Routen passen nicht zu den geladenen Karten

Am nächsten Wochenende geht’s in die Pyrenäen. Die letzte große Tour in diesem Jahr. Von Macon aus wollen wir in drei Tagesetappen bis auf die spanische Seite des mächtigen Gebirgsmassiv fahren.

Die Routen sind geplant – gestern Abend habe ich sie auf den alten, aber bewährten Garmin 278 überspielt. Danach eine kurze Kontrolle, ob aller geklappt hat – von wegen! In Frankreich lassen sich alle Etappen aufrufen, in Spanien erscheint die Fehlermeldung, dass die Routen nicht zu den geladenen Karten passen. Was ist denn da los?

Schnell noch mal den Rechner angeworfen, alle Routen noch mal neu berechnen – doch nach der Übertragung erscheint die gleiche Fehlermeldung. Mist! Also den noch betagteren 276C rausgekramt, bei dem die Kartendaten immer mit überspielt werden müssen. Und siehe da: hier funktioniert alles. Merkwürdig, oder?

Nach langem Überlegen glaube ich des Rätsels Lösung gefunden zu haben: da die Kartendaten immer größer werden, passt ganz Europa nicht mehr auf den internen Speicher. Also muss beim Übertragen der entsprechenden Feindaten eine Auswahl der Länder getroffen werden, die überspielt werden sollen. Und ich habe wahrscheinlich vergessen, dass wir im Frühjahr Spanien wohl weggelassen hatten …

Gut, dass es immer eine Rückfallebene gibt. Fahre ich halt mit dem 276C in die Pyrenäen. Und beim 278 werde ich die fehlenden Kartendaten auf den externen Speicherstick schieben. Dann sollte auch der wieder funktionieren. Man könnte natürlich auch nach Landkarte fahren …

Eine tolle Woche im Waldviertel

Fünf Tage lang sind wir vom „Drei Hacken“ aus aufgebrochen, um das Waldviertel und die nähere Umgebung zu entdecken. Auf schmalen Güterwegen waren wir unterwegs, haben Burgen und Schlösser entdeckt und konnten die herrliche Aussicht von der Höhenstraße im Mostviertel genießen. Jeder Tag war ein Erlebnis.

Abends haben wir uns von Andi, dem Wirt, verwöhnen lassen, dessen Kochkünste uns immer wieder begeistern. Und Silvi, seine liebenswerte Frau, hat uns umsorgt, als wenn wir zu Hause wären. Da kommen wir doch gerne wieder.

Auch, um mal wieder richtig schöne Endurostrecken unter die Stellenreifen zu nehmen. Die hat uns Andi nämlich auch gezeigt. Die nachfolgenden 1:40 zeigen einen der vielen Wege, die wir mit unseren Enduros „erwandert“ haben. Toll war´s – danke!

 

Heimfahrt mit Hindernissen

Um kurz nach sechs weckt mich eine Fliege, die meint, auf meinem Gesicht herumkrabbeln zu müssen. Einmal wach, beschließe ich, mit der Heimfahrt nicht mehr bis nach dem Frühstück zu warten sondern gleich aufzubrechen. Um viertel vor sieben rollt der Ducato.


Ich bin nicht der Erste, der sich früh auf den Weg macht. Peter, Harald und Uli sowie Klaus und Michael, die jeweils mit Auto und Anhänger angereist sind, wollten schon um fünf Uhr früh aufbrechen – die Sorge, an der Grenze von Österreich zu Deutschland in langwierige Personenkontrollen zu geraten oder im weiteren Verlauf in elende Baustellenstaus – hat so manchen zu nachtschlafender Zeit los fahren lassen.

Die Grenze zu Österreich passiere ich vorsichtshalber auf kleinen Nebenwegen nahe Obernberg am Inn. Dabei wird die ganze Absurdität der „Sicherung unserer Grenzen“ deutlich. Auf der Autobahn steht die Polizei bei Pöcking und produziert kilometerlange Staus, nicht weit davon entfernt passiere ich die Grenze auf einer Nebenstrecke, ohne kontrolliert zu werden. Sinnloser Aktionismus, wie es scheint.


Im weiteren Verlauf der Heimreise lobe und verfluche ich „mein Navi“. Das Garmin 390 macht, anderes als mein altes heißgeliebtes 278, nicht immer, was ich will. Insbesondere die Neuberechnung von geplanten Routen treibt mich regelmäßig in den Wahnsinn. Auch heute!

Zunächst aber bin ich begeistert. Der Verkehrsfunktdekoder warnt mich zuverlässig vor Staus und schlägt nette Alternativen vor. So umgehe ich frühzeitig eine unfallbedingte Vollsperrung der A3. Glück gehabt.


Es läuft recht flüssig. Ein kurzer Tankstopp, ein kleiner Imbiss und schon geht’s weiter. Um die vielen Baustellen zwischen Nürnberg und Würzburg zu umgehen, fahre ich über die A70 Richtung Schweinfurth. Dann soll es eigentlich in einem weiten Bogen über die A7 Richtung Fulda und dann über die A61 zurück nach Fulda gehen – eigentlich …

Eine neuerlich Stauwarnung vor dem Autobahndreieck nahe Würzburg  lässt das Garmin 390 eine Alternativroute berechnen. Über Landstraßen in einem kleinen Bogen zur A7 – ist ja nicht mehr weit; dachte ich.

Doch der 390er berechnet den vermeintlich kürzesten Weg und der führt – zumindest kilometermäßig – über die A3. Da will ich aber nicht hin. Keine Ahnung, warum das Navi nicht auf die geplante Route zurückführt.

Plan B ist gefragt: über Landstraßen gen Heimat. Das klappt mit dem 390er wieder ganz gut – so dass ich kurz vor 16 Uhr endlich wieder zu Hause bin. Ende einer Heimfahrt mit einigen Hindernissen.

Auf Höhenwegen durchs Mostviertel

Tausche Schotter gegen Asphalt – heute möchte Stefan mal mit den Enduro-Wanderern fahren, also übernehme ich eine Straßengruppen. Das Mostviertel ist das Ziel der heutigen Tages, eine besondere Empfehlung die dortige Panoramastraße.

Auf kleinen Güterwegen fahren wir bis zur Donau und wechseln alsbald die Uferseite. In Neuhofen an der Yps legen wir die erste Kaffeepause ein. Sogleich Gesellen sich zwei Österreicher zu uns, die sich als Motorradfahrer outen. Interessiert begutachten sie die Honda von Axel, der dank „Automatikgetriebe“ Kupplungs- und Schalthebel fehlen. Doch statt – angesichts dieser technischen Innovation – in Ehrfurcht zu erstarren meinen sie nur launig: „Aha, behindertengerecht“. Wie gemein 😉


Auf kleine Wege erkunden wir anschließend das Mostviertel, in dem erstaunlicherweise gar nicht so viele Apfelbäume stehen. Dann geht es auf die „Höhenstraße“. Die zieht sich über viele Kilometer quasi einen Kamm entlang und bietet immer wieder prachtvolle Ausblicke. Die Fahrt hier entlang, ist echt ein Traum.


Unterwegs legen wir in einem kleinen Berggasthof eine idyllische Mittagsrast ein und genießen die atemberaubende Fernsicht. Dann gebt es so langsam zurück Richtung Yspertal.


Früher als sonst treffen wir im Hotel ein, wollen viele doch ihr Motorrad noch auf den Anhänger oder im Kleintransporter verladen.


Auch die Endurotruppe ist schon da – und hatte wieder einmal jede Menge Spaß mit Andi, dem ortskundigen Führer und Wirt des „Drei Hacken“. „Ein schöner Ausklang heute mit hohem Schotteranteil“ lautete das allgemeine Fazit.

Nach dem wieder einmal ausgezeichneten Abendessen sitzen wir am letzten Abend dieser abwechslungsreichen Reise noch lange zusammen und stoßen auf die vielen gemeinsamen Erlebnisse an.


Morgen gehts nach Hause. Die ersten wollen schon früh um 5 Uhr aufbrechen. Grenzkontrollen zwischen Österreich und Deutschland haben auf der Hinfahrt für kilometerlange Staus gesorgt; ähnliches wird auch jetzt am Wochenende zu befürchten sein.

Fahren wir mal zum Gipfelkreuz

Zwei Tage bleiben uns noch im Waldviertel – der heutige sollte für die Enduristi besonders erlebnisreich werden.

Zunächst aber gilt es Profanes zu tun: an Charlys GS hat das Rücklichtbirnchen wohl einen Wackelkontakt und brennt mal, mal brennt es nicht. Das tut es zwar schon seit Wochen (oder eben auch nicht), aber heute, um viertel vor neun, muss es unbedingt gewechselt werden. 

Dem armen Dieter sollte die Aufgabe zufallen, die Fehlerursache zu diagnostizieren und am besten gleich zu beheben. Der Wackler war schnell gefunden, der Birnchentausch war da schon schwieriger. Natürlich brach das Glas vom Sockel, der mühsam mit einer Zange aus dem Rücklicht „notoperiert“ werden musste. Dann aber leuchtete alles, wie es sollte.

Für die Endurofahrer begannen die Abenteuer wenig später. Kurz hinter dem Hotel führte ein steiler und sehr ruppiger Weg bergan. Der war mir noch von unserer ersten Waldvierteltour (vor vier Jahren) als nicht so ganz einfach fahrbar in Erinnerung. Als Jörg etwas den Schwung verlor und Klaus sich mit eben diesem vorbeimogeln wollte, strauchelte er ein wenig und kippte kopfüber vom Motorrad. Da saß er nun – und lachte.


Zu zweit konnten wir seine kleine Yamaha wieder auf die stollenbereiften Räder stellen – und schon gings weiter.

Am nächsten Anstieg grub sich die GS dann mit dem Hinterrad ein. Einmal die falsche Spur erwischt und schon ging es keinen Zentimeter mehr weiter. Viel Gas half garnichts: das Hinterrad drehte nur durch und die Kupplung fing an zu stinken.


Mit vier Mann wuchteten wir den schweren Zweizylinder aus der tiefen Kuhle und versuchten, die GS vorsichtig rückwärts so den Hang herab zu rangieren, dass die Räder wieder auf festem Untergrund standen. Ein hartes Stück Arbeit.

Im zweiten Anlauf klappte es dann problemlos, so dass wir schon bald das erste Ziel des Tages erreichen konnten: das Gipfelkreuz. Um dorthin zu gelangen mussten wir tatsächlich ein paar Schrittw laufen: Endurowandern eben 😉


Die Mittagspause legten wir im „Mohndorf“ Armschlag ein, suchten das Restaurant „Zum Mohnwirt“ auf uns aßen „Mohnkäse“ mit Speck.

Natürlich führte uns die Route anschließend durch weite Mohnfelder – und anschließend mal wieder in einen Wald. Die geplante Route war mit einer Schranke und dem Verbotsschild „Forststraße“ blockiert. Also galt es spontan eine Alternative zu suchen.


Die erste scheitere kläglich, als Andi seine KTM auf  einer Wiese in einem kleinen Wassergraben „versenkte“. Beim zweiten Versuch „verirrten“ wir uns im Wald. Uns war nicht ganz klar, ob der Hinweis auf eine Forststraße für den Weg galt, auf den wir abgebogen waren oder für den Schotterweg daneben. Das machte uns schon bald ein junger Landwirt klar, der uns unvermutet mit einem riesigen Traktor folgte.

Zunächst sah es so aus, dass wir ein wenig schneller wären, doch in einer Lichtung gab es kein Weiterkommen. Wir mussten wenden. Da aber war der Landwirt vor. Der fragte erbost, was wir hier machten? Andi erklärte ihm, dass wir uns wohl verfahren hätten und den Weg nach Winterberg suchen würden. Im tiefsten niederösterreichisch wurde daraufhin lautstark diskutiert – dann aber beugte sich der Waldbesitzer über die Karte im Tankrucksack der KTM und zeigte uns den Weg. So konnten wir  – in aller Freundschaft – den geordneten Rückzug antreten.

Weit sollten wir nicht kommen. Schon bald stoppte Andi an einem alten Bahnübergang, um zu erfragten, ob wir Lust hätten, rund fünf Kilometer über das alte Schotterbett zum nächsten Übergang zu fahren. Die Entscheidung nahm uns Peter ab: seine KTM hatte einen Plattfuß vorne – nix mit Schotter fahren.


Da der mitgeführte Kleinkonpressor nicht genügen Luft in den Schlauch pumpen konnte, wollten wir uns – ganz langsam fahrend – auf den Weg zur nächsten Tankstelle machen. Nach gut 1000 Metern kamen wir an einem Haus mit großer Garage vorbei, in der zwei Motorräder standen. Der Besitzer war gerade dabei die Fassade zu verputzen und sah irgendwie nach „Schrauber“ aus. Kurzerhand stoppte Harald und fragte, ob er zufälligerweise einen Kompressor hätte – hatte er! Nutze aber nix: der Schlauch war wohl durchs Walken mittlerweile so kaputt, dass die Luft schneller raus als reinströmte.

Nun war guter Rat teuer. Wir könnten in Hotel fahren und das Motorrad mit dem Auto und Anhänger holen, war eine der Gedanken. Und dann am Hotel reparieren. Schlauch und Montiereisen wären vorhanden. Dann hatte Jörg eine geniale Idee: Vielleicht gibt es in der Nähe ja einen Reifenhändler, meinte er.


Flugs war das Vorderrad ausgebaut, auf der KTM von Harald festgezurrt und schon gings los. Eine Stunde später war der Schaden behoben und alle Enduros waren wieder fahrbereit.

Mehr sollte heute nicht passieren. Viel gefahren sind wir nicht – „nur“ gut 120 Kilometer -, dafür haben wir viel erlebt. Davon konnten wir den Anderen beim Abendessen ausführlich erzählen.