Archiv des Autors: kurvenfieber

Vier Stunden zu spät

Das wird ein wunderbarer Tag werden: Sonne satt, blauer Himmel, kleine Pässe ohne Ende und schmale Straßen, die kaum geradeaus führen.

Gleich nach dem Frühstück gehts los: auf uns wartet eine abenteuerliche Schlucht. Der Weg dorthin: ungewiss. Laut Navi erst mal unbefestigt – entsprechend einiger Berichte im Internet dennoch problemlos fahrbar – in der Realität durchweg asphaltiert. Und die Schlucht? Ein Traum!


Wir fahren uns fast schwindelig. Es geht bergauf und wieder bergab, links rum, rechts rum, dann in abenteuerlichen Kehren und immer wieder durch eine faszinierende Landschaft. Nach gut eineinhalb Stunden atemberaubender Fahrt wird es Zeit für eine erste Pause. In Pont-en-Royans finden wir ein Hotel am Straßenrand, dessen Bar tatsächlich geöffnet hat.


So langsam schiebt sich die Sonne am alten Kirchturm vorbei, nach den ersten 70 Kilometern Aufmerksamkeit, genießen wir die Idylle.


Weiter geht´s Richtung Combe Laval, einer spektakulären Straße, die dem Berg abgetrotzt ist und förmlich an der Felswand hängt. Doch wir kommen vier Stunden zu spät. Seit 8 Uhr ist die Strecke gesperrt. Bis Anfang Oktober sollen die Sicherungsarbeiten dauern. Große Stahltore versperren die Zufahrt, die mit schweren Eisenketten gesichert sind – hier gibt es kein Durchkommen. Schade …


Doch auch die weiteren Schluchten, durch die wir fahren, sind abenteuerlich. Immer wieder laden zudem herrliche Ausblicke zu einem kurzen Fotostopp ein.
Rechtzeitig zum Mittagessen finden wir ein kleines Lokal und begnügen uns mit einer kleinen Vorspeise. Alles sehr lecker, wenngleich Thomas Zweifel zu haben scheint, das Richtige bestellt zu haben …


Die Kaffeepause legen wir in einer kleinen Mühle ein, die Übernachtungen anbietet. Eigentlich ist man hier nicht unbedingt auf nachmittägliche Gäste eingestellt – eine Kanne Kaffee auf der Terasse ist aber für uns drin – und ein paar Kekse gibt es noch dazu.


Während wir die Pause genießen, brummt Dieter vorbei, der wenig später ebenfalls eine Möglichkeit zur Kaffeepause findet.

Kurz nach 18 Uhr sind wir wieder im Hotel. Das Feierabendbier schmeckt; war ein toller Tag heute.


Zum krönenden Abschluss gibt es das Abendessen auf der Terrasse – vor spektakulärer Kulisse.


Dass wir dann noch einen Mondaufgang über den Bergen von Rencurel erleben, ist das Tüpfelchen auf dem i. Schön wars, wir freuen uns schon auf morgen …

Auf dem Weg ins Vercors

Diesmal lag der Wetterbericht richtig. Nach einer regenreichen Anfahrt war für den Sonntag nur Sonne versprochen. Und die schob sich, schon am frühen Morgen, über die Berge. Punkt acht Uhr stürmten wir das Frühstücksbüffet und stärkten uns für die vor uns liegenden Kilometer.


Kurz nach 9 Uhr brummten dann die Motoren. Der „Grand Columbier“ war das erste Ziel. Auf kleinen kurvenreichen Straßen – die manchmal noch im Morgennebel lagen – unternahmen wir einen kleinen Schlenker gen Westen und knackten so schon bald die 1.000 Meter-Marke. Auf der Fahrt hinunter ins Tal fand sich sogar eine Bar, die offen hatte und in der Motorradfahrer ausdrücklich willkommen waren.


Über den kurvenreichen „Mont du Chat“ fuhren wir nach Chambery, wo Dieter – mitten im Zentrum, im Schatten der imposanten Kirche und unter alten Bäumen ein nettes Lokal zur Mittagsrast fand. Ein leckerer Teller mit heimischem Käse, etwas Wurst und Schinken – garniert mit ein paar Walnüssen – war da genau das Richtige.


Nach dem Essen galt es erst einmal Chaos zu veranstalten: vorsichtshalber wollten wir tanken, an der Tanke selbst gab es aber nur zwei Zapfsäulen mit Barzahlung und vier mit Karte – die natürlich nicht bei allen funktionierte. Also würden die Motorräder hin und her geschoben, bis alle an der Zapfsäule standen, an der es auch Sprit gab. Derweil wurde die Schlange wartender Autos immer länger …


Auf herrlich kleinen Straßen ging es immer weiter Richtung Süden – durch eine erste atemberaubende Schucht.


Allein die Suche nach einem Café gestaltete sich am Nachmittag schwierig. Also legten wir unterwegs nur eine kleine Pause am Straßenrand ein, um uns wenigsten ein wenig die Füße vertreten zu können. Ich nutze die Gelegenheit, um schon mal ein weites Stück vorauszufahren, versprach doch eine der kleinen „Ds“ spektakuläre Bildmotive.
Ich musste lange fahren, bis ich einen geeigneten Platz finden konnte. Auf einer kleinen Anhöhe passt alles. Links eine Wiese mit alten Bäumen vor hohem Fels. Rechts eine Herde Schafe. Vor mir eine Straße, die sich kurvig ins Tal schlängelte und aus der Richtung, aus der die Moppeds kommen sollten, ein riesiger Berg, der von der Abendsonne beschienen wurde, als Hintergrund – Idylle pur.


Jetzt mussten nur noch die Motorradfahrer kommen – aber sie kamen nicht. Eine kleine Panne hatte für Zeitverzögerung gesorgt, so dass Dieter – der mich viel früher vermutete – ausgerechnet jenen Schlenker über die kleine Straße wegließ – an der ich wartete. So ein Ärger aber auch.

Nach diesem Missverständnis wurde es dann doch etwas später, bis alle im Hotel waren – Hauptsache, es war nichts passiert. Zudem waren die Versuche, die „schwächelnden BMW“ wieder zum Leben zu erwecken (zunächst) erfolgreich. Insofern: alles gut 😉


Morgen wollen wir eine erste kurvenreiche Runde durchs Vercors unternehmen.

Highway to hell

Was für eine Anfahrt nach Saint Blaise! Und dabei hatten wir das doch so schön geplant …


Zunächst durch die Pfalz nach Kandel und da noch mal volltanken. Dann über die A35 Richtung Straßburg und über Colmar weiter nach Basel. Rüber in die Schweiz und dann ganz entspannt immer Richtung Süden. Denn schneller als 120 km/h sind im Land der Eidgenossen sowie so nicht erlaubt.

Meist lag das Tempo deutlich drunter. Denn irgendwie schien die ganze Schweiz an diesem Samstag Richtung Bern unterwegs zu sein. Die Autobahn war so voll, dass die Beschreibung „zähfließender Verkehr“ noch geschmeichelt war.


Das kostete natürlich Zeit, so dass ich erst gegen 18:30 Uhr im Hotel eintraf – ich war allerdings auch erst um 10:30 Uhr losgefahren. Beim Einchecken erfuhr ich dann auch, wo die nächste Tankstelle war. Doch die ließ sich um diese Uhrzeit nur noch per Automat bedienen. In Frankreich oft ein Abenteuer ;-(

Also EC-Karte rein und die Pinnummer eingetippt. Das funktionierte schon mal. Jetzt die Zapfsäule ausgewählt und die Zapfpistole mit „Gasole“ ausgewählt. Doch jetzt passiert erst mal nichts. Erst als ich die EC-Karte aus dem Schlitz ziehe, fließt der Diesel. Das muss einem doch mal gesagt werden …


Auf dem Weg zurück ins Hotel bietet sich ein herrlicher Blick in ein von der Abendsonne beschienene Tal nahe Annecy. Herrlich!


Bald darauf gibt es Abendessen. Drei Gänge, die zu überzeugen wissen. Schon die Vorspeise einfach nur lecker.


Auch die Hauptspeise: ein Genuss!


Und erst der Nachtisch: ein kleines Schokotörtchen mit warmer Schokofüllung. Mmmhm …


Müde und zufrieden gehen wir wenig später zu Bett. Morgen wollen wir gemeinsam ins Vercors fahren.


Gute Nacht.

Naturgewalten

Mitte Juli waren wir in Obertauern und haben dort herrliche Tage im Hotel Solaria verlebt. Heute erreicht uns über Facebook die folgende Hiobsbotschaft: Gewaltige Regenschauer habe zahlreiche Geröll-Lawinen ausgelöst, so dass am Tauernpass nichts mehr geht. Obertauern ist nicht mehr erreichbar.


Auch wir haben am Tauernpass ein Gewitter erlebt. Das war aber harmlos.

Wir drücken Euch die Daumen, dass die Straßen bald wieder befahrbar sind. Nachfolgend der Original-Post des Hotel Solaria.

Aktuelle ANREISE INFORMATION:

Leider wird unsere Region – so wie der halbe Alpenraum – derzeit von heftigen Unwettern mit Starkregen und Hagel heimgesucht. In der letzten Nacht kam es zu zahlreichen Überschwemmungen und auch Vermurungen der B99 beiderseits des Passes.

Zwar soll sich das Wetter morgen (07.08.2017) beruhigen – siehe http://www.zamg.ac.at/cms/de/wetter/wetteranimation – aber auch für heute Nacht sind noch einmal ausgiebige Niederschläge angesagt.

Im Moment ist Obertauern auf der Straße nicht erreichbar, die B99 ist sowohl zwischen Obertauern und Untertauern (aus Salzburg kommend) wie auch zwischen Obertauern und Tweng (aus Richtung Graz & Villach kommend) gesperrt.

Nach derzeitigem Wissensstand wird die Südseite voraussichtlich morgen wieder geöffnet werden können.

Die Nordseite Richtung Untertauern wird voraussichtlich noch gesperrt bleiben.

Unter https://www.oeamtc.at/verkehrsservice wenn man im Suchfenster noch b99 eingibt, bekommt man die aktuelle Meldung.

Auf http://www.asfinag.at/ werden auch die aktuellen Behinderungen sehr gut angezeigt

Voraussichtlich wird morgen also die Anreise nach Obertauern nur über die Südrampe Mauterndorf, Tweng, Obertauern möglich sein.

Aus der Richtung von Salzburg bedeutet das, dass die Anreise nur über die A10 und den Tauerntunnel bei Flachau möglich sein wird. Bitte also nicht vergessen spätestens am Grenzübergang Walserberg eine Autobahn-Vignette zu kaufen. Preis für die 10 Tages Motorradvignette sind € 5,10, PKW € 8,10 (http://www.asfinag.at/maut-vignette/vignette/).

Der Sölkpass als Alternative zum Tauerntunnel ist derzeit auch gesperrt.

Anreise von Norden über die A10 Tauernautobahn Richtung Villach bis Ausfahrt St. Michael im Lungau. Durch St. Michael i.L. durchfahren dann links auf die B99 einbiegen und dieser über Mauterndorf und Tweng bis Obertauern folgen.

Fotoalbum vom Endurowandern

Herrlich war sie, die Woche Endurowandern – vom Hotel Solaria in Obertauern nach Ravascletto im Friaul und wieder zurück. Christian – Chef vom Solaria und zugleich unser Guide – hat seine Bilder in einem kleinen Album zusammenfasst.

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Du findest die Fotos unter folgendem Link:

Fotoalbum Christian

Aufbruch im Morgengrauen

Es geht nach Hause – nach einer herrlich kurven- und erlebnisreichen Woche des Motorradfahrens. Die völlig überflüssigen Kontrollen an der österreichisch-deutschen Grenze – die häufig kilometerlange Staus verursachen (und sich abseits der Autobahn „von bösen Buben“ problemlos umfahren lassen) – bringen so manchen dazu, schon vor dem Frühstück zu starten.


Auch mein Wecker klingelt morgens um fünf. Als ich auf den kleinen Balkon meines Zimmers trete, um mal nach dem Wetter zu schauen, steigt gerade Stefan auf sein Motorrad. Er will die knapp 700 Kilometer bis nach Hause fast durchweg auf Landstraßen zurücklegen.

Um zwanzig nach fünf brummt der Ducato. Dichte Wolkenschwaden hängen in den Bergen, der Tag bricht so langsam an.


Schnell ist die Autobahn erreicht. Die Grenze rückt näher. Ich muss auf die rechte Spur, die extra für Busse, Lastwagen und Kleintransporter eingerichtet wurde, werde aber durchgewunken. In ein paar Stunden wird es hier anders aussehen.

Auch der Münchner Ring lässt sich problemlos passieren, ebenfalls die vielen Baustellen auf der A3. In der Gegenrichtung hingegen auch jetzt schon viel Verkehr und zahlreiche Staus. Das frühe Aufstehen hat sich gelohnt.

Es bleiben viele Erinnerungen und schöne Erlebnisse – tolle Strecken, faszinierende Landschaften, nette Teilnehmer und ein kleiner Aufreger, am letzten Tag, beim letzten Anstieg hinauf nach Obertauern: Nach einem sportlichen Überholmanöver wird einer der Teilnehmer von einem am Straßenrand stehenden Polizisten herausgewunden. Geahndet wird schließlich kein Tempoverstoß oder das Überfahren einer durchgezogenen Linie, nein, das Fehlen des in Östereich vorgeschriebenen Verbandskasten wird bemängelt. Kostet 15 Euro und sorgt für hitzige Diskussionen beim Abendessen.


Wir kommen trotzdem wieder. Das „grenzenlose Motorradfahren“ hat uns wieder gefallen, in den Hotels Solaria und im Bellavista habe wir uns gut aufgehoben gefühlt. Dank an die Tourguides, die wieder einen tollen Job gemacht haben und an Christian, für die grandiosen Endurowanderungen. Nicht zu vergessen die gute Küche sowie die freundlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beider Hotels – es hat einfach alles gepasst. Danke.

Von Alm zu Alm

Den letzten Tag unserer Endurowanderung rund um Obertauern lassen wir beschaulich angehen. Keine große Strecke, lieber ein paar geschotterter Abstecher in die Berge.


Um 9 Uhr starten die beiden „Straßengruppen“, wir Enduristen gut eine Stunde später. Die 1200er RT von Jörg verliert am Hinterrad Luft – im Augenblick zeigt die interne Abzeige gerade einmal 0,3 bar. Also wird der Komprossor angeworfen,  ordentlich Luft aufgepumpt und dann der nächste Reifenhändler in Tamsweg angefahren. Der ist von Christian, dem Wirt vom Solaria, schon informiert und verspricht, umgehend einen neuen Reifen aufzuziehen.


Wir fahren derweil Richtung Radstadt. Eine endlose Autokolonne kommt uns entgegen. Stoßstange an Stoßstange quälen sich Wohnwagengespanne und Wohnmobile den Tauernpass hinauf – vor dem Tunnel, unten im Tal, scheint wohl Blockabfertigung abgesagt.

Auf Nebenwegen geht es zunächst Richtung Schladming, so dass wir auf der „Trinkeralm“ das erste Kaffeepäuschen einlegen können.


Eine schön geschotterte Trasse führt durch den Wald auf fast 1700 Meter hinauf. Kaum haben wir auf der Terrasse Platz genommen, kommt auch schon die Sonne heraus. Die Aussicht ist ein Traum und so genießen wir die Zeit hoch oben am Berg.


Ein paar Kilometer weiter östlich liegt die Reiteralm. Ein kleines mautpflichtiges Sträßchen führt vorwiegend unbefestigt zu dieser Alm. Auch hier ist die Aussicht unbeschreiblich.


Wieder sitzen wir bei bestem Wetter im Freien und genießen erst einmal ein großes Glas Buttermilch. Dann wird die Speisekarte studiert. Das Bauernfrühstück – mit Bratkartoffeln, Speck, Salat und Spiegelei – sticht uns ins Auge. Das letzte Mittagessen auf einer Alm darf durchaus etwas deftiger sein.


Auf dem Weg hinunter ins Tal stoppt Christian kurz und fragt, was wir mit dem angebrochenen Nachmittag anfangen wollen? Auf kleinen (asphaltierten) Straßen Richtung Dachstein und dann zurück nach Obertauern fahren? Oder gleich Richtung Hotel und am Radtstädter Tauern noch einen geschotterten Abstecher zur Tauernkar-Alm unternehmen? Keine Frage, wie für Entscheidung ausfällt, oder?

Noch einmal lassen wir es munter laufen und stürmen auf ruppigen Waldwegen stetig bergan. Am Ende der fünf Kilometer langen Stichstraße stoßen wir auf ein Idyll: eine romantische Almhütte im Schatten eines mächtigen Bergmassivs, neben der Terrasse grasen ein paar Kühe und zu allem Glück scheint auch noch die Sonne.


Drinnen wird auf offener Flamme gekocht so dass es immer wieder nach verbranntem Holz riecht. Als die Wirtin dann fragt, ob wir zum Kaffee auch einen Apfelstrudel wollen, können wir nicht nein sagen – das muss jetzt einfach sein.


Satt und zufrieden treten wir die Heimreise an. Jetzt lassen wir die Enduros nur noch beschwingt über den Schotter rollen.


Noch ein kurzer Fotostopp am mystisch im Wald liegenden Hinterkar-See, dann geht es noch einmal den Radstädter Tauern hinauf.


Gegen 17 Uhr sind wir wieder am Hotel Solaria, dann wird „verladen“. 20 Minuten später steht die DR 650 im Ducato und ein Blick aufs Profil zeigt: wir haben doch ordentlich was weggerubbelt 😉


Schön war sie, die Woche in Obertauern und Revascletto. Sowohl auf der Straße, wie auch beim Endurofahren, haben wir ordentlich was erlebt. Unter dem Motto „senza confini“ – was soviel wie grenzenloses Motorrad fahren heißt – bietet Christian vom Hotel Solaria eine solche Woche für alle Motorradfahrer an, die in einer (kleinen) Gruppe unterwegs sind: als Straßen- und/oder als Endurotour.

Mehr Bilder von „unserer“ Motorradwoche findest Du bei Facebook unter http://www.facebook.com/kurvenfieber.

Uns hat es Spaß gemacht, wir freuen uns auf ein Wiedersehen – vielleicht im September im Vercors? Info-Anfragen gerne unter kurvenfieber@mac.com

Katschberg statt Nockalm

Der Regen, der uns gestern auf den letzten Kilometern nach Obertauern begleitet hatte, hat sich verzogen – heute morgen scheint die Sonne und die Welt ist wieder in Ordnung.


Nach dem langen Ritt von fast 370 Kilometern am gestrigen Tag, wollen wir es heute etwas ruhiger angehen lassen. Die beiden „Straßengruppen“ starten kurz nach neun Uhr, die Endurofahrer gut eine Stunde später.


Vorbei an Mauterndorf fahren wir durchs Lungau und streifen ein wenig die Steiermark.


Bei Stadl an der Murr nutzen wir die Gelegenheit für einen Tankstopp und folgen anschließend der kurvenreichen L 511 Richtung Süden, hinauf auf die Flatnitz. Nahe Altmark legen wir dann im Schatten einer alten Wehrkirche – die zu den ältesten in der Region zählt – eine kleine Kaffeepause ein.


Angesichts der hochsommerlichen Temperaturen wäre ein Eiskaffee jetzt nicht schlecht. „Wollts Ihr einen normalen – also mit Kaffee und zwei Bällchen Vanilleeis oder die Wiener Variante, die eher eine trinkbare Creme ist“, werden wir gefragt? Neugierig wie wir sind, entscheiden wir uns für die zweite Variante und werden angenehm überrascht.


Kurz darauf wird es wieder staubig. Auf unbefestigten Wald- und Schotterwegen fahren wir zur „Wegscheide“. An der Kreuzung zweier kleiner Wege hoch oben am Berg steht ein kleines Gasthaus, davor mächtige alte Bäume, darunter Biergarnituren. Ein herrliches Plätzchen!


Wir dürfen auf der Terrasse Platz nehmen und studieren erst einmal die handgeschrieben Karte. Speckknödel oder „faschierte Laibchen“ – wir würden Frikadelle sagen – sind unsere Favoriten.


Weil es so schön ist, verbummeln wir ein wenig die Zeit und machen uns dann auf den Weg nach Tramoitschig. Da gibt es eine Werkstatt, in der vornehmlich BMWs „veredelt“ werden. Da Christian im August zum R nineT-Treffen lädt, soll die geplante Ausfahrt hierher führen – da wollen wir uns doch schon mal vorab informieren.


Auf kleinen und zum Teil geschotterten Wegen geht es weiter zum Ossiacher See – dem südlichsten Punkt unserer heutigen Tour. Dann halten wir uns Richtung Spittal.

Über dem Millstätter See brauen sich zwischenzeitlich dunkle Wolken zusammen. Jetzt zahlt es sich aus, dass wir beim Mittag so getrödelt haben. Denn der Regen ist schon durch, als wir im Drautal ankommen. Doch das Wetter bleibt unbeständig. Irgendwo blitzt und donnert es noch immer.

Wir lassen den geplanten Schlenker über die Nockalm deshalb sprichwörtlich rechts liegen und schlängeln uns auf Nebenstraßen nach Gmünd. Jetzt müssen wir nur noch über den Katschberg. Kurz vor dem Gipfelsanstieg brauen sich auch hier dunkle Wolken zusammen, so dass wir lieber den nächsten Parkplatz ansteuern und die Regenkombis anziehen.


Ein cleverer Schachzug, wie sich herausstellt. Denn zwischenzeitlich zieht das Gewitter über den Berg, so dass wir eigentlich nur noch mit nassen und leicht rutschigen Straßen an den Steilstücken und Gefällestrecken zu kämpfen haben. Hinter Mauterndorf, beim Anstieg zum Radstäder Tauern sind die Straßen schon wieder trocken – und oben am Pass scheint sogar die Sonne.


Das Feierabendbier haben wir uns redlich verdient. Morgen noch eine letzte Tour und dann geht es auch schon wieder nach Hause.

Fast wie in den ersten Jahren

Heute heißt es Abschied nehmen. Von Ravascletto geht zurück nach Obertauern, ins Hotel Solaria. Drei Fahrtage bleiben uns noch – und die wollen wir reichlich auskosten.

Nachdem die beiden Straßengruppen gestern Richtung Slowenien unterwegs waren, soll es heute über den Plöcken Richtung Pustertaler Höhenstraße gehen und dann so langsam nach Obertauern. Die Endurogruppe wird hingegen die „Drei-Länder-Tour“ unter die Stollenreifen nehmen und an Kilometern „aufholen“, was in den vergangenen Tagen nicht unbedingt zu kurz gekommen ist. Gut 360 Kilometer werden es am Ende sein, mit nur einer kleinen Schotterpassage, dafür aber fahrerisch mehr als reizvoll.


Gegen neun Uhr starten die Straßengruppen, die Endurofahrer wenig später. Zunächst schlängeln wir uns rechts des Flusses But nach Tolmezzo, wo wir einen ersten Tankstopp einlegen.


Dann folgen wir dem Tagliamento, um kurz vor Carnia auf ein kleines Schottersträßchen abzuzweigen. Nach wenigen Kilometern bietet sich die Gelegenheit zum Fotostopp, die wir natürlich nutzen.


Bei Carlocio setzen wir den Blinker rechts und folgen der Straße nach Sella Nevea. Bis auf 1195 Meter schraubt sich die schmale kurvenreiche Straßen, die durch zahlreiche unbeleuchtete Kehrentunnels führt.


Am Rande des kleinen Wintersportortes legen wir eine Kaffeepause ein.


Dabei genießen wir die Aussicht auf die Julischen Alpen.


Nahe des „Lago de Predil“ überqueren wir die Grenze nach Slowenien und gönnen uns kurz darauf einen Abstecher hinauf auf den Mangart. Die so genannte Lahnscharte ist mit knapp 2100 Metern der höchste abfahrbare Punkt in Slowenien. Fünf Euro Maut kostet das Befahren – die sollte man sich gönnen. Gut elf Kilometer geht es auf schmaler Trasse stetig bergan, durch einige unbeleuchtete Tunnels, bis zum Hochplateau.


Für Menschen mit Höhenangst ist die völlig ungesicherte Abrisskante – die einen fantastischen Blick nach Italien bietet – nichts. Wer genau hinschaut, entdeckt einige Grenzsteine, stoßen hier oben doch auf schmalem Grat Slowenien und Italien aneinander.

Gemeinsam fahren wir wieder ins Tal, immer an der Felsflanke entlang und zumeist ohne Randsicherung.


In Log Pod Mangartom legen wir die Mittagspause ein und gönnen uns – obwohl schon in Slowenien – noch mal eine leckere Pizza.


Es ist schon nach 15 Uhr als wir wieder aufbrechen. Und bis Obertauern sind es noch mindestens 160 Kilometer. Gleichwohl muss ein Fotostopp an der Soca sein.


Diesmal halten wir an einer ziemlich wackeligen Hängebrücke …


Vor uns liegt der Virsc mit seinen 50 Kehren – 25 asphaltiere bergauf und 25 kopfsteingepflasterte bergab, wenn man den Pass – wie wir – von Süd nach Nord fährt. Eine der Besonderheiten dieses imposanten Gebirges ist ein „Felsenfenster“, das wir natürlich im Bild festhalten.


Über den steilen Wurzenpass fahrend, erreichen wir anschließend Österreich und nehmen Kurs auf Villach. Noch einmal müssen wir tanken.


Fahren wir direkt oder nehmen wir einen Umweg in Kauf, um vielleicht nicht nass zu werden? Das ist die Frage, die wir jetzt zu klären haben. Wir entscheiden uns für einen Abstecher über die Turracher Höhe, ist da der Himmel doch sonnig und blau. Dann sind es aber 136 Kilometer bis Obertauern …

Den kurzen Fotostopp auf der Turracher Höhe nutzen wir gut eineinhalb Stunden später, um vorsichtshalber die Regenkombis abzuziehen. „Die letzten zehn Kilometer könnten feucht werden“, meint Christian mit Kennerblick – und sollte Recht behalten: 12,3 Kilometer vor der Passhöhe bricht ein Gewitter über uns herein.


Um kurz vor halb acht stehen wir vorm Solaria – fast wie in früheren Zeiten. Da sind wir auch immer bis halb acht gefahren und hatten mindesten 350 Kilometer auf der Uhr.

Jetzt schnell unter die Dusche und dann das Bauernbuffet gestürmt, das Peter – der Koch im Solaria – für und gezaubert hat.


Morgen sind wir wieder früher im Hotel, fahren weniger Kilometer dafür aber mehr Schotter. Trotzdem war der heutige Tag fahrerisch ein Erlebnis. Die „Drei-Länder-Tour“ ist immer wieder ein Genuss …

Prosciutto et funghi

Diese Pizza haben wir uns wirklich verdient. Gleich früh am Morgen haben wir uns auf den Weg zum „Passo gentile“ gemacht. Steil und in engen Kehren schlängelt sich das kleine Sträßchen durch den Wald. Manchmal hat man das Gefühl kopfüber zu fahren, so wild ist die Streckenführung. Früher fast durchweg geschottert, ist die Trasse heute bis zum Pass auf fast 1800 Meter asphaltiert – aber immer noch anspruchsvoll zu fahren.


Wie bis nach hier oben Lastwagen kommen sollen, ist mir ein Rätsel. Zumindest ist die Weiterfahrt für alles, was schwerer als 7,5 Tonnen ist, ab hier gesperrt.


Wir genießen die traumhaften Ausblicke, verfolgen interessiert die weitere Streckenführung – ist der Verlauf der Trasse im gegenüberliegenden Hang doch gut zu erkennen – und fangen die eine oder andere atemberaubende Impression im Foto ein.

An einem Abzweig bleibt Christian stehen. „Wenn wir jetzt hier rechts abbiegen, dann sollten wir nach Sauris kommen“, meinte er verschmitzt lächelnd. „Wir sollten mal probieren, ob dieses Teilstück fahrbar ist“ – sprichts, legt den ersten Gang ein und gibt der KTM die Sporen.

Anfangs ist noch alles easy. Dann wird der Schotter gröber, die Strecke ausgewaschener. Nun wirds ein bisschen schweißtreibend. Nicht immer fahren die Moppeds da lang, wie wir es uns dachten. So manche Maschine scheint hier auf dem Geröll ein Eigenleben zu entwickeln. Da hilft eigentlich nur Gas – wenn man sich denn trauen würde.

Nach etlichen anstrengenden Kilometern ist eine erste Anhöhe erreicht. Die fantastische Aussicht lohnt alle Mühe. Der Ausblick ist phänomenal. Schnell wird ein „Heldenfoto“ gemacht.


Wenig später erreichen wir eine kleine Alm und legen verschwitzt und abgekämpft eine kleine Kaffeepause ein.


Dann wird es spannend. Schon von weitem war der weitere Verlauf zu sehen – stellenweise ging es sehr, sehr steil den Berg hinauf. Doch die „Schlüsselstellung“ ist asphaltiert, so dass wir das prachtvolle Panorama von der nächsten Anhöhe „ohne Puls“ genießen können.


Über den Razzo-Sattel geht es dann zur „Forcella Lavardet“, der nächsten Schotterpassage. Auch über die wühlen wir uns durch und erreichen schließlich Sappada. Wir können für Enduros direkt vor der Pizza parken – mehr an Glück ist kaum noch möglich.


Die Pizza ist ein Traum – vor allem die mit Schinken und Pilzen -;wir sind mit unserem Tagwerk recht zufrieden. Bis hierher war es schon mal toll.

Kaum sind die Teller leer gegessen, hallt Donnergrollen durchs Tal. Ein Gewitter kündigt sich an. Während es minutenlang kräftig regnet, vertreiben wir uns die Zeit mit einer lecker Nachspeise. Ist das das berühmte „dolce vita“?


Es dauert nicht lang, dann sind die Straßen wieder trocken. Um den angebrochenen Nachmittag noch sinnvoll zu gestalten, beschließen wir noch einen Abstecher zum Zoufplan zu unternehmen. Das fast 2.000 Meter hoch gelegene Plateau bietet prächtige Ausblicke – und genau in dieser Richtung ist der Himmel schon wieder strahlend blau.


Etliche Kilometer rumpeln wir durch groben Schotter, bis wir auf dem Wendeplatz unterhalb des Ostgrats der „Cimone di Crasulina“ stehen. Die Weiterfahrt verbietet ein Schild mit Landesgesetz. Das sollte besser beachtet werden.


„Der Weg führt auf die Panoramica delle Vette“, meint Christian. Sei aber mittlerweile nur noch mit einem Trialer, ganz viel Mut und mindestens eben so viel Erfahrung machbar. Aber das Befahren ist ja verboten …


Auf dem Weg ins Tal legen wir noch den einen oder anderen Fotostopp ein und sind um kurz nach fünf wieder im Hotel. Was für ein toller Tag – nur um in Sappada Pizza zu essen 😉