Archiv des Autors: kurvenfieber

Motorradrennen am Schleizer Dreieck

TOURBERICHT Fichtelgebirge
Dienstag, 20. Juli 2010 | 3. Tag

Heute geht es in den Osten Deutschlands. Gegen Mittag wollen wir das Schleizer Dreieck erreichen. Einst eine relativ berühmte Natur-Rennstrecke, droht das Straßendreieck heute leider in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

Zunächst fahren wir über die „Münchberger Hochfläche“ nach Blankenberg. Der kleine Ort liegt direkt an der ehemaligen Grenze von Deutschland Ost zu Deutschland West. Hierher zu finden, war relativ einfach. Die Suche nach dem Cafe, in dem wir eine kleine Pause machen wollen, gestaltet sich da schon schwieriger. Wegen Bauarbeiten gesperrte Wege und zahlreiche Einbahnstraßen lassen uns zahlreiche Ehrenrunden drehen, dann aber haben wir unser Ziel erreicht und entspannen uns bei einem leckeren Eiscafé.

Vorbei an der Bleiloch-Talsperre fahrend geht es auf schmalen Nebenwegen nach Schleiz. Nahe der Tankstelle findet sich der Gedenkstein, in den die jeweils Streckenschnellsten eingraviert sind. Früher donnerten hier die Rennsportler mit vollem Tempo mitten durch die Stadt, heute ist das aus Sicherheitsgründen schon lange nicht mehr erlaubt.

Kurz darauf erreichen wir die „Rennstrecke“, die werktags eine ganz normale Bundesstraße ist. Auf der quält sich vor uns gerade ein Lastwagen die Anhöhe hinauf. Merkwürdig, irgendwie. Die Querspange ist als Zufahrt zum Gewerbegebiet ausgewiesen, hier aber haben wir freie Fahrt. Ebenso auf der Start- und Zielgerade. Dann ist Mittagessen angesagt. Im „Luginsland“ haben wir reserviert und genießen im Schatten mächtiger Bäume unsere Pause.

Der Nachmittag führt uns ins obere Saaletal. Zuvor müssen wir jedoch das „Thüringer Meer“ auf einer kleinen Fähre queren. Die kurvenreiche Fahrt entlang des Stausees wird durch einen VW-Bus-Fahrer behindert, der überhaupt kein Interesse zeigt, uns ein wenig Platz zum überholen zu lassen. So genießen wir die Aussicht auf die gewaltigen Wassermassen und geben wenig später wieder Gas.

Entlang der Grenze zu Thüringen geht es nun wieder zurück zum Hotel. Dass hier jahrelang Sperrgebiet war, sieht man der Region glücklicherweise nicht mehr an. Wir streifen den „Naturpark Frankenwald“ und sind nach gut 300 Kilometern Strecke wieder im Hotel. Auch heute gönnen wir uns ein Feierabendbier im Garten und sind rundum zufrieden angesichts der tollen Strecke und des herrlichen Wetters. Motorradfahren kann so schön sein

Vom Pluto zur Sonne – nahe Untersiemau

TOURBERICHT Fichtelgebirge
Montag, 19. Juli 2010 | 2. Tag

Der erste Tourtag unserer Motorradtreise durchs Fichtelgebirge. Nach einem leckeren Buffet am Abend – mit Würstchen, Sauerkraut, Salaten und feiner Hartwurst – stärken wir uns nun ausgiebig am reichhaltigen Frühstücksbuffet. Motorrad fahren kann schon anstrengend sein, oder?

Heute geht es in den Westen, Richtung Coburg. Dort wollen wir dem „Planetenweg“ einen Besuch abstatten. Der Untersiemauer Herbert Göckel ist auf den Gedanken gekommen, unser Sonnensystem im Maßstab 1 zu 850 Millionen zu verkleinern. Nahe Kloster Banz hat er den Pluto platziert, der heute nicht mehr als Planet im eigentlichen Sinne gilt. Auf einer Strecke von gut 10 Kilometern geht es dann nach Untersiemau, wo sich unter anderem Sonne, Mond und Erde finden.

Es ist schon beeindruckend zu sehen, wie groß – oder besser gesagt – klein, der Planet, auf dem wir leben, im Gegensatz zu der in Sichtweite stehenden Sonne ist. Insofern ist der Besuch des „Planetenweges“ lohnend, zumal die meisten Himmelskörper nahe einer Straße stehen, also mit dem Motorrad direkt angefahren werden können.

Nach dem Mittagessen, das wir in Ebern zu uns nehmen, geht es kurvenreich und auf zumeist kleinen Straßen durch die Fränkische Schweiz wieder zurück nach Fichtelberg. Gegen halb sieben sind wir wieder im Hotel, genehmigen uns ein kühles Feierabendbier im Garten und freuen uns aufs Abendessen – und auf die nächsten Tage, die sicher genauso erlebnisreich sein werden

Das Fichtelgebirge entdecken

TOURBERICHT Fichtelgebirge
Sonntag, 18. Juli 2010 | 1. Tag

Es war doch eine gute Idee, auf der Anreise nach Fichtelberg die A3 zu meiden. Und so groß ist der Umweg über die A66 und die A7 gar nicht. Ich sitze in meinem Transit, meine „gelbe G/S“ und die kleine Suzuki DR 350 als Ersatz „im Nacken“ und fahre ins Bayerische. Die Autobahn ist frei, die Sonne scheint – kurz nach zwei werde ich da sein, zuzüglich einer kleinen Pause, die ich mir unterwegs noch gönnen will.

Vor Steinau zweige ich von der Autobahn ab und fahre quer über Land zur A7. Das ist wahrscheinlich nicht wirklich kürzer als bis Fulda auf der A66/B40 zu bleiben, aber so Stück Landstraße ist doch irgendwie abwechslungsreicher – und sorgt für leichtes Herzrasen. 15 Prozent Steigung weist das Straßenschild vor mir aus. Ob ich da hoch komme? Welche Steigungsmaxima mein alter, etwas untermotorisierter Tranist tatsächlich schafft, hat mir bislang keiner sagen können. „Aber 10 Prozent sind es bestimmt“, hatte die Werkstatt gemeint. Die 15 Prozent vor mir schafft er auch, mit 40 km/h im zweiten Gang, aber immerhin.

Dann geht es mit 20 Prozent steil bergab. Die würde ich auch dem Rückweg wohl nicht raufkommen, zumal zwei enge Kehren mir wohl den Schwung rauben würden. Also steht schon fest: auf der Heimfahrt wird nur Autobahn gefahren.

Über die A70 geht es zu A9 und von dort auf breiter Bundesstraße nach Fichtelberg. Die Zufahrt zur einzigen Tankstelle ist frei, dann beginnt eine Baustelle – Durchfahrt verboten. „Da können Sie ruhig fahren, dass passt schon“, meint die Bedienung, also rumpele ich vollgeladen den Berg hinauf und erreiche schließlich die Zufahrt zum Hotel.

Die ersten Teilnehmer sind schon da; ich kann in Ruhe ausladen und dann in den Biergarten gehen. Wird bestimmt eine schöne Woche werden, zumal der Wetterbericht strahlenden Sonnenschein vorher sagt.

Ein kleiner Schauer in der Rhön

vhs-Tour Thüringer Wald
Sonntag, 11. Juli 2010

Nach einem ausgiebigen Frühstück starten wir um Punkt neun Uhr die Motoren. Vorbei an der Wartburg, die rechter Hand hoch oben auf dem Wartberg thront, fahren wir nach Oberhof. Winzig kleine Wege wechseln sich ab mit gut ausgebauten Landstraßen, vor allem die Strecken nach Schmalkalden und rund um den Rennsteig wissen zu begeistern. Nach einem kurzen Fotostopp an der beeindruckenden Sprungschanze legen wir im Berghotel eine kurze Kaffeepause ein, bevor wir uns auf den Weg in die Rhön machen.

Nahe Meiningen haben wir im Schloß Landsberg das Mittagessen eingeplant. Im Schatten der riesigen Zinnen sitzen wir im Burghof und lassen es uns schmecken. Nudeln mit frischen Pfifferlingen lautet die Tagesempfehlung, die reißenden Absatz findet. So gestärkt haben wir ausreichend Kraft, um Jörgs Motorrad wieder auf die Räder zu stellen: der Seitenständer war im weichen Asphalt eingesunken – glücklicherweise war dabei nichts kaputtgegangen.

Die letzte Etappe dieser Wochenendtour führt uns in die Rhön, hoch hinauf auf die Wasserkuppe. Plötzlich brauen sich dunkle Wolken über uns zusammen und man kann den Regen förmlich riechen. Doch noch ist die Straße trocken. Das ändert sich nach einigen Minuten. Vielleicht haben wir Glück und fahren dem Regen hinterher? Nein, dafür sind wir dann doch zu schnell. Kurz vor Erbenhausen erwischt uns ein kleiner Schauer, den wir in einer Bushaltestelle „aussitzen“. Kaum dass wir weiterfahren, scheint schon wieder die Sonne, so dass das geplante Kaffeepäuschen im „Sonnenhof“ doch noch eingelegt werden kann.

Gemeinsam geht es im Anschluß nach Neuhof zur A66. Hier trennen sich unsere Wege. Im nächsten Jahr aber, da wollen wir wieder ein ganzes Wochenende lang mit der vhs unterwegs sein. Hast Du Ideen oder Wünsche für mögliche Ziele?

Nach Eisenach bei tropischer Hitze

vhs-Tour Thüringer Wald
Samstag, 10. Juli 2010

Kurz vor neun Uhr sind alle da. Vom Rasthof Wetterau aus starten wir zu unserer Wochenendtour in den Thüringer Wald. Nachdem wir in den vergangenen Jahren immer nur Tagestouren für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises angeboten haben, wollten wir nun etwas länger unterwegs sein. 12 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer fanden das eine tolle Idee – und schon ging´s los.

Auf der Autobahn blieben wir nur für wenige Kilometer. Schon bei Butzbach verließen wir die A5 und fuhren zunächst in Richtung Schotten. Nach einer kurzen (halben) Runde auf der alten, legendären Bergrennstrecke war „Schloß Eisenbach“ nahe Lauterbach unser erstes Ziel. Im Schatten knorriger Bäume legten wir eine kleine Kaffeepause ein.

Auf kleinen Nebenstraße durch die Rhön fahrend, erreichten wir kurz vor Mittag „Point Alpha“. Hier standen sich zu Zeiten des „Kalten Krieges“ russische und amerikanische Truppen in Sichtweite gegenüber. Der Westen vermutete, dass – sollte es zu einem Angriff der UdSSR kommen – der „Durchmarsch“ hier erfolgen würde. Heute erinnert daran ein sehenswertes Dokumentationszentrum.

Wir machen ein paar Fotos und fahren den Berg hinab ins thüringische Geisa, um im „Gasthaus zur Linde“ zu Mittag zu essen. Eigentlich wollten wir im Anschluß noch einen Fotostopp an der „Friedensbrücke“ in Vacha machen. Doch es ist viel zu heiß und so belassen wir es beim einem kurzen Blick zu jenem historischen Bauwerk, das von der damaligen DDR seinerzeit konsequent abgeriegelt worden war. Wer genau hinschaute, entdeckte im Vorbeifahren auch noch Reste der Mauer, die aber scheinbar immer mehr dem Verfall preisgegeben wird. Schade eigentlich.

So langsam erreichen wir den Thüringer Wald. Wenn die Straße im Schatten der Bäume verläuft, ist es auszuhalten. Zudem gewinnen wir langsam an Höhe, die wirklich kühl wird es nicht. Da, wo die Straße dem Sonnenschein ausgesetzt ist, wird der Asphalt langsam flüssig, so dass wir noch vorsichtiger als sonst fahren.

Am frühen Nachmittag erreichen wir den Rennsteighof. „Hier gibt es riesige Windbeutel“, hatte Annette gesagt – und sollte Recht behalten. Während wir uns bei Kaffee und leckerem Gebäck entspannen, schraubt Werner an seiner Suzuki. Urplötzlich war der Motor abgestorben. Geradeso kam er noch auf den Parkplatz. Spritmangel? Es wird zwar langsam Zeit zum Tanken, aber noch scheint genügend Benzin im Tank zu sein.

Nach der Kaffeepause läuft die Suzuki wieder – aber nur kurz. Nach wenigen hundert Metern stehen wir wieder. Wieder wird geschraubt, wieder läuft die Suzi und muckt jetzt nur noch zweimal kurz bis zur Tankstelle. 20 Minuten später haben wir den Glockenhof in Eisenach erreicht; hier wollen wir übernachten.

Frisch geduscht sitzen wir um 18 Uhr im Biergarten und warten auf Heike Kleff, den Stadtführer mit den roten Schuhen. Gut eineinhalb Stunden lang will er uns Eisenach zeigen und dessen Geschichte erzählen. Ein kurzweiliges Unterfangen, das schließlich im „Storchennest“ endet, einem schönen Biergarten, in dem wir zu Abend essen wollen. Fußball gibt es hier (glücklicherweise) keinen, aber wann immer von den umliegenden Plätzen laute Jubelrufe erschallen, klingen bei uns am Tisch die Handys und die Daheimgebliebenen unterrichten uns über den aktuellen Spielstand. Das entscheidende 3:2 erleben wir schließlich noch live beim „public viewing“ auf einem der vielen Plätze. Dann geht es müde, aber satt und zufrieden ins Bett.

Ein schöner erster Tage geht zu Ende. Morgen wollen wir über Oberhof so langsam wieder zurück in die Heimat fahren. Bei wahrscheinlich ähnlich heißen Temperaturen wie heute.

Ein kleines Problem

Am Samstag geht´s mit einer kleinen Gruppe an Motorradfahrern in den Thüringer Wald. Point Alpha und die Friedensbrücke von Vacha werden zwei Punkte sein, die wir unterwegs ansteuern wollen, bevor wir am frühen Abend Eisenach erreichen. Zuvor müssen wir jedoch noch einen Stopp im Rennsteighof einlegen, gibt es hier doch – auf Empfehlung von Annette – riesige Windbeutel, die probiert werden wollen.

Für den Abend haben wir dann eine Stadtführung durch Eisenbach geplant, die gegen 20:30 Uhr zu Ende sein soll. Am Sonntag geht´s dann gemütlich wieder zurück nach Hause, um rechtzeitig zum Endspiel frisch geduscht auf dem Sofa sitzen zu können.

So der Plan, der irgendwie zur Grundlage hatte, dass Deutschland im Finale stehen wird. Und nun?

Vielleicht mag ja keiner mehr das Spiel im den dritten Platz sehen? Oder im Biergarten, im dem wir zu Abend essen wollen, gibt´s eine große Leinwand. Oder …

Irgendeine Lösung werden wir schon finden. Komisch, dass an diese Variante so gar niemand gedacht hat.

Wieder daheim

TOURBERICHT Wales
Sonntag, 27. Juni 2010 | 10. Tag

Gut eine Stunde hatte die Fähre Verspätung. Nicht schon um halb zehn sondern erst gegen halb elf sollten wir in IJmuiden bei Amsterdam eintreffen. Eine Qual für alle Fußballfans, wird doch um 16 Uhr das Spiel gegen England angepfiffen …

Die Überfahrt aufs Festland war ruhig, das Buffet an Bord ließ beim Abendessen keine Wünsche offen. Im Anschluß ging´s auf die Sky-Lounge auf dem Oberdeck, um den Sonnenuntergang zu genießen. Und dann stürzten wir uns in´s „Nachtleben“. An Bord der DFDS-Schiffe wird auf den Fahrten von und nach England immer ein tollen Programm mit Live-Musik geboten, so dass wir unsere Reise durch Wales und den Lake-Distrikt beschwingt aufklingen lassen konnten. Kurz nach 24 Uhr gab´s das letzte Pint of Lager, dann hieß es endgültig Abschied nehmen.

Ein leckeres Frühstück mit Blick aufs Meer war am nächsten Morgen der gelungene Auftakt; als die Fähre dann endlich anlegte, ging die Fahrt von Bord erfreulicherweise viel schneller von statten, als bei der Ankunft in Wales. Und so rollten – nach einer herzlichen Verabschiedung – die ersten bereits gegen halb zwölf Richtung Autobahn, um gut viereinhalb Stunden und 480 Kilometer Wegstrecke später daheim vor dem Fernseher zu sitzen.

Wir fragen uns, wie die Überfahrt wohl gewesen wäre, wenn wir erst am Sonntag wieder zurück nach Deutschland gefahren wären und wir den Sieg über England auf der Fähre mitverfolgt hätten …

Insgesamt war diese Reise nach Großbritannien wieder ein einzigartiges Erlebnis. Die Insel der Briten ist immer eine Reise wert. Wir freuen uns schon heute auf die nächste Tour nach good old england.

Durch die Pennies nach Newcastle

TOURBERICHT Wales
Samstag, 26. Juni 2010 | 9. Tag

Der letzte Fahrtag in good old England und noch immer scheint die Sonne! Durch die Pennies geht es nach Middelton-in-Teesdale. Hier legen wir in einem schnuckeligen Tea-Room eine kleine Pause ein und genießen das Treiben in der Stadt. Um die Ecke befindet sich ein kleiner Krämerladen, in dem es wirklich alles gibt. Auch dem statten wir einen ausgiebigen Besuch ab.

Dann geht es weiter Richtung Norden. Weit vor der Zeit erreichen wir die A 69, die direkt nach Newcastle führt. So bleibt noch Zeit für einen Abstecher an den nahegelegenen Hadrianswall. Ein kleiner Inn am Wegesrand; noch einmal Fish and Ships oder ein Käsesandwich bestellt und unser Reise geht so langsam zu Ende.

Kurz nach halb drei erreichen wir den Fährhafen und sind gut eine Stunde später an Bord der „Princess of Norway“. Morgen früh werden wir den Hafen von Amsterdam erreichen. Dann geht eine erlebnisreiche Woche in England zu Ende. Aber wir werden wiederkommen. Das nächste Mal vielleicht nach Schottland?

30 Prozent Steigung auf kurvenreicher Strecke

TOURBERICHT Wales
Freitag, 25. Juni 2010 | 8. Tag

Die Entscheidung, über den Lake District nach Newcastle zu fahren, war eine ausgesprochen gute. Waren wir des morgens noch ein einer recht lieblichen Gegen rund um den Grizdale Forest unterwegs, standen mit dem Wynrose Pass und dem Hardknott Pass zwei echte Highlights auf dem Programm: mit gut 30 Prozent Steigung schraubten sich diese auf kaum handtuchbreiter, dafür aber extrem kurvenreichen Strecke über die Cumbrian Mountains – ein echtes Erlebnis!

Über Stonesde Hill ging’s dann Richtung Meer. In Cockermouth bogen wir scharf rechts ab und fuhren über den Whinlatter und den Hornlister-Pass wieder Richtung Westen. Kilometerlang ging es durch traumhafte Landschaften: dichte Wälder, kahle Hügel und fjordartig eingeschnittene Täler.

Zum Abschluß noch über den Kirkstone-Pass und dann zurück ins Hotel – einfach wundervoll. Das „Feierabendbier“ in der Sonne sitzend genießen und gar nicht darüber nachdenken, das es morgen schon wieder Richtung Fährhafen geht …

Ein Fahrtag mit Hindernissen

TOURBERICHT Wales
Donnerstag, 24. Juni 2010 | 7. Tag

Irgendwie ist doch klar, dass, wenn es „klemmt“, dies immer nur an den Tagen passiert, an denen dafür gar keine Zeit ist – so wie heute!

Nach flotter Fahrt über die durchweg zweispurige A 55, treffen sich beide Gruppen mehr oder weniger zufällig in Middlewich zum Kaffee. Speedy klagt über angebliche schlechte Straßen und Fahrwerksunruhen. Beim Losfahren zeigt sich der Grund: das hintere Federbein ist undicht und schlägt schon fast durch.

Also: Siggi und Harald angerufen, die fast schon hinter Liverpool sind und gut 30 Minuten brauchen, um zu uns zurückzukommen. Schnell die Fj 1200 aus dem Transit geholt und die defekte Domi reingeschoben – gut eine Stunde hat uns der Zwangsaufenthalt gekostet. Und das, wo wir doch sowieso so wenig Zeit haben. 360 Kilometer wollen bewältigt werden, das wird knapp!

Natürlich gibt es weitere “ Vorkomnisse“, die uns die Zeit verrinnen lassen: statt eines kurzen Mittagessens gönnen wir und ein leckeres Drei-Gänge-Menue, „verlieren“ bei der Weiterfahrt die drei Wings, müssen 20 Kilometer „Umweg“ fahren, weil sich die kleinen, schmalen Verbindungsstraßen teilweise als ungeteere Feldwege entpuppen und stecken zweimal in riesigen Baustellen-Staus fest. Kurzum, es wird immer später!

Trotzdem fahren wir hinter Herden Bridge durchs Hochmoor, um von der A 646 wegzukommen. 89 Kilometer noch und es ist schon halb sieben!

Dann geht’s auf die A 682 Richtung Kendal, unserem heutigen Etappenziel. Eine geniale Strecke: kurvenreich, gut ausgebaut und völlig ohne Verkehr! Gut eineinhalb Stunden lang können wir es richtig laufen lassen! Herrlich! Kein Wölkchen am Himmel und wir fahren der untergehenden Sonne entgegen. Einfach genial.

Kurz nach acht sind wir im Hotel. 382 Kilometer liegen hinter uns. Eine reife Leistung. Bestimmt werden alle gut schlafen. Morgen geht es dann in den Lake District. Der Wetterbericht hat Sonne angekündigt!