Archiv des Autors: kurvenfieber

Wieder eine gute Wahl

Es geht in die Eifel – erst einmal. Spät am Nachmittag schaffe ich es endlich, mich vom heimischen Schreibtisch los zu reißen, um nach Nideggen zu fahren. Dort wollen wir uns am frühen Abend treffen, um vom Hotel Roeb aus, in den nächsten Tagen, Richtung IJselmeer zu fahren.

Die Wahl der Unterkunft hat sich dabei wieder als Glücksgriff erwiesen: gute Lage, schöne Zimmer, nette Mitarbeiter und tolles Essen. Da freuen sich alle, die mit uns von Donnerstag bis Sonntag von hier aus die Eifel und die Ardennen durchstreifen wollen.

Doch erst einmal geht es in den Norden. Am Sonntag an den Möhnesee und Montag weiter Richtung Küste. Zwei Übernachtungen haben wir in Holland, nahe der Nordsee, eingeplant, bevor es wieder zurück in die Eifel geht.

Auch wenn es so mancher nicht glauben mag – auch bei dieser Tour ist Fahrspass garantiert.


Nicht nur der Nachtisch war lecker. Wir haben uns im Hotel Roeb sehr wohl gefühlt.

Perfektes timing

Wie gut, dass es mittlerweile so viele unterschiedliche Wetter-Apps gibt. Und wie gut, dass diese meistens ein unterschiedliches Wetter anzeigen. So kann sich jeder raussuchen, was ihm gefällt.

Die Wettervorhersage für unser langes Wochenende war anfangs durchwachsen, wurde dann aber von Tag zu Tag besser. Als wir am Donnerstag zur ersten Tour starteten, war auf einigen Apps nur noch der Freitag „kritisch“. „Da soll es regnen“, wurde gemutmaßt. Unsere pragmatische Antwort: „Um 9 Uhr wird auf alle Fälle losgefahren“.

Und? Strahlender Sonnenschein an allen drei Tourtagen. Nur am Sonntag, beim Frühstück, da nieselte es leicht, obwohl die Wetter-Apps da doch Sonnenschein vorhergesagt hatten 😉 Es war dann aber auch schnell wieder trocken …

Wir werden auch weiterhin unbeeindruckt von möglichen Wettervorhersagen unsere Touren planen. Meistens hatten wir Glück. Und das wird hoffentlich auch so bleiben.


Ein herrlicher Sonnenuntergang nahe des Großen Arber. Den hatte die Wetter-App nicht vorhergesagt.

Es geht wieder nach Hause

Viel zu schnell ist das lange Wochenende im Bayerischen und im Böhmerwald zu Ende gegangen. Die letzte Tour führt heute schon langsam Richtung Heimat. Früh am Morgen hängt dichter Nebel in den Bergen. Später fängt es ganz leicht an zu nieseln. Doch bis zum Start um 9 Uhr ist der kleine Schauer schon wieder vorüber. Und bis nach Hause bleibt es trocken.

Nach und nach lichten sich die Reihen. Der eine oder andere tritt unterwegs, schon nach der Kaffeepause, den direkten Weg über die Autobahn an, während Stefan zunächst noch auf kurvenreichen Landstraßen den Weg „gen Norden“ sucht. Schön waren sie, die vergangenen Tage. Es hat wieder viel Spaß gemacht hat.

Die nächste Tour führt uns Ende Mai/Anfang Juni von der Eifel an die Nordsee und im Anschluss noch ein paar Tage durch die Eifel und Ardennen. Lust, dabei zu sein? Schreib einfach eine Mail an kurvenfieber@mac.com    Alles zusammenpacken und los. Die schönen Erinnerungen bleiben.

Ein Abstecher ins Drei-Länder-Eck

Strahlend blauer Himmel schon am frühen Morgen. Die Sonne lacht, dass es eine wahre Pracht ist. Heute wollen wir ins Weinviertel fahren, an die Moldau, weil dort ein schöner Aussichtsturm mit prachtvollem Ausblick steht. Dem Wunsch der Teilbehmer folgend, fahren wir zunächst über den Böhmerwald gen Süden und über den Bayerischen Wald wieder zurück. Eigentlich hatten wir das umgekehrt geplant …

Über Bayerisch Eisenstein reisen wir erneut in die Tschechische Republik ein, halten uns aber diesmal rechter Hand. Schnell gewinnt die gut ausgebaute Straße an Höhe. Wir bewegen uns zunächst auf 800 bis 900 Metern und kratzen einmal sogar knapp an der 1200 Meter-Marke. Die Strecke ist kein Vergleich zu gestern. Da sind wir mehr durchs Tal gerumpelt, heute bewegen wir uns zügig in den Höhenlagen.

Dichte Wälder wechseln sich ab mit grüben Wiesen auf denen der Löwenzahn dicht an dicht steht. Einzelne Feldholzinseln in der anmutigen Landschaft prägen das Bild. Hier über der Böhmerwald eine ganz eigentümliche Faszination aus.

Nahe Horni Vltavice bremst uns ein Auto aus – zum Glück, denn sonst hätten wir womöglich den Abzweig zu einer kleinen Pension verpasst. Kurzerhand setzen wir den Blinker rechts und finden mit Blick auf einen kleinen See, unter mächtigen Bäumen, ein lauschiges Plätzchen für eine Kaffeepause. Und weil es hier so schön ist, stört es auch nicht weiter, dass die Kaffeemaschine die bestellten sieben Cappucino nur ganz langsam und einen nach dem anderen zubereitet. Wir haben doch Zeit …

Bei Ceske Zleby wird es bald darauf spannend. Hier haben wir einen kleinen Waldweg gefunden, über den das Navi eigentlich nicht routen will. Daß wir es mit ein paar Tricks doch dazu „überreden“ konnten, muss noch nichts heißen. Die ersten Kilometer stimmen hoffnungsvoll. Ein schmales Sträßchen verläuft gen Osten – und endet auf einem großen Platz in Stozec. Der Abzweig, den wir nehmen wollten: gesperrt. Heerscharen von Wanderern und Sportlern kommen uns entgegen. Kein Durchkommen, ausgerechnet heute ist in Tschechien so etwas wie der Tag des Sports. Da ist alles auf den Beinen.

Stozec wurde 1769 das erste Mal erwähnt. Im Jahr 1850 sollen bayerische Wilderer die hölzerne Siedlung angegriffen haben. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Mit der Eisenbahn erlebt die kleine Siedlung ihre Blütezeit, den Tiefpunkt nach dem zweiten Weltkrieg, als die hier lebenden Deutschen vertrieben wurden. Heute ist der Ort ein beliebtes Touristenziel, wie auch wir feststellen.

Die vorsorglich geplante Ausweicheoute ist nicht minder reizvoll, so dass wir bald den Moldaustausee erreichen und auf einer winzig kleinen Straße die Grenze zu Österreich. Nur noch wenige Kilometer und wir haben unser heutiges Etappenziel erreicht: den Aussichtsturm „Moldaublick“, zu deren Füßen eine kleine Jausenstation liegt.

Natürlich stärken wir uns mit einer ordentlichen Brettljause, dann wird die fantastische Aussicht genossen. Das Wetter passt, die Sonne scheint, auf gut 1200 Metern sind die Temperaturen angenehm.

Ein Stück durch Österreich fahrend, geht es schon bald zurück nach Deutschland. Es ist faszinierend zu „erfahren“, wie unterschiedlich die eigentlich nur durch eine imaginäre Grenze getrennte Landschaft genutzt wird: in Tschechien dichte Wälder und weite Wiesenflächen, in Österreich überwiegend Landwirtschaft und in Deutschland fast ausschließlich Forstwirtschaft, um genügend Brennmaterial für die zahlreichen Glasbläsereien zu haben.

In Riedhütte machen wir „Beim Friedl“ noch eine kleine Kaffeepause – nicht ohne den frisch gebackenen Apfelkuchen mit Streuseln zu genießen. Dann geht’s auf herrlich kurvenreichen Nebenstrecken zurück ins Hotel. 300 Kilometer liegen hinter uns, als wir schon gegen 17 Uhr auf den Parkplatz rollen. So bleibt viel Zeit für ein streßfreies Feierabendbier.

Noch einmal lassen wir uns von der guten Küche des Berggasthofs Mooshütte verwöhnen – morgen fahren wir leider schon wieder Richtung Heimat.

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Idyllische Kaffeepause in Tschechien. Dass die Kaffeemaschine in der kleinen Pension, an der wir angehalten hatten, die bestellten Cappuccino nur ganz langsam zubereitete, kam uns hier sehr gelegen.

Stundenlang durchs Grüne

Das Wetter passt! Da in den Alpen, tief im Süden, der Regen hängen soll, fahren wir heute lieber “in den Norden”. In Bayerisch Eisenstein passieren wir die Grenze zur Tschechei und setzen bald schon dem Blinker links, um dem Grenzverlauf bis Eslam, wieder auf der deutschen Seite, zu folgen. Stundenlang fahren wir auf schmalen und zumeist etwas rumpeligen Nebenstraßen durch dichte Wälder. Nur ganz selten kommen wir mal durch eine kleine Ortschaft.

In Vseruby ist die Straße 190 gesperrt. Wir überlegen kurz, was zu tun ist. Einfach weiterfahren? Die Baustelle umfahren, indem wir über den nahegelegenen Grenzübergang nach Deutschland ausweichen? Oder einfach eine Ausweichstrecke suchen? Wir entscheiden uns für letztere Variante und schlagen einen Bogen über Kout Na Sumave, um dann wieder auf die eigentliche Route zurückzufinden.

Im kleinen Örtchen mit dem sagenumwobenen Namen Babylon legen wir bei einem Italiener eine kurze Kaffeepause ein, bevor wir für die nächsten 35 Kilometer weiter dem Grenzverlauf folgen. Nahe Eslam wechseln wir wieder auf die deutsche Seite und geraten wenig später in einen Pulk wild gewordener Harley-Fahrer, die wir mit einem kurzen Zwischensprint schnell hinter uns lassen.

Bald darauf ist Pleystein erreicht. Im Gasthof „Weißes Lamm“ wollen wir Mittag machen. Dass die Inhaber auch die Metzgerei gleich nebenan führen, verspricht Qualität. Albert ist ganz aus dem Häuschen: auf der Speisekarte steht „Herz und Zunge“. Eine Delikatesse, wie er meint, die nur noch in Gasthäusern mit angeschlossener Metzgerei angeboten wird. Lutz lässt sich überzeugen, dieses ungewöhnliche Gericht auch mal zu probieren und meint, es wäre sehr lecker gewesen – wenn auch ungewöhnlich in der Zubereitung: ein wenig püriert und eingedickt, fast schon als Suppe und mit Kartoffeln als Beilage.

Wir machen uns wiede auf den Weg. 140 Kilometer liegen noch vor uns, bis wir wieder an der Mooshütte sein werden. Jetzt sind wir vorwiegend auf kleinen, gerade einmal Traktor breiten Wirtschaftswegen unterwegs. Einfach herrlich!

Im Mühlencafe, mit herrlicher Aussicht auf den Drachensee, legen wir noch eine kurze Pause ein, bevor wir uns kurven- und kehrenreich wieder hoch auf gut 1000 Meter arbeiten. Die Landstraße, die zum Hotel führt, gehört uns ganz alleine – nachdem wir im Tal kurzerhand einen Reisebus aus Bautzen „niederkämpfen“ konnten – und so genießen wir die letzten Kilometer dieses herrlichen Tages. Morgen wollen wir nach Österreich, ins Drei-Länder-Eck.

 

Etwas skeptisch schaut Lutz schon, als ihm „Herz und Zunge“ serviert werden. Und noch dazu wie eine Suppe …

Einmal rund um den Großen Arber

Der Wecker klingelt erst kurz vor acht. Heute gibt es keinen Stress. Nach einer ausgiebigen Dusche geht’s zum Frühstück – in aller Ruhe. Nach der zweiten Tasse Kaffee erscheint auch Hans-Jürgen, der ebenfalls am Vortag angereist war. Wir lassen uns Zeit und verlagern das Kaffeetrinken recht bald auf die Terrasse; hier scheint die Sonne so warm, dass wir – obwohl auf fast 1000 Meter Höhe, im Freien sitzen können.

10 bayerische Mannsbilder erscheinen, in Wandermonitur. Die Jungs machen einen Vatertagsausflug. 10 Weißbier werden bestellt und zehn Mal Weißwurst – Frühstück in Bayern 😉

Bis gegen Mittag sitzen Hans-Jürgen und ich zusammen, genießen das herrliche Wetter und denken an übrigen Teilnehmer, die jetzt erst anreisen. Dann wird es Zeit, die BMW auszuladen. Anschließend gehe ich auf mein Zimmer, um in aller Ruhe Fotos und Videos von der zurückliegenden Uckermarktour zu sortieren, während Hans-Jürgen schon mal zu einer kleinen Motorradtour aufbricht.

Nach und nach treffen die übrigen Teilnehmer ein. Punkt 16 Uhr starten wir mit allen, die dann schon da sind und noch Lust haben, zu einer ersten Runde um den „Großen Arber“. Breite Bundesstraßen wechseln sich ab mit kleinen Wirtschaftswegen; gut 100 Kilometer wollen wir unterwegs sein – es sollten 135 Kilometer werden.

Kurz vor Bodenmais weisen Schilder auf eine Streckensperrung hin. Gemäß dem bewährten Motto“ erst mal gucken, meist findet sich doch ein Weg“, fahren wir weiter. Vor Holzfällarbeiten wird gewarnt und beiderseits der Staße liegen riesige Stämme. Wir atmen auf und denken uns: das wird der Grund für die Streckensperrung sein. Und da am Feiertag nicht gearbeitet wird …

Zu früh gefreut. Wenig später gibt es kein Durchkommen mehr. Gut zwei Kilometer vorm nächsten Abzweig fehlt eine Brücke. Wir müssen rumdrehen. Und so kommen wir erst gegen halb sieben – eine halbe Stunde später als geplant – wieder im Hotel an. Da es schon um 19 Uhr Abendessen geben soll, müssen wir uns ein wenig sputen. Doch das lohnt sich: Hirschgoulasch, Schnitzel oder Käsespätzle stehen zur Auswahl. Und als Dessert ein Eis oder ein Schnäpschen. Das lässt sich aushalten.

Morgen wollen wir durch den Böhmerwald gen Pleystein fahren und durch den Bayerischen Wald dann wieder zurück. Mal sehen, wie so die Temperaturen sein werden, wenn wir gegen 9 Uhr starten.


Während es so langsam Nacht wird, sitzen wir in der Mooshütte noch gemütlich zusammen.

Was für eine Anfahrt

Von Donnerstag bis Sonntag geht’s in den Bayerischen- und den Böhmerwald. Nahe Bayerisch Eisenstein haben wir ein kleines Berghotel gefunden, von dem aus wir zu unseren kurzweiligen Touren starten wollen. Die erste beginnt gleich am Donnerstag; mit allen Teilnehmern, die bis dahin schon am Hotel eingetroffen sind, wollen wir schon mal eine kleine Runde rund um den „Großen Arber“ drehen.

Da die Autobahn am Feiertag meist ziemlich voll ist – und ich mit dem Ducato anreisen werde – beschließe ich, schon am Mittwochnachmittag los zu fahren. Die gut 420 Kilometer bis zum Ziel sollten bis gegen 20 Uhr zu schaffen sein …

Doch auf der A3 in Richtung Süden steht der Verkehr mehr, als dass er rollt. Schon am Flughafen der erste Stau. Weiter Richtung Würzburg immer wieder zähfließender Verkehr mit Stillstand. Vor Nürnberg ein Unfall in einer Baustelle – Zeitverlust gut eine Stunde. Das Navi auf dem Handy meldet unablässig Behinderungen, die der Verkehrsfunk im wesentlichen bestätigt. Statt viereinhalb Stunden Fahrzeit sind es über die Autobahn jetzt mehr als sieben.

Schauen wir doch mal, wie lange die Fahrt über Land dauern würde? Wie vermutet auch nicht viel länger, dafür wurde der Ducato aber rollen und nicht vorwiegend stehen, was mich wahnsinnig macht. Also die Option „Autobahn vermeiden“ im Navi aktiviert und auf herrlichen Straßen staufrei gen Süden gerollt.

In stockfinstrer Nacht fahre ich schließlich durch den Bayerischen Wald. Ab 22 Uhr habe ich die Straßen ganz für mich alleine. Der Abzweig, der schließlich zum Hotel führt, mündet in einen unbefestigten Waldweg – sagt zumindest das Navi. Lieber noch mal anrufen. Einen 6 Meter langen Transporter im Dunkeln rückwärts wieder auf die befestigte Straße bugsieren zu müssen, macht nicht wirklich Spaß.

Doch der Abzweig ist richtig. „Passt schoo“, meint der Wirt. Und während ich so durch den Wald rumpele, merke ich, dass wir hier schon mal waren. Bei der letzten Tour durch den Bayerischen Wald haben wir in der „Mooshütte“ eine Kaffeepause eingelegt. Der Weg ist also „fahrbar“ …

Es ist kurz vor 23 Uhr, als ich endlich den Motor abstellen kann. Was dafür eine Anfahrt! Im Eingangsbereich entdecke ich eine V-Strom mit Fähnchen. Die kann nur Hans-Jürgen gehören, der wohl auch schon einen Tag früher angereist ist.

Schnell die Sachen aufs Zimmer und das „technische Equipment“ aufgebaut, damit Kameras und Akkus bis morgen vollgeladen sind. Schließlich wollen wir auch diese Tour auf Video festhalten. Jetzt geht’s aber erst mal schlafen. War doch ein langer Tag heute …

Schnell noch die Ladegeräte anstöpseln, um Kameras und Akkus aufladen zu können.

Zeit für eine erste Bilanz

Es geht zurück nach Hause. Noch ein gemeinsames Frühstück, dann trennen sich unsere Wege. Fünf Tage lang waren wir in und rund um die Uckermark unterwegs und haben uns vor allem eines: gut erholt.

In Erinnerung bleiben zunächst die Straßen: immer wieder kindskopfgroßes Kopfsteinpflaster, das zu befahren für so manchen keine besondere Freude war. Die GS-Fahrer (und das waren die meisten) waren hingegen „in ihrem Element“. Auch viele kleine holprige Nebenstrecken forderten immer wieder Mann und Maschine. Aber: alles besser als die zumeist gut ausgebauten Bundesstraßen, auf denen viel Schwerverkehr unterwegs ist.

Beeindruckend auch die Landschaft. Riesige Wälder, endlose Alleen mit mächtigen oder kleinen windschiefen Bäumen, anmutige Dörfer, viele beeindruckende Kirchenbauten, schön restaurierte Innenstädt, Rapsfelder, die bis zum Horizont reichen … einfach toll.

Wir sind viel gefahren – gut 300 Kilometer jeden Tag – und hatten doch keinen Streß. Die Stopps unterwegs war kurzweilig und interessant, etwa bei Turnvater Jahn oder beim alten Ribbeck. Kurzum, wieder einmal hat sich bestätigt, dass auch Deutschland ein attraktives Ziel für Motorradfahrer ist. Wir kommen gerne wieder.


Über die Havel ging’s mit der Fähre. Diese Überfahrt werden wir sicher nicht vergessen – war doch „Standsicherheit“ gefragt.

Zum Abschluss ans Stettiner Haff

Zum Abschluss unserer abwechslungsreichen Woche geht’s ans Meer. Mönckebude am Stettiner Haff ist das Ziel. In Burg Stargard legen wir direkt am Marktplatz eine kleine Kaffeepause ein. Gegen Mittag ist dann die Ostsee erreicht. Wir sitzen vor der Gaststätte „Zum Goldenen Löwen“ an einer langen Tafel in der Sonne und genießen fangfrischen Fisch.

Ein kleiner Verdauungsspaziergang führt uns im Anschluss an den nahegelegenen  Strand, auf dem einsam ein paar Strandkörbe stehen. „Am Wochenende war hier richtig was los, da kamen vor allem die Berlin“, erklärt uns der Juniorchef – wir hingegen genießen die Ruhe. Wie überhaupt die ganze Woche recht beschaulich zuging. Und alle fanden es toll.

160 Kilometer noch, dann sind wir wieder im „Hotel Gutenmorgen“. Auf dem Weg zurück werden wir noch mal mit allen Facetten des regionalen Straßenbaus konfrontiert: grobes Kopfsteinpflaster, üble Plattenwege, holprige Nebenstrecken und gut ausgebaute Landstraßen, es ist alles dabei. Das Herz des GS-Fahrers freut´s.

In Lychen legen wir – mit traumhaftem Blick auf den See – im Strandcafé die letzte Pause ein. Ein wenig Melancholie macht sich breit. Noch eine gute Stunde Fahrt und die Motorradwoche in der Uckermark neigt sich dem Ende zu. Auf den nun folgenden Kilometern treffen wir auf Stefan mit seiner Gruppe und fahren das letzte Stück des Weges gemeinsam. Noch einmal tanken, dann sind wir wieder zurück im „Hotel Gutenmorgen“.

Heute Abend werden wir noch mal schön zusammen essen, morgen trennen sich unsere Wege. Nicht lange. Den einen oder anderen werden wir am Donnerstag wiedersehen. Dann geht’s über den Feiertag in den Bayerischen und den Böhmerwald.


Idylle pur – der feine Sandstrand am Stettiner Haff. So richtig nach Meer sieht das hier aber nicht aus.

Zu Besuch im Havelland

Zwei Tage bleiben uns noch, bevor am Samstagabend unsere Motorradtour durch die „Toskana des Nordens“ so langsam zu Ende geht. Heute wollen wir dem „alten Herrn Ribbeck“ im Havelland einen Besuch abstatten. 

Strahlend blauer Himmel schon am frühen Morgen. Der Wind frischt auf, die Temperaturen sind gerade so zweistellig. Ideales Wetter zum Motorrad fahren. Neuruppin ist unser erstes Ziel. Inmitten der Altstadt liegt das „Up-Hus-Idyll“ – ein sehenswerter, renovierter Gebäudekomplex, den die Besitzer im Jahr 1990 für 10.600 Mark kauften – und dafür auf den gerade zuteilungsreifen Trabbi verzichteten.
Ein kleiner Bericht im Reiseführer machte Lust, sich die zwischenzeitlich renovierte Häuserzeile mal anzuschauen. Doch „Altstadtbesichtigungen“ sind auf dem Motorrad nichts, zumal uns einige Baustellen und Sackgassen behindern, so dass wir auf gelegentlich unorthodoxem Wege über das reichlich vorhandene Kopfsteinpflaster rumpeln und nur einen kurzen Blick auf die Sehenswürdigkeit werfen. Amüsant war’s allemal.
Gut eine halbe Stunde später erreichen wir Ribbeck, den kleinen Ort, in dem ein Birnbaum und die Großzügigkeit seines Besitzers einst Geschichte schrieb – und ein wunderschönes Gedicht. Wir sitzen im Hofgarten beim „Ribbecker“, essen (natürlich) Birnenkuchen, trinken Kaffee und schlendern anschließend zur kleinen Kirche, um einen Blick auf den Stumpf des legendären Birnbaums vom alten Herrn Ribbeck zu werfen, der 1911 einem Sturm zum Opfer fiel.
Weiter geht’s Richtung Kloster Lehin, wo wir in der Zillestube unsere Mittagspause einlegen wollen. Bei Küstritz queren wir auf einer kleinen Fähre die Havel. Die wird mittels eines Kette durch den Fluß gezogen. Nahe des anderen Ufers gerät die Kette unter Spannung, plötzlich geht ein heftiger Ruck durch die Fähre und sechs von acht Motorräder fallen einfach um, obwohl die Fahrer im Sattel saßen und die Füße fest am Boden hatten.
Helle Aufregung! Zum Glück ist nichts passiert – nur ein ordentlicher Schreck sitzt und in den Knochen. Mit vereinten Kräften stellen wir die Maschinen wieder in die Senkrechte und können bald darauf weiterfahren. Einen kurzen Zwischenstopp legen wir noch am „Sprunghügel“ von Otto Lilienthal ein. Nahe Drewitz, am Mühlenberg, schaffte er 1891 die ersten Flugversuche. Heute erinnert ein filigranes Denkmal daran.
Zwei Wege führen dorthin. Stefan folgt dem Verlauf der asphaltierten Straße, während wir das Ziel über einen entsprechend ausgeschilderten Feldweg erreichen. Und der führt erfreulicherweise noch drei Kilometer legal unbefestigt durch den Wald, bis wir die Straße wieder erreichen.
In der Zillestube wartet schon ein leckeres Mittagessen auf uns. Im Biergarten sitzend, lassen wir uns von der Küche verwöhnen, bevor wir einen Abstecher zum gut 80 Kilometer entfernt Ferchesarer See unternehmen. Dort soll ein Nachbau des U 96 liegen, „das Boot“, in verkleinertem Maßstab. Doch das U-Boot muss wohl gerade abgetaucht sein – also genießen wir die stimmungsvolle Aussicht und beschließen, im nahegelegenen „Café Waldschlösschen“ die Nachmittagspause einzulegen. Eine Idee, die auch Stefan hatte, den wir hier mit seiner Gruppe wiedertreffen.
Auf zumeist gut ausgebauten Straßen geht’s zurück in Hotel, nicht ohne vorher noch mal getankt zu haben. Und so ist es schon fast halb sieben, als wir die Motoren für heute abstellen. Schön war’s wieder, am vorletzten Tag unserer Reise durch die Uckermark.


Mittlerweile wächst ein neuer Birnbaum an der Kirche von Ribbeck. Der alte war 1911 einem Sturm zum Opfer gefallen.