Stundenlang durchs Grüne

Das Wetter passt! Da in den Alpen, tief im Süden, der Regen hängen soll, fahren wir heute lieber “in den Norden”. In Bayerisch Eisenstein passieren wir die Grenze zur Tschechei und setzen bald schon dem Blinker links, um dem Grenzverlauf bis Eslam, wieder auf der deutschen Seite, zu folgen. Stundenlang fahren wir auf schmalen und zumeist etwas rumpeligen Nebenstraßen durch dichte Wälder. Nur ganz selten kommen wir mal durch eine kleine Ortschaft.

In Vseruby ist die Straße 190 gesperrt. Wir überlegen kurz, was zu tun ist. Einfach weiterfahren? Die Baustelle umfahren, indem wir über den nahegelegenen Grenzübergang nach Deutschland ausweichen? Oder einfach eine Ausweichstrecke suchen? Wir entscheiden uns für letztere Variante und schlagen einen Bogen über Kout Na Sumave, um dann wieder auf die eigentliche Route zurückzufinden.

Im kleinen Örtchen mit dem sagenumwobenen Namen Babylon legen wir bei einem Italiener eine kurze Kaffeepause ein, bevor wir für die nächsten 35 Kilometer weiter dem Grenzverlauf folgen. Nahe Eslam wechseln wir wieder auf die deutsche Seite und geraten wenig später in einen Pulk wild gewordener Harley-Fahrer, die wir mit einem kurzen Zwischensprint schnell hinter uns lassen.

Bald darauf ist Pleystein erreicht. Im Gasthof „Weißes Lamm“ wollen wir Mittag machen. Dass die Inhaber auch die Metzgerei gleich nebenan führen, verspricht Qualität. Albert ist ganz aus dem Häuschen: auf der Speisekarte steht „Herz und Zunge“. Eine Delikatesse, wie er meint, die nur noch in Gasthäusern mit angeschlossener Metzgerei angeboten wird. Lutz lässt sich überzeugen, dieses ungewöhnliche Gericht auch mal zu probieren und meint, es wäre sehr lecker gewesen – wenn auch ungewöhnlich in der Zubereitung: ein wenig püriert und eingedickt, fast schon als Suppe und mit Kartoffeln als Beilage.

Wir machen uns wiede auf den Weg. 140 Kilometer liegen noch vor uns, bis wir wieder an der Mooshütte sein werden. Jetzt sind wir vorwiegend auf kleinen, gerade einmal Traktor breiten Wirtschaftswegen unterwegs. Einfach herrlich!

Im Mühlencafe, mit herrlicher Aussicht auf den Drachensee, legen wir noch eine kurze Pause ein, bevor wir uns kurven- und kehrenreich wieder hoch auf gut 1000 Meter arbeiten. Die Landstraße, die zum Hotel führt, gehört uns ganz alleine – nachdem wir im Tal kurzerhand einen Reisebus aus Bautzen „niederkämpfen“ konnten – und so genießen wir die letzten Kilometer dieses herrlichen Tages. Morgen wollen wir nach Österreich, ins Drei-Länder-Eck.

 

Etwas skeptisch schaut Lutz schon, als ihm „Herz und Zunge“ serviert werden. Und noch dazu wie eine Suppe …

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