Tagesarchiv: 06/05/2015

Wenn aus dem Mittwoch ein Dienstag werden soll

Der Himmel ist bedeckt, als wir am zweiten Tag unserer Reise durch die Uckermark die Motoren starten. Dank unterschiedlicher Wetter-Apps haben wir die freie Wahl, was die Vorhersage betrifft: von bewölktem Himmel bis hin zu schweren Gewittern ist alles möglich. Wir bleiben – wie immer – zuversichtlich.

Richtung Elbe wollen wir heute fahren – eigentlich. Denn heute müssen zwei Routen getauscht werden. Die Strecke, die wir für Dienstag geplant haben, wollen wir erst am Mittwoch fahren, weil das Gasthaus, dass wir uns für die Mittagsrast ausgesucht haben, Dienstag Ruhetag hat. Also kommt heute Mittwoch dran und Mittwoch Dienstag. Eigentlich ganz einfach.
Stefan fährt als erster los, ich folge wenige Minuten später. Anders als gestern sind wir vorwiegend auf gut ausgebauten Bundesstraßen unterwegs und kommen gut voran. Kurz vor dem ersten Kaffeestopp hatte ich einen Abstecher zum so genannten Blumenthal-Turm eingeplant. Der müsste jetzt so langsam in Sichtweite kommen.
Und in der Tat, bald darauf taucht linker Hand ein imposanter Aussichtsturm auf. Jetzt müssten wir einen Bogen fahren, um unser erstes Etappenziel zu erreichen, denke ich mir und kann dann auch schon nach wenigen Kilometern den Blinker links setzen. Doch irgendetwas stimmt nicht. Auf der Suche nach dem Ziele zoome ich ins Navi – und lese mit Schrecken „Göring“ auf dem Display.
Schlagartig wird mir klar, was hier falsch läuft. Wir sind auf der Dienstagsroute unterwegs, die doch erst morgen gefahren werden sollte. Da wollten wir im Wald bei Groß-Dölln mal schauen, wo der Landsitz Görings einst stand. Zumindest die Eingangsportale der ehemaligen Zufahrt sollen noch erhalten sein.
Ein Hoffnungsschimmer: vielleicht hat sich auch Stefan vertan und wir treffen ihn gleich bei der Kaffeepause. Die wollen wir am Döllnsee einlegen. Dort treffen wir statt Stefan und den Rest der Gruppe Hartmut mit Frau, zwei Teilnehmer, die – weil’s anders nicht ging – zeitgleich aber auf eigene Faust die Mecklenburgischen Seen entdecken wollen.
Zerknirscht schreibe ich Stefan eine SMS: wir sind auf dem Weg nach Polen. Da wird das Gelächter heute Abend groß sein. Weil Rumdrehen keinen Sinn ergibt, fahren wir weiter Richtung Schwedt, lassen den Abzweig nach Friedrichswalde aber rechts liegen. Die 7 Kilometer übelstes Kopfsteinpflaster sind mir noch aus früheren Touren in Erinnerung.
Kurz vor eins überqueren wir die Oder und fahren auf winzig kleinen Straßen durch Polen. Dichte Wälder umgeben uns, nur ganz selten durchqueren wir kleine Ortschaften. Kurz vor der deutschen Grenze findet sich rechts der Straße eine einladende Gaststätte, in der wir gut und preiswert zu Mittag essen.
Jetzt sind es noch gut 140 Kilometer zurück ins Hotel. Ein ums andere Mal werden wir von kopfsteingepflasteren Streckenabschnitten überrascht. Insgesamt aber kommen wir gut voran. Selbst das Wetter hat gehalten. Des morgens war’s ab und an ein wenig nieselig, aber nicht so viel, dass wir die Regenkombi hätten überziehen müssen.
Im Gegenteil. Beim nachmittäglichen Stopp, den wir diesmal an der Eisdiele in Zehdenick einlegen, lacht die Sonne vom Himmel, so dass auch die letzten 50 Kilometer Wegstrecke eine wahre Freude sind.
Krönung des heutigen Abends: im Hotel wird gegrillt. Die Chefin selbst steht am offenen Feuer und bereitet leckere Steaks und Würstchen zu. Perfektes Timing! Das angekündigte schwere Gewitter bricht erst herein, als wir mit dem Essen fertig sind. Morgen soll die Sonne wieder scheinen.
 
Und abends wird gegrillt. Herrlicher Abschluss eines tollen Tages.

Ein Land für GS-Fahrer

Güstrow sollte der nördlichste Punkt unserer heutigen Tagestour sein. Einmal entlang der vielen Seen Mecklenburgs wollten wir heute fahren und die Landschaft genießen, die sich uns äußerst vielfältig präsentierte. Laubwälder, deren frisches Grün in der Sonne strahlte, Rapsfelder, die bis zum Horizont reichten, ewig lange baumbestandene Alleen, idyllische Städte, weite Ackerflächen und vor allem Straßen, die die Fahrwerke unserer Motorräder bis zum Äußersten forderten.

Kopfsteinpflaster, Frostaufbrüche und welliger Belag – wohl dem, der große Räder, vor allem aber ordentlich Federweg vorweisen konnte. Wir hatten die Wahl: entweder breite und damit langweilige, aber in der Regel gut ausgebaute Landstraßen oder kleine, unübersichtliche Nebenstrecken, die Mann und Maschine forderten. Wofür wir uns entschieden hatten? Keine Frage, oder …
Der Fleesensee war unser erstes Ziel. Nach gut eineinhalb Stunden erreichten wir Malchow und steuerten ein nach dem See benanntes Hotel zur ersten Kaffeepause an. Auf der Terrasse sitzend, genossen wir die Aussicht sowie ein Stück Rhabarberkuchen – und wollten irgendwie gar nicht mehr weiter.
Die Mittagspause legten wir kurz nach 13 Uhr in der „Grenzburg“ am Inselsee ein. Hier ließen wir uns von einer überraschend einfallsreichen Küche verwöhnen. Insbesondere der frische Spargel, mit Rührei, gebratenen Schinken und Schwarzbrot war ein Genuss.
Auf dem Weg zurück zum Hotel war der Anteil der Bundesstraßen deutlich höher als am Vormittag, dennoch fanden wir noch ausreichend Rüttelpisten – dafür erst einmal kein Kaffee für die Nachmittagspause. Es war wie immer: wenn Du kein nettes Lokal brauchst, findest Du eben diese zu Hauf an jeder Straßenecke, aber dann, wenn Du sie suchst …
In Wittstock an der Dosse wurden wir schließlich fündig. Bei herrlichem Sonnenschein saßen wir am fein rausgeputzten Marktplatz und tranken Kaffee. Bis zum Hotel war es nun nicht mehr weit. Gegen 18 Uhr rollten wir auf dem Parkplatz aus und waren mehr als zufrieden mit unserem heutigen „Tagwerk“.
Nach dem Abendessen saßen wir noch lange auf der Terrasse zusammen, bis die Nacht so langsam hereinbrach. So kann es die ganze Woche über bleiben.
 
Eine kleine Stärkung zwischendurch. Motorradfahren ist anstrengend.

Jetzt geht’s los 

Die Motorräder stehen im Ducato, der Kaffee ist gekocht, die Brötchen sind geschmiert, nur tanken muss ich unterwegs noch mal. Gut 700 Kilometer liegen vor mir, als ich gegen 9 Uhr Richtung Uckermark aufbreche.

 Über die A5 und A7 geht es nach Hannover und Braunschweig, dann über Magdeburg weiter nach Berlin. Tempomat rein, einen vernünftigen Radiosender gesucht, die Musik auf laut – so lässt sich selbst die monotone Fahrt auf der Autobahn ertragen. Die meisten Teilnehmer sind schon seit Freitag unterwegs und touren auf herrlich kurvenreichen Straßen gen Osten. Das war mir leider nicht gegönnt. Ich nehme den „direkten“ Weg.
Dafür lasse ich die üblichen Autobahnstaus alle hinter mir. Es rollt und so liege ich gut in der Zeit. Zwei kurze Tankstopps, unterwegs mal kurz angehalten, um den Kaffee umzufüllen, schon wechsle ich nahe Neu-Ruppin auf die Landstraße. Gut 40 Kilometer noch und ich habe mein Ziel erreicht.
Viele Teilnehmer sind schon da, als ich meine G/S aus dem Transporter schiebe. Angesichts der zu erwartenden schlechten Straßen ist der alte Boxer sicher eine gute Wahl. Schauen wir mal, was die nächsten Tage so bringen.


Unterwegs ein Eierbrötchen – für den kleinen Hunger zwischendurch.