Dienstags geschlossen

Die Ligurische Grenzkammstraße, kurz LGK, ist heute das Ziel der „Enduristi“, während es auf dem Asphalt zum Col de Turini geht. Kurz nach 9 Uhr geht es los. Über das große Viadukt fahren wir nach Cuneo und dann weiter Richtung Borgo San Dalmezzo.

Der Einstieg in die Ligurische, kurz vorm dem Tenda-Tunnel, ist schnell gefunden. Kehrenreich gewinnen wir, noch auf Asphalt fahrend, schnell an Höhe. Kurz vor dem Tenda-Pass beginnt der Schotter. Wir halten kurz, um die Kameras einzuschalten, und stellen fest, dass die Zufahrt zur LGK jetzt über den schmalen Weg linker Hand erfolgt. Eine große Tafel weist auf die Maut hin, die jetzt zu zahlen ist, darauf, dass die Zufahrt nur bis 16 Uhr erfolgen kann und dass die Ligurische Dienstags geschlossen ist, also nicht befahren werden darf. So viele Regeln – und dass in Italien.

Noch ist der Himmel strahlend blau. Aber hier oben weht ein scharfer Wind und der treibt dichte Wolken, mit rasender Geschwindigkeit, direkt auf den Kamm zu. Keine guten Aussichten.

Wie angekündigt, stehen wir vier Kilometer später am Mauthäuschen. 10 Euro zahlen wir pro Motorrad. Dafür gibt’s einen Zettel, auf dem Datum und Kennzeichen notiert sind – und der unterwegs kontrolliert wird.

Mit jedem Meter, den wir in Höhe gewinnen, wird der Wind heftiger und die Sicht schlechter. Bald fahren wir in einer dichten Nebelsuppe umher und können den Verlauf des Weges nur erahnen. Wenn das die ganze Zeit so bleibt, werden wir deutlich mehr Zeit als geplant brauchen.

Aber wir haben Glück. Schon bald reißt der Himmel auf und wir genießen fantastische Fernblicke auf eine mehr als imposante Landschaft. Nach ein paar Kilometern halten wir an einem Refugio. Kaffee trinken oder weiterfahren? Die Mehrheit ist fürs Fahren. Und doch sollten wir noch zum Kaffeestopp kommen.

Fünf Kehren weiter geht gar nichts mehr: eine Kuhherde wird zu einem neuen Weideplatz getrieben. Und damit ja kein Motorradfahrer auf den Gedanken kommen könnte, sich an den Rindviechern vorbei zu mogeln, fährt hinten eine alter Lieferwagen, der die gesamte Fahrban blockiert. Eine Stunde würden sie brauchen, sagt einer der „Aufpasser“; also zurück zum Refugio und doch eine Kaffeepause eingelegt.

Gegen 13 Uhr stehen wir dann an einer Weggabelung, die uns eine Entscheidung abverlangt. Eigentlich wollten wir links abbiegen, um wieder ein Stück Asphalt unter die Räder zu nehmen. Die Abfahrt nach La Brique wären wir dann von Süden aus angegangen. Doch diese Schleife kostet zuviel Zeit.

Also bleiben wir auf der LGK, wohl wissend, dass nun der schwierigere Teil beginnt. Und in der Tat: tiefer Schotter, glatte Steine, ein immer wiede morastiger und damit sehr rutschiger Untergrund fordern uns schon heraus. Dazu kommt der wieder sehr böhige Wind, so das wir manchmal ernsthaft fürchten, vom Motorrad geweht zu werden.

Doch auch dieses Abenteuer bestehen wir mit Bravour und haben am späten Nachmittag erstmals wieder Asphalt unter den Rädern. In einer kleinen Bar in St-Dalmas-de-Tende beraten wir bei einem Cafe creme, wie es weitergeht. Trotz dunkler Wolken am Himmel beschließen wir, auch noch die Südrampe der LGK unter die Stollenreifen zu nehmen, wählen die Zufahrt aber über die D91.

Die Baisse de Peyrefique ist das Ziel, von da aus wollen wir hoch zum Tenda-Pass und dann wieder zurück ins Hotel. Auf halber Strecke lädt ein kleiner Abzweig dazu ein, ein paar Kilometer abzukürzen. Ein böser Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.

Schon bald verliert sich der feste Unterbau und wir bewegen uns nur noch auf Geröll. Traktion ist Glücksache, häufig stehen die Maschinen quer und lassen sich nur mit vereinten Kräften vorwärts bewegen. Ein üble Schinderei, die viel Kraft und Kondition fordert. Über eine Stunde brauchen wir für die letzten drei Kehren und zwei Kilometer Wegstrecke. Und so sind wir auch erst kurz vor 20 Uhr im Hotel – gerade richtig zum Abendessen.

Bei aller Plackerei – es war wieder ein toller Tag. Morgen treten wir so langsam die Heimreise an.

Unterwegs auf der Ligurischen Grenzkammstraße.

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