Der lange Weg zum Pferdesteak

Die heutige Tagesetappe führt uns, von den Bergen im Norden Sloweniens, bis ganz in den Süden, ans  Meer. Also einmal quer durch, gut 310 Kilometer. Nach den endlosen, sich kilometerlang aneinanderreihenden Ortsdurchfahrten hinter Maribor, zweigen wir bei Sentjur auf die schmale, kurvenreiche 424 und genießen jeden Kilometer – insbesondere jene Passage, bei der die  „Straße“ nur grob geschottert war.

Nach einer späten, aber ausgiebigen Kaffeepause in Sevnica, folgen wir der Save ein kurzes Stück, um uns sofort in das nächste Kurvendorado zu stürzen. Gut eineinhalb Stunden lang geht es in herrlichen Schwüngen nur links rum und dann wieder rechts rum. Kaum zweigen wir links von der 647 auf die 106 ab, findet sich rechter Hand eine kleine Bar. Leider gibt es hier nichts zum essen – und damit nimmt das Unglück seinen Lauf.

Während ich im Navi nach dem nächsten Gasthaus suche, fragt Charly einen der Gäste nach einer empfehlenswerten Möglichkeit zu Mittag zu essen. Einen Kilometer in die entgegengesetzte Richtung wäre was tolles, heißt es. Weil ich das mit den „Geheimtipps“ schon kenne, sage ich zu Charly: „Ich schau mir das mal an, wartet hier, ich komme gleich wieder“. Hans-Jürgen war kurz im Gasthaus verschwunden, Heinz musste sich noch die Motorradhose anziehen und Lutz saß ganz entspannt auf der Terrasse. Da könnte ich die Zeit für eine kleine „Erkundungsfahrt“ nutzen. Dachte ich zumindest …

Kaum war ich vom Parkplatz auf die Landstraße abgebogen, versuchte mir Wolfgang zu folgen. Und weil Wolfgang los fuhr, fuhr auch Charly los, obwohl weder sein Vordermann noch sein Hintermann startklar waren. Die standen noch verwundert auf dem Parkplatz und fragten sich, was denn nun los sei?

Unterdessen war ich der Beschilderung zum nächsten Gasthaus gefolgt. Da sich der Tipp – wie vermutet – als „Ente“ herausstellte (erfahrungsgemäß ist die Entfernungsangabe „in gut einem Kilometer“ ein recht dehnbare Begriff), fuhr ich kurzerhand auf Nebenstrecken zurück zur Bar – ohne, dass Wolfgang oder Charly davon etwas mitbekamen.

Kaum war ich wieder am Parkplatz, kamen mir die letzten drei entgegen, die fröhlich an mir vorbei fuhren – statt zu warten oder zumindest zu mir zurück zu fahren. „Warum, es war doch niemand hinter Dir“, hieß es später zur Begründung.

Nun waren alle irgendwie unterwegs und keiner wusste, wo es denn nun eigentlich hingehen sollte. Klar gibt es Gruppenregeln, mit „Verantwortlichkeiten“ für den Hintermann und der Bitte, nicht einfach wahllos durch die Gegend zu fahren. Aber wenn alle fahren …

Es dauerte nicht lange, da klingelte mein Handy. „Wir stehen hier alle an der nächsten Tankstelle, sollen wir wieder zur Bar kommen“, lautete die kleinlaute Frage. Aber bitte, ja!

Die anschließende Suche nach einer Möglichkeit einzukehren, gestaltete sich auch im weiteren Verlauf schwierig. Alle Gasthäuser, die das Navi kannte – und die annähernd auf unserer Route lagen – hatten zu. In Nova Vas stoppten wir wieder an einer Bar. „Nein, zu essen gebe es hier auch nichts“, sagte man uns. Aber am Abzweig, 100 Meter weiter…

Ich stehe vor einer verschlossenen Pension. Rechts davon ein schmaler Weg, dahinter ein romantischer Garten, mit Tischen und Bänken, an denen Menschen sitzen und essen. „Wir wären sieben und würden gern zu Mittag essen“, sage ich. „Aber gern“ bekomme ich zur Antwort. Eine halbe Stunde später stehen zwei Grillteller, dreimal Sardinen, ein vegetarisches Menü, das klang wie Minestrone aber nicht die erwartete Suppe war und ein Pferdesteak aus der Hüfte auf dem Tisch. Geht doch 😉

Die restlichen 110 Kilometer haben wir dann im Eiltempo abgespult und waren gegen 17:30 Uhr am Meer. Jetzt denken wie

Jetzt denken wir verstärkt darüber nach, ob es an der Zeit ist, „betreutes Fahren“ ins Programm aufzunehmen.

Wir haben lange gesucht – und dann doch eine tolle Gelegenheit zum Mittagessen gefunden.

Eine Antwort zu “Der lange Weg zum Pferdesteak

  1. Betreutes Fahren 👍👍👍👍

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