Zum Geisterbahnhof nach Canfranc

TOURBERICHT PYRENAEN
Sonntag, 13. September 2009 | 5. Tag

Gutes Wetter soll es auch heute geben und so entscheiden wir uns dafür, heute wieder ausgiebig Motorrad zu fahren. Während Georg mit „seiner“ Gruppe eine große, mehr als 400 Kilometer lange Runde fahren will, möchte Speedy eine atemberaubende Schlucht im spanischen „Valle di Vio“ erkunden. Die dritte Gruppe wird mit mir zum „Geisterbahnhof“ nach Canfranc fahren.

Zunächst geht es über den „Col du Soulor“ und den „Col d‘ Aubisque“ Richtung Westen. Beide Passstraßen sind atemberaubend; teilweise klebt die schmale Straße ohne Randsicherung regelrecht am Fels.

In Laruns zweigen wir auf die D 934 ab, die uns zur spanischen Grenze führt. Ein Pulk Radfahrer hält den Verkehr auf, der sich von nachfolgenden Autos nur schwer überholen lässt. Bevor wir im Schritttempo weiterfahren, legen wir lieber ein kleines Kaffeepäuschen in einer Bar am Straßenrand ein.

Bald darauf ist die Passhöhe erreicht und damit Spanien. Auf gut ausgebauten Landstraßen geht es zügig bis Jaca und dann, wieder in nördliche Richtung fahrend, zurück gen Frankreich. Nahe der Grenze steht der riesige Jugendstilbahnhof von Canfranc, der heute im Dornröschenschlaf liegt.

Einst als Umsteigebahnhof – von der französischen Normalspur auf die spanische Breitspur – gebaut, hat er die ihm zugedachte Bedeutung nie erreicht. Schon lange werden die gewaltigen Gebäude, die heute aus Gründen der Bausicherung hinter Absperrgittern liegen, nicht mehr genutzt. Lediglich eine spanische Regionalbahn fährt gelegentlich von einem Nachbargleis.

Die Dimensionen des morbiden Bauwerk werden einem erst bewußt, wenn man ein wenig um den alten Bahnhof herumläuft. Das scheint offiziell zwar nicht wirklich erlaubt, aber wer sich mit offenen Auges rechts vom Empfangsgebäude hält, sieht zumindest keine Verbotsschilder.

Über den gut ausgebauten „Col du Somport“ geht es zurück nach Frankreich. Und weil wir heute so viele relativ breite Straßen gefahren sind, zweigen wir bei Lees Althas auf die kaum handtuchbreite D 237 ab. Nach vielen holrigen Kilometern durch den Wald liegen zunächst der Col d’Icherie und der Col de Marie-Blache auf unserer Wegstrecke; an letzterem schließt sich mit dem Plateau de Benou eine beeindruckende Hochalm an.

So langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause. Doch alle Bars am Wegesrand sind geschlossen. Erst in Eaux-Bonnes werden wir fündig und stärken uns mit Milchkaffee und einer leckeren Aprikosen-Tarte für die letzten 40 Kilometer.

Die haben es in sich, denn in den Bergen hängt dichter Nebel, so dass wir stellenweise nur im Schritttempo vorwärts kommen. Kurz nach sieben sind alle drei Gruppen wieder im Hotel. Jetzt noch ein Feierabendbier und dann geht’s frisch geduscht zum Abendessen.

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