Perfektes Timing

Sonne satt am frühen Morgen. Nach einem ausgiebigen Frühstück, bei dem wieder einmal keine Wünsche offen blieben, ging es heute einmal rund um die Hohe Tatra. Erste Herausforderung gleich nach dem Start vom Hotel ist der unglaubliche Verkehr, der sich fortwährend durch Zakopane und die zahlreichen Kreisverkehre quält. Oft geht minutenlang nichts mehr, weil Kreuzungen blockiert sind oder Autos irgendwo links abbiegen wollen, aber nicht können, weil der entgegen kommende Verkehr keine Lücke lässt.

Zweite Herausforderung: eine Tankstelle finden, die nicht allzuweit von der geplanten Wegstrecke entfernt liegt. Die kleine BP am Ortsausgang ist schon von zwei unserer Gruppen blockiert; um nicht unnötig Zeit zu verlieren, fahren wir erst einmal weiter, müssen aber gut 10 Kilometer Umweg in Kauf nehmen, weil sich die nächste Tanke erst in Trstena befindet. Nachdem die Tanks voll sind, geht es 10 Kilometer retour, zum kleinen Abzweig nach Oravice. Eine herrlich kleine Straße windet sich durch den Wald, vorbei an der westlichen Flanke der Hohen Tatra.

In Zuberec treffen wir auf die 584, der wir bis zum „Liptovski Mara“ folgen – nicht ohne zuvor auf einer kleinen Passhöhe eine schöne Kaffeepause eingelegt zu haben. Die Fahrt durch Liptovski Mikulas ist ein wenig quälend, dafür ist der Abstecher nach Liptovsky Ondrej umso schöner zu fahren. Die nächsten Kilometer führen uns auf kleinen Nebenstrecken südlicher der Hohen Tatra und bieten immer wieder imposante Ausblicke auf das steil aufragende Gebirge.

Bald darauf ist die 537 erreicht; auf der Karte rot eingezeichnet, was auf viel Verkehr schließen lässt. Doch weit gefehlt – wir haben das kurvenreiche Asphaltband fast für uns alleine. Bei Podbanske finden wir etwas abseits der Straße ein nettes Lokal, in dem wir unsere Mittagsrast einlegen. Für ein ordentliches Hauptgericht, zwei große Apfelsaftschorle und einen Kaffee ruft der Kellner gerade einmal 7,50 Euro auf – Preise, von denen wir in Deutschland träumen.

Weiter gehts, vorbei an vorwiegend kahlen Hängen, hat doch der letzte schwere Sturm viele Quadratkilometer Wald am Fuße der Hohen Tatra dem Erdboden gleich gemacht.

Am frühen Nachmittag erreichen wir die Grenze zu Polen und legen noch einen Abstecher am Stausee nahe Niedizca-Zamek ein. Im Schatten einer alten Burganlage genießen wir Eis und Kaffee, bevor wir wieder zurück nach Zakopane fahren – auf kleinen Nebenstraßen. Hier scheint die Zeit stehen geblieben zu sein. Wir treffen auf zahlreiche Pferdefuhrwerke, mit denen riesige Mengen an Heu transportiert werden, sehen auf den Feldern am Straßenrand unzählige Störche und glauben uns – angesichts der vielen windschiefen Häuschen – fast um ein Jahrhundert zurückversetzt.

Der erbarmungslose Verkehr in Zapokane bringt uns schlagartig in die Wirklichkeit zurück. Diesmal kommen wir aus Richtung Osten; keine der Haupteinfallstraßen, so dass das Hotel recht zügig erreicht wird. Innerhalb von fünf Minuten treffen alle vier Gruppen ein – perfektes Timing, das wir so nur selten erleben. Punkt 18 Uhr schließt sich das große Rolltor der Garagenzufahrt; fast zeitlich wird an der Bar das erste Bier gezapft. Wenn gut 30 durstige Motorradfahrer zu trinken bestellen, hat der Barmann ordentlich zu tun.

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