Grenzerfahrungen

Im Laufe unserer zahlreichen Motorradtouren haben wir schon viele Landesgrenzen überquert, die nach Russland jetzt das erste Mal. Niemand wusste, was uns dabei erwarten würde. Im Internet war meist Beängstigendes zu lesen. Etwa von bewaffneten Kontrollposten, die einen Passierschein verlangen würden, wenn man im 7 Kilometer-Streifen rund um die Landesgrenze des Oblast Kaliningrad die Hauptroute verlassen würde. Schmuggel und illegaler Grenzübertritt sollten so verhindert werden.

Wir haben ganz andere Erfahrungen gemacht!

Bei Braniewo, dem ehemaligen Braunsberg, sind wir auf die B 54 abgebogen, die uns in wenigen Kilometern direkt zur polnisch-russischen Grenze führte. Die polnischen Zöllner konnten gar nicht verstehen, warum wir, um nach Litauen zu gelangen, durch die russische Enklave fahren wollten. Da gebe es doch schöne Straßen – ohne Grenzkontrollen – außen rum.

Am ersten russischen Posten mussten wir eine Meldekarte ausfüllen. Das war schnell erledigt. Dann durften wir in Vierer-Gruppen zur eigentlichen Zollkontrolle vorfahren. Die zur Einreise nötigen Formulare hatten wir uns zuvor beim ADAC besorgt – leider waren sie veraltet. Ein freundlicher russischer Zöllner, der ein wenig deutsch sprach, gab uns neue Papiere und half geduldig beim ausfüllen. Nicht immer landeten die geforderten Angaben in der richtigen Zeile; dann gab´s ein neues Formular, denn durchstreichen oder korrigieren durfte man nichts.

Das alles geschah in einer freundlich-ruhigen Atmosphäre. So mancher Grenzübertritt nach Italien oder Frankreich war, als es noch kein vereintes Europa gab, seinerzeit wesentlich zeitraubender, anstrengender und vor allem weniger kooperativ.

Wenn alle Papiere richtig ausgefüllt waren – natürlich in doppelter Ausfertigung – , ging man an einen Schalter; hier saß eine nette Russin, die ebenfalls ein wenig deutsch sprach. Die tippte alle Angaben seelenruhig in ihren Computer. Den von uns mühsam ausgefüllten Zollformularen schenkte sie dabei kaum Beachtung und entnahm alles Wissenswerte lieber dem Reisepass oder den beigefügten Fahrzeugpapieren. Eines der Zollformular wurde an die amtlichen Dokumente geheftet, das andere weggeschmissen. Merkwürdig, aber wahrscheinlich Vorschrift.

War alles in Ordnung, bekam man ein Dokument, in dem auf russisch geschrieben stand, dass man mit dem Motorrad unterwegs sei und wie lange man sich im Oblast Kaliningrad aufhalten dürfe. Dann folgte noch die Frage nach dem Versicherungsschutz für´s Motorrad, den so mancher leider verneinen musste.

Alle Teilnehmer, die bei der HUK versichert waren, hatten keine grüne Versicherungskarte für den Geltungsbereich Russland. Die HUK weigert sich – offensichtlich als einzige Versicherung – eine entsprechende Versicherungszusage zu geben, obwohl Russland seit dem 1. Januar 2009 dem „Grüne-Versicherungskarten-Abkommen“ beigetreten ist. Also musste, nachdem alle Zollformalitäten erledigt waren, ein nahegelegenes Versicherungsbüro angefahren werden. Ein unnötiger, zeitraubender Stopp, der für die Betroffenen mit zusätzlichen Kosten verbunden war.

Das war es dann aber auch schon. Als Einzelreisender wäre man in gut einer halben Stunde im Oblast Kaliningrad gewesen. Wir waren angenehm überrascht. Kein Koffer musste geöffnet werden, keine Personenkontrollen – „alles ganz geschmeidig“, wie Michael zu sagen pflegte.

Die Ausreise über die Kurische Nehrung verlief noch einfacher und schneller; ob man bei der Einreise über Litauen an jener Grenze allerdings eine KFZ-Versicherung abschließen kann, blieb uns verborgen. Dieser Grenzübergang scheint wenig frequentiert, so dass HUK-Versicherte hier vielleicht ein Problem bekommen könnten.

Das werden wir möglicherweise in zwei Jahren ausprobieren können. Dann wollen wir wieder nach Kaliningrad. Eventuell fahren wir dann von Rostock aus mit der Fähre nach Kleipeda, von dort auf die Kurische Nehrung und weiter in den Oblast Kaliningrad: Abenteuer, zweiter Teil.

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