Auf abenteuerlichen Wegen

Wenn der Tag schon mit einem so herrlichen Sonnenaufgang beginnt, dann kann ja nur alles gut werden – und wurde es dann auch.

Die alte Seilbahnstation Sighignola, die direkt an der Grenze zwischen Italien und der Schweiz errichtet wurde, ist das erste Etappenziel des heutigen Tages.

Vom Lago Maggiore geht es Richtung Luganer See und kurz vor Maroggia links ab in die Berge. Ein schmales Sträßchen windet sich, teilweise mit 18 Prozent Steigung und oftmals kaum mehr als drei Meter breit, kurvenreich Richtung Landesgrenze. Nach einer abenteuerlichen Serpentinengruppe, bei der einem bergauf fahrend besser kein Auto entgegen kommen sollte (weil es am Platz zum Ausweichen mangelt) geht es von der Schweiz nach Italien – quasi über die grüne Grenze, denn die Zöllner haben heute Ausgang.

In Lanzo D’Intelvi verwirrt ein Gewirr von Einbahnstraßen, dann aber ist der „Balkon Italiens“ – wie der Aussichtspunkt jetzt heißt – endlich ausgeschildert.

Meter um Meter steigt die schmale Straße an, führt durch dichte Kastanienwälder und endet schließlich an einem kleinen Parkplatz. Motorräder dürfen sogar noch ein paar Meter weiter fahren.

Es hat sich viel verändert, seit ich das letzte Mal hier oben war. Einst verschandelte die großen Stützstreben der Seilbahn, die nie fertig gebaut wurde, das Bild. Heute sind die Ruinen abgerissen; statt dessen gibt es wirklich einen „Balkon“ mit herrlicher Aussicht auf den Luganer See.

Auch das nächste Ziel, die kleine Kirche von San Gallo, ist nur auf abenteuerlichen Wegen zu erreichen. Kurz hinter Laino zweigt ein schmaler, rumpeliger Weg Richtung Ponna Inferiore ab.

In mehreren engen Serpentinen geht es bergab, bis das kleine Kirchlein erreicht ist. Warum es erbaut wurde und was es mit dem Kreuzweg auf sich hat, habe ich noch nicht herausfinden können. Beeindruckend ist das Ensemble allemal.

Auf vorwiegend schmaler Trasse geht es weiter bis Castiglione D’Intelvi, wo ich im Albergo Torre auf der Gartenterrasse eine Pause und einen kleinen Kaffee gönne. Hier wollen wir in den nächsten Tagen mal eine Mittagsrast einlegen …

Nun ist es nicht mehr weiter bis zum Comer See, den ich bei Argegno erreiche.

Gut 15 Kilometer folge ich auf der Uferstraße dem Lago di Como, die einem großen Panoptikum gleicht: große Reisebusse, die nicht ums Eck kommen, Rollerfahrer, die alles todesmutig niederkämpfen, Ortsdurchfahrten, bei denen man sich an den Prachtvillen kaum satt sehen kann, Flaneure jegliche Alters, die Parks und Cafés bevölkern – kurzum, es wird einem nicht langweilig 😉

Bei Menaggio heißt es im Tunnel die richtige Ausfahrt erwischen und schon geht es zurück in die Schweiz. Weil die Landstraße dorthin ziemlich langweilig ist, unternehme ich bei Cardano noch einen Abstecher in die Berge und schlängele mich auf schmalen Wegen Richtung Schweiz.

Unterwegs bieten sich dabei immer wieder beeindruckende, manchmal auch kuriose Ausblicke auf den Luganer See – etwa den, bei dem man sich fragt, ob man lieber im Pool oder im See baden möchte.

Bei Porlezza ist die Hauptroute wieder erreicht und bald darauf auch die Grenze zur Schweiz. Noch einmal geht es bergab, hoch zum 554 Meter hoch gelegenen Monte Ceneri, der die Magadinoebene mit dem Vedeggiotal verbindet.

Kurz nach fünf bin ich wieder im Hotel und kann schon die ersten Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrüßen. Die sind gestern noch frierend durch den Schwarzwald gefahren und freuen sich heute über die sonnigen Temperaturen im Tessin.

Charly befragt denn auch sogleich seine Wetter-App, mit was wir die nächsten Tage zu rechnen haben und kann verkünden: die Vorhersage kündigt Sonnenschein an.

Zum Abendessen sitzen wir an einer langen Tafel und genießen, nach einem Gruß aus der Küche und einen bunten Salat, eine leckere Kalbshaxe und Traubensorbet mit Grappa. Lecker 😉

Morgen wollen wir zum Lago Ritom fahren. Auch dort führt eine schmale Straße hin. Ein guter Test, um zu sehen, was wir unseren Motorradfahrern in den nächsten Tagen so alles zumuten können 😉

Auf zum Gruselhospital

Es ist halb elf, als ich an diesem Samstagmorgen endlich starte. Nach der langen Fahrt am gestrigen Abend, habe ich mir ein spätes Frühstück gegönnt – nachdem noch ein paar Details mit dem Hotelier geklärt waren, brummt die BMW endlich.

Der herrliche Sonnenaufgang am frühen Morgen verspricht einen schönen Tag. Erwartungsvoll starte ich auf Nebenwegen Richtung Locarno.

Den Abstecher ins „Valle di Blenio“ spare ich mir und biege bei Biasca gleich ins „Valle di Leventina“ ab. 80 km/h sind auf den Landstraßen erlaubt, stellenweise auch nur 60 km/h – daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch Geschwindigkeitsübertretungen sind teuer, also lieber angepasst fahren.

Nahe Quinto zweigt ein kleines, schmales Sträßchen zum Lago Ritom ab. Da wollen wir die nächste Woche eine Mittagsrast einlegen und auf dem Rückweg am „Geisterhospital Scruengo“ vorbei fahren. Auf der Suche nach dem alten verlassenen Gebäude entdecke ich eher zufällig die Osteria Altanca und entscheide mich spontan zur Mittagsrast.

Die freundliche Bedienung empfiehlt mir die Spezialität des Hauses – Polenta mit Hirschgulasch, was die Reisekasse mit 25 CHF strapaziert. Doch die Portion ist so groß, dass ich satt werde und lecker ist es allemal – also gut investiert 😉

Nach dem Essen mache ich mich auf die Suche nach dem alten Krankenhaus, in dem einst Tuberkulosekranke geheilt wurden. Die dunklen Ecken des fünfstöckigen Gebäudes und der hauseigene Totenkeller sollen nichts für schwache Nerven sein, heißt es im Internet.

Die Google-Maps-Recherche erweist sich als richtig. Der Wegpunkte sitzt an der richtigen Stelle. Schon von weitem ist das imposante Gebäude, das 1905 errichtet wurde, inmitten von Bäumen, erkennbar.

Wie erwartet sind alle Fenster und Türen mit dicken Balken oder schweren Ketten gesichert. Nur in der Eingangshalle, da scheint es einen Zugang zu geben. Von der Terrasse führt ein Weg dorthin. Doch die Treppenstufen sind zerschlagen, ich müsste am Geländer entlangklettern …

Da ich allein bin, verzichte ich auf derartige Experimente, zumal ich nicht weiß, was mich im Inneren erwartet. Einen Vorgeschmack gibt das Video „Geisterjagd“, das an diesem vergessenem Platz – einem so genannten lost place – gedreht wurde.

Hintergrundinformationen und ein Video findest Du hier:

https://likemag.com/de/sanatorio-del-gottardo-die-wohl-unheimlichste-ruine-der-schweiz/185289

Ich mache ein paar Fotos von außen und fahre zurück ins Tal, um nahe Prato auf eine kleine einsame Nebenstrecke abzubiegen, die mir von früheren Tessin-Touren noch in Erinnerung ist. Die schmale Trasse ist immer wieder eine Herausforderung – insbesondere die holprige Fahrt durch den kleine Weiler Gribbio.

Im weiteren Verlauf muss ich mich entscheiden: fahre ich hoch zum Monte Motti und belohne mich für die kehrenreiche Anfahrt mit einer kleinen Kaffeepause? Oder fahre ich noch ins Maggia-Tal und suche nahe San Carlo die Ruinen eines verlassenen Dorfes, das wieder ausgegraben wurde?

Ich entscheide mich – auch aus Zeitgründen – für die Kaffeepause und scheuche den alten Boxer auf schmaler, unübersichtlicher Trasse auf über 1.000 Meter hinauf. Heute, wie vor mehr als zehn Jahren, als ich das letzte Mal hier oben war, gibt es in der Osteria am Ende der Straße eine leckeren Kuchen, der von der Großmutter gebacken wurde – so zumindest der Name: Torta della nonna.

Auf dem Rückweg werfe ich, ein paar Kurven unterhalb des Endpunkt, noch mal einen beeindruckenden Blick auf den Läge Maggiore.

Eine dreiviertel Stunde gibt das Navi vor, für eine Strecke von gut 25 Kilometern – und sollte, weil auf den kleinen kurvigen Straßen nicht schnell gefahren werden kann, am Ende Recht behalten. Kurz nach 18 Uhr rolle ich, mit vollgetanktem Motorrad, auf den Hotelparkplatz. Ein herrlicher Tag liegt hinter mir.

Morgen will ich mir nochmal die Zufahrt zu einem kleinen Kreuzweg auf der italienischen Seite anschauen, bei dem mir die Zufahrt recht abenteuerlich in Erinnerung ist …

Anreise mit Hindernissen

Statt um 11 Uhr erst nach zwölf losgefahren. Kaum unterwegs, zeigt die Warnlampe im Display eine Fehlfunktion im Motormanagement an. Schnell zur Werkstatt – da ist Mittagspause. Also warten.

Dann die erlösende Diagnose: ein Ventil der Abgasrückführung hat geklemmt. „Wir haben es wieder gangbar gemacht, vielleicht haben Sie Glück“, meint der Meister. Habe ich, zumindest fährt der Ducato wieder. Aber nicht lange. Denn entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten fahre ich – weil ich kurz vor der Schweizer Grenze noch mal volltanken will – nicht über die französische Autobahn sondern über die A5. Und da staut es sich immer wieder gewaltig. Also ab auf die Landstraße.

Die erste Tanke mit 1,28 für den Liter Diesel lasse ich rechts liegen. Dafür tanke ich dann für 1,37 voll. Immerhin kriege ich hier auch meine Vignette. In der Schweiz rollt es dann. Bis kurz vor den Gotthard. Da geht es auf den letzten hundert Metern wieder nur um Schritt-Tempo vorwärts.

Kurz nach 23 habe ich mein Hotel in Ascona erreicht. Auspacken, einräumen, sacken lassen. Nach so viel Huddel am Anfang muss die Woche grandios werden, oder?

Noch mehr Infos zur Geierlay-Tour

Am Samstag, den 18.8.2018, waren wir wieder mal für die vhs unterwegs und sind auf kurvenreicher Strecke vom Rhein in den Hunsrück, zurück an den Rhein, rüber an die Mosel und von dort zur Geierlay gefahren – einer imposanten Hängebrücke, die wir uns unbedingt mal anschauen wollten.

Den genauen Streckenverlauf kannst Du Dir jetzt, versehen mit ein paar Bildern, bei „Relive“ anschauen. Dort ist das Video von der Tour unter folgendem Link hinterlegt:

vhsTour Geierlay

Und als Beta gibt es das Ganze auch auf Google Earth zu sehen – setzt aber einen leistungsstarken Rechner voraus:

vhsTour Geierlay (Beta)

Die gefahrene Strecke findest Du als Grafik zudem auf unserer Seite bei GPSies. Einfach auf das Bild oder den darunter stehenden Link klicken.

180818_GPSies_Strecke

Hier ist der Link.

Insgesamt haben wir ordentlich Höhenmeter zurückgelegt, wie die nachfolgende Grafik zeigt:

180818_GPSies_Höhenmeter

Rückblickend war es wieder mal ein toller, wenn auch sehr langer Tag. Elf Stunden war ich unterwegs; gut sechs Stunden davon auf dem Motorrad fahrend. 3,6 Kilometer sind wir gelaufen. Wir haben viel gelacht und unseren Spaß gehabt – insofern freuen wir uns schon auf die nächste Tagestour mit der vhs, die uns an den südlichsten Punkt von Hessen führen wird. Mehr Infos dazu gibt es hier.

Rückfragen beantworten wir wie immer gerne per Mail unter kurvenfieber@mac.com

 

350 schwankende Meter

Wer ist nur auf die verrückte Idee gekommen, irgendwo im Nirgendwo für 1,2 Millionen Euro eine abenteuerliche Hängebrücke zu bauen, die nur nach einen mindestens 30 minütigen Fußmarsch zu erreichen ist, um damit jährlich 170.000 Besucher in die Region zu locken?

In einem Workshop zur „Entwicklung der Dorfgemeinde Mörsdorf“ war dieser Plan 2006 entworfen und dann zunächst für nicht realisierbar gehalten worden. Doch wie das mit ungewöhnlichen Ideen ist, irgendwer glaubt doch an das Unmögliche. Vier Jahre später hatten drei Gemeindemitglieder, die fortan die Brückenträumer genannt wurden, einen Grundsatzbeschluss zur Umsetzung erreicht; am 26. Mai 2015 wurde mit dem Bau begonnen und nur 130 Tage später stand die Brücke.

Der ungewöhnliche Name „Geierlay“ leitet sich übrigens aus dem historischen Namen des Flurstücks ab, auf dem das imposante Bauwerk errichtet wurde. Dabei steht das Wort Lay etymologisch für Fels und deutet auf die örtlichen Schiefervorkommen hin. Mit dem Begriff Geier wird hingegen auf die vielen Greifvögel verwiesen, die einst über dem Tal kreisten. Auch die Namensfindung war Teil eines Wettbewerbs – Mörsdorf scheint, was die Einbeziehung und Beteiligung der Bürger betrifft – ganz vorne dabei zu sein.

Mehr Infos gibt es hier.

Wir starten unsere vhs-Tagestour zur „Geierlay“ des morgens um 9 Uhr an der Raststätte Heidenfahrt, gelegen an der A 60, nahe Mainz. Damit wir ein ordentliches Stück vorankommen, wird hier noch mal vollgetankt. Als ich die Zapfpistole in den Tank halte, glaube ich erst, mich vergriffen zu haben: 1,67 werden für den Liter 95er Super aufgerufen. Das ist heftig!

Wenig später gehts los. 12 Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer hatten sich zu dieser Tour der Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises angemeldet, Alle waren zum Treffpunkt gekommen – nur einer nicht: der stand auf der anderen Rheinseite und fand die Fähre nicht. Kein Problem: wir treffen uns bei der ersten Kaffeepause, meinte ich, als mir per Telefon die Botschaft des verzweifelt Suchenden übermittelt wurde. Das hat dann auch geklappt 😉

Schon nach wenigen Kilometern verlassen wir die Autobahn. Und weil wir gut in der Zeit liegen, bietet sich die Gelegenheit, bei Gau-Algesheim von der eigentlich geplanten Route abzuweichen und noch einen kleinen, kurvenreichen Schlenker über Appenheim und Horrweiler einzubauen. Es geht durchs rheinhesissche nach Guldental und weiter Richtung Gräfenbacher Hütte.

Auf schmaler Trasse bremst uns unvermutet eine Herde Kühe aus, die vor uns „im Dauerlauf“ über den Asphalt getrieben werden. Wir halten gebührenden Abstand und freuen uns, dass der Bauer die Tiere wenig später in einen Waldweg treibt, so dass wir passieren können. Danke schön.

Mittlerweile sind wir tief im Hunsrück und nehmen Kurs aufs „Haus Waldesruh“; da wollen wir die morgendliche Kaffeepause einlegen.

Auf der sonnigen Terrasse genießen wir die kleine Pause, die sich – weil es so schön ist – ungewöhnliche lange hinzieht.

Auf der nächsten Etappe geht es zunächst an den Rhein und dann hinüber zur Mosel. Auf zumeist kleinen, kurvenreichen Straßen schlagen wir einen Bogen nach Boppard, um dann nach Westen abzuzweigen. Steil und kurvenreich windet sich die schmale Straße das mächtige Schiefergebirge hinauf, um bei Brodenbach die Mosel zu erreichen. Kurz zuvor lädt ein kleiner Aussichtspunkt zu einem Fotostopp mit imposantem Ausblick.

In Emmelshausen legen wir unsere Mittagspause ein und genießen bei „San Marco“ leckere Pizza und Pasta.

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Noch einmal unternehmen wir einen Abstecher an die Mosel und legen hinter Treis einen kurzen Zwangsstopp ein. Bei der Fahrt durch die engen Gassen mogeln sich ein paar Autos in die Gruppe – und wir verlieren uns. Also umdrehen und den Rest der Truppe suchen. Das mit dem Rückspiegel üben wir noch mal 😉

Im weiteren Verlauf fahren wir durchs herrlich kurvenreiche Flaumbachtal. Vor uns der Nachwuchs auf zwei Rädern. Die örtliche Mokick-Gang knattert, in blaue Zweitaktfahnen eingehüllt, kreischend und mit stolzen 60 km/h über die schmale Landstraße – alle mit Kutte und Colour versehen. Wir überholen schließlich freundlich grüßend und die Jungs freuen sich sichtlich.

Bald darauf ist Mörsdorf erreicht. Schon von weitem weisen große Schilder darauf hin, wo geparkt werden darf – und wo nicht. Die 600 Seelen-Gemeinde ist von dem Ansturm auf die Hängeseilbrücke völlig überrannt worden; mittlerweile ist man aber dem Problem der „Wildparker“ zumindest Herr geworden.

Wir orientieren uns Richtung „Besucherzentrum“, stellen aber fest, dass Motorradfahrer dort nicht parken dürfen. Doch gleich hinter dem nahegelegenen Friedhof findet sich eine große Wiese, auf der wir unsere Moppeds – gegen Gebühr – abstellen können.

Am Besucherzentrum finden sich Spinde, in denen sich Helme und Jacken einschließen lassen – und es gibt den guten Tipp, nicht gleich dem ersten ausgeschilderten Abzweig zur „Geierlay“ zu folgen. „Biegen Sie erst hinter dem Café links ab, dann kommen sie auf einen Weg, der weitestgehend durch den Wald führt. Der ist zwar fünf Minuten länger, aber schön schattig“, wird uns empfohlen. Die Strecke ist schmal und reichlich hügelig – vor allem aber wesentlich schöner als der asphaltiere Wirtschaftsweg, über den die Massen zur Brücke strömen.

Gut eine halbe Stunde sind wir zu Fuß unterwegs, dann haben wir unser Ziel erreicht: die Geierlay. Sieht auf den ersten Blick gar nicht so schlimm aus, aber nach den ersten Schritten wird deutlich: das Ding schwankt ordentlich. Für mich ist das nichts und auch zwei aus der Gruppe machen schon nach wenigen Schritten kehrt – der Kopf macht einfach nicht mit.

Alle anderen aber wagen das Abenteuer und laufen über die imposante Hängebrücke. Steil ist der Aufstieg bis zur anderen Seite – und ebenso steil der Rückweg. Wir beobachten das muntere Treiben und sehen so manchen Besucher mit bleichem Gesicht, starrem Blick und wackeligen Knien, der sich krampfhaft an den Stahlseilen festhaltend Schritt für Schritt vorwärts wagt – oder auch wagen muss, weil er auf dem Rundwanderweg unterwegs ist.

Reichlich abgekämpft sitzen unsere „Helden“ wenig später oberhalb der Brücke und verschnaufen ein wenig. Es ist schon verrückt: da laufen täglich hunderte von Menschen über Feld und Flur, nur um die Hängebrücke anzuschauen oder einmal über sie zu gehen. Auf wir haben eine weite Anfahrt in Kauf genommen –  das Marketing-Konzept hat funktioniert.

Kaffee

Im Gasthaus Wendling legen wir auf dem Rückweg noch eine Kaffeepause ein, bevor wir wieder die Heimreise antreten. Es ist schon fast 18 Uhr, als wir aufbrechen. Einige fahren direkt, der Rest folgt uns bis hinunter an den Rhein, den wir bei Bacharach erreichen. Bei Niederheimbach geht’s auf die Fähre nach Lorch – scheint auf der anderen Rheinseite noch die Sonne.

Die beginnt gerade hinter der imposanten Burg Hohneck zu versinken und spiegelt sich prächtig im Wasser des Flusses.

Nun trennen sich unweigerlich unsere Wege. Stefan fährt mit einem kleinen Grüppchen noch mal durchs Wispertal, alle anderen entlang des Rheins Richtung Wiesbaden. Mittlerweile ist es schon nach sieben – heute bleibt die Küche kalt. Statt dessen wird noch ein Stopp bei Walters Futterkrippe eingelegt: Nürnberger Bratwürste auf Kraut mit einer Portion Pommes – lecker.

Mit den letzten Sonnenstrahlen fahre ich nach Hause. So liebe ich das: den Tag optimal nutzen. Um 8 Uhr bin ich gestartet, um 21 Uhr bin ich wieder zurück. Elf herrliche Stunden mit dem Motorrad unterwegs. 370 Kilometer gefahren, 3,6 Kilometer gelaufen, viel erlebt und viel gelacht – ein toller Tag.

In diesem Jahr bieten wir noch zwei Tagestouren für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises an. Am Samstag, den 15.9.2018, wollen wir zum südlichsten Punkt in Hessen fahren und am Samstag, den 13.10.2018, zum Saisonabschluss zum Donnersberg in der Pfalz.

Anmeldungen direkt über die Homepage der vhs. Entsprechende Infos gibt es hier.

Spaziergang für Wagemutige

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Die Wettervorhersage für Samstag stimmt wieder mal optimistisch: Sonnenschein ist angesagt 😉
Wir nutzen das gute Wetter für einen Tagesausflug zur Geierlay, der imposanten Hängebrücke im Hunsrück. Hier ist der Link dazu.
Los gehts ab 9 Uhr von der Raststätte Heidenfahrt, an der A 60 nahe Mainz. google-maps zeigt Dir, wo wir uns treffen.
Wir fahren am Samstag, den 18.8.2018, zunächst Richtung Hunsrück, biegen dann ab zum Rhein, um anschließend einen Bogen an die Mosel zu schlagen. Am Nachmittag erreichen wir dann das Besucherzentrum, um von dort einen kleinen Spaziergang an die Hängebrücke zu unternehmen.
12 Anmeldungen zählen wir schon. Wenn Du auch dabei sein möchtest, kannst Du Dich noch über die Website der vhs des Main-Taunus-Kreises anmelden. Hier wäre der Link dazu.
In diesem Jahr bieten wir noch zwei weitere Tagestouren für die vhs an.
Am Samstag, den 15.9.2018 wollen wir einen Abstecher an den südlichsten Punkt Hessens unternehmen und fahren durch den Odenwald nach Igelsbach. Dort verläuft die Grenze zweier Bundesländer mitten durch den Ort.
Und am Samstag, den 13.10.2018, wollen wir zum Saisonabschluss noch mal hoch auf den Donnersberg im Pfälzer Bergland.
Anmeldungen sind über die Website der vhs oder telefonisch möglich.
Ende September – vom 23.9. bis 29.9.2018 – gehts dann noch mal für eine abwechslungsreiche Woche ins Tessin. Hier ist kurzfristig ein Zimmer frei geworden. Wer mit uns, von Ascona aus, die herrliche Berg- und Seenwelt rund um den Lago Maggiore erkunden will, sollte mir kurzfristig eine Mail schreiben. Für die Teilnahme im (halben) Doppelzimmer werden 875 Euro aufgerufen, Sozias zahlen 825 Euro und fürs Einzelzimmer kämen noch mal 210 Euro dazu.
Ideen für 2019? Wir überlegen schon, welche Touren wir im nächsten Jahr anbieten könnten. Wenn Du persönliche Anregungen hast – gerne 😉 Schreib einfach eine Mail. Sowohl für die Tagestouren der vhs, wie auch für die „großen“ Reisen.
Wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Segway statt Motorrad fahren

Die zweite vhs-Motorradtour dieses Jahres führt uns nach Wetzlar. Nachdem wir im Juni den Baumwipfelpfad am Edersee erkundet hatten, wollen wir diesmal das Motorrad mit dem Segway tauschen und damit an einer Stadtführung teilnehmen.

Ja näher der Starttermin rückt, umso größer werden die Teilnehmerzahlen, was noch am Freitag und Samstag zahlreiche Telefonate zur Folge hat. So nach dem Motto: es sind noch zwei Teilnehmer dazu gekommen, hättest Du vielleicht noch zwei Segway? Am Ende zählt unsere Gruppe 20 Teilnehmer, 16 davon wollten Segway fahren – und alle haben einen bekommen.

Gestartet sind wir, wie so oft, um 9 Uhr ab der vhs in Hofheim. Da ich schon eine halbe Stunde früher da war, blieb noch Zeit für einen Kaffee von nahegelegenen Edeka.

So langsam füllte sich der Parkplatz. Für so manchen war es ein freudiges Wiedersehen. Kurz vor neun waren alle da – bis auf Silvi und Lothar, die wir bei der ersten Kaffeepause auflesen wollten.

Angesichts des großen Zuspruchs teilen wir uns in zwei Gruppen auf, Stefan übernahm die Führung, wir rollten das Feld von hinten auf 😉

Auf möglichst kleinen, kurvenreichen Straßen ging es über die Ausläufer des Taunus Richtung Nordhessen. Es ist immer wieder schön zu „erfahren“, welche attraktive Regionen Deutschland uns Motorradfahrern bietet. Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt war es Zeit für eine Pause; eine kleine Eisdiele hatten wir als Etappenziel auserkoren.

Nach einer ausgiebigen Rast führte uns die Route nördlichen von Wetzlar. Doch zunächst müssten wir eine unfreiwillige Pause einlegen. An einem kleinen Bahnübergang warteten wir eine gute viertel Stunde an einer geschlossenen Bahnschranke, um insgesamt vier Züge passieren zu lassen.

Das „Keltentor“, mit herrlicher Aussicht, war das Ziel unsere Mittagsrast. Hier wollten wir uns noch einmal stärken, bevor wir uns ins Abenteuer des Segway fahrens stürzen. Unter Sonnenschirmen auf der Terrasse sitzend, die Motorräder in Sichtweise, studierten wir die ansprechende Speisekarten. Eine besondere Empfehlung: das „Hessenschnitzel, gefüllt mit Rahm, Lauch und gebratenem Speck – sehr lecker.

Zwanzig Minuten später stellen wir unsere Motorräder am e-werk ab. Nach einer kurzen Einweisung machen wir uns mit den Segways vertraut: am Lenker einschalten, aufs Trittbrett schauen, leuchten dort fünf rote Dioden, ist alles in Ordnung. Dann mit dem Fuß aufs Trittbrett tippen, leuchten dann fünf grüne Dioden auf, ist der „Stabilisierungsmodus“ aktiviert und es kann losgehen.

„Jetzt bitte nicht den Lenker anfassen, sondern nur das Halterohr“, schärft uns Mario ein. Mit beiden Füßen auf den Segway steigen, das Gleichgewicht halten und erst dann die Hände an den Lenker nehmen. Und schon geht’s los.

Anfangs noch etwas mühsam und wackelig. Wird das Gewicht nach vorne verlagert, fährt der Segway nach vorne, wird das Gewicht nach hinten verlagert, bremst der Segway ab – oder fährt rückwärts. Und da gilt es erst einmal die Balance zu finden – was anfangs gar nicht so einfach ist.

Gelenkt wird, indem die Lenkstange nach links oder rechts geschoben wird. Bei einem Stopp sollte der Segway durch Körperbewegungen so austariert werden, dass er auf der Stelle stehen bleibt – was er meistens nicht tut. Die Fortbewegung damit bleibt eine Herausforderung.

Hinzu kommt, dass die hochkomplexe Elektronik bemüht ist, die Plattform auf der man steht, immer in der waagerechten zu halten. Sprich: das Ding ist ständig in Bewegung. Und bremst unterwegs bei mehr als 20 km/h automatisch ab, indem die Lenkstange nach hinten geschoben wird. Da muss man sich erste einmal dran gewöhnen …

Gleichwohl stellen wir uns der Herausforderung und starten nach einer kurzen Übungseinheit zur Stadtrundfahrt durch Wetzlar. Es geht durch die malerische Altstadt, wir fahren entlang der Lahn, über schmale Brücken und holperiges Kopfsteinpflaster. Mit unseren insgesamt 18 Segways ziehen wir häufig die Aufmerksamkeit der Passanten auf uns.

Nach einer Passage durch den Wald – auf unbefestigten Wegen – legen wir auf einer großen Wiese ein kleine Pause ein. Aufgrund der ungewohnten Körperhaltung ist das Fahren mit dem Segway doch etwas anstrengend – macht aber Spaß.

Länger als geplant sind wir auf diesem Zweirad unterwegs. Noch einmal geht es entlang der Lahn durch einen wunderschönen Park zurück zum e-werk.

Es ist schon fast halb sieben, als wir die Heimfahrt antreten – natürlich, wie geplant, auf kleinen Nebenstraßen. Unterwegs lichten sich die Reihen. Wer immer seinem zu Hause nahe kommt, biegt links oder rechts ab.

Zum Schluss sind wir noch fünf, die auf einem kleinen Parkplatz ausrollen, um Tschüss zu sagen. Schön war sie, auch diese vhs-Tagestour. Im August fahren wir zur Geierlay, der atemberaubenden Hängebrücke im Hunsrück. Mehr Infos dazu auf der Homepage der vhs des Main-Taunus-Kreises: Hier ist der Link.

 

Mehr statt weniger

Eigentlich soll die alte R 100 ja „gestrippt“ werden – kurzes Rahmenheck, andere Sitzbank, Miniblinker …

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Im Augenblick aber wird mehr an als abgebaut: der kleine Chromgepäckträger lässt das Rahmenheck gefälliger erscheinen, der Tankrucksack schafft ein wenig Stauraum und nächste Woche wird der schmale M-Lenker einem breiten Exemplar weichen.

Sieht so eigentlich auch nicht schlecht aus. Ich werde mit dem Umbau wohl noch ein wenig warten 😉

Die letzte Etappe

Unsere Flussreise entlang der Fulda neigt sich dem Ende zu – es geht wieder nach Hause. Am Frühstückstisch sitzend, blicken wir auf die Fulda und damit auch nach Niedersachsen, stellt die Flussmitte nahe Kassel doch die Ländergrenzen dar.

Es ist gegen 9 Uhr, als wir zur letzten Etappe aufbrechen. In einem weiten Bogen umfahren wir die Stadt der documenta, um in Bad Zwesten den ersten Kaffeestopp einlegen zu können.

Gut 75 Kilometer sind wir im Norden Hessens unterwegs, dann klappen die Seitenständer aus: Kaffeepause. Der „Schwälmer Brotladen“ in Bad Zwesten weiß mit einer reichhaltigen Kuchentheke zu begeistern; wir hingegen begnügen uns mit dem „Kleinen Franzosen“ zum zweiten Frühstück – einem Milchcafe mit Croissant.

Weiter geht’s auf kurvenreichen Nebenstrecken Richtung Fernwald. Das „Reiskirchener Deieck“ umfahrend, freuen wir uns, nicht auf sondern neben der Autobahn unterwegs zu sein, deren Staus im Radio schon traurige Berühmtheit erlangt haben. Das Ziel ist die „Goldene Aue“, wo wir uns zum Mittagessen angekündigt haben.

Erst wird die Speisekarte im Schaukasten inspiziert, dann die Landkarte – plant der eine oder andere doch nach dem Mittagessen die individuelle Heimreise.

An kleinen Tischen, direkt neben den Motorrädern sitzend, geben wir unsere Bestellung auf und freuen uns aufs Essen. „Himmel & Erde“ beispielsweise war sehr lecker.

Weitere 75 Kilometer später sind wir in Eppstein. Hoch oben am Kaisertempel legen wir die letzte Pause ein.

Noch einmal trinken wir Kaffee zusammen, dann trennen sich unsere Wege.

Schön war es, das lange Wochenende und sicher nicht die letzte Flussreise, die wir mit dem Motorrad unternommen haben.

Mehr Infos zur Tour und den weitern Überlegungen bitte per Mail erfragen unter kurvenfieber@mac.com

Geschichten entlang der Fulda

Der erhoffte Sonnenaufgang war uns heute nicht vergönnt, dazu war der Himmel leider zu bedeckt. Zum Motorradfahren aber war das Wetter ideal.

Kurz nach 9 Uhr starteten wir heutigen Etappe – die uns gut 200 Kilometer lang links und rechts entlang der Fulda führen sollte. In Ried erhaschen wir im Vorbeifahren einen Blick auf eine des besterhaltenen Wehrkirchen im Landkreis Fulda; in Lütter ist es der Wehrfriedhof, der einst Schutz bei Überfällen bot. Dass man dabei die eine oder andere Nacht hinter dicken Mauern bei den Verstorbenen verbringen musste, ist auch heute noch ein gruseliger Gedanke …

In Bronzell standen sich am 8. November 1850 bayerisch-österreichische und preußische Truppen gegenüber. Die Preußen hatten den Aufstand geprobt, am Ende aber den militärischen Konflikt gescheut. Nur ein Schimmel kam zu Tode und ein Schuh ging verloren. Kaum zu glauben, wenn man heute durch den Ort fährt.

Auf einer malerischen Steinbrücke überqueren wir wenig später bei Kohlhaus die Fulda. Im Mittelalter kreuzten sich hier die berühmte Handelsstraße „via regia“ und der alte „Ortesweg“.

Fulda umfahren wir weiträumig. Dass in der Domstadt um das Jahr 1600 mehr als 300 Hexen und Hexenmeister gefoltert und hingerichtet wurde, ist fast schon in Vergessenheit geraten.

Hinter Frauenrombach ist die Brücke über die Fulda wegen Bauarbeiten gesperrt. Das zwingt uns zu einem Umweg über Schlitz. Zum Glück für Hans, dessen alter Boxer so langsam eine Tankstelle braucht.

Auch in der Geschichte von Mengshausen gibt es ein dunkles Kapitel: Kurz nach dem Siebenjährigen Krieg waren zwei Marketender im Wirtshaus von Kerspenhausen eingekehrt. Beide waren durch die Versorgung von Verletzten und die Verpflegung der Truppen reich geworden. Das weckte die Missgunst von drei Ortsansässigen, die sich fadenscheinig anboten, den Fremden den Weg gen Süden zu zeigen. Tatsächlich brachten sie die beiden auf der Anhöhe der Mengshäuser Kuppe um und raubten sie aus. Doch das gestohlene Geld brachte ihnen kein Glück. An die Missetat erinnert im Wald der „Franzosenstein“. Und noch heute rufen die Seelen der Verstorbenen „Mon Dieu, Mon Dieu – pourquoi m’as-tu-abandonné – Mein Gott, Mein Gott – warum hast Du mich verlassen“, wenn starke Herbststürme über die Gipfel fegen.

Unser Weg entlang der Fulda führt uns auch durch Baiershausen. Versteckt im Wald findet sich das Lager Pfaffenwald und – nicht weit davon entfernt – ein Friedhof. Zum Bau der „Asbachtalbrücke“ an der einstigen Reichsautobahn 4 waren 1838 Zwangsarbeiter eingesetzt worden, die im Lager lebten und auf dem Friedhof bestattet wurden, wenn sie der Strapazen erlagen.

In Asbach machen wir im Gasthof Herzog Halt und damit einen Kaffeestopp.

Bad Hersfeld umfahren wir im Anschuss weiträumig. Von nun an ist die Fulda schiffbar gewesen.

Bald drauf is Breitenbach erreicht, ein schon im Mittelalter bedeutender Ort, gab es hier doch eine Furt durch die Fulda. 1760, 1775 und 1860 wurde der Fluß bei Breitenbach mehrfach begradigt. Davon konnte das Flößergewerbe profitieren, das um 1809 einen deutlich Aufschwung erlegte. Aus Thüringen stammendes Holz wurde zu Brettern verarbeitet, in Breitenbach zu Flößen zusammengebunden und in 35 Stunden über 80 Kilometer weit bis nach Fulda transportiert.

Die Chronik von Lüdersdorf, dem nächsten Ort, ist zu entnehmen, das 1627 hier noch 17 Einwohner lebten. 1639 aber nur noch drei Männer und eine Kuh. Tillys Truppen hatten den Ort im 30jährigen Krieg verwüstet, weil die Bewohner, wie auch die von Breitenbach, immer wieder Überfälle auf dessen Soldaten verübt hatten.

In Melsungen legen wir einen Stopp an der mächtigen „Bartenwetzerbrücke“ ein. Früher hatten hier die Holzfäller ihre Klingen (Barten) am Sandstein geschärft – die Spuren sind noch heute sichtbar.

So langsam wird es Zeit für die Mittagsrast, die wir in Büchenwerra einlegen wollen. Hier wechselt die Fulda in zwei Schleifen gleich zweimal ihre Fließrichtung.

Früher führt nur ein klappriger hölzerner Steeg über den Fluss, ans andere Ufer, wo die Bauern ihre Felder hatten. Heute weist ein Schild zur Autobahn – hier am A…. der Welt – den kürzesten Weg zur A7. Verrückt.

Wir genießen den malerischen Ausblick auf den Fluss, schauen uns alte Bilder von der historischen Dorfansicht an und essen herzhaft zu Mittag. Im Angebot des Gasthaus Hartung ist „Ahle Wurscht“.

Vorbei am Kloster Breitenau fahrend, das in seiner wechselvollen Geschichte 1871 – während des deutsch-französischen Krieges – 750 französische Kriegsgefangene beherberge, dann Besserungsanstalt war und während des Zweiten Weltkriegs dann KZ, verlassen wir die Fulda fürs erste, weil wir einen weiten Bogen um Kassel schlagen wollen.

Erst in Hann. Münden treffen wir wieder auf den Fluss und sind damit auch am eigentlichen Ziel unserer Reise angelangt. Am Gasthof „Zum Wesertein“ stellen wir die Motorräder ab und gönnen uns erst mal ein kaltes Eis mit heißen Himbeeren zur Erfrischung.

Dann geht es zu Fuß weiter zum „Weserstein“. An der Altstadt von Hann. Münden vorbei fließend, vereinigt sich die Fulda wenig später mit der Werra und wird so zur Weser, die gut 300 Kilometer später bei Bremerhaven in die Nordsee fließt.

Auf den letzten Kilometern des Tages fahren wir „gegen den Strom“ – von der Mündung ein kleines Stück zurück in Richtung Quelle.

War die Fulda bei Büchenwerra noch ein kleiner, malerischer Fluss, ist sie jetzt schon fast ein breiter Strom geworden. Zahlreiche Zuflüsse und Staustufen haben sie ordentlich anschwellen lassen – Tribut an die Schiffbarkeit.

Direkt am Flussufer schlagen wir unser „Nachtlager“ auf und verbringen im Hotel „Rote Kater und Schwarze Katze“ einen angenehm lauen Sommerabend.

Bis tief in die Nacht sitzen wir an der Fulda und schauen zu, wie es so langsam Nacht wird. Wenn man sich überlegt, was sich am Ufer des Flusses im Laufe der Jahrhunderte so alles zugetragen hat – eigentlich unglaublich.

Morgen treten wir den Heimweg an. In drei Etappen geht es zurück in Richtung Frankfurt. Besichtigungen sind da nicht mehr eingeplant.