Auf zum Gruselhospital

Es ist halb elf, als ich an diesem Samstagmorgen endlich starte. Nach der langen Fahrt am gestrigen Abend, habe ich mir ein spätes Frühstück gegönnt – nachdem noch ein paar Details mit dem Hotelier geklärt waren, brummt die BMW endlich.

Der herrliche Sonnenaufgang am frühen Morgen verspricht einen schönen Tag. Erwartungsvoll starte ich auf Nebenwegen Richtung Locarno.

Den Abstecher ins „Valle di Blenio“ spare ich mir und biege bei Biasca gleich ins „Valle di Leventina“ ab. 80 km/h sind auf den Landstraßen erlaubt, stellenweise auch nur 60 km/h – daran muss man sich erst einmal gewöhnen. Doch Geschwindigkeitsübertretungen sind teuer, also lieber angepasst fahren.

Nahe Quinto zweigt ein kleines, schmales Sträßchen zum Lago Ritom ab. Da wollen wir die nächste Woche eine Mittagsrast einlegen und auf dem Rückweg am „Geisterhospital Scruengo“ vorbei fahren. Auf der Suche nach dem alten verlassenen Gebäude entdecke ich eher zufällig die Osteria Altanca und entscheide mich spontan zur Mittagsrast.

Die freundliche Bedienung empfiehlt mir die Spezialität des Hauses – Polenta mit Hirschgulasch, was die Reisekasse mit 25 CHF strapaziert. Doch die Portion ist so groß, dass ich satt werde und lecker ist es allemal – also gut investiert 😉

Nach dem Essen mache ich mich auf die Suche nach dem alten Krankenhaus, in dem einst Tuberkulosekranke geheilt wurden. Die dunklen Ecken des fünfstöckigen Gebäudes und der hauseigene Totenkeller sollen nichts für schwache Nerven sein, heißt es im Internet.

Die Google-Maps-Recherche erweist sich als richtig. Der Wegpunkte sitzt an der richtigen Stelle. Schon von weitem ist das imposante Gebäude, das 1905 errichtet wurde, inmitten von Bäumen, erkennbar.

Wie erwartet sind alle Fenster und Türen mit dicken Balken oder schweren Ketten gesichert. Nur in der Eingangshalle, da scheint es einen Zugang zu geben. Von der Terrasse führt ein Weg dorthin. Doch die Treppenstufen sind zerschlagen, ich müsste am Geländer entlangklettern …

Da ich allein bin, verzichte ich auf derartige Experimente, zumal ich nicht weiß, was mich im Inneren erwartet. Einen Vorgeschmack gibt das Video „Geisterjagd“, das an diesem vergessenem Platz – einem so genannten lost place – gedreht wurde.

Hintergrundinformationen und ein Video findest Du hier:

https://likemag.com/de/sanatorio-del-gottardo-die-wohl-unheimlichste-ruine-der-schweiz/185289

Ich mache ein paar Fotos von außen und fahre zurück ins Tal, um nahe Prato auf eine kleine einsame Nebenstrecke abzubiegen, die mir von früheren Tessin-Touren noch in Erinnerung ist. Die schmale Trasse ist immer wieder eine Herausforderung – insbesondere die holprige Fahrt durch den kleine Weiler Gribbio.

Im weiteren Verlauf muss ich mich entscheiden: fahre ich hoch zum Monte Motti und belohne mich für die kehrenreiche Anfahrt mit einer kleinen Kaffeepause? Oder fahre ich noch ins Maggia-Tal und suche nahe San Carlo die Ruinen eines verlassenen Dorfes, das wieder ausgegraben wurde?

Ich entscheide mich – auch aus Zeitgründen – für die Kaffeepause und scheuche den alten Boxer auf schmaler, unübersichtlicher Trasse auf über 1.000 Meter hinauf. Heute, wie vor mehr als zehn Jahren, als ich das letzte Mal hier oben war, gibt es in der Osteria am Ende der Straße eine leckeren Kuchen, der von der Großmutter gebacken wurde – so zumindest der Name: Torta della nonna.

Auf dem Rückweg werfe ich, ein paar Kurven unterhalb des Endpunkt, noch mal einen beeindruckenden Blick auf den Läge Maggiore.

Eine dreiviertel Stunde gibt das Navi vor, für eine Strecke von gut 25 Kilometern – und sollte, weil auf den kleinen kurvigen Straßen nicht schnell gefahren werden kann, am Ende Recht behalten. Kurz nach 18 Uhr rolle ich, mit vollgetanktem Motorrad, auf den Hotelparkplatz. Ein herrlicher Tag liegt hinter mir.

Morgen will ich mir nochmal die Zufahrt zu einem kleinen Kreuzweg auf der italienischen Seite anschauen, bei dem mir die Zufahrt recht abenteuerlich in Erinnerung ist …

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