150 Kilometer Einsamkeit

TOURBERICHT RIESENGEBIRGE
Sonntag, 29. September 2013 | 2. Tag

Gut vier Grad plus zeigt das Außenthermometer, als wir früh am Morgen aus dem Fenster schauen. So soll es auch die nächsten Tage sein, verspricht zumindest der Wetterbericht. Sonnig und trocken, mit Temperaturen, die tagsüber knapp zweistellig werden dürften.

Wir stärken uns erst mal an einem grandiosen Frühstücksbüffet, das kaum Wünsche offen lässt. Schnell sind anschließend die Gruppen eingeteilt, so dass wir um Punkt 9 Uhr starten können. Kurz hinter Hellendorf queren wir die Grenze zu Tschechien. Nur ein einsames Schild an Wegesrand – das mahnt, bei Stau den Motor abzustellen – erinnert, wie es hier war, als es noch Grenzkontrollen gab.

Wir halten uns grob Richtung Südwesten und folgen am Vormittag dem Grenzverlauf auf tschechischer Seite. Das bedeutet: gut 150 Kilometer Einsamkeit. Kilometerlang fahren wir durch herrlichste, menschenleere Labdschaften. Knorrige Bäume stehen an Straßenrand, deren sich gelb verfärbende Blätter in der Herbstsonne strahlen. Nur ganz gelegentlich passieren wir kleine Ortschaften, die häufig menschenleer erscheinen, auch wenn viele Werbeplakate in deutscher Schrift für gutes Essen, Zahnbehandlung oder eindeutige „Dienstleistungen“ werben.

Immer wieder rückt die einst trennende Grenze in Sichtweite. Heute ist davon außer ein paar weißen Steine in der Wiese und einem nur noch zu erahnenden Graben kaum mehr etwas zu sehen. Eigentlich ein Wahnsinn, oder?

Immer wieder gewinnt das schmale Sträßchen an Höhe, wir bewegen und vorwiegend in Regionen zwischen 600 und 800 Metern. Wer heute Morgen einen Pullover mehr abgezogen hat, hat gut daran getan – der böige Wind ist doch recht frisch.

Nach einer kleinen Kaffeepause auf tschechischer Seite wechseln wir gut 50 Kilometer später – bei Cemy Potok – wieder nach Deutschland und steuern Annaberg-Buchholz an. Auf dem Pöhlberg wollen wir Mittag machen. Weil die Sonne strahlend vom Himmel lacht, beschließt ein Teil der Gruppe auf der Terrasse zu essen und genießt bei einem Teller Soljanka die herrliche Aussicht.

Auf der Rückfahrt ins Hotel folgen wir dem Grenzverlauf auf der deutschen Seite und stellen fest, dass in vielen Ortschaften Häuser und Gewerbeflächen kaum eine Handbreit von Tschechien entfernt stehen. Meist trennt nur ein kleiner Bach die beiden Länder.

In Altenberg legen wir noch eine Kaffeepause ein und erreichen eine gute dreiviertel Stunde später, kurz vor dem Sonnenuntergang, Cunnersdorf. Nach einer heißen Dusche wartet ein leckeres Abendessen auf uns, bei dem wir die Erlebnisse des Tages noch einmal Revue passieren lassen.

Morgen fahren wir ins Riesengebirge. Trutnov ist das Ziel. Angesichts des sternklaren Himmels in der Nacht, wird es wohl am Morgen wieder reichlich frisch werden. Wohl dem, der lange Unterwäsche eingepackt hat …

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Nur ein kleiner weißer Stein markiert die Grenze.Für ein Foto lassen sich problemlos die Seiten zwischen beiden Ländern wechseln.

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