Tagesarchiv: 07/09/2013

Zurück in einem Rutsch

TOURBERICHT FRIAUL
Samstag, 7. September 2013 | 7. Tag

Es geht wieder nach Hause. Kurz nach 8 Uhr haben die meisten bereits gefrühstückt. Die Koffer sind gepackt, die Motorräder reisefertig. So mancher wird in zwei Etappen den Weg gen Heimat antreten. Ich werde mit dem Ducato in einem Rutsch über die Autobahn nach Hause fahren – gut 850 Kilometer sollten bis zum Abend zu schaffen sein.

Eine halbe Stunde früher als geplant geht’s los. Schnell ist die italienische Autobahn erreicht; an der Zahlstation ist erfreulich wenig los, so dass die Grenze zu Österreich schnell näher rückt. Auch im Katschberg- und dem Tauerntunnel herrscht weitgehend freie Fahrt – dann klingelt das Telefon: Charly hat Probleme mit seinen VW-Bus, der Motor wird zu heiß.

Wir treffen uns auf dem nächsten Parkplatz und beratschlagen, was jetzt am besten zu tun ist. Nachdem sich wieder Öl im Kühlwasser befindet, wird es wohl das Beste sein, nicht mehr allzuweit zu fahren. Kleinarl ist nicht weit entfernt. Da hat Charly gute Bekannt – und wird von dort aus den Pannendienst anrufen. Der wird wenig später einen defekten Wärmetauscher diagnostizieren; ein Defekt, der hoffentlich in drei Tagen behoben sein wird.

Zwischenzeitlich hat der Verkehr auf Autobahn deutlich zugenommen. An der Grenze zu Deutschland der erste große Stau – und der Verkehrsfunk meldet bis hinter München zahlreiche weitere. Also fahre ich quer übers Land bis Regensburg und gehe da auf die Autobahn. Am späten Nachmittag Ist die A3 völlig frei, so dass die letzten 400 Kilometer zügig zurückgelegt werden können. Ein schöner Motorradurlaub geht zu Ende.

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Ein letztes Frühstück auf der Terrasse des Hotels, dann geht es wieder nach Hause. Die Woche im Friaul wird uns in angenehmer Erinnerung bleiben.

Achtung: Kühe im Nebel

TOURBERICHT FRIAUL
Freitag, 6. September 2013 | 6. Tag

Der letzte Tourtag unserer Reise ins Friaul ist angebrochen. Während sich Stefan noch einmal auf den Weg in Richtung Slowenien macht – um bei Jazbek, einem netten Hotelier unterhalb von Kobarid, eine schöne Mittagsrast einzulegen – wollen wir noch einmal Endurowandern.

Nur wenige Kilometer hinter Ravascletto zweigt die Straße zum „Zuof Plan“ ab. Das Hochplateau liegt auf gut 2000 Meter. Zweidrittel der Zufahrt sind asphaltiert, dann beginnt der Schotter. Gemessen an dem, was uns heute noch erwarten wird, eine reine Spazierfahrt.

Ab 1500 Meter hängen die Wolken tief. Nebelschwaden ziehen sich den Berg hinauf. Mal reißt es auf, mal beträgt die Sicht kaum 20 Meter. Wir gewinnen stetig an Höhe. Bei 1700 Meter müssen wir mitten durch eine Kuhherde. Die Rindviecher stehen geballt mitten auf dem Weg und machen nur widerwillig Platz.

Wieder im Tal, gönnen wir uns in der nächsten Bar einen Kaffee und machen uns dann auf den Weg zum „Monte Paularo“. Als wir durch Paluzza fahren kündigt ein Schild Bauarbeiten im weiteren Streckenverlauf an. Offensichtlich ist die Straße irgendwo gesperrt.

Doch bis zum Abzweig nahe Ligosullo läuft alles reibungslos. Wieder geht es hoch auf gut 2000 Meter. Zunächst asphaltiert, wird der kaum autobreite Weg bald unbefestigt. Die letzen 5 Kilometer arten in harte Arbeit aus. Der Schotter wird deutlich gröber, zahlreiche Auswaschungen und grobe Felsen im Untergrund fordern Mann und Maschine. Es scheint, als würden wir mitten durch ein Bachbett fahren. Und mit jedem Meter, den wir an Höhe gewinnen, wissen wir: das müssen wir alles wieder zurück …

Genug der Quälerei, wir haben wieder Asphalt unter den Rädern. Doch ein Absperrgitter und ein kreisrundes Schild mit roten Rand scheinen uns die Weiterfahrt zu verwehren. Rumdrehen würde unseren ganzen Zeitplan durcheinander bringen. Also handeln wir nach der altbewährten Devise: erst mal schauen, was der Grund für die vermeintliche Straßensperre sein könnte.

Zudem: es ist Freitagmittag nach 12 Uhr, da wird in Italien wohl nicht mehr allzuviel im Straßenbau gearbeitet werden. Stimmt: der Weg ist frei, von Bauarbeitern keine Spur. Nur in Paularo behindert uns ein aufgeschütteter Erdhügel ein wenig. Doch auch dieses Hindernis ist schnell überwunden, so dass wir uns – wie geplant – auf den Weg zur „Straniger Alm“ machen können.

Vom Lanzenpass zweigt linker Hand die zwischenzeitlich sogar ausgeschilderte Zufahrt nach Österreich ab. Grob geschotterte Kehren und ein steiler kurvenreicher Anstieg erweisen sich kurz vor der Mittagsrast noch mal als kleine Herausforderung – bislang bin ich diesen Weg immer in umgekehrter Richtung – bergab, von Österreich nach Italien gefahren.

Auf der gut 1500 Meter hoch gelegenen Alm lassen wir uns eine opulente „Bretteljause“ munden und gönnen uns zum Nachtisch noch einen Yoghurt mit Heidelbeeren. Genau so hatten wir uns diesen Tag vorgestellt.

Noch ein paar unbefestigte Kilometer durch den Wand, dann haben wir wieder festen Belag unter den Stollenreifen. Auf Nebenwegen geht es nach Kötschach und dann über den Plöckenpass wieder nach Italien. Gut 150 Kilometer stehen auf der Uhr, als wir kurz nach 16 Uhr wieder im Hotel eintreffen. Schnell werden die Motorräder verladen, dann ist Zeit für ein kleines Feierabendbier. So langsam geht unsere erlebnisreiche Woche im Friaul zu Ende – schade.

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Die Rindviecher haben ganz dumm geschaut, als wir plötzlich um die Ecke kamen. Aber: wir haben uns vertragen und sind ganz langsam gefahren.

Das kleine Pässe-Karrussel

TOURBERICHT FRIAUL
Donnerstag, 5. September 2013 | 5. Tag

Zwei Hände voll an attraktiven Passstraßen standen heute auf den Programm: Forcella Lavardet, Sella di Razzo, Passo di Pura, Passo di Mauria, Passo Chibiaba, Passo Staulanza, Passo Giau, Passo Tre Croci, Passo del Zovo und zum Schluss noch die Cima Sappada. Eine schöne, gut 300 Kilometer lange Runde mit einem Gesamtaufstieg von 7382 Höhenmetern. 6 Stunde 2 Minuten reine Fahrzeit, 3 Stunden 20 Minuten Pause bei einem Reisedurchschnitt von 50,8 km/h. Nackte Zahlen, die in keinster Weise den eigentlichen Fahrspaß widerspiegeln.

Durchs „Val Pesarina“ geht’s zunächst Richtung Westen. Nachdem wir eine Vielzahl an kleinen Ortschaften hinter uns gelassen haben, geht es kurvenreich und stetig ansteigend durch den Wald. Über den Razzo-Sattel „stürzen“ wir uns hinab zum Lago di Sauris und fahren durch einen engen, direkt in den Fels geschlagenen, dunklen Tunnel hoch zur Anhöhe des Pura-Pass. Im dortigen Rifugio legen wir eine kurze Kaffeepause ein, bevor es über den Mauriapass Richtung Pieve di Cadore geht.

In Venas setzen wir den Blinker links und sind endlich wieder auf kleinen Straßen unterwegs. So langsam wird es Zeit für eine Mittagspause. Auf der Zufahrt zum Passo Staulanza entdecken wir in einer Kehre ein Hinweisschild zur „Malga Vescova“. Gut einen Kilometer folgen wir dem unbefestigten Weg, dann kommen erste Zweifel auf, ob wir den richtigen Abzweig genommen haben. Doch kurz darauf weist uns ein neuerliches Schild den Weg, bald darauf haben wir auch dieses (spontane) Etappenziel erreicht.

Das auf gut 1800 Metern gelegene Agritourismo bietet neben Speckbrot vor allem selbstgemachte Polenta mit Wurst oder Käse an, die in dieser traumhaften Umgebung fast schon himmlisch schmecken. Zur „Verdauung“ gibt’s einen schnellen Ritt hoch auf den Giau, der mit seiner faszinierenden Aussicht immer wieder zu begeistern weiß.

Nach einem Tankstopp in Cortina fahren wir über den „Tre Croce“ Richtung Auronzo und legen am Fuße des kleinen „Passo del Zovo“ eine Kaffeepause ein. Gut 65 Kilometer sind es jetzt noch bis „zu Hause“ – um 18:23 Uhr sind wir wieder in Hotel.

Morgen treten wir die Rückfahrt nach Oslo an … wenn wir denn – wie eigentlich geplant – nach Norwegen gefahren wären. Sind wir aber nicht. Und so können wir noch einen ganzen Tag durchs Friaul streifen – und auch noch mal ein wenig Enduro fahren.

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Ausblick von der „Malga Vescova“. Auf einer kleinen Almhütte haben wir Polenta mit Wurst gegessen – und das Bergpanorama genossen.