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Einmal hoch in den Norden

LAGO DI LEDRO: 3. TOURTAG / Mittwoch, 19.6.2019 – Nachdem wir die ersten beiden Tage auf relativ kleinen, zum Teil auch recht schlechten Straßen unterwegs waren, gönnten wir uns am Mittwoch – zur Entspannung – eine erholsame Tour zum Mendelpass. Der „Monte Bondone“ war dabei die erste Herausforderung, dann fuhren wir über die Weinstraße Richtung Kalterer See. Am Mendelpass angekommen, zweigten wir auf die kleine Straße zum Penegal ab und genossen vom Panoramarestaurant die herrliche Aussicht.

Die Kaffeepause war dann am romantischen Lago di Tovel geplant, bevor es langsam wieder zurück zum „Hotel Garden“ am Lago di Ledro ging.

Das kleine Video zeigt den Verlauf der Strecke, die wir gefahren sind. Den ausführlichen Reisebericht findet Ihr jetzt oberhalb dieses Blog-Eintrags.

Der Original-Link wäre: https://www.relive.cc/view/r10006007669

Du kannst den Tourverlauf auch auf der Landkarte nachverfolgen:

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Endlich ist der „Mortirolo“ das Ziel

LAGO DI LEDRO: 2. TOURTAG / Dienstag, 18.6.2019 – Ob ich den Mortirolo schon gefahren bin? Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Im vergangenen Jahr wollte ich von Imst aus zum Stilfser Joch und dann weiter zum Gavia. Leider, so hatte ich es auf Facebook beklagt, müsste ich den Rückweg über den gut ausgebauten Tonale planen, wollte ich keinen zeitraubenden Umweg über Edolo fahren.

Keineswegs, hieß es kurz darauf in einer Nachricht im Messenger. Such mal nach dem kaum bekannten Mortirolo. Über den kommst Du wieder gut zurück und kannst anschließend den Umbrail für die Rückfahrt einplanen. Genial!

Hat am Ende alles aus zeitlichen Gründen nicht geklappt, aber der Mortirolo steckte mir in der Nase. Und als klar war, dass dieser kleine Pass vom Gardasee aus in einer Tagestour erreichbar ist, stand der als eines der Ziele für 2019 quasi schon fest. Heute also Mortirolo. Erwartungsvoll starten wir um kurz nach 9:00 Uhr vom Hotel Garden.

 

Eigentlich wollten wir, wenn wir schon „in den Norden fahren“, auch den Gavia noch mitnehmen. Der blieb aber länger als sonst unter dicken Schneemassen verborgen. Noch nicht einmal zum Giro Anfang Juni konnte der legendäre Pass frei gegeben werden, so dass wir uns auf keine Experimente einlassen wollten.

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Mit Bedienung kostet der Liter mindestens 10 Cent mehr

Erst einmal war tanken angesagt. Gleich hinter Storo fand sich dazu Gelegenheit. Doch Vorsicht: an unterschiedlichen Zapfsäulen gelten unterschiedliche Preise! An einer Reihe ist Selbstbedienung und damit ein „günstigerer“ Preis angesagt, an der anderen wird bedient. Der oft saftige Aufschlag – bis zu 20 Cent pro Liter – wird auch dann fällig, wenn man selbst zur Zapfpistole greift.

In Tione di Trento wollte ich eigentlich auf den Passo Daone abzweigen. Das kurvenreiche Sträßchen, das eine Höhe von 1295 Metern erreicht, soll insbesondere auf der Nordrampe recht steil und schmal sein – und stellenweise unbefestigt, wie Stefan feststellt. Er hat im Navi einige gestrichelte Abschnitte entdeckt, die in der Regel auf fehlenden Asphalt hinweisen. Also bleiben wir (schweren Herzens) auf der gut ausgebauten Staatsstraße und legen die erste Kaffeepause unbeschadet am „Campo Carlo Magno“ vor prachtvoller Kulisse ein.

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Bei so einer Aussicht schmeckt der Kaffee noch mal so gut 😉

Die oft vielbefahrene SS42, die zum Passo Tonale führt, ist an diesem Dienstagmorgen erfreulich leer, so dass wir zügig vorankommen. Stefan legt mit seiner Gruppe noch einen kurzen Fotostopp am Fort Strino ein, während wir einen GS-Fahrer aus Rosenheim vor uns hertreiben.

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Fotostopp an einem Überbleibsel des österreichisch-ungarischen Festungsriegel am Tonalepass

Das Werk Strino war eines von insgesamt vier Sperrwerken des österreichisch-ungarischen Festungsriegel am Tonalepass. Nachdem der einstige Karrenweg über den Pass 1859 zu einer leistungsfähigen Verbindung ausgebaut worden war, wurden sich die Akteure der Gefahr bewusst, dass man damit durchaus auch ein Einfallstor für die gegnerischen, italienischen Truppen geschaffen hatte. Die im Anschluss errichte Sperrgruppe, zu dem neben dem Werk Strino auch das Werk Presanella (im Süden) und die Werke Merlo und Tonale (im Norden) gehörten, hatte folglich die Aufgabe, das Val di Vermiglio und damit auch das Val di Sole abzuriegeln.

Bald darauf ist der Tonalepass erreicht. Es wird merklich frisch auf 1884 Metern. Vielleicht hat es ja sein Gutes, dass wir von hier aus nicht zum Gavia fahren – der wäre 2618 Meter hoch. Der Tonale trennt das lombardische Valcamonica vom bereits im Trentino gelegenen Val di Sole, auch Sulztal genannt. Auf der Passhöhe steht eine mächtige Gedenkstätte mit Beinhaus (Ossario) für die im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten.

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Die Gedenkstätte am Tonale für die Gefallenen des Ersten Weltkriegs

Jetzt ist es nicht mehr weit zum Mortirolo, dem eigentlichen Ziel der heutigen Tagestour. Ein kleines kurvenreiches Sträßchen windet sich nahe Monno den Berg hinauf und lässt die breite Staatsstraße schnell hinter sich.

Nur noch wenige Kilometer und die ausladende Terrasse des Hotel Belvedere, die hinter einer Kehre auftaucht, signalisiert: wir haben unser Etappenziel erreicht.

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Die letzten Kehren vor der Mittagspause

Zeit für eine ausgiebige Mittagspause, in der sich der eine oder andere erst einmal orientiert, wo wir denn jetzt sind. Erika, unsere Gastgeberin, empfiehlt, neben dem Klassiker Spagetti Bolognese auch eine lokale Spezialität aus dem lombardischen Veltin: Pizzocheri – das sind Nudeln aus Buchweizenmehl, die typischerweise mit Wirsing und Kartoffeln sowie Käse vermischt werden. Sieht vielleicht nicht besonders lecker aus, schmeckt aber hervorragend.

Für die Rückfahrt zum Hotel gibt es zwei Möglichkeiten: in einem Bogen über ein kleines, kurvenreiches Sträßchen Richtung Mazzo di Valtellina oder über die Höhenstraße Richtung Megno. Als gutes Team teilen wir uns auf: Stefan nimmt die kurvigere Variante unter die Räder, ich die etwas direktere, um schon mal auskundschaften zu können, ob wir über den Croce Domini kommen. Es hält sich hartnäckig das Gerücht, dass dieser gesperrt sei, wenngleich im Netz dazu keine Infos zu finden sind.

Auf der Höhenstraße liegt an den Rändern noch Schnee. Vor gut zwei Wochen dürfte hier noch kein Durchkommen gewesen sein.

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Schneereste auf 1.800 Meter – kein Wunder dass der nahegelegene 2.600 Meter hohe Gavia so lange unpassierbar war

Über weite Strecken fahren wir auf parallel zur SS42 verlaufenden Provinzstraßen. In Breno zweigen wir auf die kurvenreiche „Abkürzung“ zum Croce Domini ab – und sind zuversichtlich. Keines der zahlreichen Hinweisschilder deutet auf ein mögliches Fahrverbot hin, zudem kommen uns zahlreiche Motorradfahrer entgegen. Der Pass scheint offen.

Von wegen! Als wir auf die SPB345 abbiegen steht da unmissverständlich in weißer Schrift auf rotem Untergrund: chiuso. Der Pass ist dicht! Nun ist guter Rat teuer. Denn die „Umleitung“ würde uns mindestens zwei Stunden zusätzliche Fahrzeit kosten. Also sollten wir einfach mal schauen, warum die Straße gesperrt ist. Meist gibt es ja doch irgendeine Möglichkeit …

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Der Pass ist geschlossen. Heißt dies, dass ein Passieren unmöglich ist?

15 Kilometer sind noch es bis zum Rifugio oben am Pass. Eine Distanz, die wir zur Not auch zurückfahren könnten, wenn wirklich nichts geht. Von einigen Hinweisschildern abgesehen, die auf irgendwelche Bauarbeiten hinweisen, verläuft die Fahrt zunächst völlig problemlos. Dann erreichen wir eine Passage mit heftigem Windbruch. Entwurzelte Bäume haben den Asphalt beschädigt, mächtige Baumstämme liegen im Hang. Eine gespenstige Szenerie. Sollte das der Grund für die Sperre sein? Ein Haftungsausschluss, falls hier Holz ins Rutschen kommt?

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Irgendwie bedrückend und unheimlich war die Fahrt ja schon

Wenige Kilometer später stehen wir mitten in einer Baustelle. Arbeiter befestigen den Hang mit neuen Steinen, die ein großer Bagger gerade zur Seite räumt. Hier ist erst einmal kein Durchkommen mehr – es gibt aber auch keinen Grund zur Resignation. Das Beste wird sein: wir warten erst einmal geduldig am Straßenrand und stören Niemanden. Der Rest wird sich weisen.

Der Baggerfahrer hat uns zumindest schon bemerkt, baggert aber erst einmal munter weiter. Nach ein paar Minuten fährt er zur Seite, so dass wir freundlich grüßend weiterfahren können. Auch eine zweite Baustelle können wir so passieren. Nun müssen wir uns nur noch an der Betonsperre vorbeiquetschen, die kurz vor dem Pass quer über der Straße liegt, dann sind wir durch! Geschafft, wer hätte das gedacht?

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Noch einmal Luft anhalten – aber der Platz reicht

Wie genießen unseren „Erfolg“ bei einem leckeren Espresso und machen am Croce Domini ein „Heldenfoto“. Da, wo sonst die Motorräder reihenweise parken, stehen heute nur wir und sorgen im Rifugio wenigsten für ein bisschen Umsatz.

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Wir sind tatsächlich durchgekommen

Schnell schreibe ich Stefan eine SMS. „Fahrt vorsichtig, in der Baustelle keine Hektik, dann sollte es auch bei Euch klappen“. Und doch wäre die Fahrt zum Croce Domini bei der zweiten Gruppe fast schief gegangen. Als der Baggerfahrer freundlicherweise wieder Platz macht, wartet Stefan noch auf das „Durchfahrtssignal“. Einem Teilnehmer dauert das zu lange – und er fängt an zu hupen. Das beziehen die Bauarbeiter natürlich auf sich und geben der Gruppe unmissverständlich zu verstehen, dass sie rumdrehen soll. Der Pass sei schließlich offiziell geschlossen. Glücklicherweise winkt genau in diesem Moment der Baggerfahrer Stefan zu – er könne jetzt fahren -, was dieser und alle anderen auch sofort tun. Glück gehabt.

Wenn man nicht drängelt, sind die Italiener in diesen Dingen deutlich entspannter als wir. Ich kann mich an eine Endurowanderung mit Richard Schalber erinnern. Wir waren am Lago di Caldonazzo unterwegs, zu einer der alten Festungen, die nur über unbefestigte Wege zu erreichen ist. Auf dem Weg dorthin mussten wir durch eine Baustelle. Berge von Schotter türmen sich auf der Straße, oben drauf ein Bagger. Natürlich gab es zuvor ein Schild, dass die Straße eigentlich gesperrt sei. Aber Adele, die uns begleitete und gut italienisch sprach, fragte den Baggerfahrer, ob er nicht ein Stück zur Seite fahren könne, dann könnten wir weiterfahren. Und wenn er schon so nett, wäre, könnte er uns auf unserer Seite schnell noch eine Rampe schaufeln, da der vorhandene Absatz doch ganz schön hoch sei.

Was macht der Baggerfahrer? Schaufelt uns die Zufahrt plan, fährt seinen Bagger zur Seite, zündet sich eine Zigarette an und amüsiert sich minutenlang köstlich, wie wir uns mit unseren Enduros über den lockeren Steinhaufen quälen. In Deutschland undenkbar.

Die Straße runter ins Tal haben wir fast für uns alleine. Nur dreimal kommen uns ein paar Motorradfahrer entgehen. Ansonsten sind wir allein unterwegs in den Bergen.

Noch ein abendlicher Tankstopp, dann sind wir zurück im Hotel. Auch heute wartet wieder ein leckeres Abendessen auf uns: Geräucherte Hühnchen-Gelatine mit Balsamico-Essig und Senf-Zwiebel-Sauce, Confit-Forellen-Steak mit Basilikum-Risotto sowie gegrilltes Spanferkelfilet mit geschmorten roten Zwiebeln und Flocken von Trentingrana-Käse

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Natürlich gab es auch einen leckeren Nachtisch.

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Das Abendessen konnten wir wieder zusammen auf der sommerlichen Terrasse genießen – herrlich.

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Morgen wollen wir auf etwas breiteren Straßen über den Bondone zum Mendelpass und über den malerischen Lago di Tovel zurück zum Hotel fahren.

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Ein Tag mit Herzklopfen

LAGO DI LEDRO: 2. TOURTAG / Dienstag, 18.6.2019 – Wir sind ja flexibel, in unserer Tourplanung. Eigentlich wollten wir – vom Tonale kommend – den Gavia rauf und über den Mortirolo wieder zurück. Nun lag aber in diesem Jahr soviel Schnee auf dem mehr als 2.600 Meter hohen Pass, dass dieser länger als geplant gesperrt blieb. Also haben wir kurz umgeplant und sind den Mortirolo auf der einen Seite rauf und auf der anderen wieder runter. Eine durchaus lohnende Alternative.

Auf dem Rückweg war dann fraglich, ob wir über den Croce Domini kommen. An der Zufahrt stand, dass der Pass eigentlich gesperrt sein. Wir wollten dann mal gucken, warum … (Und sind mit etwas Herzklopfen drüber gekommen).

Das kleine Video zeigt den Routenverlauf. Den ausführlichen Reisebericht findet Ihr jetzt oberhalb dieses Blog-Eintrags.

Der Original-Link wäre:
https://www.relive.cc/view/r10005997055

Du kannst den Tourverlauf auch auf der Landkarte nachverfolgen:

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Kurven und Kehren ohne Unterlass

LAGO DI LEDRO: 1. TOURTAG / Montag, 17.6.2019 – Da können wir schon eine halbe Stunde früher ans Frühstückbuffet, als alle anderen Hotelgäste und trotzdem staut es sich des morgens am Kaffeeautomat 😉 Gleichwohl genießen wir in aller Ruhe all die süßen Leckereien, die sich links der Küchentür befinden – auf der rechten Seite findet sich das Kontrastprogramm: Salami, Schinken, Mortadella und Käse.

 

Vom Monte Baldo zum Monte Lessini und über den Pasubio zurück an den Lago di Ledro – das ist das Programm des heutigen Tourtages. Doch erst einmal gilt es ausreichend Sprit zu bunkern, hat es doch so mancher bei der gestrigen Anfahrt nicht mehr geschafft noch zu tanken.

Ein paar Kehren unterhalb von Pieve di Ledro gibt es eine kleine Tankstelle mit Bedienung. In Italien heißt das mindestens 10 Cent Zuschlag pro Liter zu den sowieso schon happigen Spritpreisen – aber allemal besser, als den Tankstopp im stickigen Garda einzulegen.

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Mit Bedienung – und damit mindestens 10 Cent teurer pro Liter als ohne

Am Ufer des Gardasees angekommen, geht es zunächst nur langsam vorwärts. Ein Linienbus bremst uns ein wenig aus, Wohnmobile stehen uns im Weg und ganz viele Autofahrer; doch auf der ersten Kilometern, auf denen wir gemeinsam unterwegs sind, wollen wir uns noch nicht vorbeischlängeln.

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„Nahkampf“ am Gardasee – so langsam gewöhnen wir uns wieder an den italienischen Fahrstil

Steil führt die Straße hoch zum Kreisel bei Nago-Torbole. Ein Blick in den Rückspiegel lohnt sich, liegt der Lago di Garda doch malerisch hinter uns.

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Im Rückspiegel wird der Gardasee immer kleiner.

Wenig später erklimmen wir kurven- und kehrenreich den Monte Baldo, auf dessen Straßen wir heute fast alleine unterwegs sind. Meter um Meter gewinnen wir an Höhe und genießen die fantastische Aussicht.

 

Nach gut eineinhalb Stunden Fahrt ist eine Kaffeestopp angesagt. Charly nützt die Gelegenheit die gerade erst reparierte Verkabelung seines Navi fachmännisch und mit „Spezialwerkzeug“ zu reparieren. Irgendwie haben sich die Kabel gelockert …

 

Bald darauf stürzen wir uns kurven- und kehrenreich hinunter nach Avio, um anschließend den Monte Lessini zu erklimmen. Die Veroneser Voralpen begeistern durch ihre Abgeschiedenheit und wilde Ursprünglichkeit. Die schmale Straße windet sich durch dichte Wälder, in denen die Bäume bizarre Formen annehmen und karstiges Gestein den Boden durchbricht.

 


Den knapp 1.400 Meter hohen „Passo Fittanze“ haben wir heute für uns alleine. Nur eine Herde Kühe macht uns die Straße streitig.

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Hier stehe erst einmal ich 😉

Auf kleinen Nebenwegen fahren wir weiter zum „Passo Branchetto“ und genießen dabei immer wieder die herrliche Aussicht auf eine Landschaft, die angesichts ihrer schönen Schroffheit zu begeistern weiß.

 


Im Rifugio Branchetto warten Erika und Mattia auf uns. Obwohl am Montag eigentlich Ruhetag ist, wollen sie uns doch bekochen. Pasta in unterschiedlichsten Variationen ist der Renner – vor allem Gnocchi di malga al burro fuse e ricotta affumicata und Fettucine ai fungi misti sind der Renner; Lutz gönnt sich zum Nachtisch noch ein Stück Linzer Torte, die von Ingrid kritisch beäugt wird.

 

Wir bedanken uns für die herzliche Gastfreundschaft und machen uns auf den Weg zum „Passo Xon“. Die abenteuerlich Baustellen-Umleitung vom Samstag lassen wir dabei genauso aus, wie so manchen verlockenden Abschnitt ohne Asphalt. Schon allein Letzteres wäre ein Grund zum Wiederkommen …

In Recoaro Therme hat uns das Leben wieder. Die rund 6.300 Einwohner zählende Stadt an der Grenze zu den Provinzen Trient und Verona ist ein Zentrum der Hydrotherapie; bei der so genannten Wasserheilkunde wird das kühle Nass in unterschiedlichen Aggregatszuständen zur therapeutischen Behandlung akuter oder chronischer Beschwerden eingesetzt.

Im Zentrum des quirligen Örtchens zweigt die Zufahrt zum „Passo Xom“ ab. Die kleine Bar mit dem leckeren Eis hat leider geschlossen aber in Valli di Pasubio finden wir eine adäquate Möglichkeit eine kleine Pause zu machen.

 

Über die Strada Statale 46 del Pasubio fahren wir im weitern Verlauf zum „Passo Plan della Fuggaze“ und weiter Richtung Rovereto. Die gut ausgebauten rund 40 Kilometer Wegstrecke gehören uns an diesem sonnigen Nachmittag ganz alleine – nicht ein Auto, das wir hätten überholen müssen. Anfangs taucht linker Hand immer wieder das Ossario des Pasubio auf, ein Beinhaus, in dem sich die sterblichen Überresten von etwa 5000 überwiegend italienischen Gefallenen finden, die im Ersten Weltkrieg an der Pasubiofront ihr Leben ließen.

 

Der Übergang am Fuggaze wurde wahrscheinlich schon von den Römern genutzt und war selbst immer wieder Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Nach dem Dritten Italienischen Unabhängkeitskrieg bildete der Pass 1866 beispielsweise die Reichsgrenze zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Italien.

Kurz vor Rovereto erhaschen wir einen Blick auf die in die steile Felswand gebaute Einsiedelei San Colombano. Der irische Heilige Columban soll hier von 543 bis 615 in einer Höhle gelebt haben, nachdem er zuvor den eigentlichen Bewohner – einen Drachen – getötet hatte. Zwischen Ende des 10. und Beginn des 11. Jahrhunderts wurde am Grottenzugang unter einem natürlichen Dach aus Felsgestein eine kleine Kirche errichtet. 102 in den Felsen gehauene Treppenstufen führen hierher. 1996 ließ die Autonome Provinz Trient umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchführen. Seitdem erstrahlt die Einsiedelei wieder in ihrem alten Glanz. Eindrucksvoll sind insbesondere die Freskomalereien, die den Kampf zwischen dem Heiligen Columban und dem Drachen sowie das Paradies darstellen. In einer ruhigen Minute muss ich mir mal anschauen, wie man da am besten mit dem Motorrad hinkommt.

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Im Fels versteckt: die Einsiedelei San Colombano

In Garda tanken wir noch einmal voll, um am nächsten Morgen gleich „durchstarten“ zu können. Natürlich erwischen wir, unachtsam wie wir sind, die Zapfsäule mit Bedienung – und zahlen einen saftigen Aufpreis, obwohl sich die Bedienung erst einmal nicht hatte sehen lassen …

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1,769 pro Liter – weil wir Dämel wieder an der falschen Säule stehen

Kurz nach 18 Uhr sind wir zurück im Hotel Garden“. Auf der Terrasse wartet schon ein „Gruß aus der Küche“ auf uns.

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Für den kleinen Hunger nach der Tour

Nach dem obligatorischen Feierabendbier geht’s unter die Dusche und dann zum Essen. Heute wartet auf uns Kartoffelgirella aus dem Val di Cresta, gefüllt mit Casera-Salat, Erdbeeren und Kaminwurz auf uns, anschließend  Gnocchi di Malga mit Butter und Thymian sowie ein Schweinefilet mit gebutterten Kräutern und einer Kartoffeltorte.

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Natürlich durfte auch ein leckerer Nachtisch nicht fehlen.

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Morgen wollen wir vom Tonale aus zum Mortirolo fahren und über den Croce Domini wieder zurück.

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Durch die Lessinischen Alpen

LAGO DI LEDRO: 1. TOURTAG / Montag, 17.6.2019 – Der erste Tortag unserer Motorradreise an den Lago di Ledro führt uns in die Lessinischen Alpen – einen einsamen Gebirgszug, mit herrlich kurvenreichen Straßen. Den erste Kaffeestopp legen wir zuvor im Monte Baldo ein, um uns kurz darauf kurvenreich zu Tal zu stürzen. Nicht minder kurvig geht es bald darauf wieder bergan, um um Refugio Branchetto unsere Mittagsrast einzulegen. Der Rückweg führte uns dann vorbei am gewaltigen Passubio-Masiv.

Die zurückgelegte Wegstrecke zweigt das kleine Video. Den ausführlichen Reisebericht findet Ihr jetzt oberhalb dieses Blog-Eintrags.

Der Original-Link wäre:
https://www.relive.cc/view/r10005993244

Du kannst den Tourverlauf auch auf der Landkarte nachverfolgen:

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Entscheidung am Maniva

LAGO DI LEDRO: VORTOUR / Sonntag, 16.6.2019 – Eigentlich wollte ich heute eine wenig Enduro fahren. Vom Croce Domini über die Tre-valli-Route zum Maniva und von dort auf losem Schotter runter an den Gardasee. Zurück dann über den Tremalzo, den ich erstmals bei unserem 80er-Jahre-Aufenthalt am Lago mit meiner 75/5 unter die Straßenräder genommen habe. Seit es ein Münchner Reiseveranstalter dort zu doll getrieben hat, ist die unbefestigte Rampe für Motorradfahrer eigentlich gesperrt – aber es gibt immer noch Möglichkeiten …

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An der ersten Tanke funktioniert meine EC-Karte nicht …

Zunächst aber muss ich dringend tanken. Gestern Abend war dazu keine Gelegenheit mehr. Gleich hinter dem Hotel gibt es eine kleine IP. Doch der Automat akzeptiert meine EC-Karte nicht. Das fängt ja gut an. Drei Kilometer weiter die nächste Tanke. Hier klappt es. Karte rein, Zapfsäule ausgewählt, schon gibt es Benzin. Nur keine Quittung. Aber das ist verschmerzbar. Hauptsache die Suzi schafft die nächsten 300 Kilometer.

 

Auf gut ausgebauter Straße geht es Richtung Storo und weiter zum Lago di Idro. Ein Wasserfall und der Blick auf den See laden zu einem kurzen Fotostopp ein.

Ich entscheide mich, zunächst über den Maniva zu fahren – der Einstieg ist schnell gefunden. Die schmale Straße ist eher für Endurofahrer denn für Supersportler geeignet, die mir am Sonntag immer wieder entgegen kommen: enge Kehren, unübersichtliche Streckenführung, Split und zahlreiche Frostaufbrüche – eigentlich besteht die ganze Strecke rauf zum Pass nur aus Schlaglöchern – hier werden die Federbeine und die Aufmerksamkeit ordentlich gefordert.

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Der Manila fordert Mensch und Maschine – nichts für Supersportler

Kaum kommt die Passhöhe in Sichtweite verblüffen mich zahlreiche Wohnmobile, die dort oben parken. „Die können doch nicht diese Strecke hinaufgefahren sein“, denke ich mir. Des Rätsels Lösung: die Nordrampe ist deutlich besser ausgebaut.

Meine ursprünglichen Plan, über den weitgehend unbefestigten Drei-Täler-Weg weiterzufahren, verwerfe ich schnell. Zum einen liegt am Wegesrand noch ordentlich Schnee, zum anderen bevölkern am Wochenende zahlreiche Wanderer die schmale Trasse. Die machen zwar bereitwillig Platz, aber der Gedanke, mich immer wieder durch Menschenmassen manövrieren zu müssen, scheint mir nicht sonderlich einladend.

 

Also entscheide ich mich, schon mal ein Stück des Weges nach Capovalle unter die Räder zu nehmen, hatte ich doch im Netz gelesen, dass auch dort ein Streckenabschnitt unbefestigt sein könnte. Bevor es am Donnerstag „Beschwerden“ gibt, will ich mir das vorher mal anschauen – und schon mal eine Bar suchen, in der wir am Vormittag eine kleine Rast einlegen könnten.

Die gut ausgebaute Straße führt durchs Trompia-Tal, benannt nach den Trumpilinern, einem keltischem Volksstamm, der kurz vor Christi Geburt in den so genannten Augusteischen Alpenfeldzügen besiegt und vertrieben wurden. Da eroberte der römische Kaiser Augustus die nördlichen Alpen, um zum einen die Handelswege zu sichern, aber auch um die eigenen Truppen rasch zwischen Italien, Gallien und den Donauländern verschieben zu können. Zudem wurde so die Eroberung Germaniens vorbereitet.

 

In Tavernole sul Mella findet sich, direkt am Abzweig zum Marmentino, eine kleine Bar. Während ich einen Espresso trinke, tobt hier das wahre Leben: Autos, Wohnmobile, vor allem aber Horden an Motorradfahrern quälen sich lautstark durch die enge Ortsdurchfahrt. Die Anwohner scheinen das mit stoischer Gelassenheit zu ertragen.

Vom knapp 1.000 Meter hohen Passo Marmentino führt die kurvenreiche Straße immer Richtung Osten. Es geht zügig voran. Nach unzähligen Kurven und Kehren, die häufig im Wald liegen, fahre ich direkt auf die kleine Kirche „Chiesa della Madonna delle Cornelle“ zu. Die liegt in einem so engen Tal, dass für eine Straße eigentlich kein Platz ist. Und so führt diese direkt am Eingangsportal vorbei. Wer aus der Kirche kommt, muss aufpassen, nicht überfahren zu werden …

 

Die Marienkirche stammt aus dem 16. Jahrhundert und steht eigentlich auf einem Felsvorsprung. Der viereckige gewölbte Portikus deckt einen Teil der angrenzenden Straße ab, von dem aus die Kirche betreten wird. Der eigentliche Kirchhof befindet sich an der Seite und dient uns als Parkplatz. Der Innenraum hat einen achteckigen Grundriss und ist mit einem Gewölbedach versehen.

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Auf schmalen Straßen, die häufig durch dichte Wälder führen, geht es weiter Richtung Capovalle

Das nächste Kuriosum dieser Art liegt nur wenige Kilometer weit entfernt, nahe Capocalle: die Wallfahrtskirche „Madonna di Rio Secco“. Hier wurde ein Tunnel direkt neben das Gotteshaus gebaut. Der Weg dorthin ist abenteuerlich – aber durchweg asphaltiert, wenn stellenweise auch sehr schmal und übersichtlich.

Ich habe Glück: weil heute Sonntag ist, ist die Kirche geöffnet, so dass auch das Innere besichtigt werden kann. Erbaut wurde das Gotteshaus wohl um 1715 nach einer Marienerscheinung. Soweit ich es in Erfahrung bringen konnte, ist die Kirche der Schutzpatronin der Holzfäller und Köhler geweiht.

 

Vom Monte Stino – im gleichnamigen Rifugio wollen wir am Donnerstag zu Mittag essen – geht es, vorbei am beeindruckenden Stausee „Lago di Valvestino“, runter an den Gardasee.

 

Der Verkehr hält sich für einen Sonntagnachmittag in Grenzen, aber es ist schon wieder sehr warm und in den zahlreichen Tunnels, die auf der Strecke liegen, lässt so mancher Motorradfahrer seine Mitmenschen am unglaublichen Klangvolumen des Auspuffs seiner Maschine teilhaben. Immer wieder fahre ich an mächtigen Granit-Stelen vorbei, an denen einst Zitronen wuchsen, die für die Herstellung des für die Region typischen Limoncello gebraucht wurden.

 

Bis zur „Brasa-Schlucht“ folge ich der Straße, die am Westufer des Lago di Garda liegt. Dann geht es auf schmaler Trasse und durch einen langen unbeleuchteten Tunnel zum engen Felsdurchbruch, dessen Zufahrt am Wochenende ampelgeregelt ist. Stellenweise hat kaum ein Auto Platz auf der abenteuerlichen Straße, die fahrerisch schon eine Herausforderung darstellt.

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Eine Fahrt durch die Brasa-Schlucht ist ein ganz besonderer Leckerbissen

Eine Herausforderung ganz anderer Art wartet wenig später am Einstieg in den Tremalzo auf mich. Die abenteuerliche „Militärstraße“ war im Sommer 1917, kurz vor der Zwölften Isonzoschlacht, fertig gestellt worden, um die Versorgung der italienischen Hauptwiderstandslinie im Val di Ledro zu sichern.

Während die Nordrampe heute durchweg asphaltiert ist, führt auf der Südseite ein befestigter Weg nur bis zum Nota-Pass. Dann beginnt der Schotter – und eigentlich auch ein allgemeines Fahrverbot.

In Wikipedia wird der weitere Streckenverlauf wie folgt beschrieben: „Der Weg ist zunächst (bis Notapass) asphaltiert und frei befahrbar. Danach folgt feiner Schotter, der im Laufe der Strecke immer gröber bis hin zu blankem, scharfkantigem Fels wird, der teilweise offen zutage tritt. Nach Gewittern ergeben sich starke Auswaschungen und Stufen in der Fahrbahn. Die Fahrbahnbreite nimmt stetig ab, ein Umkehren war, wenn überhaupt, nur an den Kehren möglich. Ausweichstellen existieren nicht.

Wegen Steigungen von über 14 Prozent war es an manchen Kehren erforderlich, zurückzusetzen, insbesondere bei Fahrzeugen mit langem Radstand.

Kurz vor dem höchsten Punkt wirkte sich erneut das Alter der Straße aus: Im Tunnel in knapp unter 1800 m Höhe brachen immer wieder größere Teile der Tunneldecke ein, die die Durchfahrt erschwerten beziehungsweise blockierten. Hier bestand zudem die Gefahr, im tief sandigen Untergrund des Tunnels stecken zu bleiben …“

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Soll ich? Oder soll ich nicht? Dürfen dürfte ich …

Da stehe ich nun, mit meiner Sondergenehmigung, und überlege, kaum dass ich den Tremalzo in Angriff genommen habe, ob es wirklich vernünftig ist, dieses Abenteuer zu wagen. Mehrfach rutscht mir die Suzi schon auf den ersten hundert Metern unterm Hintern weg. Der geröllige Untergrund ist sehr tief, der Schotter sehr fein, so dass die Reifen nur sehr schlecht Gripp aufbauen. Eine Bedingung war, auf Stollenreifen zu verzichten, doch die reichlich abgefahrenen Heidenau K60 erweisen sich jetzt nicht als die beste Wahl. Ich rufe mir in Erinnerung, was ich meinen Teilnehmern immer wieder sage: „Schwierige Endurostrecken niemals alleine fahren und alles was abbrechen oder abreißen könnte, als Ersatzteil mitnehmen“. Der Ersatzkupplungs und -bremshebel aber liegen im Ducato.

Schweren Herzens breche ich meine Exkursion nach den ersten geschotterten Kehren ab. Unter den gegebenen Voraussetzungen wäre es unvernünftig alleine weiter zu fahren. Auf den nächsten 15 unbefestigten Kilometern würde so manche Unwägbarkeit auf mich warten, es ist schon spät und der „Vorteil“, so möglichst ungestört auf dem Tremalzo unterwegs zu sein, könnte sich bei einem Sturz als Nachteil erweisen.

Mühsam wende ich meine DR 650 und fahre ein wenig traurig, aber letztlich doch mit einem guten Gefühl wieder ins Tal. Im Hotel angekommen, treffe ich die ersten Teilnehmer; die letzten werden erst gegen 20 Uhr eintreffen. Der Weg an den Gardasee ist doch weit.

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Das erste gemeinsame Abendessen im Hotel Garden am Lago di Ledro

Gemeinsam genießen wir erstmals die interessanten Kreationen des Küchenchefs des Hotels Garden. Es gibt Miesmuscheln mit Sarazen-Bruschetta, als Zwischengang eine „Aubergine Parmigiana“ und als Hauptgericht Wolfsbarschfilet in Zucchinikruste mit Naturkartoffel und hausgemachter Mayonnaise.

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Wolfsbarschfilet

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Natürlich durfte auch ein Nachtisch nicht fehlen

Als gute Tat des heutigen Tages laden wir zu später Stunde noch die GS von Charly aus dem VW-Bus – bei Vollmond wohlgemerkt. Ob das gegen die vielen Wehwechen des betagten Boxers hilft? Wir werden sehen …

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Hier wird eine GS bei Vollmond entladen …

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Mit dem Motorrad durch die Kirche

LAGO DI LEDRO: VORTOUR / Sonntag, 16.6.2019 – Eigentlich wollte ich am Sonntag ein wenig Enduro fahren. Über den „Drei-Täler-Weg“ vom Maniva zum Corce Domini und dann weiter auf unbefestigte Pfaden runter zum Gardasee. Anschließend über den Tremalzo zurück zum Hotel. Statt dessen habe ich die für den Donnerstag geplante Tour getestet, hatte ich bei meinen Recherchen zur Vorbereitung doch gelesen, dass auch der Weg zur Wallfahrtskirchlein „Madonna di Rio Secco“ stellenweise unbefestigt sein könnte – war er aber nicht.

Die Besonderheit: der schmale Karrenweg führt durch einen Tunnel, direkt an der Kirche vorbei. Gleiches gilt für die „Chiesa di San Giovanni Battista“, die ebenfalls auf unserer Route liegt. Da führt die Straße direkt am Eingangsportal vorbei.

Das kleine Video zeigt den Routenverlauf. Den ausführlichen Reisebericht findet Ihr jetzt oberhalb dieses Blog-Eintrags.

Der Original-Link: https://www.relive.cc/view/r10005991754

Vortour mit Hindernissen

LAGO DI LEDRO: Vortour / Samstag, 15.6.2019 – Daran werden wir uns gewöhnen müssen: Schlag sieben Uhr am Morgen begrüßen die Glocken der Mariä-Verkündigung-Kirche (Chiesa dell’Annunciazione) – die schräg gegenüber dem Hotel steht – den neuen Tag. Das Gotteshaus zählt zu den bedeutenden Bauwerken im Ledrotal und wurde bereits 1235 erstmals erwähnt.

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Blick auf den Glockenturm der Chiesa dell’Annunciazione

„Trost“ finde ich wenig später bei Frühstück, das so herrlich italienisch ist: Kuchen und Törtchen in allen Variationen auf der einen Seite, Schinken, Mortadella, Salami und Käse auf der anderen. Dazu verschiedene Kaffeevariationen – so kann der Tag beginnen.

 

Mein heutiges Ziel ist der Monte Lessini, ein malerischer Gebirgszug, der nördlich von Verona, östlich des Etschtales und südlich des Pasubio liegt. In einer der gut 120 Almhütten und Rifugios, die es in diesem Naturpark liegen, wollen wir am Montag zur Mittagsrast einkehren. Zahlreiche Wege führen dorthin, einige auch unbefestigt – deshalb kommt heute die „stollenbereifte“ DR 650 zum Einsatz.

In Garda geht es zunächst einmal nur im Schritt-Tempo vorwärts. Autos, Busse, Wohnmobile quälen sich über die Uferstraße. Dazwischen wuseln Rollerfahrer in Schlappen und T-Shirt, die jede sich bietende Lücke nutzen, um vorwärts zu kommen. Ein Fahrweise, die mir nicht unsympathisch ist und hier problemlos funktioniert.

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Auch hinter Riva: zähfließender Verkehr in beiden Richtungen

In Nago biege ich auf die SS240 ab, um bei Mori den Monte Baldo quasi von der Rückseite zu erklimmen. Auf schmaler Trasse geht es kurvenreich bergauf, in die Einsamkeit der Berge. Von der Hektik, unten am Gardsee, ist schon hier nichts mehr zu spüren.

 

Eine ausgeschilderte Umleitung lädt zu einem spontanen Fotostopp, die Suche nach einer interessanten Alternative zurück auf die Hauptstrecke endet vor einem verblassten Verbotsschild. Weil mir mehrfach Radfahrer am Einstieg entgegen kommen, verzichte ich auf diese verlockende Variante und nehme die offizielle Umleitung.

 

Wenig später erreiche ich das Rifugio „La Baita del Trett“und lege eine erste Kaffeepause vor prachtvoller Kulisse ein. Blauer Himmel, grüne Wiesen auf denen eine Herde Kühe grast und karstige Berge – hier lässt es sich aushalten.

 

In unzähligen Kurven und Kehren stürzt sich die schmale Straße wenig später ins Tal, um nach nur wenigen Kilometern nicht minder kurven- und kehrenreich zum Monte Lessini wieder anzusteigen.

 

Am Passo Fittanze ist mit 1393 Metern ein weiterer Hochpunkt erreicht. Das gleichnamige Rifugio ist am Wochenende ein beliebter Treffpunkt der Motorradfahrer. Ich genieße die Aussicht, setze meine Fahrt aber schon bald fort. Ein anderer „Leckerbissen“ wartet auf mich: ein kilometerlanger, unbefestigter Weg, der über eine Hochebene zum Monte Branchetto führt.

Der Einstieg ist schnell gefunden. Zwei Motorradfahrer kommen mir entgegen, kurz darauf stolpern die Sozias zu Fuß über die staubige Piste – der Weg scheint vielversprechend 😉 Holprig geht es bergan. Unterwegs gibt es einige Almen, die Möglichkeit zur Einkehr bieten. Insofern treffe ich am Wochenende auch immer wieder auf Autofahrer, Radfahrer und Wanderer – in Deutschland wäre das völlig undenkbar. Selbst ein Milchlaster ist auf der unbefestigten Piste unterwegs, der aber freundlicherweise schnell Platz macht.

Mein Ziel ist das Rifugio Branchetto, das etwas unterhalb der Passhöhe liegt. Erika und Mattia empfangen mich herzlich. Bei einem leckeren Latte Macchiato besprechen wir den geplanten Besuch unserer Gruppe am Montag. Eigentlich ist das Rifugio da geschlossen, aber für uns macht man gerne eine Ausnahme. Danke.

Ich überlege, hier vielleicht mal einen längeren Aufenthalt zu verbringen. Treffpunkt am Brenner, in einer kurzweiligen Tagesetappe zum Rifugio Branchetto. Drei, vier Übernachtungen, die ausreichend Zeit bieten, die Region des Monte Lessini ausgiebig zu entdecken und – bei Interesse – auch den einen oder anderen Enduroabstecher bieten würden. „Kein Problem“, sagt Erika und zeigt mir gerne die Zimmer. Alles sehr vielversprechend … Was haltet Ihr von dem Gedanken?

Kaum sitze ich auf dem Motorrad, „muss“ ich auch schon wieder anhalten. Ein Schäfer lässt seine Herde am Straßenrand weiden – ein tolles Fotomotiv. Ich frage den Hirten, ob ich ein paar Fotos machen dürfe, was dieser bejaht. Kaum kniee ich am Straßenrand, kommt einer der Hütehunde und will schmusen – bis ihn ein energisch gesprochener Satz an seine Aufgabe erinnert. Ich mache noch ein paar Aufnahmen und fahre dann weiter.

Wenig später wartet die nächste Herausforderung auf mich: eine gesperrte Straße. Zwar hatte ich am Abzweig irgendwas von Bauarbeiten gelesen – wer rechnet aber in Italien damit, dass eine Strecke wirklich gesperrt seine könnte? Irgendwas geht immer.

Diesmal aber nicht. Zwei Bauzäune stehen quer auf der Straße und machen jede Umfahrung unmöglich. So etwas hätte es früher nicht gegeben. Ein Blick in die Landkarte und aufs Navi zeigt: da muss es eine kleine Straße außenrum geben. Die ist mit ein bisschen Suchen auch bald gefunden, allerdings sehr schmal und unübersichtlich, zudem mit einigen sehr engen und nach Innen abfallenden Kehren versehen, so dass ich mich frage, ob ich hier wirklich mit meinen Teilnehmern entlang fahren möchte. Wenn da eine Maschine kippt …

Angesichts der fortgeschrittenen Zeit muss ich mich jetzt entscheiden: fahre ich noch ein paar kleinere Endurostrecken ab und versuche, doch irgendwie einen Weg über den Passo di Campogrosso zu finden oder bin ich eher pragmatisch und fahre über den Passo Xom, um nicht in tiefdunkler Nacht im Hotel anzukommen. Bei der Gelegenheit könnte ich auch gleich schauen, warum im Gasthof auf dem Pass niemand ans Telefon geht, könnten wir hier doch noch eine schöne nachmittägliche Kaffeepause einlegen.

Letztlich siegt die Vernunft und die geplanten Eskapaden werden auf das nächste Mal vertagt. Statt dessen geht es kurvenreich den Passo Xom hinauf. Den gesuchten Gasthof gibt es nicht mehr, aber wenige Kilometer talabwärts findet sich ein Bar, in der es neben Kaffee auch lecker Eis gibt. Soviel Zeit muss sein 😉

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Eine kleine Erfrischung gefällig?

Der Weg zurück ins Hotel führt vorbei am Pasubio. Das mächtige Gebirge war im Ersten Weltkrieg Schauplatz blutiger Schlachten, bei denen Österreicher und Italiener gegenseitig Gipfel in die Luft sprengten, die vom Gegner eingenommen waren. In nur sechs Monaten Bauzeit entstand 1916 die abenteuerliche „Strada delle Gallerie“. 600 italienische Soldaten hauten einen kühnen, sechs Kilometer langen Versorgungsweg in den Fels, mit insgesamt 52 Tunnels, von denen der längste 320 Meter misst.

Mitte der 1980er-Jahre waren wir mit einer der ersten von mir organisierten Motorradtour am Gardasee gestrandet. Von Frankreich kommend, wollten wir durch Italien weiter in die Schweiz fahren, doch schwere Unwetter hatten viele Passstraßen im Land der Eidgenossen unpassierbar gemacht. Also blieben wir länger als eigentlich geplant am Lago und brachen jeden Tag aufs neue zu unbeschwerten Touren auf. Eine sollte uns auch zum Passubio führen, doch irgendwie passte an diesem Tag nichts zusammen, so dass wir unser Vorhaben auf später verschoben …

Mittlerweile ist die „Straße der 52 Galerien“ schon (seit Jahren) gesperrt. Selbst Mountainbiker dürfen sie, bei Androhung hoher Geldstrafen, aus Sicherheitsgründen nicht mehr befahren. Spätestens am Rifugio A. Papa (Generale Achille Papa) ist Schluss. Irgendwie schade.

Gleichwohl beeindruckt der mächtige Gebirgsstock des Pasubio noch immer. Auch die Fahrt über den Pass Plan delle Fugazze und die sich anschließende „Höhenstraße“ Richtung Rovereto ist nicht nur in den Abendstunden ein Genuss.

Es wurde dann doch 20 Uhr, bis ich wieder im „Hotel Garden“ war. Ob Sie mir für 20:30 Uhr einen Tisch reservieren dürfe, fragt Lisa an der Rezeption? Gerne, so bleibt vor dem Essen noch Zeit für eine heiße Dusche. Beim anschließenden Blick in die Karte bleibe ich bei dem Gericht Rosa Rossa hängen:

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Gefüllte Rote-Rüben-Tortello mit Steinpilzen, lokalem Käse,
Bio-Lauchcreme und gerösteten Haselnüssen

Zum Nachtisch gönne ich mir noch was Gesundes, um das schlechte Gewissen zu beruhigen:

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Gefüllter Buchweizenkuchen mit Johannisbeere, Apfelcreme
sowie Vanille mit Lakritze

Satt und zufrieden falle ich anschließend ins Bett und freue mich auf den nächsten Tag, der mir gleich zwei Optionen bietet. Dazu morgen mehr …

 

Video

Den Monte Lessini entdecken

LAGO DI LEDRO: VORTOUR / Samstag, 15.6.2019 – Eine Woche lang sind wir Mitte Juni am Lago di Ledro. Von hier aus werden wir zu fünf abwechslungsreichen Tagestouren aufbrechen. Ich bin bereits zwei Tage früher angereist und habe die Gelegenheit genutzt, wieder einmal den Monte Lessini zu entdecken. Das einsame Gebirge liegt hinter dem Monte Baldo und bietet viel Fahrspaß.

Den Routenverlauf haben wir auf „Relive“ festgehalten und ein paar Bilder dazu gestellt. Den ausführlichen Reisebericht findet Ihr jetzt oberhalb dieses Blog-Eintrags.

Der Original-Link wäre:
https://www.relive.cc/view/r10005980853

Eine Alternative zum Irschenberg?

LAGO DI LEDRO – ANREISE / Freitag, 14.6.2019 – Der Weg nach Norditalien ist weit. Mehr als 800 Kilometer gilt es zurückzulegen. Erst einmal Richtung München, weiter über den Irschenberg zum Inntaldreieck dann über Innsbruck zum Brenner – von da sind es „nur noch“ 200 Kilometer bis zum Lago di Ledro. Das ist die „klassische“ Route.

Ich könnte aber auch mehr oder weniger geradeaus „durchstechen“: Von Würzburg auf die A7, dann Richtung München und über Garmisch zum Zirler Berg. Da wären dann zwar ein paar Landstraßen-Kilometer dabei, aber die fahre ich ja ganz gerne. Ein Kollege schwärmt von dieser Variante, „da kommen wir immer gut durch“ meinte er. Da gab es wohl die Baustelle bei Ellwangen noch nicht …

Ein Tunnel wird saniert, in beiden Fahrtrichtungen steht nur ein Fahrstreifen zur Verfügung. Rettungsgasse und Reißverschluss-System sind nach wie vor Fremdworte – kurzum, ich stehe minutenlang im Stau. Einziger Trost: Richtung Norden ist die Autoschlange deutlich länger. Heißt aber auch: für den Rückweg ist diese Strecke keine Alternative.

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Kleine Pause auf einem Autobahnparkplatz nahe Eurasburg

Kurz vor Garmisch geht dann erst mal gar nichts mehr: auf der Landstraße brennt ein Auto und so lange die Feuerwehr löscht, bleibt die Strecke gesperrt.

Anschließend gibt es nur noch zwei „Hindernisse“: am Iselsberg geht es steil bergab, am Brenner kurvenreich bergauf. Als es wieder rollt, rolle ich entspannt auf der Landstraße über die Grenze nach Österreich und stürze meinen 3,49-Tonner mit durchweg 6 Prozent Gefälle talwärts Richtung Innsbruck. Trotz der beiden „Zwangsaufenthalte“ alles deutlich entspannter als auf der Route übers Inntaldreieck.

Weil ich die Fahrt über die Europabrücke nicht mag, fahre ich – wie immer – über die Landstraße zum Brenner und erst hinter Sterzing auf die Autobahn. Die ersten Kilometer fordern volle Konzentration: schmale Fahrbahnen, enge Kurven, viele Lastwagen …

Angesichts der späten Stunde – es ist schon nach 20 Uhr – hält sich der Verkehr in Grenzen, das gilt auch für den Abschnitt von Roveretto nach Garda, auf dem es erfreulich flüssig läuft.

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So langsam wird es Nacht am Ledrosee

Am Lago di Ledro ein erster Fotostopp – dann habe ich mein Ziel erreicht. Gegen 21:30 Uhr rollt mein Ducato auf dem Parkplatz des „Hotel Garden“ in Pieve di Ledro aus. Die nächsten zwei Tage werde ich für Vortouren nutzen, am Sonntag kommen dann unsere Teilnehmer, auf die fünf herrliche Tagestouren warten – jetzt geht es aber erst einmal ins Bett.

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Hier, im wunderbaren Hotel Garden, werden wir die nächsten Tage bleiben