„Fahr doch lieber nach Utelle“, hatte Ronny gemeint, als ich ihm davon erzählte, den freien Dienstagnachmittag für einen Abstecher zum legendären Col de Turini unternehmen zu wollen. „Da steht eine Kirche in imposanter Lage von der Du eine ganz tolle Aussicht hast“. Also plane ich um und folge seinem Rat.
Der Tag hatte wieder mit einem fantastischen Sonnenaufgang begonnen und einem aussichtsreichen Frühstück.
Der Vormittag nimmt mich beruflich in Anspruch, am Nachmittag habe ich aber Zeit für eine kleine Motorradtour. Es geht die Küste entlang, hoch nach La Turbie – auch einen Empfehlung von Ronny. „Vom Tete de Chien hast Du einen tollen Blick auf Monaco“, hatte er mir den Mund wässrig gemacht. Ich halte an der alten Festung und blicke über die Ruinen der ehemaligen Stallungen aufs Meer. Zum „Hundskopf“ führt ein schmaler Fußweg; mir genügt heute ein Blick vom nahegelegenen Felsvorsprung auf das Steuerparadies.
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In La Turbie wecken die Reste eines römischen Siegerdenkmals mein Interesse – errichtet um das Jahr 7/6 vor Christi, zur Zeit des Kaiser Augustus, anlässlich der Niederwerfung verschiedener Alpenstämme. Das imposanten Bauwerk steht in Sichtweite der Kirche; die Stadt selbst wurde überwiegend mit Steinen aufgebaut, die von diesem Denkmal stammen.
Alles, was vom römischen Siegerdenkmal geblieben ist.
Statt über die Autobahn zu fahren, nehme ich die parallel verlaufende M2204. In Saint-André-de-la-Roche zweige ich nach Norden ab. Prachtvolle Alleen und abenteuerliche Höhenstraßen säumen meinen Weg nach Utelle.
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Bald darauf spaziere ich durch den kleinen Ort – und suche die Kirche mit der fantastischen Aussicht. Ich finde mehrere Gotteshäuser, die Madonna d‘Utelle ist nicht dabei.
Auf der digitalen Karte meines Handys entdecke ich eine kleine Stichstraße. Die Wallfahrtskirche liegt in 1180 Meter hohem Plateau, mit Blick auf die Täler des Var und Tinée. Das könnte passen.
Auf den ersten Kilometern bietet sich ein prächtiger Blick auf Utelle, wenig später warnt ein Schild vor einer immer schmaler werdenden Straße. Starke Windböen beuteln mein Motorrad, wann immer wir den Windschatten von Büschen und Bäumen verlassen. Immer noch ist von der Wallfahrtskirche nichts zu sehen. Zunehmend lustloser fahre ich die kleine Höhenstraße hinauf. In einer Kehre packt mich erneut ein kräftiger Windstoß – und ich beschließe umzudrehen. „Bis hier und nicht weiter“, denke ich mir, zumal ich mich frage, tatsächlich auf dem richtigen Weg zu sein?
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War ich, wie ich am Abend erfahren. In gut zwei Kilometern hätte ich mein Ziel erreicht. Das ist doch ein Grund ist wiederzukommen, den Weg kenne ich ja jetzt …
Es ist fast halb fünf, als ich den Rückweg antrete. Der führt erst einmal durch die Vesubie-Schlucht. Auf einsamen Wegen geht es dann weiter zum Col St. Roch. Dunkle Wolken ziehen auf und tauchen die Landschaft in ein dramatisches Licht. Nebelschwaden wabern durch die Bäume als ich mich langsam der Passhöhe nähere. Links zweigt die Straße zum Turini ab, rechts markiert ein Kreuz den höchsten Straßenpunkt.
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Kurven- und kehrenreich geht es nun bergab. Heute streife ich die Ausläufer von Nizza nur, der Verkehr hält sich insofern in Grenzen. Um halb sieben bin ich, direkt aus den Bergen kommend, wieder am Meer und genieße den Blick auf die Bucht von Villefranche-sur-Mer. Kurz danach ist das Hotel erreicht. Ich glaube, hier könnte es mir auch für länger gefallen …
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Den Routenverlauf dieser Tour haben wir in einem kleinen Relive-Video festgehalten, damit Du sehen kannst, wo wir überall entlang gefahren sind.
Eigentlich bin ich ja kein Frühaufsteher. Aber wenn ich unterwegs bin und die Sonne lacht schon früh am Morgen am Himmel, werde ich mitunter schon zu nachtschlafender Zeit wach – und den Sonnenaufgang fotografieren zu können. So auch am ersten Morgen nahe Eze-sur-mer …
Zum Motorrad fahren bin ich an diesem Montag nicht mehr gekommen. Dafür wartete am nächsten Tag ein spannender Ausflug auf mich …
Ich kann mein Glück kaum fassen. Die Sonne scheint, die Straßen sind trocken, strahlend blauer Himmel, keine Spur von Frühnebel und überfrierender Nässe, wie man sie in den Bergen immer mal antrifft. Herrlich! Briançon erwacht so langsam zum Leben und wir genießen das Frühstück im Edelweiß. Unterdessen macht sich bereits eine Gruppe italienischer Motorradfahrer auf den Weg – wir werden in Kürze folgen.
Der Col d‘Izoard (2360 Meter) ist das erste Ziel des heutigen Tages, der liegt quasi direkt hinter dem Hotel – zur Passhöhe sind es kaum mehr als 20 Kilometer. Die Nordrampe liegt weitgehend im Schatten, entsprechend knackig sind die Temperaturen – das Themometer zeigt gerade einmal knapp einstellige Werte.
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Oben am Pass parkt einem Reisebus nahe des Obelisken. „Als ob der sich nicht auch auf die andere, nicht so fotogene Straßenseite hätte stellen können“, denke ich mir. Doch der Ärger verfliegt rasch, als sich die Sonne – kaum dass wir die Motorräder abgestellt haben – über den Berg schiebt. Ein tolles Bild. Und letztlich hatte der Bus auch was Gutes: ich entdecke die Reisegruppe ein paar Meter über mir an einem „table d’orientation“ den ich bislang noch nicht kannte. Beim nächsten Mal …
Wir stürzen uns ins Tal, vorbei an den berühmten Erdpyramiden. Alex hängt mir im Nacken. Schon beim Anstieg zum Izoard hatte ich gemerkt, dass es ihm nicht schnell genug geht. Also setze ich den Blinker rechts und lasse ihn überholen, hatten wir doch „freies Fahren“ vereinbart, mit Treffpunkt am jeweils nächsten Pass.
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Der liegt für uns in Italien. Den relativ unbekannten Col d‘Agnel (2744 Meter) steuern wir an, ein Traumpass, vor allem bei einem Wetter wie heute. Schon die Anfahrt ist ein Genuss. Die Landschaft hat sich in ein herbstliches Kleid gehüllt, die Farben leuchten und das kleine Flüsschen Le Guil plätschert munter rechts der Straße.
Zufahrt zum Col d‘Agnel – einfach s e n s a t i o n e l l
Die Aussicht vom Pass hinüber nach Italien ist sensationell: dichte weiße Wolken hängen in den Tälern, wie große Wattebäusche. Das gibt es so nur an einem sonnigen Herbsttag, wie wir ihn heute erleben.
Kurvenreich geht es wieder ins Tal, mit einem kurzen Fotostopp am „Lago artificale di Castello“, dann weiter bis Sampeyre. Hier zweigt rechts die schmale „Via Elva“ zum Col de Sampeyre (2284 Meter) ab. Ein Sträßchen, wie ich es liebe. Über viele, viele Kilometer schlängelt es sich einsam und unübersichtlich die Bergflanken empor, zwei Motorradfahrer und ein Auto kommen mir entgegen, das war’s. Genüßliches Motorradwandern ist angesagt.
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Oben am Pass ein paar Motorradfahrer, jede Menge Schilder und eine fantastische Aussicht. Wir verweilen einen Augenblick und genießen die Stille, als wir Col de Sampeyre minutenlang ganz für uns haben.
Hat fast was Meditatives: am Col de Sampeyre
Der Colle di Sampeyre bildet den Übergang vom malerischen Mairatal zum Vareitatal. In beiden gibt es herrliche Strecken zum Endurowandern; eine zweigt direkt von der Passhöhe ab. Wir wagen ein ganz anderes Abenteuer und fahren durch die spektakuläre Elva-Schlucht. Schon der Weg dorthin ist überaus reizvoll.
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Elva selbst ist ein nahezu unberührtes Bergdorf, das „Perle des Valle Maira-Tals“ gilt. Im 19. Jahrhundert machten die Menschen aus ihrer Not eine Tugend und sammelten Haare, um daraus Perücken zu machen. Ein blühender Wirtschaftszweig entstand, selbst der Hof der Lords von London galt als Kunde.
Die schmale SS104 führt, teilweise nur mit einem Hauch von Randsicherung durch das wildromantische Vallone d’Elva. Teilweise ist das kurvenreiche Asphaltband direkt aus dem Fels gesprengt, in einigen Abschnitten klebt es über einer Schlucht. Wir müssen durch enge Felstunnel, überall auf der Straße liegt Geröll, manchmal auch kleine Felsbrocken. An einer der Felsen wird um himmlischen Beistand gebeten, den kann man hier auch brauchen.
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Als wir am Ende der abenteuerlichen Strecke wieder auf die Hauptstraße treffen, finden wir am Straßenrand längliche Betonsperren, die aber von Gras überwuchert werden. Im Netz lesen wir später, dass die Strecke wohl mal wegen Baufälligkeit gesperrt werden sollte, ein Befahren auf eigene Gefahr aber immer noch möglich sei – oder auch nicht. Wir haben jedenfalls keine Verbotsschilder gesehen; kurz nach uns durchquerte eine italienische Motorradgruppe die Schlucht …
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So langsam wäre es Zeit für ein Mittagspäuschen. Doch wir sind Irgendwo im Nirgendwo. Also fahren wir erst einmal weiter, zum Col d’Esischie (2370 Meter). Die Straße ist schmal, kurvenreich und herausfordernd. Immer wieder haben die Wurzeln der Bäume den Asphalt aufgebrochen und so kleine Rampen geschaffen, die bergan nur im Schritttempo überfahren werden können. Kein einfaches Unterfangen. Und so weisen denn auch immer wieder ganze Schilderwälder auf mögliche Gefahren hin. Schon dafür liebe ich Italien …
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Am Col d’Esischie angekommen, treffe ich Alex, der jetzt nach einem Lokal für eine kurze Rast suchen will. „Ich fahr wieder vor“, ruft er mir zu, während ich erst einmal ein paar Fotos mache.
Als ich weiterfahre, stelle ich fest, dass Alex offensichtlich falsch abgebogen ist. Zum Colle dei Morti (2481 Meter) geht es rechts ab, weiter bergauf, Alex aber ist links den Berg hinunter gefahren. Und nun?
Ich beschließe, wenigsten zum nächsten Pass zu fahren, liegt der doch nur ein paar hundert Meter weit entfernt. So kann ich zumindest ein „Gipfelfoto“ machen. Oben am Pass steht ein steinernes Denkmal für den verstorbenen Radprofi Pantani – und ein ratloser GS-Fahrer mit einer Landkarte in der Hand. Der Gute scheint ein wenig die Orientierung verloren zu haben und weiß nicht so recht, welche Richtung er einschlagen soll. Schotter will er wohl nicht fahren, als ihm ein Italiener von der nahegelegenen unbefestigten Maira-Stura-Kammstraße vorschwärmt, die wir vor Jahren auch schon mit wachsender Begeisterung unter die Stollenreifen genommen haben. Die SP268 aber, am Colle dei Morti, soll eine befestigte Querverbindung sein, die nach Demonte führt.
Ausprobieren kann ich das nicht, denn ich will Alex nicht alleine lassen. Also wende ich kurzerhand und fahre schweren Herzens ebenfalls in die „falsche“ Richtung. Wenig später treffe ich ihn in einem kleinen Rifugio, wo er auf mich wartet. Ich unke, dass er sich absichtlich verfahren habe, weil der Umweg, den wir nun über Borgo San Dalmazzo nehmen müssen, über breite Straßen führt und nicht weiterhin über kleine ekelige „Schiss-Straßen“, die ich so liebe. Alex aber beteuert, dass sein Navi ihm diesen Weg gewiesen habe, er hätte leider nur die Pässe als Wegpunkte und nicht die Route selbst programmiert. Sei’s drum, wir gönnen uns erst einmal eine leckere „Torta Frutti di Bosco“ und machen uns dann auf den Weg. Wird jetzt wohl etwas später werden …
Mit ein Grund, warum ich so gerne in den Bergen bin …
Der Colle della Lombarda (2350 Meter) ist der letzte große Pass des heutigen Tages. Es ist schon fast fünf Uhr, als ich die Passhöhe erreiche – musste ich doch unterwegs noch viele schöne Fotos machen. Die Reste einer Festung und zahlreiche Geschütztürme in den Bergen zeugen von der kriegerischen Vergangenheit auch diese Alpenübergangs. Heute verläuft hier die Grenze zwischen Italien und Frankreich.
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Noch gut 100 Kilometer und wir sind am Mittelmeer. Alex gibt seiner RT die Sporen, will es doch möglichst noch vor 19:00 Uhr in unserer Auberge sein. Ich trödele ein wenig hinterher, möchte ich doch bei dem prächtigen Wetter noch ein wenig die herrlichen Ausblicke auf eine sensationelle Landschaft genießen.
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Vom Lombarde geht es hinunter nach Isola, wo die Straße wieder auf die zum Col de la Bonette führende „Route des Grandes Alpes“ trifft. Nun geht es immer Richtung Süden, vorbei an Saint-Sauveur-sur-Tinée hinein in die „Alpes Maritimes“. Je mehr ich mich Nizza nähere, umso dichter wird der Verkehr. Dann geht es in einer langen Schlange nur noch im Stopp-and-go voran. Schon bald ballern die erste Motorradfahrer an mir vorbei. Links neben den Autos ist schließlich noch Platz vorhanden. Das sollte auch für eine G/S mit ausladenden 45 Liter-Alukoffern reichen, denke ich mir und zirkele mein Schlachtschiff elegant am Stau vorbei. Keiner hupt, alle machen Platz – warum nur funktioniert das bei uns nicht?
Die Fahrt quer durch Nizza ist dann ein besonderes „Vergnügen“. Ich mag das ja, sich „mit dem Messer zwischen den Zähnen“ durch den dichten Innenstadtverkehr zu kämpfen. Jeder sucht seinen Vorteil, geht aber auf die Bremse, wenn der Plan nicht funktioniert. Hochkonzentriert und nach meinen Lücken suchend bugsiere ich die G/S, den todesmutigen Rollerfahrern folgend, durchs Zentrum und finde immer mehr Gefallen an dieser Art der Fortbewegung.
„Ich muss noch ans Meer“, denke ich mir in all dem Chaos und finde bald einen Weg an die Uferpromenade. Doch es gibt keine Möglichkeit zum Halten. Alles ist abgepollert oder mit hohen Bürgersteigen versehen – Folge des Attentats vor einigen Jahren. Also quetsche ich meine G/S an den Rand eines breiten Fußgängerüberwegs und hoffe, dafür kein Knöllchen zu bekommen, sind doch überall Videokameras installiert. Aber ein Bild vom Meer, dass muss heute noch sein.
Um 18:50 Uhr bin ich (fast) am Ziel: der Colt d`Azur
So langsam wird es dämmerig und ich muss zusehen, unsere Unterkunft für die nächste Tage zu erreichen, bevor es dunkel wird. Schnell noch tanken, auch wenn die Auberge nur noch wenige Kilometer entfernt liegt. Die Straße führt nun die Küste entlang; auch wenn es schon spät ist, schieße ich kurz vor dem Ziel noch ein letztes Foto für heute – mit Blick auf die Côte d’Azur. Auf die fünf Minuten kommt es jetzt auch nicht mehr an.
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Es ist kurz nach halb acht, als ich mein Ziel erreiche. Fast elf Stunden war ich unterwegs, um eine Strecke von 330 Kilometern zurück zu legen. Es war ein fantastischer Tag mit imposanten Eindrücken. Wie gut, dass ich für den dienstlichen Termin in Eze-sur-mer nicht den Flieger, das Auto oder die Bahn genommen habe …
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Auch von dieser Etappe gibt es ein kleines Relive-Video, damit Du nachvollziehen kannst, welche Strecken wir gefahren sind:
Der Tag verspricht schön zu werden. Wie vorhergesagt: blauer Himmel und Sonnenschein. Ich genieße das „kleine Frühstück“, trinke beim Packen noch einen Espresso am Motorrad“ und verschwätze mich mit der Chefin des Hotels vorm Losfahren. Da ich in den nächsten Tagen allein unterwegs sein werde, ist das nicht weiter schlimm. Das „Zeitmanagement“ liegt allein in meinen Händen.
Um halb zehn geht es endlich los. Gegen Abend will ich in Briançon eintreffen und auf den gut 300 Kilometern bis dorthin mindestens sieben Pässe, darunter den 2770 Meter hohen Col de I’Iseran unter die Räder nehmen, den höchsten überfahrbaren Gebirgspass in den Alpen. Die Chancen dafür stehen heute gut.
Doch erst einmal komme ich nicht allzuweit. Kaum losgefahren, halte ich an der Schrägseilbrücke „Point de la Caille“ für einen ersten Fotostopp. An dem imposanten Bauwerk war ich vor vier Wochen, auf der Fahrt in die Cevennen, schon mal vorbei gefahren, jetzt will ich mir ein wenig Zeit für eine kleine Besichtigung nehmen.
Weiter geht’s in Richtung Annecy und über die erstaunlich attraktive D909 nach La Clusaz. Mächtige Felsformationen bauen sich links vor mir auf; angesichts des weiten Weges, der noch vor mir liegt, muss ein Schnappschuss reichen. Schon bald ist der Col des Aravis (1486 Meter) ausgeschildert, mein erster Pass des Tages „ist grün“, also befahrbar.
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Kurvenreich steigt die Straße bergan; an der kleinen Kapelle lasse ich die G/S ausrollen, um ein paar Fotos zu machen. Auf dieser Reise will ich jedes Passschild einmal im Bild festhalten – dazu fehlt bei meinen sonstigen Reisen oft die Zeit.
Vom Col des Aravis zweigt rechter Hand ein kleiner Weg ab, der zum unbefestigten Col de la Croix-Fry führt. Den haben wir vor Jahren mal bei einer Endurowanderung unter die Stollenreifen genommen. Ich laufe ein Stück in diese Richtung, um ein paar Fotos zu machen, als ich sehe, wie sich eine Gruppe älterer Herren um mein Motorrad versammelt und gestenreich diskutiert.
„Was denn das für ein Motorrad sei, wo man das kaufen könne und was es koste“, wollen sie wissen, als ich zu meiner Maschine zurückkehre. Franzosen seien sie und einer übersetzt. Als ich ihnen sage, dass es sich bei meiner Maschine quasi um ein Unikat handele, da ich die alte G/S im Laufe der Jahre nach meinen Vorstellungen umgebaut habe und es dieses Motorrad insofern nicht zu kaufen gäbe, schauen sie noch ein wenig interessierter und empfehlen mir das Elsass als nächstes Reiseziel. Da kämen sie her und würden nun einen Ausflug in die Alpen machen. Wir wünschen uns gegenseitig noch eine gute Reise, wobei sie ein wenig wehmütig auf den Omnibus zeigen, mit dem sie unterwegs sind.
Ich mache mich auf den Weg zum Col des Saisies und gerate auf halber Strecke in einen Almabtrieb. Die Herde nimmt die gesamte Straßenbreite in Anspruch, so dass die Kühe, laut bimmelnd, links und rechts an mir vorbeitraben – und ich ein herrliches Video drehen kann.
Vom Col des Saises (1650 Meter) ist es nicht mehr weit zum Col de Méraillet (1605 Meter). Der liegt in unmittelbarer Nähe zum malerischen Stausee von Roselend. Die D925 schlängelt sich durch eine malerische Landschaft – mit beeindruckenden Felsformationen und tollen Blicken auf den See. Bald ist mit der Cormet de Roselend (1967) der höchste Punkt diese Passstraße erreicht und damit fast die 2000er-Marke erreicht.
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Während ich fotografiere rollt eine neue Afrika Twin an mir vorbei. Aus dem Helm baumelt ein geflochtener blonder Zopf. Die Fahrerin stoppt kurz, macht ein paar Bilder und fährt dann weiter – wir werden uns an diesem Tag noch öfter begegnen.
Begegnung in der Einsamkeit der Berge
Meinen nächsten Fotostopp lege ich schon nach wenigen hundert Metern ein, als ich – inmitten einer Herde – eine Kuh entdecke, die majestätisch auf einem Felsbrocken steht und die Aufsicht zu führen scheint. Köstlich – das muss im Bild festgehalten werden.
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Kurz hinter Bourg-St-Maurice finde ich ein malerisches Plätzchen für eine kleine Mittagsrast, bevor es weiter in Richtung Val-d‘Isere geht.
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Die Landschaft ist nach wie vor atemberaubend; bevor einer der bekanntesten Wintersportorte Frankreichs erreicht ist, lege ich noch ein kurzer Fotostopp an der Barrage de Tigne und dem Lac du Chevril ein.
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Jetzt, im Spätherbst, sind die Bettenburgen von Val-d‘Isere verwaist, wirkt der kleine Ort am Fuße der beiden „Hauseberge“ Solaise und Bellevarde wie ausgestorben. Seit 1934 verdient man hier mit Skifahrern sein Geld. Ich fahre über die Hauptstraße einmal quer durch die 1570 Einwohner zählenden Gemeinde und wundere mich ein wenig, dass der Ort auch ohne Schnee noch ein gewisses Flair ausstrahlt.
Gut 800 Höhenmeter liegen vor mir. Von 1930 Metern geht es rauf auf 2770 Meter. Kurvenreich und teilweise recht schmal windet sich die D902 an den Bergflanken entlang und bietet immer wieder prächtige Ausblicke. Oben am Col de I´Iseran (2770 Meter) stehen ein paar Motorrad- und Rennradfahrer. Meist sind wir Mitte September hier oben – da ist deutlich mehr los. Meine Bewunderung gilt einem Rollerfahrer, der seine Vespa nebst Sozia den Berg hinauf gescheucht hat.
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Kurvenreich geht es auch wieder bergab, schnell noch ein Foto von Bonneval-sur-Arc gemacht, dann ist der Talboden erreicht. Auf den nächsten Kilometern verläuft die Straße gut ausgebaut und relativ gerade durch die Ausläufer des Parc National de la Vanoise.
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Ich erinnere mich, dass wir vor vielen Jahren mal mit 30 Motorradfahrern in Lanslebourg-Mont-Cenis-Mont-Cenis übernachtet und den Iseran entgegengesetzt, von Süd nach Nord, befahren haben. Gestartet sind wir zeitversetzt in drei Gruppen. Doch eine lange Rotphase an einer Baustelle hatte zur Folge, dass wir letztlich doch im Pulk dem Pass entgegen fuhren. So mancher Autofahrer hat da bereitwillig Platz gemacht, als wir zum Überholen ansetzten und in einer nicht endenden wollenden Schlange an Motorrädern zum Gipfelsturm ansetzten.
Heute genieße ich die Stille und die Möglichkeit, immer dann anhalten zu können, wenn ich ein schönes Fotomotiv entdecke. Wie beispielsweise dieses hier:
Idylle pur, unterhalb des Col de I´Iseran
Mein nächstes Ziel ist der Lac du Mont Cenis, den ich im über den Col de la Madeleine (1764 Meter) erreiche. Es wird Zeit für eine Kaffeepause. Das kleine Gasthaus linker Hand der Straße hat geöffnet. Die in Landestracht gekleidete Besitzerin bringt mir nicht nur eine große Tasse Café Creme sondern auch mehrere Blätter Papier. Auf denen hat sie in deutsch fein säuberlich die Geschichte dieses Übergangs niedergeschrieben. Von Hanibal und seinen Elefanten ist da zu lesen, von Napoleon und so manchem Ränkespiel der damals Herrschenden. Geschichten, von denen auch verschiedene „Skulpuren“ am Wegesrand erzählen.
Bei einer unserer Endurowanderungen sind wir schon einmal hier gestrandet, als sich Uli an der südlichen, unbefestigten Passage um den Stausee, ein Loch in die Ölwanne gefahren hatte und wir auf den Abschlepper warteten. Damals wurde uns die Geschichte noch persönlich von der Besitzerin erzählt, waren in unserer Gruppe doch mehrere der französischen Sprache mächtig. Solche Erlebnisse wird es nicht mehr geben, wenn Madame irgendwann nicht mehr unter uns sein wird. Irgendwie schade …
Ich genieße die prachtvolle Aussicht, fahre weiter zum Col du Mont Cenis (2048 Meter) und folge der Straße, die oberhalb des Stausees verläuft.
Am anderen Ufer lässt sich prima Endurowandern – leider sind die drei alte dort gelegenen Festungennicht mehr mit dem Motorrad erreichbar. Das nahe der D1006 gelegene Forte Kassa liegt in der Abendsonne, hoch über dem See – ein prächtiger Anblick.
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Wenig später stürze ich mich in Kurven und Kehren Richtung italienische Grenze. Im Rückspiegel taucht die gewaltige Staumauer auf. Dann – ein kurioses Bild: die Leitpfosten neben der Straße – die nach Italien führt – sind alle weiß angemalt – das hat schon was von Kunstwerk. Nahe der Grenze lege ich den nächsten Fotostopp ein. Die dichte Wolkendecke, die sich über das Susatal legt und die verfallenen Reste des alten Kontrollpostens wollen im Bild festgehalten sein.
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In Susa angekommen, muss ich mich entscheiden. Eigentlich wollte ich noch den stellenweise unbefestigten Finestre (2176 Meter) fahren und dort erstmals die Südrampe erkunden. Aber: die vielen Fotostopps, von denen ich keinen missen möchte, haben doch Zeit gekostet und wenn ich noch vor Einbruch der Dunkelheit in Briançon ankommen will, muss ich wohl die direktere Route über Salbertrand und Oulx wählen. Also setze ich den Blinker rechts und folge der SS24, die parallel zum Flüsschen Dora Reparia verläuft.
Schweren Herzens – ich wähle den direkten Weg zurück nach Frankreich
Linker Hand taucht Forte di Exilles auf, eine der gewaltigsten Festungen im Alpenraum. Auch heute finde ich nicht die Zeit für eine Besichtigung …
Im französisch-italienschen Grenzgebiet finden sich viele alte Festungen
Das imposante Bauwerk wechselte im Laufe der Geschichte mehrfach den Besitzer, gehörte mal zu Frankreich, dann wieder zu Italien, sicherte wie ein Sperriegel einen Alpenübergang und wurde nach der Besetzung des Piemontes durch Napoléon Bonaparte 1798 dem Erdboden gleich gemacht. Mit der Wiederherstellung des Königreichs Piemont-Sardinien wurde an der Stelle der alten Burg ab 1818 ein Fort nach den modernsten militärischen Erkenntnissen errichtet; heute befindet sich in den restaurierten Räumlichkeiten ein Museum.
In Oulx tanke ich noch einmal voll und nehme bei Claverie wieder französischen Boden unter die Räder. Der Montgenèvre (1854 Meter) ist der letzte Pass des heutigen Tages, den ich erreiche, als die Sonne so langsam hinter den Bergen verschwindet.
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Noch ein paar kurvenreiche Kilometer und ich habe mein Ziel, die Festungsstadt Briançon, erreicht. Das Hotel Edelweiss, in dem ich mich einquartiert habe, ist schnell gefunden. Es liegt zentral unterhalb der Altstadt und ist bei Motorradfahrern sehr beliebt.
Wenig später trifft auch Alex ein, mit dem ich meine Reise morgen fortsetzen will. Wir verabreden uns zum Abendessen und finden, nachdem wir den zweifachen Mauerring „überwunden“ haben, auch gleich ein nettes Lokal. „Ob wir denn reserviert hätten“, werden wir gefragt, was wir verneinen. „Un moment“, meint der Kellner und blickt suchend, fast schon schulterzuckend, in die Runde.
Wir haben Glück. Ein Ehepaar, das an einem Vierertisch sitzt ,gewährt uns „Asyl“. Sie vermuten schon, dass wir Motorrad fahren und wir erfahren, dass er ein paar Jahre in Dortmund gearbeitet hat. Damit erschöpft sich die Konversation aber auch schon – mangels Sprachkenntnis; schade.
Die beiden haben ein ordentliches Stück Fleisch geordert und ich sehe das Leuchten in den Augen von Alex. „Das könnten wir doch auch essen“, meint er – und so bestellen wir „le même chose, s’il vous plait“, als wir nach unseren Wünschen gefragt werden.
Satt und zufrieden spazieren wir durch die Altstadt, zurück ins Hotel. Morgen warten mehrere kleine Pässe mit deutlich mehr als 2.000 Meter auf uns. Da sollten wir ausgeschlafen sein.
Abendlicher Bummel durch die Altstadt von Briancon.
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Die gefahrene Strecke haben wir wieder in einem kleinen Relive-Video festgehalten, damit Du sehen kannst, wo wir unterwegs waren:
Was macht man, wenn es einen Ende September/Anfang Oktober beruflich für gut eine Woche nach Eze an der Côte d‘Azur verschlägt? Man schnappt sich sein Motorrad und hofft darauf, dass die hohen Alpenpässe noch befahrbar sind. Wenn das Wetter passt, wird die Fahrt über die Berge bis runter ans Meer sicher ein ganz besonderes Erlebnis.
Die erste Etappe fahre ich mit dem Auto. Weil ich mein Gepäck diesmal selber transportieren muss, steht die gelbe G/S im Ducato. Da sind große Alu-Koffer dran – reichlich Platz für Wäsche, Laptop, Ladekabel und was man heute sonst noch so braucht …
Im strömenden Regen geht’s los, wieder übers Elsass und einmal quer durch die Schweiz. In Kandel tanke ich noch einmal voll. Vor gut zwei Wochen habe ich an genau dieser Tankstelle gestanden, als ich früh morgens von Saint Blaise auf dem Weg nach Hause war. Jetzt bin ich wieder auf dem Weg nach Saint Blaise …
Auf dem Autobahnring rund um Straßburg geht es stellenweise nur im Schritt-Tempo voran. Man merkt, dass es Freitag ist. An der Grenze zur Schweiz muss ich nur das Tempo rausnehmen; Kontrollen gibt es heute keine. Die Autobahn-Vignette klebt noch von der Cevennen-Tour an der Windschutzscheibe, so dass ich freie Fahrt durch das Land der Eidgenossen habe. 120 km/h sind absolute Höchstgeschwindigkeit, manchmal sind auch nicht mehr als 100 oder 80 km/h erlaubt. Hauptsache es rollt …
Auf dem Straßburger Autobahnring geht es nur im Schritt-Tempo vorwärts
Am Rastplatz in Oberbipp lege ich eine kurze Pause ein. Jetzt kommt sogar die Sonne raus. So kann es bleiben. Kurz vor der Grenze dann ein Mega-Stau – obwohl das Navi freie Fahrt meldet. Viele Franzosen aus dem Grenzgebiet arbeiten in Genf und wollen wieder nach Hause und noch dazu ins Wochenende. Obwohl der Verkehr über drei Spuren fließt, geht es allenfalls im Schritt-Tempo vorwärts. So was braucht kein Mensch!
In Frankreich angekommen geht es auf der D1201 Richtung Mont Sion. Der Berg, über den eine Pilgerroute führt, liegt im Département Haute-Savoie. Mein Ziel ist das „Hotel Rey Mont Sion“, das seit einigen Jahren immer wieder mal bewährter Anlaufpunkt für verschiedene Motorradtouren ist.
Diesmal stehe ich allein auf dem Parkplatz. Keine Gruppe wird mir folgen. Kein Begleitbus, der das Gepäck transportieren. Motorrad fahren pur – mit allen Vor- und Nachteilen. Ich genieße erst einmal einen Kaffee – und dann die mystische Stimmung.
Schnell ist die G/S ausgeladen und mit allem Notwendigen für die nächsten Tage bepackt. Das kleine Handgepäck für diese und die nächste Nacht steht bereit, die Routen (und mögliche Alternativen) sind fürs Navi „programmiert“. Das „Abenteuer“ kann beginnen.
Am Abend esse ich nicht wie sonst im benachbarten Restaurant sondern direkt im Hotel, wo man mir liebevoll einen Platte mit Köstlichkeiten aus der Region vorbereitet hat. Dazu ein kleines Helles und zum Abschluss einen Kaffee. Das ist genau die richtige Einstimmung für die nächsten Tage..
Ein Abendessen ganz nach meinem Geschmack 😉
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Die Anreise an den Genfer See haben wir in einem kleinen Relive-Video festgehalten, damit Du sehen kannst, wo wir unterwegs waren:
15 Milliarden DM Währungsreserve – versteckt in einem geheimen Bunker in Cochem; eigentlich unglaublich. Mittlerweile ist dieser „Tresor“, der viele hundert Meter weit in hartes Schiefergestein gesprengt wurde, öffentlich (im Rahmen einer Führung) zugänglich. Wir haben ihn uns anlässlich einer vhs-Tagestour einmal angeschaut.
Da der Weg weit, die Führung kurzweilig aber gut eine Stunde lang war und das Mittagessen für 22 Motorradfahrer so seine Zeit brauchte, dauerte die Tour am Ende bis zum Sonnenuntergang – was mir persönlich ja immer gut gefällt.
Die Strecke, die wir gefahren sind – sowie ein paar Fotoimpressionen – findest Du in unserem „Relieve-Video“. Der Bericht zur Tour folgt in Kürze.
Die letzte Tagestour in diesem Jahr führt am 26. Oktober an den Neckar, nach Igelsbach. Mitten durch den kleinen Ort verläuft die Grenze zwischen Baden-Württemberg und Hessen. Das wollen wir uns mal anschauen. Start ist um 9.00 Uhr an der Raststätte Büttelborn Süd, an der A 67, in Fahrtrichtung Pfungstadt. Hier kannst Du Dich anmelden: vhs-Link
Samstag, 14.9.2019 / Cevennen – Rückreise: Ich weiß nicht, wer mich mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen hat, aber irgendwer hat im Zimmer neben mir um 4:30 Uhr lautstark sein Bad benutzt. Ich bin hellwach. Soll ich mich noch mal rumdrehen? Spätestens um 6 Uhr wollte ich mich sowieso auf den Weg machen. Also nutze ich den unvermuteten Zeitvorsprung und mache mich reisefertig.
Kurz nach 5 Uhr brummt der Ducato, die Straßen sind frei, nur an der Grenze zur Schweiz werden ich aufgehalten. Wohin ich wolle, fragt mich die Zöllnerin und was ich geladen habe? Die Antwort „Deutschland“ und „zwei Motorräder“ reicht ihr, ich kann passieren.
Ich fahre durch die Nacht, dem neuen Tag entgegen. Gegen viertel nach sieben geht bei Flumenthal die Sonne auf. Ein Rastplatz kommt gerade recht, um auch hier noch ein Foto machen zu können. Damit ist die „Serie“ quasi komplett.
Eine dreiviertel Stunde später bin ich in Basel und muss mich entscheiden: nehme ich die A5 oder fahre ich über die A35 durchs Elsass. Seitdem im Rheintal nicht mehr gebaut wird, lässt sich auch die deutsche Autobahn (wieder) flüssig befahren. Doch irgendwie gehört die Fahrt durch Frankreich zum Abschluss des Urlaubs dazu, zumal sich die Raststätte bei Battenheim für ein kleines Frühstück geradezu anbietet.
Halb neun, denke ich, jetzt sitzen die Anderen beim Frühstück zusammen. Ich genieße einen Milchkaffee und ein Stück Apfelkuchen, bevor ich mich wieder auf den Weg mache. Gut eineinhalb Stunden später passiere ich bei Wörth die Grenze zu Deutschland.
Der Ducato rollt, noch ein Tankstopp bei Kandel – und die Heimat rückt immer näher. Kurz nach zwölf bin ich zu Hause. Danke, an alle, die dabei waren. War wieder eine wunderschöne Tour mit Euch …
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Im anschließenden Post siehst Du die Route im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text, schon während der Tour veröffentlich.
Weitere Berichte von unseren geführten Motorradtouren findest Du in diesem Blog. Die Reisen sind alle verschlagwortet. Info-Anfragen gerne per Mail unter kurvenfieber@mac.com
Um halb fünf ist die Nacht zu Ende. Irgendwer poltert um diese Uhrzeit ins Bad des Nachbarzimmers. Einmal wach beschließe ich, mich nicht noch mal rumzudrehen, sondern die Gunst des frühen Aufbruchs zu nutzen. Kurz nach fünf rollt der Ducato vom Hof des Hotels Richtung Autobahn. Nach sieben Stunden Fahrt und zwei kleinen Pausen bin ich um halb eins wieder zu Hause. Lohn der „Mühe“: ein fantastischer Sonnenaufgang unterwegs:
Auch von der Rückfahrt gibt es ein kleines Video, das den Streckenverlauf und ein par Bilder zeigt. Mehr zur Tour in den nächsten Tagen.
Freitag, 13.9.2019 / Cevennen – Sechster Tourtag: Es geht zurück an den Genfer See. Die G/S steht seit gestern Abend schon wieder im Ducato. Heute morgen kommen die vielen Koffer der Teilnehmer dazu. Noch einmal fotografiere ich den Sonnenaufgang und wähle dazu als Standort die Wiese eines nahegelegenen Gehöfts. Während ich so durch das vom Morgentau benetzte Grün laufe, sehe ich, dass unter alten Bäumen ein Haus steht. Wenn da noch jemand wohnt, hat der bestimmt auch einen Hund, weil im ländlichen Teil Frankreichs jeder einen Hund hat. Und wenn der dann kommt und nicht mag, dass ich hier stehe …
Es dauert nicht lang und ich höre es hecheln, während ich durch den Sucher meiner Kamera blicke. Glück gehabt: ein schwarz-weißer Streuner will wohl nur mal gucken, zumal auch dessen Herrchen nicht weit ist. Ich rufe ein freundliches „Bonjour“, das mit einem netten Winken erwidert wird. Alles in Ordnung. Gerade noch rechtzeitig vor dem Sonnenaufgang …
Noch einmal frühstücken wir gemeinsam im „Hotel de la Poste“. Leckere Hartwurst, würziger Käse, selbstgemachte Marmelade, frische Frühstückseier – alles vorhanden.
Während die Letzten noch ihre Sachen packen, warten die Ersten schon in der Sonne darauf, dass es (endlich) los geht.
Kurz vor neun starten die Motoren und Dieter führt die Gruppe zurück nach Saint Blaise, nahe des Genfer Sees.
Die „Garage“ ist leer …
… der Ducato vollgeladen …
… auch für mich wird es Zeit, den Rückweg anzutreten. Diesmal will ich die „westliche Variante“, über Lyon fahren.
Unterwegs lege ich an einem schattigen Autobahnparkplatz noch eine kleine Kaffeepause ein.
Gegen 16 Uhr erreiche unser Hotel am Mont Sion. Das Vorhaben, in Crueilles schnell noch mal zu tanken, geht gründlich in die Hose. Aufgrund des unvermuteten Feierabendverkehrs brauche ich 20 Minuten bis zur Tankstelle. Diesel gibt es nur gegen Pfand. Die nette Kassierern bittet mich um meinen Personalausweis, bevor sie die Zapfsäule frei schaltet. Zu oft seien Kunden ohne zu bezahlen weg gefahren, erklärt sie entschuldigend.
Zurück im Hotel genieße ich erst einmal in Ruhe einen Kaffee, während ich auf Dieter und die Gruppe warte. Diese Form der Routenplanung ist eigentlich ganz schön. Auf der Zwischenetappe vom Treffpunkt zum eigentlich Ziel kann ich die Fahrt im Ducato genießen, habe anschließend die Gelegenheit mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern ein paar Tage Motorrad zu fahren und kann die Rückfahrt relativ streßfrei angehen.
Es ist zehn nach sechs mit der Truppe am Hotel einfällt. Alle strahlen und schwärmen von dem tollen Tag.
Alle „Warmduscher“, die wie ich mit dem Auto angereist sind, müssen jetzt noch verladen. Entweder zu zweit …
… oder mit einer ganzen Kompanie an Helfern.
Dann gibt es für alle das wohl verdiente Feierabendbier.
Den letzten Abend lassen wir bei einem gemeinsamen Essen im „La Chef des Champs“ ausklingen und freuen uns schon auf die Touren, die wir im nächsten Jahr zusammen unternehmen wollen.
Kurz vor elf gehen wir zu Bett. Ich will morgen wieder früh raus, um zeitig zu Hause sein zu können.
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Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die ich am Freitag, den 13.9.2019 mit dem Ducato zurückgelegt habe. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text, schon während der Tour veröffentlich.
Heute heißt es Abschied nehmen, zumindest von den Cevennen. Nach vier herrlich erlebnisreichen Tourtagen geht es zurück an den Genfer See. Die Motorradgruppe wird die gut 330 Kilometer Distanz zumeist auf kleinen Landstraßen bewältigen, ich werde mich mit dem Ducato voller Koffer auf die Route National und die Autobahn werfen. Im Hotel angekommen, muss dann „verladen“ werden.
Die Strecke, die ich mit dem Ducato gefahren bin, findest Du hier:
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