Utelle statt Turini

„Fahr doch lieber nach Utelle“, hatte Ronny gemeint, als ich ihm davon erzählte, den freien Dienstagnachmittag für einen Abstecher zum legendären Col de Turini unternehmen zu wollen. „Da steht eine Kirche in imposanter Lage von der Du eine ganz tolle Aussicht hast“. Also plane ich um und folge seinem Rat.

Der Tag hatte wieder mit einem fantastischen Sonnenaufgang begonnen und einem aussichtsreichen Frühstück.

Der Vormittag nimmt mich beruflich in Anspruch, am Nachmittag habe ich aber Zeit für eine kleine Motorradtour. Es geht die Küste entlang, hoch nach La Turbie – auch einen Empfehlung von Ronny. „Vom Tete de Chien hast Du einen tollen Blick auf Monaco“, hatte er mir den Mund wässrig gemacht. Ich halte an der alten Festung und blicke über die Ruinen der ehemaligen Stallungen aufs Meer. Zum „Hundskopf“ führt ein schmaler Fußweg; mir genügt heute ein Blick vom nahegelegenen Felsvorsprung auf das Steuerparadies.

In La Turbie wecken die Reste eines römischen Siegerdenkmals mein Interesse – errichtet um das Jahr 7/6 vor Christi, zur Zeit des Kaiser Augustus, anlässlich der Niederwerfung verschiedener Alpenstämme. Das imposanten Bauwerk steht in Sichtweite der Kirche; die Stadt selbst wurde überwiegend mit Steinen aufgebaut, die von diesem Denkmal stammen.

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Alles, was vom römischen Siegerdenkmal geblieben ist.

Statt über die Autobahn zu fahren, nehme ich die parallel verlaufende M2204. In Saint-André-de-la-Roche zweige ich nach Norden ab. Prachtvolle Alleen und abenteuerliche Höhenstraßen säumen meinen Weg nach Utelle.

Bald darauf spaziere ich durch den kleinen Ort – und suche die Kirche mit der fantastischen Aussicht. Ich finde mehrere Gotteshäuser, die Madonna d‘Utelle ist nicht dabei.

Auf der digitalen Karte meines Handys entdecke ich eine kleine Stichstraße. Die Wallfahrtskirche liegt in 1180 Meter hohem Plateau, mit Blick auf die Täler des Var und Tinée. Das könnte passen.

Auf den ersten Kilometern bietet sich ein prächtiger Blick auf Utelle, wenig später warnt ein Schild vor einer immer schmaler werdenden Straße. Starke Windböen beuteln mein Motorrad, wann immer wir den Windschatten von Büschen und Bäumen verlassen. Immer noch ist von der Wallfahrtskirche nichts zu sehen. Zunehmend lustloser fahre ich die kleine Höhenstraße hinauf. In einer Kehre packt mich erneut ein kräftiger Windstoß – und ich beschließe umzudrehen. „Bis hier und nicht weiter“, denke ich mir, zumal ich mich frage, tatsächlich auf dem richtigen Weg zu sein?

War ich, wie ich am Abend erfahren. In gut zwei Kilometern hätte ich mein Ziel erreicht. Das ist doch ein Grund ist wiederzukommen, den Weg kenne ich ja jetzt …

Es ist fast halb fünf, als ich den Rückweg antrete. Der führt erst einmal durch die Vesubie-Schlucht. Auf einsamen Wegen geht es dann weiter zum Col St. Roch. Dunkle Wolken ziehen auf und tauchen die Landschaft in ein dramatisches Licht. Nebelschwaden wabern durch die Bäume als ich mich langsam der Passhöhe nähere. Links zweigt die Straße zum Turini ab, rechts markiert ein Kreuz den höchsten Straßenpunkt.

Kurven- und kehrenreich geht es nun bergab. Heute streife ich die Ausläufer von Nizza nur, der Verkehr hält sich insofern in Grenzen. Um halb sieben bin ich, direkt aus den Bergen kommend, wieder am Meer und genieße den Blick auf die Bucht von Villefranche-sur-Mer. Kurz danach ist das Hotel erreicht. Ich glaube, hier könnte es mir auch für länger gefallen …

Den Routenverlauf dieser Tour haben wir in einem kleinen Relive-Video festgehalten, damit Du sehen kannst, wo wir überall entlang gefahren sind.

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