Archiv der Kategorie: Cevennen 2019

Kaffeepause im Schlund eines Vulkans

Es regnet, wie angekündigt. Zwar nicht aus Kübeln, wie vorhergesagt, aber doch so stark, dass unsere Lust auf´s Motorrad zu steigen, zumindest am Morgen nicht sonderlich ausgeprägt ist. Also dehnen wir das Frühstück ein wenig aus und schauen auf dem Handy erst einmal die ersten Videos von unserer Tour an.

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Gegen Mittag reisst der Himmel auf und schon sitzen wir auf dem Motorrad. Zumindest Bernhard, Thea, Charly, Ingrid, Hans-Friedrich und ich. Alle anderen trauen sich nicht so recht, kündigt die Wetter-App doch für den späten Nachmittag weitere Regenschauer an.

Wir starten zunächst in Richtung „Auberge de Peyre“, um mitten in den Bergen eine verspätete Mittagsrast einzulegen. Den nächsten Stopp legen wir in Jaujac ein. Der kleine Ort liegt im Schlund eines erloschenen Vulkans; es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, an dessen Flanken in den Mittelpunkt des Kraters zu fahren.

Einen ersten Eindruck gibt unser kleines Reliefe-Video wieder. Übrigens: es ist den Rest des Tages trocken geblieben …

Vom „Chaos“ ins Land der Hugenotten

Montag, 9.9.2019 / Cevennen – Zweiter Tourtag: Zum Glück ist es schon September. Da geht die Sonne nicht mehr ganz so früh auf. Mir ist noch in guter Erinnerung, wie faszinierend der Anblick auf den runden Feuerball bei unserem letzten Aufenthalt in Châteauneuf de Randon war. Kurz vor dem Frühstück, auf dem Feld gegenüber des Hotels, ging die Sonne kurz vor dem Frühstück auf. Genau da will ich in den nächsten Tagen ein paar beeindruckende Fotos machen.

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Um kurz nach sieben stehe ich am Montag das erste Mal am Straßenrand. Rauhreif liegt auf den Gräser. Die Temperaturen gerade einmal null Grad. Leichte Nebelschwaden wabern übers Feld, als sich die Sonne ganz langsam über die Baumwipfel schiebt. Eine tolle Szene.

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Leicht verfroren sitze ich nach der morgendlichen „Fotosession“ am Frühstückstisch. Ein Café au lait, gestreckt mit einem kleinen Espresso, holt die Lebensgeister zurück, so dass wir pünktlich um 9 Uhr auf die Maschinen steigen können. Treffpunkt ist die nahegelegenen Tankstelle; zum Spritfassen ist Dieter mit der Gruppe nicht mehr gekommen.

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Wir fahren nach Süden und erreichen schon bald den „Col de la Pierre Plantée“. Wir befinden uns auf dem „Dach Frankreichs“, wie die Region hier genannt wird. Ein altes Steinkreuz in 1264 Metern Höhe erinnert daran. Regen, der hier fällt, kann von dieser Hochebne aus sowohl in Loire, wie auch in die Rhone oder die Garonne fließen.

Wir biegen wir auf die D26 ab und kratzen schon bald an der 1.600 Meter-Marke. Bei strahlendem Sonnenschein geht es über den Col de Finiels, dem mit 1541 Metern höchstem „Pass“ in den Cevennen (und dem zweithöchsten im Massiv Central). Wir sind sind im Bergmassiv des Mont Lozère unterwegs; nicht weit von hier entspringt die Quelle des Tarn. Dem Fluss wollen wir am Donnerstag einen Besuch abstatten.

Rund herum blüht die Heide, die Fernsicht ist atemberaubend. Kurvenreich schlängelt sich die D20 durch eine immer wieder aufs neue faszinierende Landschaft.

Nahe „Le Pont-de-Montvert“ erreichen wir zum ersten Mal das „Chaos“ – so wird eine Landschaft genannt, in der große Felsbrocken chaotisch verstreut liegen. Ein faszinierender Anblick, der im Bild festgehalten werden muss.

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Die erste Kaffeepause legen wir in Florac im „Hotel Pont Neuf“ ein und genießen auch hier den Ausblick auf imposante Felsformationen.

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Von Florac aus führt eine weitere Höhenstraße – die „Corniche des Cévennes“ – kurvenreich nach „Saint-Jean-du-Gard“. Am 1004 Meter hohen „Col de Faisses“ legen wir einen kurzen Fotostopp ein, die weiteren Aussichtspunkte lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und genießen statt dessen den nicht enden wollenden Kurvenschwung.

In Saint-Jean-du-Gard biegen wir auf die rumpelige D983 ab und folgen nun dem Flusslauf des „Le Gardon des Mialet“. So langsam wird es Zeit fürs Mittagessen. Das haben wir in „Saint-Germain-de-Calaberte“ eingeplant. Zielsicher steuern wir (dank der in google-maps recherchierten Koordinaten) das kleine Lokal „Placette“ an, das sich als echter Geheimtipp entpuppt.

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Angesichts der kaum vorhandenen Infrastruktur in den Cevennen, sind wir – auch aufgrund der bei früheren Touren gemachten Erfahrungen – dazu übergegangen, die Pausen quasi vor zu buchen. Schon bei der Planung der Routen schauen wir, in welchem Lokal wir unsere Pause einlegen könnten und fragen dort nach, wie die Öffnungszeiten sind und ob wir beispielsweise mit unserer Gruppe zum Mittagessen vorbeischauen dürfen. Das macht im Vorfeld zwar reichlich Arbeit, garantiert aber während der Tour einen relativ entspannten Ablauf. So auch heute: auf der kleinen Dachterrasse des „Placette“ ist die lange Tafel schon für uns eingedeckt und der „Maitre“ weiß, dass wir kein Menue sondern nur eine Kleinigkeit wollen; eigentlich.

Auf der mit Kreide beschriebenen Schiefertafel lassen die verschiedenen Gerichte die Wahl zur Qual werden, doch schließlich hat Jeder das für ihn passende Mittagessen gefunden.

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Ich nutze die Gelegenheit und schlendere ein wenig durchs Dorf. Im Jahr 1800 lebten hier noch 1669 Menschen, 2003 waren es noch 445. Jahrhundertelang waren die Menschen Selbstversorger, lebten von Ackerbau und Viehzucht, zu der in erster Linie Schafe, Ziegen, Rinder und Hühner gehörten. Im 18. und 19. Jahrhundert florierte die Seidenweberei. Noch heute wird Pélardon-Käse produziert und in geschützten Lagen werden Esskastanien oder Maulbeerbäume angepflanzt. Mittlerweile lebt das Dorf vorwiegend vom Tourismus, etwa durch das Vermieten von Gîtes – kleinen Ferienwohnungen.

Direkt neben der Pfarrkirche „Saint-Germain“, deren Ursprünge auf das 14./15. Jahrhundert zurück gehen, steht die Skulptur des „Homme Cevenol“, die an die regionale Kultur des Bauens mit unbearbeiteten Natursteinen erinnern soll.

Auch in Saint-Germain-de-Calaberte hat die Kirche – oder sollte man besser sagen, die Auseinandersetzung um den „richtigen“ Glauben – ein dunkles Kapitel der Geschichte geschrieben. Im 16. und 17. Jahrhundert geriet das Dorf unter protestantischen Einfluss. Dem bereitete jedoch der Krieg gegen die Kamisarden (wie die Hugenotten hier genannt wurden) ein Ende, nachdem das im Jahr 1598 von Heinrich dem IV. erlassene „Edikt von Nantes“ von Ludwig XIV rund hundert Jahre später wieder aufgehoben wurde. In der Folge fanden in den Jahren 1702 bis 1705 inquisitorische Strafmaßnahmen in den Bergdörfern der Cevennen statt – die so genannten Dragonaden. Ziel war es, die Bevölkerung zurück zum katholischen Glauben zu zwingen.

Dragoner (daher der Name „Dragonade“) wurden auf Befehl des Königs in den Höusern jener Menschen einquartiert, die als unbotmäßig oder gar als potentiell aufrührerisch galten. Die betroffenen Familien mussten die Soldaten in ihren Häusern dulden und für deren Verpflegung aufkommen. Sehr oft plünderten die Dragoner die Häuser, erpressten Geld und bedrängten die Frauen bis zur Vergewaltigung. Ihre eigentliche Aufgabe was die Überwachung der Bewohner; das Lesen und das Studium der Bibel sowie das Singen von Psalmen sollte unterbunden werden. Gegen diese und andere Repressalien lehnte sich die Hugenotten schließlich auf, doch ihr Widerstand wurde blutig niedergeschlagen, weite Landstriche der Cevennen regelrecht entvölkert. Erinnert wird daran allenfalls in den Geschichtsbüchern.

Wir wenden uns den Freuden unserer Motorradtour zu und genießen, was die Küche auf den Tisch zaubert – und das sind ordentliche Portionen, die uns ganz sicher satt werden lassen.

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Der doppelte Hamburger mit Ziegenkäse war nur eine der Köstlichkeiten, unter denen wir auswählen konnten …

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Auf kleinen kurvenreichen Straßen fahren wir nach der ausgedehnten Mittagspause weiter und legen unterwegs immer wieder kurze Fotostopps ein.

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Am späten Nachmittag ist der „Lac de Villefort“ erreicht. Der 35 Millionen Kubikmeter Wasser fassende Stausee dient in erster Linie der Stromversorgung. Wir legen auf der Terrasse des „Hotel du lac“ eine erholsame Kaffeepause ein.

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Auf schmalen Wegen geht es anschließend weiter Richtung N88. Die letzten Kilometer sind wir auf der gut ausgebauten Nationalstraße – mit der in Frankreich derzeit geltenden Höchstgeschwindigkeit von unglaublichen 80 km/h (auf einspurigen Landstraßen) – unterwegs. Dann heißt es noch einmal volltanken.

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Die „Pferde“ kommen in einen geräumigen Stall, der direkt gegenüber dem Hotel liegt …

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… dann wartet, „getaner Arbeitet“, das wohlverdiente Feierabendbier auf uns.

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Das kann Charly nicht so richtig genießen, kündigt die Wetter-App doch für den morgigen Dienstag Regen an.

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Von dieser Prognose lassen wir uns aber nicht beirren, sondern genießen erst einmal das leckere Abendessen.

 

Als wir satt und zufrieden ins Bett gehen, verwendet keiner mehr einen Gedanken an das morgige Wetter – das können wir sowieso nicht ändern. Machen wir also das Beste daraus. Bis dahin: gute Nacht 😉

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die wir am Montag, den 9.9.2019 zurückgelegt haben. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

Das erste Ziel: die Hochebene

Was für ein Start in den Morgen. Die Temperaturen liegen gerade einmal knapp über null Grad, als sich die Sonne Sonne gegen halb acht so langsam über die bewaldeten Anhöhen schiebt. Ein herrlicher Anblick!

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Im Hotel riecht es nach frischen Croissants, als wir uns zum Frühstück treffen. Heute wollen wir die Hochebenen der Cevennen erkunden; stellenweise führt die Straße bis hinauf auf rund 1.600 Meter. Kurven gibt es in allen Variationen, Straßenbeläge auch. Bei der Kaffeepause genießen wir eine herrliche Aussicht und das Mittagessen ist ein lukullischer Volltreffer.

Festgehalten haben wir das allen in einem kleinen Relive-Video. Der ausführliche Bericht zur Tour folgt in ein paar Tagen.

 

Châteauneuf-de-Randon – wir kommen!

Sonntag, 8.9.2019 / Cevennen – 1. Tourtag: Noch ballen sich dunkle Wolken am Himmel, als ich gegen sieben das erste Mal aus dem Fenster blicke. Erfahrungsgemäß kein Grund zur Sorge. Nach dem Frühstück sieht es meist ganz anders aus.

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Kaffeeduft zieht durchs Treppenhaus, frisches Baguette, leckere Wurst und eine feine Käseauswahl sorgen für einen guten Start in den neuen Tag. Ich kann es heute ganz relaxt angehen lassen, „muss“ ich doch den Begleitbus fahren und brauche insofern nicht um 9 Uhr auf dem Motorrad sitzen.

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Deutlich angespannter ist schon Charly, ist sein Motorrad doch das Einzige, das nicht vollgetankt ist. Ob ich nicht zufälligerweise einen Reservekanister im Ducato habe, fragte er beiläufig? Habe ich – sogar zwei, randvoll mit gutem Super 95. Also wird umgefüllt.

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So langsam füllt sich der Parkplatz, letzte Vorbereitungen werden getroffen. Alle sind gut gelaunt und freuen sich auf die abwechslungsreiche Touren, die vor uns liegen.

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Nun steht dem Tourstart nichts mehr im Wege, oder? Als alles Gepäck im Ducato verstaut ist und Dieter noch mal ein paar Tipps für die erste Etappe gegeben hat, machen sich die Motorradfahrer auf den Weg – alle, bis auf einen. Denn Charly GS mangelte es nicht nur an Sprit, sie mag heute morgen – im Gegensatz zu gestern – auch nicht mehr anspringen. Der Anlasser klackert nur noch müde vor sich hin …

Glücklicherweise findet sich im Ducato auch ein Starthilfe-Set, so dass der Boxer fremdgestartet werden kann und nach dem dritten Versuch endlich wieder läuft. Nun heißt es: Châteauneuf-de-Randon – wir kommen!

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Es ist schon fast halb elf, als ich mich in den Ducato werfe. Gut 350 Kilometer liegen auch vor mir, die meisten davon auf der Autobahn. Ich wähle die östliche Route, die mich über Annecy und Aix-les-Bains Richtung Lyon führt. Bei Chasse-sur-Rhône ist die Zufahrt zur A47 wegen Bauarbeiten komplett gesperrt. Folglich muss ich einen Umweg über Vienne fahren und mich entlang der Rhone zurück nach Givors zu hangeln.

Die Strecke wird bergiger. Immer wieder prasseln heftige Regenschauer nieder. Die Motorradgruppe hat mehr Glück – nur einmal öffnet der Himmel kurz seine Schleusen. Erst nach Saint-Étienne – der Hauptstadt des ostfranzösischen Départements Loire, die bei der Durchfahrt nicht sonderlich einladend wirkt, aber eine spannende Geschichte hat – (im 14. Jahrhundert Zentrum der Metallverarbeitung, insbesondere der Waffenfabrikation, des Posamentiergewerbes und der Werkzeugherstellung. Später wurde im großen Maße Steinkohle abgebaut; um das „schwarze Gold“ abtransportieren zu können, sollte in den Jahren 1823 bis 1827 wurde zwischen Saint-Étienne und Andrézieux-Bouthéon die erste, zunächst noch als Pferdebahn betriebene Eisenbahnlinie auf dem europäischen Kontinent erbaut werden) -, finde ich einen schönen „Aire de repos“ für ein kleines Picknick.

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Wenig später taucht rechter Hand Puy-en-Velay auf. Besondere Sehenswürdigkeit der Stadt sind zwei Basaltkuppen, ehemalige Vulkanschlote, die so genannten Puys. Auf einem der beiden thront die Kirche des „Heiligen Michael auf der Nadel“ (Saint-Michel d’Aiguilhe). Das Gotteshaus nimmt die gesamte Gipfelfläche ein und passt sich mit seinem Umriss der natürlichen Form des Felsens an.

Gut 50 Landstraßen-Kilometer sind es noch bis zum Hotel. Das Wetter wird zunehmend besser. Für Châteauneuf de Randon ist strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Die Wolken am zunehmend blauen Himmel zeichnen dramatische Bilder, die immer wieder mal im Foto festgehalten werden müssen.

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Kurz nach 16 Uhr habe ich mein Ziel erreicht – das „Hotel de la Poste“, das uns von einer zurückliegenden Tour noch in guter Erinnerung ist. „Wir kommen wieder“, hatten wir seinerzeit zugesagt; heute lösen wir unser Versprechen ein. Ich lade meine Sachen aus und gönne mir erst einmal einen Kaffee.

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Kurz vor halb sieben trifft auch Dieter mit der Motorradgruppe ein; alles ist gut gelaufen. Jetzt heißt es sich erst einmal sortieren, auspacken und das Feierabendbier genießen.

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Unterdessen geht so langsam die Sonne unter. Es wird frisch: das Hotel steht auf gut 1.000 Höhenmetern.

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Dann geht es zum gemeinsamen Abendessen. In der alten Scheune sitzen wir zusammen und genießen ein wunderbares Drei Gänge-Menue. Allein die tolle Küche des „Hotel de la Poste“ war für uns ein Grund, hier erneut ein paar schöne Tage zu verbringen.

Morgen steht die erste Tagestour auf dem Programm. Wir wollen die Hochebenen der Cevennen unter die Räder nehmen. Bei der sternklaren Nacht, die uns erwartet, könnte das temperaturmäßig eine kleine Herausforderung werden.

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die ich mit dem Ducato zurückgelegt habe. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

In einem Rutsch nach Chateauneuf

Das Drama beginnt am frühen Morgen. Erst fehlte es an Sprit, dann mag die GS nicht anspringen. Schließlich konnten wir alle Probleme lösen, so dass sich die Motorradgruppe mit etwas Verspätung doch noch in Bewegung setzen konnte. Gut 350 Landstraßenkilometer galt es zu bewältigen.

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Ich genieße den Umstand heute morgen nicht auf die Uhr schauen zu müssen und schwinge mich erst nach zehn mit dem Ducato auf die Autobahn. Bis kurz vor Puy-en-Velay regnet es immer wieder heftig; die Motorradgruppe hat mehr Glück. Da waren die Straßen nur des morgens kurz nass.

Kurz nach 18 Uhr sind alle im Hotel. Wir freuen uns auf vier abwechslungsreiche Touren in den Cevennen.

Auch von der Zwischenetappe gibt es ein kleines Relive-Video:

Viel Verkehr auf der Anreise

Samstag, 7.9.2019 / Cevennen – Anreise: Gut 630 Kilometer liegt heute noch vor mir. Bis nach Saint Blaise geht’s, einer kleinen französischen Gemeinde im Département Haute-Savoie, die in der Region Auvergne-Rhône-Alpes liegt. Hoch oben auf dem 786 Meter hohen „Col du Mont Sion“ steht unser Hotel, in dem wir uns am Abend treffen wollen. Ein Pilgerweg soll hier entlang verlaufen, zumindest finden sich im Netz immer wieder Berichte von Wanderungen, die von Genf kommend über den Berg nach Py-en-Valey führen, entlang der  D1201 über die ich heute Abend hoffentlich nicht allzu spät rollen werden.

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Die Aussichten sehen zunächst nicht gut aus. Als ich losfahre, fängt es kräftig an zu regnen.  Nicht weiter schlimm, denn die ersten beiden Tage werde ich den Begleitbus fahren. Aber: Schon bei Mainz stehe ich das erste Mal im Stau. An der Anschlussstelle zur A63 wird gebaut; es geht nur im Schritttempo voran. Auf den nächsten Kilometern Richtung Kandel herrscht zudem viel Verkehr. Zahlreiche holländische Wohnwagengespanne sind unterwegs und sorgen für „Behinderungen“.

Die französische Grenze naht und endlich läuft es wieder flüssig. Bis kurz vor Straßburg, denn auf dem Autobahnring darf seit einiger Zeit meist nicht schneller als 80 km/h gefahren werden. Vorsorglich habe ich mir für den Ducato noch eine Umweltplakette besorgt, wäre doch auch die A35 bei „Smog“ von einem abgestuften Fahrverbot betroffen. Mein 120 PS-Diesel bekommt nur die Klasse 3, da der Ducato als Kleintransporter gilt. Wäre er ein Wohnmobil, würde – bei gleichem Motor und gleichem Schadstoffausstoß – die „bessere“ Plakette der Klasse 2 zugeteilt. Kann mir das Jemand erklären?

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Ich rolle durchs Elsass, so langsam der Grenze der Schweiz entgegen. Spätestens hier fängt der Urlaub an. Die Höhe Königsburg zieht an mir vorbei, ebenso zahlreiche Cols, die immer wieder Ziel unserer Motorradtouren sind. Kaum ist Basel erreicht, klemme ich mich auf die Schweizer Autobahn – jetzt ist der Genfer See das Ziel.

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Blauer Himmel, Sonnenschein; bis Bern ist das Vorankommen oft recht mühsam. Häufig zeigt die Tachonadel gerade einmal  80 km/h – meist weniger. Da hilft nur Gelassenheit und einfach mitschwimmen.

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Damit ich morgen früh nicht tanken muss, lege ich im Land der Eidgenossen noch einen entsprechenden Stopp ein – und berappe 1,80 SFR für den Liter Diesel. Das tut schon weh …

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Am frühen Abend lasse ich die Schweiz hinter mir und erreiche Frankreich. Die Landschaft ist malerisch, die letzten Kilometer (wieder) ein Genuss.

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Bei strahlendem Sonnenschein erreiche ich gegen halb sieben schließlich Saint Blaise; kurz darauf treffen die ersten Teilnehmer ein. Lutz, Michael, Hans-Friedrich, Axel und Erika zum Beispiel, die noch einen Tag draufgepackt hatten und schon am Freitag übers Elsass angereist waren. Charly, Franz und Herbert sowie Dieter und Dörte waren hingegen auf dem direkten Weg mit dem Auto gefahren und mussten jetzt erst einmal abladen.

Da wurden viele helfende Hände gebraucht, insbesondere um Charlys GS aus dem VW-Bus zu zerren. Mit leidvoller Miene wurde der Boxer schließlich auf dem Seitenständer geparkt, verbunden mit dem Hinweis, zwischenzeitlich doch arg unter Rückenschmerzen zu leiden. Der Ärmste.

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Doch auch um die GS schien es nicht sonderlich gut bestellt, stand das Motorrad doch seit unserer letzten gemeinsamen Tour – die uns in der zweiten Juli-Hälfte in die Karawanken geführt hatte – unberührt im VW-Bus. Die spannende Frage war unter anderem: würde der Boxer morgen früh anspringen? Charly wollte so lange nicht warten und betätigte ungeduldig – und um Gewissheit zu haben – gleich nach dem Entladen den Anlasser. Da brummte der Motor noch …

Ich mache noch ein paar Fotos von der herrlichen Landschaft am Mont Sion, die malerisch in das Licht der untergehenden Sonne getaucht wird.

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Dann wird es langsam Zeit fürs Abendessen. Direkt neben dem „Hotel Rey du Mont Sion“, in dem wir auf der Anreise immer wieder gern übernachten, liegt der „Schlüssel zum Feld“, ein schönes Restaurant, in dem man schon auf uns wartet. Wir genießen (wieder einmal) ein leckeres Drei-Gänge-Menü, einschließlich einer kleinen Käse-Variation vor dem Nachtisch.

Satt und zufrieden gehen wir schlafen. Der Auftakt: gelungen. Mal sehen, was die nächsten Tage so bringen werden …

Das Ziel sind die Cevennen

Die letzte „große“ Tour in diesem Jahr. Wir wollen in die Cevennen – jene herrliche Region an den Ausläufern des Zentralmassivs, die mit kleinen, kurvenreichen Straßen und einer beeindruckenden Landschaft zu tollen Motorradtouren geradezu einlädt.

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Doch wie so oft, kommt die Pflicht vor der Kür: die Anreise bis an den Genfer See, wo wir uns treffen werden, werde ich im Ducato zumeist auf der Autobahn verbringen. In der Schweiz lief es bis Bern eher zäh; kurz nach 18 Uhr war das Ziel erreicht.

Den Streckenverlauf habe ich in einem kleinen Relive-Video festgehalten:

Bald geht es los, Richtung Cevennen …

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Freitag, 6.9.2019 – Letzte Vorbereitungen: Die Motorräder sind verladen, die Koffer gepackt, der Ducato endlich auch vollgetankt. Morgen geht es nach Saint Blaise, nahe des Genfer Sees, und in einer weiteren Etappe Richtung Cevennen. Die letzte große Tour in diesem Jahr, die uns in eine touristisch nur wenig erschlossene, aber fahrerisch sehr attraktive Region führen wird. Wir können es kaum noch abwarten …

Dieser Reisebericht wird ein wenig anders sein, da ich ihn erst Monate nach der Tour schreiben konnte. Diesmal verwende ich ausschließlich Bilder, die mit der App „Weathershot“ gepostet wurden – dabei erzähle ich zu jedem Bild eine kleine Geschichte. Mal sehen, wie das so wird.

Fahrverbote in Frankreich

Die Lage ist ein wenig indifferent, aber beherrschbar. Denn in Frankreich gibt es einige Regeln für Motorradfahrer, die zum Teil schon seit Jahren gültig sind, bislang aber kaum Beachtung finden.

Der neueste Coup: die Umweltplakette, die benötigt wird, um auch bei hoher Schadstoffbelastung individuell mobil bleiben zu können. In Frankreich weisen immer mehr Departements temporäre Umweltzonen aus. Liegt die Schadstoffbelastung mehrere Tage lang über den zulässigen Grenzwerten, können Fahrverbote ausgesprochen werden. Die gelten auch für Urlauber.

Benötigt wird eine „Crit‘Air“, die es in sechs Kategorien gibt – je nach Baujahr und Schadstoffausstoß des jeweiligen Fahrzeugs. Die kann ganz leicht im Internet beantragt werden; wer ein Fahrverbot missachtet zahlt (wenn er erwischt wird) mindestens 68 Euro Buße. Den wenigsten Beschränkungen unterliegt, wessen Maschine eine Plakette der Kategorie 1 erhält. Das schaffen nur Motorräder mit Erstzulassung ab dem 1.1.2017. Das Erreichen der Abgasnorm „Euro 3“ ist für die Kategorie 2 erforderlich. Wer, wie ich, eine Motorrad fährt, das vor dem 1.6.2000 zugelassen wurde, geht leer aus. Der Schadstoffausstoß sei zu hoch, heißt es lapidar.

Stellt sich die Frage: brauchen wir eine solche Plakette bei unserer Reise in die Cevennen?

Wer auf der An- und Abreise mitten durch Straßburg fährt (dort gibt es eine dauerhafte Unweltzone) oder bei hoher Schadstoffbelastung über den Autobahnring fahren will – sollte vorbeugen. Ansonsten müssen wir nur Annecy im Auge behalten. Die Stadt würden wir im Zweifel aber weiträumig umfahren.

Und sonst? Das Hotel, von dem aus wir in die Cevennen starten, liegt in einer temporären Umweltzone. Sollte die Schadstoffbelastung Anfang September dauerhaft hoch sein, könnte es zu Fahrverboten kommen. Zu Beginn der Reise muss uns das nicht interessieren, denn mögliche Restriktionen gelten nur montags bis freitags, in der Zeit von 8 bis 20 Uhr.

Und auf der Rückfahrt zum Hotel – an einem Freitag? Ich neige zur Gelassenheit. Auf Rückfrage hat uns das Hotel mitgeteilt, dass wir uns keine Sorgen machen müssten. Bislang habe es noch keine Einschränkungen in der Region gegeben.

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Interessante Infos zu möglichen Fahrverboten – wie etwas diese Übersichtskarte – finden sich auf der Seite des ÖAMTC. Hier ist der Link

Käme es zu Fahrverboten, könnten die unterschiedlich ausfallen. Fahrzeuge mit der Plakette 1 dürften vielleicht noch fahren, die mit Plakette 3 möglicherweise schon nicht mehr. Denkbar auch, dass an einem Tag nur Fahrzeuge mit geradem Kennzeichen in die Umweltzonen einfahren dürfen, an nächsten Tag dann nur die mit ungeradem …

Welche Regel gilt, wird täglich aufs neue im Radio und Fernsehen bekannt gegeben oder auf elektronischen Tafeln am Straßenrand. Wohl dem, der französischen Sprache mächtig ist.

Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte eine „Crit‘Air“ beantragen. Das geht ganz fix im Internet und kostet 3,11 Euro plus Porto. Nach der Bestellung gibt’s eine Bestätigung per Mail, die mitzuführen ist, bis die Plakette per Post verschickt wurde.

Den Link zur (einzig) offiziellen Webseite findest Du hier. Die Anleitung ist auf deutsch.

https://www.certificat-air.gouv.fr/de/

Weitere Informationen gibt es im Internet, unter anderem hier:

https://de.france.fr/de/nuetzliche-tipps/umweltzonen-frankreich

https://www.motorradreisefuehrer.de/nr/crit-air-plakette-vignette-frankreich.html

Was gibt es noch zu beachten? Motorradkleidung muss mit reflektierenden Elementen versehen sein (zur Not tut es auch eine Warnweste), am Helm müssen (vorne, hinten und an den Seiten) reflektierende Aufkleber vorhanden sein und es müssen certifizierte Handschuhe getragen werden.

Wer im Netz ein wenig stöbert wird feststellen, dass es diese Vorschriften zum Teil schon seit Jahren gibt – aber offensichtlich niemanden interessieren. Da wir ja immer in Schutzkleidung fahren, wäre ich auch hier zuversichtlich. Angesichts der zu erwartenden Temperaturen sollte sich die Frage, ob und welche Handschuhe getragen werden, von selbst beantworten. Hier sollten wir der Gendamerie keinen Anlass zu Kontrollen bieten.

Falls wir doch mal angehalten werden sollten, lasst Euch bitte auf keine Diskussionen ein sondern zeigt Euch einsichtig. Wir freuen uns jedenfalls auf die abwechslungsreichen Tagen in den Frankreich und gehen davon aus, unbehelligt aber leidenschaftlich Motorrad fahren zu können.

Mehr Infos zur Tour hier ab dem 7.9.2019 😉