Ein Wochenende in Luxemburg

Die Wettervorhersage war gruselig: von ergiebigen Niederschlägen war die Rede und von Temperaturen im einstelligen Bereich. Acht unerschrockene Motorradfahrerinnen und Motorradfahrer machten sich gleichwohl auf den Weg und trafen sich zum gemeinsamen Mittagessen im „Wirtshaus Domöne“ am „Simmersee“. „Wird schon nicht so schlimm werden“, lautete die Devise, während es draußen wie aus Eimern schüttete. Einziger Lichtblick: laut Regenradar sollten die Schauer bis 14 Uhr durch sein, für Luxemburg – dem Ziel des Wochenendes – wurden sogar trockene Straßen gemeldet.

Als wir um kurz nach zwei auf die Motorräder stiegen – und die schlammige Baustelle gleich hinter dem Restaurant erfolgreich durchquert hatten -, waren am Himmel die ersten blauen Stellen zu sehen. Und es sollte noch besser werden. Schon bald schoben sich nur noch ein paar dichte Wolken eindrucksvoll über den Horizont, die Bäume warfen bereits lange Schatten und das Grün der Wiesen leuchtete besonders intensiv. Schon die ersten Kilometer waren ein Erlebnis.

Auf kurvenreicher Strecke ging es durch den Naturpark Soonwald-Nahe, zunächst Richtung Erbeskopf. Mit 816 Metern ist der Erbeskopf der höchste Berg im Hunsrück und die höchste Erhebung auf der deutschen Seite links des Rheins. 1892 hatten Pioniersoldaten während eines Manövers einen ersten 1892 hölzernen Aussichtsturm errichtet. Zwei Jahre später beschloss der „Verein für Mosel, Hochwald und Hunsrück“ (der sich heute Hunsrückverein nennt), den Bau eines 24 Meter hohen Kaiser-Wilhelm-Turms. Ende 1939 wurde dieser um drei Stockwerke erhöht und in den nächsten Jahren ausschließlich militärisch genutzt. Fortan diente der Turm unter anderem als Funksendezentrale einer Richtstrahlverbindung von Berlin zur Atlantikküste.

Im März 1945 besetzten amerikanische Truppen den Erbeskopf und erweiterten die militärische Nutzung in den nächsten Jahren rheblich. Bis tief ins Gebiet der damaligen Sowjetunion wurde von hier aus der gesamte militärische Flugverkehr überwacht. Um drei große Radartürme errichten zu können, wurde der Kaiser-Wilhelm-Turm gesprengt und der „Bunker Erwin“ errichtet, der der NATO als multinationale Gefechtsstelle und mögliches Kriegshauptquartier Europa Mitte diente

Bis zu August 2004 war das Gipfelplateau stark umzäuntes Sperrgebiet. Jetzt ist es wieder frei zugänglich und wurde 2011 aufwändig neu gestaltet. Drei Skilifte, ein Skulpturenweg und eine Sommerrodelbahn gehören heute zu den Attraktionen. Der „Bunker Erwin“, für den sich lange Zeit keine Verwendung finden ließ, wird seit 2015 von einem schwäbischen Softwareunternehmen als Hochsicherheitsrechenzentrum mit dem Schwerpunkt Datensicherung sowie als Schulungszentrum genutzt.

Bald darauf erreichen wir den Keller Stausee erreicht. Der wurde 1969 als Naherholungsgebiet geplant. Nahe der Gaststätte, in der wir unsere Kaffeepause einlegen, ist das Gewässer zwischen einem halben und vier Metern tief; im hinteren Bereich, nahe des Staudamms, misst die Tiefe bis zu zwölf Meter. Wir genießen bei einem leckerem Stück Kuchen die fantastische Aussicht und das immer noch herrliche Wetter.

Kurz bevor wir zur letzen Etappe des heutigen Tages starten, sind die Technik-Spezialisten unter uns gefragt: wer findet heraus, wie sich an Silvias Ducati der Tageskilometerzähler auf Null setzen lässt? Während sich die Fahrerin daran erfreut, dass der kleine Scrambler endlich mal so richtig „eingesaut“ ist (nachdem wir durch eine schöne schlammige Baustelle gefahren sind), verzweifeln die Herren der Schöpfung an ihren Fähigkeiten. Es bleibt ein Geheimmis, wie der Tacho genullt wird …

Über die Ausläufer des Hunsrück geht es nach Saarburg und auf kleinen kurvenreichen Straßen nach „Letzeburg“. Nahe Grevenmacher überqueren wir die Mosel, die hier Grenzfluss ist. In Gréiwemaacher (so der luxemburger Name) leben 4917 Menschen; „nur“ 58,51 Prozent von ihnen sind Luxemburger. Die übrigen verteilen sich auf unglaubliche 79 Nationalitäten.

Wir folgen dem mäandernden Flußlauf der Mosel bis Wormeldange. Die Uferstraße liegt fast auf Flusshöhe, so dass die Fahrt ein wenig merkwürdig anmutet. Der 2386 Einwohner zählende Ort Wormeldingen (so die deutsche Bezeichnung) gilt mit seinen 360 Hektar Weinanbaufläche, verteilt auf insgesamt 13 Kilometern Moseluferstrecke, als Gemeinde mit der größten Weinanbaufläche im Großherzogtum.

Rechter Hand, ganz oben in den Weinbergen, findet sich eine kleine Kapelle, von der aus sich ein herrlicher Blick aufs Moseltal bietet. Das „Wormeldinger Koeppchen“ steht zugleich für eine der berühmtesten, wenn nicht der berühmteste luxemburgische Weinlage. In Wormeldingen finden sich zahlreiche private Weingüter sowie eine große Cremantkellerei der Winzergenossenschaften. Die liegt direkt an der Hauptstraße. Kaum in Sichtweite riecht es nach frisch gekelterten Trauben – und damit ein wenig nach Herbst.

Wir wechseln wieder auf die deutsche Seite und halten kurz darauf vor unserem Hotel. Die bereits offen stehende Garage erweist sich als zu klein für unsere acht Motorräder, worauf uns der Schwiegersohn der Chefin seine zur Werkstatt umgebaute Scheune als „Ausweichparkplatz“ anbietet. Während die untergehende Sonne die Weinberge auf der „anderen Seite“ der Mosel in mildes Abendlicht taucht, werfen wir uns unter die Dusche – um uns dann zum gemeinsamen Abendessen wiederzusehen.

Auch wenn das Hotel nicht allzu groß ist, ist der Speisesaal doch riesig; an fast jedem der vielen Tische sitzen Gäste und lassen es sich schmecken. Das Geheimnis: hier kocht die Seniorchefin selbst, noch dazu gut bürgerlich, was auch wir zu schätzen wissen.

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Für morgen haben wir eine schöne Runde Richtung Müllerthal geplant – mal sehen, ob das Wetter mitspielt …

Von unserer Tour in Richtung Luxemburg gibt es ein kleines Relieve-Video, das Dir zeigt, welche Strecke wir gefahren sind. Viel Spaß beim Anschauen.

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