Gute Laune trotz ergiebiger Schauer

Dunkle Wolken hängen am Himmel, als wir am Samstagmorgen gemeinsam frühstücken. Angekündigt sind dauerhafte und ergiebige Niederschlöge, doch das Regenradar zeigt ein schmales, wolkenloses Band im Grenzgebiet zwischen Deutschland und Luxemburg. Sollten wir wieder einmal Glück mit dem Wetter haben? Noch sind wir zuversichtlich, als wir das „Frühstücks-Schlachtfeld“ verlassen.

Kaum dass wir auf die Motorräder steigen, fängt es an zu regnen. Noch sind wir optimistisch und steuern erst einmal eine der vielen Tankstellen an. 1,18 Euro kostet der Liter Super; schade, dass die meisten Motorradtanks ein so geringes Fassungsvermögen haben.

Auf regennasser Fahrbahn fahren wir in die kleine luxemburger Schweiz und erreichen bald darauf Echternach. Die Stadt liegt an der Sauer, direkt an der Grenze zu Deutschland. Bekannt ist die Stadt für ihr „Echternacher Springprozession“, bei der jedes Jahr am Dienstag nach Pfingsten Teilnehmer zu Polkamelodien in Reihen durch die Straßen der Stadt bis zum Grab des Heiligen Willbrod in der Echternacher Basilika ziehen.

Erste Ursprünge lassen sich bis ins Mittelalter zurückverfolgen; die älteste Quelle ist die Sequenz „Laudes Christo“ des Abtes Berno von Reichenau Abtes, in der die Gläubigen um das Jahr 1000 aufgefordert werden, das Lob Christi zu Ehren des heiligen Willibrord „magno tripudio“ (mit einem großen Dreisprung) zu feiern.

Die heutige Form der Springprozession geht auf das 19. Jahrhundert zurück. Dabei ist bislang nicht geklärt, wie es zu dem Tanzen oder Springen kam. Es gibt verschiedene Erklärungen: so war Willibrod ein Heiliger, der bei Nevenkrankheiten, Krämpfen und Epilepsie angerufen. Vermutlich haben Erkrankte an der Prozession teilgenommen oder es haben sich Gläubige in der Prozession wie Kranke bewegt, um eine dieser Krankheiten nicht zu bekommen. Eine weitere Erklärung sieht in der Prozession eine Danksagung an St. Willibrord, der die Menschen der Gegend vom Veitstanz befreit haben soll.

Wir würden vor Freude tanzen, wenn es so langsam zu regnen aufhören würde. Es tröpfelt mal mehr, dann wieder weniger – aber eigentlich ohne Unterlass; so langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause. Auf kleinen, kurvenreichen Straßen fahren wir nach Colmar-Berg; in der kleinen Stadt liegt nicht nur Schloß Berg, die Residenz von Großherzog Henri, dem Staatsoberhaupt von Luxemburg sondern auch der „Circuit Goodyear“, eine Motorsport-Rennstrecke des amerikanischen Reifenherstellers, die zu Testzwecken aber auch für Sicherheitstrainings oder Rennen genutzt wird.

Unser Ziel ist die „Beierstuff“, ein kleines Bistro, in dem wir unsere vormittägliche Kaffeepause einlegen wollen. Doch zunächst trennt uns eine kleine Brücke vom ersehnten Ziel. Denn das Navi, das auf möglichst kleine Straßen optimiert ist, nimmt nicht den Weg über die Hauptstraße sondern wählt eine Nebenstrecke, die eigentlich in einer Sackgasse endet. Wir finden aber dennoch einen Weg zum Ziel …

In der „Beierstuff“ sind wir fast die einzigen Gäste. An einem Nebentisch nahe der schweren hölzernen Tür sitzen zwei alte Männer beim Frühschoppen und trinken schweigend ihr Bier. Auf einem großen Flachbildschirm flimmert tonlos eine Tierdoku, auf einem weiteren Fernseher werden Werbespots für verschiedene Lotterien gesendet. Die Wirtin gibt sich resolut und tut so, als ob sie nur französisch sprechen würde.

In großen Gesten bedeutet sie uns, an den  Tischen Platz zu nehmen, nur dann könne sie unsere Bestellung aufnehmen – und zwar der Reihe nach, eine nach dem anderen und nicht anders. Wer vermutet hätte, dass die Bestellungen nun eine nach der anderen „abgearbeitet“ würde (das hätte ja einen Sinn ergeben), sah sich getäuscht. Erst kamen zwei Milchcafe, dann zwei Kakao, dann … – das Chaos war perfekt 😉 Schließlich nahm sich Jeder, was es bestellt hatte – und wir das Ganze mit Humor. Hauptsache wir saßen warm und trocken.

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Nach der Pause gab‘s noch mehr Wasser. Diesmal nicht von oben sondern malerisch  neben das Straße fließend. Das Flüsschen Sauer ist das nächste Ziel, deren mäanderndem Lauf wir bis Esch-sur-Sure folgen.

Auf herrlich kurvenreichen Straßen geht es weiter zur Wiltz, einem Nebenfluss der Sauer. Es regnet noch immer. Glücklicherweise hängt das Herbstlaub noch weitestgehend an den Bäumen, so dass der Straßenbelag immer noch recht griffig ist. In Kautenbach gewinnen wir auf der „Altschter Strooss“ in engen Serpentinen wieder an Höhe – bei strömendem Regen und zunehmend schlechterer Sicht.

Es wird Zeit für die Mittagspause. Die wollen wir in einer kleinen Brasserie in Marnach einlegen. Ein Tisch ist schon für uns reserviert – wenn wir ihn den finden würden. Da, wo google-maps und MapSource die „Brasserie Aux Pyramides“ verortet, steht links eine Kirche und rechts eine Bushaltestelle – das war’s. Und das im strömenden Regen, na toll.

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Nach minutenlangem vergeblichen Suchen greifen wir schließlich zum Telefon. „Fahrt weiter bis zur Tankstelle, dahinter gibt es ein kleines Einkaufszentrum, da sind wir – ich laufe rasch zur Straße und zeige Euch den Weg“, erklärt uns der Besitzer. Minuten später stehen die Motorräder unter einem großen Vordach und wir im Trockenen. Wir schälen uns aus den Regenkombis und nehmen unter einem Heizstrahler Platz. Hier lässt es sich aushalten.

Entsprechend ausgedehnt ist die Mittagspause. Pasta in allen Variationen ist der Renner, ebenso wie „Strammer Max“ mit gleich drei Spiegeleiern. Immer wieder geht ein verstohlener Blick zum Fenster. Der Regen wird zwar weniger, aber er hört nicht auf. Und so nutzt Wilfried noch die Gelegenheit, das Futter seines Helms am Heizstrahler zu trocknen – bis es qualmt.

Die meisten möchten jetzt auf möglichst direktem Weg zum Hotel. Da Hans-Friedrich und ich nur wenig Lust auf breite Nationalstraßen gaben – so viel kann es gar nicht regnen – teilen wir uns auf: Dieter fährt direkt, ich noch ein paar Umwege. Einer davon führt uns zwischen Waldbillig und Reuland durch ein kleines Seitental, in dem die kurvenreiche Straße dem Bächlein „Schwaarz lernz“ folgt. Da es endlich aufgehört hat zu regnen, nutzen wir die Gelegenheit zu einem ausgiebigen Fotostopp.

In Ehnen treffen wir wieder auf die Mosel und legen vor dem „Grenzübertritt“ noch den obligatorischen Tankstopp ein. Es ist kurz vor 18:00 Uhr, als wir wieder im Hotel eintreffen, eine gute dreiviertel Stunde später als die erste Gruppe.

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Weil sich die Sonne gerade über die Weinberge schiebt, erklimme ich noch in Motorradkombi und Stiefeln eine kleine Anhöhe – zu Fuß, glücklicherweise. Der Weg den Berg hinauf ist mit Steinplatten gepflastert. Eigentlich hätte man den auch mit dem Motorrad rauffahren können. Doch der Sperrpfosten und das kreisrunde „Durchfahrt verboten“-Schild scheinen hier nicht ohne Grund zu stehen: die Platten sind aufgrund der Nässe unheimlich rutschig, so dass ich mich am Geländer festhalten muss, um nicht zu Boden zu gehen. Mit dem Mopped wäre das böse ausgegangen …

Zurück im Hotel geht’s endlich unter die Dusche und dann zum Abendessen.

Und wieder einmal zeigt sich, dass Reisen bildet. Als ich ein Foto der panierten Schnitzel auf Facebook poste und dazu schreibe, dass diese sich – dank einer leckeren Soße – in ein wunderbares Rahmschnitzel verwandelt hätte, zürnt mein Freund Christian, seines Zeichen Inhaber und Koch im Hotel Solaria in Obertauern. „Neeeeiiiinnnn!!!!!“, schreibt er mir. „Darauf steht bei uns der Verlust der Staatsbürgerschaft“.

Warum? Weil ein „Wiener Schnitzel“ – also ein gebackenes – niemals mit Soße in Verbindung gebracht werde. Jeder Koch, der sich dabei in Österreich erwischen lasse, werde von der Innung öffentlich angeprangert und müsse seine Lehrabschlussurkunde aufessen – und zwar ohne Soße. Soße gäbe es im Alpenland nur bei einem Naturschnitzels, also einem Stück Fleisch ohne Panade. Wieder was gelernt – so unterschiedlich sind die Sitten. Geschmeckt hat es trotzdem.

Morgen werden wir die Heimreise antreten. Bei hoffentlich besserem Wetter. Zumindest am Abend hat es aufgehört zu regnen. als wir vorm schlafen gehen, noch einmal vor die Tür treten.

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Auch vom zweiten Tag unserer Luxemburg-Tour gibt es ein kleines Relieve-Video, das Dir zeigt, welche Strecke wir gefahren sind. Viel Spaß beim Anschauen.

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