Das Ziel: Die Karawanken

Samstag, 20.7.2019 – Anreise: Es kam genau, wie befürchtet: die Anreise nach Bad Eisenkappel in Kärnten würde am Samstag zähfließend verlaufen. Kaum auf der Autobahn, schon der erste Stau! Da ich das oftmals kilometerlange Rumgezuckele nicht mag, geht’s flugs auf die nächste Bundes- oder Landstraße. Das ist zwar nicht unbedingt kürzer, aber – wie ich finde – deutlich entspannter. Wenn es meine Zeit erlauben würde, würde ich auch mit dem Duc nur über Landstraßen anreisen. Da mein Ziel aber mehr als 800 Kilometer weit entfernt liegt, wird das nicht klappen – zumindest nicht an einem Tag. Trotzdem: die eine oder andere idyllische Pause gönne ich mir fern der Autobahn.

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Schon ein paar Kilometer unterwegs, wird es Zeit für einen Tankstopp. Es ist wie immer: an der ersten Tanke kostet der Liter Diesel 1,189 Euro – die liegt aber auf der (falschen) linken Seite. Angesichts von reichlich Gegenverkehr fahren ich weiter. An der zweiten werden 1,229 Euro pro Liter aufgerufen – vier Cent mehr, das muss nicht sein. Dann kommt lange Zeit keine Tankstelle mehr, bin ich doch mal wieder auf kleinen Nebenstraßen unterwegs. Die Restreichweite schrumpft – nahe Kinding die „Erlösung“, doch jetzt muss ich zähneknirschend für 1,339 Euro tanken.

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Rund 200 Kilometer später mache ich bei Traunreut den Tank noch einmal voll. Die Gelegenheit war mit 1,124 Euro relativ günstig. Kaum stehe ich an der Kasse, fällt eine Horde Ducati-Fahrer ein; jetzt bin ich auch noch in „guter Gesellschaft“.

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Zuvor hatte ich am Nachmittag mühsam den Münchner Autobahnring. erreicht Der übliche Stau wird bereits im Radio angekündigt, ebenso wie der stockende Verkehr am Irschenberg. An der Grenze zu Österreich mehr als 40 Minuten Wartezeit bei der Anreise nach Deutschland. Immer wieder Stillstand auch auf der Tauernautobahn. Wohl dem, der das alles gelassen hinter sich bringt.

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Ich hatte mir – wie so oft, wenn ich in den Süden unterwegs bin – schon eine Ausweichroute zusammengebastelt. Uns so geht es relativ entspannt über die B 304 Richtung Salzburg. Auf der österreichischen A10 angekommen, gilt es tapfer zu sein. Ich muss bis weit hinter den Katschberg auf der Autobahn bleiben. So hat es die Regierung verfügt, um die staugeplagten Anwohner in den angrenzenden Dörfern vor zu viel Autoverkehr zu schützen. Den Ansatz kann ich nachvollziehen, halte die Vorgehensweise aber für reine Schikane.

Das Ganze erinnert ein wenig an die DDR. Da gab es auch „Transitautobahnen“, die bei Strafe nicht verlassen werden durften. Mir ist das ein Gräul und deshalb werde ich nächstes Jahr wohl nicht mehr nach Österreich fahren. Schade eigentlich, aber ich möchte mir nicht vorschreiben lassen, welche Straßen ich (am Wochenende) zu benutzen habe und welche ich nicht befahren darf. Mit dem Motorrad zwanghaft auf die Autobahn – nein danke.

Bei Kuchl habe ich endlich freie Sicht auf die Berge. „Jetzt fängt der Urlaiub an“, denke ich mir, genieße die prachtvolle Aussicht und denke nicht mehr Fahrverbote und unzulässige Ausweichstrecken.

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Es ist schon früher Abend, als ich am Wörthersee vorbeirolle. Seit ich auf die A2 gewechselt bin, hat der Verkehr merklich nachgelassen. Es geht um Klagenfurt herum bis zur Ausfahrt Greifenstein, bald darauf ist Gallizien erreicht. Zwischen der Drau und dem Obir, einem nördlichen Ausläufer der Karawanken, liegt die kleine Gemeinde, die an Spanien erinnert – wenn es im Namen nicht ein doppeltes l tragen würde. Ganz so weit im Süden bin ich, trotz langer Fahrzeit, nun doch nicht.

Die Straßen werden schmaler und vor mir bauen sich die Ausläufer der Karawanken wie ein mächtiges, kaum überwindbares Hindernis auf. Hier schein die Welt zu Ende zu sein. Hinter den Bergen liegt Slowenien – lange Zeit eine „andere Welt“.

In Eisenkappel wartet zum Abschluss noch ein kleines Abenteuer auf mich. Der „Berghof Brunner“, in dem wir in den nächsten Tagen unser Quartier aufschlagen wollen, liegt – wie der Name schon sagt – oben am Berg und ist nur über einem kleinen, schmalen, kurvenreichen Weg zu erreichen. Und den muss ich jetzt mit meinem sechs Meter langen und mehr als zwei Meter breiten Ducato unter die Räder nehmen – ohne zu wissen, was mich erwartet.

Minuten später lasse ich den 3,49 Tonner auf dem Hotelparkplatz ausrollen und genieße erst einmal die herrliche Aussicht hinunter ins Tal. Martina begrüßt mich herzlich und Markus hat mir, obwohl es mittlerweile fast schon halb zehn ist, noch ein leckeres Abendessen gezaubert – es ist wie bei Freunden; von Anfang an.

Schnell werden die Koffer aufs Zimmer gebracht, noch einmal kurz duschen und dann ab ins Bett. Morgen will ich zu einer kleinen „Erkundungsfahrt“ aufbrechen …

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