Monatsarchiv: Juli 2016

Noch keine Lösung in Sicht

Der Ducato steht noch immer nahe Bergen in der „falschen“ Werkstatt, die BMW braucht einen neuen Regler. Aber die Tour durch Jotunheimen war toll. Das ist die Kurzfassung des heutigen Tages.

Um kurz nach 9 Uhr macht sich Stefan mit den Motorradfahrern auf den Weg. Das „Reich der Riesen“ ist das heutige Ziel. Gut 400 Kilometer Wegstrecke, die überwiegend durchs „Hochgebirge“ führen. Bis 1400 Meter geht es rauf – für den Abstecher zur Juvashytta, den mir rund 1800 Metern höchsten anfahrbaren Punkt in Norwegen, reichte die Zeit nicht mehr.

Begeistert waren alle. Die Fahrt durch eine einzigartige Landschaft, mit riesigen Felsen, einer endlosen Weite und mächtigen Schneefeldern, die um diese Jahreszeit langsam wegtauen, haben Eindruck hinterlassen. Morgen liegen der Geiranger, die Dalsnibba, der Adlerweg und der Trollstign auf dem Weg nach Molde.

Stefan wird die Gruppe zu unserem nördlichsten Hotel führen. Ich muss noch in Sogndal ausharren, weil die BMW noch nicht repariert werden konnte. Der örtliche Motorradhändler war erst am Nachmittag dazu gekommen, sich den maladen Boxer mal anzuschauen. Wie vermutet, scheint der Regler defekt zu sein. Der Anbau eines Fremdteils hat nicht funktioniert, jetzt soll ein Original-Ersatzteil organisiert werden. Mal sehen, wie lange das dauert.

Monika und Franz-Josef werden morgen den Leihwagen zurück nach Bergen bringen und zusehen, dass der defekte Ducato endlich repariert wird. Der sollte schon längst in eine andere Werkstatt geschleppt werden – wurde er aber nicht. So langsam läuft uns die Zeit davon, bis spätestens Donnerstag müssen wir wissen, ob der Fehler beseitigt werden kann. Es bleibt also spannend.


Kleiner Schnappschuss während des Fußmarsches zur Werkstatt. Trotz allen Ärgers, so viel Zeit muss sein.

Das Abenteuer geht weiter

So langsam schieben sich hoffnungsvoll stimmende blaue Flecken durch das dunkle Grau am Himmel; der Tag verspricht schön zu werden. Schön wäre es auch, wenn der Ducato schnell repariert werden könnte. Das ist leider immer noch ungewiss. Doch der kaputte Begleitbus sollte nicht das einzige Problem des Tages werden.


Wir starten wieder kurz nach 9 Uhr. Stefan fährt als Erster los, meine Gruppe etwas später. Doch als ich den Motor der alten G/S starte, leuchtet die Batteriekontrolle auf. Irgendetwas stimmt mit der Spannung nicht. Dank nagelneuem, multifunktionalem Tacho von Acewell sehe ich, dass mehr als 12,3 Volt nicht anliegen. Das muss bis zur ersten Kaffeepause reichen, denke ich mir, da werde ich Stefan treffen und dann finden wir eine Lösung. Also los.

Wir folgen von Ulvik aus dem malerischen Osafjorden, fahren durch einen Tunnel mit Kreisverkehr und dann über eine imposante Hängebrücke, auf die Straße mit der Nummer 7. Schon bald gewinnen wir mächtig an Höhe und passieren immer wieder spektakuläre Felsdurchbrüche. Nebel macht sich breit, der teilweise bis in die dunklen Tunnel zieht.

Minutenlang ist die Sicht gleich Null. Dann haben wir die Hochebene der Hardangervidda erreicht und schrauben uns schnell auf über 1000 Meter hoch. Nur Felsen, Moose, Flechten und kleine Seen – mehr gibt es hier oben nicht. Und doch sind die Ausblicke faszinierend.


An der „Halne Fjelstova“, in 1140 Metern Höhe, treffen wir Stefan beim Kaffee. Mittlerweile liegt die Bordspannung noch bei knapp 12 Volt. Schnell werden Werkzeug und Messgerät ausgepackt und abgeschraubt, was der Fehlerdiagnose im Weg ist. Am Ende bleibt die Vermutung, dass der Regler defekt ist.

Was tun? Der nächstgrößere Ort ist Geilo. Vielleicht finden wir da ein Werkstatt. Doch weder der örtliche Mazda-Händler noch ein Snowmobile-Händler können (oder wollen) und mit einem Regler aushelfen. Nun ist guter Rat teuer.

Rund 190 Kilometer sind es noch bis zum Hotel. „Der Motor müsste bis zu einer Spannung von 8 bis 10 Volt noch laufen“, meint Stefan. Derzeit liegen wir bei 11,8 Volt – 0,2 Volt Verlust auf gut 40 Kilometer, das könnte passen. Also beschließe ich, umgehend alleine weiter zu fahren, so lange es irgendwie geht. Vielleicht reicht es ja noch bis zum Hotel. Stefan würde die Gruppe, die in Geilo zum Mittagessen eingekehrt war, abholen und den gleichen Weg wie ich fahren. So habe ich im Zweifel wieder Unterstützung.

Die Straße 50 führt durch das malerische Sudndalen. Für die tolle Landschaft habe ich (leider) nur wenige Blicke übrig, ich fixiere das Voltmeter und freue mich über jeder Schwankung zum Positiven. Die vielen Tunnel, durch die ich fahren muss, bereiten mir zunehmend Sorge. Viele sind kilometerlang, stockfinster und ohne Ausweichmöglichkeit. Zwar liegt die Spannung immer noch deutlich über 10 Volt, trotzdem schwingt die Überlegung mit, hier vielleicht liegenzubleiben. Kein schöner Gedanke. Also wird der Hauptschweinwerfer nur eingeschaltet, wenn es gar nicht anders geht, ansonsten muss das Standlicht reichen – Strom sparen ist angesagt.

In Aurland zweigt der mit 25 Kilometern längste und noch dazu futuristisch beleuchtete Straßentunnel Richtung Laerdal ab. Es gibt aber auch eine atemberaubende Panoramastraße, die über den Berg führt. Die will ich mir, trotz zunehmend schwächelnder Spannung im Bordnetz nicht entgehen lassen.

Schmal und kehrenreich ist die Straße in den Hang trassiert. Auf den ersten Kilometern bieten sich atemberaubende Blicke auf den engen Aurlandsfjord, der sich – was die beeindruckende Erscheinung betrifft – hinter dem Geiranger nicht verstecken muss.

Bis auf gut 1300 Meter schraubt sich das schmale Asphaltband hinauf. Am Straßenrand finden sich noch mächtige Schneereste, in kleinen Seen schwimmen eigentümlich blau funkelnde Eisbrocken. Nicht zu unrecht trägt diese herrliche Verbindungsetappe  den Namen „Schneestraße“. Fotomotive noch und nöcher. Wie gern hätte ich mal angehalten und ein Bild gemacht. Doch ich muss zusehen, dass ich weiterkomme. Die Spannung liegt nur noch bei 10 Volt und es sind noch gut 60 Kilometer.

Bei der Abfahrt nach Laerdal fallen die Werte dramatisch. Das Navi will sich mangels ausreichender Bordspannung immer wieder ausschalten. Jetzt wird es eng. Bis zum Hotel komme ich sicher nicht mehr. In Laerdal ist die Bordspannung schon unter 8 Volt gefallen. Ein vier Kilometer langer Tunnel würde mich zum Fähranleger nach Kaupanger führen. Doch den werde ich nicht mehr befahren. Ich halte am Straßenrand – und schon geht der Motor aus. Fast wie eine Fügung.

Zwei Telefonanrufe mit dem ADAC und dem norwegischen Automobilclub später steht Andres mit seinem Abschleppwagen bei mir. Er macht mir Mut. In Sogndal, nicht weit vom Hotel entfernt, gäbe es einen Motorradhändler. Da würde er meine Maschine hinbringen und mich dann am Hotel absetzen.


Also verladen wir die BMW und fahren los. Vielleicht wird ja morgen alles wieder gut.

Ein Tourtag mit Hindernissen

Die Nacht war erfreulich ruhig, der Sturm, der vor der Küste Dänemarks tobte, legte sich schnell, so dass wir ruhig schlafen konnten. Bis gegen halb sechs, dann weckte uns die Stimme aus dem Lautsprecher, die alle, die in Stavanger von der Fähre geben wollten, daran erinnerte, dass man  gleich anlegen würde.

Was tun, wenn man wach ist? Richtig: frühstücken. Um diese Uhrzeit war noch viel Platz im Restaurant, so dass es noch einen freien Tisch mit Blick aufs Wasser gab. Nach und nach kamen die anderen dazu; gegen 9:00 Uhr war es dann an der Zeit für einen ersten „Spaziergang“ an Deck.


Der Blick auf die vorbeiziehende Fjordlandschaft – einfach malerisch. Auch wenn dichte Wolken in den Bergen gingen, die Aussicht war phänomenal. Gegen 12:30 Uhr erreichten wir den Zielhafen in Bergen. Die „regenreichste Stadt Europas“ empfing uns ohne ihrem Namen gerecht zu werden. Der Regen kam dann später …

Zunächst klemmten wir uns ein Stück auf die E16, um dann auf die 7 Richtung Hardangerfjord abzubiegen. Kaum gewann die Straße an Höhe, öffnete der Himmel kurzzeitig seine Schleusen. Also raus auf den nächsten Parkplatz und die Regenkombi an. Ein Stopp, der sich wenig später als „Glücksfall“ erweisen sollte. Dann Franz-Josef überholte uns mit dem Bus – und blieb bald darauf liegen. Irgendetwas klackert laut im Motorraum.


Als wir zunächst an ihm vorbeifuhren, stand er schon mit geöffneter Motorhaube am Straßenrand. Das haben wir natürlich erst im Rückspiegel gesehen. Also schnell wenden und gemeinsam beratschlagen, was zu tun ist. Am besten, den ADAC anrufen. Die sollen einen Pannenhelfer schicken. Bis zu eineinhalb Stunden würde das dauern, hieß es am Telefon.

Gemeinsam warten ist Quatsch. Also versprachen wir Franz-Josef im Telefonkontakt zu bleiben und fuhren schon mal weiter.

Bald darauf ludt der Steinsdalsfossen zu einem Fotostopp nebst Kaffeepause. Der mächtige Wasserfall stürzt sich tosend in die Tiefe und nimmt dabei so viel Schwung, dass man hinter der „Wasserwand“ her laufen kann. Ein beeindruckendes Bild.


Auf manchmal recht schmalen und immer wieder kurvenreichen Straßen folgten wir anschließend dem Verlauf des Hardangerfjord. Der hat sich tief ins Landesinnere gegraben – bis nach Ulvik, wo direkt am Ufer – sehr malerisch gelegen – unsere Hotel stand.


Derweil saß Franz-Josef im Taxi zum Flughafen, um ein Leihauto zu organisieren. Der Ducato hat vermutlich einen Schaden am Turbolader und war abgeschleppt worden. Jetzt musste ein Auto organisiert werden, um die Koffer ins Hotel bringen zu können.

Zur Verfügung stand zunächst ein C1, weil mehr der ADAC nicht bezahlen würde. Gegen Aufpreis wurde es dann ein Volvo C60, in den das Gepäck geradeso passt. Zwanzig nach zehn kamen Franz-Josef und Moni im Hotel an – fix und alle.


Morgen früh werden wir in der Werkstatt anrufen und erfragen, wie es weitergehen wird. Hoffentlich ist eine Reparatur in den nächsten Tagen möglich

Um halb acht gibt es Abendessen …

Die Regenschauer des gestrigen Tages – vergessen. Heute ist der Himmel blau und die Sonne scheint. So kann es bleiben.


Nach einem leckeren Frühstück machen wir uns um 9 Uhr auf den Weg gen Norden. Gut 400 Kilometer liegen vor uns, wenn wir gegen 18 Uhr spätestens am Fährhafen von Hirtshals sein wollen, werden wir nicht umhin kommen, mindestens bis Mittag Autobahn zu fahren.

Der Grenzübertritt nach Dänemark macht Vielreisenden deutlich, was uns Europa auch gebracht hat: offene Grenzen, an denen jetzt – pro forma – wieder kontrolliert wird. Die Folge: lange Staus und Wartezeit, schrecklich. 20 Minuten lang geht es nur im Schritttempo vorwärts, dann haben wir die „Border-line“ passiert. Fortan geht’s nur noch mit 110 km/h, allenfalls 130 km/h vorwärts.

Gegen 10:30 Uhr geht’s runter von der Piste. In Harderslev finden wir eine Bäckerei, die auch Kaffee verkauft und legen einen ersten Stopp ein. Dann geht es wieder für eineinhalb Stunden auf die E45. In Hadstein machen wir Rast an einer Tanke, der ein kleiner Imbiss angeschlossen ist – gut 170 Kilometer liegen jetzt noch vor uns.


Autobahn oder Landstraße? Beides irgendwie langweilig, denn jenseits der E45 sind maximal 80 km/h erlaubt, oft noch weniger. Da wir nicht schon um kurz nach 16 Uhr in Hirtshals sein wollen, geht’s nach einem kurzen Abstecher auf die Autobahn letztlich doch auf Landstraßen immer weiter gen Norden.

Die obligatorische Nachmittagskaffeepause verschiebt sich dabei deutlich nach hinten – es findet sich nichts, was eine Einkehr lohnen würde. Allenfalls ein Mc Do, aber das wollen wir auch nur, wenn es gar nicht anders geht.

Geht aber – in Sulstedt, am Ende einer leicht zu übersehenden Nebenstrecke, finden wir einen Kro. Man würde im Wintergarten zwar gerade eine Geburtstagsfeier ausrichten, aber im eigentlichen Gastraum könne man uns gern einen Kaffee servieren, macht die Besitzerin deutlich.


Das ist die typische skandinavische Gastfreundschaft: bei uns hätte man uns die Tür mit einem Hinweis auf die geschlossene Gesellschaft vor der Nase zugeknallt, hier sind wir herzlich willkommen. Ebenso des morgens beim Bäcker: eigentlich hätten wir ein Märkchen ziehen müssen, was wir aber nicht wussten. Bedient wurden wir trotzdem äußerst freundlich.

Nach dem nachmittäglichen Kaffeestopp warten noch gut 70 Kilometer auf uns. Gegen 17:30 Uhr rollen wir im Fährhafen ein. Franz-Josef ist mit dem Begleitauto schon da. Länger als erwartet müssen wir waren, bis das Boarding beginnt. Aufgrund schwerer See läuft die Fähre deutlich später als geplant in den Hafen ein.


Für das  skandinavische Buffet hat es trotzdem zeitlich noch gereicht, obwohl insbesondere ein Teilnehmer ab 19:30 Uhr sichtlich nervös wurde. Da sollte wir eigentlich schon im Bordrestaurent sitzen, standen aber immer noch im Hafen.

Nach dem Essen genießen wir noch einen herrlichen Sonnenuntergang, dann geht’s in die Koje zum Schlafen.


Sonntagmittag werden wir Bergen erreichen, von dort aus geht es dann entlang des Hardangerfjord bis nach Ukvik. Hoffentlich hält das Wetter.

Immer Richtung Norden

Die Moppeds stehen im Ducato, der Kaffee ist gekocht, die Brötchen sind geschmiert – dann kann es ja los gehen. Bis nach Kropp, linkerhand von Kiel, führt die erste Etappe. Da wollen wir uns treffen, um am Samstag gemeinsam zu unserer Norwegentour aufzubrechen.

So ein Freitag ist nicht gerade der ideale Anreisetag, zumal im Norden so langsam die Ferien beginnen. Aber – da wir insgesamt nicht viel mehr als eine Woche Zeit haben, muss der Freitag eben mit.

Über die A5 geht’s immer Richtung Norden, weiter dann auf der A7. Trotz endloser Lastwagenkolonnen und unzähliger, oft kilometerlanger Baustellen mit Fahrbahnverengungen und Geschwindigkeitsbegrenzungen läuft der Verkehr erstaunlich flüssig. Bis kurz vor Hamburg – da wird’s, wie immer, richtig zäh.


Elbtunnel oder Köhlbrandbrücke? Das Navi empfiehlt Letzetes. Doch auch da scheint sich der Verkehr richtig zu stauen. Zudem fängt es auch noch an zu regnen. Ich zögere, ordne mich schon mal rechts ein und entscheide mich dann doch für den Tunnel.

Für ein paar Kilometer läuft’s, dann kommt die nächste Großbaustelle. Wieder zähfließender bis stehender Verkehr. Also runter von der Autobahn und weiter über Land. An der nächsten Anschlussstelle sieht es nicht besser aus, also fahre ich über die B77 meinem Ziel entgegen.


Unterwegs schüttet es immer wieder minutenlang wie aus Eimern, so dass ich letztlich doch ganz froh bin, heute im Ducato zu sitzen. Den übernimmt morgen Franz-Josef, und ich kann Motorrad fahren.

Kurz nach 18 Uhr bin ich da, die letzten stellen ihre Maschinen gegen 19:30 Uhr auf dem Hotelparkplatz ab – nach gut 400 Kilometern Landstraße!

Morgen gehts durch Dänemark zur Nachtfähre nach Norwegen, am Sonntagmittag werden wir Bergen erreichen. Der Wetterbericht verspricht noch Sonnenschein 😉