Monatsarchiv: Mai 2013

Zurück nach Bastia

TOURBERICHT KORSIKA
Donnerstag, 9. Mai 2013 | 9. Tag

Unser Motorradurlaub auf Korsika neigt sich dem Ende entgegen. Heute geht es wieder nach Bastia – einmal quer über die Insel, von Südwesten in den Nordosten. Mit der Nachtfähre fahren wir anschließend zurück nach Toulon.

Zunächst geht es auf die N 196. Gut ausgebaut kommen wir zügig voran. So eine Straße sind wir in den vergangenen Tagen so gut wie nie gefahren: zu breit, zu wenig schöne Kurven, dafür viel zu viel Verkehr.

In Eccica-Suarella zweigen wir auf die D 27 ab und legen in Bastelica eine kleine Kaffeepause ein. Imposante Ausblicke bieten sich wenig später vom 1193 Meter hohen „Col de Scalella“. Über die N 193 fahren wir dann nach Corte, wo das herrliche Restonica-Tal abzweigt: eine wildromantische Landschaft, die alpine Züge hat.

Unterwegs finden wir ein kleines Rifugio, das zur Mittagsrast einlädt. Ordentlich gestärkt geht es weiter. Weil wir gut in der Zeit liegen, wechseln wir nun wieder auf die ganz kleinen, weiß markierten Straßen. Es geht hoch in die Berge, durch kleine Dörfchen, deren Namen in keiner Karte vermerkt sind.

Punkt 18 Uhr erreichen wir den Hafen von Bastia und können sofort an Bord fahren. Schnell sind die Kabinen bezogen, so dass wir uns in aller Ruhe zu einem „Feierabendbier“ auf dem Panoramadeck treffen können. Von hier aus lässt sich das geschäftige Treiben im Hafen gut beobachten.

Bei einem grandiosen Menü nehmen wir Abschied von Korsika: während uns nacheinander „Salade de la Mer“, „Pennette avec l’espadon et les aubergines“ sowie als Hauptgang „Filet de Loup de mer à la méditerranéenne“ mit „pommes de terre au four“ serviert werden, zieht am Fenster „Cap Corse“ an uns vorbei. Da sind wir am Samstag, also vor sechs Tagen“, zum ersten Mal auf Korsika Motorrad gefahren.

Morgen früh werden wir Toulon erreichen; dann geht es über Gap und Bourg-en-Bresse in zwei Tagesetappen langsam wieder Richtung Heimat.

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Einer der vielen Fotostopps auf Korsika. Manchmal wähnt man sich in den Alpen.

Alle Gruppen bunt gemischt

TOURBERICHT KORSIKA
Mittwoch, 8. Mai 2013 | 8. Tag

Individualität ist Trumpf. Und weil unsere Teilnehmer ganz unterschiedliche Wünsche haben, wollen wir diesen heute wieder mal Rechnung tragen. Deshalb fährt Michal, mit allen, die Interesse an einer Bootstour haben, nach Bonifatio. Von der südlichsten – und angeblich auch schönsten Stadt Korsikas – geht es mit dem Schiff aufs Meer hinaus und hinein in die Grotten. Anschließend ist ein Bummel durch die Altstadt angesagt.

Stefan und Georg hingegen wollen mit den übrigen Teilnehmern den südlichsten Zipfel Korsikas auf dem Motorrad erkunden, während ich mit Uli und Andreas, da wo möglich, Enduro fahren möchte.

Nachdem alle den Hotelparkplatz verlassen haben, starten auch wir. Sartene ist das erste Ziel. Mitten durch die Altstadt führt eine schmale Gasse, die uns zur D 65 bringt. Die schlängelt sich kurvenreich ins Tal hinab. Schnell ist der Einstieg zur ersten, unbefestigten Piste gefunden, die uns im Halbkreis zurück nach Sartene führt.

Auf dem belebten Marktplatz legen wir eine erste kleine Pause ein. Unter Plantanen sitzend, trinken wir einen Kaffee und beobachten das muntere Treiben. Kinder spielen, Hunde kläffen, junge Frauen flanieren und alte Männer sitzen rauchend auf der Bank und lassen das Leben an sich vorbei ziehen – herrlich!

Weiter geht es, auf kleinen rumpeligen Straßen Richtung „Col de Bavella“. Weit unterhalb des Gipfels zweigt eine Kilometer lange Piste durch den Wald ab: Auswaschungen, grober Schotter, etwas Sand, tiefe Rinnen und eine schöne „Flußdurchfahrt“ fordern unsere ganze Konzentration. An einer Wasserstelle halten wir für ein kleines Picknick und verschnaufen ein wenig. Toll, dass so etwas auf Korsika möglich ist.

Über den „Col de St Eustache“, der durch eine faszinierende Landschaft führt, fahren wir langsam zurück zum Hotel. Auf dem Passhöhe zweigt links nach ein interessanter unbefestigter Weg Richtung Süden ab. Aber es ist schon spät und wir sind müde. Zudem lässt die Konzentration nach. Also: das nächste Mal – ein Grund zum Wiederkommen 😉

Noch einmal essen wir im quirligen Hafen zu Abend und nehmen so langsam Abschied von Korsika. Morgen fahren wir zurück nach Bastia. Um 20 Uhr legt die Nachtfähre nach Toulon ab. Mit der fahren wir zurück aufs Festland

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Die Landschaft auf Korsika ist immer wieder grandios. Hinter jeder Kurve eine neue Perspektive.

Kein Picknick auf 1675 Meter

TOURBERICHT KORSIKA
Dienstag, 7. Mai 2013 | 7. Tag

Das „Defilé de l’Inzecca“ wird der nördlichste Punkt unserer heutigen Tagestour auf Korsika sein. Doch bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Wir starten, wie immer, um 9 Uhr und halten uns grob Richtung Norden. Die kurvenreiche D 69 schlängelt sich durch eine faszinierende Berglandschaft. Nach einer guten Stunde Fahrt haben wir den 1195 Meter hohen „Col de la Vaccia“ erreicht. Eine Rotte freilaufender Wildschweine liegt faul in der Sonne und weckt unser Interesse. Schnell sind ein paar Schnappschüsse gemacht; dann geht es auch schon weiter.

Bei der ersten Kaffeepause beschließen wir, heute zur Mittagszeit ein Picknick zu machen. Vielleicht an der Liftstation zum Skigebiet, an der Capanelle-Hütte? Erfreulicherweise finden wir „in den Bergen“ bald darauf einen kleinen „Supermarkt“, decken uns mit reichlich Wurst, Käse und Baguette ein – und fahren weiter, durch prächtige Wälder, mal bergauf, mal bergab.

Im Schatten des „Monte Renoso“ finden wir den Abzweig zur Skihütte und schrauben uns Meter für Meter nach oben. Das kleine, schmale Sträßchen ist in einem deutlich besseren Zustand als erhofft. Bei 1675 Meter ist der Endpunkt erreicht. Auf einem großen Plateau stellen wir die Motorräder ab und genießen die herrliche Aussicht. An den Hängen finden sich noch reichlich Reste von Schnee, zudem bläst ein kräftiger Wind, so dass wir beschließen, das Picknick im Tal einzulegen.

Schnell ist ein idyllisches Plätzchen gefunden. Eine leere Packrolle dient als Tischdecke, auf der die lukullischen Leckereien ausgebreitet werden. Im Gras sitzend genießen wir Käse und Wurst und lassen es uns so richtig gut gehen.

Bald darauf haben wir den nördlichsten Punkt der heutigen Etappe erreicht und schwingen durchs „Defilé“ – eine schmale Klamm, in der die Felsen dicht an die Straße rücken.

Am späten Nachmittag erreichen wir dann das „Bavella-Tal“. Mehrere Berggipfel stehen hier dicht hintereinander und bilden so eine imposante Kulisse. Diffuses Licht taucht die Szenerie in etwas Geheimnisvolles. Dabei erinnern die gezackten Gipfel an Montserrat – die „gesägten“ Berge – in Spanien.

Ein kleiner Fotostopp noch, bei dem sich wieder einmal ein Wildschwein zu uns gesellt, dann sind wir zurück im Hotel. Gegessen wird abermals im Hafen, dann wollten wir eigentlich zu Bett gehen. Doch einer unserer Teilnehmer hat seinen Schlüssel auf dem Zimmer liegen lassen – und die Rezeption ist nicht mehr besetzt!

Was tun? Die Schließzunge mit eine EC-Karte zurückschieben? Geht nicht. Über den Balkon klettern? Zu gefährlich. Auf einem Stuhl im Flur schlafen? Zu ungemütlich. Da entdecken wir an Eingang eine Telefonnummer, rufen an und versuchen mit dem wenigen französisch, das wir sprechen, unser Problem zu schildern.

„Dix minutes“ hören wir und hoffen, dass daraus keine französischen zehn Minuten werden. Weit gefehlt: wenig später fährt ein Auto vor und ein freundlicher Korse löst mit dem Generalschlüssel das Problem. So geht auch dieser abwechslungsreiche Tag für Alle letztlich zufrieden zu Ende.

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Käse, Salami und frisches Baguette – fertig ist das Picknick zur Mittagszeit

Abendessen am Meer

TOURBERICHT KORSIKA
Montag, 6. Mai 2013 | 6. Tag

Propriano, im Südwesten von Korsika gelegen, ist das Ziel der heutigen Etappe. Dort wollen wir drei Nächte bleiben, um am Dienstag und Mittwoch zu zwei schönen Touren am anderen Ende der Insel aufbrechen zu können. Bis dahin sollte es noch ein kurvenreicher Weg sein.

Von Calvi aus nehmen wir am Morgen die Westküste unter die Räder. Schmal und kurvenreich schmiegt sich die D 81B die Küste entlang und gewährt immer wieder fantastische Aussichten. Am „Col de Palmarella“ halten wir das erste Mal für eine Fotostopp und sind begeistert, angesichts der fantastischen Fernsicht auf die roten Felsen im Meer.

Nach einer kurzen Kaffeepause im Hafen von Porto geht es durch die „Calanche“ weiter Richtung Süden. Die bizarren Felsformationen und Höhenstraßen durch und über die wir fahren, wissen uns zu begeistern. Kein Meter gerade Straße und kaum Verkehr – ein Traum!

Kilometer um Kilometer folgen wir der Küstenstraße und finden nahe Ajaxcio eine kleine Bar direkt am Sandstrand und mit Blick aufs Meer, in derzeit die Mittagspause einlegen. Dann geht es (endlich) in die Berge. Die „Schlußetappe“ des heutigen Tages wollen wir auf kleinen, rumpeligen Straßen fahren.

Bis auf gut 600 Meter führt uns das kleine Asphaltband hinauf, mitten durch dichte Wälder hindurch. Nebelschwaden ziehen über die Berggipfel, die Luft ist ein wenig feucht – fast wie im Herbst, dabei ist es gerade einmal Anfang Mai.

Gut 40 Kilometer von Propriano legen wir an einem „Tante Emma-Laden“ mit herrlicher Aussichtsterrasse, mitten in der Wildnis, den letzten Stopp des Tages ein. Verkauft wird hier unter anderem leckere „Eselswurst“ – eine feine korsische Salami – die kaum probiert auch schon in Gänze aufgegessen ist. Einfach lecker ..

Herrlich ist auch das Abendessen, das wir in Propriano, an der Hafenmole sitzend, einnehmen. So richtig südländisch, eben einfach französisch (auch wenn die Korsen das nicht hören mögen).

Morgen wollen wir durchs „Defilé de l`Inzecca““ fahren; auch dabei werden wieder gut 300 Kilometer Strecke zusammenkommen.

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Gruppenfoto am Col de Palmarella. Im Hintergrund das Meer aus dem blutrote Felsen ragen.

Nicht jeden Tag eine Reifenpanne

TOURBERICHT KORSIKA
Sonntag, 5. Mai 2013 | 5. Tag

Gestern steckte ein Nagel im Hinterradreifen von Hartmuts Kawasaki, heute ein spitzer Stein in der Harley von Thomas. Beide Male war ein Plattfuß die Folge. Den konnten wir dank Flickzeug zwar jedes Mal wieder begeben, aber lästig und zeitraubend sind diese „Zwangsaufenthalte“ schon – vor allem für die Betroffenen. Mal sehen, was in den nächsten Tagen noch so alles passiert.

Heute ging es hoch hinaus. Der „Col de Vergio“, mit 1477 Metern der höchste Straßenpass auf Korsika, war das Ziel. Während sich die drei Gruppen wieder gegen 9 Uhr auf den Weg machten, gönnte ich mir eine „Auszeit“. Statt Motorrad zu fahren, mussten noch ein paar unbeantwortet gebliebene Mails abgearbeitet und ein paar Anfragen beantwortet werden. Genau das Richtige für einen entspannten Sonntag auf Korsika.

Bis gegen Mittag saß ich auf der Terrasse des Hotels, die alte Festung von Calvi sowie das Meer im Blick, und erledigte, was keinen Aufschub mehr duldete, vor der Tour aber, aus zeitlichen Gründen, nicht mehr erledigt werden konnte. Anschließend bot sich ein kleiner Spaziergang zur alten Zitadelle an und ein verspätetes Mittagessen direkt im quirligen Hafen. In den nächsten sechs Tagen würde ich noch genug Motorrad fahren, bis wir unser Ausgangshotel in Bourg-en-Bresse wieder erreichen würden.

Speedy, Georg und Stefan waren hingegen mit ihren Gruppen munter unterwegs. Von Calvi aus ging es zunächst Richtung Osten, dann einmal um den „Monte Cinto“ und über den „Vergio“ schließlich nach Porto, der heimlichen Hauptstadt Korsikas.

Gut 30 Kilometer Kurvengeschlängel auf der küstennahen D 81 forderten zum Schluß noch einmal volle Konzentration. Dann war Calvi wieder erreicht. Kurz nach 18 Uhr war die erste Gruppe zurück im Hotel, eine halbe Stunde später die letzte. Gut 300 Kilometer Wegstrecke standen als Tagesdistanz auf der Uhr, das Feierabendbier hatten sich da alle redlich verdient.

Morgen fahren wir weiter nach Propriano, in den Südwesten der Insel. Da werden wir drei Nächte bleiben, bevor es zurück nach Bastia geht. Aber daran wollen wir heute noch gar nicht denken.

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Das „Feierabendbier“ haben wir uns verdient – nach mehr als 300 Kilometern kurvenreicher Fahrt.

50 Kilometer gleich 110 Kilometer

TOURBERICHT KORSIKA
Samstag, 4. Mai 2013 | 4. Tag

Wir sind da – tatsächlich auf Korsika angekommen. Mit einer halben Stunde Verspätung zwar, aber wir haben die Insel erreicht. Endlich, in dritten Anlauf hat es geklappt! Um 8:15 Uhr stehen wir, bei strahlendem Sonnenschein, im Fährhafen von Bastia und freuen uns auf die vor uns liegenden Tage.

„Cap Corse“, ganz im Norden gelegen, ist das erste Ziel des Tages. Dann geht es die Westküste entlang, bis Calvi. Heute sind wir in vier Gruppen unterwegs: drei auf der Straße und eine kleinere, die (auch) ein wenig Enduro fahren möchte. In Bastia werden die Tanks noch einmal vollgemacht – dann geht es los.

Mehrfach zweigen wir von der Küstenstraße links ab ins Gebirge und rumpeln über schlechte, schmale Straßen. Kurz nach Balba geht die kurvenreiche Trasse in groben Schotter über. Jetzt gut 13 Kilometer gen Norden und wir müssten die D 188 erreichen. Pustekuchen!

Mitten im Nirgendwo fordert uns die „blaue Elise“ auf, rechts abzubiegen. Doch da, wo in Navi ein gestrichelte Linie zu finden ist, stehen im realen Leben nur Büsche und Sträucher. Den erhofften Abzweig zu einer kleinen Bergerie finden wir hier nicht. Also ist improvisieren angesagt.

Der immer schlechter werdende Weg schraubt sich, gen Westen führend, immer weiter in die Höhe. Viele enge Serpentinen warten auf uns, das können wir schon jetzt erkennen. Und die werden ganz bestimmt ordentlich geschottert sein. So wie es aussieht, haben wir den „Wolkenpass“ erwischt, der uns auf die andere Seite der Insel führen wird. Dort wollen wir jetzt zwar noch nicht hin, da aber zwei weitere Straßen die Insel abermals queren – und uns so wieder zur Ostküste führen – fahren wir erst einmal weiter.

Der Anstieg hinauf auf den Pass, der bei 957 Metern liegt, fordert Kraft und Konzentration: rutschige Felsen, tiefe Auswaschungen und jede Menge Geröll machen uns schon ein wenig zu schaffen. Ein steinernes Kreuz und eine winzige „Kapelle“ signalisieren: wir sind auf dem richtige Weg. Und hier oben macht der „Wolkenpass“ seinem Namen auch alle Ehre: Ganz plötzlich ziehen dichte Wolken über die Bergkuppe und nehmen uns für wenige Minuten die Sicht aufs Meer. Gespenstisch …

Jetzt geht es wieder talwärts, nach Olcanu. Bald darauf erreichen wir, auf schmaler Strecke, den nördlichsten anfahrbahren Punkt von Korsika und blicken auf den steinernen Leuchturm der „Ille de la Giraflua“. Von da an geht es immer Richtung Süden

Wir genießen die herrlichen Ausblicke von der abenteuerlichen Küstenstraße aufs Meer und legen in Ogliadtru noch eine kleine Kaffeepause ein. Bis zum Hotel in Calvi seien es von hier aufs gut 50 Kilometer – Luftlinie! -, meint Uli. Der Küstenlinie folgend werden daraus 110 Kilometer Wegstrecke, wobei die so gut wie kein Meter geradeaus führt. Wahnsinn, einfach unglaublich!

Morgen wolle wir den höchsten Pass Korsikas unter die Räder nehmen. Hoffentlich spielt das Wetter mit …

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Der Anfang vom „Wolkenpass“. Danach wurde der Schotter immer gröber …

Wir fahren tatsächlich nach Korsika

TOURBERICHT KORSIKA
Freitag, 3. Mai 2013 | 3. Tag

Im dritten Anlauf haben wir es tatsächlich geschafft: wir sind auf dem Weg nach Korsika. Obwohl wir im Fährhafen fast die falsche Fähre erwischt hätten …

Schon kurz vor 9 Uhr starteten wir in Gap. Das erste Ziel war „La Motte du Caire“. Da führt „der Schorsch“ ein nettes Tourenfahrer-Hotel, in dem wir uns zu einem ersten Kaffeepäuschen treffen wollten. Eigentlich nur 50 Kilometer weit entfernt – sofern wir den direkten Weg wählen würden – wurden es zum Schluss doch gut 75 Kilometer, weil ein paar verlockende Nebenstraßen unbedingt noch unter die Räder genommen werden mussten …

Weiter ging es, immer Richtung Süden. Einmal quer durch die Provence, bis hinunter ans Meer. Linker Hand die Alpen. Viele der herrlichen Pass-Straßen, die über den gewaltigen Gebirgsstock führen, lagen noch im Winter(sperren)schlaf, während wir, bei strahlendem Sonnenschein, durch eine Frühlingslandschaft fuhren, die ihres Gleichen sucht: Bunte Wiesen, blühende Bäume, rauschende Flüsse – einfach unglaublich.

Gegen Mittag war Forcalquier erreicht. Direkt am Marktplatz, neben dem Bürgermeisteramt und genau gegenüber der Kirche, fand sich eine nette Bar, in der bereits geschäftiges Treiben herrschte. Genau der richtige Ort für eine ausgiebige Mittagspause. Das Omlette war vorzüglich, das Ambiente auch – Urlaub in Frankreich hat ja doch irgendwie was.

Gegen 17 Uhr war Toulon fast schon in Sichtweise. Noch ein paar kleine Schlenker, ein kurzer Tankstopp und dann die letzten Kilometer über die Stadtautobahn möglichst direkt zum Hafen. Sechs Kilometer vor Ziel dann – wie schon befürchtet: Stau! Erst einmal geht nichts mehr, dann fahren wir im Schritt-Tempo weiter. Die Lücke zwischen den Auto wäre groß genug …

Und während wir noch zögernd nachdenken, zeigen uns französische Rollerfahrer wie’s geht. Mit einer affenartigen Geschwindigkeit knallen die durch den Stau. Also: wir hinter her – geht doch!

Kurz vor 18 Uhr erreichen wir den Hafen in Toulon. Irgendwie verstehen wir den Einweiser nicht so ganz richtig und ordnen uns in der falschen Spur ein. Die Fähre wäre wohl auch nach Korsika gefahren, aber nicht nach Bastia. Schnell ist der Fehler korrigiert, so dass der Überfahrt auf die schöne Insel im Meer nichts mehr entgegen steht.

Punkt 20 Uhr heißt es: Leinen los – bei strahlendem Sonnenschein kehren wir Toulon den Rücken. Morgen, kurz vor acht Uhr, wollen wir in Bastia anlegen. Und dann sechs Tage lang Korsika entdecken.

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Leinen los! Wir verlassen den Hafen von Toulon in der Abendsonne und setzen nach Korsika über.

Eine Reise durch vier Jahreszeiten

TOURBERICHT KORSIKA
Donnerstag, 2. Mai 2013 | 2. Tag

Erstaunlich reichhaltig – zumindest für französische Verhältnisse – war das Frühstück am Morgen in Ibis-Hotel in Bourg-en-Bresse. Gut gestärkt konnten wir uns auf die Reise machen. Gap war das Ziel der heutigen Tages, gut 330 Kilometer waren geplant.

Nach dem ersten Tankstopp gleich hinterm Hotel, für alle, die nicht mit fast leerem Tank in den Tag starten wollten, ging es zunächst grob Richtung Grenoble. Dichter Nebel begleitete uns auf den ersten Kilometern. Immer zahlreicher wurden die Wassertropfen auf Visier und Brille, während wir ordentlich an Höhe gewannen. Dann endlich kam die Sonne raus!

Auf kleinen kurvenreichen Straßen erreichten wir schließlich Lompnieu und fanden, nach zuvor zwei vergeblichen Anläufen, in der Bar „L’Orée des Sapins“ Gelegenheit für ein Kaffeepäuschen. Georg und Stefan waren mit ihren Gruppen schon da, nun gesellte sich auch Speedy dazu.

Nach einem leckeren Café Creme waren die Ausläufer des Vercors das nächste Ziel. Der mächtige Gebirgsstock oberhalb von Grenoble ist für uns immer wieder ein lohnendes Ziel. Bevor es wieder in die Berge gehen sollte, legte Speedy aber noch eine schöne Mittagspause in Restaurant „Les Lodges du Lac“ am Lac d’Aiguebelette ein. Hier trafen wir auch „wieder“ Stefans Truppe, die den gleichen Gedanken gehabt hatten, und uns ihre „Menuewahl“ – einen ordentlichen Teller Nudeln mit Pilzen – wärmstens weiterempfehlen konnten.

Dunkle Wolken brauten sich zwischenzeitlich zusammen. Bald darauf war doch tatsächlich der Regenkombi angesagt. In Saint-Laurent-du-Pont mussten wir uns dann entscheiden: links ab ins Vercors, da wo Blitz und Donner in den Bergen nichts Gutes ankündigten – oder lieber außen rum, dann aber durch Grenoble?

Wir fuhren lieber den Sonne entgegen und damit nicht ins Vercor. Wenig später standen wir mitten in Grenoble. Stellenweise ging es nur im Schritttempo vorwärts – dafür war’s warm und trocken. Die Innenstadt der Metropole: eine einzige Baustelle. Auf zwei der einst vier Fahrbahnen wurden Straßenbahnschienen verlegt. Rote Ampeln, zugefahrene Kreuzungen und ständig haltende Stadtbusse machten das Chaos perfekt.

Eine halbe Stunde mussten wir Nervenstärke beweisen, dann waren wir durch. Jetzt lagen noch gut 100 Kilometer Wegstrecke vor uns. Nahe La Murre wurde es wieder dunkel. Also, den Blinker rechts und ab ins „Grand Café“ zur Kaffeepause. Unter der großen Markise sitzend, erlebten wir heftige Regenschauer, Sturm und schließlich sogar Hagel.

Georg, der es sich nicht hatte nehmen lassen, mit seiner Gruppe durchs Vercor zu fahren, „steckte“ zwischenzeitlich im Schnee fest. Die einzige Straße, die wegen Windbruch eigentlich gesperrt war, brachte ihn hinauf auf gut 1200 Meter – aber dann nicht mehr weiter. Schneeverwehungen mitten auf der Straße machten ein Weiterkommen unmöglich. Damit waren die vier Jahreszeiten perfekt. Also umdrehen und den nächsten Abzweig versuchen. Da klappte es dann …

Genau so schnell, wie der Regen gekommen war, war die Straße auch schon wurde trocken, so dass wir am späten Nachmittag die kurvenreiche „Route Napoleon“ unter die Räder nehmen konnten. Die führte auch auf über 1200 Meter, allerdings ohne Schnee – dafür im Sonnenschein.

Kurz nach 18 Uhr hatten wir unser Etappenziel erreicht. Von Gap aus fahren wir morgen nach Toulon und dann mit der Nachtfähre nach Bastia.

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„Park-Impressionen“ mitten in Frankreich. Einfach nur schön.

Alle sind wohlbehalten angekommen

TOURBERICHT KORSIKA
Mittwoch, 1. Mai 2013 | 1. Tag

Das war ein langer Tag. Morgens stand noch ein dienstlicher Termin an, so dass ich erst gegen 14:30 Uhr von Frankfurt aus gen Frankreich starten konnte. So mancher Tourguide oder Teilnehmer hatte es da „geschickter“ angestellt und war schon am Dienstag aufgebrochen, um die Anreise nach Bourg-en-Bresse auf zwei kurvenreiche Tage, auf möglichst kleinen Straßen zu verteilen. Mit blieb nur die Autobahn um noch im Hellen am ersten Etappenziel ankommen zu können – da ich aber den Begleitbus nach Frankreich fahren konnte, war diese Variante auf vier Rädern ganz ok.

Zum Glück gab es an diesem 1. Mai keinen nennenswerten Reiseverkehr. Auf der deutschen Seite war die Autobahn nur mäßig befahren, in Frankreich fast menschenleer. Durch die Franche-Comte führte die Route und das Jura. Zwei relativ unbekannte Regionen Frankreichs, in denen wir schon so manch abwechslungsreiche Motorradwoche verbracht hatten.

War es lange Zeit ein wenig bewölkt, kam ab Dole mit einem Mal die Sonne raus. Knallgelb leuchteten die Rapsfelder neben der Autobahn und das Abendlicht modellierte die Wälder und Felder in ganz eigentümlicher Weise. Irgendwie ist es immer wieder faszinierend in die Dämmerung zu fahren; wenn die Schatten immer länger und das Licht immer weicher zu werden scheint.

Kurz vor 21 Uhr war da Hotel in Bourg-en-Bresse erreicht, da saß der Rest der Truppe schon beim Abendessen. Schnell noch die BMW ausladen, dann konnte der „Feierabend“ eingeläutet werden.

Morgen starten wir in Richtung Gap. Auf dem Weg dorthin gibt es viele kleine kurvige Straßen …

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Abendstimmung in Bourg-en-Bresse. Wir freuen uns auf erlebnisreiche Tage und unsere Reise nach Korsika.