Monatsarchiv: Oktober 2010

Über den Wolken

Rund um den Mont Ventoux wollen wir heute unterwegs sein. Zunächst aber fahren wir zum Signal de Lure, auf schmaler, kurvenreicher Trasse. Die Querverbindung in Richtung Sisteron bietet jede Menge Fahrspaß und tolle Ausblicke in die umliegenden Täler. Die sind heute besonders eindrucksvoll, fahren wir doch quasi über den Wolken und genießen einmalige Ausblicke auf die umliegenden Berge.

Gegen Mittag erreichen wir den nicht minder schön zu fahrenden Col de Petry und machen uns auf die Suche nach einer Bar, um eine kleine Mittagsrast einzulegen. Das erweist sich heute als gar nicht so einfach, denn die meisten der wenigen Lokale, die wir am Wegesrand finden, haben bereits jahreszeitlich bedingt geschlossen oder machen gerade zu: es ist schon fast 14 Uhr! Schließlich finden wir nahe St-Euphemie-s-O. aber doch, wonach wir suchen und genießen die üblichen „Kleinigkeiten“.

Am Nachmittag dann bezwingen wir den Mont Ventoux, gerade noch rechtzeitig, bevor dieser sein Haupt mit einer dichten Wolkendecke umhüllt. Kurz nach 18 Uhr sind wir wieder im Hotel. Dort gehen die Biervorräte gehen deutlich zu neige: Heineken, 1664 und Leffe haben wir schon ausgetrunken …

Anfang Oktober am Bonette

Kaum zu glauben, aber der 2715 Meter hohe Pass war immer noch befahrbar

Anfang Oktober über den Col de la Bonette

Strahlend blauer Himmel – als ob nichts gewesen wäre! Die zwei Stunden, die wir gestern im Regen gefahren sind – vergessen! Motorrad fahren im Spätherbst ist wieder schön!

Georg nimmt mit seiner Gruppe sogleich den Col d´Izorad in Angriff, nicht der höchste, wohl aber einer der schönsten Alpenpässe in Frankreich. Die Straße ist trocken, die Sonne scheint, der kurze Stopp am Gipfel wird vielen unvergessen bleiben. „Wenn´s gut läuft, probieren wir auch den über den Bonette zu kommen“, hatte es am Morgen geheißen …

Wir schlängelten uns zunächst auf kleinen, schmalen, kurvenreichen Straßen durchs Tal – Sonne tanken! In Embrun dann die erste Kaffeepause und zaghafte Anfragen der Teilnehmer, ob man denn heute nicht vielleicht auch einen der hohen Alpenpässe unter die Räder nehmen könnte. Klar: der Col d´Allos liegt quasi auf dem Weg. Also umrunden wir auf kurvenreicher Strecke die Nordflanke des Stausees von Serre-Poncon, fahren zügig Richtung Barcelonette und zweigen dann scharf nach Süden ab.

Glück gehabt: der benachbarte Col de la Cayolle ist wegen eines Erdrutsches gesperrt, der Allos aber ist frei, auch wenn wir hier zwei kleine Murrenabgänge umfahren müssen. Schmal und kehrenreich schmiegt sich die Trasse an den Fels. Die Laubbäume an den Hängen leuchten goldgelb im Sonnenlicht. Von Westen schieben sich dichte Nebelfetzen Richtung Gipfel, denen wir aber immer wieder gerade davon fahren. Viel zu schnell ist die eindrucksvolle Fahrt auf der Passhöhe zu Ende.

Die Südrampe präsentiert sich karger, aber nicht minder eindrucksvoll. In einem kleinen Dorf unterhalb des Gipfels legen wir die Mittagsrast ein und genießen ein leckeres Baguette mit Schinken. Dann geht die Fahrt weiter Richtung Provence. In Sault wollen wir zwei Tage bleiben.

Kurz nach 18 Uhr erreichen wir das Hotel, Georg trifft mit seiner Gruppe nur wenig später ein. Die Teufelskerle sind tatsächlich über den leicht „angeschneiten“ Col de la Bonette gefahren und erzählen mit leuchtenden Augen, dass sich der Umweg von mehr als 50 Kilometern durchaus gelohnt hätte. Wer kann schon von sich behaupten, Anfang Oktober auf einem der höchsten Alpenpässe gestanden zu haben?

Am Col de la Croix de Fer

Bis hier hin waren die Straßen trocken und das Wetter schön

Eine schwere Entscheidung

Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen wir vor einer schweren Entscheidung: welche Pässe wollen wir heute fahren? Reizvoll wäre die Variante über den 2764 Meter hohen Col de Iseran – doch da ballen sich dunkle Wolken zusammen. Alternativ könnten wir den einsamen Col de la Madeleine unter die Räder nehmen, denn weiter westlich scheint das Wetter besser zu sein. Zumindest finden sich dort strahlend blaue Lücken am Himmel. Georg entscheidet sich mit seiner Gruppe mutig für einen der höchsten Alpenpässe, während ich mit meiner Gruppe lieber auf Nummer sicher gehe. Zwar ist es im Tal relativ warm, so dass auch auf den hohen Alpenpässen auch am Vormittag nicht unbedingt (noch) mit Frost gerechnet werden muss, aber bitter kalt wird es auf der Passhöhe wohl sein.

Hinter Moutiers zweigen wir auf den knapp 2000 Meter hohen Col de la Madeleine ab. Auf der gesamten Wegstrecke bis zum Pass brauchen wir nur ein einziges Auto zu überholen: einen Bäuerchen in einem alten R4 in dessen Laderaum sich ein Hütehund räkelt. Oben angekommen bläst ein starker, böiger Wind, der uns vom obligatorischen Fotostopp nicht abhält.

Im Tal fahren wir in „La Chambre“ direkt auf eine kleine Bar zu und nehmen die „Einladung“ zum Kaffeestopp gerne an. Danach wird es spannend. Um nicht über die breite D 1006 fahren zu müssen, wählen wir die parallel verlaufende D 76 und schrauben uns bei Pontamafrey auf einer reichlich abenteuerlichen, kehrenreichen Strecke den Berg hinauf.

Bei St-Jean-de Maurienne wollen wir eigentlich auf die Passstraße zum Col de la Croix de Fer abzweigen, doch die Zufahrt ist gesperrt. Wir werden über die winzige D 110 umgeleitet. Nach einigen Kilometer Fahrt zeigt das Navi ein kleine Querverbindung an, die zurück auf die eigentliche Trasse führt. Klar, dass wir die unter die Räder nehmen. Zwar steht auf der D 926 ein Gatter mitten auf der Straße, aber das muss ja nichts heißen. Schauen wir mal …

Lange Zeit haben wir die herrlich kurvenreiche Straße ganz für uns alleine, was schon nachdenklich stimmt. Verdächtig auch, dass so viel Laub auf der Straße liegt. Hier scheint schon lange keiner mehr hergefahren zu sein. Dann aber stehen wir vor einer roten Ampel. Ganz offensichtlich ist die Strecke doch passierbar! Als es grün wird biegen wir ums Eck – und stehen vor einem großen Bagger, der die Weiterfahrt unmöglich macht. Toll!

Also umdrehen, zurück auf die Umleitungsstrecke und über den kleinen Col du Mollard Richtung St-Jean-d´Arves. In einer kleinen Bar genießen wir bei strahlendem Sonnenschein ein leckeres Mittagessen und freuen uns über das anhaltend gute Wetter. Eigentlich war für heute dauerhafter Regen prognostiziert.

Doch der sollte noch kommen. Nach dem Gipfelfoto am Col de la Croix de Fer wird es immer dunkler am Himmel, kaum haben wir den Col du Glandon hinter uns gelassen, fallen die ersten Tropfen. Kurz bevor wir den Abzweig nach Alpe-d´Huez erreichen, müssen wir die Regenkombis anziehen. „Zum Hotel sind es nach meinem Navi jetzt noch 86 Kilometer, könnten wir bitte den möglichst direkten Weg wählen“, raunt mit Christoph zu. Noch beim Mittagessen hatten ich von dem kleinen „Eselspfad“ geschwärmt, der vom Etappenziel der Tour die France gen Osten führt. Den streichen wir jetzt aus dem Programm.

Die D 1091 führt uns über den 2058 Meter hohen Col du Lauratet Richtung Briancon. Heftige Windböen peitschen den Wind über die Straße, auf der Passhöhe ist es bitterkalt. Noch eine gute halbe Stunde und wir sind im Hotel – die aber zieht sich. Wir sind (wieder einmal) die ersten; Georg trifft mit seiner Gruppe gut eine Stunde später ein.

Die Fahrt am Morgen über den Iseran war nass, aber schön, zumal anschließend die Sonne raus kam. Am Galibier kam der Regen und die Kälte, so dass die Tour über den 2646 Meter hohen Pass letztlich als zu gewagt erschien. Also rumdrehen und ebenfalls über den Col de la Croix de Fer fahren, auf dem es zwischenzeitlich schon heftig regnete.

Der Wetterbericht für morgen gibt sich unentschlossen: einige Prognosen sagen weitere, heftige Regenfälle voraus, andere meinen, es würde bedeckt aber trocken. Wir gehen jetzt erst mal ein Bier trinken und schauen morgen früh aus dem Fenster. Dann wissen wir, wie´s Wetter wird.

Sonnenschein in La Rossiere

So könnte es die nächsten Tage bleiben.

Herbstwetter im Aostatal

Strahlend blauer Himmel am ersten Tourtag in der Schweiz. Kein Wölkchen ist am Himmel, als wir gegen 9 Uhr in Chatel aufbrechen. Vor der „Haustür“ liegt mit dem „Pas de Morgins“ auch gleich ein schönes Stück kurvenreicher Strecke, das uns talwärts nach Monthey führt.

Hinter Martigny zweigen wir auf den schmalen „Champex-Sattel“ ab, der eigentlich gesperrt sein soll. So steht es zumindest an den Schildern nahe der Zufahrt. Aber getreu dem Motto „Umdrehen können wir immer noch“ probieren wir es erst einmal. Eine gute Entscheidung: ein Teil der Straße wird neu geteert – aber nicht am Wochenende, so dass wir problemlos passieren können.

Kurz vor der Zufahrt zum „Großen St. Bernhard“ legen wir noch einen kurzen Kaffeestopp ein und genießen den herrlichen Sonnenschein. Oben am Berg, auf der italienischen Seite, scheinen sich dichte Wolken in der Gipfelregion zusammen zu drücken. Und in der Tat: kurz vor dem Gipfel wird es neblig, am Pass selbst reicht die Sicht kaum einen Meter weit.

Ganz langsam tasten wir uns die ersten Kehren vom Großen St. Bernhard hinunter. Im Aosta-Tal scheint heute der Herbst Einzug gehalten zu haben. Immerhin regnet es nicht und so schlagen wir uns wieder in die Berge und umfahren Aosta weiträumig.

In Ville-sur-Sarre finden wir sogar ein Restaurant, das – obwohl ziemlich abgelegen – heute geöffnet hat. Dank Christophs exzellenter Italienischkenntnisse wird aufgefahren, was die Küche hergibt: eine leckere Schinken- und Wurstplatte, gefolgt von Polenta mit Rehragout und Maronen. Zum Schluß noch einen kleinen Kaffee, dann kann es weitergehen.

Auf serpentinenreicher Strecke stürzen wir uns wieder ins Tal, um nahe Morgex auf den „Col San Carlo“ abzubiegen. Bei 1400 Höhenmetern stoßen wir durch die Wolkendecke und fahren nun Richtung Kleinen St. Bernhard. Je näher wir der französischen Grenze kommen, umso besser wird das Wetter.

Auf dem Pass selbst begrüßt uns strahlender Sonnenschein, vorbei ist es mit dem Nebel und tief hängenden Wolken, die uns in Italien über weite Strecken begleitet haben.

In La Rossiere gibt’s noch mal einen Kaffee mit herrlichem Blick auf die frisch verschneiten Berge, bevor wir auf einer kleinen Nebenstraße unser Hotel in Aime erreichen. Den eigentlich fàlligen Tankstopp verschieben wir auf morgen. Heute gibt es Benzin nur am Automat.

Alle Pässe wieder offen

Morgen geht’s über den Großen und Kleinen St. Bernhard

Was für ein Wetter

Beim Start im Rhein-Main-Gebiet hatte es noch geregnet – und zwar heftig. Relativ kalt war es auch. Doch je weiter die Reise in den Süden führte, umso wärmer wurde es. In der Schweiz dann blauer Himmel und strahlender Sonnenschein, herrlich!

Die ersten Teilnehmer waren schon gegen 16 Uhr da. Nach und nach füllte sich die Terrasse, zumal dort immer wieder ein kleiner „Gruß aus der Küche“ zu finden war. Einfach toll!

Auch das Abendessen ein Genuss: Salat mit überbackenem Ziegenkäse, dann eine Art Cordon bleu mit Karotten und feinen Nudeln, zum Abschluss gab’s noch eine warme Birnen-Tarte mit Vanille-Eis. Ce la vie!

Und das Beste: das Wetter soll halten. Alle Pässe sind offen und sollen es vorerst auch bleiben. Na, dann man los. Morgen wollen wir den Großen und Kleinen St. Bernhard unter die Räder nehmen.

Hoffnung auf den Spätsommer

„Ein Hoch bringt warme Luft aus Frankreich in den Norden“, heißt es derzeit in den Wettervorhersagen. Und genau da, wo das Hoch herkommt, da wollen wir hin! Morgen, am Samstag, geht’s los.

Im Augenblick scheinen auch die Alpenpässe, die wir unter die Räder nehmen wollen, alle wieder offen zu sein. Bis Dienstag darf es im Alpenraum keinen Regen geben. Denn der würde auf über 2000 Metern Höhe wohl als Schnee fallen. Und das können wir auf dem Motorrad so garnicht gebrauchen. Drück und mal die Daumen – danke 😉