Eine schwere Entscheidung

Nach einem ausgiebigen Frühstück stehen wir vor einer schweren Entscheidung: welche Pässe wollen wir heute fahren? Reizvoll wäre die Variante über den 2764 Meter hohen Col de Iseran – doch da ballen sich dunkle Wolken zusammen. Alternativ könnten wir den einsamen Col de la Madeleine unter die Räder nehmen, denn weiter westlich scheint das Wetter besser zu sein. Zumindest finden sich dort strahlend blaue Lücken am Himmel. Georg entscheidet sich mit seiner Gruppe mutig für einen der höchsten Alpenpässe, während ich mit meiner Gruppe lieber auf Nummer sicher gehe. Zwar ist es im Tal relativ warm, so dass auch auf den hohen Alpenpässen auch am Vormittag nicht unbedingt (noch) mit Frost gerechnet werden muss, aber bitter kalt wird es auf der Passhöhe wohl sein.

Hinter Moutiers zweigen wir auf den knapp 2000 Meter hohen Col de la Madeleine ab. Auf der gesamten Wegstrecke bis zum Pass brauchen wir nur ein einziges Auto zu überholen: einen Bäuerchen in einem alten R4 in dessen Laderaum sich ein Hütehund räkelt. Oben angekommen bläst ein starker, böiger Wind, der uns vom obligatorischen Fotostopp nicht abhält.

Im Tal fahren wir in „La Chambre“ direkt auf eine kleine Bar zu und nehmen die „Einladung“ zum Kaffeestopp gerne an. Danach wird es spannend. Um nicht über die breite D 1006 fahren zu müssen, wählen wir die parallel verlaufende D 76 und schrauben uns bei Pontamafrey auf einer reichlich abenteuerlichen, kehrenreichen Strecke den Berg hinauf.

Bei St-Jean-de Maurienne wollen wir eigentlich auf die Passstraße zum Col de la Croix de Fer abzweigen, doch die Zufahrt ist gesperrt. Wir werden über die winzige D 110 umgeleitet. Nach einigen Kilometer Fahrt zeigt das Navi ein kleine Querverbindung an, die zurück auf die eigentliche Trasse führt. Klar, dass wir die unter die Räder nehmen. Zwar steht auf der D 926 ein Gatter mitten auf der Straße, aber das muss ja nichts heißen. Schauen wir mal …

Lange Zeit haben wir die herrlich kurvenreiche Straße ganz für uns alleine, was schon nachdenklich stimmt. Verdächtig auch, dass so viel Laub auf der Straße liegt. Hier scheint schon lange keiner mehr hergefahren zu sein. Dann aber stehen wir vor einer roten Ampel. Ganz offensichtlich ist die Strecke doch passierbar! Als es grün wird biegen wir ums Eck – und stehen vor einem großen Bagger, der die Weiterfahrt unmöglich macht. Toll!

Also umdrehen, zurück auf die Umleitungsstrecke und über den kleinen Col du Mollard Richtung St-Jean-d´Arves. In einer kleinen Bar genießen wir bei strahlendem Sonnenschein ein leckeres Mittagessen und freuen uns über das anhaltend gute Wetter. Eigentlich war für heute dauerhafter Regen prognostiziert.

Doch der sollte noch kommen. Nach dem Gipfelfoto am Col de la Croix de Fer wird es immer dunkler am Himmel, kaum haben wir den Col du Glandon hinter uns gelassen, fallen die ersten Tropfen. Kurz bevor wir den Abzweig nach Alpe-d´Huez erreichen, müssen wir die Regenkombis anziehen. „Zum Hotel sind es nach meinem Navi jetzt noch 86 Kilometer, könnten wir bitte den möglichst direkten Weg wählen“, raunt mit Christoph zu. Noch beim Mittagessen hatten ich von dem kleinen „Eselspfad“ geschwärmt, der vom Etappenziel der Tour die France gen Osten führt. Den streichen wir jetzt aus dem Programm.

Die D 1091 führt uns über den 2058 Meter hohen Col du Lauratet Richtung Briancon. Heftige Windböen peitschen den Wind über die Straße, auf der Passhöhe ist es bitterkalt. Noch eine gute halbe Stunde und wir sind im Hotel – die aber zieht sich. Wir sind (wieder einmal) die ersten; Georg trifft mit seiner Gruppe gut eine Stunde später ein.

Die Fahrt am Morgen über den Iseran war nass, aber schön, zumal anschließend die Sonne raus kam. Am Galibier kam der Regen und die Kälte, so dass die Tour über den 2646 Meter hohen Pass letztlich als zu gewagt erschien. Also rumdrehen und ebenfalls über den Col de la Croix de Fer fahren, auf dem es zwischenzeitlich schon heftig regnete.

Der Wetterbericht für morgen gibt sich unentschlossen: einige Prognosen sagen weitere, heftige Regenfälle voraus, andere meinen, es würde bedeckt aber trocken. Wir gehen jetzt erst mal ein Bier trinken und schauen morgen früh aus dem Fenster. Dann wissen wir, wie´s Wetter wird.

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