Monatsarchiv: September 2010

Bretteljause zum Mittag

Von Allem ein bisschen hatte auf der Karte gestanden

Ein Tag der spontanen Entscheidungen

Eigentlich hatten wir heute zur Dreiwiesenhütte fahren wollen. Doch als wir von Obertauern nach Mauterndorf aufbrachen, brauten sich im Süden dichte, dunkle Wolken zusammen. Das sah nicht wirklich gut aus. Also beschlossen wir, die Tagesplanung spontan über den Haufen zu werfen und erst einmal (wieder) Richtung Norden abzubiegen.

Über den Sölkpass ging es – grobe Richtung – zum Dachsteinmassiv. So langsam machte sich Hunger bemerkbar. Christian meinte, lasst uns doch mal im „Schloss Thannegg“ in Moosheim einkehren. Kurz vor halb eins standen wir vor dem alten Gemäuer, dass uns aber irgendwie viel zu wenig nach historischem Bauwerk aussah. Der Funke, der zum Essen zu halten, wollte nicht überspringen.

Also beschlossen wir spontan, den „Michaelerberg“ hinauf zu fahren, hatten wir doch bei der Suche nach dem Schloss ein handgeschriebenes Hinweisschild auf ein Gasthaus gesehen. „Täglich geöffnet“ hatte es da geheißen – also los!

Oben auf dem „Michaelerberg“ angekommen begeisterte uns erst einmal ein sagenhaftes Panorama und dann das Gasthaus selbst. Daniela, die Wirtin, tischte auf, was die Speisekarte aufzubieten wusste, von der delikaten Knoblauchcremesuppe bis hin zur deftigen Bretteljause. Herrlich!

Und während wir satt und zufrieden unter alten Bäumen saßen, fragten wir ganz spontan, wohin denn der unbefestigte Weg führen würde, den wir da sehen. „Der geht zur Stiegleralm, wenn Ihr wollt, könnt Ihr den ausnahmsweise fahren, heute ist ja nicht so viel los“, meine Daniela. Na, wenn das keine Einladung war.

Auch die Stiegleralm war ihren Abstecher wert. Obwohl wir gerade erst zu Mittag gegessen hatten, konnten wir der Einladung der netten Sennerin, den selbstgebackenen Kuchen zu probieren, nicht wiederstehen. Auch eine gute „spontane“ Entscheidung.

Auf dem Rückweg nach Obertauern kehrten wir dann noch einmal in der Trinkeralm ein, zu der ein gut fünf Kilometer langer, geschotterter Forstweg führt. „Wollen wir ein schönes Hinterherfahr-Video drehen“, fragte Christian, wohl wissen, dass ich für solche Späßchen zu haben bin. „Na klar, so lange der Akku der Video-Kamera hält, gerne“, meinte ich.

Es wurde ein ungleicher Wettbewerb: Christian auf der 950er KTM, der den knapp 100 PS-starken Zweizylinder oftmals im Powerslide durch die unbefestigte Kehren scheuchte und ich auf der kleinen 350er Suzuki, der den kleinen Einzylinder fast durchweg in den roten Bereich drehen musste, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, dranzubleiben. Spaß gemacht hat es trotzdem.

Zum Schluß ging´s zügig hoch auf den Tauernpass, diesmal von Radstatt kommen. Alle waren zufrieden, es war – wieder einmal – ein toller Tag, noch dazu ohne Regen. (Vom leichten Nieseln auf dem Tauernpass mal abgesehen).

Morgen wollen wir dann zur Dreiwiesenhütte fahren und so einen schönen Schlusspunkt unter unsere Endurowanderung setzen.

Gipfelstürmer

Von wegen – auf direktem Weg zurück ins Hotel

Kurz vor halb acht war es, als sich die Sonne langsam über den Bergrücken vor unserer kleinen Pension schob. Dichte Wolken schoben sich entlang der Hänge und es sah alles danach aus, dass es (wieder) ein schöner Tag werden würde. Wurde es auch – nur anders als gedacht.

Nach dem Frühstück hieß es packen, denn heute ging es von Slowenien aus wieder zurück nach Österreich. Und da die Straßen (fast) trocken waren, wollten wir des morgens über den Stol – einen alten, kaum mehr instand gesetzten Militärpass – nach Italien fahren. Schnell war der Einstieg gefunden und über eine üble Piste ging es stetig bergan. Dass es tags zuvor – und auch in der Nacht – heftig geregnet hatte, war nicht zu übersehen. Der stark geschotterte Weg wies immer wieder tiefe Auswaschungen aus, über die das Regenwasser wohl in kleinen Sturzbächen abgeflossen war.

Die unbefestigten Wege, die wir bislang unter die Stollenreifen genommen hatten, waren ein Zuckerschlecken gegen die gut 20 Kilometer lange Piste, die es nun zu bewältigen galt. Kaum hatten wir die Baumgrenze überwunden und wollten die herrliche Aussicht ins Tal genießen, zog ein Gewitter auf. Langanhaltendes Donnergrollen hallte durch die Berge und heftiger Regen setze ein. Und wir mitten drin!

Glücklicherweise war die Passhöhe bald erreicht. Bergab war der Weg dann relativ gut befestigt, auch wenn vom Untergrund stellenweise kaum mehr etwas zu erkennen war. Zentimeter hoch schoss das Regenwasser über die steile Piste zu Tal, so dass man manchmal das Gefühl hatte, mitten im Bachbett zu fahren.

Als wir den Asphalt wieder erreicht hatten war klar: wir fahren jetzt auf direktem Weg zurück ins Hotel. Über den Passo di Pedril ging´s von Slowenien nach Italien, gut 20 Minuten hatten wir Österreich erreicht – und es regnete noch immer.

Kurz hinter der Grenze legten wir einen Tank- und Kaffeestopp ein; eine gute Entscheidung, denn plötzlich riss der Himmel auf und die Sonne schien! Nicht zu fassen, aber wahr. Vom direktem Weg zurück ins Hotel war fortan keine Rede mehr

Über die Windische Höhe fuhren wir Richtung Millstädter See und dann hoch zur Kohlmeier-Hütte; einer kleinen, wirklich idyllischen Alm, die nur auf einem unbefestigten Waldweg zu erreichen war. Auf der Terrasse sitzend, gönnten wir uns statt eines Kuchens ein deftiges Brot mit Spiegelei und Wildschweinschinken. Enduro fahren kann doch so schön sein, auch wenn es des vormittags mal regnen sollte.

Über winzig kleine Straßen führte uns Christian schließlich zum Katschberg, von da aus war es nicht mehr weit bis ins Hotel Solaria in Obertauern. Morgen wollen wir noch mal eine Runde Enduro in Österreich fahren. Um halb zehn geht´s los.

Unerschrockene Endurofahrer

Auch bei Regen hatten wir unseren Spaß

Es gibt kein schlechtes Wetter

Ausnahmsweise sollte der Wetterbericht mal recht behalten: Ein Tiefdruckgebiet zieht über Slowenien und hatte in der Nacht auch Idrsko erreicht. Während wir noch genüsslich beim Frühstück saßen, prasselte draußen der Regen – mal mehr, mal weniger heftig – auf die Straße. Aber deswegen nicht Enduro fahren? Kommt garnicht in Frage!

Zumal sich Claudio angekündigt hatte. Ein italienischer KTM-Fahrer, den Christian erst vor kurzem kennengelernt hatte, und der in Slowenien ein kleines Wochenendhäuschen besaß. Als er erfahren hatte, dass wir ganz in der Nähe Enduro fahren wollten, ließ er es sich nicht nehmen, uns seine Lieblingsstrecken zu zeigen.

Ein Glücksgriff! Von unserer Pension aus fuhren wir zunächst auf schönen kleinen Straßen Richtung Tolmin. Kurz hinter Most na Soci dann der erste unbefestigte Weg, der nahezu parallel zur Idrjica, einem Zufluss der Soca, verlief.

Hinter Dolenja Trebusa verließen wir dann endgültig den Asphalt, den wir auf den nächsten 70 Kilometern so gut wie nicht mehr unter die Räder bekommen sollten. Auf durchweg unbefestigten Wegen schraubten wir uns durchs Gebirge und erreichten dabei Höhen von mehr als 1200 Metern.

Wenn die Wolken nicht so tief gehangen hätten, die Aussicht wäre stellenweise sicher fantastisch gewesen. So aber konzentrierten wir uns auf die vor uns liegenden Waldwege und vergaßen darüber, dass es eigentlich permanent am regnen war. Das hatte durchaus auch so seinen Vorteil: es staubte wenigstens nicht so.

In Crni Vrh fanden wir zur Mittagszeit ein nettes Gasthaus, in dem wir uns mit einer riesigen Portion Nudeln stärkten. Dann ging’s auf der Straße zurück in unsere Pension, wo wir uns auf der Terrasse noch einen Cappucino gönnten.

Trotz des Regens war’s eine tolle Tour. Wir müssten unbedingt noch mal wiederkommen, wenn die Sonne scheint, er würde noch viel mehr unbefestigte Wege kennen, meinte Claudio. Machen wir gerne, vielleicht schon im nächsten Jahr …

Kaffeepause

Kurze Stärkung vor dem nächsten Schotterweg

Kein Schotter mehr am Zoncolan

Ein Versuch war es wert. Nachdem wir vor Jahren auf der alten Strecke hoch zum Monte Zoncolan viel Spaß in knietiefem Schotter gehabt haben, wollten wir jetzt einmal schauen, ob die alte Trasse für ambitionierte Endurofahrer immer noch einen Abstecher lohnt. Sie tut es nicht, es sei denn, man mag kleine, kaum Auto breite Wege, die sich in engen Kurven durch den Wald schlängeln – das aber durchweg asphaltiert. Schade.

Dafür war die Auffahrt zur Straninger Alm, wo wir heute unsere Mittagsrast einlegten, umso schöner. Kilometerlang zog sich der Schotterweg den Berg hinauf; für Christian, der als Ortskundiger vorneweg fuhr, war es eine Freude, mit durchdrehendem Hinterrad immer wieder eine Spur in den Boden zu fräsen, die uns die Richtung weisen sollte …

In Italien war kurz vor Tolmezzo der Einstieg in die alte, im Verfall begriffene Straße parallel zur Autobahn schnell gefunden. Ein kurzer Stopp oberhalb des Flusslaufs animierte Christian, auf seiner KTM einen schmalen Weg hinunter zu den reißenden Fluten unter die Stollenreifen seiner KTM zu nehmen. Was tut man nicht alles für ein tolles Video.

Der Abstecher erwies sich als schweißtreibendes Unterfangen, hatte sich die 990er doch an einer Stelle regelrecht festgefahren. Andreas und Stefan eilten selbstlos zur Hilfe, so dass wir unsere Fahrt bald fortsetzen konnten.

Gegen halb sieben erreichten wir die Pension Jazbec in Idrsko und gönnten uns erst einmal ein leckeres Feierabendbier auf der Terrasse. Morgen wollen wir unter anderem hoch zum Stol fahren. Mal sehen, was der Tag sonst noch so bringen wird. Bis jetzt war alles mehr als prima.

Fantastische Aussicht

Brotzeit auf der Sauschneideralm

Kalt aber trocken

6 Grad zeigte das Thermometer, als wir am Morgen von Obertauern aus Richtung Mauterndorf aufbrachen. Schon in der Nacht hatte es aufgehört zu regnen; des morgens um 7 Uhr lugte bereits die Sonne durch die Wolken. Trotzdem war die Entscheidung, noch ein Fleece anzuziehen nicht die falsche.

Nach ein paar Kilometern kurvenreicher Straße zweigten wir in den Leobengraben ab, eine schöne Schotterpassage, die uns direkt zur Nockalm führt. In der Tangenerhütte, zu der ebenfalls nur ein unbefestigter Weg führt, machten wir die erste Pause. Christian und Erika gönnten sich dort einen Reindling, ein „Weizenmehl-Hefe-Zopf“, gefüllt mit Zucker, Zimt, Wallnüssen und Rosinen – lecker!

Die Mittagspause legten wir am Hochrindl ein, nachdem wir zuvor auf einem kleinen Schotterweg noch einen Abstecher zum alten ehemaligen „Alpenbad Sankt Leonard“ unternommen hatten. Zum Kaffeestopp am Nachmittag steuerten wir die „Sauschneider-Alm“ ein, von deren Terrasse sich ein herrlicher Blick ins Tal bot. Und: hier gab es unheimlich leckeren Heidelbeer-Kaiserschmarrn! Kurz vor Abendessen nicht unbedingt nötig, aber sehr verlockend.

Kurz vor 18 Uhr waren wir zurück im Hotel Solaria; wenn auch nicht durchgefroren, war die heiße Dusche doch eine Wohltat. Morgen geht´s für zwei Nächte nach Slowenien. Mal sehen, welche Schmankerl Christian dort für uns parat hat.