Monatsarchiv: August 2009

Sehenswertes Kaunas

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Mittwoch, 12. August 2009 | 7. Tag

Der Regen hat sich verzogen, vom Hotelzimmer aus lässt sich ein Blick auf die Memel werfen, die direkt an Jurbarkas vorbeifließt und nur wenige Kilometer vor der Stadt die Grenze zu Russland bildet. Wir folgen, nach einem opulenten Frühstück, dem Flußlauf Richtung Osten und erreichen bald darauf Kaunas, die einstige Hauptstadt von Litauen.

Unser Ziel ist die sehenswerte Altstadt, in der sich viele schmuck renovierte Häuser und zahlreiche Kirchen finden. Gemütlich bummeln wir durch die engen Gassen und finden nahe des Rathauses ein nettes Lokal, in dem wir eine kleine Mittagsrast einlegen.

Auf der Rückfahrt werden wir fast von einem heftigen Regenschauer erwischt. Doch wir können uns gerade noch in eine nahegelegene Tankstelle retten. Nach einer Tasse Kaffee scheint die Sonne wieder. Wenig später sind wir im Hotel – und Stefan nutzt die Gelegenheit, das angeschmorte Kabel zum Anlasser wieder einzuziehen. Der muckt zwar ein wenig, ist doch das Gehäuse reichlich in Mitleidenschaft gezogen, aber er funktioniert letztlich. Klasse!

Uwe, bei Dir brennt was

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Dienstag, 11. August 2009 | 6. Tag

Auf einmal war Helmut neben mir. „Bei Dir brennt was“, ruft er mir zu, „da qualmt’s ganz heftig unterm Tank“. Schnell rechts ran und tatsächlich, irgendein Kabel scheint ordentlich zu schmoren.

Das hat gerade noch gefehlt: 15 Kilometer vor der Zufahrt zur Kurischen Nehrung und 65 Kilometer bevor wir mit der Grenze zu Litauen wieder Europa erreichen, mit einem kaputten Motorrad im russischen Kaliningrad liegen bleiben! Mit einem Visum, das um 24 Uhr ungültig wird.

Aber glücklicherweise sind ja Stefan und Dieter dabei. Schnell sind Tank, Sitzbank und Motordeckel demontiert. Sofort wird klar, was Ursache der dramatischen Rauchentwicklung war: Ein Kabel am neu eingebauten Anlasser war wohl nicht richtig verlegt. Irgendetwas scheuerte durch und darauf hin fing’s an zu kokeln. Noch ein wenig länger und mir wäre wahrscheinlich die ganze Maschine abgebrannt. Mal sehen was die Werkstatt, die BMW-Niederlassung in Frankfurt, dazu sagt. Dort wird man wahrscheinlich jede Verantwortung von sich weisen.

Die beiden Elektrikspezialisten hatten das Problem schnell im Griff: Das Kabel klemmen wir ab, das brauchen wir nicht mehr und hier legen wir einfach ein neues – nach 20 Minuten Schrauberei am Straßenrand lief die BMW zwar nur, wenn sie angeschoben wurde, aber sie lief!

Den Passierschein für die Kurische Nehrung hatten wir schon vorab besorgt, so dass am Sperrposten nur ein kurzer Halt von Nöten war. Die erste Kaffeepause legten wir im ehemaligen Rositten ein, dann wollten wir zur Grenze, weil das schon für den Morgen angekündigte schlechte Wetter unaufhaltsam näher zog.

Der Grenzübertritt von Kaliningrad nach Litauen verlief völlig problemlos; bald darauf waren wir auch in Nidden und hatten nach einigem Suchen den Sommerwohnsitz von Thomas Mann gefunden. Ein wirklich idyllisches Fleckchen inmitten der Kurischen Nehrung.

Dann kam der Regen. Zunächst einmal 40 Kilometer lang bis zur Fähre ans Festland. An der langen Autoschlange Richtung Kleipeda mogelten wir uns elegant vorbei, dann lagen nach 150 Kilometer Strecke vor uns – mit Regen, Regen, Regen ….

Kurz nach sieben waren wir in Jurbarkas und fanden uns in einem Hotel wieder, dem man seine sozialistische Vergangenheit immer noch ansah. Dafür entschädigte uns die Küche, in der eine sehr nette Köchin werkelte, die alles daran setzte uns satt zu bekommen – was ihr auch vortrefflich gelang.

Morgen wollen wir einen Abstecher in die sehenswerte Altstadt von Kaunus unternehmen und dann geht es weiter nach Masuren.

Angekommen in Kaliningrad

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Montag, 10. August 2009 | 5. Tag

Wir sind da, im Oblast Kaliningrad. Und all die Vorhersagen, die uns Böses weismachen wollten, haben sich als unwahr erwiesen.

Nach dem Start, des morgens um 9 Uhr, sind wir über die „Elblinger Berge“ nach Frombork gefahren, um an der Kirche, in der einst Kopernikus das Weltbild relativierte, ein Foto zu machen. 20 Minuten später standen wir am Grenzübergang nach Kaliningrad.

Am ersten Posten musste nur die Meldebescheinigung ausgefüllt werden. Dann ging es in Vierer-Grüppchen zum Zoll. Hier galt es die Zollerklärung akribisch genau auszufüllen. Ein Schreibfehler und es gab einen neuen Zettel. Die Erklärung musste dann, nebst Reisepass und Fahrzeugpapieren, am Zoll abgegeben werden. Alle relevanten Daten wurden im Computer erfasst – und dann gab es ein offizielles Einreisedokument. Bei 20 Motorradfahrern dauerte das natürlich so seine Zeit, aber nach gut 3 Stunden waren wir durch.

In Sichtweise des Hafens von Kaliningrad legten wir noch ein kleines Kaffeepäuschen ein, um dann – mitten im Berufsverkehr – die Stadt zu durchqueren. Zweispurig quälten sich Auto an Auto durch die breiten Alleen und Paradestraßen, hielten immer wieder Busse den Verkehrsfluß auf. Hier mußten wir Nerven zeigen, wobei viele Autofahrer Platz machten und Passanten am Straßenrand häufig fröhlich winkten.

Durchs Braunschweiger Tor fahrend, erreichten wir bald das Zentrum von Kaliningrad. Rechter Hand die alte Börse und dann die Kant-Insel mit dem Dom – einem der wenigen noch erhaltenen Bauwerke aus der Zeit vor dem Krieg. Doch in Sichtweise anhalten war unmöglich: dicke Betonbarrieren versperrten die Zufahrt zum Bürgersteig.

Also rechts ab, von der Hauptroute abweichen, erst einmal in die falsche Richtung fahren, weil anderes nicht möglich ist und dann bei nächster Gelegenheit wenden. Wieder zurück, scharf rechts und dann ist da auch schon der Dom, an dem Imanuel Kant begraben liegt.

Nach einem ausgiebigen Spaziergang um das zwischenzeitlich renovierte, historische Bauwerk, stürzen wir uns wieder ins Verkehrsgetümmel und erreichen gegen 19 Uhr das Hotel in Svetlogorsk. Da in Russland die Uhren anders gehen, ist es hier schon 20 Uhr.

Nach dem verspäteten Abendessen sitzen wir noch ein wenig an der Bar zusammen. Morgen klingelt der Wecker für unsere innere Uhr eine Stunde früher, dann geht es über die Kurische Nehrung nach Litauen.

Auf den Spuren des Deutschen Ordens

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Sonntag, 9. August 2009 | 4. Tag

Drei Stunden wandelten wir am Sonntagmorgen auf den Spuren des Deutschen Ordens. Soviel Zeit benötigte Katharina, unsere nette und sehr kompetente Führerin, um uns durch die Marienburg zu führen und dabei in die Geheimnisse des einst mächtigen Ritterordens einzuweihen. Treppauf, treppab, durch enge Gänge und schmale Stiegen, wurden wir durch das historische Gemäuer geführt. Das war anstrengend, aber doch zugleich auch hochinteressant.

Gegen 14 Uhr standen wir im Burggraben und ließen diesen geschichtsträchtigen Ort hinter uns. Nach einer kleinen Stärkung ging es dann weiter zum Oberländischen Kanal – auf vorwiegend kleinen, holprigen Straßen, die wieder einmal die Stoßdämpfer unserer Motorräder forderten.

Am der letzten der fünf Steigungsstrecken saßen wir dann bei Kaffee und Kuchen in der Sonne zusammen und ließen das bisher Erlebte Revue passieren. Gelegentlich fingen die großen Riemenscheiben an, sich im Wasser zu drehen; untrügliches Zeichen dafür, das wieder ein Schiff die schiefe Ebene hinauffuhr.

Zurück zum Hotel ging es auf breiter Bundesstraße, heute wollten wir noch vor 18 Uhr ein kleines „Feierabendbier“ trinken. Am Ortseingang von Elblag ging es durch einen Kreisel, der den Namen „Kaliningrader Rondell“ trug – genau dahin, ins alte Königsberg, wird uns unsere Route morgen führen.

Mal sehen, wie lange wir an der Grenze stehen werden, bis wir in den „Oblast“ hineinfahren dürfen. Ziel ist zunächst Svetlogorsk – das einstige Rauschen – ein alter Kurort, direkt am Meer gelegen.

Durch die kaschubischen Berge

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Samstag, 8. August 2009 | 3. Tag

Der Abschied fiel schon ein wenig schwer. Im Schloßhotel „zu“ Krag hatte es uns gut gefallen. Doch wir wollten weiter, war unser nàchstes Ziel doch Elblag, nahe Danzig.

Nach einer kleinen Kaffeepause in Bütow hatten wir die „Kaschubische Schweiz“ erreicht, die Heimat der Kaschuben, die in Polen ihre Sprache und ihr Brauchtum pflegen. Nahe Chmelno trafen sich an einem kleinen See alle drei Gruppen zum Mittagessen. Nach und nach ging es dann weiter, nach Gniew, zur ersten Burg des Deutschen Ordens auf dieser Tour.

Zunächst legten wir aber noch einen kurzen Stopp in Pelplin ein. Hier hatte einst Johannes Paul der II. gepredigt; ein großes Kreuz vor den Toren der Stadt erinnert noch heute an dieses Ereignis. Kaum hatten wir unsere Motorräder auf dem Parkplatz abgestellt, kam ein junges polnisches Brautpaar und fragte, ob es sich auf unseren Maschinen fotografieren lassen dürfe – na klar!

In Gniew besuchten wir die Ordensburg, die einst Sitz der Komture des Deutschen Ordens und der polnischen Könige war. Direkt an der Weichsel gelegen, zählte sie zu einem der wichtigsten Kontrollpunke in der Region.

Noch ein kleiner Kaffee in der Altstadt und dann lagen die letzten 70 Kilometer vor uns. Da die Treidelfähre wegen Niedrigwasser nicht fuhr, ging es über die Bundesstraße 1 zur 22. Ob diese nach Elblag führende Bundesstraße einst die bis nach Königsberg reichende Reichsstraße war? Breite und Kopfsteinpflasterung lassen das vermuten.

In und um Marienburg dann der übliche Stau. Es ist schon spät, aber das Abendlicht ist gerade so herrlich, dass es eine Schande wäre, nicht für einen kurzen Fotostopp an der Burg zu halten. Kurz nach sieben sind wir im Hotel. Die Zeit reicht noch für ein kleines Bier, bevor es zum duschen und dann zum Essen geht. Schön war’s heute wieder gewesen.

Ein toller Auftakt

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Freitag, 7. August 2009 | 2. Tag

Natürlich sind wir am ersten Fahrtag nicht pünktlich um 9 Uhr weggekommen. Es war gegen halb zehn, als sich die erste Gruppe Richtung Polen auf den Weg machte. Eine halbe Stunde später war die Grenze zum Nachbarland erreicht. Vornehmlich auf kleinen Nebenstraßen fuhren wir immer Richtung Osten. Mancher Weg war kaum autobreit, häufig rumpelten wir in den Dörfern über Kopfsteinpflaster, das die Federwege doch arg strapazierte. Stellenweise wuchs schon ein wenig Gras auf der Fahrbahn – da es aber trocken und sonnig war, ließen sich auch diese Streckenabschnitte gut fahren.

Nach einer idyllischen Mittagspause am See lagen noch gut drei Stunden Fahrzeit vor uns. Auf die eigentlich obligatorische Kaffeepause am Nachmittag verzichteten wir zugunsten eines frühen, kühlen Biers auf der Sonnenterrasse des gebuchten Schloßhotels. Georg war mit seiner Gruppe schon da, Dieter kam etwas später, hatte er doch noch einen Abstecher an die Ostsee unternommen.

Morgen fahren wir nach Elblag, vorbei an der Marienburg, der wir am Sonntag einen ausgiebigen Besuch abstatten wollen. Und am Montag geht’s dann nach Kaliningrad.

Das Abenteuer beginnt

TOURBERICHT KALININGRAD – LITAUEN – MASUREN
Donnerstag, 6. August 2009 | 1. Tag

Um 6 Uhr klingelte der Wecker, um kurz nach 7 Uhr ging es auch schon los. Früh wollte ich mich auf den Weg machen, um für alle Eventualitäten gewappnet zu sein. Gut 700 Kilometer lagen vor mir. In Angermünde, nahe der Grenze zu Polen, wollten wir uns treffen.

Auf der A5 lief’s völlig staufrei, dann die Entscheidung: weiter über die A7 oder über die A4? Der Bauch sagt A7, das Navi A4 – also rechts ab über Eisenach, Erfurt und Jena und dann auf die A9, vorbei an Leipzig und Halle. Der Verkehr läuft schön flüssig, kein Stau bremst den Drang, das heutige Ziel möglichst schnell zu erreichen.

Kurz nach 16 Uhr bin ich da; bis zum Abendessen sind fast alle Teilnehmer eingetroffen. Zwei würden sich verspäten – gegen 22 Uhr aber war die Gruppe komplett. Morgen fahren wir nach Polen, in zwei Etappen bis Elblag, und dann weiter nach Kaliningrad. Da beginnt dann wohl das Abenteuer.