Ein Tourentag im Nahetal

Die letzte vhs-Tagestour in diesem Jahr. Ganz kurzfristig ins Programm genommen, haben sich letztlich doch elf Motorradfahrer zusammengefunden, um mit uns durchs Nahetal zu fahren.

Von Heidenfahrt aus geht es zunächst nach Bingen. Da, wo die Nahe in den Rhein fließt, queren wir den Fluß das erste Mal. Gut 125 Kilometer weiter im Nordenosten, im saarländischen Selbach, liegt die Quelle. So weit wollen wir heute nicht fahren.

Bad Kreuznach und Münster-Sarmsheim, gelegen am „Tor zur Naheweinstraße“, sind die ersten Orte, die an unserer Roure liegen. Die Nahe, die mal links, mal rechts der Straße liegt, sehen wir nur, wenn wir ihren mäandernden Lauf auf einer Brücke queren.

Die erste Kaffeepause legen wir im malerischen Meisenhein ein. Zuvor galt es „Schwerstarbeit“ zu leisten: nach einem kurzen Unterwegsstopp wollte eine K nicht mehr anspringen. Batterie platt – das Ende der Saison lässt grüßen. Also anschieben, zweiter Gang und los – hat funktioniert.

Auf Nebenwegen geht es hinauf auf den Donnersberg. Zuvor müssen wir in Falkenstein noch eine 25 Prozent steile Straße „bezwingen“; wenig später stehen wir am Abzweig zum „Mont Tonnere“, wie die höchste Erhebung im Pfälzer Bergland im Französischen heißt.

Gut drei Kilometer lang windet sich das kurvenreiche Sträßchen hinauf auf 687 Meter. Sehen tun wir so gut wie nichts – die Wolken hängen tief, wir fahren durch eine dicke Nebelsuppe.

Im Waldhaus, wo wir unsere Mittagsrast einlegen, bollert der Kaminofen, zudem bietet die Speisekarte so manche lukullische Köstlichkeit.

Solchermaßen gestärkt machen wir uns auf den Rückweg. Nach einer Runde um den Donnersberg erreichen wir Ruppertsecken, das mit  498,5 Meter höchstgelegene Dorf der Pfalz. 1401 erstmals in einer Urkunde von König Ruprecht erwähnt, war der Ort von 1816 bis 1945 bayerisch.

Kurz nach 16 Uhr rollen wir vor dem „Zollamt“ in Bingen aus. Draußen auf der Terrasse – mit Blick auf Rhein und Niederwalddenkmal – genießen wir noch einmal Kaffee und Kuchen. Länger als sonst dauert diese Pause. Denn jetzt ist Schluss. Mit den vhs-Touren gehen wir in die Winterpause. Aber: die Planungen für die nächste Saison sind fast abgeschlossen. Spätestens im Frühjahr 2016 sehen wir uns wieder.

Dicke Suppe am Donnersberg. Auf fast 700 Metern wars reichlich neblig.

45 – 90 – 45

Nein, das sind keine Idealmaße. 45 – 90 – 45 sähe auch irgendwie merkwürdig aus, oder? 45 – 90 – 45, dass ist der „Express-Zuschlag“, den einige unserer Teilnehmer zahlen dürfen. Auf dem Weg vom Galibier nach Bardonecchia war der Eine oder Andere wohl etwas schneller als die erlaubten 90 km/h unterwegs. Und so flatterte dieser Tage eine Zahlungsaufforderung ins Haus.

45 Euro bei einer Überschreitung um 10 Prozent, wer noch etwas schneller war, der sollte 90 Euro zahlen. Entsprechend einer europäischen Übereinkunft werden Bußgelder für Verkehrsverstöße im Ausland nun auch bei uns eingetrieben.

Zahlbar sofort, wer zögert, für den wird’s teurer. Am Ende können mehr als 200 Euro zusammenkommen. Also gleich überweisen. Oder lieber doch erst mal einen juristischen Rat einholen?

Der ADAC-Vertragsanwalt meinte, die Zahlungsaufforderung sei wohl berechtigt. Allerdings kenne er keinen Fall, in dem die Summe tatsächlich eingetrieben worden sei, wenn nicht überwiesen worden wäre. Das müsse aber nichts heißen. Und bei der nächsten Verkehrskontrolle in Frankreich würde es dann richtig teuer. Alle Angaben, wie immer, ohne Gewähr.

Die meisten haben zwischenzeitlich überwiesen. Scheint auch vernünftig. Auch wenn sich von den Betroffenen niemand so genau erinnern kann, die Geschwindigkeitsbegrenzung nicht eingehalten zu haben 😉

Da war Klaus vor Jahren ehrlicher. Auf dem Weg von der Franche-Comté nach Hause war er mit 90 geblitzt worden, wo nur 70 erlaubt waren – allerdings nur von vorne. Darauf angesprochen hatte er eine überzeugende Begründung parat: „Ich musste doch pünktlich zum Geburtstagskaffee bei meiner Schwester sein, da hatte ich für 70 keine Zeit“. So kann man das auch sehen …

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Kurz vor Gipfel des Galibier. Und als wir wieder im Tal waren, setzte ein „Blitz-Gewitter“ ein. Regeln – auch die im Straßenverkehr – sollten schließlich eingehalten werden 😉

Das Wetter wird

Am Samstag werden wir zur letzen Tagestour in diesem Jahr aufbrechen, die wir für die vhs Main-Taunus organisieren. Das Nahe-Tal ist das Ziel. Bis zur Mittagszeit wollen wir dem Lauf der Nahe, die dem Tal den Namen gab, folgen – kurvenreich, versteht sich.

„Wendepunkt“ wird der Donnersberg sein, von da geht es wieder zurück Richtung Bingen, wo wir am späten Nachmittag – mit Blick auf den Rhein – diese abwechslungsreiche Tagestour ausklingen lassen wollen.

Der Wetterbericht verspricht, dass es trocken bleibt – und auch die Temperaturen werden wohl recht angenehm sein. Noch ist Gelegenheit, sich spontan anzumelden. Mehr Infos gibt es auf der Homepage der vhs, zu der dieser Link führt.

Vom 15. bis 18.10.2015 haben wir dann noch mal ein langes Wochenende im Programm. Vom Saarland aus wollen wir zu kurzweiligen Tagestouren nach Luxemburg und ins Elsass starten. Ein Zimmer hätten wir bei Interesse noch frei. Schreib einfach eine Mail an kurvenfieber@mac.com

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Und tschüss! Mit einer Tagestour ins Nahetal beenden wir am Samstag das Tourenprogramm 2015 für die vhs. Nächstes Jahr starten wir dann zu neuen Reisen.

Jetzt auch ein 7er-Inbus

Die „Werkzeugkiste“ im Ducato ist schon gut gefüllt. Und doch kommt auf fast jeder Tour, bei der der Begleitbus dabei ist, ein Werkzeug dazu. Neueste Errungenschaft: ein 7er-Inbus.

Wer braucht einen 7er-Inbus? KTM-Fahrer! Bei unserer Endurowanderung durch Französisch-italienische Grenzgebiet hatte sich an einer der drei mitfahrenden KTMs der Lenker gelockert. Um die entsprechenden Schrauben wieder festzuziehen, bedurfte es eines 7er-Inbus.

Im Werkzeugschrank: alles da, nur kein 7er. Auch in der Werkzeugtasche: nix. 5, 6, 8, 10 – alles da, nur kein 7er. „Den braucht normalerweise auch kein Mensch“, sagt Harald, der als Schlosser arbeitet.

Jetzt haben wir einen – und werden ihn wahrscheinlich nie wieder brauchen 😉

Übrigens: das Ding heißt Inbus und nicht Imbus. Der Name ist sogar geschützt. „In“ steht für Innensechskant, die Buchstaben „b u s“ stehen hingegen für den Namen des Herstellers: Bauer und Schaurte. Toll, beim Schrauben wieder was gelernt.

Bleibt die Frage: wohin mit dem neuen 7er? Der muss bei Bedarf ja gleich gefunden werden …

Die Fuchskaute ist das Ziel

Es geht in den Westerwald – diesmal mit der vhs Main-Taunus. Eine schöne Tagestour haben wir ausgearbeitet und acht Motorradfahrer wollen mit. Um 9 Uhr geht’s los, diesmal starten wir direkt ab Hofheim.

Auf kleinen Straßen umrunden wir den Feldberg und fahren Richtung Weilburg. Den ersten Kaffeestopp legen wir in Löhnberg im „Landgasthof Bei Kleins“ ein. Drei große Kannen mit dem schwarzen Lebenselexier stehen auf dem Tisch, dazu Cola oder Wasser, wenn gewünscht – macht 30 Euro für zehn Personen und jeder kann trinken, soviel er will. Herrlich unkompliziert geht das.

Kurvenreich setzen wir unsere Fahrt fort. Meist sind wir auf Höhen von 500 Metern unterwegs. Und weil sich die Sonne nicht so recht blicken lassen will, ist es stellenweise doch recht frisch. Wie gut, dass wir am Morgen noch ein Pullöverchen mehr angezogen haben.

Wir „umrunden“ die Fuchskaute – den höchsten Berg im Westerwald. Ein erloschener Vulkan, in dem häufig Füchse ihren Bau getrieben haben sollen; daher der Name. Das Lokal am Gipfel hatte keinen Platz mehr für uns, deshalb hatten wir uns im Vorgeld etwas anderes gesucht und sind im „Gasthaus Zum Talblick“ in Höhn fündig geworden.

Eigentlich öffnet Sabine Zimmer ihr Lokal erst um 17 Uhr, „aber wenn ich weiß, dass Jemand kommt, mache ich auch für zwei Gäste auf“, lässt sie uns telefonisch wissen. Nun, wir sind sogar elf, weil Klaus zum Mittagessen kurz vorbeischaut, um seine Neuerwerbung – eine K 1100 LT – mal ausgiebig Pobe fahren zu können.

Kurvenreich geht es zurück, dabei darf natürlich ein Abstecher durchs Gelbbachtal nicht fehlen, das quasi auf dem Weg legt. Gehen 16 Uhr erreichen wir Berghausen, wo wir im Hotel Berghof in der Bergstraße (wie passend) noch mal ein kleines Päusschen einlegen.

Am Samstag, den 10. Oktober, starten wir zur letzten Tagestour in diesem Jahr. Dann ist das Nahetal unser Ziel. Noch sind ein paar Pläze frei. Mehr Infos gern per Mail unter kurvenfieber@mac.com

Anmeldungen bitte direkt über die vhs Main-Taunus unter: <https://www.vhs-mtk.de/index.php?id=37&kathaupt=11&knr=D0100303&kursname=Motorradtour+ins+Nahetal&gt;

Bei unserer Motorradtour in den Westerwald konnten wir immer wieder tolle Ausblicke genießen

Ein erster Rückblick

Es geht nach Hause. Sieben Tage lang waren wir in den Alpen unterwegs, vorwiegend im französisch-italienischen Grenzgebiet. Mit den Enduros haben wir alle unbefestigten Strecken fahren können, die wir uns vorgenommen hatten – unter anderem die Assietta, die Ligurische und die Maira, die uns ganz besonders beeindruckt hat.

Zum Schluss ging’s noch einmal auf unbefestigten Wegen zum Lac du Mont Cenis. Da waren wir vor Jahren schon mal grandios gescheitert, weil wir den falschen Einstieg gewählt hatten und unsere Enduros nur mit Glück und Mühe wieder zurück auf die eigentliche Piste brachten.

Auch bei unserer aktuellen Tour gab’s Momente mit ordentlich Herzklopfen. Etwa bei der vermeintlichen Abkürzung am Tende-Pass, die uns durch grobes Geröll führte oder die letzten Kilometer auf der Ligurischen, vor dem Abzweig nach La Brique, auf denen es sehr windig und rutschig war.

Ein bisschen Herzrasen aber gehört zu jeder Endurotour. Zum Glück ist nichts passiert. Kein platter Reifen, kein Sturz, kein abgebrochener Kupplungs- oder Bremshebel. Und doch gab’s es unvermeidlichen Verluste: ein gerissener Spritzschutz vorm Stoßdämpfer, ein gebrochener Gepäckträger, zwei losvibrierte Klemmböcke am Lenker und kleiner Riss in der Ölwänne – glücklicherweise am letzten Tag auf dem letzten Schotterpass.

Es hat Spaß gemacht – und die vielen Eindrücke, die wir hoch oben in den Bergen genießen durften, werden uns noch lange in Erinnerung bleiben. Bis zur nächsten Endurowanderung?

Gruppenbild auf der Ligurischen. Nachdem sich der Nebel aufgellöst hatte, war die Aussicht fantastisch.

Mittagsrast an historische Stätte

Noch einmal wollen wir Motorrad fahren, dann geht auch diese Tour zu Ende. Es geht zurück zum Ausgangshotel in Frankreich, mit einem herausfordernden Abstecher für die Endurofahrer am Lac du Mont Cenis.

Doch erst einmal müsste die KTM wieder anspringen. Nach dem morgendlichen Tankstopp in Bardonecchia dreht zwar der Anlasser durch, der Motor aber springt nicht an. Erst als wir eine Autobatterie zu Hilfe nehmen, brummt der Einzylinder wieder.

Wir fahren Richtung Susa und über ein herrlich schmales und kurvenreiches Nebensträsschen Richtung Lac Cenis. Schon bald zweigt links der Straße der unbefestigte Weg ab, der links um den See führt. Bis zur ersten Hochfläche ist alles ganz einfach. Dann beginnt das Abenteuer.

Wir fahren quasi auf der alten „Straße“. Die wurde so gebaut, dass die Steine nicht waagerecht auf sondern senkrecht in den Boden eingebracht wurden. Und so werden Fahrwerk und Fahrer noch einmal ordentlich gefordert. Meter um Meter plagen wir uns zum Lac de Mont Cenis hinauf.

An einer kleinen Senke halten wir inne. Große Felsbrocken liegen wild durcheinander. Irgendwie muss es da ein Durchkommen geben. Die KTMs stehen schon auf der anderen Seite, nach und nach folgen die 650er Suzi, die beiden großen BMWs, die Supertenerée und die kleine Yamaha. Geschafft.

In weiten Bögen gewinnt die anspruchsvolle Trasse weiter an Höhe und führt an zwei Festungen vorbei – die aber nicht angefahren werden dürfen. Als wir schließlich den Stausee erreichen, ist der Rest nur noch „Kindergarten“. Bald darauf haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und machen kurz Pause.

Zum Glück, denn die Yamaha verliert Öl. Bei der Fahrt durch das Geröllfeld hatte der Motorschutz kurz aufgesetzt und hatte dabei wohl eine Steg touchiert, der an der Ölwanne etwa hervorsteht. Ein kleiner Riss war die Folge – und aus dem tropft es nun.

An eine Weiterfahrt zum Hotel ist nicht zu denken, ein Abschleppef muss her, aber natürlich gibt es hier oben in den Bergen keinen Netzempfang. Also fahren wir ganz langsam bis zur Passhöhe, in der Hoffnung, dort wieder telefonieren zu können.

Schnell ist der ADAC informiert, der einen Pannenwagen schickt, um die Yamaha zum Hotel zu fahren. Dort stehen Auto und Anhänger, die Heimfahrt ist also gesichert. Unterdessen sucht Klaus sein Nummerschild, dass bei der letzten wilden Enduropassage wohl einfach abgerissen ist.

Wir nutzen die Zeit für eine kleine Kaffeepause auf der Passhöhe und erhalten eine kostenlose Geschichtsstunde von der Restaurantbesitzerin. Die erzählt uns unter anderem, dass schon Haniball mit seinen Elefanten über diesen Pass gezogen sei, ebenso wie Napoleon. Die Hochzeit königlicher Geschechter sei hier vollzogen worden – und überhaupt sei es doch sehr schade, dass alle heute einfach nur noch über den Cenis fahren und die wenigsten um dessen spannende Geschichte wüssten.

Und während Madame lebhaft erzählt und uns alte Bücher zeigt, fällt ihr Blick auf die zwei Stangen Baguette, die am Gepäckträger einer unserer KTMs klemmen. „Ob wir Picknick machen wollten“ werden wir gefragt – und als wir die Frage bejahen, bedeutet und Madame, das sie nicht dagegen hätte, wenn wir auf ihrer Terrasse essen würden. Danke!

Nach einer ausgiebigen Rast – und nachdem auch das abvibrierte Nummernschild wiedergefunden wurde, erklimmen wir den mehr als 2700 Metef hohen Col de Iseran – eine fantastische Fahrt bei strahlend blauem Himmel und so gut wie keinem Verkehr.

Bei der Zufahrt zum Lac de Roselend geraten wir in einen kräftigen Regenschauer; den ersten seit einer Woche. Noch gut 80 Kilometer sind es noch bis zum Hotel, die wir in einem Stück durchfahren. Kurz vor halb sieben sind wir am Ziel und fahren just in dem Moment auf den Hotelparkplatz, als die lädiere Yamaha vom Abschlepper geladen wird.

Alle sind wohlbehalten angekommen. Jetzt wird verladen und morgen geht’s für die meisten schon wieder nach Hause. Eine schöne und erlebnisreiche Woche geht zu Ende, die auch für die „Straßernfahrer“ mit vielen tollen Eindrücken und herrlichen Passfahrten verbunden war. Bis zum nächsten Mal!

Picknick am Lac du Mont Cenis – Madame sei Dank.

Ein kurzer Schreck am frühen Morgen

Die Sonne lacht vom strahlend blauen Himmel, als wir am frühen Freitagmorgen die Rückreise nach Bardonecchia antreten. Mit dem Col d’Agnel haben wir heute einen Pass im Programm, den wir – weil recht weit abgelegen – nur äußerst selten fahren, was eigentlich sehr schade ist.

Die Gruppen von Stefan und Georg sind bereits aufgebrochen, die Endurofahrer stehen an der nächsten Tanke, da tritt – in dem Augenblick, in dem auch ich starten will – ein finster drein blickender Mann auf Franz-Josef zu (der den Begleitbus fährt) und hält ihm fragend einen Ausweis unter die Nase.

Die personifizierte „Guardia di Finanza“ will von uns den Überweisungsbeleg für die beiden Übernachtungen in Cuneo sehen. Gemeinsam gehen wir an die Rezeption, um das „Problem“ zu lösen. Während Gabriella die geforderten Unterlagen heraus sucht, entnehmen wir dem aufgeregten Stimmengewirr Wortfetzen wie „25 Zimmer“, „zwei Nächte“, „Geld wurde überwiesen“, „Getränke hat jeder selber bezahlt“.

Die Finanzpolizei ist es zufrieden und lässt uns fahren – was für ein Schreck am frühen Morgen.

Als erstes steuern wir heute das Maira-Tal an. Statt auf der breiten S 21 gen Norwesten zu fahren, nehmen wir die parallel verlaufende SP XX und erreichen schon bald Höhen von deutlich mehr als 2000 Metern. Wie ein Lindwurm schlängelt sich die schmale Asphalttrasse hoch zum 2447 Meter hohen Vallonetto-Pass; kurz darauf erreichen wir den Einstieg in die „Maira-Stura“.

Die unbefestigte Trasse windet sich durch eine unglaublich beeindruckende Landschaft. Müssten wir nicht abends wieder in Bardonecchia sein, wir hätten alle paar Meter zum Fotographieren anhalten können. Diese Strecke – ist bei einem Prachtwetter wie heute – ein Traum für jeden Endurofahrer.

In Preit gönnen wir uns eine kleine Mittagspause und stärken uns mit einer ordentlichen Portion Spaghetti. Anschließend geht es auf rumpeliger Strecke hoch zum Sampeyre-Pass. Hier, in 2284 Metern Höhe finden wir den Einstieg in das letzte Stück Schotter des Tages: die Varaita. Gut 25 Kilometer rumpeln wir das „Kammsträsschen“ entlang, bis wir wieder Asphalt unter den Rädern haben.

Gut 150 Kilometer Wegstrecke und drei Pässe liegen noch vor uns: der Agnel, die Izoard und der Echelle. Punkt sieben biegen wir auf den Hotelparkplatz ab, um acht gibt’s Essen.

Und während wir uns an unserer Lasagne laben, betreten plötzlich zwei Polizeibeamte – in vollem Ornat – den Gastraum und mustern uns kritisch. Fast jedem fallen da alle Süden des heutigen Tages ein. Doch die Jungs wollen nichts von uns. Sie hatten nur Hunger und eine Pizza bestellt …

Morgen wartet die letzte Tagesetappen auf uns. Vor beim am Lac Cenis und über den Iseran geht es zurück zum Ausgangshotel.

Faszinierende Eindrücke von der Maira-Stura.

Dienstags geschlossen

Die Ligurische Grenzkammstraße, kurz LGK, ist heute das Ziel der „Enduristi“, während es auf dem Asphalt zum Col de Turini geht. Kurz nach 9 Uhr geht es los. Über das große Viadukt fahren wir nach Cuneo und dann weiter Richtung Borgo San Dalmezzo.

Der Einstieg in die Ligurische, kurz vorm dem Tenda-Tunnel, ist schnell gefunden. Kehrenreich gewinnen wir, noch auf Asphalt fahrend, schnell an Höhe. Kurz vor dem Tenda-Pass beginnt der Schotter. Wir halten kurz, um die Kameras einzuschalten, und stellen fest, dass die Zufahrt zur LGK jetzt über den schmalen Weg linker Hand erfolgt. Eine große Tafel weist auf die Maut hin, die jetzt zu zahlen ist, darauf, dass die Zufahrt nur bis 16 Uhr erfolgen kann und dass die Ligurische Dienstags geschlossen ist, also nicht befahren werden darf. So viele Regeln – und dass in Italien.

Noch ist der Himmel strahlend blau. Aber hier oben weht ein scharfer Wind und der treibt dichte Wolken, mit rasender Geschwindigkeit, direkt auf den Kamm zu. Keine guten Aussichten.

Wie angekündigt, stehen wir vier Kilometer später am Mauthäuschen. 10 Euro zahlen wir pro Motorrad. Dafür gibt’s einen Zettel, auf dem Datum und Kennzeichen notiert sind – und der unterwegs kontrolliert wird.

Mit jedem Meter, den wir in Höhe gewinnen, wird der Wind heftiger und die Sicht schlechter. Bald fahren wir in einer dichten Nebelsuppe umher und können den Verlauf des Weges nur erahnen. Wenn das die ganze Zeit so bleibt, werden wir deutlich mehr Zeit als geplant brauchen.

Aber wir haben Glück. Schon bald reißt der Himmel auf und wir genießen fantastische Fernblicke auf eine mehr als imposante Landschaft. Nach ein paar Kilometern halten wir an einem Refugio. Kaffee trinken oder weiterfahren? Die Mehrheit ist fürs Fahren. Und doch sollten wir noch zum Kaffeestopp kommen.

Fünf Kehren weiter geht gar nichts mehr: eine Kuhherde wird zu einem neuen Weideplatz getrieben. Und damit ja kein Motorradfahrer auf den Gedanken kommen könnte, sich an den Rindviechern vorbei zu mogeln, fährt hinten eine alter Lieferwagen, der die gesamte Fahrban blockiert. Eine Stunde würden sie brauchen, sagt einer der „Aufpasser“; also zurück zum Refugio und doch eine Kaffeepause eingelegt.

Gegen 13 Uhr stehen wir dann an einer Weggabelung, die uns eine Entscheidung abverlangt. Eigentlich wollten wir links abbiegen, um wieder ein Stück Asphalt unter die Räder zu nehmen. Die Abfahrt nach La Brique wären wir dann von Süden aus angegangen. Doch diese Schleife kostet zuviel Zeit.

Also bleiben wir auf der LGK, wohl wissend, dass nun der schwierigere Teil beginnt. Und in der Tat: tiefer Schotter, glatte Steine, ein immer wiede morastiger und damit sehr rutschiger Untergrund fordern uns schon heraus. Dazu kommt der wieder sehr böhige Wind, so das wir manchmal ernsthaft fürchten, vom Motorrad geweht zu werden.

Doch auch dieses Abenteuer bestehen wir mit Bravour und haben am späten Nachmittag erstmals wieder Asphalt unter den Rädern. In einer kleinen Bar in St-Dalmas-de-Tende beraten wir bei einem Cafe creme, wie es weitergeht. Trotz dunkler Wolken am Himmel beschließen wir, auch noch die Südrampe der LGK unter die Stollenreifen zu nehmen, wählen die Zufahrt aber über die D91.

Die Baisse de Peyrefique ist das Ziel, von da aus wollen wir hoch zum Tenda-Pass und dann wieder zurück ins Hotel. Auf halber Strecke lädt ein kleiner Abzweig dazu ein, ein paar Kilometer abzukürzen. Ein böser Fehler, wie sich bald herausstellen sollte.

Schon bald verliert sich der feste Unterbau und wir bewegen uns nur noch auf Geröll. Traktion ist Glücksache, häufig stehen die Maschinen quer und lassen sich nur mit vereinten Kräften vorwärts bewegen. Ein üble Schinderei, die viel Kraft und Kondition fordert. Über eine Stunde brauchen wir für die letzten drei Kehren und zwei Kilometer Wegstrecke. Und so sind wir auch erst kurz vor 20 Uhr im Hotel – gerade richtig zum Abendessen.

Bei aller Plackerei – es war wieder ein toller Tag. Morgen treten wir so langsam die Heimreise an.

Unterwegs auf der Ligurischen Grenzkammstraße.

A dopo- wir sehen uns

Eigentlich hatte die Wetter-App, die von vielen immer wieder gerne aufgerufen wird, für heute Morgen nur bewölkten Himmel gemeldet. Der scheint aber einige Löcher zu haben, so dass es beim Frühstück regnet. Auch als wir gegen 9 Uhr starten sind die Straßen noch reichlich nass. Die Beschwichtigungsversuche, dass es nach dem nächsten Pass schon ganz anders aussehen wird, verfangen wenig.

Doch genau so ist es. Kaum fahren wir auf den Col de l’Echelle zu, hört der Regen auf. Der Himmel bleibt bedeckt, aber die Straßen sind trocken. Wir fahren durch Briancon und halten uns dann grob Richtung Gap. Auf kleinen Nebenstraßen geht es immer gen Süden.

Bei einem kurzen Stopp entdecken wir bei einer der KTMs einen Nagel im Hinterrad – so sieht es zumindest aus. Sofort bietet jeder Unterstützung an: Montiereisen, Pannenspray, Ersatzschlauch, Kompressor – alles ist vorhanden. Wird aber nicht gebraucht, weil der „Übeltäter“ nur eine Krampe war, die sich lediglich in einen dicken Stollen gebohrt hatte. Aufatmen.

Kurz vor der Auffahrt zum Col de Parpaillon treffen wir auch eine Gruppe italienischer Enduristi. Wir begutachten gegenseitig unsere Motorräder, freuen uns, dass wir den gleichen Weg haben und verabschieden uns mit einem freundlichen „a dopo“ – bis gleich.

Die Auffahrt zum Parpaillon ist fast eine Spazierfahrt, ordentlich Schotter und ein paar enge Kehren, aber nichts, was uns ins Schwitzen bringen würde. Dann stehen wir vor dem großen Tunnelportal. Die beiden Stahltore sind weit geöffnet, dahinter ein dunkles, matschiges, mehrere hundert Meter langes Loch, durch das wir jetzt durch müssen.

Zwei Mulistrada-Fahrer aus der Schweiz, unterwegs mit ganz normaler Straßenbereifung (!) muntern uns auf und empfehlen uns, nicht in der Mitte zu fahren. Da sei es doch sehr morastig …

Nett wie wir sind, lassen wir zunächst den Italienern den Vortritt und stürzen uns dann ins Ungewisse. Natürlich ist die Fahrt durch den stockfinstren Tunnel halb so wild, dafür hat es die Abfahrt über die Südrampe in sich: viel Geröll, rutschige Steine, morastiger Untergrund und so manches „Bächlein“, das unseren Weg kreuzt oder der Abfahrt sogar für ein  paar Meter folgt.

Nahe des Fort de Tournoux haben wir wieder Asphalt unter den Rädern und fahren über den Col de Larche wieder nach Italien. Oben auf dem Pass legen wir in einer kleinen Bar noch ein Päusschen und und müssen dann so langsam eine Tanke suchen. Die finden wir auch, haben dann aber wieder so unseren Kampf mit dem Automaten: unsere Kredit- und EC-Karten will er nicht, mit Barem aber funktioniert es.

Leider hängen die Wolken tief in den Bergen, so dass wir den geplanten Abstecher auf schottrigen Wege hoch zu einem alten Fort kurzfristig aus dem Programm nehmen und gleich ins Hotel fahren. So sind wir schon etwas früher als geplant in Cuneo. Vielleicht gar nicht so verkehrt, wollen wir morgen doch die Ligurische unter die Stollenreifen nehmen. Und das wird sicher anstrengend.

Einmal mitten durch den Berg – in. 2645 Metern Höhe.