Auf Regen folgt meist Sonnenschein

TOURBERICHT SARDINIEN
Samstag, 8. Mai 2010 | 2. Tag

Allen Unkenrufen zum Trotz sind wir pünktlich in Alessandria angekommen. Um kurz nach halb acht stehen wir bereits am Terminal und warten darauf, unsere Motorräder abladen zu können. Gerhard, Margrit, Willi und Claudia empfangen uns mit lauten Hallo; sie sind die Strecke in drei Tagen mit dem Motorrad gefahren. Heute Abend im Fährhafen werden wir hoffentlich noch auf Stefan, Hartmut und Wolfgang treffen, dann ist unsere Gruppe komplett.

Eigentlich wollten wir um 9 Uhr starten, doch es tut sich erst mal garnichts. Ein paar italienische Bahnmitarbeiter springen auf den Gleisen umher, doch abgeladen wird noch nichts. Wir üben uns in Geduld und ertragen es mit Fassung, dass zunächst alle Autos und ganz zum Schluss erst die Motorräder den Autoreisezug verlassen dürfen.

In drei Gruppen werden wir die nächsten Tage unterwegs sein. Die sind schon eingeteilt, so dass wir kurz nach halb zehn endlich die Motoren starten können. Noch zwei, drei Kreiseln sind wir raus aus Alessandria. Kein Vergleich zu den früheren Stadtdurchfahrten in Livorno! Da fegten einem die Rollerfahrer nur so um die Ohren und jeder Kreisverkehr wurde zur Bewährungsprobe, angesichts des sportlichen Fahrstils italienischer Autofahrer.

Quer zur Küste wollen wir fahren und dann, oberhalb von Carrara, noch einen Abstecher in den Berge unternehmen. Doch nach gut eineinhalb Stunden Fahrt fängt es an zu regnen. Zeit für eine erste Kaffeepause, die wir in einer kleinen Bar, in einem noch kleineren Örtchen nahe Novi Ligure einnehmen. Anschließend werden erst einmal die Regenkombis ausgepackt und auf Zweckoptimismus gemacht: wird schon werden!

Bis zum Mittag bleibt es erst einmal durchwachsen. Mal regnet es, mal scheint die Sonne, dann werden wir wieder von einem kräftigen Schauer heimgesucht. Als Letzterer so gar nicht aufhören will, „flüchten“ wir in Sestri Levante in eine Pizzaria und legen eine ausgedehnte Mittagspause ein.

Danach scheint es aufklaren zu wollen; da aber in den Bergen noch dichte Wolken hängen, beschließen wir, nun lieber die Küste entlang zu fahren. In La Spezia hoffen wir ein Tankstelle „mit Service“ zu finden, sind uns doch die immer häufiger vorzufindenden Automatentankstellen ein Graus. Mitten in der Stadt finden wir wohl die einzige Tanke mit Bedienung, die wir mit unseren zehn Motorrädern für gut 20 Minuten lahm legen. Dann sind die Spritvorräte aufgefüllt, Hunger und Durst machen sich breit.

Entlang der „Marina di Pietrasanta“, am Fuße der Apuanischen Alpen, rollen wir am Meer entlang – bei strahlendem Sonnenschein und blauem Himmel. Nahe des „Lido di Camaiore“ finden wir eine nette Bar, deren Eis und Kuchenangebot mehr als verlockend ist. Hier lässt es sich aushalten. Wir genießen die angenehmen Temperaturen und gönnen uns am späten Nachmittag mehr als nur einen Espresso.

Gut 50 Kilometer sind es jetzt noch bis zum Fährhafen in Livorno, den wir dank Navi punktgenau treffen. Wir sind gegen 18 Uhr am vereinbarten Treffpunkt, Dieter kommt gut eine Stunde später, und Georg, der mit seiner Gruppe die große Schleife über die Berge gefahren ist, trifft erst gegen 22 Uhr ein. Eine halbe Stunde später ist dann auch die Fähre da.

Unruhe macht sich breit. Die Motorräder dürfen als erste an Bord. Doch noch heißt es warten. Eine kleine Gruppe Schweizer schiebt sich von links in eine gute Startposition. Sehr zum Ärger von drei GS-Fahrern, die wohl den Ehrgeiz hatten, das Schiff als erste „entern“ zu dürfen. Nun kann es nicht mehr lange dauern. Jacke an und Helm auf. Die ersten Motoren laufen schon.

Dann heißt es: go! Und es kam was kommen musste und was immer kommt, wenn Motorradfahrer auf eine italienische Fähre fahren. Einem „Le-Mans-Start“ gleich rasen die ersten Maschinen zu fünft, sechst nebeneinander die Laderampe hinauf. Alle anderen folgen im Pulk dicht hinten dran. Auf der Rampe bemüht sich ein Werftmitarbeiter mit Warnweste verzweifelt Ordnung in das Chaos zu bringen und wenigstens einen Teil der Motorradfahrer wieder zum Halten zu bewegen. Zwischendrin ein paar wildgewordene Rollerfahrer, die schon Mühe haben, die noch recht flache Verladerampe hochzuflutschen … Großes Kino – ehrlich!

Irgendwie sind dann doch alle – nach und nach – an Bord gekommen. Über das Chaos bei der Vergabe der gebuchten Kabinen hüllen wir hier lieber den Mantel des Schweigens; am Ende saßen wir alle zufrieden (und zumeist auch geduscht) an der Bar im Heck unseres Schiffes und freuten uns auf die erlebnisreichen Tage, die uns auf Sardinien erwarten würden.

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