Immer hart am Wind

Heute geht es an die Nordsee – und das Wetter ist entsprechend: der Himmel bedeckt, der Wind recht kräftig und zu allem Überfluss fängt es auch noch leicht an zu nieseln, als wir am Morgen aufbrechen.

Lelystadt ist unser erstes Ziel. Von dort führt ein gut 25 Kilometer langer Damm mitten durchs Meer – linker Hand liegt das „Markermeer“, rechter Hand das „Ijsselmeer“. Mit einem mulmigen Gefühl im Bauch starten wir das Abenteuer, wird doch schon auf den ersten hundert Metern vor kräftigen Windböen gewarnt. Und in der Tat werden wir anfangs ordentlich durchgeschüttelt. Doch dann haben wir Glück, nach einem scharfen Linksknick kommt der Wind von hinten und so könnten wir relativ entspannt „übers Wasser fahren“.

Wenn da nur nicht die Lastwagen wären, die uns entgegen kommen. Die schieben eine solche „Druckwelle“ vor sich her, dass es uns jedesmal fast vom Motorrad weht.

Auf der Hälfte der Strecke lädt ein kleiner Parkplatz zu einem kurzen Fotostopp, dann geht es mutig weiter. Die Kaffeepause legen wir – wie geplant – in Onderdik ein, um dann relativ direkt Kurs auf die Nordsee zu nehmen.

Obwohl wir weit im „Landesinneren“ fahren, bläst der aus Süden kommende Wind immer noch heftig; und da wir jetzt von Ost nach West unterwegs sind, kriegen wir so manche ordentliche Böe von der Seite ab. Die Motorräder schlingern regelrecht, oft „segeln“ wir hart am Wind, die eine oder andere Rechtskurve kann nur mit ordentlich Schräglage nach links durchfahren werden. Wirklich Spaß macht das erst einmal nicht, wird aber in den nächsten Jahren sicher zur Legendenbildung beitragen.

Gehen Mittag erreichen wir Bergen aan Zee, hier wollen wir im Strandpavillion – mit Blick auf das tosende Meer – eine Kleinigkeit zu uns nehmen. Windstärke 6 bis 7, in Böen 8, herrschen an der Küste. Der feine Sand am Strand wird vom kräftigen Wind, wie ein feiner Nebel, vor sich her getrieben. Das Wasser peitscht ans Ufer, bedrohlich türmen sich die Schaumkronen auf der ausgewühlten See. Das ist Meer – heute werden die Naturgewalten spürbar und ich finde es herrlich.

Wieder queren wir den nördlichen Zipfel Hollands und fahren nun Richtung Amsterdam. In Waterland wollen wir eigentlich eine Kaffeepause einlegen, doch ein Bierlaster, der sich nur millimeterweise an parkenden Autos vorbeirangiert, blockiert die Zufahrt zur idyllischen Altstadt. Also außen rum und dann auf schmalen Nebenwegen wieder Richtung Küste.

Heute sind wir froh, dass hohe Deiche den Blick aufs Meer versperren. Die bieten ordentlich Windschutz, so dass wir trotz des immer noch heftigen Windes gut vorankommen. Wir streifen die Ausläufer von Amsterdam, doch dann ist ein Abzweig gesperrt und eine neue Straße gebaut, die noch nicht im Navi verzeichnet ist. Jetzt müssen wir wieder nach Schildern fahren …

Es kommt, wie es kommen muss; ein Abzweig zu früh abgebogen und wir geraten auf die Autobahn. Zwei Abfahrten später sind wir wieder „auf Kurs“ und folgen bald darauf der N 701. 25 Kilometer lang fahren wir fast schnurgerade auf einem Deich und haben die ganze Zeit über das Markemeer zu unserer Linken. Glücklicherweise hat der Wind deutlich nachgelassen.

Jetzt muss eine Entscheidung fallen; die Kaffeepause ist längst überfällig. Und weil so langsam auch der Sprit zu Neige geht, nutzen wir den nächsten Tankstopp, um das weitere Vorgehen zu bereden. Gut 50 Kilometer sind es noch bis zum Hotel, in einer Stunde sind wir da – dass heißt, das Kaffeetrinken wird auf 18 Uhr vertagt.

Punkt sechs sind wir wieder im Dorhut mees und sind einhellig der Meinung: das war wieder ein toller Tag. Auch wenn das Fahren bei dem böigen Wind häufig sehr anstrengend war – es hat alles gepasst. Denn die aufgewühlte Nordsee war mehr als beeindruckend. Genau so wollten wir sie erleben.


Flugstunden am IJselmeer. Der Wind hat uns heute ordentlich durchgeschüttelt.

Ist ein Sandweg – kannst Du fahren

Wohl dem, der einen gesunden Tiefschlaf hat. Davon, dass in der Nacht ein kleines Unwetter über den Möhnesee gezogen ist, habe ich nichts mitbekommen. Jetzt, des morgens um halb acht, ist der Himmel blau und die Sonne trocknet schon für Straße.

Nach einem schönen Frühstück machen wir uns auf den Weg und schlängeln uns unterhalb von Hamm nordwestlich ums Ruhrgebiet. Wann immer uns der Verkehr auf den Bundesstraßen zu viel wird, weichen wir kurzerhand auf kleine Nebenstraßen aus und erreichen so erst kurz nach halb elf unseren ersten Kaffeestopp am „Steverstrand“.

Nahe Winterswijk fahren wir anschließend über die Grenze ins Nachbarland Holland. Jetzt sind auf Landstraßen maximal 80 km/h erlaubt; häufig durchfahren wir ausgedehnte 60 km/h-Zonen und in den kleineren Ortschaften werden wir immer wieder auf 30 km/h runtergebremst. In Lievelde geht schließlich gar nichts mehr. Hier wird Kirmes gefeiert und die „Durchgangsstraße“ ist gesperrt. Nach einigem Suchen finden wir ein „Schlupfloch“ und rollen wenig später in „Erve Kots“ aus.

Das idyllisch gelegene Anwesen, mit angeschlossenem Mühlenmuseum, bietet unter mächtigen Bäumen ein lauschiges Plätzchen zur Mittagsrast – die Speisekarte offeriert vornehmlich Pfannkuchen, deren Füllung so manches Rätsel aufgiebt, da wir dem niederländischen doch nicht so mächtig sind. Doch jeder bekommt, was er mag.

Satt und zufrieden setzen wir die Reise fort, bis uns kurz vor Brachem Bauarbeiter stoppen. Die Straße sei gesperrt, meinen sei, was einige hundert Meter zuvor auch angekündigt war. Aber wir wollten erst Mal gucken …

Meine Frage, welche „Umleitung“ sie uns denn empfehlen würden, beantworten sie mit einem Fingerzeig nach links: „Da ist ein Sandweg – den kannst Du fahren, mit dem Motorrad“. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen und finden nach einer kleine Enduroeinlage schon bald wieder auf eine asphaltierte Straße zurück.

Unser nächstes Ziel ist der „Nationaal Park Sallandse“, oberhalb von Holten, durch den eine kurvenreiche Straße führt. Landschaft und Vegetation sind beeindruckend; fast mögen wir kaum glauben, dass wir uns gerade einmal 23 Meter über dem Meeresspiegel befinden. Die Suche nach einem Kaffee gestaltet sich anschließend schwierig. Wir fahren einmal im Kreis, bis wir schließlich nahe Lemele doch fündig werden. Auf der Terrasse eine Golfclubs sitzen wir bei strahlendem Sonnenschein und genießen das schöne Wetter.

Die Sucherei hat uns eine gute halbe Stunde Zeit gekostet, die wir jetzt dran hängen müssen. Auf vornehmlich kleine Nebenstraßen erreichen wir am späten Nachmittag Wijhe und fahren mit der Fähre über die Ijssel. Jetzt ist es nicht mehr weit bis zum Veluwemeer, auf das wir – auf einem Damm fahrend – kurz vor dem Ziel noch einen prächtigen Blick werfen. Dann rollen wir auf dem Parkplatz unseres Hotels aus.

Die Küche des Dorhuut Mees verwöhnt uns am Abend: Spinatsuppe mit Mozarella, Lachs mit Nudeln sowie Salat mit (sofern gewünscht) Rabarber und zum Nachtisch noch ein Zitronenparfait. Den Tag können wir als gelungen bezeichnen.    Gar nicht so einfach auf einer holländischen Speisekarte das richtige zu finden.

Das erste Ziel: der Möhnesee

Es ist kurz nach 9 Uhr, als wir am Sonntag zur ersten Tagesetappe starten. Die Sonne kämpft sich langsam durch die Wolkendecke; noch ist es ein wenig „frisch im Schatten“. Wir nutzen die herrlich kurvenreiche Strecke von Schmidt nach Nideggen zum warm fahren und schlagen anschließend einen weiten Bogen in Richtung Rhein.

Bei Hersel queren wir den mächtigen Fluss und halten den Atem an, als die Fähre am anderen Ufer anlegt. Es ist gerade einmal vier Wochen her, da hat der Fährmann, bei einem wenig gelungenen Anlegemanöver, sechs von acht Motorrädern einfach umgeworfen.

Diesmal geht alles gut und so sitzen wir bald darauf im Café Hafenschlösschen und genießen den herrlichen Blick auf den Altrhein. Kurvenreich geht’s weiter „durchs Bergische“, bis wir in Kierspe wie geplant Mittag machen. Wir sitzen auf der Terrasse und überlegen, welche „Kleinigkeit“ wir denn wohl bestellen sollen ..

Quasi zur Verdauung folgt nach dem Mittagsstopp ein abenteuerlicher Ritt auf kaum Traktor breiten Straßen, die uns auf rumpeliger Piste quer durch den Wald führen, immer Richtung Jubachtalsperre.

Nach einem kurzen Tankstopp wäre eigentlich noch ein Kaffeepäuschen fällig. Doch meine Teilnehmer zeigen sich unentschlossen. Lieber gleich ins Hotel? Ist doch nur noch eine halbe Stunde Fahrt. Also gut, nehmen wir Kurs auf den Möhnesee. Nach immerhin 285 Kilometern Fahrt erreichen wir schon um viertel nach fünf unser Domizil und genießen das Feierabendbier mit Blick auf den See.

Zum Abendessen bietet die Küche „Schnitzelvariationen“, so reichlich, dass wir irgendwann passen müssen.

Morgen schlagen wir uns quer durchs Land ans IJselmeer. Auch da werden wir gut 280 Kilometer unterwegs sein. Bei hoffentlich ähnlichem gutem Wetter wie heute.

 

Abendstimmung am Möhnesee. Irgendwann lugte die Sonne dann doch durch die dicken Wolken.

Wieder eine gute Wahl

Es geht in die Eifel – erst einmal. Spät am Nachmittag schaffe ich es endlich, mich vom heimischen Schreibtisch los zu reißen, um nach Nideggen zu fahren. Dort wollen wir uns am frühen Abend treffen, um vom Hotel Roeb aus, in den nächsten Tagen, Richtung IJselmeer zu fahren.

Die Wahl der Unterkunft hat sich dabei wieder als Glücksgriff erwiesen: gute Lage, schöne Zimmer, nette Mitarbeiter und tolles Essen. Da freuen sich alle, die mit uns von Donnerstag bis Sonntag von hier aus die Eifel und die Ardennen durchstreifen wollen.

Doch erst einmal geht es in den Norden. Am Sonntag an den Möhnesee und Montag weiter Richtung Küste. Zwei Übernachtungen haben wir in Holland, nahe der Nordsee, eingeplant, bevor es wieder zurück in die Eifel geht.

Auch wenn es so mancher nicht glauben mag – auch bei dieser Tour ist Fahrspass garantiert.


Nicht nur der Nachtisch war lecker. Wir haben uns im Hotel Roeb sehr wohl gefühlt.

Perfektes timing

Wie gut, dass es mittlerweile so viele unterschiedliche Wetter-Apps gibt. Und wie gut, dass diese meistens ein unterschiedliches Wetter anzeigen. So kann sich jeder raussuchen, was ihm gefällt.

Die Wettervorhersage für unser langes Wochenende war anfangs durchwachsen, wurde dann aber von Tag zu Tag besser. Als wir am Donnerstag zur ersten Tour starteten, war auf einigen Apps nur noch der Freitag „kritisch“. „Da soll es regnen“, wurde gemutmaßt. Unsere pragmatische Antwort: „Um 9 Uhr wird auf alle Fälle losgefahren“.

Und? Strahlender Sonnenschein an allen drei Tourtagen. Nur am Sonntag, beim Frühstück, da nieselte es leicht, obwohl die Wetter-Apps da doch Sonnenschein vorhergesagt hatten 😉 Es war dann aber auch schnell wieder trocken …

Wir werden auch weiterhin unbeeindruckt von möglichen Wettervorhersagen unsere Touren planen. Meistens hatten wir Glück. Und das wird hoffentlich auch so bleiben.


Ein herrlicher Sonnenuntergang nahe des Großen Arber. Den hatte die Wetter-App nicht vorhergesagt.

Es geht wieder nach Hause

Viel zu schnell ist das lange Wochenende im Bayerischen und im Böhmerwald zu Ende gegangen. Die letzte Tour führt heute schon langsam Richtung Heimat. Früh am Morgen hängt dichter Nebel in den Bergen. Später fängt es ganz leicht an zu nieseln. Doch bis zum Start um 9 Uhr ist der kleine Schauer schon wieder vorüber. Und bis nach Hause bleibt es trocken.

Nach und nach lichten sich die Reihen. Der eine oder andere tritt unterwegs, schon nach der Kaffeepause, den direkten Weg über die Autobahn an, während Stefan zunächst noch auf kurvenreichen Landstraßen den Weg „gen Norden“ sucht. Schön waren sie, die vergangenen Tage. Es hat wieder viel Spaß gemacht hat.

Die nächste Tour führt uns Ende Mai/Anfang Juni von der Eifel an die Nordsee und im Anschluss noch ein paar Tage durch die Eifel und Ardennen. Lust, dabei zu sein? Schreib einfach eine Mail an kurvenfieber@mac.com    Alles zusammenpacken und los. Die schönen Erinnerungen bleiben.

Ein Abstecher ins Drei-Länder-Eck

Strahlend blauer Himmel schon am frühen Morgen. Die Sonne lacht, dass es eine wahre Pracht ist. Heute wollen wir ins Weinviertel fahren, an die Moldau, weil dort ein schöner Aussichtsturm mit prachtvollem Ausblick steht. Dem Wunsch der Teilbehmer folgend, fahren wir zunächst über den Böhmerwald gen Süden und über den Bayerischen Wald wieder zurück. Eigentlich hatten wir das umgekehrt geplant …

Über Bayerisch Eisenstein reisen wir erneut in die Tschechische Republik ein, halten uns aber diesmal rechter Hand. Schnell gewinnt die gut ausgebaute Straße an Höhe. Wir bewegen uns zunächst auf 800 bis 900 Metern und kratzen einmal sogar knapp an der 1200 Meter-Marke. Die Strecke ist kein Vergleich zu gestern. Da sind wir mehr durchs Tal gerumpelt, heute bewegen wir uns zügig in den Höhenlagen.

Dichte Wälder wechseln sich ab mit grüben Wiesen auf denen der Löwenzahn dicht an dicht steht. Einzelne Feldholzinseln in der anmutigen Landschaft prägen das Bild. Hier über der Böhmerwald eine ganz eigentümliche Faszination aus.

Nahe Horni Vltavice bremst uns ein Auto aus – zum Glück, denn sonst hätten wir womöglich den Abzweig zu einer kleinen Pension verpasst. Kurzerhand setzen wir den Blinker rechts und finden mit Blick auf einen kleinen See, unter mächtigen Bäumen, ein lauschiges Plätzchen für eine Kaffeepause. Und weil es hier so schön ist, stört es auch nicht weiter, dass die Kaffeemaschine die bestellten sieben Cappucino nur ganz langsam und einen nach dem anderen zubereitet. Wir haben doch Zeit …

Bei Ceske Zleby wird es bald darauf spannend. Hier haben wir einen kleinen Waldweg gefunden, über den das Navi eigentlich nicht routen will. Daß wir es mit ein paar Tricks doch dazu „überreden“ konnten, muss noch nichts heißen. Die ersten Kilometer stimmen hoffnungsvoll. Ein schmales Sträßchen verläuft gen Osten – und endet auf einem großen Platz in Stozec. Der Abzweig, den wir nehmen wollten: gesperrt. Heerscharen von Wanderern und Sportlern kommen uns entgegen. Kein Durchkommen, ausgerechnet heute ist in Tschechien so etwas wie der Tag des Sports. Da ist alles auf den Beinen.

Stozec wurde 1769 das erste Mal erwähnt. Im Jahr 1850 sollen bayerische Wilderer die hölzerne Siedlung angegriffen haben. Dabei kamen mehrere Menschen ums Leben. Mit der Eisenbahn erlebt die kleine Siedlung ihre Blütezeit, den Tiefpunkt nach dem zweiten Weltkrieg, als die hier lebenden Deutschen vertrieben wurden. Heute ist der Ort ein beliebtes Touristenziel, wie auch wir feststellen.

Die vorsorglich geplante Ausweicheoute ist nicht minder reizvoll, so dass wir bald den Moldaustausee erreichen und auf einer winzig kleinen Straße die Grenze zu Österreich. Nur noch wenige Kilometer und wir haben unser heutiges Etappenziel erreicht: den Aussichtsturm „Moldaublick“, zu deren Füßen eine kleine Jausenstation liegt.

Natürlich stärken wir uns mit einer ordentlichen Brettljause, dann wird die fantastische Aussicht genossen. Das Wetter passt, die Sonne scheint, auf gut 1200 Metern sind die Temperaturen angenehm.

Ein Stück durch Österreich fahrend, geht es schon bald zurück nach Deutschland. Es ist faszinierend zu „erfahren“, wie unterschiedlich die eigentlich nur durch eine imaginäre Grenze getrennte Landschaft genutzt wird: in Tschechien dichte Wälder und weite Wiesenflächen, in Österreich überwiegend Landwirtschaft und in Deutschland fast ausschließlich Forstwirtschaft, um genügend Brennmaterial für die zahlreichen Glasbläsereien zu haben.

In Riedhütte machen wir „Beim Friedl“ noch eine kleine Kaffeepause – nicht ohne den frisch gebackenen Apfelkuchen mit Streuseln zu genießen. Dann geht’s auf herrlich kurvenreichen Nebenstrecken zurück ins Hotel. 300 Kilometer liegen hinter uns, als wir schon gegen 17 Uhr auf den Parkplatz rollen. So bleibt viel Zeit für ein streßfreies Feierabendbier.

Noch einmal lassen wir uns von der guten Küche des Berggasthofs Mooshütte verwöhnen – morgen fahren wir leider schon wieder Richtung Heimat.

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Idyllische Kaffeepause in Tschechien. Dass die Kaffeemaschine in der kleinen Pension, an der wir angehalten hatten, die bestellten Cappuccino nur ganz langsam zubereitete, kam uns hier sehr gelegen.

Stundenlang durchs Grüne

Das Wetter passt! Da in den Alpen, tief im Süden, der Regen hängen soll, fahren wir heute lieber “in den Norden”. In Bayerisch Eisenstein passieren wir die Grenze zur Tschechei und setzen bald schon dem Blinker links, um dem Grenzverlauf bis Eslam, wieder auf der deutschen Seite, zu folgen. Stundenlang fahren wir auf schmalen und zumeist etwas rumpeligen Nebenstraßen durch dichte Wälder. Nur ganz selten kommen wir mal durch eine kleine Ortschaft.

In Vseruby ist die Straße 190 gesperrt. Wir überlegen kurz, was zu tun ist. Einfach weiterfahren? Die Baustelle umfahren, indem wir über den nahegelegenen Grenzübergang nach Deutschland ausweichen? Oder einfach eine Ausweichstrecke suchen? Wir entscheiden uns für letztere Variante und schlagen einen Bogen über Kout Na Sumave, um dann wieder auf die eigentliche Route zurückzufinden.

Im kleinen Örtchen mit dem sagenumwobenen Namen Babylon legen wir bei einem Italiener eine kurze Kaffeepause ein, bevor wir für die nächsten 35 Kilometer weiter dem Grenzverlauf folgen. Nahe Eslam wechseln wir wieder auf die deutsche Seite und geraten wenig später in einen Pulk wild gewordener Harley-Fahrer, die wir mit einem kurzen Zwischensprint schnell hinter uns lassen.

Bald darauf ist Pleystein erreicht. Im Gasthof „Weißes Lamm“ wollen wir Mittag machen. Dass die Inhaber auch die Metzgerei gleich nebenan führen, verspricht Qualität. Albert ist ganz aus dem Häuschen: auf der Speisekarte steht „Herz und Zunge“. Eine Delikatesse, wie er meint, die nur noch in Gasthäusern mit angeschlossener Metzgerei angeboten wird. Lutz lässt sich überzeugen, dieses ungewöhnliche Gericht auch mal zu probieren und meint, es wäre sehr lecker gewesen – wenn auch ungewöhnlich in der Zubereitung: ein wenig püriert und eingedickt, fast schon als Suppe und mit Kartoffeln als Beilage.

Wir machen uns wiede auf den Weg. 140 Kilometer liegen noch vor uns, bis wir wieder an der Mooshütte sein werden. Jetzt sind wir vorwiegend auf kleinen, gerade einmal Traktor breiten Wirtschaftswegen unterwegs. Einfach herrlich!

Im Mühlencafe, mit herrlicher Aussicht auf den Drachensee, legen wir noch eine kurze Pause ein, bevor wir uns kurven- und kehrenreich wieder hoch auf gut 1000 Meter arbeiten. Die Landstraße, die zum Hotel führt, gehört uns ganz alleine – nachdem wir im Tal kurzerhand einen Reisebus aus Bautzen „niederkämpfen“ konnten – und so genießen wir die letzten Kilometer dieses herrlichen Tages. Morgen wollen wir nach Österreich, ins Drei-Länder-Eck.

 

Etwas skeptisch schaut Lutz schon, als ihm „Herz und Zunge“ serviert werden. Und noch dazu wie eine Suppe …

Einmal rund um den Großen Arber

Der Wecker klingelt erst kurz vor acht. Heute gibt es keinen Stress. Nach einer ausgiebigen Dusche geht’s zum Frühstück – in aller Ruhe. Nach der zweiten Tasse Kaffee erscheint auch Hans-Jürgen, der ebenfalls am Vortag angereist war. Wir lassen uns Zeit und verlagern das Kaffeetrinken recht bald auf die Terrasse; hier scheint die Sonne so warm, dass wir – obwohl auf fast 1000 Meter Höhe, im Freien sitzen können.

10 bayerische Mannsbilder erscheinen, in Wandermonitur. Die Jungs machen einen Vatertagsausflug. 10 Weißbier werden bestellt und zehn Mal Weißwurst – Frühstück in Bayern 😉

Bis gegen Mittag sitzen Hans-Jürgen und ich zusammen, genießen das herrliche Wetter und denken an übrigen Teilnehmer, die jetzt erst anreisen. Dann wird es Zeit, die BMW auszuladen. Anschließend gehe ich auf mein Zimmer, um in aller Ruhe Fotos und Videos von der zurückliegenden Uckermarktour zu sortieren, während Hans-Jürgen schon mal zu einer kleinen Motorradtour aufbricht.

Nach und nach treffen die übrigen Teilnehmer ein. Punkt 16 Uhr starten wir mit allen, die dann schon da sind und noch Lust haben, zu einer ersten Runde um den „Großen Arber“. Breite Bundesstraßen wechseln sich ab mit kleinen Wirtschaftswegen; gut 100 Kilometer wollen wir unterwegs sein – es sollten 135 Kilometer werden.

Kurz vor Bodenmais weisen Schilder auf eine Streckensperrung hin. Gemäß dem bewährten Motto“ erst mal gucken, meist findet sich doch ein Weg“, fahren wir weiter. Vor Holzfällarbeiten wird gewarnt und beiderseits der Staße liegen riesige Stämme. Wir atmen auf und denken uns: das wird der Grund für die Streckensperrung sein. Und da am Feiertag nicht gearbeitet wird …

Zu früh gefreut. Wenig später gibt es kein Durchkommen mehr. Gut zwei Kilometer vorm nächsten Abzweig fehlt eine Brücke. Wir müssen rumdrehen. Und so kommen wir erst gegen halb sieben – eine halbe Stunde später als geplant – wieder im Hotel an. Da es schon um 19 Uhr Abendessen geben soll, müssen wir uns ein wenig sputen. Doch das lohnt sich: Hirschgoulasch, Schnitzel oder Käsespätzle stehen zur Auswahl. Und als Dessert ein Eis oder ein Schnäpschen. Das lässt sich aushalten.

Morgen wollen wir durch den Böhmerwald gen Pleystein fahren und durch den Bayerischen Wald dann wieder zurück. Mal sehen, wie so die Temperaturen sein werden, wenn wir gegen 9 Uhr starten.


Während es so langsam Nacht wird, sitzen wir in der Mooshütte noch gemütlich zusammen.

Was für eine Anfahrt

Von Donnerstag bis Sonntag geht’s in den Bayerischen- und den Böhmerwald. Nahe Bayerisch Eisenstein haben wir ein kleines Berghotel gefunden, von dem aus wir zu unseren kurzweiligen Touren starten wollen. Die erste beginnt gleich am Donnerstag; mit allen Teilnehmern, die bis dahin schon am Hotel eingetroffen sind, wollen wir schon mal eine kleine Runde rund um den „Großen Arber“ drehen.

Da die Autobahn am Feiertag meist ziemlich voll ist – und ich mit dem Ducato anreisen werde – beschließe ich, schon am Mittwochnachmittag los zu fahren. Die gut 420 Kilometer bis zum Ziel sollten bis gegen 20 Uhr zu schaffen sein …

Doch auf der A3 in Richtung Süden steht der Verkehr mehr, als dass er rollt. Schon am Flughafen der erste Stau. Weiter Richtung Würzburg immer wieder zähfließender Verkehr mit Stillstand. Vor Nürnberg ein Unfall in einer Baustelle – Zeitverlust gut eine Stunde. Das Navi auf dem Handy meldet unablässig Behinderungen, die der Verkehrsfunk im wesentlichen bestätigt. Statt viereinhalb Stunden Fahrzeit sind es über die Autobahn jetzt mehr als sieben.

Schauen wir doch mal, wie lange die Fahrt über Land dauern würde? Wie vermutet auch nicht viel länger, dafür wurde der Ducato aber rollen und nicht vorwiegend stehen, was mich wahnsinnig macht. Also die Option „Autobahn vermeiden“ im Navi aktiviert und auf herrlichen Straßen staufrei gen Süden gerollt.

In stockfinstrer Nacht fahre ich schließlich durch den Bayerischen Wald. Ab 22 Uhr habe ich die Straßen ganz für mich alleine. Der Abzweig, der schließlich zum Hotel führt, mündet in einen unbefestigten Waldweg – sagt zumindest das Navi. Lieber noch mal anrufen. Einen 6 Meter langen Transporter im Dunkeln rückwärts wieder auf die befestigte Straße bugsieren zu müssen, macht nicht wirklich Spaß.

Doch der Abzweig ist richtig. „Passt schoo“, meint der Wirt. Und während ich so durch den Wald rumpele, merke ich, dass wir hier schon mal waren. Bei der letzten Tour durch den Bayerischen Wald haben wir in der „Mooshütte“ eine Kaffeepause eingelegt. Der Weg ist also „fahrbar“ …

Es ist kurz vor 23 Uhr, als ich endlich den Motor abstellen kann. Was dafür eine Anfahrt! Im Eingangsbereich entdecke ich eine V-Strom mit Fähnchen. Die kann nur Hans-Jürgen gehören, der wohl auch schon einen Tag früher angereist ist.

Schnell die Sachen aufs Zimmer und das „technische Equipment“ aufgebaut, damit Kameras und Akkus bis morgen vollgeladen sind. Schließlich wollen wir auch diese Tour auf Video festhalten. Jetzt geht’s aber erst mal schlafen. War doch ein langer Tag heute …

Schnell noch die Ladegeräte anstöpseln, um Kameras und Akkus aufladen zu können.