Mittagspause in der „Wolfsfährte“

Donnerstag, 12.9.2019 / Cevennen – 5. Tourtag: Noch einmal haben wir Gelegenheit, die unglaubliche Vielfalt der Cevennen zu entdecken. Heute wollen wir bis zum Mittagessen dem Lauf der Tarn folgen. Wieder beginnt der Tag mit einem herrlichen Sonnenaufgang, den ich heute nicht am Rande der Hauptstraße, sondern von einer kleinen Anhöhe hinter dem Hotel aus aufgenommen habe – und dabei noch ein paar neue Motive einfangen konnte.

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Heute will Charly auch sein Versprechen einlösen und meine beiden Reservekanister wieder auffüllen. Als wir uns am Samstag nahe des Genfer Sees getroffen hatten, war sein Motorrad als einiges nicht vollgetankt. Um die Gruppe am nächsten Morgen nicht aufzuhalten, wurden kurzerhand zweimal 5 Liter Reserve aus dem Ducato „entliehen“ – diese Schuld wurde nun beglichen. Den einen Kanister in der linken, den anderen in der rechten Hand, „stürmte“ Charly – leicht vor sich hin grummelnd – Richtung Tanke, die in Sichtweite des Hotels lag. Und erinnerte damit irgendwie an einen alten Werbespot von Aral …

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Um kurz nach 9 Uhr machen wir uns auf den Weg. „Wenn Du unterwegs ein paar Kühe siehst, kannst Du gerne zum Fotografieren, anhalten“, ruft mir Thea beim Losfahren zu. Noch einmal nehmen wir den „Col de Finiels“ unter die Räder – und treffen auf gut 1500 Meter tatsächlich auf ein paar wunderschöne Rindviecher, die am Straßenrand grasen. Wir stören ja nur ungern beim „Frühstück“, aber ein paar Fotos müssen jetzt sein.

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Hier oben „im Gebirge“ liegt die Quelle des Tarn. In „Le Pont-de-Montvert- treffen wir das erste Mal auf das noch kleine Flüsschen und halten für einen kurzen Fotostopp. Wahrzeichen des Ortes ist eine zweibogige Brücke aus dem 17. Jahrhundert, die seit 1950 als „monument historique“ anerkannt ist. Kurvenreich windet sich die Straße, ein wenig oberhalb des Gewässers, und gibt einen Vorgeschmack, auf das, was uns in den nächsten Stunden erwarten wird.

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Die erste Kaffeepause legen wir (ganz standesgemäß) im Grand Hotel du Park in Florac ein. Einige Fotos, die an der Terrassenwand aufgehangen sind, erinnern an einstige Oldtimertreffen und stoßen auf unser Interesse. Die große Außentreppe bietet sich für ein Gruppenfoto an, das wir vor der Weiterfahrt schnell noch aufnehmen.

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Zunächst kehren wir dem Tarn ein wenig den Rücken und fahren auf der D16, durch das Herz des „Parc national des Cevennes“. Hoch ins „Gebirge“ geht’s und auf einer kurvigen, fast schon abenteuerlichen Straße hinunter nach Montbrun. Eine große Gruppe an Motorradfahrern aus Würzburg steht am Wegesrand und „blockiert“ die einzige Stelle, an der wir unsere Motorräder gefahrlos hätten abstellen können. Der spontane Fotostopp muss folglich ausfallen.

Im Tal angekommen wechseln wir nicht auf die D907B, sondern fahren links des Tarn auf schmaler Trasse Richtung „Grotte de Castelbouc IV“. Mit einem Führer kann man hier bis zu 100 Meter tief in die Erde hinab steigen. Wir wagen ein anderes Abenteuer und überqueren auf einer schmalen „pont flume“ den Tarn.

Auf den nun folgenden Kilometer folgt ein wahres Feuerwerk an beeindruckenden Ausblicken. Eigentlich könnte man an jeder Ecke anhalten, um ein Foto zu machen. Mit ein paar Motorrädern „im Schlepptau“ ist das nicht so einfach, weil meist nicht gefahrlos möglich. (Wenn was passiert, muss man sich den Stopp möglicherweise zurechnen lassen und ist in der Haftung). Also genießen wir fahrend die bizarren Felsformationen, durch die sich der Tarn gegraben hat.

In dem winzigen Ort La Malene zweigt die D 16 in mörderisch engen Kehren rauf zum Col de Rieisse, der auf der Hochebene „Causse Mejean“ liegt. Die Strecke ist nichts für schwache Nerven, hängt die Straße doch stellenweise förmlich senkrecht über dem Tarn. Die Aussicht auf den gut 140 Einwohner zählenden Weiler „La Malene“ aber ist phänomenal.

Wenig später haben wir „Le Rozier“ erreicht. In Sichtweite liegt das kleine Dorf  „Peyreleau“, am Unterlauf der Jonte, wenige Meter von deren Einmündung in den Tarn entfernt. Die höchste Erhebung im Ort ist der mächtige viereckige Uhrenturm, der 1617 auf den Fundamenten einer alten Burg aus dem 12. Jahrhundert erreichtet wurde.

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Auch ein Schloß gibt es, mit einer spannenden Geschichte. Das wurde 1470 durch Pierre II. d´Albinac errichtet und von dessen Enkel 1559 erweitert. Die dazu notwendigen Mittel hatte er vorbeiziehenden protestantischen Truppen entwendet, in dem er deren Kriegskasse beschlagnahmte. Die Beute war mehr als ausreichend, den Rest seines „Schatzes“ versteckte er, ohne seinen Erben zu verraten, wo. Milizionäre, die 1791 auf das Schloss geschickt wurden, um den letzten Bewohner aus dem Hause Albignac festzunehmen, der (wohl grundlos) beschuldigt wurde Kopf einer gegenrevolutionären Räuberbande zu sein, fanden bei der Durchsuchung unter der Treppe zwei Kisten mit Gold und Silber …

Wir suchen nicht Gold und Silber sondern Parkplätze, die in „Le Rozier“ Mangelware zu sein scheinen. Als wir auf der „Hauptstraße“ wenden, kommt aus dem Restaurant eine junge Frau auf mich zu und fragt, ob wir die Motorradgruppe seien, die den Mittagstisch reserviert hätte? Dann könnten wir gleich hinter der Brücke rechts, im Annex des Hotels parken. Prima – klappt doch. Danke.

Erika macht es richtig und tauscht die dicken Motorradstiefel gegen ein paar luftige Schlappen. So wird die Pause richtig bequem …

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In der Wolfsfährte, dem „Pas du Loup“ steht die lange Tafel schon für uns bereit. Zwei Gerichte gibt es als „Formule du Midi“ – das kleine preiswerte Mittagessen. Entweder Forelle oder Entrecote; da fällt die Wahl schwer.

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Als das Essen dann kommt, die große Überraschung. Zur Forelle gibt es Kartoffelbrei im Töpfchen, der nach Käse schmeckt und Fäden zieht. Schnell wird gegoogelt, was sich hinter der angekündigten Beilage „Aligot Maison“ verbirgt: ein herzhaftes Kartoffelpüree mit Bergkäse – würzig und cremig zugleich. Sehr lecker und wieder was gelernt.

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Aber auch das Entrecote weiß zu überzeugen. In der „Wolfsfährte“ lässt sich richtig gut und zu einem angemessenen Preis essen.

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Zum Menü gibt es noch einen Beerennachtisch auf Vanille-Creme und zur Verdauung einen kleinen Kaffee. Satt und zufrieden machen wir uns anschließend auf den Weg zu den Motorrädern.

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Das nächste Ziel ist die „Point Sublime“, ein Aussichtspunkt, der einen fantastischen Blick auf eine der vielen Schluchten gewährt, durch die sich der Tarn 400 Meter tief gegraben hat. Nahe Saint-Georges-de-Levejac, gegenüber der „ Causse Mejean“, einer Kalk-Hochebene, bietet sich uns dieses unglaubliche Spektakel.

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Wir halten uns nördlich, Richtung Mende. Vor Jahren haben wir dort, nahe der gotischen Kathedrale „Notre-Dame-et-Saint-Privat“, eine Pause in einem kleinen Eiscafe eingelegt. Im Hinblick auf die mittlerweile doch recht hohen Temperaturen und des – angesichts der vorangeschrittenen Uhrzeit – zu erwartenden Berufsverkehrs, hoffen wir, auf dem Weg zum Hotel noch eine Alternative zu finden. Das „Relais des Chausses“ in Chanac kommt da wie gerufen: Terrasse im Schatten, Parkplatz gegenüber und eine kleine Leckerei gibt es auch noch. Hier können wir den heutigen Tag prima ausklingen lassen.

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Über den 1240 Meter hohen „Col de la Roche“ schrauben wir uns anschließend wieder in die Berge, um nahe Rieutort-de-Randon auf die D1 abzubiegen. Unser Ziel, Chateauneuf-de-Randon, ist hier bereits ausgeschildert; gut 20 Kilometer müssen wir noch fahren, dann sind wir wieder im Hotel. Die Route führt durch „Gevaudan“, eine historische Region des alten Galliens, dessen höchster Berg der 1551 Meter hoch gelegene „Signal de Randon“ im „Massif des Margeride“ ist. Von dessen Name leitet sich wohl die Endung „de-Randon“ in den Ortsnamen ab.

Im Hotel angekommen, wird die BMW gleich verladen. Für mich ist die Tour heute zu Ende. Morgen sitze ich wieder im Ducato und fahre die Koffer in unsere Hotel nahe des Genfer Sees, während auf die Teilnehmerinnen und Teilnehmer noch eine letzte Tagesetappe mit Dieter wartet.

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Ein letztes Mal genießen wir in dieser Woche die gute Küche des „Hotel de la Poste“ und schwelgen ein wenig in Erinnerungen, waren die vier zurückliegenden Tourtage doch sehr erlebnisreich und beeindruckend.

Darauf, dass alles so gut geklappt hat, wollen wir am Ende des Tages anstoßen und freuen uns schon jetzt auf die nächste Tour, die uns (in den nächsten Jahren) wieder mal in die Cevennen führen wird. Prost!

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Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die wir am Donnerstag, den 12.9.2019 zurückgelegt haben. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text, schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

Dem Lauf des Tarn folgen

Am letzten Tourtag in den Cevennen sind wir dem Lauf des Tarn gefolgt. Kurvenreich ging es durch tiefe Schluchten und entlang gewaltiger Felsformationen. Am „Point de Sublime“ konnten wir einen Eindruck davon gewinnen, wie tief sich das kleine Flüsschen über die Zeit in das Gestein gegraben hat.

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Einen Blick auf die gefahrenen Route vermittelt unser Reliefe-Video:

Nach Okzitanien – zum Cirque de Navacelles

Mittwoch, 11.9.2019 / Cevennen – Vierter Tourtag: Heute haben wir Großes vor. Wir fahren in den Süden, bis nach Okzitatien, um einen beeindruckenden Blick in den „Cirque de Navacelles“ werfen zu können. Rund 400 Meter tief hat sich hier das kleine Flüsschen Vis in den Karst gegraben und ein grandioses Naturschauspiel geschaffen. Gut 340 Kilometer Wegstrecke liegen vor uns, da werden wir wohl erst deutlich nach 18 Uhr wieder im Hotel sein.

Auch wenn der Himmel am Morgen etwas verhangen ist, weiß der Sonnenaufgang doch – oder gerade deswegen – zu beeindrucken.

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Nach dem Frühstück herrscht das übliche geschäftige Treiben. Die Motorräder werden aus der „Garage“ gerollt, noch mal der Ölstand kontrolliert oder untereinander Erfahrungen ausgetauscht. Alles ganz entspannt …

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Um 9 Uhr machen wir uns auf den Weg. Ein schmales Sträßchen windet sich „aus den Bergen“ hinunter zu den Schluchten des Tarn. Bei Sainte-Enimie legen wir einen kurzen Fotostopp ein. Das gerade einmal 525 Einwohner zählende Dorf zählt zu den „Plus beaux villages de France“, den schönsten Dörfern Frankreichs.

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Wir schrauben uns die nächste Hochebene hinauf und sind verwundet, dass uns auf der schmalen und recht kurvenreichen Trasse immer wieder schwere Lastwagen, zum Teil auch mit Anhänger, entgegenkommen, denen wir bereitwillig Platz machen. Was hier im Hochsommer los ist, wenn dann so mancher Wohnmobil-Fahrer schon an den engen Kehren scheitert, mögen wir uns gar nicht vorstellen …

Uns fasziniert wenig später der „Gorges de la Jonte““ mit seinen 500 Meter hohen Felsen und einer hohen Geierpolulation – einige der Vögel kreisen auch über uns …

In Meyrueis, der alten Marktstadt und südlichsten Gemeinde des Départements Lozère, legen wir unsere Kaffeepause ein. Ein Ort mit Flair, in dem die Vergangenheit Spuren hinterlassen hat. Handel wurde hier betrieben, Religionskriege geführt, Macht ausgeübt – Stadtmauer und Zitadelle sowie der alte Uhrenturm erinnern daran.

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Wir sitzen im „Café de l’Union“ in der Sonne und betrachten das muntere Treiben rund um den „Place Sully“. Zahlreiche alte Brücken führen über das kleine Flüsschen „La Béthuzon“, das zwischen „Quai de la Barrière““ und Altstadt fließt. Ein malerisches Bild.

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Wir wollen weiter. Auf schmaler Trasse erreichen wir Treves. Hier ist guter Rat erst einmal teuer. Denn am geplanten Abzweig zur D341 steht ein Schild, das „route barré “ verkündet. Wenig hundert Meter später machen Absperrgitter deutlich, dass die Streckensperrung wohl ernst gemeint ist und wir den „Col de Pierre Plantée“ nicht erreichen werden. Als uns dann auch noch ein Bauarbeiter entgegenkommt, der energisch mit dem Kopf schüttelt, ist klar: wir müssen eine Alternativstrecke suchen.

Die ist schnell gefunden – und belohnt uns unvermutet mit einem Highligt. Nachdem wir über viele Kilometer auf der D157 kurvenreich dem kleine Flüsschen Trevezel gefolgt sind, taucht hinter einer Kehre plötzlich Cantobre auf. Die wenigen Häuser des kleinen Ortes kleben geradezu auf einer Felsspitze. Ein unglaublicher Anblick. Glücklicherweise findet sich eine lange Gerade, auf der wir mit unserer doch recht großen Gruppe kurz für ein Foto halten können.

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Das gleiche „Glück“ haben wir wenig später auch am „Cirque de Navacelles“. Da können wir unsere Mopeds in einer Felsausbuchtung parken, um das sensationelle Panorama genießen (und fotografieren) zu können.

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Auch wenn der kleine Ort Saint-Maurice-Navacelles zum Greifen nah scheint, kurven wir noch gut sechs Kilometer den Talkessel hinunter, bis wir die große Wiese am Ufer der Vis erreichen, um unsere Motorräder abstellen zu können.

Im „Café du Mas Guilhou“ sind zwei große Tische für uns reserviert; hier wollen wir Mittag machen. Claude begrüßt uns herzlich und auf deutsch; nachdem wir einen erfrischenden, selbstproduzierten Apfelsaft getrunken haben, wird die Speisekarte studiert – die bietet eine reichhaltige Auswahl an „Kleinigkeiten“, etwa krustige Baguettes mit Jambon Cuit und Tomme de Lozère oder Fromage frais und Lardons fumé – lecker.

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Ein Bummel durch die engen Gassen der Handvoll an Häusern oder ein Abstecher hinunter an den Fluss runden unseren Besuch in Hameau de Navacelles an; so langsam treten wir die Rückreise zum Hotel an.

Schmal und kurvenreich windet sich die Straße aus dem Talkessel hinaus, gut 90 Kilometer liegen bis zur nächsten Pause vor uns. Meist haben wir freie Fahrt; nur ganz selten bremst uns mal ein Laster kurzzeitig aus. Mal sind wir auf gut ausgebauten Landstraßen unterwegs, mal mehr auf asphaltierten Waldwegen. Gelegentlich lädt ein Belvedere zum kurzen Fotostopp, wie der „Belvedere de Cravate“ nahe des „Col de Minier“, über den die Wasserscheide zwischen Atlantik und Mittelmeer verläuft.

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Wieder geht es hoch hinaus. Bis fast hinauf auf den Gipfel des 1567 Meter hohen Mont Aigoual – den höchsten Berg  im Departement Gard und zweithöchsten in den Cevennen – führt uns unsere Route. Die letzte bewohnte Wetterstation findet sich auf dem Gipfelplateau, bei klarer Sicht reicht der Blick bis zum Mittelmeer, den Alpen und den Pyrenäen.

Wir haben Glück, denn auch heute scheint die Sonne. Meist herrschen am Mont Aigoual extreme klimatische Bedingungen: an 170 Tagen im Jahr regnet es hier; am 30. Oktober fielen innerhalb von 24 Stunden 607 mm Niederschlag, die maximale Neuschneehöhe eines Jahres beträgt 10,24 Meter, die tiefste Temperatur, die bislang gemessen wurde -28 °C. An 140 Tagen im Jahr ist es frostig, an 114 Tagen liegt Schnee.

Zudem ist es an 241 Tagen im Jahr nebelig – und meist auch sehr windig. Am 6. November 1966 tobt ein Sturm mit einer maximalen Windgeschwindigkeit von 335 km/h um den Aigoual. Und heute? Ein laues Lüftchen und strahlend blauer Himmel. Wenn Engel reisen …?

Am Mont Aigoul entspringt der Tarnon, ein kleines Flüsschen, dessen Lauf wir bis Rousses folgen. Gerade einmal autobreit ist die D119, die sich durch eine malerische Landschaft windet. Wir überqueren den Tarnon auf einer alten, steinernen Brücke, zirkeln uns eine enge Serpentine hinauf und lassen unsere Motorräder am „Café de Pay“ ausrollen. Hier haben wir uns für den Nachmittagskaffee angekündigt.

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Christin erwartet uns schon. Extra für uns hätte sie Galotte gebacken – kleine Leckereien, erzählt sie uns. Wenig später genießen wir herrlich fluffige Maronen-Küchlein auf einem Vanillesoßen-Spiegel. Das Leben kann so schön sein … (wieder einmal).

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Es ist viertel vor sechs, als wir zur letzten Etappe aufbrechen. Gut 75 Kilometer liegen vor uns, etwa eineinhalb Stunden Fahrt. Wie an einer Perlenschnurr aufgereiht ziehen wir unsere Bahn. Acht Motorradfahrer, die sich mit Leidenschaft in jede Kurve werfen und diese Fahrt genießen. Die tief stehende Sonne blendet. Ich bin froh, einen Helm mit langem Windschild auf dem Kopf zu haben. Neige ich den Helm ein wenig, kann ich den Straßenverlauf gut erkennen.    Manch anderer scheint mir eher im Blindflug zu folgen – immer dem roten Rücklicht nach.

Um 19:20 Uhr stehen wir in Châteauneuf de Randon an der Tankstelle. 335 Kilometer zeigt der Tageskilometerzähler. Maximal 40 Kilometer wären noch gegangen, bis die ersten Maschinen ohne Sprit liegen geblieben wären 😉

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Im Licht der untergehenden Sonne tanken wir voll, kurz darauf stehen die „Pferde“ wieder im Stall – dreizehn Minuten nach dem Tanken genießen wir ein spätes Feierabendbier, bevor es unter die Dusche und dann zum Abendessen geht.

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Das Abendessen haben wir uns redlich verdient. Morgen werden wir noch einmal in den Cevennen unterwegs sein, bevor es dann wieder zurück an den Genfer See gehen wird.

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die wir am Mittwoch, den 11.9.2019 zurückgelegt haben. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

Fahren bis zum Sonnenuntergang

Schon der Sonnenaufgang war etwas Besonderes: erst schoben sich dunkle Wolken für den roten Feuerball, dann riss der Himmel doch noch auf. Sah toll aus!

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Die Tagestour führt uns auf gut 340 kurvenreichen Straßen bis zum „Cinque de Navacelles“ und wieder zurück. Im Talkessel selbst haben wir zu Mittag gegessen und zur Nachmittagspause wurde uns selbst gebackener Maronenkuchen kredenzt. Mensch, was für eine Leben.

Das kleine Video zeigt die gefahrene Strecke. Ein ausführlicher Bericht folgt in den nächsten Tagen.

 

Trotz Regen: ein toller Tag

Dienstag, 10.9.2019 / Cevennen – Dritter Tourtag: Dunkle Wolken schieben sich am frühen Morgen über den Himmel. Kaum sitzen wir beim Frühstück zusammen, fängt es an zu regnen. Entgegen der sonst üblichen Gepflogenheiten, beschließen wir, nicht um 9 Uhr los zu fahren, sondern erst einmal abzuwarten. Das nasskalte Wetter auf 1200 Metern Höhe ist nicht gerade einladend. Vielleicht wird es gegen Mittag ja besser?

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Die Zeit bis dahin vertreiben wir uns, indem wir uns erst einmal die kurzen Relive-Videos der ersten Tage anschauen oder auf dem Zimmer vor uns hin dösen. „Wenn wir zu einer Tour aufbrechen sollten, rufe ich laut über den Flur“, verspreche ich, so dass Jeder seinen Interessen nach gehen kann.

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Gegen 12 Uhr klart der Himmel ein wenig auf. Sofort tobt Charly durchs Hotel – der ansonsten das Wasser scheut, wie der Teufel das Weihwasser – und drängt auf eine baldige Abfahrt. „Wir sind doch zum Motorrad fahren da“, meint er – und hat damit nicht unrecht.

Ich krame meine neuen, noch recht steifen Stiefel aus dem Ducato, die ich längst schon auf Dichtigkeit überprüfen wollte, und meine: um halb eins geht’s los. Mit mir brechen Charly und Ingrid, Bernhard und Thea sowie Hans zur Halbtages-Exkursion auf. Alle anderen bleiben skeptisch (und damit im Hotel), sagt die Wetter-App doch für den Nachmittag neue Regenschauer voraus.

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Unser erster Ziel ist die „Auberge de Peyre“, nahe Saint-Pierre-Saint-Jean, an einer Straßenkreuzung inmitten der Berge gelegen. Hier hatten wir uns eigentlich fürs Mittagessen angekündigt, das wir heute wohl nicht vor 14 Uhr einnehmen werden. Die zu fahrende Distanz der ersten Etappe misst gut 75 Kilometer, da werden wir gut eineinhalb Stunden für brauchen.

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Auf kleinen Straßen geht es wieder hinauf in die Berge. Kurvenreich windet sich die D6 durch eine malerische Landschaft. Irgendwo im Nirgendwo kreuzt unser Weg die „Kurstadt“ Saint-Laurent-les-Bains“, deren Thermalquellen Linderung bei so manchem Wehwehchen verspricht. Es bleibt weiterhin trocken, auch wenn immer noch dunkle Wolken bedrohlich am Himmel stehen. Trotzdem erweist es sich als richtig, die Regenkombi übergezogen zu haben: es ist reichlich frisch, unter der Kombi aber „mollig“ warm.

Mitten in der Einsamkeit treffen wir auf eine Schafherde. Die Hütehunde treiben die vierbeinigen Wollknäule beiseite, so dass wir schnell wieder freie Fahrt haben. Dann ist die Auberge erreicht. Eigentlich ist die Küche nur bis 13:30 Uhr geöffnet, da wir aber angekündigt sind, bekommen wir trotzdem noch zu essen: eine wunderbare kalte Platte mit Schinken, Salami und Rillettes im Glas (eine typisch französische Delikatesse, die aus Gänse- oder Entenbrust.

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In einem weiten Bogen geht es nun nach Jaucac. Die Stadt liegt in einem erloschenen Vulkankegel, in dessen Schlund wir unsere Kaffeepause einlegen wollen. Die Landschaft verändert sich merklich, als wir von der Hochebene hinunter ins Tal fahren. Rund um Lablachère wird „Ardeche-Wein“ angebaut. Nach der kargen (aber faszinierenden) Vegetation, die wir bisher durchstreift haben, ein völlig ungewohntes Bild.

In Lagentière erhaschen wir im Vorbeifahren einen Blick auf die mächtige Burg, die aus dem 13. Jahrhundert stammt und den kleinen Ort deutlich überragt. Dessen malerischen Gassen sind so schmal, dass sie häufig kaum einen Meter in der Breite messen. Schon die Römer wussten die eindrucksvolle Lage zu schätzen. Sie bauten im Lignetal Blei und Silber ab; die Minen wurden noch im 15. Jahrhundert genutzt. Die Bewohner von Langentière blicken stolz auf ihre Vergangenheit zurück und nennen sich selbstbewusst „Largentiérois“.

Kurvenreich geht es nun stetig bergan. Wir haben zwischenzeitlich die D5 unter die Räder genommen, die besonderen Fahrspaß verspricht. Es geht den „Col de la Croix de Millet“, hinauf, der mit rund 780 Metern Höhe noch deutlich unter der 1.000 Meter-Marke bleibt. In Prunet säumen dichte Kastanienwälder die schmale Straße. Die Esskastanie gilt als das Wahrzeichen des Départements Ardèche, in dem wir uns gerade befinden. Rund 5.000 Tonnen werden in der Region pro Jahr produziert; wir sind im größten Anbaugebiet für Kastanien in Frankreich.

Dann haben wir den Rand des erloschenen Vulkans erreicht und schrauben uns so langsam in die Tiefe. Ein irgendwie mulmiges Gefühl, wenn man weiß, wo man sich gerade befindet.

Im „Café du Commerce“, das am Rande des Place du Champ de Mars legen wir unsere Kaffeepause ein. Neben uns sitzen ein paar Ortsansässige und trinken ein Bier, ein alter Mann mit verwaschener Hose öffnet die Tür seines leicht verbeulten Renaults, damit sein Hund auf dem Beifahrersitz Platz nehmen kann, währenddessen schlendern zwei Frauen über den staubigen Platz, auf dem ansonsten wohl Boule gespielt wird. Frankreich, wie wir es lieben.

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Charly entdeckt nahe des Cafés eine metallene Skulptur. Wir fragen uns, ob er heimlich dafür Modell gestanden hat? Eine gewisse Ähnlichkeit scheint vorhanden …

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Noch gut 75 Kilo sind es von Jaujac zum „Hotel de la Poste“ in Châteauneuf de Randon. Wir biegen zunächst auf die D19 ab und folgen dem Lauf des kleinen Flüsschen Lignon, hin zu dessen Quelle. Die liegt die nahe des Passes „Croix de Bauzon“, unserem nächsten Ziel. Rauf auf 1308 Meter geht es, in einem wahren Kurvenfeuerwerk. Mitten durch den „Parc naturel régional des Monts d’Ardèche“ – quasi den bergigen Teil der Ardèche – führt das schmale Asphaltband. Wir können uns gar nicht satt fahren.

Oben auf dem Pass grüßen uns einige Rennradfahrer, die sich allein mit Muskelkraft die Berge „hinauf strampeln“ – meine Hochachtung.

Kurz nach sechs sind wir wieder im Hotel. Auf der gesamten Distanz seit der Kaffeepause haben wir gerade einmal zwei Autos überholt. Ideale Bedingungen für eine entspannte Motorradtour. Auch dafür mögen wir die Cevennen.

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Das Abendessen ist wieder ein Genuss. Und die Wetter-App verspricht für morgen strahlenden Sonnenschein. Da können wir satt und zufrieden schlafen gehen.

 

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die wir am Dienstag, den 10.9.2019 zurückgelegt haben. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

Kaffeepause im Schlund eines Vulkans

Es regnet, wie angekündigt. Zwar nicht aus Kübeln, wie vorhergesagt, aber doch so stark, dass unsere Lust auf´s Motorrad zu steigen, zumindest am Morgen nicht sonderlich ausgeprägt ist. Also dehnen wir das Frühstück ein wenig aus und schauen auf dem Handy erst einmal die ersten Videos von unserer Tour an.

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Gegen Mittag reisst der Himmel auf und schon sitzen wir auf dem Motorrad. Zumindest Bernhard, Thea, Charly, Ingrid, Hans-Friedrich und ich. Alle anderen trauen sich nicht so recht, kündigt die Wetter-App doch für den späten Nachmittag weitere Regenschauer an.

Wir starten zunächst in Richtung „Auberge de Peyre“, um mitten in den Bergen eine verspätete Mittagsrast einzulegen. Den nächsten Stopp legen wir in Jaujac ein. Der kleine Ort liegt im Schlund eines erloschenen Vulkans; es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, an dessen Flanken in den Mittelpunkt des Kraters zu fahren.

Einen ersten Eindruck gibt unser kleines Reliefe-Video wieder. Übrigens: es ist den Rest des Tages trocken geblieben …

Vom „Chaos“ ins Land der Hugenotten

Montag, 9.9.2019 / Cevennen – Zweiter Tourtag: Zum Glück ist es schon September. Da geht die Sonne nicht mehr ganz so früh auf. Mir ist noch in guter Erinnerung, wie faszinierend der Anblick auf den runden Feuerball bei unserem letzten Aufenthalt in Châteauneuf de Randon war. Kurz vor dem Frühstück, auf dem Feld gegenüber des Hotels, ging die Sonne kurz vor dem Frühstück auf. Genau da will ich in den nächsten Tagen ein paar beeindruckende Fotos machen.

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Um kurz nach sieben stehe ich am Montag das erste Mal am Straßenrand. Rauhreif liegt auf den Gräser. Die Temperaturen gerade einmal null Grad. Leichte Nebelschwaden wabern übers Feld, als sich die Sonne ganz langsam über die Baumwipfel schiebt. Eine tolle Szene.

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Leicht verfroren sitze ich nach der morgendlichen „Fotosession“ am Frühstückstisch. Ein Café au lait, gestreckt mit einem kleinen Espresso, holt die Lebensgeister zurück, so dass wir pünktlich um 9 Uhr auf die Maschinen steigen können. Treffpunkt ist die nahegelegenen Tankstelle; zum Spritfassen ist Dieter mit der Gruppe nicht mehr gekommen.

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Wir fahren nach Süden und erreichen schon bald den „Col de la Pierre Plantée“. Wir befinden uns auf dem „Dach Frankreichs“, wie die Region hier genannt wird. Ein altes Steinkreuz in 1264 Metern Höhe erinnert daran. Regen, der hier fällt, kann von dieser Hochebne aus sowohl in Loire, wie auch in die Rhone oder die Garonne fließen.

Wir biegen wir auf die D26 ab und kratzen schon bald an der 1.600 Meter-Marke. Bei strahlendem Sonnenschein geht es über den Col de Finiels, dem mit 1541 Metern höchstem „Pass“ in den Cevennen (und dem zweithöchsten im Massiv Central). Wir sind sind im Bergmassiv des Mont Lozère unterwegs; nicht weit von hier entspringt die Quelle des Tarn. Dem Fluss wollen wir am Donnerstag einen Besuch abstatten.

Rund herum blüht die Heide, die Fernsicht ist atemberaubend. Kurvenreich schlängelt sich die D20 durch eine immer wieder aufs neue faszinierende Landschaft.

Nahe „Le Pont-de-Montvert“ erreichen wir zum ersten Mal das „Chaos“ – so wird eine Landschaft genannt, in der große Felsbrocken chaotisch verstreut liegen. Ein faszinierender Anblick, der im Bild festgehalten werden muss.

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Die erste Kaffeepause legen wir in Florac im „Hotel Pont Neuf“ ein und genießen auch hier den Ausblick auf imposante Felsformationen.

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Von Florac aus führt eine weitere Höhenstraße – die „Corniche des Cévennes“ – kurvenreich nach „Saint-Jean-du-Gard“. Am 1004 Meter hohen „Col de Faisses“ legen wir einen kurzen Fotostopp ein, die weiteren Aussichtspunkte lassen wir im wahrsten Sinne des Wortes links liegen und genießen statt dessen den nicht enden wollenden Kurvenschwung.

In Saint-Jean-du-Gard biegen wir auf die rumpelige D983 ab und folgen nun dem Flusslauf des „Le Gardon des Mialet“. So langsam wird es Zeit fürs Mittagessen. Das haben wir in „Saint-Germain-de-Calaberte“ eingeplant. Zielsicher steuern wir (dank der in google-maps recherchierten Koordinaten) das kleine Lokal „Placette“ an, das sich als echter Geheimtipp entpuppt.

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Angesichts der kaum vorhandenen Infrastruktur in den Cevennen, sind wir – auch aufgrund der bei früheren Touren gemachten Erfahrungen – dazu übergegangen, die Pausen quasi vor zu buchen. Schon bei der Planung der Routen schauen wir, in welchem Lokal wir unsere Pause einlegen könnten und fragen dort nach, wie die Öffnungszeiten sind und ob wir beispielsweise mit unserer Gruppe zum Mittagessen vorbeischauen dürfen. Das macht im Vorfeld zwar reichlich Arbeit, garantiert aber während der Tour einen relativ entspannten Ablauf. So auch heute: auf der kleinen Dachterrasse des „Placette“ ist die lange Tafel schon für uns eingedeckt und der „Maitre“ weiß, dass wir kein Menue sondern nur eine Kleinigkeit wollen; eigentlich.

Auf der mit Kreide beschriebenen Schiefertafel lassen die verschiedenen Gerichte die Wahl zur Qual werden, doch schließlich hat Jeder das für ihn passende Mittagessen gefunden.

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Ich nutze die Gelegenheit und schlendere ein wenig durchs Dorf. Im Jahr 1800 lebten hier noch 1669 Menschen, 2003 waren es noch 445. Jahrhundertelang waren die Menschen Selbstversorger, lebten von Ackerbau und Viehzucht, zu der in erster Linie Schafe, Ziegen, Rinder und Hühner gehörten. Im 18. und 19. Jahrhundert florierte die Seidenweberei. Noch heute wird Pélardon-Käse produziert und in geschützten Lagen werden Esskastanien oder Maulbeerbäume angepflanzt. Mittlerweile lebt das Dorf vorwiegend vom Tourismus, etwa durch das Vermieten von Gîtes – kleinen Ferienwohnungen.

Direkt neben der Pfarrkirche „Saint-Germain“, deren Ursprünge auf das 14./15. Jahrhundert zurück gehen, steht die Skulptur des „Homme Cevenol“, die an die regionale Kultur des Bauens mit unbearbeiteten Natursteinen erinnern soll.

Auch in Saint-Germain-de-Calaberte hat die Kirche – oder sollte man besser sagen, die Auseinandersetzung um den „richtigen“ Glauben – ein dunkles Kapitel der Geschichte geschrieben. Im 16. und 17. Jahrhundert geriet das Dorf unter protestantischen Einfluss. Dem bereitete jedoch der Krieg gegen die Kamisarden (wie die Hugenotten hier genannt wurden) ein Ende, nachdem das im Jahr 1598 von Heinrich dem IV. erlassene „Edikt von Nantes“ von Ludwig XIV rund hundert Jahre später wieder aufgehoben wurde. In der Folge fanden in den Jahren 1702 bis 1705 inquisitorische Strafmaßnahmen in den Bergdörfern der Cevennen statt – die so genannten Dragonaden. Ziel war es, die Bevölkerung zurück zum katholischen Glauben zu zwingen.

Dragoner (daher der Name „Dragonade“) wurden auf Befehl des Königs in den Höusern jener Menschen einquartiert, die als unbotmäßig oder gar als potentiell aufrührerisch galten. Die betroffenen Familien mussten die Soldaten in ihren Häusern dulden und für deren Verpflegung aufkommen. Sehr oft plünderten die Dragoner die Häuser, erpressten Geld und bedrängten die Frauen bis zur Vergewaltigung. Ihre eigentliche Aufgabe was die Überwachung der Bewohner; das Lesen und das Studium der Bibel sowie das Singen von Psalmen sollte unterbunden werden. Gegen diese und andere Repressalien lehnte sich die Hugenotten schließlich auf, doch ihr Widerstand wurde blutig niedergeschlagen, weite Landstriche der Cevennen regelrecht entvölkert. Erinnert wird daran allenfalls in den Geschichtsbüchern.

Wir wenden uns den Freuden unserer Motorradtour zu und genießen, was die Küche auf den Tisch zaubert – und das sind ordentliche Portionen, die uns ganz sicher satt werden lassen.

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Der doppelte Hamburger mit Ziegenkäse war nur eine der Köstlichkeiten, unter denen wir auswählen konnten …

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Auf kleinen kurvenreichen Straßen fahren wir nach der ausgedehnten Mittagspause weiter und legen unterwegs immer wieder kurze Fotostopps ein.

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Am späten Nachmittag ist der „Lac de Villefort“ erreicht. Der 35 Millionen Kubikmeter Wasser fassende Stausee dient in erster Linie der Stromversorgung. Wir legen auf der Terrasse des „Hotel du lac“ eine erholsame Kaffeepause ein.

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Auf schmalen Wegen geht es anschließend weiter Richtung N88. Die letzten Kilometer sind wir auf der gut ausgebauten Nationalstraße – mit der in Frankreich derzeit geltenden Höchstgeschwindigkeit von unglaublichen 80 km/h (auf einspurigen Landstraßen) – unterwegs. Dann heißt es noch einmal volltanken.

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Die „Pferde“ kommen in einen geräumigen Stall, der direkt gegenüber dem Hotel liegt …

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… dann wartet, „getaner Arbeitet“, das wohlverdiente Feierabendbier auf uns.

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Das kann Charly nicht so richtig genießen, kündigt die Wetter-App doch für den morgigen Dienstag Regen an.

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Von dieser Prognose lassen wir uns aber nicht beirren, sondern genießen erst einmal das leckere Abendessen.

 

Als wir satt und zufrieden ins Bett gehen, verwendet keiner mehr einen Gedanken an das morgige Wetter – das können wir sowieso nicht ändern. Machen wir also das Beste daraus. Bis dahin: gute Nacht 😉

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die wir am Montag, den 9.9.2019 zurückgelegt haben. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

Das erste Ziel: die Hochebene

Was für ein Start in den Morgen. Die Temperaturen liegen gerade einmal knapp über null Grad, als sich die Sonne Sonne gegen halb acht so langsam über die bewaldeten Anhöhen schiebt. Ein herrlicher Anblick!

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Im Hotel riecht es nach frischen Croissants, als wir uns zum Frühstück treffen. Heute wollen wir die Hochebenen der Cevennen erkunden; stellenweise führt die Straße bis hinauf auf rund 1.600 Meter. Kurven gibt es in allen Variationen, Straßenbeläge auch. Bei der Kaffeepause genießen wir eine herrliche Aussicht und das Mittagessen ist ein lukullischer Volltreffer.

Festgehalten haben wir das allen in einem kleinen Relive-Video. Der ausführliche Bericht zur Tour folgt in ein paar Tagen.

 

Châteauneuf-de-Randon – wir kommen!

Sonntag, 8.9.2019 / Cevennen – 1. Tourtag: Noch ballen sich dunkle Wolken am Himmel, als ich gegen sieben das erste Mal aus dem Fenster blicke. Erfahrungsgemäß kein Grund zur Sorge. Nach dem Frühstück sieht es meist ganz anders aus.

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Kaffeeduft zieht durchs Treppenhaus, frisches Baguette, leckere Wurst und eine feine Käseauswahl sorgen für einen guten Start in den neuen Tag. Ich kann es heute ganz relaxt angehen lassen, „muss“ ich doch den Begleitbus fahren und brauche insofern nicht um 9 Uhr auf dem Motorrad sitzen.

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Deutlich angespannter ist schon Charly, ist sein Motorrad doch das Einzige, das nicht vollgetankt ist. Ob ich nicht zufälligerweise einen Reservekanister im Ducato habe, fragte er beiläufig? Habe ich – sogar zwei, randvoll mit gutem Super 95. Also wird umgefüllt.

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So langsam füllt sich der Parkplatz, letzte Vorbereitungen werden getroffen. Alle sind gut gelaunt und freuen sich auf die abwechslungsreiche Touren, die vor uns liegen.

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Nun steht dem Tourstart nichts mehr im Wege, oder? Als alles Gepäck im Ducato verstaut ist und Dieter noch mal ein paar Tipps für die erste Etappe gegeben hat, machen sich die Motorradfahrer auf den Weg – alle, bis auf einen. Denn Charly GS mangelte es nicht nur an Sprit, sie mag heute morgen – im Gegensatz zu gestern – auch nicht mehr anspringen. Der Anlasser klackert nur noch müde vor sich hin …

Glücklicherweise findet sich im Ducato auch ein Starthilfe-Set, so dass der Boxer fremdgestartet werden kann und nach dem dritten Versuch endlich wieder läuft. Nun heißt es: Châteauneuf-de-Randon – wir kommen!

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Es ist schon fast halb elf, als ich mich in den Ducato werfe. Gut 350 Kilometer liegen auch vor mir, die meisten davon auf der Autobahn. Ich wähle die östliche Route, die mich über Annecy und Aix-les-Bains Richtung Lyon führt. Bei Chasse-sur-Rhône ist die Zufahrt zur A47 wegen Bauarbeiten komplett gesperrt. Folglich muss ich einen Umweg über Vienne fahren und mich entlang der Rhone zurück nach Givors zu hangeln.

Die Strecke wird bergiger. Immer wieder prasseln heftige Regenschauer nieder. Die Motorradgruppe hat mehr Glück – nur einmal öffnet der Himmel kurz seine Schleusen. Erst nach Saint-Étienne – der Hauptstadt des ostfranzösischen Départements Loire, die bei der Durchfahrt nicht sonderlich einladend wirkt, aber eine spannende Geschichte hat – (im 14. Jahrhundert Zentrum der Metallverarbeitung, insbesondere der Waffenfabrikation, des Posamentiergewerbes und der Werkzeugherstellung. Später wurde im großen Maße Steinkohle abgebaut; um das „schwarze Gold“ abtransportieren zu können, sollte in den Jahren 1823 bis 1827 wurde zwischen Saint-Étienne und Andrézieux-Bouthéon die erste, zunächst noch als Pferdebahn betriebene Eisenbahnlinie auf dem europäischen Kontinent erbaut werden) -, finde ich einen schönen „Aire de repos“ für ein kleines Picknick.

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Wenig später taucht rechter Hand Puy-en-Velay auf. Besondere Sehenswürdigkeit der Stadt sind zwei Basaltkuppen, ehemalige Vulkanschlote, die so genannten Puys. Auf einem der beiden thront die Kirche des „Heiligen Michael auf der Nadel“ (Saint-Michel d’Aiguilhe). Das Gotteshaus nimmt die gesamte Gipfelfläche ein und passt sich mit seinem Umriss der natürlichen Form des Felsens an.

Gut 50 Landstraßen-Kilometer sind es noch bis zum Hotel. Das Wetter wird zunehmend besser. Für Châteauneuf de Randon ist strahlender Sonnenschein vorhergesagt. Die Wolken am zunehmend blauen Himmel zeichnen dramatische Bilder, die immer wieder mal im Foto festgehalten werden müssen.

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Kurz nach 16 Uhr habe ich mein Ziel erreicht – das „Hotel de la Poste“, das uns von einer zurückliegenden Tour noch in guter Erinnerung ist. „Wir kommen wieder“, hatten wir seinerzeit zugesagt; heute lösen wir unser Versprechen ein. Ich lade meine Sachen aus und gönne mir erst einmal einen Kaffee.

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Kurz vor halb sieben trifft auch Dieter mit der Motorradgruppe ein; alles ist gut gelaufen. Jetzt heißt es sich erst einmal sortieren, auspacken und das Feierabendbier genießen.

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Unterdessen geht so langsam die Sonne unter. Es wird frisch: das Hotel steht auf gut 1.000 Höhenmetern.

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Dann geht es zum gemeinsamen Abendessen. In der alten Scheune sitzen wir zusammen und genießen ein wunderbares Drei Gänge-Menue. Allein die tolle Küche des „Hotel de la Poste“ war für uns ein Grund, hier erneut ein paar schöne Tage zu verbringen.

Morgen steht die erste Tagestour auf dem Programm. Wir wollen die Hochebenen der Cevennen unter die Räder nehmen. Bei der sternklaren Nacht, die uns erwartet, könnte das temperaturmäßig eine kleine Herausforderung werden.

Der Kartenausschnitt zeigt die Strecke, die ich mit dem Ducato zurückgelegt habe. Im anschließenden Post siehst Du die Route auch im Video. Das haben wir, zusammen mit einem kurzen Text; schon während der Tour veröffentlich.

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Quelle: MapOut – eine sehr empfehlenswerte App

In einem Rutsch nach Chateauneuf

Das Drama beginnt am frühen Morgen. Erst fehlte es an Sprit, dann mag die GS nicht anspringen. Schließlich konnten wir alle Probleme lösen, so dass sich die Motorradgruppe mit etwas Verspätung doch noch in Bewegung setzen konnte. Gut 350 Landstraßenkilometer galt es zu bewältigen.

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Ich genieße den Umstand heute morgen nicht auf die Uhr schauen zu müssen und schwinge mich erst nach zehn mit dem Ducato auf die Autobahn. Bis kurz vor Puy-en-Velay regnet es immer wieder heftig; die Motorradgruppe hat mehr Glück. Da waren die Straßen nur des morgens kurz nass.

Kurz nach 18 Uhr sind alle im Hotel. Wir freuen uns auf vier abwechslungsreiche Touren in den Cevennen.

Auch von der Zwischenetappe gibt es ein kleines Relive-Video: