Auf einen Rutsch ins Waldviertel

So spät bin ich noch nie zu einer Motorradtour aufgebrochen. Es war schon Mittag, als der Diesel des Ducatos endlich angeworfen werden konnte. Im Laderaum: meine kleine 350er Suzi zum Endurowandern und eine nagelneue XC 800, die Triumph uns freundlicherweise für Testfahrten der Teilnehmer zur Verfügung gestellt hatte – sowie jede Menge Gepäck, das ich für einige der Motorradfahrer mitnehmen sollte.

Jetzt schnell noch zu Polo, war mir doch das Öl für den Scott-Oiler der kleinen Enduro ausgegangen, dann ging es auf der A3 immer Richtung Süden. Der arbeitsreiche Vormittag, den ich zwangsläufig einlegen musste, weil Manches einfach keinen Aufschub mehr duldete, hatte im Nachhinein auch seine Vorteile: zwei große Staus, die mich bei einem frühen Start am Morgen ordentlich aufgehalten hätten, hatten sich schon wieder aufgelöst, so dass ich gut 600 Kilometer freie Fahrt hatte.

Auf kurvenreicher Landstraße ging es die letzte halbe Stunde Wegstrecke dann Richtung Yspertal. Die Sonne verschwand schon langsam hinter den Bergen, die Berge am Horizont lagen im dämmrigen Abendlicht – eine tolle Szenerie, die unbedingt im Bild festgehalten werden musste.

Kurz darauf war der Gasthof „Drei Hacken“ erreicht. Dort wurde ich herzlich begrüßt: Michael und Tine waren schon eine ganze Woche da, Thomas und Inge kurz vor mir angekommen. Alle übrigen Teilnehmer (und Guides) werden erst am Sonntag eintreffen.

Beim gemeinsamen Abendessen, das ausgesprochen lecker war, ließen wir Erinnerungen an früher Touren lebendig werden und überlegten, was uns in den nächsten Tagen wohl erwarten würde. Andy, der Wirt, hatte sich für unsere Endurowanderung etwas ganz besonderes ausgedacht. Wir sind schon sehr gespannt …

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Abendstimmung im Waldviertel. Hier lässt es sich beschaulich Motorrad fahren. Eine tolle Woche liegt vor uns.

Neue Ziele entdecken

Am Sonntag geht es los. Dann startet unsere Motorradreise ins Waldviertel. Das Yspertal ist das Ziel, das – zugegebenermaßen – eher in Niederösterreich liegt. Aber Wälder und Burgen sind nicht weit 😉

Eigentlich wollten wir in der Region nahe Wien eigentlich „nur“ Endurowandern. Andreas, der Wirt vom Gasthof Drei Hacken, hatte mal in einer Motorradzeitschrift geschrieben, ein paar nette Touren im Programm zu haben. Schnell war ein Kontakt hergestellt und ein Termin vereinbart.

Das „Drei Hacken“ gehört zur MoHo-Gruppe, einem Zusammenschluss Motorrad fahrender Hoteliers. Einer der Initiatoren dieses Verbunds ist Christian vom Hotel „Solaria“ in Obertauern, mit dem wir schon des öfteren tolle Endurowanderungen veranstaltet haben. Und so sind wir nun sehr gespannt, was uns im MoHo-Hotel „Drei Hacken“ erwarten wird.

Acht Endurofahrer haben sich angemeldet, mit denen wir fünf Tage unterwegs sein werden. Hinzu kommen 21 Teilnehmer auf ganz normalen Straßenmaschinen. Denn das Waldviertel will nicht nur auf Waldwegen entdeckt werden. Wenn wir schon mal da sind, bieten wir auch eine „normale“ Tour an, hatten wir uns gedacht – und waren von der erfreulich hohen Resonanz überrascht.

Jetzt müssen wir nur noch ankommen. Am Wochenende soll es ja fürchterlich heiß werden. Zum Motorradfahren ist das nicht ideal – aber allemal besser als Regen.

Bis in den Knüllwald

Strahlender Sonnenschein schon früh am Morgen. Mittlerweile ist unsere Gruppe auf mehr als 40 Teilnehmer „angeschwollen“. Mit fünf Gruppen werden wir unterwegs sein; der Knüllwald ist das Ziel.

Kreuz und quer geht es zunächst, auf möglichst kleinen Straßen, Richtung Schloss Eisenbach, nahe Lauterbach. Unter alten Kastanien sitzend legen wir hier die erste Kaffeepause ein.

Dann fahren wir immer Richtung Norden. In Oberaula legen wir einen Tankstopp ein und müssen erstmals über 1,70 Euro für den Liter Super zahlen! Mit 636 Metern erreichen wir am Eisenberg den höchsten Punkt der heutigen Tagestour. Bald darauf ist Rengshausen, inmitten des Knüllwalds, erreicht.

In der „Alten Oberförsterei“ genießen wir – im Garten sitzend – ein leckeres Mittagessen, bevor es langsam wieder zurück ins Hotel geht; natürlich nicht ohne Kaffeepause mit Bienenstich im kleinen Örtchen Maar. Zwischen 270 und 340 Tageskilometer stehen am Abend auf der Uhr, je nachdem, wie lang die Kaffeepause war – auf die zwei Gruppen zugunsten einer etwas längeren Tour verzichtet hatten. So werden Prioritäten gesetzt 😉

Am Abend stand das das Grillfest auf dem Programm. Punkt 19 Uhr brutzelten die ersten Steaks auf dem offenen Feuer. Es schmeckte – wieder einmal – köstlich und so waren wir froh, dass der Grillmeister immer wieder nachlegte.

So langsam wurde es dämmerig und damit auch ein wenig frisch. Und so wurde für uns ein Lagerfeuer entzündet, dass uns in dieser sternklaren Nacht wohlig wärmte. Jetzt hätte einer noch die Klampfe herausholen müssen – aber das blieb uns erspart.

Bis spät in den Abend saßen wir zusammen – und beschlossen, auch das nächste Sommerfest in der Sieberzmühle zu feiern. Dann geht die Tagestour entweder in die Rhön, den Spessart oder in den Vogelsberg. Möglichkeiten gibt es da viele.

Bei Interesse schicken wir Dir gern eine Einladung. Schreib einfach eine Mail an kurvenfieber@mac.com

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Kaffeepause nahe Schloß Eisenbach. Auf der Terrasse sitzend genießen wir die herrliche Aussicht.

Besuch beim Burgvogt

Die Sieberzmühle im Vogelsberg war das Ziel unseres diesjährigen Sommerfestes der Motorradfahrer. Schon für den Freitagnachmittag hatten sich hier 20 Motorradfahrer zu einer ersten gemeinsamen Ausfahrt verabredet. Bei strahlendem Sonnenschein waren wir gut 90 Kilometer rund um Schlüchtern unterwegs, querten den „Landrücken“ und erreichten schließlich, nach einer knappen Stunde Fahrt, Burg Brandenstein.

Der Burgvogt persönlich empfing uns, um uns die Geschichte des alten Gemäuers ein wenig näher zu bringen. Wohl um das Jahr 1243 errichtet, kaufte 1895 der württembergische Offizier Gustav von Brandenstein die Burg, weil ihm die Namensgleichheit gefiel. Seitdem wohnte und wohnt immer einer der Brandensteiner hier. Und wir machten natürlich ein schönes Erinnerungsfoto.

Zurück in der Sieberzmühle, begrüßen wir die übrigen, mittlerweile eingetroffenen Teilnehmer – und erkundigen uns, ob der „Umfallschaden“ an der Honda CBF 600 zwischenzeitlich behoben werden konnte.

Einem unserer Motorradfahrer war die Maschine direkt vorm Hotel umgekippt – und dabei die Fahrer-Fußraste am Schalthebel abgerissen. Dank Schutzbrief wurde die fahrunfähige Honda nach Fulda gebracht; nachdem eine „Fachwerkstatt“ nicht weiterhelfen konnte, war der Polo-Shop in Fulda die „letzte Rettung“.

Nach langem Suchen fand sich in den Tiefen des Lagers eine einigermaßen passende Raste, die mit dem Shop-Werkzeug auch gleich montiert werden konnte. Das war ein toller Service – herzlichen Dank an Polo.

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Der Burg Brandenstein statteten wir am Nachmittag einen kurzen Besuch ab – und machten ein Gruppenfoto im Innenhof.

Einladung zum Sommerfest

Am Wochenende des 10. bis 12. August feiern wir unser diesjähriges Sommerfest. Genau die richtige Zeit, um die tollen Motorradtouren, die wir in diesem Jahr schon gefahren sind, noch einmal Revue passieren zu lassen, aber auch, um Pläne für die kommende Saison zu schmieden.

Mit allen, die am Freitag bis 16 Uhr in unserem Hotel im Vogelsberg sein können, wollen wir schon mal eine kleine Runde fahren, ansonsten steht für den Samstag eine schöne, ausgedehnte Runde rund um die alten, längst erloschenen Vulkane rund um den Hoherodskopf auf dem Programm. Und abends wollen wir dann lecker grillen.

Wenn Du beim Sommerfest dabei sein möchtest, Dich bisher aber noch nicht angemeldet hast, schreib einfach eine Mail an: kurvenfieber@mac.com

Wir freuen uns auf Dein Kommen!

Sommerreise: Von Weimar bis nach Hamburg

Am Sonntag geht es los: die erste Motorrad-Sommerreise der EVG startet ab Weimar. 18 Motorrad fahrende Mitglieder der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, darunter zwei Vorstände, wollen das Thema „Betriebsbesuche“ neu definieren. Unter dem Motto „Mitglieder besuchen Mitglieder“ fahren wir von Weimar über Gera, Wolkenstein, Cottbus, Pasewalk und Waren bis nach Hamburg, um unterwegs Kolleginnen und Kollegen in ihren Betrieben zu besuchen. Gut 2000 Kilometer werden so zusammenkommen.

Natürlich führen wir wieder Tagebuch, diesmal aber auf der Seite der evgbiker. Wenn Du wissen möchtest, was wir unterwegs so erleben, solltest Du in der nächsten Woche da öfter mal reinklicken. Wird bestimmt interessant.

Fast wie ein Tag Urlaub

Das Siebengebirge bei Bonn war Ziel der zweiten Tagestour, die wir in diesem Jahr für die vhs Main-Taunus im Angebot hatten. Treffpunkt war am Samstagmorgen die Autobahnraststätte Medenbach, kurz hinter dem Wiesbadener Kreuz. 18 Motorradfahrer hatten sich für diesen kurvenreichen Tripp angemeldet, so dass wir mit zwei Gruppen unterwegs waren.

Um schnell in Richtung Norden zu kommen, hatten wir gut 50 Kilometer Autobahn eingeplant. Bis zur Abfahrt Nentershausen, hinter Limburg, blieben wir auf der A3, um dann – auf kleinen, kurvenreichen Straßen – in den Westerwald einzutauchen. Das Gelbbachtal war das erste Ziel, wobei wir heute die fahrerisch viel interessanteren Nebenstrecken unter die Räder nahmen.

Dann ging’s Richtung Bad Ems und auf schmalen Pfaden schließlich nach Höhr-Grenzhausen. Bis zum kleinen Örtchen Grenzau war es nun nicht mehr weit. Im Burghotel wollten wir die erste Kaffeepause einlegen. Antje Giese, die Besitzerin, hatte uns ein tolles Angebot gemacht: wer mochte, konnte ein zweites Frühstück einlegen, durfte dafür das Buffet plündern und brauchte nur 6,50 Euro zu bezahlen – Mengenrabatt sozusagen.

Bis dahin sollte es aber noch ein weiter Weg sein. Irgendwie hatten wir übersehen, dass sich das Hotel am Fuße der Burg befand. Wir hingegen fuhren erstmal die kurvenreiche Strecke hoch zur Ruine, suchten dort vergeblich nach unserem ersten Etappenziel und wurden dann schließlich „im Tal“ fündig. Die Frühstückspause hatten wir uns nun redlich verdient!

Frisch gestärkt ging es nun ins Riesengebirge. Auch auf den nächsten 80 Kilometern waren wir vorwiegend auf kleinen Straßen unterwegs. Das wegen Bauarbeiten nur eingeschränkt befahrbare Wiedtal hatten wir ganz für uns alleine und auch sonst war nur ganz selten mal ein Auto vor uns.

Kurz vor der Mittagsrast brauten sich dunkle Wolken über uns zusammen. Doch wir hatten Glück und fuhren dem Regen regelrecht hinterher. In Aegidienberg angekommen, war nur noch der Hotelparkplatz nass – zum Glück! Als alle Motorräder abgestellt waren, war ein leichtes Zischen zu hören: im Hinterrad einer GS steckte ein kleiner Nagel. Glücklicherweise hatten wir Flickzeug und einen kleinen Kompressor dabei, so dass das Loch schnell geflickt war.

Auf dem Rückweg wollten wir noch einmal das Wiedtal queren. Da wir von der Baustelle wussten, nahmen wir auch diesmal die Warnhinweise nicht so wirklich ernst. Doch dann kam es anders als vermutet. Noch vor Erreichen des Wiedtals war plötzlich die Straße weg! Ein tiefer Absatz im Asphalt tat sich vor uns auf, dann 200 Meter Schotter und ein Bagger, der sich aber umfahren ließ. Nach kurzer Diskussion war klar: das schaffen wir. Mit ein bisschen Mut und Unterstützung konnten auch die Nicht-GS-Fahrer (von denen es noch erstaunlich viele gibt) kleine „Hindernis“ überwinden, so das wir unsere Reise wie geplant fortsetzen konnten.

Im alten Bahnhof von Grenzau, der in ein nettes Lokal verwandelt, wurde, ließen wir die Tour am späten Nachmittag bei Kaffee, Eis und Waffeln ausklingen. „War fast wie ein Tag Urlaub“, fasste einer der Teilnehmer das Erlebte zusammen. Das fanden wir auch. Schön, wenn es allen gefallen hat.

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Was für eine Überraschung: Auf einmal war die Straße weg! Mit ein bisschen Mut ging´s dann aber trotzdem weiter.

Die Tracks unserer Schottlandreise

Fast 3000 Kilometer waren wir in Schottland unterwegs. Von Freitag bis Samstag der darauffolgenden Woche sind wir an insgesamt neun Tagen von Newcastle bis hoch in den Norden und wieder zurück zum Fährhafen gefahren. Mit drei Gruppen waren wir unterwegs, die – je nach Interesse der Teilnehmer – nicht immer die gleichen Strecken gefahren sind.

Alle Routen kannst Du nun auf unserer GPSies-Seite nachverfolgen, nach Tagen und Tourguides geordnet. Zudem gibt es einen Gesamtüberblick, der deutlich macht, dass wir kaum etwas ausgelassen haben.

Hier ist der entsprechende Link: http://www.gpsies.com/mapUser.do?username=kurvenfieber

In Schottland war das Wetter besser

TOURBERICHT SCHOTTLAND
Sonntag, 24. Juni 2012 | 11. Tag

Mit gut einer Stunde Verspätung sind wir in IJmuiden angekommen. Nach einem leckeren Frühstück mit Fensterplatz und Blick auf die Weiten des Meeres warten wir darauf, die Fähre verlassen zu können. Im Hafen regnet es – und nicht nur da. Fast während der ganzen Fahrt nach Hause schüttet es wie aus Eimern. Da war das Wetter in Schottland deutlich besser.

Der Abschied im Fährhafen fällt entsprechend kurz und hektisch aus. Schnell sagen wir uns auf Wiedersehen, dann geht es allein oder in kleinen Gruppen nach Hause. Spätestens beim Nachtreffen im November werden wir uns wiedersehen; vielleicht auch schon im August, zum Sommerfest. Und dann werden wir schwärmen, von den herrlich erlebnisreichen Tagen, die wir gemeinsam in Schottland verbracht haben. Dies war unsere dritte Reise in die Highlands – aber bestimmt nicht die letzte.

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Was für ein Service: Unterm Regenschirm das Gepäck verzurren – so etwas gibt es nur bei unseren Touren 😉

Immer hart am Wind

TOURBERICHT SCHOTTLAND
Samstag, 23. Juni 2012 | 10. Tag

Heute fahren wir zurück zur Fähre. Unser erlebnisreicher Motorradurlaub in Schottland geht unweigerlich zu Ende. 250 Kilometer Wegstrecke liegen vor uns; 160 Kilometer bis zur „schottischen Grenze“ in den Borders und dann noch mal 90 Kilometer bis nach Newcastle.

Es ist windig an diesem Morgen. Wir „segeln“ quasi hart am Wind. Selbst auf gerader Strecke nimmt das Motorrad ordentlich Schräglage ein. Besonders heftig wird das, als wir bei Edinburgh die gewaltige Brücke über den „Firth of Fort“ queren. Vor heftigen Windböen wird ausdrücklich gewarnt – und die beuteln uns dann auch ordentlich durch.

Im Tweed-Tal finden wir einen netten Coffee-Shop in sich dem augenscheinlich alle alten Damen des Ortes zum Kaffeeklatsch treffen – lovely! Dann geht es weiter in die Borders. Hoch oben in den Bergen liegt die Grenze zwischen Schottland, die mit einem mächtigen Stein markiert ist. Ein glücklicher Zufall will es, dass alle drei Gruppen fast zeitgleich eintreffen, so dass wir noch mal ein schönes Erinnerungsfoto machen können.

Kurz vor Newcastle finden wir ein nettes Inn, in dem wir ein letztes Mal zum Mittag die klassischen „Bar-meals“ ordern. Dann ist der Fährhafen erreicht. Alle sind wohlbehalten angekommen; um 17 Uhr legt die Fähre ab zum Festland.

Wir lassen es uns an Bord noch einmal richtig gut gehen: schlemmen am abendlichen Buffett und gehen anschließend in die Schiffsbar, in der eine Liveband für ordentlich Stimmung sorgt. Ein letzter Wiskey, dann gehts in die Koje – bei hoffentlich ruhiger See.

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Vor uns liegt Nordengland. Mit vielen schönen Erinnerungen im Herzen heißt es Abschied von Schottland zu nehmen.