SAMSTAG, 7.9.2024 – Um sechs Uhr in der Früh klingelt der Wecker – und doch wird es acht Uhr werden, bis ich endlich wegkomme. Es braucht doch alles seine Zeit …
Die letzte große Tour für dieses Jahr steht auf dem Programm. Das Piemont ist das Ziel, eine Region, die wir häufig nur auf der Durchreise kennengelernt haben. Diesmal nehmen wir uns fünf Fahr-Tage Zeit, um wenigstens einige der zahlreichen Seitentäler entdecken zu können.
Obwohl noch nicht ganz Mitte September scheint es schlagartig Herbst geworden zu sein. Dichter Nebel hängt in den Wäldern, als ich endlich starte, die Sonne hat sichtlich Mühe, diesen zu durchdringen.

750 Kilometer Autobahn liegen vor mir, zu schaffen in gut acht Stunden Fahrzeit, meint das Navi. Dann wäre ich um 16 Uhr da – ohne Pause, ohne Stau; das klappt erfahrungsgemäß nie.

Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten fahre ich über die A5 Richtung Schweizer Grenze und nicht übers Elsass. Letztere Strecke ist zwar gut eine halbe Stunde länger, lässt sich aber deutlich entspannter fahren. Und beim Grenzübertritt in die Schweiz wird man meist durchgewunken …
Es läuft gut. Zwei-, dreimal zähfließender Verkehr, ansonsten rollt es. Vor der Grenze will ich noch mal tanken. Nahe Weil am Rhein wechsele ich auf die A 98 und stehe kurz darauf am „Autohof Dreiländereck“ an der Zapfsäule. Die Tankstelle ist gut frequentiert, oft bilden sich kleine Staus, auch weil die Zufahrt sehr beengt ist. Ich habe Glück und mache den Tank des Ducato ohne Wartezeit randvoll. 1,499 der Liter Diesel, da kann man nicht meckern. In der Schweiz werden dafür 1,97 Euro aufgerufen …

Eine Stunde 25 Zeitverlust durch Staus und Behinderungen prognostiziert die empfehlenswerte Handy-App Sygic für den weiteren Verlauf; das muss doch wirklich nicht sein. Gut eine halbe Stunde geht schon für den Grenzübergang Rheinfelden drauf. Immer wieder geht hier minutenlang garnichts. Dafür den wohlmeinenden Hinweis, einfach mal das Handy wegzulegen …



Endlich in der Schweiz, wird es nicht besser. Gut 80 Kilometer lang stopp and go. Dabei gibt es keine Baustelle und auch keinen Unfall. Es scheinen einfach zu viele Autos gleichzeitig unterwegs zu sein.
Irgendwann rollt es wieder – und ich mache endlich mal Pause. Ein bisschen die Füße vertreten, die herrliche Landschaft genießen und ein wenig Schmunzeln: Auf dem Parkplatz hat ein polnischer Lastwagenfahrer seine Wäsche gewaschen und trocknet diese nun an der Motorhaube …

Vorbei am Ostufer des Genfer Sees, geht es zügig Richtung Großer Sankt Bernhard. Der Tunnel ist der erste, der für den Straßenverkehr in den Alpen gebaut wurde; am 19. März 1964 konnte er eröffnet werden. In weniger als sechs Jahren wurde er fertiggestellt; die Straßenführung auf der italienischen Seite mutet mit ihrem auf Stelzen und in Galerien geführten Verlauf immer wieder abenteuerlich an.
77,50 Euro kostet der Spaß für meinen Kastenwagen, allerdings für die Hin- und Rückfahrt, die ermäßigt ist, wenn man beide Tickets gleichzeitig kauft. Ein paar schnelle Fotostopps auf dem Weg ins Aostatal, dann bin ich auf der A5, die mich direkt nach Turin bringen wird.








Dass im Süden Frankreichs im Herbst ein starker Mistral wehen kann, habe ich schon am eigenen Leib erlebt, dass es die heftigen Fallwinde auch im Norden Italiens gibt, war mit neu. Entsprechende Wetterlagen gibt es auch hier und die Alpen wirken wie ein Katalysator, wenn die Luft wie in einer Düse durch die Täler gesaugt wird. Und so sollte man die Warnungen vor „Strong Wind“, auf den Schilderbrücken an der Autobahn, durchaus ernst nehmen …
Gut eine Stunde, dann bin ich am Ziel. Ein Tankstopp noch, um auf dem Rückweg in einem Rutsch bis nach Deutschland fahren zu können – und natürlich ein erster Espresso in Italien; so der Plan. Auf halber Stecke findet sich eine Esso-Tankstelle, ziemlich verranzt, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt. Kein Hinweis, wo genau die EC-Karte reingesteckt werden muss, alles sehr heruntergekommen. Hier tanke ich lieber nicht.
Dann wenigstens einen Kaffee? Ich gehe an die Bar nebenan. Der Kassierer und die Bedienung unterhalten sich lebhaft mit einem Kunden und machen vorerst keine Anstalten mich zu bedienen. Ok, denke ich mir, hier ticken die Uhren anders, warten wir ein wenig. Es ist ja noch hell …
Zwei Minuten später steht ein dampfer Espresso vor mir und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das Tanken hat bei nächster Gelegenheit dann auch geklappt; im 19 Uhr erreiche ich mein Ziel. Drei Teilnehmer sind, wie ich, schon vorangereist; ich lade den Ducato aus und bringe alles auf mein Zimmer.

Für eine kleine Abkühlung im hoteleigenen Pool ist es heute leider zu spät. Aber vielleicht nach einer der nächsten Touren …




