Tagesarchiv: 17/08/2024

Durch‘s Reich der Riesen

SAMSTAG, 17.8.2024 – Wir haben uns viel vorgenommen, für den heutigen Tag: Noch mal den Tinevegen rauf und dann rechts ab ins „Reich der Riesen“. Einmal quer durch Jotunheimen, ein kurzer Stopp an der Stabkirche von Lom und dann, mit einer Schleife über den „gamle Strynvegen“ runter zum Geiranger. Über die Adlerstraße zur Fähre nach Linge und dann – in einem weiten Bogen westwärts – nach Andalsnes, weil ostwärts die Straße über den Trollstign wegen Steinschlaggefahr gesperrt ist. Gut 380 Kilometer werden so zusammen kommen. Ein gutes Stück „Arbeit“.

Es ist kurz nach 9 Uhr als wir uns die engen Serpentinen zum Tinnevegn „heraufarbeiten“. Der Asphalt ist noch ein wenig feucht, wir lassen es langsam angehen. Die Wolken hängen tief und so wird es ein wenig feucht, als wir die Passhöhe mit gut 1.300 Metern Höhe erreichen. Das Thermometer zeigt knapp 5 Grad an, es nieselt und ist reichlich ungemütlich. Glücklicherweise haben wir gestern schon geübt, wie der Automat für die 60 Kronen Maut bedient wird : Kennzeichen eingeben, motorsykkel antippen, EC-Karte rein, auf Quittung drücken und ab geht’s …

Kaum schwingen wir uns talwärts, wird das Wetter wieder besser. So haben wir Norwegen in den vergangenen Tagen erlebt: auf einen kurzen Schauer folgt umgehend Sonnenschein.

Auf den nächsten Kilometern ist erst einmal wieder Schauer angesagt. Die Straße übers Sognefjell erreicht ihren höchsten Punkt bei 1397 Metern. Der Wind bläst kräftig, es nieselt, Wolkenfelder ziehen übers Fjell und an den Berghängen liegt immer noch Schnee. Zeit für eine Kaffeepause.

Eine der vielen Touristenhütten empfängt uns mit leckerem Schokokuchen, Zimtgebäck und heißem Kakao. Hier lässt es sich aushalten …

Wir aber müssen weiter: Helm auf, Handschuhe an und rauf aufs Motorrad. Als wir wenig später die „Sagasäule“ erreichen, scheint schon wieder die Sonne. Die Geschichte Norwegens ist hier, seit der Reichsgründung, in Stein gemeißelt.

Als Lom, mit einer der ältesten Stabkirchen des Landes, erreichen wir bei bestem Wetter. Das Innere der Kirche weiß zu begeistern; gerade lauscht eine deutsche Reisegruppe einer Führung und wir hören ein bisschen zu.

Ein netter Kro – so etwas wie ein Landgasthaus – lädt kurz nach eins zur Mittagsrast. Die Speisekarte bietet für jeden etwas. Wir genießen und Essen draußen auf der Terrasse.

Statt direkt zum Geiranger Fjord zu fahren, gönnen wir uns noch einen kleinen Umweg über die „alte Straße nach Stryn“ – ein gut 20 Kilometer langer ungefestigter Weg übers Strynefjell. Er folgt einem alten Reit- und Saumpfad, über den die Menschen einst Güter von der einen Seite des „hohen Gebirges“ zur anderen brachten. 1881 wurde beschlossen, zwischen Grotli und Hjelle eine Straße zu bauen, deren Einweihung 1894 gebührend gefeiert werden konnte. 1978 wurde dann die asphaltierte „Umgehung“ mit drei Tunnels eingeweiht.

Wir nehmen die alte Straße, die uns vor besondere Herausforderung stellt: es nieselt wieder leicht und der Naturbelag wird glitschig wie Schmierseife. Die Aussichten aber sind phänomenal.

Die letzte Kaffeepause legen wir am Geiranger Fjord ein. Den Hype um diesen Ort habe ich nie verstanden. Die herrliche kurvenreiche Serpentinenstrecke runter ins Tal verstopfen Wohnmobile, die anders als in den letzten Tagen, wenig Bereitschaft zeigen Platz zu machen und so beeindruckend ist die Landschaft auch nicht.

Interessant ist: in Geiranger gibt es einen kleinen Laden, der selbstgemachte Schokolade verkauft – die Tafel allerdings für umgerechnet 10 Euro …

Ein kurzer Stopp noch am Aussichtspunkt der Adlerstraße, die in zahlreichen Kurven bergauf führt, dann geht es weiter zur Fähre nach Linge. Es ist schon fast 18 Uhr und wir haben noch ein ordentliches Stück Weg vor uns.

Die Fähre erreichen wir „just in time“. Als wir im Hafen ankommen, legt das Schiff gerade an.

Als sich die Bugklappe wenig später öffnet, ist es fast wie bei der Formel ein. Wir stehen in Reihe drei, links von uns eine Autoschlange, rechts davon zwei – und jeder will als erster von Bord, um anschließend frei Fahrt zu haben. Wir „gewinnen“ das Rennen und „surfen anschließend entlang der Fjorde nach Andalsnes. Gut eineinhalb Stunden brauchen wir für die 100 Kilometer – immer stur mit maximal 80 km/h.

Um kurz nach 20 Uhr sind wir im Hotel, um 21 Uhr gibt’s Abendessen – was für ein toller und erlebnisreicher Tag …