Tagesarchiv: 27/07/2024

Wie kommt ein Engländer in den Spessart?

SAMSTAG, 27.7.2024 – Wie kommt es, dass ein einsam im  Spessart gelegenes Waldhaus den Namen „Engländer“ trägt? Dafür gibt es eine kuriose Erklärung:

„Schuld“ daran soll ein Förster aus dem Bayerischen Wald sein, dem im 18. Jahrhundert das Waldgebiet der Steigkoppe im Spessart zugeteilt worden war. Der kräftige Mann kehrte nach der Arbeit gern im Wirtshaus „Knöpphütte“ ein und prügelte sich dort häufig mit den Einheimischen. Die wollten es dem Förster irgendwann heimzahlen.

Eines Tages „besudelten“ sie ein Geländer aus Eichenplanken „auf niederste Art. Das war am Gipfelgrat aus Sicherheitsgründen angebracht worden, weil dort Gold und Eisenerz abgebaut wurde.

Als der betrunkene Förster über den Berg nach Hause wankte, stützte er sich nichtsahnend auf dem Geländer ab, bemerkte aber erst zu Hause, was ihm widerfahren war. Furchtbar wütend schrieb es in seiner ihm eigenen bayerischen Sprache an die für ihn zuständige Hofkammer in Mainz: „Sollt mer am ferschissnen Gländer oom am Berg a Hittn baun, dass mer di Lumpn besser im Aug bhaltn konn“.

Als das Kurfürstentum Mainz aufgelöst wurde und die Ländereien an Bayern übergingen, soll das Schreiben in die Hände von König Ludwig I gelangt sein. Da die Schrift zum Teil verwittert gewesen sein soll, las der König statt „sollt mer am ferschissnen Gländer oom am Berg a Hittn baun“ die Worte „am enGländer Hüttenbau“. 

Bald darauf kam der König in den Spessart, suchte die Hütte und musste feststellen, dass diese nicht existierte. Daraufhin erteilte er sofort den Auftrag sie zu bauen. Am 16. August 1846 wurde „der Engländer“ von Ludwig I. und seiner Frau Therese von Sachsen-Hildburghausen eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde „der Engländer“ zerstört und später wieder aufgebaut.

Es könnte aber auch sein, dass sich der Name „Engländer“ vom althochdeutschen Wort „Egelter“ ableitet. Das heißt so viel wie „Igelholz“. So wurden früher junge, im Wachstum zurückgebliebene Nadelbäume bezeichnet.

Wir haben „im Engländer“ unsere Kaffeepause während unserer Tagestour zur „Kartause Grünau“ eingelegt. Den Bericht findest Du hier:

Und etwas Hintergrund zur „Kartause Grünau“ hier:

Ein Kloster als Sühne für einen Mord?

SAMSTAG; 27.7.2024 – Sehr idyllisch und ein wenig versteckt am Rande des Kropfbachtals liegen die Ruinen des ehemaligen Kartäuserkloster Grünau. Als Kartause wird ein Kloster des Kartäuserordens bezeichnet. Die erste Kartause wurde im Jahr 1084 von Bruno von Köln und sechs seiner Gefährten in La Charteuse, einer einsamen Gebirgsgegend nahe Grenoble erreichtet. Von „Charteuse“ soll sich der Namen Kartause ableiten.

Kartäusermönche und Nonnen entsagen der Welt durch ein eremitisches Leben und der völligen Hingabe zu Gott. Bestehende Klöster sind für Andere nicht zugänglich. Auch das, was von der Kartause Grünau geblieben ist, kann nur von außen in Augenschein genommen werden. Grund hierfür ist aber die Baufälligkeit der noch bestehenden Gebäude.

272 Kartausen sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden, 22 davon bestehen noch heute – 17 Klöster für Mönche, fünf für Nonnnen.

Der Auftrag, das Kartause Grünau zu errichten, wurde am 15. März 1328 erteilt. Elisabeth von Hohenlohe stiftete das Kloster wohl aus Sühne, für einen von ihr verschuldeten Jagdunfall, bei dem ihr Ehemann, Gottfried von Hohenlohe-Röttingen, ums Leben gekommen war.  gestorben war. Oder war es gar Mord? Auch davon ist in den Geschichtsbüchern zu lesen. Die Wahrheit wird sich nicht mehr herausfinden lassen …

Bis zu den Bauernkriegen entwickelte sich das Kloster prächtig. 1525 kam es zu Plünderungen der Bewohner umliegender Dörfer; die Mönche flohen. 20 Jahre später brauchte die Reformation einschneidende Veränderungen: die Familie der Grafen von Wertheim schloss sich 1545 den Lehren Luthers an und übernahm die Verwaltung von Grünau. 1557 kam es zur vollständigen Auflösung des Klosters und der Vertreibung des letzten Priors. Erst 1629 kehrten die Kartäusermönche zurück; mit einem kaiserlichen Schutzbrief vor der Auflösung geschützt. Der half nicht viel, als 1631 die Schweden und Gustav Adolf das Land eroberten. 1635 erfolgte die Wiedererrichtung als Kloster, das mit der Säkularisation 1803 schließlich aufgegeben wurde und zunehmend verfiel.

Vom einstigen Konventbau, der Klosterkirche, dem Refektorium oder den „Zellen“ der Mönche ist nichts mehr geblieben. Zu sehen sind noch die Ruinen des Prokuratiegebäude aus dem 17. Jahrhundert, Reste der Umfassungsmauer sowie des Hauptgebäudes und ein Gästehaus. 

Hinzu kommt das Gasthaus, in dem sich vortrefflich speisen lässt, wie wir auf unserer Tagestour durch den Spessart feststellen konnten – den neuen Pächtern sei Dank 😉

https://kartausegruenau.de

vhs-Tour zur „Kartause Grünau“

SAMSTAG, 27.7.2024 – Die Wettervorhersage war grauselig. Hatte es vor drei Tagen noch nach einem Tag voller Sonnenschein ausgesehen, wurden nun ergiebige Regenschauer prognostiziert – und das den ganzen Tag lang, in unterschiedlichster Intensität … 

Und so verwunderte es nicht, dass morgens um sieben die erste Absage auf dem Handy aufploppte: „Nicht böse sein, aber heute habe ich einfach keine Lust“, hieß es da; weitere Stornos sollten folgen“. Am Ende waren es vier Wagemutige von ursprünglich zehn Teilnehmern, die pünktlich um 9 Uhr am Treffpunkt standen. „Wird schon nicht so schlimm werden“, meinte Simon – und sollte Recht behalten.

Zwar waren die Straßen bis zur ersten Kaffeepause nass, aber es nieselte nur leicht. Gut gelaunt erreichten wir gegen 10:30 Uhr den „Engländer“. Die Frage, ob wir den Kaffee drinnen oder draußen trinken wollten, war schnell beantwortet: unterm Sonnenschirm war reichlich Platz und die Temperaturen waren mit 20 Grad angenehm. 

Rührei mit Speck gab es auch. „Wenn weiterhin nicht viel los ist, haue ich Dir ein paar Eier in die Pfanne“, meinte der Chef – kurz darauf stand das „zweite Frühstück“ dampfend auf dem Tisch; herrlich.

Das Wetter wurde besser. Es nieselte kaum noch, teilweise waren die Straßen sogar trocken. Während des Fotospaziergangs rund um die Ruinen der Kartause schien sogar die Sonne, beim Mittagessen auch. Die Speisekarte war verlockend, das Essen lecker. Zwei Bratwürste vom Wild mit Saukraut waren mein Favorit; sehr lecker …

Den letzten Stopp wollten wir in der Eisdiele Sara in Mainhausen einlegen. Zehn Kilometer davor fing es zum ersten Mal richtig nass. Kurz darauf saßen wir im Trockenen und aßen Eis, während der Regen auf das breit aufgespannte Sonnensegel prasselte – irgendwie sehr entspannend. Peter war schon frühzeitig abgebogen, Stefan hatte noch einen Termin und auch Simon wollte gleich los. So blieben noch Hans-Friedrich und Wolfgang zum Ausklang der Tour.

Einen großen Waldbeerbecher und zwei Espressi später war ich allein. Der Regen hatte deutlich nachgelassen. Am Nebentisch unterhalten sich zwei Frauen, wie schwer es ist, in ihrem Alter noch einen Partner zu finden. „Sind alle weichgespült, es gibt einfach keine richtigen Männer mehr“, meinte die Eine, während die Andere zustimmend nickte.

Ich bestelle noch einen Milchkaffee und lasse den Tag Revue passieren, während ich die Bilder für meine Facebook-Seite sortiere. Wieder einmal hat es sich als richtig erwiesen, es trotz schlechter Wettervorhersage zu versuchen. Klar wären durchweg trockene Straßen und Sonnenschein schöner gewesen, aber so schlimm, wie vorhergesagt war es dann doch nicht. Ein bisschen Niesel, ein kräftiger Schauer – ansonsten viel Spaß und jede Menge tolle Straßen. Gut, dass wir uns getraut haben 😉


Wir haben den Routenverlauf in „Relive“ festgehalten. Wenn Du sehen möchtest, wo wir entlang gefahren sind und wie viele Höhenmeter wir dabei zurückgelegt haben, einfach auf den Link klicken:

https://www.relive.cc/view/v7O92wkQ3Q6