Landschaften zum Niederknien …

DIENSTAG, 13.8.2024 – Die Ersten sitzen schon früh um sieben am Frühstückstisch und können es garnicht abwarten, bis es endlich losgeht.

Von Meereshöhe bis auf knapp über 1.000 Meter werden heute unterwegs sein. Unterwegs wartet so manche Herausforderung auf uns. Die erste wird die „steilste Straße Norwegens“ sein …

Schon kurz vor neun lassen wir Farsund hinter uns. Wo immer möglich, weichen wir auf kleine Nebenstrecken aus, auf denen wir quasi ganz alleine unterwegs sind. Tief reichen die Fjorde ins Landesinnere hinein. Es ist ein ganz besonderes Erlebnis, so mit dem Motorrad quasi am Meer vorbei zu fahren.

Über den „Lundveien“ erreichen wir den Abzweig zum „Tronasen“, der steilsten Straße Norwegens, die offiziell noch befahren werden darf – nur in eine Richtung. Bei knapp 1,90 Meter Breite ist Begegnungsverkehr nicht möglich. So Manchem der Teilnehmenden sind die Zweifel anzusehen, ob das wirklich so eine gute Idee war, diesen Streckenabschnitt in die Routenplanung aufzunehmen …

Verdammt enge Kehren, Steigungen von mehr als 30 Prozent und ein Asphalt, der stellenweise schon in Renaturierung begriffen ist, erwarten uns. Im Anschluss noch gut 20 Kilometer Naturstraße, die kurvenreich durch dichte Wälder führt. Das süße Gebäck in der „bakeri“ von Tonstad haben wir uns redlich verdient.

Auf Nebenstraßen geht es anschließend weiter zum „Gloppedalsura“, einem riesigen Felsenmmeer, dass vor mehr als 10.000 Jahren durch „Frostsprengungen“ entstanden ist. Riesige Felsbrocken stürzten der Berghang hinunter und liegen wild übereinandergetürmt links und rechts der Straße.

Bald darauf ist „Byrkjedalstunet“ erreicht, ein kleines Gasthaus, in dem wir zu Mittag essen. 

Dann geht es hoch hinaus. Die Straße steigt auf gut 1.000 Meter und führt durch eine surreale Landschaft von Felsen und Mosen, in denen zahlreiche Seen eingebettet sind. Unser Ziel ist der Lysebotn, einer der längsten und tiefsten Fjorde in Norwegen. Von der Aussichtsterrasse eines Cafés lässt sich der Straßenverlauf dorthin erahnen: 27 Haarnadelkurven sowie ein 1.100 Meter langer, in den nackten Fels geschlagener Felsentunnel überwinden auf gut acht Kilometern Strecke 640 Höhenmeter. Fahrerisch eine Herausforderung …

Den Rückweg nutzen wir für den einen oder anderen Fotostopp, bevor wir auf den „Suleskarvegen“ abzweigen, eine alte Handelsstraße, die über eine fantastische Fjell führt. Mehr als 1.000 Meter hoch liegt der höchste Punkt, die Temperaturen hier noch bei maximal 13 Grad – und Deutschland schwitzt bei fast 40 Grad. Da haben wir es besser.

Ein Tankstopp noch kurz vor Hotel – und während die Teilnehmer schon ihre Koffer aufs Zimmer tragen, werfe ich noch einen Blick in die alte Kirche von Rystad, die mit einer „offenen Tür“ wirbt …

Unser Hotel liegt idyllisch am Fluss Otra, der aufgrund seiner Breite fast wie ein Fjord wirkt.

Die Küche verwöhnt uns mit „Speka Fjellaure“, „Kjøttkaker“ als Hauptspeise und einem typisch norwegischen Nachtisch mit einem unaussprechlichen Namen: Tildekka Stakkejente. Heißt soviel wie „das arme verschleierte Mädchen“. Apfelmus und Sahne werden wechselweise übereinander geschichtet, dazu noch Krokant – sehr lecker.

Morgen geht es Richtung Roldal – mal schauen, wie sich das Wetter entwickelt. Gute Nacht …

Ans Südkap von Norwegen

MONTAG, 12.8.2024 – Heute müssen wir ein wenig früher aufstehen. Spätestens um 8:30 Uhr sollen wir am Check in der Fjordline sein. Zwar sind es nur wenige Minuten Fahrzeit vom Hotel zur Fähre. Da wir aber nicht auf den letzten Drücker kommen wollen, starten wir bereits um 8:00 Uhr.

Der Wecker steht auf halb sieben. Doch schon eine gute Stunde früher werde ich wach. Die Vorhänge sind nicht zugezogen – der Horizont ist in dunkles rot getaucht. Die Fenster zeigen nach Osten; gleich geht die Sonne auf, denke ich mir und kann den Feuerball im Bild festhalten.

Wenig später sitzen wir am Frühstückstisch. Wer auf Hardcore steht, verdrückt schon am frühen Morgen einen Matjes. Ich halte es da lieber mit Knäckbrot, das dick mit Frischkäse und Marmelade „belegt“ ist …

Kurz vor acht stehen alle auf dem Hotelparkplatz. Die letzten Gepäckstücke werden „verladen“, der Ducato schon mal in Position rangiert. Der Check in ist anschließend schnell erreicht. Im Stop-and-go geht es voran, dann erhalten auch wir am Schalter unsere Papiere. „Bitte in Reihe 20 fahren“, werfen wir aufgefordert; kaum stehen wir dort, geht’s schon zum Verladen.

Acht Motorrädet passen in eine kleine Nische. Entsprechend abgestellt wird über die Sitzbank verzurrt und die Maschine gegen Umfallen gesichert. Nur das Patent der Spanngurte muss man verstehen …

Wir sind die Ersten auf dem Panoramadeck und finden schnell ein paar Sitzplätze mit guter Aussicht. Gut eine Stunde dauert es, bis alle Motorräder, Autos, Wohnmobile, Busse und Lastwagen verladen sind. Die Sonne scheint, das Meer ist ruhig – wird eine entspannte Überfahrt …

Vier Stunden später, gegen halb zwei, legen wir in Kristiansand an. Wir haben Norwegen, unser Ziel erreicht. Die Fahrt aus dem Fährhafen ist ein wenig mühsam. Die vier Fahrspuren verengen sich auf eine – und da kontrolliert der Zoll.

Unser erstes Ziel ist Mandal, die südlichste Stadt in Norwegen, die für ihre vielen weißen Holzhäuser bekannt ist. Im „Riverside“ legen wir eine kurze Rast ein: es gibt Hotdogs, Eis und Cappuccino – alles, was das Herz begehrt.

Die Nebenstraßen entlang der Küste: ein Traum. Fast wie Achterbahn fahren – oft geht es steil bergab und dann wieder herrlich kurvenreich bergab. Durch dichte Wälder und vorbei an beeindruckenden Seen und Fjorden; ein erster unbefestigter Abschnitt war auch dabei.

Das norwegische Wort für „Wunder“ ist „under“. Under heißt auch das Feinschmeckerlokal an Norwegens Küste, dessen Gastraum unter der Wasserlinie liegt. 90 Plätze befinden sich hinter einer großen Glasscheibe, oft auf Wochen ausgebucht. „Ob wir vielleicht mal reinschauen dürften“ hatten wir vorab gefragt. Leider sei montags Ruhetag und der Personalmangel mache eine Besichtigung nicht möglich“, hieß es. Schade.

Ausgiebig besichtigten können wir hingegen den Leuchtturm am Südkap von Norwegen. Er war das erste richtige Leuchtfeuer, das den Schiffen den Weg wies. In einer Kaverne im Berg wird die Geschichte der Leuchttürme in Norwegen aufgezeigt, hoch oben am Berg selbst – am südlichsten Punkt von Norwegen – steht das historische und immer noch funktionsfähige Bauwerk.

Gut 50 Kilometer noch und wir sind im nächsten Hotel. Obwohl wir fünf Mal keinen Fisch bestellt hatten, sollte jede einen Krabben-Cocktail erhalten. „Nicht?“, fragt die Bedienung – Krabben seien doch kein Fisch … Auch der Lachs als Hauptspeise war lecker, die Crème brûlée zum Nachtisch sowieso. Heute hat mal wieder alles gepasst.

Morgen geht es hoch in „die Berge“. Auf mehr als 1.000 Höhenmeter führen die kleinen Straßen, die wir rausgesucht haben …

Einmal quer durch Dänemark

SONNTAG, 11.8.2024 – „Fahrt am Kreisel geradeaus und dann unter der Hochbrücke gleich links, dann kommt Ihr direkt zur Schwebefähre“, erklärt und der Wirt vom „Schollers“. Es sind die kleinen Besonderheiten, die unsere Reise zu einem einmaligen Erlebnis machen.

Um acht Uhr sitzen wir zusammen beim Frühstück, um neun Uhr soll es losgehen. Zuvor muss aber noch ein Blinker repariert und ein herausgesprungenes Visier wieder montiert werden. Dann folgt die nächste „Herausforderung“: den Weg zur Schwebefähre finden.

Mit dem Bau des Nord-Ostsee-Kanals, der am 18. Juni 1895 eingeweiht worden war, büßte die Gemeinde Osterrönfeld die direkte Verbindung nach Rendsburg ein. Gelöst wurde dieses Manko, indem unter eine bereits vorhandene Eisenbahnbrücke eine Schwebefähre „eingehängt“ wurde.

Vier 35 Meter lange Trageseile und acht gekreuzte Versteifungsseile halten die 14 Meter lange und sechs Meter breite Fähre an einem Fährwagen. Dieser hängt unter der Hoch­brücke und wird mit vier Motoren angetrieben. Mit Müh und Not haben unsere 14 Motorräder auf die Plattform gepasst – und nach gut eineinhalb Minuten Fahrt waren wir auf der anderen Seite.

Geplant war dieser „Abstecher“ nicht. Die Schwebefähre hatten wir des Abends durch Zufall entdeckt und morgens spontan beschlossen: damit müssen wir fahren – zumal es davon weltweit nur acht Stück geben soll.

Kurz darauf sind wir auf der Autobahn Richtung Flensburg. Die Grenze zu Dänemark passieren wir ohne Kontrollen. Maximal 130 km/h sind nun erlaubt, dich über weite Strecken liegt das Tempolimit auf der Autobahn bei maximal 110 km/h.

Nahe Christiansfeld legen wir in einem wunderschönen Kro die erste Kaffeepause ein. Wir sitzen im Grünen und genießen die süßen (mit Aprikosenmarmelade gefüllten) Kringel, die uns ebenfalls „kredenzt“ werden.

Dann heißt es: noch einmal rauf auf die Piste, wir müssen „Meter machen“, wollen wir gegen Abend stressfreie das nächste Hotel in Hirtshals erreichen. Pünktlich um eins rollen wir auf dem Parkplatz von „Jensens Bøfhus“ aus – einem Steakhaus, in dem es auch leckere Burger gibt. Der „Beastburger“ hatte es mir angetan – voll lecker.

Nach dem Essen wechseln wir auf die Landstraße, fahren durch herrliche Wälder und eine leicht hügelige Landschaft. Obwohl nicht mehr als 80 km/h erlaubt sind, kommen wir gut voran. Das Landschaftsbild wandelt sich. Jetzt „durchqueren“ wir endlose Kornfelder, die oft bis zum Horizont reichen.

Ein Golfplatz ist das nächste Ziel, besser gesagt: das dortige Café. Zudem gibt es leckeren Apfelkuchen – Volltreffer 😉

Die letzten 70 Kilometer „segeln“ wir hart am Wind, der kräftig aus Richtung Westen bläst. Kurz nach sechs sind wir im Hotel. Schnell die Koffer ausladen und dann ab unter die Dusche.

Das Abendessen weiß zu begeistern, der Sonnenuntergang, den wir vom Panoramarestaurant aus genießen, auch.

War wieder ein schöner Tag heute. Morgen früh geht’s mit der Fähre nach Kristiansand. Dann sind wir endlich in Norwegen …

Auf in den Norden …

Samstag, 10.8.2024 – Es ist halb zehn, als ich den Motor des Ducatos starte. Gut 600 Kilometer Autobahn liegen vor mir. Ich lasse es gemütlich angehen, bis 18 Uhr sollte ich das „Schollers“ in Westerrönfeld erreichen.

Die 200.000 werden auf dieser Tour vollgemacht …

Ab und an ist es in den Baustellen ein wenig zäh, ansonsten läuft es. Die „Kasseler Berge“ sind wieder eine Qual: so mancher Lastwagen haderte mit den Steigungen, wird langsamer, so dass die Autos hinter ihm, oft ganz auf die mittlere Spur ziehen und den Verkehr ebenfalls ausbremsen. Nicht ungefährlich …

Da, wo es sich richtig staut, schlägt mein Navi frühzeitig eine Alternative über die Landstraße vor, so dass ich zügig vorankomme. Nach dem erste Liter Kaffee ist eine Pause nötig, es geht aber zügig weiter.

Bestes Reisewetter

Bis kurz vor Hamburg. Der obligatorische Stau vorm Elbtunnel ist heute insgesamt gut zehn Kilometer lang: gut 25 Minuten Zeitverzug.

70 Kilometer vor dem Ziel geht’s wieder auf die Landstraße; die Route führt durch idyllische Dörfer und herrliche Alleen.

Nach einigem Suchen ist endlich auch eine Tankstelle gefunden; es wird kurz nach 18 Uhr, als ich mein Ziel erreiche. Heute Abend gibt es Schnitzel – noch einmal deutsche Hausmannskost genießen, bevor ab morgen die skandinavische Küche überwiegt …

Den Sonnenuntergang genieße ich am Nord-Ostsee-Kanal, der in Sichtweite des Hotels fließt. Morgen geht’s nach Dänemark – einmal quer durch. Und Montagmorgen auf die Fähre nach Norwegen …

Sonnenuntergang am Nord-Ostsee-Kanal

Neue Tagestouren im Programm

Für uns endet die Motorradsaison erst im Oktober. Bis dahin bieten wir für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises in jedem Monat eine kurzweilige Tagestour an. Für den September und Oktober sind neue Angebote dazu gekommen. Du bist herzlich eingeladen dabei zu sein.

Ende August geht es erst einmal – wie geplant – zum „Stilfser Joch an der Mosel“. Termin ist Samstag, der 24.8.2024; wir starten um 9:00 Uhr ab der Raststätte Heidenfahrt. Das „Stilfser Joch“ – besser gesagt den „Valwiger Berg“ – werden wir kurz vor dem Mittagessen unter die Räder nehmen, in Valwig selbst unsere Mittagspause einlegen, um dann nach dem Essen die serpentinenreiche Straße noch einmal herunter zu fahren. Klingt verlockend, oder? Die Kaffeepause am Nachmittag ist in einer kleinen Gaststätte am Rhein – mit Blick auf die Loreley geplant. Ab da geht’s individuell nach Hause. Wir würden uns freuen, wenn Du dabei sein würdest. Anmeldungen bitte direkt über die Website der vhs. Hier ist der Link zur Tour:

https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Motorradtour-zum-Stilfser-Joch-der-Mosel/U0100105

Gut vier Wochen später, am Samstag, den 21.9.2024, bieten wir eine Tagestour zur „Felseneremitage“ nahe Bad Kreuznach an. Schon in vorgeschichtlicher Zeit soll eine heidnische Kultstätte in den rotem Fels gehauen worden sein; heute gilt die Felseneremitage als das einzigen Felsenkloster nördlich der Alpen. Eigentlich ist die Anlage für Besucher nicht zugänglich. Wir haben aber eine Führung speziell für unsere Gruppe organisieren können, so dass wir auch einen Blick ins Innere werfen dürfen. Anmeldungen sind jetzt schon möglich; Du darfst die Tour gern im Bekanntenkreis weiterempfehlen. Hier ist der Link zur Tour:

https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Mit-dem-Motorrad-zur-Felseneremitage/V0100305

Zum Abschluss der Motorradsaison 2024 wollen wir dann am Samstag, den 19.10.2024 nach Idar Oberstein fahren. Dort gibt es eine Felsenkirche, die auf dem Fundament einer Höhlenburg errichtet worden ist. 220 Stufen führen hinauf. Wäre es nicht schön, wenn Du uns bei dieser letzten Tour in diesem Jahr begleiten würdest? (Bild: Wikipedia) Hier ist der Link zur Tour:

https://www.vhs-mtk.de/kurssuche/kurs/Motorrad-Abschlusstour-zur-Felsenkirche/V0100306

Ein neues Motorrad?

FREITAG; 2.8.2024 – Ganz filigran trennt Ingo die überflüssige rote Folie ab. Ein Farbtupfer an den Handprotektoren hat noch gefehlt; jetzt ist die Folierung meiner weißen G/S perfekt.

Seit Jahren ärgere ich mich über einen verkratzte Tank. Der war gerade frisch lackiert, da packe ich meinen Tankrucksack drauf, ohne zu merken, dass die Magnete verschmutzt sind und so deutlich sichtbare Spuren in der weißen Farbe hinterlassen.

Folieren wäre vielleicht eine Idee, damit könnte ich auch einen farblichen Akzent setzen. Wie gut, dass Ingo sein Handwerk versteht. Morgens gebracht, sieht die alte G/S schon am Nachmittag aus wie neu – besser noch: wie ein ganz anderes Motorrad. Mir gefällt´s – vielen Dank.

Nachdem ich in der Vergangenheit vorwiegend auf meinem Facebook-Kanal über „meine“ Motorradtouren berichtet habe (https://www.facebook.com/kurvenfieber), werde ich nun wieder öfter auf meinem Blog (ww.kurvenfieber.blog) berichten. Werbung dafür mache ich jetzt ja …

Nach der nächsten Tour, die nach Norwegen führen wird, kommt dann die gelbe G/S zum Folieren. Ich bin sicher, dass Ingo auch da einige optische Akzente setzen wird.

Infos zur Klebitex? Hier klicken:

Wie kommt ein Engländer in den Spessart?

SAMSTAG, 27.7.2024 – Wie kommt es, dass ein einsam im  Spessart gelegenes Waldhaus den Namen „Engländer“ trägt? Dafür gibt es eine kuriose Erklärung:

„Schuld“ daran soll ein Förster aus dem Bayerischen Wald sein, dem im 18. Jahrhundert das Waldgebiet der Steigkoppe im Spessart zugeteilt worden war. Der kräftige Mann kehrte nach der Arbeit gern im Wirtshaus „Knöpphütte“ ein und prügelte sich dort häufig mit den Einheimischen. Die wollten es dem Förster irgendwann heimzahlen.

Eines Tages „besudelten“ sie ein Geländer aus Eichenplanken „auf niederste Art. Das war am Gipfelgrat aus Sicherheitsgründen angebracht worden, weil dort Gold und Eisenerz abgebaut wurde.

Als der betrunkene Förster über den Berg nach Hause wankte, stützte er sich nichtsahnend auf dem Geländer ab, bemerkte aber erst zu Hause, was ihm widerfahren war. Furchtbar wütend schrieb es in seiner ihm eigenen bayerischen Sprache an die für ihn zuständige Hofkammer in Mainz: „Sollt mer am ferschissnen Gländer oom am Berg a Hittn baun, dass mer di Lumpn besser im Aug bhaltn konn“.

Als das Kurfürstentum Mainz aufgelöst wurde und die Ländereien an Bayern übergingen, soll das Schreiben in die Hände von König Ludwig I gelangt sein. Da die Schrift zum Teil verwittert gewesen sein soll, las der König statt „sollt mer am ferschissnen Gländer oom am Berg a Hittn baun“ die Worte „am enGländer Hüttenbau“. 

Bald darauf kam der König in den Spessart, suchte die Hütte und musste feststellen, dass diese nicht existierte. Daraufhin erteilte er sofort den Auftrag sie zu bauen. Am 16. August 1846 wurde „der Engländer“ von Ludwig I. und seiner Frau Therese von Sachsen-Hildburghausen eingeweiht. Im Zweiten Weltkrieg wurde „der Engländer“ zerstört und später wieder aufgebaut.

Es könnte aber auch sein, dass sich der Name „Engländer“ vom althochdeutschen Wort „Egelter“ ableitet. Das heißt so viel wie „Igelholz“. So wurden früher junge, im Wachstum zurückgebliebene Nadelbäume bezeichnet.

Wir haben „im Engländer“ unsere Kaffeepause während unserer Tagestour zur „Kartause Grünau“ eingelegt. Den Bericht findest Du hier:

Und etwas Hintergrund zur „Kartause Grünau“ hier:

Ein Kloster als Sühne für einen Mord?

SAMSTAG; 27.7.2024 – Sehr idyllisch und ein wenig versteckt am Rande des Kropfbachtals liegen die Ruinen des ehemaligen Kartäuserkloster Grünau. Als Kartause wird ein Kloster des Kartäuserordens bezeichnet. Die erste Kartause wurde im Jahr 1084 von Bruno von Köln und sechs seiner Gefährten in La Charteuse, einer einsamen Gebirgsgegend nahe Grenoble erreichtet. Von „Charteuse“ soll sich der Namen Kartause ableiten.

Kartäusermönche und Nonnen entsagen der Welt durch ein eremitisches Leben und der völligen Hingabe zu Gott. Bestehende Klöster sind für Andere nicht zugänglich. Auch das, was von der Kartause Grünau geblieben ist, kann nur von außen in Augenschein genommen werden. Grund hierfür ist aber die Baufälligkeit der noch bestehenden Gebäude.

272 Kartausen sind im Laufe der Jahrhunderte entstanden, 22 davon bestehen noch heute – 17 Klöster für Mönche, fünf für Nonnnen.

Der Auftrag, das Kartause Grünau zu errichten, wurde am 15. März 1328 erteilt. Elisabeth von Hohenlohe stiftete das Kloster wohl aus Sühne, für einen von ihr verschuldeten Jagdunfall, bei dem ihr Ehemann, Gottfried von Hohenlohe-Röttingen, ums Leben gekommen war.  gestorben war. Oder war es gar Mord? Auch davon ist in den Geschichtsbüchern zu lesen. Die Wahrheit wird sich nicht mehr herausfinden lassen …

Bis zu den Bauernkriegen entwickelte sich das Kloster prächtig. 1525 kam es zu Plünderungen der Bewohner umliegender Dörfer; die Mönche flohen. 20 Jahre später brauchte die Reformation einschneidende Veränderungen: die Familie der Grafen von Wertheim schloss sich 1545 den Lehren Luthers an und übernahm die Verwaltung von Grünau. 1557 kam es zur vollständigen Auflösung des Klosters und der Vertreibung des letzten Priors. Erst 1629 kehrten die Kartäusermönche zurück; mit einem kaiserlichen Schutzbrief vor der Auflösung geschützt. Der half nicht viel, als 1631 die Schweden und Gustav Adolf das Land eroberten. 1635 erfolgte die Wiedererrichtung als Kloster, das mit der Säkularisation 1803 schließlich aufgegeben wurde und zunehmend verfiel.

Vom einstigen Konventbau, der Klosterkirche, dem Refektorium oder den „Zellen“ der Mönche ist nichts mehr geblieben. Zu sehen sind noch die Ruinen des Prokuratiegebäude aus dem 17. Jahrhundert, Reste der Umfassungsmauer sowie des Hauptgebäudes und ein Gästehaus. 

Hinzu kommt das Gasthaus, in dem sich vortrefflich speisen lässt, wie wir auf unserer Tagestour durch den Spessart feststellen konnten – den neuen Pächtern sei Dank 😉

https://kartausegruenau.de

vhs-Tour zur „Kartause Grünau“

SAMSTAG, 27.7.2024 – Die Wettervorhersage war grauselig. Hatte es vor drei Tagen noch nach einem Tag voller Sonnenschein ausgesehen, wurden nun ergiebige Regenschauer prognostiziert – und das den ganzen Tag lang, in unterschiedlichster Intensität … 

Und so verwunderte es nicht, dass morgens um sieben die erste Absage auf dem Handy aufploppte: „Nicht böse sein, aber heute habe ich einfach keine Lust“, hieß es da; weitere Stornos sollten folgen“. Am Ende waren es vier Wagemutige von ursprünglich zehn Teilnehmern, die pünktlich um 9 Uhr am Treffpunkt standen. „Wird schon nicht so schlimm werden“, meinte Simon – und sollte Recht behalten.

Zwar waren die Straßen bis zur ersten Kaffeepause nass, aber es nieselte nur leicht. Gut gelaunt erreichten wir gegen 10:30 Uhr den „Engländer“. Die Frage, ob wir den Kaffee drinnen oder draußen trinken wollten, war schnell beantwortet: unterm Sonnenschirm war reichlich Platz und die Temperaturen waren mit 20 Grad angenehm. 

Rührei mit Speck gab es auch. „Wenn weiterhin nicht viel los ist, haue ich Dir ein paar Eier in die Pfanne“, meinte der Chef – kurz darauf stand das „zweite Frühstück“ dampfend auf dem Tisch; herrlich.

Das Wetter wurde besser. Es nieselte kaum noch, teilweise waren die Straßen sogar trocken. Während des Fotospaziergangs rund um die Ruinen der Kartause schien sogar die Sonne, beim Mittagessen auch. Die Speisekarte war verlockend, das Essen lecker. Zwei Bratwürste vom Wild mit Saukraut waren mein Favorit; sehr lecker …

Den letzten Stopp wollten wir in der Eisdiele Sara in Mainhausen einlegen. Zehn Kilometer davor fing es zum ersten Mal richtig nass. Kurz darauf saßen wir im Trockenen und aßen Eis, während der Regen auf das breit aufgespannte Sonnensegel prasselte – irgendwie sehr entspannend. Peter war schon frühzeitig abgebogen, Stefan hatte noch einen Termin und auch Simon wollte gleich los. So blieben noch Hans-Friedrich und Wolfgang zum Ausklang der Tour.

Einen großen Waldbeerbecher und zwei Espressi später war ich allein. Der Regen hatte deutlich nachgelassen. Am Nebentisch unterhalten sich zwei Frauen, wie schwer es ist, in ihrem Alter noch einen Partner zu finden. „Sind alle weichgespült, es gibt einfach keine richtigen Männer mehr“, meinte die Eine, während die Andere zustimmend nickte.

Ich bestelle noch einen Milchkaffee und lasse den Tag Revue passieren, während ich die Bilder für meine Facebook-Seite sortiere. Wieder einmal hat es sich als richtig erwiesen, es trotz schlechter Wettervorhersage zu versuchen. Klar wären durchweg trockene Straßen und Sonnenschein schöner gewesen, aber so schlimm, wie vorhergesagt war es dann doch nicht. Ein bisschen Niesel, ein kräftiger Schauer – ansonsten viel Spaß und jede Menge tolle Straßen. Gut, dass wir uns getraut haben 😉


Wir haben den Routenverlauf in „Relive“ festgehalten. Wenn Du sehen möchtest, wo wir entlang gefahren sind und wie viele Höhenmeter wir dabei zurückgelegt haben, einfach auf den Link klicken:

https://www.relive.cc/view/v7O92wkQ3Q6

Lavendel in der Pfalz

„Typisch Facebook“ denke ich mir. Vor wenigen Tagen habe ich ein tolle Bilder von einem Lavendelfeld in der Pfalz gesehen. Da ich beruflich nach Biblis musste, bot es sich an, dorthin einen Abstecher zu unternehmen. Obwohl ich erst gegen 20 Uhr nahe Obrigheim eintraf, war ich nicht allein – Facebook sei dank, vermute ich.

Ein Liebespaar stand eng umschlungen am Rande des Lavendelfeld, ein professioneller Hundefotograf nutze die Location, um Aufnahmen zu machen. Zwei junge Frauen, von denen eine ein Kind auf dem Arm trug, waren sehr „penetrant“. Sie standen mitten im Feld und machten keinerlei Anstalten, anderen eine „ungestörte“ Aufnahme zu ermöglichen. Als ich sie bat, doch wenigsten mal kurz zur Seite zu treten, taten sie dies unwillig und verständnislos – aber so lange, bis ich mein Bild machen konnte. Danke.

Vielleicht bieten wir nächstes Jahr mal eine geführte Tagestour zu diesem tollen Lavendelfeld an. Ein Besuch lohnt sich. Was meint Ihr?