Zwei der höchsten Alpenpässe

DIENSTAG, 10.9.2024 – Zum Wochenende soll das Wetter umschlagen. Deutlich fallende Temperaturen und Schnee bis in die Niederungen sind vorhergesagt. Wir haben am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein den 2.744 Meter hohen Col Agnel und anschließend den 2.360 Meter hohen Col d‘Izoard unter die Räder genommen. Ein Traum …

Der Tag beginnt, wie so oft in dieser Woche, mit einem herrlichen Sonnenaufgang und einem leckeren Frühstück. Die Krönung wäre ein erfrischendes Bad im hoteleigenen Pool, doch der darf nur benutzt werden, wenn eine Aufsicht da ist – und die kommt morgens erst um 10 Uhr.

Wir starten wie immer um 9 Uhr und fragen uns, wann wir von unserer heutigen Runde wieder zurück sein werden? Gut 350 Kilometer zumeist gut ausgebauter Straßen warten auf uns, für die die Navis – je nach Bauart oder Kartenmaterial – schon mal bis zu zehn Stunden Fahrtzeit berechnen.

Es geht zügig voran. Zunächst auf breiten Landstraßen unterwegs, wechseln wir vor Saluzzo auf kleine Wirtschaftswege, die uns durch weite Apfelplantagen führen. Es wird Zeit für eine Kaffeepause. In der Altstadt der 17.500 Einwohner zählenden Stadt finden wir am Rande der Fußgängerzone eine kleine Bar und genießen italienische Lebensfreude pur.

Nach einen leckeren Croissant mit Schokolade und einem feinen Cappuccino bummele ich ein wenig durch die prachtvolle Fußgängerzone. Anders als in den Bergdörfern, in denen wir ansonsten immer gerne Rast machen, pulsiert hier das Leben …

Die Cattedrale di Maria Assunta hätte ich fast übersehen. Der Eingang des 1501 vollendeten Gotteshauses ist relativ schlicht. Das Innere dafür umso prachtvoller.

Von Saluzzo wäre es nicht mehr weit, bis zur Quelle des Po. Doch für diesen reizvollen Abstecher reicht die Zeit diesmal nicht aus. Dafür wartet ein anderes attraktives Ziel auf uns: der 2.744 Meter hohe Col Agnel, über den die Grenze zwischen Italien und Frankreich verläuft. Meist sind wir diesen wunderschönen einsamen Pass von Nord nach Süd gefahren, heute sind wir in umgekehrter Richtung unterwegs. Kurz vor eins haben wir die Passhöhe erreicht – bei bestem Wetter.

Randnotiz: Exakt eine Woche, nachdem wir bei strahlendem Wetter den Col Agnel hinaufgefahren sind, wurde die Passstraße erstmals wegen starkem Schneefall gesperrt.

Vom Gipfelplateau aus schon zu sehen – auf der französischen Seite – das Refuge Agnel. Hier wollen wir Mittag machen. Jeremy hat für jeden von uns eine „kleine Brotzeit“ vorbereitet. Genau das richtige für eine idyllische Rast in den Bergen. Wir sitzen auf der Terrasse im Sonnenschein, genießen die Aussicht und das gute Essen.

Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Col Izoard. Gerüchte machen die Runde, dass dieser gesperrt sei – habe man gerade von anderen Motorradfahrern erfahren, heißt es. Die hätten 180 Kilometer Umweg fahren müssen. Zum Glück nicht zutreffend. Gesperrt ist der Iseran – den haben wir heute aber nicht auf dem Zettel.

Die Straßen sind erfreulich leer. Wir kommen gut voran. Kurz vor dem Gipfel versuchen zwei Fotografen ihr Glück, die vorbeifahrende Motorradfahrer ablichten, in der Hoffnung, dass diese anschließend ihre Bilder kaufen. Der erste ist Serge von Tam-Tam Photo, der in einem Campingstuhl am Straßenrand hockt und uns im Bild festhält. Drei Kehren weiter oben wartet sein Kollege von Griffle-Fotos auf uns. Eine schöne Erinnerung, danke.

Kurz nach uns erreicht auch Stefan mit seiner Gruppe den Izoard. Wir genießen die Aussicht, besuchen den Souvenierschop, machen ein Paar Fotos und schwingen uns wieder talwärts.

Einmal quer durch die Festungsstadt Briancon geht es den Col de Montgenèvere hinauf und damit wieder zurück nach Italien. Eine Baustelle und viele Lastwagen lassen die ersten Kilometer etwas mühsam werden, zudem brauchen die ersten Motorräder so langsam wieder Sprit. Eine Automaten-Tankstelle nahe der Grenze löst dieses Problem …

Wir fahren durchs Susa-Tal zurück. Eine geschichtsträchtige Region – und Paradies für die Freunde des losen Schotters. In Fenestrelle, nahe der gewaltigen Festungsanlage, finden wir unterhalb der Assietta-Kammstraß eine kleine Bar mit fantastischer Aussicht. Wir genießen unseren Kaffee, ein Eis und schauen zu, wie die Sonne so langsam hinter den hohen Bergen verschwindet. Was für ein herrlicher Tag.

Noch eine gute Stunde und wir sind zurück im Hotel. Es ist viertel nach sieben, als ich die G/S auf den Hauptständer hieve. Eine gute Zeit für die lange Strecke und die vielen Stopps. Vor dem Essen bleibt (für die meisten Teilnehmenden) noch Zeit für ein Feierabendbier, dann geht’s unter die Dusche und ab zum Essen.

Morgen wollen wir drei der Seitentäler oberhalb Turins erkunden.

Eine Antwort zu “Zwei der höchsten Alpenpässe

  1. Avatar von Sylvia Illing-Dau Sylvia Illing-Dau

    Danke für die interessanten Berichte, ich kann so noch mehr an der Tour meines Mannes (Heinz-Otto) teilhaben.
    Gruß Sylvia

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