Monatsarchiv: September 2010

Die Kirche von Vodnjan

Ganz im Süden von Istrien liegt die Kirche, in der sich 300 Reliquien finden

Istrien entdecken

Die holperige Gasse, die wir gestern hoch zum Hotel gefahren waren, mussten wir erst einmal wieder runter „hoppeln“ bevor wir zu unserer Rundreise aufbrechen konnten. Während Georg einmal die Küste abfahren wollte, steuerten Dieter und Uwe zunächst einmal Hum an, die angeblich kleinste Stadt der Welt. Hoch oben in den Bergen sollen hier, im Schatten der Kirche, gerade einmal 20 Einwohner leben, von denen wir gerade einmal zwei zu Gesicht bekamen.

Immerhin gibt es ein Café, doch dessen Besitzerin war es wichtiger, um halb elf die Terrasse zu fegen, statt für uns die Espresso-Maschine anzuwerfen, so dass wir im nächsten Ort, in Lupoglav, noch einen kurzen Stopp einlegten.

Im Anschluss umrundeten wir den „Cicariha“ und überquerten das „Ucka-Gebirge“. Angesichts der sommerlichen Temperaturen sicher eine gute Entscheidung, bewegten wir uns doch oft in Höhen von gut 700 Metern. Nahe der Passhöhe fanden wir zudem eine kleine Taverne, die Nudeln mit Trüffeln im Angebot hatte; das schien ein perfekter Tag zu werden.

Für den Nachmittag hatten wir uns Vodnjan ausgesucht. In der grössten Kirche Istriens werden 300 Reliqien verwahrt, darunter die Leichname von fünf Heiligen, die mumifiziert hinter Glas liegen. Zugegeben, ein makaberes Schauspiel – aber, wenn man schon mal hier ist …

Nachdem wir einmal quer durch die Aktstadt von Vodnjan gerumpelt waren, hatten wir „il duomo“ eingekreist und gefunden. Doch die Tür war verschlossen! Dafür den langen Weg?

Schräg gegenüber der Kirche war eine Bar. „Fragen Hausnummer 4“, lautete der Tipp, den wie dort bekamen. Gesagt, getan, schon war der Küster aus dem Nachmittagsschlaf geklingelt, der versprach, in zehn Minuten zu kommen. Zeit für einen kleinen Kaffee, den bei den zehn Minuten sollte es nicht bleiben …

Nachdem das „Kulturprogramm“ abgearbeitet war, gönnten wir uns noch einen Abstecher nach Rovinj, um direkt am Hafen ein lecker Eis zu schlecken. Vorbei am „Limska draga“, einem beeindruckenden, fjordähnlichen Einschnitt, ging es im Anschluss zurück nach Motovun. Morgen würde es weiter nach Kroatien gehen.

Am Ziel

Am dritten Tag unserer Reise hatten wir Kroatien erreicht.

Auf historischem Pflaster zum Hotel

So kann es weitergehen: Morgens hüllen sich die Berge in leichten Nebel, doch wenn wir die Motoren starten, kommt die Sonne raus. So war es auch bei unserer Abreise aus Cerkno. Das Schauspiel war so faszinierend, dass wir – kaum dass wir losgefahren waren, gleich einen Fotostopp einlegen mußten, weil das unter einer Wolkendecke verschwindende Tal einfach im Bild festgehalten werden wollte.

Auf kurvenreicher Strecke erreichten wir schon bald die Höhenzüge des „Trnovski gozd“-Gebirge, in dem es natürlich keinen Kaffee gab. Den konnten wir erst in einer kleinen Bar in Ajdovscina ordern, nachdem wir uns zuvor eine kleine enge Schlucht „hinuntergestürzt“ hatten.

Auf Nebenwegen ging es dann Richtung kroatische Grenze. Die Straße 608 sollte uns direkt nach Motovun führen. Allerdings fehlte auf der Landkarte das Signet für einen Grenzübergang. Von dem kroatischen und dem slowenischen Fremdenverkehrsamt hatten wir im Vorfeld zudem widersprüchliche Informationen erhalten: die einen meinten, die Grenze sei passierbar, die anderen meinten, sie sei nicht passierbar. Also: ausprobieren!

Sie ist nicht passierbar, zumindest nicht für Ausländer. Also mussten wir auf die 201 ausweichen und erreichten am frühen Nachmittag Motovun. Unser Hotel lag ganz oben auf dem Berg. Mit den Motorrädern dürften wir bis ganz nach oben fahren, hatte es geheißen. Was man uns nicht gesagt hatte: die letzten 500 Meter führten durch eine Fußgängerzone, in der noch das historische Pflaster lag, das wohl einst die Römer verlegt hatten. Und da rumpelten wir nun drüber …

Von der Idee, gleich noch einmal ans Meer zu fahren, nahm jeder freiwillig Abstand. Ein frühes Feierabendbier unter alten Kastanien war irgendwie viel verlockender. Nach und nach trafen alle drei Gruppen ein und ließen den Tag gemütlich ausklingen. Morgen wollen wir Istrien entdecken.

Feierabendbier

Nach einer kurvenreichen Tagestour schmeckt das erste Bier besonders gut

Traumhafter Tourenstart

Besser hätte die Tour nach Istrien nicht starten können: strahlend blauer Himmel und gleißender Sonnenschein am frühen Sonntagmorgen.

Über den Gailberg ging’s zunächst nach Kötschach-Mauthen und dann auf kleinen Nebenstraßen zum Naßfeld. Ein kurzer Fotostopp auf der Passhöhe und schon waren wir in Italien. Das einst fürchterlich holprige Sträßchen bergab ist zwischenzeitlich fast durchweg neu asphaltiert und auch der Kehrentunnel im unteren Drittel ist mittlerweile beleuchtet.

Auf der Zufahrt ins Valle di Aupa finden wir eine kleine Bar, in der der erste Espresso auf italienischem Boden genossen werden will. Zur Mittagszeit erreichen wir die Hochebene des Valle Resia, wo wir uns bei strahlendem Sonnenschein mit Würstchen und Polenta stärken.

Kurz darauf ist Slowenien erreicht. Doch schon in Kobarit biegen wir wieder Richtung Italien ab und fahren auf winzig kleinen Straßen Kurven bis zum schwindlig werden.

Noch eine kleine Kaffeepause und der abends eigentlich obligatorische Tankstopp, dann haben wir unser Hotel in Cerkno erreicht. Das Feierabendbier auf der Terrasse schmeckt prima und auch das Abendessen weiß zu begeistern.

Schön war es heute, darin sind sich alle einig. Morgen werden wir in Istrien sein, dem eigentlichen Ziel unserer Reise.

Langsam aber stetig bergan

Mit gleich zwei Motorrädern im Laderaum ging’s hoch auf 1700 Meter

Bettenwechsel

Viel zu schnell ist die Endurowoche zu Ende gegangen. Sechs Tage lang waren wir auf kleinen kurvenreichen Straßen und herrlichen, teilweise Docht recht anspruchsvollen Schotterwegen unterwegs gewesen. Christian, von Hotel Solaria, hatte so manches Schmankerl für uns herausgesucht, so dass jede der Touren, die uns zumeist hoch in die Berge führten, immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis waren.

Zufrieden fuhren die meisten Teilnehmer schon früh am Samstagmorgen nach Hause, während sich Franz-Josef und ich sich von Obertauern aus auf den Weg nach Oberdrauburg machten. Hier, im Gasthaus zur Post, wollten wir uns am Abend mit 20 weiteren Motorradfahrern treffen: Start zu einer einwöchigen Rundreise nach Istrien.

Für den altersschwachen Ford Transit und mich gab es nur zwei Möglichkeiten dorthin zu kommen. Entweder „durch“ den Katschberg fahren – die langanhaltende 15-prozentige Steigung über den Pass wäre zu schwierig geworden – oder aber eine Schleife über Innerkrens. Da schraubt sich die schmale Asphalttrasse zwar auch auf über 1700 Meter hinauf, aber die Steigunggstrecken sind recht moderat. Will heißen: 40 km/h im Zweiten gehen immer.

Gegen Mittag war das Ziel – ohne Tunnelfahrt- erreicht, es blieb genügend Zeit, die in den nächsten Tagen zu fahrenden Strecken noch etwas „feinzuplanen“.

Gegen 19:30 Uhr war der letzte Teilnehmer da und die erste Reparatur schon fast abgeschlossen: ein Reifen musste geflickt werden, in dem ein kleiner Nagel steckte. Na, das fängt ja gut an …

Auf Schotter zur Dreiwiesenhütte

Gut 5 Kilometer Spaß auf losem Untergrund

Ein sonniger Abschluß

Der letzte Tag unserer Endurowanderung. Die Dreiwiesenhütte sollte das Ziel sein. Als wir des morgens um halb zehn aufbrachen, hingen dichte Wolken über dem Tauernpass. Doch schon in Tweng schien die Sonne.

Auf Nebenwegen fuhren wir zum Prebersee und gönnten uns die Zeit für einen Fotostopp. Kurz vor Murau legten wir noch eine Kaffeepause ein, bevor es über den ersten Schotterweg in ein idyllisch gelegenes Hochtal ging.

Zur Mittagszeit war dann die Dreiwiesenhütte erreicht, die in gut 1700 Metern Höhe liegt. Ein gut 5 Kilometer langer Schotterpfad führt direkt hinauf aufs Hochplateau. Auf der Terrasse sitzend gönnten wir uns eine Kleinigkeit – und vor allem endlich einen Becher Buttermilch, der auf den Almen zuvor steht’s ausverkauft war.

Auf dem Weg nach Flatniz entdeckten wir noch eine Bachdurchfahrt, die natürlich sofort in Bild und Video festgehalten werden musste.

Zur Kaffeepause gab’s heißen Schokokuchen mit Schlag und Vanillieeis – natürlich in der Sonne sitzend! Jetzt noch einmal durchs Thomatal fahren, vorbei an Schloß Mosham, und hinter Mauterndorf den Tauernpass hoch. Dann war unsere abwechslungsreich Woche Endurowandern leider schon viel zu früh zu Ende.

Spaß gemacht hat es allen, nicht zuletzt dank der hervorragenden Vorbereitung von Christian vom Hotel Solaria in Obertauern. Im nächsten Jahr könnten wir vielleicht ein paar Tage länger in Slowenien bleiben oder in Kärnten oder dem Salzburger Land ein paar Hochalmen abfahren? Klingt alles sehr verlockend. Mal sehen, wohin uns die nächste Endurowanderung führen wird.