
Die letzte Tour für dieses Jahr. Für die Volkshochschule des Main-Taunus-Kreises gehts nach Idar-Oberstein; wir wollen der Felsenkirche einen Besuch abstatten. Der Wetterbericht zeigt sich unentschlossen, zumindest soll es nicht regnen. Die Straßen sind naß, es nieselt ganz leicht, als ich starte. Bei dem vielen Laub auf dem Asphalt gilt es vorsichtig zu fahren.

Neun Motorradfahrende sind wir, als wir um 9:00 Uhr vom Treffpunkt Heidenfahrt aus starten. Ein kurzes Stück geht es über die Autobahn, dann auf vielen kleinen Straßen in die Stadt der Edelsteine. Gut eineinhalb Stunden Fahrt, dann sind wir da. Die Motorräder werden – auf Empfehlung des Wirts vom „Spießbratenhaus“ am Rande einer Baustelle geparkt. Dann gibt es erst einmal einen Kaffee. Ich bummel eine wenig durch die Altstadt und sammele ein paar Fotoimpressionen ein …








Gut „gestärkt“ machen wir uns auf den Weg. 267 Treppenstufen werden wir heute raufgelaufen müssen, zum Glück in verschiedenen Etappen. Die ersten gefühlt mindestens 150 liegen vor uns. Überm Treppenlauf finden sich immer wieder kleine Gedichte. Die laden zu einer kurzen Rast und zum Lesen ein. So lassen sich unterwegs kleine Pausen einlegen und Niemand merkt, dass die Luft knapp wird …



Der eigentliche Zugang zur Felsenkirche ist gesperrt. Auf den Weg dorthin sind immer wieder Felsbrocken gestürzt. Anfang 1980 wurde deshalb ein Tunnel gegraben, der einen sicheren Zugang gewährt.




Dort warten wir auf unseren Gästeführer, der uns pünktlich um 12 Uhr begrüßt – und uns gleich zu Beginn die Sage von der Felsenkirche erzählt:
Oberhalb liegt die Burg Bosselstein – heute nur noch eine Ruine. Dort lebten Mitte des elften Jahrhunderts lebten die Brüder Wyrich und Emich von Oberstein. Beide waren in Bertha von Lichtenburg verliebt. Als der ältere der beiden Brüder als Ritter in den Kampf ziehen musste, nutze der jüngere die Gunst der Stunde. Wieder nach Hause zurückgekehrt erfuhr Wyrich von der Verlobung und stürzte seinen Bruder, außer sich vor Wut, aus dem Fenster. Wieder zur Besinnung gekommen, vertraute er sich einem Abt an, der ihm empfahl, an der Stelle, an der Emich zu Tode gekommen war, mit eigenen Händen eine Kapelle zu bauen und Gott anschließend um Vergebung zu bitten. Als Wyrich bei der Weihe der Kirche Gott um eine Zeichen der Vergebung bat, soll sich eine Wasserquelle im Fels aufgetan haben, die heute noch fließt. Anschließend soll der Ritter zu Boden gesunken und exakt an der Stelle gestorben sein, an der auch sein Bruder – durch seine Hand – sein Leben verloren hatte.

Eine schöne Geschichte, die Rüdiger, der Gästeführer, uns da augenzwinkernd erzählt. Gemeinsam gehen wir durch den Tunnel – und über weitere 40 Stufen – zur Felsenkirche.

Die kann nur im Rahmen einer Führung besichtigt werden. Ins Auge fällt sofort das dreiteilige Altarbild, ein Triptychon, das die Passionsgeschichte erzählt. Erschaffen wurde es bereits im 14. Jahrhundert und zeigt in Bildern die Verurteilung, Kreuzigung und Auferstehung Jesu. Bis Anfang des 16. Jahrhunderts soll es in der Felskirche gehangen habe. Dann kam die Reformation und mit der Übersetzung der Bibel ins deutsche brauchte man die Erzählung durch Bilder nicht mehr – meinte zumindest Martin Luther. Das Triptychon verschwand in einer Abstellkammer bis es von einem Kunsthistoriker wiederentdeckt wurde.

Ebenfalls aus dem 14. Jahrhundert stammen Altar und Taufstein, ebenfalls beeindruckend die Grabplatte des Ritters Philipp II. von Daun-Oberstein (1394-1432) sowie die Apostelbilder, die wohl aus dem 17. Jahrhundert stammen. Von den alten spätgotischen Glasfenstern gibt es nur noch Fragmente, die Originale wurde von Felsstürzen zerstört. Trotz ihrer Schlichtheit weiß die Felsenkirche zu gefallen und unsere Gästeführer weiß viele kleine Anekdoten und persönliche Einschätzung zu erzählen. Irgendwann klettert er auf die Empore und zeigt uns den „Büßer“, einen hölzernen Kopf, der aus einer Seitentür herausspringt. Eine Besonderheit, ebenso wie das „Porträt“ des Baumeisters, der sich in einer Nische verewigt hat.









Seit Kurzem ist auch das herrliche Bergkristallkreuz wieder zu sehen; es wurde restauriert.

Der letzte Anstieg: es geht über weitere Stufen hoch zur Aussichtsterrasse am Glockenturm. Über und neben uns der nackte Fels, wir sind jetzt direkt in der Felsnische, in der die Kirche gebaut wurde. Wenig später genießen wir die fantastische Aussicht auf Idar-Oberstein.





Auf der Aussichtsterrasse, die eigentlich für Wartungsarbeiten am Glockenturm errichtet wurde, sind wir am höchsten Punkt der Felsenkirche angelangt. Der Blick vom Marktplatz auf die Kirche zeigt, wie weit oben wir sind …


Dann gehts zum Mittagessen. Auf dem offenen Feuer des „Spießbratenhaus“ drehen sich schon kulinarische Genüsse, die uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lassen. Wenig später haben wir gewählt: Spießbraten-Burger, Wildschweinbartwürste, einen Kloß von Tante Inge oder ein feines Entrecôte vom Spießbraten. Alles sehr lecker …





Die letzte Etappe führt uns auf kleinen kurvenreichen Straßen zur Rotenfels-Bastei. Die rund 1.200 Meter lange und gut 200 Meter hohe Steilwand ist vor 270 Millionen Jahren durch Vulkanismus entstanden und zeigt insbesondere in den Abendstunden ihre charakteristische Rotfärbung. Das Rotenfelsmassiv gilt als die höchste Steilwand zwischen den Alpen und Skandinavien.
Wir legen in der Gaststätte „Zur Bastei“ noch einen Kaffeestopp ein und genießen unter sich herbstlich färbenden Bäumen ein leckeres Stück Käsekuchen. Während sich alle anderen anschließend auf den Rückweg machen, laufe ich noch zur „Bastei“. Keine zehn Minuten durch den Wald – wenn ich schon mal da bin …


















Erst mit Einbruch der Dunkelheit bin ich wieder zu Hause.


War – wieder einmal – ein schöner Tag mit vielen tollen Eindrücken. Danke an alle, die dabei waren.






















