Archiv der Kategorie: Piemont 2024

750 Kilometer ohne Stau

SAMSTAG, 14.9.2024 – Gepackt hatte ich schon am Freitagabend, so dass ich am Samstagmorgen, früh um sechs, den Motor des Ducatos anwerfen kann. Es geht direkt auf die Autobahn, zum Großen Sankt Bernhard, den ich im Tunnel überqueren werde. Es wird so langsam dämmerig, als ich mich auf die weite Reise Richtung Norden mache …

Die Gipfel der Walliser Alpen, die ich überqueren muss, sind weiß an Schnee. In der vergangenen Tagen hatte es einen heftigen Wettersturz gegeben, der insbesondere in Österreich für katastrophale Zustände gesorgt hat. Im Grenzgebiet zwischen Italien und der Schweiz halten sich die Auswirkungen in Grenzen: die Straßen sind frei, auch oben am Pass, an dem es minus sechs Grad kalt ist. Im Tal dagegen bestes Wetter 😉

Schon auf der Hinfahrt war mir die kleine Kapelle „Notre Dame Lorette“ nahe Liddes aufgefallen. Jetzt lege ich eine kurzen Fotostopp ein, auch weil ein Reisebus sehr langsam den Berg heruntertrödelt und ich mit dem Ducato nicht überholen kann – dafür reichen die 120 PS dann doch nicht …

Den nächsten Fotostopp verdanke ich der Navi-App auf dem Handy. TomTom stellt die kostenlose App „Go Ride“ ein und bewirbt als Alternative die App „AmiGo“. Und die ist wirklich klasse. Mal abgesehen davon, dass ich schmerzlich die Möglichkeit vermisse, Tracks zu importieren und in eine Route umzuwandeln umzuwandeln, passt alles andere perfekt.

Während Google Maps mich lediglich auf einen Stau hinweist, findet „AmiGo“ eine reizvolle Alternative entlang des „Etang Avale“.

Vorbei am Genfer See geht es Richtung Basel. Gut 100 Kilometer vor der Grenze der nächste fette Stau. Auch hier kennt „AmiGo“ eine reizvolle Alternative durchs Schweizer Jura.

Während ist so gemütlich über Landstraßen rolle, denke ich mir: eine Bäckerei wäre jetzt nicht schlecht. Schon taucht eine auf, die neben lecker Kuchen auch deftige Quiche Lorraine anbietet

Die Grenze rückt näher. Fahre ich die A5? Oder lieber die Schnellstraße durchs Elsass? Da ich auf der französischen Seite in der Regel deutlich entspannter vorankomme, geht es über Colmar und Straßburg Richtung Deutschland. Überraschend gibt es auch in Scheibenhardt eine Grenzkontrolle, die aber kurz und schmerzlos verläuft …

In Kandel wird noch mal vollgetankt und ein kurzes Kaffeepäuschen eingelegt. Dann geht es weiter. Nach gut elfeinhalb Stunden Fahrt erreiche ich mein Ziel – und genieße einen herrlichen Sonnenuntergang.

Die Woche im Piemont war eine ganz Besondere. Jedes Seitental ein Genuss, die Straßen meist verwegen, das Essen ausgezeichnet, das Wetter toll. Wir waren unterwegs mit netten Teilnehmerinnen und Teilnehmern – es hat alles gepasst. Diese Tour wird uns noch lange in Erinnerung bleiben …

Strada chiusa

FREITAG, 13.9.2024 – Noch fünf Kilometer, dann ist Schluss. Steht zumindest auf dem grellgelben Warnschild an der Zufahrt zur Galleria Rosazza. Ein Blick aufs Navi zeigt: das kleine Rifugio am Ende des Tunnels liegt gut vier Kilometer entfernt. Sollte also passen …

Am letzten Tag unserer abwechslungsreichen Motorradwoche im Piemont wollen wir erneut in die Berge. Heute in den Gebirgszug nordöstlich von Turin. An der imposanten Wallfahrtskirche von Oropa werden wir einen Fotostopp einlegen, um wenig später, am Rande einer kleinen Panoramastraße, zu Mittag zu essen. Zunächst werfen wir uns aber auf die „tangentiale“, die dreispurige Umgehungsstraße rund um Turin, um erst Mal „Meter zu machen“. 1,60 Euro Maut werden dafür fällig; die investieren wir gerne.

So langsam wird es Zeit für eine Kaffeepause. In Montalto Dora finden wir eine kleine Bar, schräg gegenüber der „Chiesa Parrocchiale di Sant´Eusebio Vescovo“. Die unscheinbare Kirche, über die sich im Netz so gut wie keine Informationen finden, beeindruckt durch ihr Inneres – sobald sich die Augen an die Finsternis gewöhnt haben. Denn es ist ziemlich dunkel, wenn man durch die Tür tritt. Dann aber entfaltet sich das Gotteshaus in ganzer Pracht.

Noch sieben Kilometer Landstraße, dann geht es endlich in die Berge. Schmal und kurvenreich winden sich die kleinen Straßen die Bielleser Voralpen hinauf. Anfangs gibt ein alter verbeulter Fiat-Panda „die Pace“ vor – so schnell, dass wir ihn nicht überholen „müssen“ und so nicht die Ersten sind, die „ums Eck“ kommen. Gut eine halbe Stunde später lassen wir unsere Motorräder an der Wallfahrtskirche von Oropa ausrollen. Das imposante Bauwerk gehört, wie acht weitere Kirchenanlagen im Piemont und der Lombardei, zu den „Sacri Monti“, die im späten 16. und 17. Jahrhunderts auf Bergen und an Seen errichtet wurden. In 1195 Metern in einem natürlichen Amphitheater aus Bergen gelegen, reichen die Ursprünge bis ins 4. Jahrhundert zurück. In der Einsamkeit der Voralpen überrascht dieser gewaltige Bau.

Gleich hinter der Kirche zweigt die schmale SP 513 ab. Neben den üblichen Warnhinweis wird in grellgelb darauf hingewiesen, dass die Straße in fünf Kilometern gesperrt sei. Bis zum Rifugio müssten wir insofern noch kommen. Zumal wir dort reserviert haben und von einer Streckensperrung nicht die Rede war. Für die Küche war nur interessant, ob wir ein Menü oder lieber individuell bestellen wollen …

Erst 2007 ist dieser Streckenabschnitt asphaltiert worden; deutlich später die Tunneldurchfahrt. Finanziert wurde Projekt im 19. Jahrhundert vom Senator Fedrico Rosazza, der sich aus persönlichen Gründen stark für die Region engagierte. Am Tunnelausgang ließ Fedrico Rosazza noch ein Gebäude errichten, das als Hotel und Restaurant gedacht war. Dort legen wir heute unsere Mittagspause ein. 

Wir haben die Qual der Wahl. Auf einer großen Schiefertafel ist aufgeschrieben, was die Küche bietet. Ein freundlicher Italiener übersetzt uns die Karte, beantwortet geduldig Nachfragen die munter durcheinander gestellt werden, bis feststeht, was wir wollen: siebenmal Polenta mit Gulasch, einmal Polenta mit Bohnen und siebenmal eine kleine Auswahl an Käse, Salami und Speck, dazu Kastanienhonig – was für eine schwere Geburt …

Das Essen ist fantastisch, die Aussicht auch. Wir können uns garnicht losreißen, von diesem herrlichen Platz. Doch wir müssen weiter – anders als geplant. Denn die Straße ist im weiteren Verlauf tatsächlich gesperrt. Auch mit Motorrädern sei es schwierig, meint man im Rifugio. Als ein Endurofahrer nach zehn Minuten wieder zurückkommt ist klar: wir planen um. Noch einmal Tunnel, noch einmal Kirche, dann zweigen wir ab Richtung Biella. Auf kleinen Strassen schwingen wir uns ins Tal und legen in Romano Canavese den nachmittäglichen Kaffeestopp ein. 

Noch gut eine Stunde und wir sind wieder im Hotel – wenn da nicht der Feierabendverkehr aus Richtung Norden wäre, der auch die Umgehungsstraße verstopft und uns zeitweise nur im Schritt-Tempo vorankommen lässt. Kurz vor 18 Uhr sind wir am Ziel, schauen interessiert zu, wie einer der Teilnehmer sein Motorrad über eine elektrische Rampe verlädt und freuen uns aufs Abendessen – eigentlich nicht. Denn heute sitzen wir das letzte Mal bei dieser Tour zusammen. Morgen geht es wieder nach Hause, da trennen sich dann unsere Wege. Wie schade …

Zwei außergewöhnliche Ziele

DONNERSTAG, 12.9.2024 – Erst hatte ich nur das Schild mit der Höhenangabe fotografiert, bis mir ein netter Italiener erklärte, dass der darunterliegende Fels die Spitze des Berges darstellen würde. Und auf dem nach unten abfallenden Felskegel wurde das Kloster errichtet und immer wieder erweitert.

Heute ist Kultur angesagt, für alle die wollen. Mit einem Teil der Gruppe werden wir die imposante ehemalige Abtei des Benediktinerklosters besichtigen, das dem Erzengel Michael geweiht ist. Auf dem Weg dorthin legen wir einen ersten Fotostopp ein und stellen unsere Motorräder kurz vor zehn auf extra ausgewiesenen Parkplätzen ab. Was für ein Service …

Ein kurzer Fußmarsch und wir stehen am Kassenhäuschen. Hier können wir Jacken, Helme und Handschuhe deponieren. Acht Euro kostet der Eintritt. Das ist angemessen, zumal wir eine der ersten Besucher sind und so in Ruhe fotografieren können.

Nach gut einer Stunde haben wir alles gesehen und legen noch ein kleines Kaffeepäuschen mit herrlicher Aussicht im „Klostergarten“ ein …

Unser nächstes Ziel ist Bobbio Pelice. Ein kleiner Weiler im Tal der Waldenser. Von hier aus geht es nur noch zu Fuß weiter. Stefan ist uns mit seiner Gruppe „zwei Stunden“ voraus und konnte über viele kleine kurvenreiche Straßen, am Rande der Cottischen Alpen, ins Paralleltal des oberen Po fahren. Wir müssen aus Zeitgründen zunächst recht breite Straßen nehmen, bevor wir dann ins Waldensertal abbiegen. Je weiter wir fahren und je höher wir kommen, umso abenteuerlicher wird das holperige Asphaltband. Das endet an einem Parkplatz mit Wasserfall; ums Eck ist das Rifugio, in dem wir Mittag machen wollen.

Während Stefan und seine Gruppe sich im Rifugio mit Linguini verwöhnen lassen sitzen wir draußen auf der Terrasse und warten auf unsere Ravioli. Die Zeit bis dahin „überbrücken“ wir mit einem kleinen Fotobummel …

Auf dem Rückweg zum Hotel fahren wir durch große Apfelplantagen; von der berühmten Piemontkirsche aber ist nichts zu sehen …

Den Kaffeestopp am Nachmittag legen wir in Vigone ein. Leider finden wir nicht den Seiteneingang zur Kirche. Wir bummeln, nachdem wir Kaffee getrunken, süße Stückchen oder Eis gegessen haben, noch ein wenig durch die engen Gassen.

Ein Tankstopp noch und wir sind wieder im Hotel. Schön war es und abwechslungsreich; danke.

Zwei von drei

MITTWOCH, 11.9.2024 – Das „Val di Viu“ und das „Val di Ala“ haben wir „geschafft“, für das „Valle di Locana“ hat die Zeit nicht mehr gereicht. Was nicht weiter schlimm war, denn die beiden erstgenannten waren fahrerisch ein Genuss.

Zunächst aber mussten wir den 1.308 Meter hohen Col de Lis (oder Lys) erklimmen, den einzig asphaltierten Übergang zwischen dem Susa-Tal und dem Val di Viu. Auf der Passhöhe befindet sich ein im Jahr 1955 erbauter Rundturm zum Gedenken an die 2.024 Menschen aus den Valli di Lanzo, Susa, Sangone und Chisone, die im Widerstand gegen den italienischen Faschismus und die deutsche Besatzung zwischen September 1943 und April 1945 ihr Leben verloren. (Mehr Infos unter: https://www.gedenkorte-europa.eu/content/list/324/)

Wir legen einen kurzen Fotostopp ein, genießen die Aussicht und fahren weiter Richtung Val di Vui.

So unscheinbar der Col de Lys in der Karte auch erscheint, fahrerisch ist er ein Leckerbissen. Klein, schmal, unübersichtlich durch dichte Wälder führend – einfach herrlich zu fahren, weil für den Schwerverkehr gesperrt. Namensgeber ist übrigens der gleichnamige Fluss Lys, der dem Lysgletscher unterhalb der so genannten Vincent-Pyramide entspringt, einem 4.215 Meter hohen Gipfel im Monte Rosa-Massiv.

In Vui halten wir uns links und fahren auf einer immer schmaler und abenteuerlicher werdenden Straße ins Val di Vui. Im Zweiten Weltkrieg war hier Partisanenland. (https:/www.westalpen.eu/malciaussia.htm).

Die steinerne Brücke „Ponte il Forno“ aus dem 14. Jahrhundert lässt uns spontan anhalten, sie bietet ein schönes Fotomotiv.

Nach einer kleinen Gruppe von Serpentinen halten wir erneut – zwangsläufig: es werden Bäume gefällt, ein Bagger steht mitten auf der Straße.

Wenig später versperrt uns ein Tieflader den Weg und wir werden rund um die kleine Kirche „umgeleitet“.

Dann aber haben wir freie Fahrt – und fühlen uns wie in einer anderen Welt. Eine tief zerklüftete Landschaft mit sattem Grün und hohen Bergen begleitet uns bis zum Stausee Lago di Malciaussia.

Hier, auf 1805 Metern Höhe, endet die schmale Straße; ein kleines Refugio am Ende des Weges lädt zum Kaffee.

Der Lago di Malciaussia ist einer der grössten künstlichen Seen im Piemont. Seine maximale Tiefe liegt bei 24 Metern, der Umfang beträgt etwa 1,96 km. Der See entwässert die „Stura di Viù“, die in der Nähe von Turin in den Po mündet. Der Staudamm des Sees wurde in den 1930er Jahren zur Stromerzeugung gebaut. Das Wasser erreicht durch Stollenleitungen den Ortsteil Crot von Usseglio, Dort befindet sich das zweitgrösste Wasserkraftwerk des Val di Viù befindet. 48 GWh Strom werden dort produziert, was in etwa dem Verbrauch von 16000 Familien entspricht.

Für den Materialtransport während der etwa dreijährigen Bauzeit des Staudamms wurde seinerzeit eine sogenannte Decauville-Schmalspur-Eisenbahn gebaut, die auf einer teils abenteuerlichen und exponierten Trasse durch das obere Tal führt. Die Schienen wurden nach der Fertigstellung des Staudamms grösstenteils abgebaut, auf der ehemaligen Bahntrasse kann man heute von Margone in etwa drei Stunden zum See wandern. Die schmale Straße, auf der wir unterwegs waren, wurde erst Jahre später, vor dem Beginn des zweiten Weltkrieges, zu militärischen Zwecken gebaut.

Wir fahren wieder zurück und genießen noch einmal die unglaublich kurvenreichen Straßen.

Die alte Kirche von Usseglio und das benachbarte „Museo Civico Alpini“ hatten schon auf der Fahrt talaufwärts unser Interesse geweckt; leider sind die Pforten des Museums, ebenso wie der der „Chiesa di Maria Vergine Assunta“ verschlossen. Die Kirche, deren Bau mehrfach wegen Geldmangel unterbrochen wurde, konnte erst 1935 fertiggestellt werden, auch da war der Innenraum noch unvollständig.

Ein kurzer Fotostopp noch an der „Cappella degli Olmetti“. Die Wallfahrtskirche soll auf das Gelübte eines Fischers zurückgehen. Im Inneren befindet sich eine antike Säule, die als wundtätig und als erster Ort der Anbetung gilt.

Das Gebäude aus dem Jahr 1738 ist auf drei Seiten von einem eindrucksvollen Säulengang umgeben, der die Pilger vor dem Wetter schützen sollte. Bis vor einigen Jahren stand vor der Kirche eine große, jahrhundertealte Ulme, die leider gefällt werden musste.

Wenig später biegen wir ins Val di Ala ab. Ganz am Ende, auf 1.850 Metern Höhe, liegt das Rifugio Citta di Cirie. Hier wollen wir zu Mittag essen. Die Lage ist fantastisch: vor uns türmt sich ein mächtiger Gebirgszug auf – fast hat man den Eindruck: hier ist die Welt zu Ende.

Wir fahren hoch bis zur Terrasse, genießen die Aussicht und das fantastische Essen. Vor allem die „Tortellini del Plin“ – mit Käse und Kräutern gefüllte Teigtaschen, die typisch sind für das Piemont – sind ein Genuss.

Auf schmalen Wegen geht es anschließend hinauf zum Colle della Dieta, ein kurzer Fotostopp, bevor wir uns wieder hinunter nach Viu „stürzen“ und noch einmal über den Colle de Lys fahren.

Am Col de Lys treffen wir uns zur Kaffeepause. Ein leckerer Blaubeerkuchen wartet auf uns.

Am späten Nachmittag starten wir zufrieden zur letzten Etappe. Jetzt geht es noch Richtung Hotel. Morgen wollen wir zur Sacra di San Michele, der beeindruckenden, dem Erzengel Michael geweihten Abtei auf dem Gipfel des 962 Meter hohen Monte Pirchiriano.

Zwei der höchsten Alpenpässe

DIENSTAG, 10.9.2024 – Zum Wochenende soll das Wetter umschlagen. Deutlich fallende Temperaturen und Schnee bis in die Niederungen sind vorhergesagt. Wir haben am Dienstag bei strahlendem Sonnenschein den 2.744 Meter hohen Col Agnel und anschließend den 2.360 Meter hohen Col d‘Izoard unter die Räder genommen. Ein Traum …

Der Tag beginnt, wie so oft in dieser Woche, mit einem herrlichen Sonnenaufgang und einem leckeren Frühstück. Die Krönung wäre ein erfrischendes Bad im hoteleigenen Pool, doch der darf nur benutzt werden, wenn eine Aufsicht da ist – und die kommt morgens erst um 10 Uhr.

Wir starten wie immer um 9 Uhr und fragen uns, wann wir von unserer heutigen Runde wieder zurück sein werden? Gut 350 Kilometer zumeist gut ausgebauter Straßen warten auf uns, für die die Navis – je nach Bauart oder Kartenmaterial – schon mal bis zu zehn Stunden Fahrtzeit berechnen.

Es geht zügig voran. Zunächst auf breiten Landstraßen unterwegs, wechseln wir vor Saluzzo auf kleine Wirtschaftswege, die uns durch weite Apfelplantagen führen. Es wird Zeit für eine Kaffeepause. In der Altstadt der 17.500 Einwohner zählenden Stadt finden wir am Rande der Fußgängerzone eine kleine Bar und genießen italienische Lebensfreude pur.

Nach einen leckeren Croissant mit Schokolade und einem feinen Cappuccino bummele ich ein wenig durch die prachtvolle Fußgängerzone. Anders als in den Bergdörfern, in denen wir ansonsten immer gerne Rast machen, pulsiert hier das Leben …

Die Cattedrale di Maria Assunta hätte ich fast übersehen. Der Eingang des 1501 vollendeten Gotteshauses ist relativ schlicht. Das Innere dafür umso prachtvoller.

Von Saluzzo wäre es nicht mehr weit, bis zur Quelle des Po. Doch für diesen reizvollen Abstecher reicht die Zeit diesmal nicht aus. Dafür wartet ein anderes attraktives Ziel auf uns: der 2.744 Meter hohe Col Agnel, über den die Grenze zwischen Italien und Frankreich verläuft. Meist sind wir diesen wunderschönen einsamen Pass von Nord nach Süd gefahren, heute sind wir in umgekehrter Richtung unterwegs. Kurz vor eins haben wir die Passhöhe erreicht – bei bestem Wetter.

Randnotiz: Exakt eine Woche, nachdem wir bei strahlendem Wetter den Col Agnel hinaufgefahren sind, wurde die Passstraße erstmals wegen starkem Schneefall gesperrt.

Vom Gipfelplateau aus schon zu sehen – auf der französischen Seite – das Refuge Agnel. Hier wollen wir Mittag machen. Jeremy hat für jeden von uns eine „kleine Brotzeit“ vorbereitet. Genau das richtige für eine idyllische Rast in den Bergen. Wir sitzen auf der Terrasse im Sonnenschein, genießen die Aussicht und das gute Essen.

Gut gestärkt machen wir uns auf den Weg zum Col Izoard. Gerüchte machen die Runde, dass dieser gesperrt sei – habe man gerade von anderen Motorradfahrern erfahren, heißt es. Die hätten 180 Kilometer Umweg fahren müssen. Zum Glück nicht zutreffend. Gesperrt ist der Iseran – den haben wir heute aber nicht auf dem Zettel.

Die Straßen sind erfreulich leer. Wir kommen gut voran. Kurz vor dem Gipfel versuchen zwei Fotografen ihr Glück, die vorbeifahrende Motorradfahrer ablichten, in der Hoffnung, dass diese anschließend ihre Bilder kaufen. Der erste ist Serge von Tam-Tam Photo, der in einem Campingstuhl am Straßenrand hockt und uns im Bild festhält. Drei Kehren weiter oben wartet sein Kollege von Griffle-Fotos auf uns. Eine schöne Erinnerung, danke.

Kurz nach uns erreicht auch Stefan mit seiner Gruppe den Izoard. Wir genießen die Aussicht, besuchen den Souvenierschop, machen ein Paar Fotos und schwingen uns wieder talwärts.

Einmal quer durch die Festungsstadt Briancon geht es den Col de Montgenèvere hinauf und damit wieder zurück nach Italien. Eine Baustelle und viele Lastwagen lassen die ersten Kilometer etwas mühsam werden, zudem brauchen die ersten Motorräder so langsam wieder Sprit. Eine Automaten-Tankstelle nahe der Grenze löst dieses Problem …

Wir fahren durchs Susa-Tal zurück. Eine geschichtsträchtige Region – und Paradies für die Freunde des losen Schotters. In Fenestrelle, nahe der gewaltigen Festungsanlage, finden wir unterhalb der Assietta-Kammstraß eine kleine Bar mit fantastischer Aussicht. Wir genießen unseren Kaffee, ein Eis und schauen zu, wie die Sonne so langsam hinter den hohen Bergen verschwindet. Was für ein herrlicher Tag.

Noch eine gute Stunde und wir sind zurück im Hotel. Es ist viertel nach sieben, als ich die G/S auf den Hauptständer hieve. Eine gute Zeit für die lange Strecke und die vielen Stopps. Vor dem Essen bleibt (für die meisten Teilnehmenden) noch Zeit für ein Feierabendbier, dann geht’s unter die Dusche und ab zum Essen.

Morgen wollen wir drei der Seitentäler oberhalb Turins erkunden.

Eine 2625 Meter hohe Sackgasse

MONTAG, 9.9.2024 – Seit vielen Jahren schon steht der Colle del Nivolet auf meiner „Bucket list“. Doch die Sackgasse, die am Naturpark Grand Paradiso entdet, liegt so abgelegen, dass ein Abstecher dort hin nie gepasst hat. Jetzt habe ich ihn unter der Räder nehmen können – ein fantastisches Erlebnis. In unzähligen Kurven und Kehren schraubt sich das schmale Asphaltband auf 2625 Meter, um dann an einem See zu enden.

Tag eins unserer wunderbaren Motorradtour durchs Piemont. Es geht in die Grajischen Alpen, eine Gebirgsgruppe im Norden Italiens, die bis hinüber nach Frankreich reicht. Hier, am Rande des Naturparks „Grand Paradiso“ findet sich eine atemberaubende Straße, die einst angelegt worden war, um verschiedene Stauseen erreichen zu können.

Lange war darüber diskutiert worden, sie ins nahegelegene Aostatal zu verlängern. Auf der Nordseite zweigt das Valsavarenche ab; die asphaltierte Straße endet allerdings am Weiler Pont. Doch beide Seiten konnten sich nicht einigen und so wurde das Projekt auf Eis gelegt. Und so wird es auch bleiben, würde die Trasse doch mitten durch den Naturpark führen – heute völlig undenkbar.

Die Suche nach einem Kaffee gestaltet sich am Vormittag schwierig. Wir durchstreifen mehrere kleine Dörfer, bevor wir in Valperga endlich fündig werden. Der Name geht auf den germanischen Frauenstab „Walberga“ beziehungsweise direkt auf „Waldperg“ zurück, was so viel wie „bewaldeter Berg“ bedeutet. In dem kleinen Ort, in dem gerade einmal 3.000 Menschen leben, gibt es nicht nur eine Bar sondern auch eine ganz besondere Kirche.

Diese ist romanischen Ursprungs und stammt aus dem Jahr 1150. Einst Kapelle des Schlosses und Pfarrkirche des Dorfes, kümmerten sich die Grafen von Valperga um den Erhalt und beauftragten hochkarätige Künstler wie Giovanni di Pietro de Scotis, einen Maler des 15. Jahrhunderts, mit der Ausgestaltung. Anfang des 20. Jahrhunderts dem Verfall Preis gegeben, wurde 1937 mit der Restaurierung begonnen. Heute wird die Kirche vom Verein „Amici di San Giorgio“ betreut. Ein Besuch lohnt sich.

2.300 Höhenmeter gilt es auf den nächsten 50 Kilometern zu überwinden. Eine beachtliche Differenz. Gerade als wir wieder auf die Motorräder steigen wollen, fährt Stefan mit „seiner“ Gruppe an uns vorbei. Am Ende der Passstraße werden wir uns wiedersehen.

Gleich hinter Cuorgnè ändern wir die Fahrtrichtung. Waren wir bislang grob gen Norden unterwegs, schwenken wir nun gen Westen. Mit jedem Kilometer gewinnt die Straße an Höhe und verliert an Breite. An den Gipfeln der Berge hängen die Wolken, der Wind weht böig. Mittlerweile zeigt das Themometer nur noch einstellige Temperaturen.

Wir kämpfen uns der Passhöhe des Nivolet entgegen. Auf der einen Seite des Berges sind die Straßen nass, auf der anderen trocken. Die Szenerie hat etwas ganz Besonderes. Dann haben wir den höchsten Punkt der Straße erreicht.

Noch gut zwei Kilometer und wir haben den Endpunkt erreicht. An einem kleinen Parkplatz am See ist Schluss. Von hier aus ginge es (offiziell) nur noch zu Fuß weiter …

Für Mittagessen müssen wir ein Stück zurück. Wir nutzen den Weg hinunter zum Refugio Guido Muzio für ausgiebige Fotostopps.

Silvia hat alle Mühe uns zu bändigen. Alle reden wieder durcheinander, als sie erzählt, was die Küche zu bieten hat, der eine oder andere entscheidet sich dann doch wieder um, am Ende aber bekommt jeder, was er möchte – Polenta mit Beef ist dabei der große Renner.

Beim Bezahlen wird es noch einmal kompliziert. „Mauricio, die zahlen alle einzeln, jeder für sich“, höre ich Silvia ins Telefon sprechen, während sie versucht, für jeden eine Rechnung zu erstellen und das passende Wechselgeld herauszugeben. Das machen wir die nächsten Tage anders …

Auf kleinen Nebenwegen geht’s zurück ins Hotel. Für 70 Kilometer reicht der Sprit noch. Da wir morgen eine große Etappe fahren, will ich so spät wie möglich tanken. Bei einem kleinen Fotostopp macht sich leichte Nervosität bemerkbar. Als wir kurz darauf eine chice Tankstelle finden, ist die Welt wieder in Ordnung.

In Barbania legen wir die letzte Kaffeepause des heutigen Tages ein. Noch einmal „Energie“ tanken, denn auf dem Rückweg werden wir uns durch den Feierabendverkehr rund um Turin kämpfen müssen.

Morgen wollen wir mit dem Col d‘Agnel und dem Izoard zwei der höchsten Alpenpässe unter die Räder nehmen …

Im Korso über die alte Pass-Straße

SONNTAG, 8.9.2024 – Nass geworden sind heute fast alle – außer mir. Aber das hatte einen guten Grund.

Zu viert sitzen wir heute am Frühstückstisch. Dieter und Heinz-Otto, die schon am Freitag mit Auto und Hänger angereist sind, sowie Kai, der – ebenso wie ich – am Samstag auf vier Rädern in einem Rutsch durchgefahren ist; das Motorrad „im Gepäck“.

Das Buffet lässt keine Wünsche offen: süßen Kuchen, Wurst und Käse, frisches Obst, Rührei und Speck – alles, was das Herz begehrt.

Gegen 10 Uhr schwingen wir uns auf die Motorräder, eine Stunde später als sonst üblich. Dieter und Hans-Otto wollen eine alte, unbefestigte Militärstrasse erkunden, Kai plant schon mal eine unserer Touren abzufahren und ich wollte eigentlich schon mal schauen, wie wir zur Sacra di San Michele kommen, der gewaltigen Kirche vor den Toren Turins, die auf einem Felssporn errichtet wurde.

Doch mein Navi macht mir einen Strich durch die Rechnung: die geladenen Karten passen nicht zur Route, steht im Display – Navigation, zumindest so wie geplant, nicht möglich. Zu allem Unglück fängt es auch noch an zu regnen. Ich muss zurück ins Hotel und die Karten neu aufspielen; zumindest habe ich jetzt einen guten Grund, erstmal nicht im Nassen weiterzufahren.

In MapSource, der alten Planungssoftware von Garmin, kommt es immer wieder Programmabstürzen bei den Italienkarten. Da ich die neue Software BaseCamp nicht mag (weil ich sie nicht verstehe), nutze ich eine TopoKarte von Italien sowie die Freizeitkarte Alpen – wechselseitig mal die eine, mal die andere, wegen des unterschiedlichen Kartenbildes. Die funktionieren auch in MapSource.

Wahrscheinlich habe ich am Ende nicht alle Routen noch mal auf der Freizeitkarte neu gerechnet, so dass das Navi nun meckert. Eine halbe Stunde später ist der Fehler behoben. Da es nun aber richtig regnet, beschließe ich erst einmal im Hotel zu bleiben. Und weil es nicht aufhört zu regnen, bleibe ich da auch …

Dass man auch mit einem Roadbook der alten Schule navigieren kann, zeigt mir Gerd ganz stolz. Allerdings ist sein Zettel mit der Wegbeschreibung zum Hotel in der nassen Jackentasche doch etwas unleserlich geworden …

Am späten Nachmittag treffen weitere Teilnehmer ein. Erst Priska und Thomas, dann Lutz, Willi mit Claudia, Hans und Peter. Auch Martin ist schon da.

Die Wiedersehensfreude ist groß, kennen sich doch die meisten von früheren Touren.

Wenig später kommt Stefan. Thomas, der zweimal 500 Kilometer gefahren ist, trifft für heute als Letzter mit dem Motorrad ein. Sie alle sind über den Großen Sankt Bernhard gekommen. Weil der Tunnel zeitweise gesperrt war, mussten sie – in teilweise dichtem Nebel und bei gerade einmal sieben Grad – der Auto- und Wohnmobil-Kolonne folgen, die über die alte Straße umgeleitet wurde. Der Fotostopp am Denkmal des Heiligen Bernhard (hier aufgenommen bei schönem Wetter) musste da leider entfallen …

Kurz vor dem Abendessen treffen auch Charly und Ingrid ein, die wieder mit dem VW-Bus gekommen sind. Schnell wird die BMW entladen und fit gemacht für die Tour. Wie so oft ist der Satz Schrauben zur Befestigung des Windschild unvollständig. Wie so oft müssen wir improvisieren. Zwischenzeitlich haben sich Kabelbinder als Notlösung etabliert. Ratzfatz ist die Scheibe damit befestigt. Auch das Problem mit der Sitzbank, die nicht einrasten will, lässt sich schnell beheben. Dann kann die weitgereiste GS auf den Parkplatz zu den anderen Motorrädern gefahren werden …

Das Abendessen haben wir für 19:30 Uhr bestellt. Wir sitzen an zwei langen Tischen und genießen Maccheronchino mit Hackfleisch (als Vorspeise), eine wunderbar zarte, in Bier gebratene Schweinshaxe mit gebackenen Kartoffel (als Hauptgericht) sowie als Nachtisch eine leckere Torta die Mele – den Apfelkuchen gab es für ausgewählte Teilnehmer übrigens auch „in groß“. Zum Schluss noch ein Espresso; anschließend konnte der Abend an der Bar gemütlich ausklingen.

Morgen wollen wir zum Colle del Nivolet. Die 2.612 Meter hohe Sackgasse endet am Rande des Naturparks Gran Paradiso. Der alte Saumpfad, der hinüber ins Aostatal führt, sollte mal zur Straße ausgebaut werden. Damit wäre eine durchgehende Verbindung in den Norden geschaffen worden. Doch irgendwie konnten sich alle Beteiligten nicht einigen. Aus Gründen des Naturschutzes ist dieses Projekt seit vielen Jahren schon zu den Akten gelegt …

Die letzte große Tour …

SAMSTAG, 7.9.2024 – Um sechs Uhr in der Früh klingelt der Wecker – und doch wird es acht Uhr werden, bis ich endlich wegkomme. Es braucht doch alles seine Zeit …

Die letzte große Tour für dieses Jahr steht auf dem Programm. Das Piemont ist das Ziel, eine Region, die wir häufig nur auf der Durchreise kennengelernt haben. Diesmal nehmen wir uns fünf Fahr-Tage Zeit, um wenigstens einige der zahlreichen Seitentäler entdecken zu können.

Obwohl noch nicht ganz Mitte September scheint es schlagartig Herbst geworden zu sein. Dichter Nebel hängt in den Wäldern, als ich endlich starte, die Sonne hat sichtlich Mühe, diesen zu durchdringen.

750 Kilometer Autobahn liegen vor mir, zu schaffen in gut acht Stunden Fahrzeit, meint das Navi. Dann wäre ich um 16 Uhr da – ohne Pause, ohne Stau; das klappt erfahrungsgemäß nie.

Entgegen meinen sonstigen Gewohnheiten fahre ich über die A5 Richtung Schweizer Grenze und nicht übers Elsass. Letztere Strecke ist zwar gut eine halbe Stunde länger, lässt sich aber deutlich entspannter fahren. Und beim Grenzübertritt in die Schweiz wird man meist durchgewunken …

Es läuft gut. Zwei-, dreimal zähfließender Verkehr, ansonsten rollt es. Vor der Grenze will ich noch mal tanken. Nahe Weil am Rhein wechsele ich auf die A 98 und stehe kurz darauf am „Autohof Dreiländereck“ an der Zapfsäule. Die Tankstelle ist gut frequentiert, oft bilden sich kleine Staus, auch weil die Zufahrt sehr beengt ist. Ich habe Glück und mache den Tank des Ducato ohne Wartezeit randvoll. 1,499 der Liter Diesel, da kann man nicht meckern. In der Schweiz werden dafür 1,97 Euro aufgerufen …

Eine Stunde 25 Zeitverlust durch Staus und Behinderungen prognostiziert die empfehlenswerte Handy-App Sygic für den weiteren Verlauf; das muss doch wirklich nicht sein. Gut eine halbe Stunde geht schon für den Grenzübergang Rheinfelden drauf. Immer wieder geht hier minutenlang garnichts. Dafür den wohlmeinenden Hinweis, einfach mal das Handy wegzulegen …

Endlich in der Schweiz, wird es nicht besser. Gut 80 Kilometer lang stopp and go. Dabei gibt es keine Baustelle und auch keinen Unfall. Es scheinen einfach zu viele Autos gleichzeitig unterwegs zu sein.

Irgendwann rollt es wieder – und ich mache endlich mal Pause. Ein bisschen die Füße vertreten, die herrliche Landschaft genießen und ein wenig Schmunzeln: Auf dem Parkplatz hat ein polnischer Lastwagenfahrer seine Wäsche gewaschen und trocknet diese nun an der Motorhaube …

Vorbei am Ostufer des Genfer Sees, geht es zügig Richtung Großer Sankt Bernhard. Der Tunnel ist der erste, der für den Straßenverkehr in den Alpen gebaut wurde; am 19. März 1964 konnte er eröffnet werden. In weniger als sechs Jahren wurde er fertiggestellt; die Straßenführung auf der italienischen Seite mutet mit ihrem auf Stelzen und in Galerien geführten Verlauf immer wieder abenteuerlich an.

77,50 Euro kostet der Spaß für meinen Kastenwagen, allerdings für die Hin- und Rückfahrt, die ermäßigt ist, wenn man beide Tickets gleichzeitig kauft. Ein paar schnelle Fotostopps auf dem Weg ins Aostatal, dann bin ich auf der A5, die mich direkt nach Turin bringen wird.

Dass im Süden Frankreichs im Herbst ein starker Mistral wehen kann, habe ich schon am eigenen Leib erlebt, dass es die heftigen Fallwinde auch im Norden Italiens gibt, war mit neu. Entsprechende Wetterlagen gibt es auch hier und die Alpen wirken wie ein Katalysator, wenn die Luft wie in einer Düse durch die Täler gesaugt wird. Und so sollte man die Warnungen vor „Strong Wind“, auf den Schilderbrücken an der Autobahn, durchaus ernst nehmen …

Gut eine Stunde, dann bin ich am Ziel. Ein Tankstopp noch, um auf dem Rückweg in einem Rutsch bis nach Deutschland fahren zu können – und natürlich ein erster Espresso in Italien; so der Plan. Auf halber Stecke findet sich eine Esso-Tankstelle, ziemlich verranzt, wie sich bei näherer Betrachtung herausstellt. Kein Hinweis, wo genau die EC-Karte reingesteckt werden muss, alles sehr heruntergekommen. Hier tanke ich lieber nicht.

Dann wenigstens einen Kaffee? Ich gehe an die Bar nebenan. Der Kassierer und die Bedienung unterhalten sich lebhaft mit einem Kunden und machen vorerst keine Anstalten mich zu bedienen. Ok, denke ich mir, hier ticken die Uhren anders, warten wir ein wenig. Es ist ja noch hell …

Zwei Minuten später steht ein dampfer Espresso vor mir und die Welt ist wieder in Ordnung.

Das Tanken hat bei nächster Gelegenheit dann auch geklappt; im 19 Uhr erreiche ich mein Ziel. Drei Teilnehmer sind, wie ich, schon vorangereist; ich lade den Ducato aus und bringe alles auf mein Zimmer.

Für eine kleine Abkühlung im hoteleigenen Pool ist es heute leider zu spät. Aber vielleicht nach einer der nächsten Touren …